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Full text of "Idioticon Hamburgense : oder, Wörter-Buch zur Erklärung der eigenen, in und üm Hamburg gebräuchlichen Nieder-Sächsischen Mund-Art"

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i ——— — — rt 


V l——t-e 














i u - . IDIOTICON 
. HAMBVRGEN SE 








— Zur Erklaͤrung 


ber eigenen, 


L in unb uͤm Samburg gebräuchlichen, 


Sube. (ex t fchen - 


—* vifi mdp 


] 9inmerd unge "unb Zufägen 
3weener berübmten Männern, . 
nei einem Bierfachen Anhange, 


ausgefertiget 
pon - 


. Bigaeı Nice P PP 

















= 1 v5 emi. RE ape 


"^." 





Hoch⸗Edlen und Hoch Gelahrten 
Herrn, 


5695975 


Johann Kiefern, 


Vodhyberhmten lureconfülto, 


bet Hamburgifihen Republique 
viel⸗ jaͤhrigen Hoͤchſt⸗ verdienten 


Syndico, 


meinem infonders 


Hoqhzuchteuden Herrn, 
Sohn patto E 





d» d» e 
Magnijue, , 










Y 3f es einem Berfafir e eine Ehre 
DR form ct bie Erlaubniß bat, feis 
JE, nem Buche, burd) Vorſetzung 
eines hohen unb: vortrefflichen 
Rahmens, Schuß und Zierde zu erwer⸗ 
ben; folebet, anffer Eur. Magnificentz, 
niemand auf ber Welt, von dem id) mir 
biefe Ehre ietzo zu erbitten ſchuldiger und 
begieriger bin. | 

ASie find c6, Hochgewogener 
Patron, Deren Anſpruch an die Schutz⸗ 
und Schirm Gxrebtigleit, über diefe neue 
Auflage meines Hamburgifchen Wörter: 
Buches, um e viel billiger ift, als [^ 

— v -bieftibe 


Zuſchrift. 


dieſelbe einen betraͤchtlichen Vorzug bloß 
Dero guͤtigen Veranlaſſung zu dancken 
hat. Sie wuͤrdigten die vorige unvoll⸗ 
kommene Ausgabe, an einem groſſen 
Koͤniglichen Hofe, den Augen eines hohen 
und erleuchteten Staats⸗Miniſters vor⸗ 
zulegen. Dieſer grund⸗gelahrte Herr 
hatte die Gnade, einen Beytrag dazu 
von einem weiland weltgeprieſenen Gelehr⸗ 
ten Seines Ortes zu verlangen: der Denim 
diejenigen Anmerckungen in. £ateinitgber 
Sprache aufgeſetzet, mit welchen ich, burd) 
Dero hochgeneigte eigenhändige Mit⸗ 
theilung, meinem gegenwaͤrtigen Werck⸗ 
chen keine geringe Zierde geben koͤnnen. 


Sie ſind es, bey Denen eine 
Arbeit von dieſer Art in die rechten Haͤnde 
koͤmmt: indem die hohe Rechts⸗Gelahrt⸗ 
heit und Staats⸗Klugheit, in Dero 
groſſen Seele, ſich mit einer ausbuͤndigen 
Wiſſenſchaft ſo wol todter, als lebender 
Sprachen, bevorab der Teutſchen, ver⸗ 

bindet, mithin die Fertigleit im Gebrauve 

Ser Fr 








— . 


* .— Yufhrift, 
der Urkunden an Dero Theueriten 
Perfon (o (bágbor, als in Dero 
wichtigen Ampts⸗Verrichtungen unent⸗ 
hehrlich iſt. | | 
Ja Sie find es endlich, Huld⸗ 
reichſter Goͤnner, von Denen alle, 
die in unſern Ringmauren an Fort⸗ 
pflantzung wahrer Weisheit und ſchoͤner 
Wiſſenſchaften Beruffs⸗ maͤſſig arbeiten, 
gar ausbuͤndige Proben einer ſonderbaren 
Liebe, kluger Anordnung, und kraͤfftiger 
Aufrechthaltung zu ruͤhmen wiſſen; und 
Denen ich inſonderheit von vielen Jah⸗ 
ren ber, für unzehlige Gunſt⸗ Bezeigun⸗ 
gen, zu aller erkenntlichſten Verehrung 
wid verbunden. achte. 
Hat demnach dieſe meine geringe 
Arbeit bey Eurer Magnificentz das 
Gluͤck einer hohen Genehmigung, fo Tann 
ich mir deſto ſicherer auf einen allgemeinen 
Beyfall Rechnung machen, ie weniger 
iemand ſich getrauen wird, ſeinen Geſchmack 
einem Urtheile entgegen zu ſetzen, das ^ | 
3,4 5 V 








 Sufórift.- 


fo gruͤndlicher Einficht begleitet, und toon 
fo grofier Erfahrung unterflüget wird. 
Und tie darf id) att geneigter Auf⸗ 
nahme zweifeln? wenn Eure Magni⸗ 
ficentz nur. geruhen wollen mein Idioti- 
con von derjenigen Seite anzufehen ; ba 
es fid) zeiget, als eine unfchuldige Beſtre⸗ 
bung, bem Vaterlande zu dienen, wenn 
es auch nur in Erlaͤuterung ſeiner Sprache 
ſeyn ſollte. Es iſt mir ja die Zeit unver⸗ 
geßlich, da ich Das Vergnügen gehabt, 
unte Eurer Magnificeng, und anderer 
vortrefflichen Maͤnner Aufficht und 
Genofienfchaft, die Pflichten eines rechts 
fchaffenen SDatriofen zu erlernen, der 
(i feiner Vater⸗Stadt (o wenig im klei⸗ 
nen, als im groffen, entlegen muß, wenn 
ec nur überseuget ift, einiger maflen nügen 
zu koͤnnen. Ich erinnere mich, aus Sero 
focifen Borfchriftenund Exempeln Die Häß- 
lichkeit derjenigen Menſchen erkannt zu ha: 
ben, die zwar von ihrem Vaterlande an 


Ehre, Güter unb Gemaͤchlichkeiten P 








“4 


Zuſchrift. 


ſert ſeyn wollen; hingegen aber ihrer ſeits 
keine Neigung haben, zur Beſſerung des 
Vaterlandes das geringſte beyzutragen. 
Dem zu folge bat e$ mit nicht zu geringe, 
oder zu muͤhſam ſcheinen duͤrfen, in einer, 
wiewol unbillig, abgewuͤrdigten Sprache, 
einen Forſcher abzugeben, wenn nur damit 
meinen Mitbuͤrgern ein Gefallen, und 
anderweitigen Teutſchen Sprach⸗Lehrern 
ein Dienſt geſchehen moͤgte. 
Hiebey würde es meine Ehr⸗Furcht 
allhier bewenden laſſen, wenn mir nicht 
noch eine ſehr groſſe Patriotiſche Pflicht 
am Hertzen laͤge: nehmlich den HErrn 
aller Herren anzuflehen, bag derfelbe, 
toie allen unfern Theuerften Stadt: 
Vätern, alfo infonderheit „Eurer 


Magnificeng, feine Fräfftigfte Gnade 
und Dbhut wolle angedeien laſſen. Er 
erhalte Dero Hochwehrteſte Perſon, 
die fid) durch fo viele und erfprießliche Ver⸗ 
dienfte fchon länaft unſchaͤtzbar gemacht, 
be ungeſchwachten Gemuͤths · und px 
$e 














Zuſchrift. 
Kraͤfften. Er vermindere unb entferne alle 
unangenehme Obliegenheiten; vermehre 
hingegen Ihre mit Ruhm und Segen ge⸗ 
kroͤnte Sabre, zuſammt ber Bluͤhte Ihres 


Hochanſehnlichen Stammes, Und, 
ie er ſchon den Anblick eines Enckels ver: 
lichen, ſo laffe er die anſcheinende Moͤglich⸗ 
. Teit eines Urenckels dereinft zur gewuͤnſch⸗ 
ten Wircklichkeit gelangen. 


Ich kann das gantze Maaß aller 
von GOtt über Eure Magnificentz 
auszuſchuͤttenden Segnungen mit Wor⸗ 
ten nicht darlegen. Nur bitte ich im 
Erlaubniß, nod) einen gar 3u angglegenen 
Wunſch auszudrüden: daß der Allmäch- 
tige Diefelben ben Tag tolle erleben 
laſſen, da Sie Ihren würdigen Herrn 
Sohn, (von Deſſen wolangewandter 
* Qugend id) die Ehre babe, eín nabe febenber 
Zeuge geweſen zu (en) nicht nur ín vübmli- 
cher Racheiferung, fondern auch ſchierkuͤnf⸗ 
fig in wirdlicher Erreichung der arofien 
| eui einer allgemeinen Hochachtung und 
| an. aué; 





Zuſchrift. 


- ausnehmender Merdienfte, die Wäterlichen 
Fußſtapfen glücklicd) mögen betreten (eben. 
Sl werden unfere Fahr: Bücher dem 
Set erifchen Nahmen, der fid) (don. 
durch mebre.grofíe und gemeinnuͤtzliche 
Maͤnner zur Unſterblichkeit ſchwinget, eine 
neue unleugbare Zierde beyzuſetzen finden. 
Im uͤbrigen, ob mir ſchon meine ver⸗ 
‚Iebten Kraͤffte ein ſchuldigſtes Erbieten zu 
thaͤtigen Dienſten gewaltig einſchraͤncken, 
(p werde ich doch, bis ing Grab, ben leb⸗ 
hafteſten Willen behalten, mit erſinnlich⸗ 
ſter Hochachtung, und tieffſter Ehrerbie⸗ 
tung, zu ſeyn | 


Eurer ogriſrent 








Hamburg, 
gefchrieben in meinem . 


. $offen Ampts » unb 
Töten Lebens⸗ Jahre 
^. 1754 

den 30 Aug. 


wntertham Hof ge gehorſamſter 
Michael Richey. 


S i 





Geneigter unb Sprachliebender 


] 8 find nunmehro eilf Jahre, als ich 
dieſes mein Woͤrter⸗Buch, zum 
Vcerſten Verſuche, ans Licht treten 
| zm ließ. Ich gab mir damahls bie 
| | Ehre, St. Hochedelgeb, bem Herrn 
Schellhaffer, T. V. D. und Hochverdienten öffentlichen 
Lehrer an hiefigem Gymnafio, alá meinem aufrich- 
tigen Gönner ‚und hochwehrteften Amptsö-Genoffen, - 
ben einer fröhlichen Gelegenheit baffelbe aufzutragen, 
In ſelbiger Lateinifchen Zufchrift erbffnete ich meine 
Meinung. von dem Nugen unb der Nothwendigkeit 
biefer Art Berzeichniffe. Und ich bin nachhero fo wenig 
anderes Sinnes geworden, daß ich noch ießo nicht uͤm⸗ 
Bin fann, dem geneigten Lefer, an (tat einer Vorrede, 
biefelben Gedancken, in Teutſcher Sprache, wiewol 





* 


401. À * 
L Vorrede 
im ein merdhliches vermehrter und begründeter, vorzu⸗ 

legen, naͤchſtdem aber von biefer neuen und fehr vor- 
| — Ausgabe des Buches ſelber befjbrige did 
richt zu ertheilen. 


Kein Volck iſt auf der Welt, deſſen allgemeine 
antes Oopradye (id) nicht ſollte in unterfiebene Munds 
Arten sertfeifen , und von ber Einfdrmigfeit ihre& 
"Stammes auf mancherien Weiſe allmählich abweichen. 
Ausbreitung und Entfernung bringen Sachen und 
Nahmen in Vergeſſenheit. Dagegen Friegen neue 
Dinge neue Benermungen. Handel und Wandel, 
dimgano unb Bermifchung mit Fremden, ja fo gar £uft 
und Boden, fammt deren Einfluß in bie £eiber, und in 
Die Werchzeuge ber Ausfprache, wircken alle dahin, daß 
etliche Wörter und Redens-Arten gar verlohren, andere 
entlehnet, vertaufchet, oder neu gemachet, bie meiften 
aber im abwandeln, ausfprechen und fehreiben verän: 
bert werden. . Dieb beweiſen alle Reiche und Eänder, 
und wird mar, befonders in unferm Teusfchlande, 
ſchwerlich eine Tag-Reife thun, ohne zu merken, daß 
fid) die Sprache weniger ober mehr verändere, unb 
. nicht allein Buchflaben und Syllben einen andern 
"Song (3), ] ſondern auch enn: Wörter ein ander 
| Geſchlecht 


[ rn höre einen n, SirberrZeutfhen, tmb 
Ober⸗Laͤnder gegen einander: ber eine fpricht nein, bec ait 
S50. bee nee unb neen der britte nabn und nah. Der eine 
| fagt gläuben, bec andere glóven, ber britte klauben ober. 
. $0 klahben. So wird aus cud, oich, üdh, iu, jau, 
jüdfc: aus ibnen, ehnen, en, bün unb jüm: aus 
, nichts, nicfe, niſcht und nift: aus deed fedt, efegt, 
kſatt Poit: in Deſterreich wird aus einer Mucke 
Mucken⸗ nb opum —— 








Dorrede. m | 


Geflecht (b), Sachen einen andern Nahmen (c), 
ja gar einige Wörter eine gang toiebertodrtige Bedeu⸗ 
tung haben (d). 


.Wer demnach bey einer Haupt⸗ Sprache mit fei 
| wt Betrachtung ins ganfe gehen, und, al ein gelebte 
ter Forfcher, überhaupt von berfelben Natur, Abkunft, 
Reichthum, Schoͤnheit, und Verwandtſchaften eine 
gruͤndliche und vollkommene Einſicht nehmen, ja wol 
gar zu ihrer Reinigung, und Befoͤrderung einer aus⸗ 
erleſenen Mund-Art, als ein Kunſt⸗Lehrer fortſchreiten 
will, der muß nothwendig nicht nur hinter ſi ſich auf den 
Urſprung und ehemahlige Haupt⸗ Veraͤnderungen, 
ſondern auch uͤm ſich her auf alle gegenwaͤrtige Mund⸗ 
Arten ſehen, und deren beſonderen Woͤrter⸗Vorrath 
zu mr als einem Zwecke (i zu nuge manch, 

à 2 Ä 








(b) —F ſpricht der Butter an ſtatt die Butter; 
der Luft an flat die Luft: Nieder-Sachfen: dar Altar, 
dat Schörtel, bat Speck, de Argerniß, de Doof «c, 

^ an ftat: der Altar, die Schäffel, der Speck, das Aer⸗ 
gerniß, das Tuch. Siehe t. Sortfchede SprageKunf 
pag. 218. . 


. (9 Ein fliegendes Gewuͤrme, bad bie Hoch⸗Teutſchen Nymphen 
nennen, heiſſet im Brandenburgiſchen Schilleholte, und 
bey uns Jumffern oder Gaespeerde. Die Porkirchen 
nennet man in Braunſchweig Prychen, in Hamburg 
flectere. Der Storch hat in Braunſchweig den Nahmen 
seilebart, aubereno⸗ Adebar, bey uns ‚Eber oder viel 
mehr Aebaͤr. 


(d) Grynen bedeutet: in Hamburg laden , in Weftphalen 
weinen. Riechen heiffeet auf Schmwäbifch ſchmecken. 
Beſeſſene find im Hoch⸗Teutſchen ‚ die der Teufel plaget: 
bejetenie Manne aber find in biefigem alten Sabi 


SErbgefeffene Manner. 


wv Vorrede. | 
Das Weſen ber Haupt-Sprache fieget ja in allen 
Mund-Arten zum Grunde, unb muß darin anerkannt 
und aufgefuchet. werden : wie ein Menfch, nach feinem 
unterſchiedenen Alter, und aufferlichen Zufällen, zwar 
feine Geftalt verändert, aber dennoch berfelbe Menfch 
bleibet, und derjenige thöricht Handeln würde, der in 
bem andern Anfehen ein anderes Weſen fuchen wollte, 


Zwar iſt es allerdings fchon mas groffes unb ^ 
. unentbehrliches , wenn man aus ber Wanderung bet 
alten Voͤlcker die Herfunft ber unterfchiedenen Spra⸗ 
chen 6eftimmen kann; wenn man weiß, daß Japhets 
Nachkommen (id) in Europa ausgebreitet ; baB unter 
diefen, oberhalb Giriecben-Canb , gegen: Norden, Leute 
gemohnet, bie man bald Scythen, bald Eelten, bald 
Theutoner nennetz daß von deren Sprache bie beiden 
groſſen Quellen aller heutigen Mund⸗Arten in Teutfch- 
lano, nehmlich die T'heotisca oder Alt: Frändkifche, 
und bie Anglo-Saxonica ober Angel-Sächfifche, ent: 
fprungen ; daß aus jener das Hoch: oder Ober -£àrt- 
difche, üm die Donau unb ben Ober⸗Rhein, aus diefer 
das Nieder-Sächfifche, um bie Elbe und Weſer, abge: 
ſtammet; baf in beiden ein giemlicher Zufag vom Sla⸗ 
vonifchen, Gotbifden und Wendiſchen gefchehen ; bag 
endlich beide in die Ober-Sächfifche oder Meißnifche 
Mund⸗Art zufammengefloffen, und bíefe, nachdem fie 
das Glück gehabt, in den Canzelleyen und auf £ehr- 
Stuͤlen (id) feft zu fe&en, mithin vor andern gereiniget 
und ausgefeilet s toerben, ein Dialedtus communis 
des feinen und gelehrten Teutfchlandes geworden. 
Diefes alles, fage ich, iff zwar febr gut, aber es will 
damit be) dem grofjen Wercke einer vollfommenen 
Sprach:Forfihung noch nicht gnug ſeyn: fonbern, wie 
oo. | c o. aum 





Vorrede. V 


zum Behuf ber verlebten Mund⸗Arten Glosſaria 
Francica, Alemannica, Anglo-Saxonica, Go- 
thica, Celtica, Friſica, und andere mehr, nicht feh⸗ 
len; alfo wäre ju wünfchen, daß in ieder Voͤlcker⸗ 
ſchaft des ietzigen Teutſchlandes ein geſchickter Mann 
ſeine Landsmaͤnniſche idióoexva, fleiſſig aufzeichnete, 
ſo wuͤrden alle ſolche zuſammen gehaltene Prouincial- 
Lexica ſehr vieles entdecken, das zum allgemeinen | 
beytraͤglich waͤre, und eine richtige Urtheils⸗ Kunſt 
wuͤrde unterſcheiden, was man, als gut Teutſch, in die 
beſte Mund⸗Art aufzunehmen, und was man, als gar 
zu eigen, oder verdorben, in ſeine Heimat wieder zuruͤck 
zu weiſen haͤtte. 


Ich will des äufferlichen Vortheils nicht erweh⸗ 
nen, den dieſe Arbeit in Erlaͤuterung der Geſchichte, 
und Verſtaͤndniß der Urkunden ſchaffet, worin fich, 

behy fo mancherley Voͤlckern und Mund⸗Arten, zu allen 

Zeiten etwas findet, wozu ein Idioticon den Schluͤſſel 
jen muß (e). Ich will nur. bey dem innerlichen - 

| 45 | |  3BW&t 


(e) Diefes fat c ein vechtfehaffener Gelehrter’ ‚ untvieberfprechlich 
gegeiget im XVIIIten Stücke der Leipz. Critiſchen Bey⸗ 
träge, p;273. unb feine Worte find wehrt, hieher wieder⸗ 

: folet zu werden : * Die alten Deutfchen Scribenten, fpricht 
“er, find derjenigen Mund-Art nachgegangen, toelche in 
“ dem Striche Landes üblich war, wo fie lebten und ſchrie⸗ 
“ben. Hieraus flieffet nim eine bey Erläuterung und. Cre 
** ffárung folcher Schriften nothwendige Segel, bag man 
** sornehmlich diejenige Mund⸗Art gu Rathe ziehe, welche 
* in der Provinz üblich iſt, wo eig Scribent feine Schriften 
** gerfertiget hat. Denn ob g(eid) mit den jahren und in 
** einer langen Zeitfolge auch diefelbige fid) mercklich ändert, 
“fo bleiber boch noch manches übrig, d das die po 

1 e 








wc 


VI (0 Vorrede. 


Nrugen bleiben, ber bie Sprache felbft angehet, und bet 
fo augenfcheinlich iff, baf ich mir nicht getraue, eine, 
‚recht vollftändige Sprach-£ehre, vielweniger ein volle 
kommenes Teutfches Etymologicum zu hoffen, bevor 
elfe Mund>Arten nicht obenhin zu Rathe gezogen, und 
infonderheit bie Stamm Wörter, die fid) etwan aus 
ber einen verlohren, in ber andern aber noch übrig find, 
forgfälgig aufpeſichet worden e Wie ungluͤcklich 
man, 








« behält, unb zum Ausleger dienen kann. Und daher tómmt 
“es, daß fo manches altfeändifche, das ift, altdeutfche 
«* 9Bort einem, ber bie Provinzial Wörter und bie Munds 
« Art nicht weiß, unverftändlich ift, welches einem andern, 
* der von Geburt, Uibung, Umgang, ub. 9. diefelbige fero 
- * pef, gang beutlid) unb befannt if. Gonberlid) gilt dies 
« (c8 von denjenigen Wörtern, die bey aufgeräumtern Leu⸗ 
teen zwar ald rauf und übellautend abgefommen, aber» 
“ unter den gemeinen Leuten, unb oft unter bem geringften 
“NPoͤbel, noch üblich find, — €8 ift dahero nicht übel gethan, 
“ wenn man ein Auge auf die Sprache des Poͤbels, und 
« auch wol der Provinzial Mund-Arct richtet, wie veraͤcht⸗ 
‚lich fie auch ift; indem man noch viele Mibecbfeibfel bet 
. walten Deutfchen Woͤrter barinnem finbe£ , unb daraus 
"^ «fet alten Fraͤnckiſchen oder Deutfchen Sprache ein Licht 
“ anzinden kann. | 


(6 Eben baffelbe bat, noch neulich aufs nachbrücklichfte vorge⸗ 
ſtellet der ungenannte, aber aus ben Goͤttingiſchen Zeitun⸗ 
gen bekannte Steyermaͤrcker, Hr. Johann Siegmund 
von Popowitſch, welcher in feinen a. 1750 herausgege⸗ 
benen Unterſuchungen vom Meere fich ſelber, als ein 
Meer, in manche Theile der Gelahrtheit, inſonderheit in die 
Statut» und Sprach⸗Kunde etgoſſen. Ich moͤgte zwar 
wuͤnſchen, daß er einigen noch lebenden beruͤhmten und 

hochverdienten Maͤnnern nicht ſo hart auf den Leib gegangen 
waͤre, nehme auch an allem, toad empfindlich fallen muß, 
nicht 


Vorrede. vn 





man, in Ermangelung deſſen, mit rathen und muth⸗ 
maſſen zu Wercke gehe, und wie man ſehr oft dem 
urſpruͤnglichen Teutſchen unnoͤthiger Weiſe auſſerhalb 
Teutſchland nachſpuͤre, davon ſind unzehlige Exempel 
vorhanden (g). . Auch Läfft fi aus demjenigen eine 


a4'. Probe 





„nicht bet geringſten Antheil. Dieſes aber vertraue ich 
ſicherlich, daß diejenigen Wahrheiten, die er, von der nutz⸗ 


baren und nothwendigen Erforſchung der ſonderbaren Mund⸗ 
Arten des gantzen Deutſchlandes, in bem angehaͤngten 


E Schreiben an etliche geoffe Gelehrte in Leipzig, vorgetragen/ 
. bep allen mit Einficht begabten Männern , folglich aud) 


felbft bey denen, die fid) beſchwert befinden mágten, einen 
willigen Beyfall erhalten werden. 


(e) Wie man den Namen der Sachſen von den Sacis aud einen 


andern Theile ber Welt, und den boben Wehl vor Stade: 


vom Bel zu Babel herholet, alfo foll auch ein ehrlicher Frieſe 
urſpruͤnglich ein Phryx ober Phrygier aus Aften feyn- 


Waruͤm? Weil in Legibus Caroli M. geſchrieben ficbet : 
Sexo vel Frixo, Wahrlich ein frefflicher Grund, womit 
vieleicht dem Fraͤnckiſchen Schreiber damahliger Zeiten 
zu piel Wiffenfchaft bepgeleget wird, Frefe ift in unſern 


. Gegenden, inſonderheit an der Suͤder⸗Seite der Nieder⸗Elbe, 


ein gar alte und befannted Wort, bedeutend einen Rand, 
Streiff oder Borte, vornehmlich am Tuche, welcher Rand - 
rauher und gröber angewebet toirb, Um die Heffte und Hafen 
in btt Spannung beym Tuch⸗Scherer auszuhalten. Wir 


heiſſen e8 in Hamburg bie £gge, Ja das gantze Lafer " 


wird refe genannt, wann e durch und durch fo. dick und 


‚grob it wie der Rand am feinen. Daher kommt das Wort 


frifer, friſiren, das ift, wollicht oder Erollicht machen; unb 
vom Begriffe des Streiffes rübret in der Bau⸗Kunſt das 
ries, la frife. Die edlen refer nun, bet alten Sachen 
Nachbaren und Bluts⸗Freunde, dürfen ihren Rahmen nicht 
aus der Fremde holen. Sie haben ihn unftveitif von ihrem 


Wohn⸗Sitze, welches bec Staub, oder änfferfic non 
0 . . ilte 


vm (Qe 0c 5, 
Probe nehmen, was in gegentoártigem Idiotico bey 
ben Wörtern butt, druus, enfed, Schilling, ſme⸗ 
fen, Snac, und andern mehr, angemercket worden. 


Sollte fid) iemand defien noch nicht überzeugen. 
fónnen, fo will id) die gröffeiten, unb ıhrer Sprach⸗ 
Runde halber weltberühmten Männer zu Hülffe neh⸗ 
men, deren bep(timmige Zeugniffe beglaubigert werben, 
baf ich weder felbft mit einem Idiotico unnöthige Ar⸗ 
beit thue, noch dergleichen von andern gethan verlange, 
Der grundgelahrte Morhofs in feinem Unterricht 
von der Teutfihen Sprache und Poeſie, Cap. III. 
p. 48. verwirfft Kircheri Meinung, daß die Teutſche 
Sprache defto mehr verborben fep, ie weiter fie gen 
Norden fid) erſtrecket. Denn, fagt er, es iff das 
Begenfpiel wahr, und find Bie Stamm Wörter 
reiner unb umvermifchter ba zu finden. N | 

| wurde 


ifl, der fid) an ber Nord:Ser, vom Munde ber Elbe bis an 
die Süber: See erſtrecket. Darunter führen Die Wurfati, 
. im Stifte Bremen, noch ießo ben Rahmen COurft- Frefen. 
Die Bewohner be. Nord⸗Strandes aber, welches Land 
nordlich gegen über ins Herzogthum Schleswig lieget, hat 
man Strand=frefen genennet, Ben biefer. augenfälligen 
Herkunft bed Nahmens wird man ihn ja wol aus Phrygia. 
zu holen nicht nöthig haben. Und eben fo wenig braucht cd 
nicht, mit dem Hn. Eccard (in pracfat.. ad Leibnitii Col- 
le&. Etymol. p. 11.) nad) der Schweiß zu gehen, allwo 
friefen: fo viel heiffet, al8 die Gräben auf dem Felde 
aufthun. Denn biefed gefchiehet ja allenthalben ; waruͤm 
follten benn bie. Sriefen allein davon den Rahmen fragen. 
Noch weniger aber moͤgte ich mit bem n. Bertram auf : 
ba Wort write» verfallen, welches bedeuten foll sertbeiz 
len; weil nehmlich bie Friefen im Windel am Meere von 
den Teutonern, Belgern und Balliern abgetheilet geweſen. 
Siehe Now A&. Erud. Supplem, T. IV. p.479. 








poc 


4 


Dorrede. IX . 


würde einer mit Derwunderung fehen, wie eine 
Sprache, ein Dialedus ber andern, zu Hälfte 
fómmt, und wie viel Stamm⸗Woͤrter in dem 
alten Sächfifchen, Cimbrifchen, Pommeriſchen, 
Weſtphaͤliſchen, Mecklenburgiſchen 2c. und im 
fonderheit in der alten Gothiſchen, (teen, davon 
nicht allein viel Wörter in der Hochteutſchen 
unſtreitig hergeleitet, welches die Hochteutſchen 
ſelbſt nicht willen, fondern eine fo groſſe Menge 
in der Griechiſchen und Lateinifchen berftammet. 
Denn daß die Unfrigen fülche von den Griechen 
. and Römern geholet, kann nicht mit dem gering, 
fim Scheine der Wahrheit gefaget werden, und 
dufft wieder des Dionyfii Halicarnasfaei Zeugniß 
L. 1. fub in. Der tocilanb -hochverdiente Syndicus 
zu Negenspurg, Pra/chius, hebet bie Worrede zu (eis 
nem Glosfario Bauarico mit biefen Worten anz. 
Quam pretiofa foret opera, fi vnaquaeque Ger- 
manorum natio proprias fibi voces Lexico com- . 
prehenfas ederet, alibi disferu. Nam, vt reli- 
qua commoda praeteream, ficut idioma Bauas 
ricum multas continet radices non Latinae tan- 
tum et Graecae linguae, fed et vulgarium; fic 
haud dubie cetera idiomata complures occul» 
tant :' quas in lucem proferre expedit. Und der 
gelehrte Herr Io. Heumannus in Altvorff beftärcket 
dieſes in feinen Opusculis p. 70$. folgender maffen : 
" Variam ex huiusmodi glosfariis prouincialibus 
vtilitatem percipi posfe conftat. Primum Ger- 
: manorum noftrorum dicta et fcripta facilius 
intelligemus. Deinde multas deprehendemus. 
radices, quas amisías fuisfe putauimus ; vnde 
| a45 lnWae 





Xx Vorrede. 


linguae Theotiſcae ftudio haud parum lucis 
aündetur : ac denique fermonis Germanici 
abundantiam cognoícemus ,' quae peregrinis 
vocibus facile carere poteft. Eben diefer wackere 
Mann hatte an felbigem Orte p. 467. ſchon beflaget, 
daß fo wenige dergleichen Arbeit anzugreiffen , oder 
damit heraus zu rücken £uft hätten, und daß es faff 
eines Obrigkeitlichen Befehls dazu bebürfte. Quan- 
. tam, fpricht er, vtilitatem arti verborum inda- 
gatrici afferant Lexica prouincialia, intelligunt 
omnes: nec tarnen quisquam vel in colligendis 
vocábülis operam collocare, vel, quae forte. 
. confignata fünt, e tenebris vult eruere. Certe, 
nifi magiftratus auctoritas accedat, incerfa fpe 
- obletamur. Sa bem groſſen Leibniß feheinet bie 
befonbere Diale&ologia einer ieden Wölckerfchaft in 
Teutſchland fo angelegen getoefen zu (enn, baf ev eing- 
mahls angerathen, den Sanb:9prebigern im Hannoͤve⸗ 
riſchen mögte auferlegt werden, daß einieder an feinem 
Drte eine gewilfe Anzahl Platt:Teutfcher Wörter 
verzeichnen und einſchicken müfte, bie anderswo nicht 
leicht verfianden würden. Denn fo fchreibt er im 
Jahre 1705 an ben fon. 9(6t Fabricium (h):- Audio 
Dn. Prafchium olim Ratisbonae edidisfe Glosfa- - 
rium Bauaricum vocabulorum Bauaris proprio- 
rum: id nunquam nancifci potui. Vellem 
fimiliter Franconicum et Sueuicum, et aliarum 
Germaniae partium haberemus. Aliquando : 
Dn. Abb. Molano (uafi, vt. tributum indiceret 
noftris Paftoribus ruralibus, cogeretque vnum- 
E | quemque 





finu 


(b) T.L Epift LXXIII. colle&. Kortholt, p. IOj.. 





, 


Vorrede. X 
emque certum numerum vocabulorum infe- 
oris noftrae Saxoniae mittere, quae'alibi non 
cile intelligerentur. Wem diefe Seugnifje nod) 
tbt anug find, ber kann felber nachfchlagen, was bie 
erren Eccard, von Stade, Wachter, Friſch, 
Ib viele andere, von ber Nutzbarkeit ber Provincial 
zoͤrter⸗ Bücher. vorſtellig gemacht; imgleichen, wie 
e,gelehrte Hr. Reichard in feiner netten Hiſtorie E 
* Teutfchen Sprach: Stunff, p. 274. bie preiswuͤr⸗ 
ye Greiffswaldiſche Geſellſchaft in ihren Eritifchen 
erſuchen, ®.L p. 254. iq. und endlich ber hoͤchſt⸗ 
diente Hr. Gottſched in ber neueften Ausgabe feis 
r ausbuͤndigen Sprach: eere, pag: 3. (ih daruͤber 
mehmen [offen 


Inzwiſchen da noch kaum ber vierte Theil von 
en Teutfchen Mund-Arten fein eigenes Woͤrter⸗Buch 
t, und dennoch, ohne dieſes Mittel, ein einzelner 
ann, er mag ein Schwabe oder Schweitzer, ein 
leder-Sarhfe, ober ein Teutſcher Atticus ſeyn, un⸗ 
gglich ben gantzen Umfang der allgemeinen Sprache 
erſehen, vielweniger ein lebendiges Lexicon aller 
alecten ſeyn kann; ſo hat man zwar danckbarlich 
erkennen, wenn einer thut, was er vermag, und 
nm er auch nur Die einige; von iedermann anerkannte 
le Mund-Art; mehr und mehr regelmäflig machet, 
Barbeitet und ausuͤbet; allein die groffe Arbeit 
er unbefchranekten Durchforſchung der geſammten 
srache ſcheinet wol eine gantze Geſellſchaft zu erfor 
v, unb zwar oon Märmern, die fo fleiffig, als ges 
et, und weder aus einerlen Gegenden gebürtig, 
h mit Borurtheilen für ihr Vaterland behaffter fenn 
ıften ; und falle M dergleichen an einem Der nicht 

uo 





= 


XI , Vorrede. 


zuſammen bringen lieſſen, muͤſten fie durch Brief 
Wechſel zum. Antheil unb Beytrag verbunden, haupt: 
ſaͤchlich aber die gantze Genoſſenſchaft von hoͤchſter Hand 
unterſtuͤtzet und mildreichſt angemuthiget werden. 
So lange hiezu weder Anſtalt noch Hoffnung iſt, muß 
man mit Stuck⸗ Wercken zufrieden feyn, und unter ^ 
beffen denen rechtſchaffenen Männern vielen Done \ 
wiſſen, die fid) einzeln Die und ba mit mühfamen | 
Wercken von biefer Art theils ſchon hervorgethan, 
theils noch ietzo befaſſet haben. Z2 
Ach erinnere mich mit Vergnügen einer vor 37 | 
Jahren in Hamburg errichteten Teutfch- Abenden 
Geſellſchaft, bie aber, welches zu bedauren, kaum 
ins vierte Jahr fic) aufrecht Hielte, und toobort id) | 
nunmehro nur der eingige noch am Leben bin. , Diefe 
‚hatte das Glück und ben Wortheil, daß fie vor Anbe⸗ 
gum aüs Männern von unterfchiedenen Nationen 
beſtund, , deren Beytraͤge und Urtheile, in Sachen, 
. ben Urfprung und die Stedbtfdreibung ber Wörter . 
betreffend , billiger mafjen angenommen , erwogen, : 
und zum gewiſſen Nutzen in der Wahl und Beſtaͤtigung 
des beſten angewendet wurden. Alſo war der grund⸗ 
gelahrte Hr. D. Johann Albert Fabricius ein Meiß⸗ 
ner, der wolverdiente Hr. Rector Johann Huͤbner 
ein Lauſitzer, der ſcharffſinnige Hr. Secretaire Sa⸗ 
muel Triewald ein Schwede, ber fleiſſige und beliebte: 
Hr. Johann Ulrich Koͤnig ein Schwabe. Die uͤbri⸗ 
gen, nehmlich der hochberuͤhmte Hr. Barthold Hen⸗ 
vid) Brokes, I. V. L. nebſt bem Hn. Georg Jaͤcob 
Hoefft, J. V. D. unb mir, waren Nieder⸗Sachſen. 
s belobter Hr. Koͤnig in ſeinem Vorberichte zum 
Steinbachiſchen Lexico erwehnet, daß dieſe Ham⸗ 
mE | burgiſche 





ee. e —— gun n 















Ä orbe, — —— XIH 
i ine Geſellſchaft, nicht weniger als bie Bers 





- Sinifche, ibr 9tugenmerd auf ein Fünftiges Woͤr⸗ 
, ters Bud) gerichtet gehabt, folches hat nicht allein 
Ü feine Richtigkeit, fonbetm id) fann bezeugen, daß noch 
: manche andere gute Arbeit vor die Hand genommen 
ward, womit mar der Teutfhen Sprach-£ehre nicht 
à wenig wide zu flaten gekommen enn, wenn e$ mög- 
, fid) geiwefen wäre, eine gröffere Anzahl geſchickter und 
- arbeitfamer Gehülffen, aus mehren Mund- Arten. in 
; Hamburg zufammen zu bringen. Allein, ba ber Mite 
A glieder nur fo wenige waren, und in Eurger Zeit, durch 

abfterben unb verreifen, noch weniger wurden , dem 
j hörigen aber meiftentheils tägliche und mühfälige 
í Ampts-Berrihtungen oblagen ; (o mufte nothwendig, 
[ in einer bloffen Neben-Arbeit, viel gutes im Entwurffe 

öder rohen Vorrathe Tiegen bleiben, und famen nue 
etliche, nebenläuffig in ber Verſammlung verlefene, 
| Beine Aufſaͤtze zur Reiffe, Davon es dem Hn. Hof⸗Rath 

Weichmann gefallen, einige feinen Sammlungen 
- ber Poeſie der Nieder⸗Sachſen vorzufügen. Wir 
muſten uns affo Damit zufrieden geben, Daß nicht [ange 
j Berna), aus denſelben Mitgliedern, in bie Stelle der 

erlofchenen Grammatiſchen Geſellſchaft, eine Morali- 
| fihe, riehmlich bie Patriotiſche, wieder eintrat, mit 





welcher e8, wegen leichteren und mehren Beytrittes, 
beffer, als mit der Teutſch⸗uͤbenden, fort wollte, 
wie davon bie am Tage liegenden wolaufgenommenen 
unb ſchon oft wieder aufgelegten Schriften Zeugn ß 
geben, als worin man, neb(t ber fittlichen Haupt⸗ 
Abſicht, zum toenigften burd) ein gutes Beyſpiel, aud) . 
der Teutſchen Sprache Feine Unehre zu machen, bene 
het getoefen. D. 





Damahls. | 





XIV e ment. m | 


Damahls, als unfere erfie Geſellſchaft nod) arbeis 
fete, fam mir in bie Gedancken, zum Behuf einer 
Allgemeinen Wort⸗Forſchung, diejenigen Wörter und 
Redens⸗Arten aufzuzeichnen, Die der Stadt Hamburg 
und ihrer Rachbarfchaft eigen find. — Syd) wuſte aus ber 
Erfahrung, mie wenig biefe[ber zum Öftern an anberm 
Drten verftanden werden, und was für Irrthuͤmer 
und Mibdeutungen daher entftehen. Allein, meine 
Arbeit hörete mit ber Gefellfchaft auf, und blieb aud) 
nachhero eine geraume Zeit unangerühret, bis id) mid) 
entfchloß, auf Anfangs ermehnte S3eranfaffung, mit 
bent erften Verſuche heraus zu rücken, Nach verſpuͤr⸗ 
ter guten Aufnahme, bin ich Darauf zum andern mahle 
uͤm be(to fleifliger daran gegangen, ie unverhoffter 
mic) ein freywilliger Beytrag von geneigten Händen 
aufgemuntert , und ie mehr andere wackere Männer 
mir inzwiſchen bekannt geworden, bie fid) mit dergleis 
chen Wercken, ein ieber in feiner Landes-Sprache, 
hervorgethan. Dem geneigten Lefer wird vielleicht 
sicht unlieb fepn, wenn ich von foldyenLexicographis. 
prouincialibus hier ein Berzeichniß mittheile, nicht 
allein, weil ich zweifle, daß fich felbiges Ichon anderswo — 
“eben fo vollſtaͤndig finde, fondern auch, damit man | 
erkenne, was für Mund-Arten in Teutfchland übrig | 
find, die fich nad) einem eigenen und einheimifchen 
Wörter» Buche nod) ümzufehen haben. | 
Bon mancherley Dialedtis im Reiche überhaupt, 
Bat ber grofie Polyhiftor und Water ber Gelehrten: 
Gefchichte bep ben Teutichen, Conradus Gesnerus, . 
(bon vor zweyhundert Syabren eine Nachricht mitaes 
theilet in feinem Mirhridate, edit. Waferi, fol. 30 
. etíqq. Weiler aber bey den alten Voͤlckerſchaften 
| j m 








te quem 7c 


"e. 7 CU -GePeeUwaslge- 7T 
" H 


Vorrede. XV 
in Teutſchland fid) weitläufftig auf bált,. fo ift unter 
ben jüngeren Mund» Arten nur etwas weniges vom 


Schweizeriſchen, Schwäßifchen, Bayeriſchen und Bra⸗ 
bantiſchen mitgenommen. Zwar ſtehet auf dem 





44ften Blate ein kleiner Anhang, unter dieſem Titels . 


De fcribendi proferendique diuerfitate in. aliis 


quibusdam Germaniae regionibus, vt in Ger- 


manico quodam libro Fabiani Franci annotatum 
reperi Allein auc) diefes ift febr mager, und beruͤh⸗ 


tet nur bie Mund:Arten der Schlefier, Meißner und 


Franden. Zum wenigften iff. von unferm Nieber- 
Sächlifchen, meber von biefem ziemlich unbekannten 
Fabiano, ttod) vom Gesnero , famt feinen Erlöuterer 


Cafp. Wafero, das geringfte Bepgebracht worden, — 


- Bon der Bayerifhen und Defterreichifihen 


Mund: Art hat der toeltgepriefene .Io. Lud. Prafchius 


einGlosfarium verfertiget, und feiner zweyten Disfer- 
tation de Origine Germanica linguae Latinae, 
welche zu Regenspurg 1689. 4. herausgefommen, 
engebanget, Nachdem aber fo tool diefe, als die erfte, 


bren Jahre vorher ausgefertigte Disfertation, fo we⸗ 


níg mehr zu finden getoefen, daß auch felbft ber Here 
von Leibniß, wie oben ermwehnet, ihrer nicht habhaft 


. werden Eönnen; fo find. wir dem berühmten und 





Sprach⸗erfahrnen Mtdorffifchen Nechtö:Eehrer, Herrn 
lo. Heumanno, vielen Danck fchuldig, daß er in ſei⸗ 
nen, zu Nürnberg 1747. 4. herausgegebenen Opuſcu- 


. lis pag. 674 fqq. gedachtes Glosfarium wieder zum 


Vorſchein gebracht, und nicht allein aus der erftem 


Disfertation, was dahin gehörig, ausgezogen, fone 
dern auch P.692. von demjenigen, was er felb(t, tor: 
nehmlich in Defterreich, angemercket, eine ziemliche 

to Nachleſe 


x Worrede. 
Nachleſe Pom ndi get bat, Der redliche Prafchius 








hat e& tool verdiene, daß von feinem Leben und Schrife | 


ten, auffer dem Gelehrten-Lexico, viele wackere 
‚Männer Nachricht gegeben: wohin vor andern gebós 
ren G. Nic. Kriegk im DBorbericht vor der zweyten 


Ausgabe des Rofeci Prafchiani, len. 1702. Eccard | 
in Hift. ftudii Etymolog. c. 31. p. e42íqq. unb. 


Hr. Prof. Reichard in bem netten Verfüch einer Hir 
ftorie der Deutfchen Sprach Kunft, p. 269 fq. 


| 





Bon Schwäbifchen Wörtern hat der bereits | 


geruͤhme Verfaſſer einer Anmerckung uͤber die Er⸗ 


klaͤrung altdeutſcher Schriften aus noch uͤbrigen 


Provinzial Woͤrtern und beſonderer Mund⸗Art, 
zumahl des Oberſchwabens, ein ziemliches Ver⸗ 
zeichniß beygebracht, in bem fünften Bande ber Bey⸗ 


traͤge zur Critiſchen Hiſtorie der Deutſchen 


Sprache, p.277íqq. Und ob wol des gelehrten 
Augspurgiſchen Raths⸗Conſulenten und Scho- 
larchen, Hn. Chriſtoph Friedrich Wengs, Glos- 
farium Auguſtanum, ober Critiſches altdeutſches 
Woͤrter⸗Buch über das Augspurgiſche Stadt 
Buch, (wovon im vierten Bande befagter Beytraͤge 
p. 585. eine Probe zu lefen) eigentlich auf bie Sprache 
des 13ten Jahr⸗Hunderts gehet, auch zum wenigften 
Sie Nechtfchreibung feithero fid) gewaltig verändert, 
fo ift doch fchwerlich zu vermurhen, daß bie heutigen 
Schwaben, im fprechen, ihrer alten Mund⸗Art fo gar 
follten abgeftorben feyn, :daß man dieſes Glosfarium 
zum ießigen Idiotismo überall nicht brauchen koͤnnte. 
Eben deswegen mögte ich auch von ben Schwäßifchen 
fübfidiis idioticis nicht gänglich ausfchliefen bie Gt» 
klaͤrung der Teutfchen Woͤrter aus einen wies 


Vorrede. "XVII | 


fachen zu Augspurg gedruckten Neuen Zelle 
mente, welche ber (dl. Hr. Dieterich von Stade 
unter feinen gefehriebenen Wercken hinterlaſſen. 
Ein kleines Schlefifches Idioricon findet fid) 
in der Sileſia loquente, welche artige Disputation 
ein Schleſier aus Herrnſtadt, Nahmens Chriſtian 
— Meisner, unter bem groffen Schurgfleifch in Witten 
berg a. 1705 gehalten, Die Teutſche Gefellfchaft 
- in Greiffswald Bat diefelbe wehrt gefunden, mit vielem 
Stubme, und mit Aufmunterung anderer zu dergleichen 
Arbeit, einen Auszug davon zu machen, in ihren Cri⸗ 
tischen Verfüchen, $8. 1. p.254 ſaq. E 
Die gefammte Nieder⸗Saͤchſiſche Sprache hat 
einen weiten Umfang, unb ift in febr viele befondere 
Mund- Arten unterfihieden. Noch haben wir Fein 
Wörter: Buch, das fid) über alle Gegenden erſtrecket, 
100 Platt-Zeutfch gefprochen wird. Das meine, ob 
es gleich auſſer Hamburg eine ziemliche Nachbarfchaft 
 mitnimmt, befaflet bod) dag wenigſte. Deswegen 
Babe ich in ben Hamb, Berichten vom Jahre 1743. 
p. 839. aus Wolfenbüttel mit Vergnuͤgen gelefen, 
daß meine wenige Arbeit zweene gelehrte Männer da: 
ſelbſt, bie von Geburt Tieder-Sachfen find, veranlaffet 
habe, feither an einem etwas vollftändigern Idiosico 
Circuli Saxoniae inferioris yu arbeiten ; und daß fie, 
wie Die Worte des Berichtes lauten, “ in ihren Unter⸗ 
" füchungen fo glücklich gemwefen find, daß fie vieles 
*5 nerborgene entbecfet, und von einer groffen Anzahl 
* Hochdeutfcher Wörter nunmehro gründlichere Rechen: 
“haft geben können. Sie gebencfen. bald fertig, 
* inb. alfo im Stande zu ſeyn, ihr Werckgen einem 
* billigen Verleger zu überlaffen ” $6 zweifle nicht, 





die 


XVII . Dorrede. 


bie inzwiſchen verfloſſene neun Jahre werden wolge 
Dachten mir unbekannten Männern zu Bereicherung 
und odlliger Reiffung ihrer loͤblichen Arbeit zu ftaten 
gekommen feyn : infonberfeit, wofern fie gut gefuty 
den, des Erbietens des n. D. G. Venzky fib zu 
nuge zu machen, als welcher bald darauf in denfelben | 
Berichten des folgenden jahres p.94. aus Prenzlau | 
befannt machte: “daß er eben einen folchen 23orfag 
“ gehabt , und deswegen vieles zuſammen getragen 
** Habe: er glaube auch, DaB obgedachte Herren ihren 
“Vorrath daraus noch ziemlich bereichern Fönnten, 
* unb daß es nicht übel wäre, wann es gefchähe. ” 
Sollten bemnad) die Bedingungen ‚ unter welchen 
ber Hr. D. Venzky feine Sammlung angeboten, 
denenfelben annehmlich gemefen fepn, fo dürfte man 
daher freilich was grofles, aber ſchwerlich was allge: 
meines, im Nieder:Sachfifchen (id) zu verfprechen 
haben, es wäre denn, baf biefe Herren verfichern koͤnn⸗ 
ten, daß fie an den vornehmften Dertern aller Lande 
fchaften des weitlaufftigen Kreiſes fich felber aufge: 
falten, auch Zeit und Gelegenheit gnug gehabt hätten, 
die ungehlige Menge eigener Wörter und Nedend: 
Arten bey fo mancherley Eeuten zu lernen und zu ver⸗ 
ftehen. Die-Erfahrung hat mich beffen in bem einzi⸗ 
gen Hamburg uͤberzeuget. 
Schon vor vielen Jahren hatte der Hr. von Leib⸗ 
nitz erſt dem beruͤhmten Secretario in Bremen, 
$n. Johann Henrich Eggelingen, unb, ba dieſer 
es von ſich ablehnete, dem nicht weniger dazu geſchick⸗ 
ten Reformirten Theologo daſelbſt, $n. Gerhard 
Meiern, angerathen, ein Glosfarium Saxonicum, 
oder Nuder Sachſiſches Wörter Buch, zu verfere - 
tigen, 








Dorrede. . XIX 
tigen, in quo, wie Hr. Eccard meldet (i), voces 
plebeiae, raro occurrentes et obfoletae Saxo- 
niae inferioris exponerentur. Es ift auch diefer 
wolerfahrne und fleiffige Mann wircklich Daran gegan⸗ 
gen, und hat dasienige, was er in etlichen Jahren 
geſammlet, zwar fchon in ziemliche Ordnung gebracht, 
bod) aber den Tag nicht erlebet, daß er es felber ber 
Welt mittheilen fönnen. Wiewol der von ihm hin⸗ 
terlaffene Vorrath das Glück gehabt, ín die allerwuͤr⸗ 
bigften Hände eines weltberühmten Anderfong zu kom⸗ 
men, und nebit Deſſen eigenen, zur Sprach Stumbe 
 gebbrigen Schägen, einer laͤngſt gewuͤnſchten Ausgabe 
ſchier Fünftig zu gewärtigen (k). : 2E 

Bon Märcfifihen Idiorismis hat etwas weni. 
ges beygebracht Joacb. Frommrus, ehemahls Rector 
der Schulen in der Neuſtadt Alt-Brandenburg, ín feis 
ner Nomenclatura rerum, quae Brandenburgi funt, 
vifibiliun er memorabilium , in vfum fcbola[ticae 
duuenrutis, fub forma colloquii adornata. Dieſes 
a. 1679 gedruckte Büchlein hat zwar Frommii Nach: 
folger, Caſpar Gortfchling, unter bem Titel: Be⸗ 
fhreibung der Stadt Alt-Brandenburg in der 
Mittel⸗Marck, a 1727. 8. wieder aufgelegt, und 
mit Anmerddungen vermehret, aber zu pag 60 fq. 

b.2 100 








© in Hift. &udii Etymol. p. 107. 

(&): Dievon giebt die vollftändigfte, au allen andern zuſammen 
gezogene Nachricht bad anébünbige Monumentum loannis 
Andecfon &c. welches der hochberühmte Hr. D. Johann 
Diererih Winckler, bamabíó an hiefigem Gymnatie 
Öffentlicher Lehrer der Beredtfamteit ıc. ietzo hochverbienter 
Superintendent in Hildesheim, bem Gottfäligen on. Buͤr⸗ 
germeiſter jn Ehren, A. 1743. ausgefettiget. 


, 


XX Vorrede. 
wo von der Sprache gehandelt wird, nichts hinzu⸗ 
gethan. Wie waͤre es demnach, wenn ruhmerwehn⸗ 
ter Hr. D. Venzky, ba er ſelber in ber Nker⸗Maͤrcki⸗ 
ſchen Haupt⸗Stadt dienet, (id) bewegen lieſſe, an (tat 
mit gantz Nieder⸗Sachſen ſich zu befaſſen, ein vollſtaͤn⸗ 
diges Maͤrckiſches Idioticon hervor zu bringen. Nie⸗ 
mand weiß beſſer als er, mit welchem Nutzen man zu 
dieſem Ende vor ſich legen koͤnne des erfahrnen Hrn. 
Joh. Leonhard Friſchens wolgefaſſeten Entwurff, 
was fuͤr Woͤrter in ieder Provintz und Gegend 
von Teutſchland, ſonderlich in der Marck Bran⸗ 
benburg,. au ſammlen find, zur Beförderung 
des fo nöthigen Allgemeinen Teutſchen Wörter: 
Buchs, fonderlic, was die Wörter find, die nur 
von einigen, und nicht von allen an allen Orten. 
gebraucht werden. Es findet fid) berfelbe in dent. 
zu Berlin 1734. 4. gedruckten Erſten Auszuge, 
von einigen, die Teutſche Sprache betreffenden 
Stücken, welde der Königl. Preuffifchen Socie- 
zaer bet Wiſſenſchaften, in der dazu verorbneten. 
Abtheilung, nad) und nad) übergeben worden, 
pag. 3 fq. | | 
Mit Preuſſiſchen unb Weſtphaͤliſchen Woͤr⸗ 
tern gefiel es einem gelehrten Manne, der ſeinen Nah⸗ 
men nur durch ein S... zu erkennen gab, in den 
—8 Berichten 1743. p.473. meinen erſten Ver⸗ 

ch in etwas zu erlaͤutern. Irre ich nicht, ſo hatte 
man dieſe kleine Beylage dem ietzo in Osnabruͤck wol⸗ 
verdienenden Rectori. fon. Joh. Chriſtoph Strodt⸗ 
mann, zu dancken. Vielleicht waͤre niemand geſchick⸗ 
ter, als dieſer unverdroſſene Mann, ein vollkommenes 
Weſtphaͤliſches Idioticon zu liefern, wenn N fine 

DEE ee en et: 





Vorrede. XXt 


| anderweitige c gelehrte Gefchäffte fo leicht, als Er db 
dazu moͤgten bequemen wollen. E 
Was im Bremiſchen und Verdiſchen wo 
vormahls bie Chauzen gewohnet, fuͤr eigene Woͤrter 
befindlich, davon hat ein Verzeichniß gemacht der 
a. 1720 verſtorbene Hr. Infius Io. Kelpius, weiland 
Koͤniglicher Amptmann zu Ottersberg im Stifte Bees 
: men, nachhero aber im Luͤneburgiſchen aͤlteſter Cano» 
nicus des Stiftes Ramelslo. Dieſes ungemein fleiſ⸗ 
- figen, und ber Sprache, Geſchichte und Alterthuͤmer 
ſeines Vaterlandes uͤberaus kundigen Mannes, geſchrie⸗ 
ben hinterlaſſene eigene Wercke, ſammt was er an 
Urkunden und alten Jahr⸗Buͤchern in groſſer Menge 
geſammlet hatte, ſind der Wittwe fuͤr ein maͤſſiges 
abgekaufft, unb in bie Koͤnigl. Bibliothec nad) Han⸗ 
nover gebracht worden. Unter ſelbigen war ſein Ver⸗ 
zeichniß allerhand wehren oder Platt 
Deutfher, theils in denen Herzogthümern Bre⸗ 
men und Derden faft aan M uchlichen, oder 
audy aus der alten Run» Cert: Scand: und 
Cep ben Sprade urfprünglich beefommenber 
Wörter. Der Hr. von £eibnig hat defien eine Probe 
mit feinen Anmerchungen erläutert, welche Eecard, 
unter dem Titel: Ad Glosfarii Chaucici Specimen 
Notae , bet Collectaneis Leibnitii Etymologicis 
p. 33. einverleibet hat. Es ware aber zu wuͤnſchen, 
daß et, an (lat eines Speciminis, das gange Glosfa- 
rium mitgetheilet hätte, weil e, laut der Vorrede, 
. in ſeinen Händen geweſen; ober Daß noch iego ein ges 
fchid'tec Mann fid) die Mühe gabe, baffelbe, entweder 
aus dem Hanndverifchen Original, oder aus einer bey 
unferm Wolf, $n. P. ed befindlich Se 
rift, 





XXU —- — Vorrede. | 
Abſchrift, an ben Tag zu bringen — Kelpius war in 
ber That ein groffer und mwürdiger Dann, der feine 
geiftlichen Einfünfte nicht in (ünblid)em Müffiggange, 
fondern in einer gefchäfftigen. und gemein-nüglichen | 
Ruhe verzehrere. Wir würden oon feinen Wercken 
unb Verdienſten wenig wiſſen (mie ihn denn aud) 
das Gelehrten:Lexicon bishero gänglich übergangen)), 
wenn nicht bie Zierde Des gelehrten Luͤbecks, der üm 
bie Gedaͤchtniſſe fo vieler wackern Männer unfterblich 
verdiente Herr Lic. lo. Henr. von Seelen eine gute 
Nachricht davon gegeben hätte, in feiner wolausgenrs 
beiteten Memorıa Stadeniana p. 164 faq. welches 
Buch einen Schag von Philologifchen Anmerckungen 
sur alten unb neuen Teutſchen Sprache in (id) begreiffet. 
‚Aus eben bemíelben p. 145. gehdret hieher, daß aud) 
ber vortreffliche Herr Dieterich von Stade, der 
gewiß in unjerer Spracd’ Stunde wenige feines gleichen 
gehabt, Vocabula Wur[ato - Frifica, das ift, ein Vers 
geichniß ber Wörter, bie bep ben Wurftern, oder Wurſt⸗ 
Frefen, im Stifte Bremen, üblich find, Dinterlaffen. — 
Welches , neb(t allen feinen Manufcriptis Gramma+ 
 tico- Philologicis, fo wie ber Selpifche Vorrath, 

von dem Sn. Eccard a. 1723. in den Hamoͤveriſchen 
Bücher-Schag angefauffet worden. 

- Das Holfteinifche Dat ohne Zweifel fo viel eige- 
nes ‚als irgend eine Mund⸗Art in Teutfchland. Es 
kann auch ſeyn, baf von einem oder andern Sprach: 
 funbigen Gelehrten, in biefem uralten Sige ber Nord: 
albingiſchen Sachien, an ein vaterländifches Wörter: 
Buch gedacht worden. Mir aber ift baton nod) wei⸗ 
ter nichts fertiges gu Geſicht gekommen, als bie artige 
Sammlung einiger QBórter, bie gröffefien Theils 

Ä : Q0 - nut 








Vorrede. Xxill 


nur allein in Dithmarſchen gebräuchlich find, 
welche von bem gelehrten Jn. H. 5. Zieglern, Body. 
verdienten Paftore Primario zur Heyde im Norder: 
Dithmarſchen, herrühret, unb mit beffer gütiger Ge: 
nebmigung, im Anhange diefes Werckchens, von mir 
ans Licht geftellet worden. Der Herr von Popo⸗ 
witfch Bat in feine LUinterfiichungen vom Meere, 
p.103 feq. auf $Beranfoffung einer in Hamburg ge 
druckten Nachricht von der groffen Waſſer⸗Fluth des 
Jahres 1717. eine Erflärung einiger, meiſten⸗ 
theils Plattteutſcher Wörter eingefchaltet. Diefe 
ift fo gelehrt und richtig, bag man fid) wundern muß, 
woher einem Ober⸗Laͤnder folche Wiffenfchaft Holſtei⸗ 
nifchee Sachen und Wörter komme. Er bat nicht 
unrecht, wann er p. 107 meinet, baf id) biefe unb 
noch mehr andere Marfehländifche Woͤrter in mein 
ldioticon übernehmen fónnen. Ich habe fie auch 
wircklich in den zehn Jahren faft alle nachgeholet, ob 
fie gleich sum Theil mehr tn Holftein als in Hamburg 
bekannt find, zum Theil auch (deinen mögten, eher 
in ein Real- als Verbal-Lexicon zu gehören. Die 
Zufäge, bie der berühmte Hr. Profesfor J. P. Kohl 
2.1743. in ben Hamburgifhen Berichten (welche 
unter feiner Hand nunmebro fion 22 Jahre beſtaͤn⸗ 
digen und gluͤcklichen Fortgang haben), der gar zu 
freundlichen Beurtheilung meines erſten Verſuches 
beygefuͤget, ſind auch mehrentheils Holſteiniſch. Und, 
da dieſer unermuͤdete Mann ſelbſt von Geburt ein Hol⸗ 
ſteiner iſt, auch in andern Sprachen, ſonderlich im 
Slavoniſchen, Proben ſeiner Wiſſenſchaft gegeben hat, 
fo-dürfte ich faſt wagen, im Nahmen aller Liebhaber 
denſelben zu erſuchen, wo nicht ſelbſt an ein Holſtei⸗ 
64 niſches 











| 


KV Vorrede. 


niſches ldioticon Hand anzulegen, bod menioftené | 
iemand von fo vielen in Holftein mit Ihm näher be 
kannten wackeren Männern dazu aufzumuntern. 


Ein Mecklenburgiſches Idioticon hat der am 
Ende des 1750ſten Jahres verſtorbene gelehrte Pre⸗ 
diger zu Mutzſchen in ber Ober⸗Lauſitz, Hr. M. os 
hann Chriſtoph Mantzel, zum Druck gantz fertig 
hinterlaſſen. Er war ein gebohrner Guͤſtrauer, und 
blied ein beſtaͤndiger Liebhaber ſeiner Vaterlandes⸗ 
Sprache. Ich wuͤnſche dieſes, aus den Mecklenbur⸗ 
giſchen Gelehrten Zeitungen des Jahres 1751. p. 98 
mir bekannt gewordene Werck in keinen beſſeren Haͤn⸗ 
den, als ſeines Vatern⸗Bruders⸗Sohnes, des beruͤhm⸗ 
ten Hn. D. Ernſt Joh. Frieder. Mantzels, uͤm ſo 
vielmehr, da mich ein gelehrter Goͤnner ſchon vor zwey 
Jahren aus deſſen eigenhaͤndigem Briefe verſichert hat, 
daß dieſer hochverdiente Roſtockiſche Rechts⸗-ELehrer 
ſelbſt bemuͤhet fep, mit Huͤlffe feiner Tiſch-⸗Geſellſchaft, 
ein Mecklenburgiſches Woͤrter⸗Buch zuſammen zu tra⸗ 
gen. Beide Arbeiten wuͤrden gewiß in etwas voll⸗ 
ſtaͤndiges zuſammenflieſſen. GOtt gebe nur dem 
Hu. Doctori Leben und Geſundheit, damit Er zu 
ſeinen andern groſſen Verdienſten auch dieſes hinzu 





thun, und unſerer allgemeinen Cprad)-S'unbe einen 
Beytrag verſchaffen möge, der aus ſelbiger Gegend 


nicht anders als betraͤchtlich vermuthet werden kann. 
Das Wendiſche kann wol freilich niemand 


unter die Teutſchen Mund-Arten zehlen: iedennoch, 
weil in einem ziemlichen Striche Teutſchlandes wirck⸗ 


lich noch Wenden wohnen, und diejenigen, ſo dieſer 
Sprache kundig ſind, verſichern, daß ſich viele cuui 
2i F rter 


- Vorrede. XXV 
Woͤrter aus dem Wendiſchen, fo wie aud) aus dem 
Slavoniſchen, erläutern laſſen; fo mag mir erlaubt 
ſeyn, nur zwey Wendiſche Wörter-Bücher hier mit 
an die Keihe der Idioticorum anzufchlieffen. Das 
eine ift bed fon. Chriſtian Hennigen, verdienten Pres 
biger8 zu Wuſtrou, Glosfarium Germanico-Vene- — 
dicun 5 ba8 andere, des weiland hochberühmten In» 

' fpectoris der Ritters-Academie zu £ítneburg, Herrn 
ob. Frid. SDfeffingeré, Vocabularium Venedicum. 
' Bon beiden giebt Nachricht Eccard in Hift. Stud. 

Etymol p. 268 fqq. welcher ton bem erften fein Spe-- 
cimen mitteilen wollen, weil er gehoffet, es wuͤrde 
eheftend zum Worfchein kommen: das andere aber 
bat er gang eingerüdfet. Wobey zu bebduren, bafi 
e$ dem deren. Pfeffinger gefallen, die Wendiſchen 
Mörter Framzdfiich zu erklären; welches, wenn. e8 
Teutſch geſchehen wäre, beide Sprachen mit Nutzen 
würden gegen einander zu halten getvefen fenn. Der 
Eur; vorher erwehnte Werfaffer ber Linterfuchungen 
vom Meere Bat fid) von feinem Fleiſſe und Vorrathe 
dergeftalt verlauten laſſen, Daß man ihm, nicht nue - 
von der Schmeißerifchen, Defterreichifhen, Steyer⸗ 
märcfifchen und andern Hochländifchen Mund-Arten, 
in denen er erzogen worden, viele nuͤtzliche Anmerckun⸗ 
gen, fondern auch vornehmlich von der Sprache der 
Wenden, fo mol ber hiefigen, als derjenigen, die an 
ber mittägigen Seite Teutfchlandes Winden (Vinidi) 
Heiffen, wie nicht weniger vom Slavoniſchen, ein fof: 
ches Wörter: Buch würde zu band'en haben, womit 
einem allgemeinen Teutfchen Sprach-Forfcher vortreff- 
lid) fbnnte gedienet feyn. Es ſtehet zu erwarten, ob 
nunmehro bie Art feiner SBecbienfte am Hochfuͤrſtl. 

mE a b5 fee 





XXVI Vorrede. 
Lichtenſteiniſchen Collegio in Wien ſeinen Wunſch 
zur Erfüllung bringen, unb er groſſe und milde Wol⸗ 
thäter, zu Ausfertigung feiner Arbeiten, antreffen 
werde : welches ihm gar gern zu gönnen, auch im -— 
deſto eher zu hoffen ift, iegeneigter er (eon wird, einige 
gar zu eigene Teutſche Grund⸗Saͤtze zu mäfligen, und . 
mit berühmten Ssprach-£ehrern fid lieber in möglich - 
fies Benehmen, als in Wiederfpruch zu fgn. 
| Endlich kann unb muß ich auch be8 Nieder 
Laͤndiſchen allier nicht vergeffen, weil es mit bem 
Teutſchen gar zu nahe verwandt, und in der That nur 
eine blofie Mund-Art befjelben ift, die Kenntniß aber 
des Holländifchen in der Sorffung und Erklärung 
unzehliger Teutfchen Wörter mehr nüget, ald mancher 
vielleicht auſſerhalb Nieder-Sachfen weiß oder ge 
dencket. In den Vereinigten Nieder⸗Landen cebet 
‚man ießo ein geläuterted Hollaͤndiſch, welches, wie 
ben uns das Hoch-Teutfche, bie Sprache aller vorneh⸗ 
men, gelehrten und feinen Leute ift, bie auch in bie 
Spanifchen Nieder» Lande durchgedrungen. Inzwi⸗ 
(ben hat iebe Provinz unter den gemeinen Eingebohr; 
nen ihre eigene Mund» Art, wovon wir befondere 
Woͤrter⸗Buͤcher, zum beften des Teutfchen, üm deſto 
‚mehr zu wünfchen hätten, ie gemwifler bie meiften Hol: 
länder eines Friefiichen, und bie Friefen eines Saͤch⸗ 
fifchen Urfprunges find. WBorzeiten hatte dad Bras 
Bantifche die Ehre, ber gefammten Nieder Lande 
Haupt⸗Sprache zu ſeyn, weil dafelbft der Königliche 
Sig der Regierung, und in den gewaltigen Handels: 
Städten bie Menge gefchliffener und angefehener Leute 
war. Won biefer Sprache haben wir des fleiffigen 
Brabauters Cornelii Kiliani Dufflaei Etymolo- 

. E | gicum - 





3, 


Vorrede. |Xxvn 


gicum. Teutonicae linguae, fiue Dictionarium 
T'eutonico - Latinum, worin er zwar hauptfächlich 
alle Brabantifche Wörter nad) bem Alphabet Eateinifch 
uͤberſetzet, aber auch au dem Flandrifchen, Soll: und 
Seeländifchen, Gelvrifchen, Sriefifchen, Nieder: und 
Ober⸗Saͤchſiſchen, ja auch aus andern Europäifchen 
Sprachen fleiffig bepbringet, was Die Verwandtſchaft 
berfefben zu zeigen ,. und feine Flämifchen Woͤrter 
zu erflären dienet. Ich befenne aufrichtig, daß mir 
— biefe8 Buch, bep Verfertigung meines Idiotici, fehr 
. oft nügliche Dienfte getban : unb ich wundere mic), 
. Daß es, ber vielen Auflagen ungeachtet, dennoch nicht 
eben gemein ift, fo Daß es bey ung nuc wenige Beſitzer, 
unb nod) toenigere Kenner hat. Der wadere Ver⸗ 
faffer (ber fid) Dufflaeum nennet, weiler aus Duffie, 
einem Dorffe unb Baronie in Brabant, an der Nethe, 
gebuͤrtig war) ward, als ein junger Menfch von zwan⸗ 
sig Jahren, wegen feiner munteren Gefchicklichkeit, 
und fchöner Wiffenfchaft in Sprachen, von dem welt⸗ 
beruͤhmten Buchdrucker Chriftophoro Plantino 
aus Loͤven nach Antwerpen gefordert, allwo er gange 
funfzig Jahre in ber Plantinifchen SBerd (tat, zu deren 
groſſen Aufnahme, alá Corrector, bey den Ausgaben 
der wichtigften Wercke, vortreffliche Dienſte geleiftet, 
und ton ben gröffeften Gelehrten feiner Zeit einer ruhm: 
lichen Achtung genoffen. Er ftarb im Jahre 1607, 
und unfer berühmte lo. Wowerius fe&te ihm eine aus⸗ 
hündige Grab- Schrift, welche Fr. Sweertius in. . 
Athen. Belg. p. 189 fid) zueignet,.und Bayle ibm 
folches aud) glaubet, ber-aber aus Aub. Miraei Elo- 
giis illuftrium Belgii Scriptorum p.208 eines bef: 
ſeren hätte berichtet werden fónnen, Das Erymo- 





logicum 


XXVII Vorrede. 
logicum iff zuerſt A.1588, und zum: dritten mahle 
noch von Kilian ſelber in Antwerpen, bey Plantini 
Schwieger-Sohne Io. Moreto, 1598. 8. heraus⸗ 
gekommen. Darauf hat, nach des Verfaſſers Tode, 
D. Ludolphus Potterus, ein Groͤpinger, daſſelbe 
zu Alcmaer 1613 wieder drucken laſſen, mit einem 
angehaͤngten vierfachen Au&ario, worin "1. Appen- 
dix peregrinarum, abfürdarum , adulterina- 
rumque dictionum. 2. Nomenclatura Teuto- 
.nicoó- Latina regionum, populorum, oppido- 
rum etc. 3. Propria hominum, praecipue Go« 
thorum, Vandalorum, Germanorum, Teuto- 
. yum (diefe bebeuten ihm bie Niederländer ), -Saxo- 
num, Anglo-Saxonum, vetera nomina expli- 
cata. 4. Nomenclationes animalium. Die brey 
erften Stücke diefes Au&arii find von Kilian felberz 
das Teste ift von Pottero. Nun wird biefe Alcmae⸗ 
riſche Ausgabe ausdrücklich bie vierte genannt, unb 
in der Vorrede gefagt, Daß fie nad) der dritten Antwer⸗ 
‚ pifchen getreufichit abgedruckt fep. Daher weiß 15 
nicht, ob dazwiſchen eine Amfterdammifche von 1606 
Dias Habe, die uns Lipenius anführet in Biblioth. 
Philof. p.485. Die Alcmaerifche iff wieder aufge 
legt zu Uitrecht 1652, unb auf bem Titel zwar ber 
Nahme quartae editionis wiederholet worden, wel- 
ches bod) nur fagen will, daß fie Davon ein Abdruck fen. 
Dem daß cé wircflich eine fünfte Ausgabe, giebt mir 
bet Augenſchein, da ic) beibe ir Händen habe. Daß 
aber nicht nur noch eine andere Llitrechtifche von 1623, _ 
‚ fondern auch noch eine Amfterdammifche von 1642 
in dee Welt fep, folches faffe id) auf ben Glauben 
des Leipz. Öelehrten-Lexici berufen, und fon nur 
E 207 aget, 





(agen, daß mit zum wenigften fonft nirgends etwas 
. baton eorgefonunen. Dan hält inzwifchen bie Plan⸗ 
tinifche dritte für die befte, und glaubet Fr. lunio, 
der fid) in ber Zufchrift feines Willerami über bie 
on Kiliand Buche verübte Berftümmelung febr bes 
ſchweret. Daher auch Io. Hilarides in feinen Nie- 
wen Taalgronden p. 45 den Kilianum auctum 
' vielmehr atum genannt haben will: welches ich 
dahin geftellet epit laſſe, weil in Teutſchland die Ant: 
werpifchen editiones diefes Werckes fid) gar zu felten 


Auſſer dieſen bisher angeführten, mag e8 Teicht 
noch andere, mir entweder unbekannt gebliebene, ober 
#80 nicht Depfallenbe Idiotica geben, welche theils 
fehon hie ober da ans Eicht getreten feyn, theild bey 
ihren Berfaffern noch fertig ober unfertig liegen mögen, 
Es fann audy (epi, baf bie vortrefflichen ungedruckten 
Wercke der in GOtt ruhenden Männer‘, Io. Pil. 
Paltbenii, : Henr. Mublii, Nic. Stapborflii , lacobi 
8 Mellen, und infonderheit unfers groffen und unſterb⸗ 
lich verdienten Bürgermeifters, Hn. Jo. Anderfonii, 
I. V. D. (id) nicht blog in Fraͤnckiſchen, Alemannifchen,; 
Saͤchſiſchen, Gothiſchen, und dergleichen, sum Ber: 
. Kändniß alter Buͤcher und Urkunden dienenden Gloss 
ſariis beſchraͤncket, fondern fich auch auf bie heutige 
Sprache und deren mancherley Diale&os und Idio- 
tismos erftrecfet haben : wie ich folcheg auch vermuthe 
von den gelehrten Befchäfftigungen des noch lebenden, 
der Holfteinifchen Geſchichte unb Alterthuͤmer fehr er- 
fahrnen n. Joh. Friedrich Noodts, Paftoris ant 
Johannis⸗Kloſter zu Schleswig, bem ich nod) andere 
nicht unbekannte Sprach⸗gefliſſene Maͤnner bepfügen 

|  fémite. 





XXX Dorrede. | 
könnte. Wer aber inzmifchen bie Provinzial Wörters 
Bücher, fo viel wir ihrer bid iego haben, zuſammen 
. mímmt (toorunter doch etliche noch febr mager, andere 

aber nod) unausgefertiget find), der wird aus Gegen⸗ 
haltung des gangen Teutfchlandes erkennen, wie viele 
Arbeit von biefer Art noch ungethan fep. — Yd darf 
mar Francken, Meifien, Thüringen, Weſtphalen, und 
bie gefammten Braunfchmweig- Lüneburgifchen Lande 
nemen, fo wird fid) Die Groͤſſe deſſen (con ergeben, 

was wir noch zu wuͤnſchen haben. EE 
Hamburg mar zum wenigſten eine von denen 
anſehnlichſten Städten in Teutfchland, tim deren eigens 
thümliche Sprache fid) noch niemand befünmert hatte, 
ungeachtet ein Hamburgiſches Wörter-Buch zur allges 
‚meinen Teutfchen Sprach= Forfchung tim fo vielmehr 
beyträglidy zu ſeyn fchiene, ie mehr Mund-Arten in 
einen fo groffen Handels:Ort zuſammen flieffen, fo Daß 
Man wenigſtens gan& 32ieber - Sachfen in Hamburg 
fprechen höret. . Aber eben Diefes war vielleicht bie 
- Schwierigfeit, ba& man in folcher Vermiſchung nicht 
wuſte, was man eigentlich Hamburgifch nennen follte. 
Vielleicht fahe auch mancher feine Mutter: Sprache 
für zur grob unb raufe an, als bafi c8 ber Mühe wehrt 
ſeyn follte, ettvag Davon anzumercken. Man laͤſſt fich 
bereben , das Nieder - Teutfche fen nírgenb niedriger, 
ald. in Hamburg. Ein gelehrter Mann fagt in den 
Eritifchen Verſuchen der Greiffswaldiſchen Gefell- 
ſchaft Vol. 1. p.240: .Qienn man einen platten 
Hamburger hoͤret, fo wird man meinen, bag 
man eine fremde Sprache höre. Eben dieſes, 
dencke ich zwar, wird man aud) meinen, wenn mon 
einen platten Pommer, ober platten Dediendurger; | 
E in ber 





| Vorrede. XXX 
in der beſten Stadt feines Eandes höre. Allein c8 
fommt mir die Benennung des platten noch fefe 
undeftimmet vor. Soll e8 eine bloffe Abweichung 
von dem Urbilde bedeuten, fo mag fich erft bas heutige 
Doch: Teutſch mit ber Sprache der uralten, bep und 
ſeßhaft geweſenen Sachfen, ohne Bermifchung der 
aͤuſſerlichen und innerlichen Vorzüge, üm die Ehre 
des Urbildes vergleichen. Soll aber ber ausdrückliche 





- Begriff eines Fehlers mit bem fo genannten platten 


verbunden ſeyn, fo wird berfelbe entroeber in einer gar 
gu weichen und vollmündigen Dehnung der lautenben 
und Doppellautenden Buchltaben, ober in einer gar zu 


 Eurgen, Barten. und gepreffeten Ausfpradhe Beftehen. 
Iſt das erſte, fo find gewiß die Defterreicher, Baiern, 


Schweiger, und andere Ober-£änder, mit ihrem ai, 
au unb oq weit platter, als wir. Iſt hingegen das 
feáte, fo dürfte mol ba8 plattefte Teutſch in Ober⸗ 
Sachſen gefprochen werben. Allein id) beforge, bafi 
man in bem Worte platt bie Begriffe des wörtlichen 
und fittlichen durch einander toirfft, unb mit ber eigent: 
(ien Sprache eine grobe Art zu bencfen und fid) aus: 


4ubrücfen vermenget. Bauren und Pöbel giebt es 


aller Orten, bevorab in groffen Städten. — ie reden 
daſelbſt auf ihre Weiſe, ohne daß fich gefittete Einwoh⸗ 
ner mit ihren SXebens- Arten behängen. Man höret 
alfo freilich in Hamburg viel pfatteó, das bem Land⸗ 


Volcke eigen ift, welches mehr als zu hauffig in bie 


Stadt kommt, und dafelbft Gelegenheit fucbet, mit 





| 


J 


grober Arbeit fein Brodt zu verdienen. Sch follte aber 
meinen, Diefe Leute fprächen fo wenig Hamburgifch, 
als ein Normandifcher Bauer Parififh, wenn. en - 
ſich gleich in felbiger fchönen Stadt. medergelaſſen, 
n | | Dem 


Xxx | Vorrede. 


Dem fen nun wie ic ihm wolle, fo iſt der Zweck unb bít 
Abſicht bey einem Idiotico gar nicht, das feine aus 
einer Landes· Sprache Bervor zu ziehen, fondern ſelbſt 
in der platteſten Mund · Art alfeó dasjenige zu bemercken 
mas eigen ift; umb einer Erklaͤrung brauchet, vornehm 
lich wo man Stamm⸗Worter findet, die an andern | 
Sorten verlohren worden. — 

In diefer Abficht bin ich att bie Sprache meiner 
Vater⸗Stadt gegangen , und habe mein Idioticon . 
ein Hamburgiſches genenmet, obne dennoch umfere 
Ringmauren zu gang genauen Grengen meiner Arbeit 
gu machen. Denn fo: wenig i) meiner Sorgfalt pis 
traue, Daß mir Fein einziges innerhalb Hamburg unter 
fo vielem Volcke gebräuchliche Wort follte entgangen 
ſeyn, eben fo wenig habe ich koͤnnen und wollen alles 
. ausflieffen, was auch aufferhalb ber Stadt gemein: 
Khaftlich gefprochen wird, infonderheit wenn mir (el: 
biges zu einer nüglichen Anmerckung Gelegenheit-ger 
geben. Und wie war e8 auch möglich, Die genau uͤm⸗ 
ſchriebene eigenthlimliche Mund-Art ber Eimvohner 
auszufinden, vornehmlich. in’einem geoffen Handels⸗ 
Drte, wohin das weitläufftige Gewerbe alle Tage 
Menichen aus allerhand Gegenden ziehet, bie mit ihrer 
mitgebrachten Sprache bie einheimifche immierfort 
durchſpicken und verändern ? Wie mag man wol üt 
Hamburg geiprochen haben, ehe Carl ber Groſſe in 
hiefigem Lande bie Obotriten an der weggeführten 
Sachſen Stelle gefeget ? Was haben nicht ehemahls 
bie vertriebenen Brabanter für eine Menge Wörter 
in unfere Sprache hineingeführet bie darin, fo wie fie 
ſelber in der Stadt, allmählig das Bürger-Recht go 
wonnen! Was gehen nicht für Ausdruͤcke, theils 

| eigene 








— Ser, —— XXXUI 


eigentlich, theild verbliimt, ven uns im Schwange, 
bie zur Schiff-Fahrt gehören, und durch bie Hauffig 
antocfenben See-£eute bey dem gangen Volcke durch⸗ 
gängig werden! Dergleichen find anfalen, fortſta⸗ 
fen, herituͤren, Slag holen, Dwars⸗Oryver, 
an Bort kamen, oͤver Stuͤr gahn, up'n andern 
Boog leggen, in de Bucht ſpringen, in leeger 
Wall kamen, und mehr ſolche Redens. Arten, bie 
zwar bey uns gaͤnge und gebe ſind, von Leuten aber, 
die tieffer ins Land hinein wohnen, und kein See⸗Weſen 
kennen, nicht verſtanden werden. Was kunnte ich 
demnach, bey ſo bewandten Umſtaͤnden, beſſers thun, 
als bag ich, zu. Befolgung meiner gemeinnüglichen 
Abſicht, alles dasjenige Platt-Teutfche unter bem Nah⸗ 
men Hamburgifch begr.ffe, was in Hamburg gere: 
bet wird, ohne mich bey iedem Worte zu bekuͤmmern, 
06 auch, aufjerbalb unferer Stabt, Das übrige Nieder: 
Sachſen einen Anfpruch daran habe. Werhoffentlich 
wird mir dieſes niemand weniger zur Sünde rechnen, 
als ein gebohrner Hoch-Teutfcher, bem es gleich anges 
nehm ſeyn wird, ob er von einem ihm unbekannten 
Worte die Erflärung in einem Hamburgifchen ober 
andern Nieder⸗Saͤchſiſchen Werzeichnifle findet. 

.  Unterdeffen habe ich doch nad) Möglichkeit mich 
in Acht genommen, daß ich Feine Wörter ober Redens⸗ 
Arten mit eingetragen, die auch im Hoch-Teutfchen 
gebräuchlich find, unb fid) von demfelben blog durch 
die Ausfprache unterfcheiden. Denn biefe beduͤrfen 
bey. einem Ober-Sachfen, der unferer gemöhnlichen 
und vegelmäffigen Abänderung einiger maſſen Eundig 
iſt, keiner Erklärung. Doch bitte ich, Diebon auszu⸗ 
nehmen Diejenigen Woͤrter, bie nicht lm ihrer eis 

> c w 





XXXV (Qe c 


toillen daftehen, fondern weil (ie Deriuata; ober Com- 
pofita, ober Sprichwörter abgeben, bie bloß bey und - 
im Gebrauche, anderswo aber unDefannt find, und 
su deren Behuf das fimplex in feiner Alphabetifchen 
Ordnung hat erfcheinen müffen. Bon Wörtern, die 
mehr als einerlen bedeuten, Habe ich diejenige Bedeu⸗ 
tung meggelaffen , bie fie mit bem Hoch» Teutfchen 
gemein. haben, unb nur denjenigen Gebrauch ange 
führet, ber bey uns eigen ift. S. €. Daß anfamen 
heiſſe anfommen, war unnöthig zu fagen: daß es 
aber an unferm Orte auch bedeute anbrüchig werden, 
. oder zu faulen anfangen, Funnte nicht unbemercket 
bleiben. Sollte ja eines oder anderes uͤber Vermu⸗ 
then mit untergelauffen fepn, beffen gleichmäffiger Ge⸗ 
brauch im Ober⸗Saͤchſiſchen mir eben nicht beygewoh⸗ 
net, fo wird mir ber £efer, ie verftändiger er ift, befto 
geneigter darin nachfehen. Es ift gar zu ſchwer, 
zu wiſſen, was in allen Teutfchen Eanden gefprochen 
wird, Ich habe üt Defterreichifchen Glosfariis Woͤr⸗ 
- ter angerroffen, bie ich geglaubet hätte, baf fie am 
andern Ende Teutichlandes nur in Holftein befannt 

wären. | 
Mit Unterfuchung der Herkunft eines Wortes 
habe ich mich nicht anders eingelaflen, als wo ich ver: 
meinet, auf eine befondere Spur gekommen zu ſeyn, 
ober too id) bep andern offenbare Irrwege angetroffen. 
Bisweilen bir ich auch Durch eine fremde dahin ein 
fchlagende Anmerckung dazu gebracht worden. Sonſt 
war men Wille nicht, aus den Schrancken meines 
Vorhabens zu gehen, und aus einem Glosfario. zus 
gletd) ein Ecymologicum zumachen. Eben fo wenig 
din ich aus ber heutigen. lebenden Sprache in De re 

: 007 ) ang 











| Vorrede. XXXV 
laͤngſt verlebte, und noch weniger aus dem verbalen 
in das groſſe Feld eines realen Woͤrter⸗Buchs gegan⸗ 
gen; obwol hie ober da ein Wort vorkommen mag, 
bey dem ich nicht uͤmhin gekonnt, die Sache felbft 
yu erklären. Wie nuͤtzlich, ja faft nöthig fonft ein eiges 
ned Glosfarium "Archaeologicum  feyn wuͤrde, 
‚worin man alle in alten Hamburgiſchen Rechten und 
Urkunden vorkommende, und nunmebro ben meilten 
fon unbekannt gewordene Wörter gedolmetfchet fitt» 
den koͤnnte, Davon habe ich fchon in der ehemahligen 
Vorrede Anregung gethan, auch felber. in meiner 
Hiftoria Statutorum Hamburg. p. 114 fqq. über 
Das heutige Stadt-Buch eine Eleine Probe gegeben. 
Noch angenehmer würde es Zweifeld ohne bey ung 
fon, fo wol für Bürger, als einwohnende Fremde, 
bere manche bis Daher mit bem bekannten alphabetis 
(en, aber fo wenig treuen als hinlänglichen Nucleo 
Recesfuum fid) haben behelffen müfjen, wenn man 
gar ein allgemeines Lexicon reale. Hamburgenfe 
hätte, worin von allen der Stadt Hamburg Staats⸗ 
Verfaſſung, Kirche, Alterthünmer, Gefchichte, Gefege, : 
Gebräuche, Handlung und Gewerbe, Gebiete und 
Gegend betreffenden Sachen notobürftige Nachricht: 
gegeben todre, Allein too ift in Hamburg der gluͤck⸗ 
liche Mann , der zu einer fo groffen Unternehmung 
gnugfames Leben unb Muffe Dat, und ber (id) zugleich 
eines fattíamen Worrathes aller Dazu erforderlichen 
Huͤlffs⸗Mittel verſichern kam? Wielleicht gebietet 
felbſt die Staats⸗Klugheit, dergleichen Werck noch 
lange unter die pia deſideria zu ſchreiben. | 


. Aber gnug von der Beſchaffenheit und Abſicht 
meines Idiotici. Nunmehro iſt es Zeit, daß ich 
i | 2 O00 NNNSSSN 





XXXxXV Vorrede. 
meinem geehrten Leſer auch Rechenſchaft gebe von 
demjenigen, was an dieſer neuen Auflage geſchehen, 
und durch welche Vorzuͤge ſich dieſelbe von der erſten 
unterſcheidet. 

Es hatte die erſte das Gluͤck gehabt, bey recht⸗ 
ſchaffenen Kennern und Liebhabern hieſiger Orten 
einer guten Aufnahme zu genieſſen. Ob ſie auſſer⸗ 
halb Hamburg weit bekannt geworden, davon habe ich 
wenigſtens aus fremden gelehrten Tage-Büchern nichts 
abnehmen, folglich auch der Urtheile auswaͤrtiger 
Kunſt⸗Richter zu meiner Nachricht mid) nicht bedienen 
formen.” Es Fann ſeyn, Daß ber Verleger mit dem 
Abgange in ber Nähe zufrieden gemefen, oder daß man 
an Dertern, too die Hoch-Teutfche Sprache ihre Werck⸗ 
ftäte fat, itber eine Pieder-Sächfifche Klemigkeit Dinge: 
. fehen. Wenn ichAngteifchen aus dem, was hiefige ge⸗ 
ſchickte und unparteyifche Recenfenten’in ihre Jour- 
nale einflieffen laſſen (1), wie auch aus ber öffentlich 
begeugten Genehmigung einiger berühmten und Sprache 
kundigen Männer (m), auf einen allgemeineren Benfall 
ſchlieſſen durfte, fo fand ich Urfache, einer vermehrten 
und verbeflerten Ausfertigung mich gern zu untergies 
fen, zumahlen da auch der Verleger an einer fauberen 
Auflage nichts ermangeln zu laffen verfprochen, und, 
wie ber Augenfchein weifet, auch wircklich geleiftet hat. 
Ich Bin Deswegen von ber Seit an zum Wercke gefchrit: 
ten, unb Babe einen Theil oon meinen, ob gleich en 

7 geun- 
() Siehe vom Jahre 1743 die Hamb. Berichte pag 385 fqq. 
bie Hamb. Beyträge p. 376 fqq. bett Hamb. Cortefpond. 


N. XL Kaeuffelini Commentar. Hamb. Libell. L 
(m) V. Cl. Io. Henr. a Seelen in Memoria Iacobi aMellen, p.14. 


Bl. Cafp. Reichard im Verſuch einer Hiſtorie ber Deusfchen 
Sprach⸗Kunſt, p. 27°. | 











gefunden Neben-Stunden folcher geftalt daran gewandt, 
DAR burd) meine eigene Sammlung das Buch mehr ala 
zweymahl (o (lard? geworden. 

Hiernaͤchſt aber haben zweene preismürdige Män- 
her Die unerwartete lite gehabt, mit beträchtlichen An⸗ 
merdungen und Zufägen meiner wenigen Arbeit eine 
Zierde unb Erweiterung zu geben. j | 
Der erfte war der hochberüuhmte Hr. IOANNES 
GRAMMIVS, J. Fön. Mai, zu Daͤnnemarck weis 
Sand Hochverordneter Juſtitz⸗ Rath, Asfesfor im Con- 
fiftorio, Öffentlicher Lehrer der Griechifchen Sprache 
. auf der Univerfität in Copenhagen, Königlicher Hifto- 
riographus und Bibliothecarius, wie auch Geheimer 
Archiuarius, ein Mann von weltbefannten Verdien⸗ 
(iet , nicht nur üm die Griechifche, fondern lum bie ge- 
‚JommteLiteratur, mit einem Worte, ein wahrhaftiger 
Polyhiftor , mit welchem, leider! im Sjahre 1748. am 
Gelehrten-Himmel ein Stern der er(ten Gröffe erlo- 
(den (n). Derfelse ward von einem tweltgepriefenen 
Maecenate, und felbft grundgelehrten Staats-Mi- 
niftre, St, Excellence bem Herrn Geheimen Kath 
toi Perckentin, Denen mein geringes Idioticon indie 
Hande zu kommen das Glück gehabt hatte, erſuchet, 
| | e3_ baffelbe 


(n) Er war auch aͤlteſter Directeur der octroyitten Aſiatiſchen 

Compagnie, und Haupt⸗Participant der Weſt⸗Indiſchen. 

- Su der Königl, Daͤniſchen Geſellſchaft der Wiffenfchaften hat 

er ben erfien Grund gelegt. Sein Leben brachte er auf 63 Jahr. 

Hr. Schmerſahl befchreibet e$, au den Góttingift)en Ges 

lehrten Zeitungen, im erften Banbe feiner Nachrichten von 

jüngft verftorbenen Gelehrten p. 145 fqq. Sein Bild 

niß fleet en bufte vor dem 11 5ten Theile bec Leipz· Zuver⸗ 
laͤſſigen Nachrichten. | 








» 


XXXVII Vorrede. | 
daſſelbe durchzugehen, und, vermittelt Gegenhaltung 
der Dänifchen Sprache, zu erläutern. Er that fol ' 
ches, mit Beweiſung einer ſtarcken Wiſſenſchaft der 
olten und neuen Nordifchen Sprachen : und ich Bin - 
einem Hochvornehmen Gönner unendlich verbun 

bett, der mir von diefen Anmerckungen eine eigenhaͤn⸗ 
bige Abfchrift Hochgeneigt zukommen affer. ch habe 
mir die Ehre, und meinem £efer das Vergnügen gege- 
Den, fie alle von Wort zu Wort in Klammern behoͤ⸗ 
tiger Orten benzufchlieffen, und mit einem G. ben Ur⸗ 
heber anzuzeigen. Sollten fid) etwan in den Gram: 
mifchen Anmerckungen kleine Spuren einer ben gröffes 
fien Nordiſchen Gelehrten anhängenden wareadodıriag 
YAurlas antreffen [affen, welches einige rudbecki- 
firen zu nennen belieben, fo müffe ich Sand? und 
Ehrerbietung aus den Augen feßen, menn ich an dieſem 
forte mich im geringften darüber. aufhalten wollte, — 


- Der andere berühmte Mann, dem ich einen gar 
mercklichen. Bentrag zu dancken Habe, iff. der in einem 
hohen, aber GOtt £06! nod) munteren Alter bey ung 
lebende Königl. Groß-Britannifhe Legations-Rath, - 
Hr. Fohann Matthefon, der feine 71 Lebens 
Jahte mit der Anzahl feiner beliebten Schriften ſchon 
faſt überfchritten hat.: Diefer überall eindringende 
Geiſt, wie er fid) vorlängft in Stadts- Gefchäfften 
nutzbar gemacht, und in der Toy-Kunſt den Rahmen 
. eines Ariftoxeni unferer Zeiten erworben, alfo hat er 

fid) auch bey mehr als einer Gelegenheit über Die 
&eutffe Sprach: Funde ausgebreitet. - Lnfere von 
Jugend auf gepflogene Freundfchaft, nebff feiner eige: 
nen Neigung gum wolderdienen, erlaubten Ihm nicht, 
SN ! . . Y bie 





4 


Vorrede. XXXIX 
bie Aber feines Freundes mit gleichgültigen Augen 





anzufehen, ohne auf einen möglichften Beytrag zu 


dencken. Er fihiefte mir eine Menge Wörter unb 
Hedens-Arten zu, mit höflicher Erlaubniß einer belie- 
bigen 9fuémufterung. Weil i8 aber für verwegen 
hielte, mein einziges Gehör zum Richter zu machen, 
indem in einer fo weitläufftigen Stadt .ın Idiorismus 


bem einen Dunbertmabl, dem andern nimmer fann zu 


Ohren gekommen fepn, fo habe idy alle&, was ich nicht 


- 


felber (hon eingetragen hatte, getreulid) beybehalten, . 
und mit dem Nahmens:Zeichen M. auf die Rechnung 


desjenigen gefchrieben, bem es zugehörte. Der Leſer 


wird fid) mit: mir über den Vorrath von Sprich-. 


Wörtern vermundern, davon ich gern geflehe, daß 
mir fchwerlich in gang Hamburg ein anderer Dergleis 
fen würde haben zuſammen bringen fónnen , und 
welche bod) ein hauptfächliches Stück eines Idiotici 


find, wie folche8 auch Hr. Heumann gar mol erin 


net, in Opusculis p. 467. 

In waͤhrender Zeit nun, bag der Druck veran⸗ 
flaltet wurde, unb die anderweitig uͤberhaͤuffte Preſſe, 
ben (feter Zerftreuung, das Merck febr langfam for: 
berte, hat fih.ingwifchen nod immer mehr und mehr 
Vorrath zu Bereicherung meines Wörter - Buchs 
fammlen [affen. Wie denn auch der unermübete 
Her: Matthefon nicht ermangeln wollen, eine ziem⸗ 
liche von Seiner Hand gemachte Nachlefe noch un: 
laͤngſt mir freundwilligſt mitzutheilen. Daher ich 
' beni gemüffiget worden, weil alles. an beborigen Or⸗ 


ten einzufchalten nicht mehr möglich war, einen befons . 
deren Nachſchuß von nicht wenigen feithero bes- 


merckten Woͤrtern und Redens⸗Arten am Ende 
e| e t 1 anzu⸗ 


XL Dorrede, 
anzufügen. Diefe Zugabe funnte dem geneigten 
Leſer nicht vorenthalten, oder bis yu einer abermah⸗ 
ligen Ausfertigung aufgefparet werden ; weilmır die _ 
Erkenntniß meines hohen Alter und anderer Umſtaͤnde 
eine ſolche Hoffnung nicht erlaubte, 


Ob aber gleich durch alle (don ertoefnte Ver⸗ 

, mehrungen bíefe Ausgabe dreymahl ftárcfer geworden; 
fo ift bod) noch ein befonberer Anhang hinzu gefoms 
men, den ein Sprachliebender Leſer weder unnöthig ’ 
wo unnuͤtzlich achten wird. Es beſtehet derfelbe 





aus vier Stuͤcken. | | | 
Das atte ift eine Dialeckologia Hamburgenfis, 
ober eine Fleine unter gewiſſe Abfchnitte geordnete 
Sammlung allgemeiner Anmerckungen, bie dag eigene 
ber Hamburgiſch⸗Nieder⸗Saͤchſiſchen Sprache betrifft. 
Diefe aus der Erfahrung gezogene, und mit Erempeln 
bewiefene Säge verhalten fich gleihfam als Megeln, 
foornad) (id) unfere Mund» Art richtet, und wodurch 
fie fic) von andern, infonperheit von ber Ober⸗Saͤch⸗ 
fifchen, unterfiheidet. Ich achte folhes bey einem. 
Idiotico (efr nüglich, ja faft unentbehrlich, und finde, 
daß rechtſchaffene Männer nicht allein Dazu angerathen 
Baben, fonbern auch mit ihren Benfpielen mir darin 
borgegangen find. * Id tamen, fchreibt Hr. Heu⸗ 
mann |. c... * exoptandum quoque videtur, vt 
* eiusmodi Glosfario, eiusdem prouincialis lin- 
* *guae Grammatica, quae inprimis pronun- 
* cjandi.rationem diftin&e doceat, praemit- 
" *tatur. Nouimus enim, alia aliam pronun- 
% ciationem communi ftipiti esfe prepiorem. 
* Deinde paucis notari vellem, quo fono ipfe 
EE | *[ermo - 


* fermo efferatur. Alii namque voce Cita cure 
* runt, alii lente procedunt, alii ignaui prorfus 
* duriores confonas, tanquam faxa falebrasque, 
** euitare laborant: hos loquendo propemodum 
* canere animaduertimus , . illos languefcere : 
- * quibusdam grata eftafperitas, nonnullis leni« 
tas, et quae funt aliae fonorum flexiones, 
Mas (i in bicfem Stücke. bie Griechifchen Gram- 
matici fir Mühe gegeben, und wie fie nicht allein 
befonbere Di&tionaria, zu Erflärung der in iedem 
Diale&o vorhandenen Seribenten, verfertiget, ſon⸗ 
dern aud) Das eigenthuͤmliche einer ieden Griechifchen 
Mund⸗Art aus einander aefebet, unb. aus biefer £efre 
einen nöthigen Theil ihrer Sprach: Kunft gemachet, 
ſolches iff. zur Onuge bekannt. So darf ich aud) vom 
denen, die über die Teutſchen Mund-Arten mittlever 
Seiten gearbeitet, nur den einzigen An. von Stade 
anführen, der fid) nicht begnuͤget, über ben Otfridum 
ein fíeine8 und ein grofies Glosfarium zu machen, 
fontem aud) eine Grammaticam Otfridianam 
zu verfeutigen ; wie babort fein wuͤrdiger Gedaͤchthiß⸗ 
Stifter, der Hr. Lic. vor Seelen, in Memoria Sta- 
deniana des mehren nachgelefen werden kann. 

.  ff8a8 aber unfere ießtlebende Prouincial-Spras 
den anlanget, ift mir bishero noch Fein anderer, al 
ber ſchon oben gerühmte Chriſtian Meißner, vorge 
kommen, der in feiner Silefia loquente zuletzt eine Ab⸗ 
handlung de Silefiasmis beygebracht , tworin er, was 
mit ben Selbftlautern, Mitlautern und Endungen im. 
Schleſiſchen torgebet , wiewol nur ziemlich kurtz, ver- 
zeichnet hat. — Hingegen bat, in ber mit ber unferen 
fo nahe verwandten Nieberländifchen Sprache ed 

"€$ di 





x" — Vorrede: 


dieſem Fuſſe deſto ausfuͤhrlicher gearbeitet der unge⸗ 
mein fleiſſige Lambert ten Kate, welcher in ſeiner 
mühfomen Aenleiding tot de Kennisfe van bet ver- 
bevene Deel der Nederduitfche Sprake, P. I. von 
pag. 176 bis 332. ausbindige Regeln van de Ge- 
meenland/che Diale& gegeben. Es ift dieſes, aus 
zweenen ziemlichen £)uartanten beftchende Werck üt 
Amſterdam bep den Wetfteinen a. 1723 and £idt 
gefommen, und giebt von ber Erfahrenheit und Aems — 
figfeit feines Verfaſſers, als auch von feiner Nutzhar⸗ 
Leit, fo deutlich Zeugniß, Daß ich bie Sprach-Forfcher 
in Ober: Geutfblanb Debaure, wenn fie, wegen Line 
wiſſenheit be8 Hollandifchen, einer fo fehönen Huͤlffe 
ſich nicht bedienen koͤnnen. Und eben deswegen fürchte 
‚ich, daß viele daſelbſt nicht febr nach einem Buche 
werden gegriffen haben, beffen Sprache fie nicht oet 
fiehen. Hr. Heumann, wie ein-groffer Kenner et 
auch iff, wovon fein rühmliches Specimen Bibliotbecae ' 
glorricae in feinen Opusculis fattfamen Beweis giebt, 
“ muß dennoch unfern braven Holländer niemahls zu Ge⸗ 
fichte gekriegt Haben, weil er ihn p. 631. füb lit. S. 
. mit. dem Nahmen Senkare anzeichnet, unb den Titel 
des Werckes fo unvollfommen anführet, Daß man ed 
mehr für eine bloſſe Grammatic, al8 für eim tiefffors 
ſchendes Etymologicum anfehen follte. Ten Kate — 
verdienet näher gekannt zu werden. Er hat fo gar 
die Wanderung und Ausbreitung der Sprachen auf 
einer Land⸗Charte vorgeftellet, auf welcher, oon Arz ., 
menien her, aus der Sjaphetifchen Stamm- Sprache 
 brep aroffe Zweige, nehmlich der Eeltifche, Theuto⸗ 
nifche und Cimbriſche, in eben fo viel Land: Strichen 
durch gantz Europa gehen, und bie Grentzen eines (eben 

ZEN . hit 





Vorrede. xLm 


mit Farben unterfchieden find, Er behaupter ben 
€5a$, daß es feine Coniugationes Verborum irre» 
gulares gebe. Und o5 er gleich bisweilen feine Un⸗ 
terfurhungen fehr weit zu treiben feheinet, fo muß ich 
' doch, der Wahrheit zufteuer, von feinem Wercke übete 
haupt geftehen, daß derienige, bem es üm bie Abſtam⸗ 
mungen und Berwandtfchaften ſowol der Europdifchen 
Sprachen insgefammt, ale infonderheit ber Teutfchen, 
und ihren Mund:Arten, zu thun ift, dieſes Hollaͤn⸗ 
diſche Hulfts- Mittel gar nicht für gleichgültig, fondern 
foft für unentbehrlich zu Halten habe. 

Solchen Rathgebern und Borgängern mum 
zu folge habe ich mit einer Dialecfologia regulari 
des fo genannten Platt» Teutfchen, wie ed ben und 
geredet wird, einen Verſuch gethan. Ich fage einem 
Verſuch, und gebe es nicht Höher aus, als einen Arte 
fang , ben ich gemacht, diejenigen Anmerckungen in 
eine richtige Ordnung zu bringen , bie ich, aus mehr 
und mehr corgefommenen Erempeln, als Canones, 
'oder characteres idioticos, anzuzeichnen gefunden, 
ir ift gat Eein Zweifel, wenn die hiefige Mund» Ark 
noch genauer unterfuchet, oder in noch mehren Gegen 
ben über unfere Rieder -Sächfifche Sprache Betrach⸗ 
"tungen angeftellet. werden follten, daß nicht allein mehr 
Säge, fondern auch mehr Haupt-Abfchnitte erwachſen, 
und, auffer ber bloffen Ausſprache, vielleicht auch 
- Miotismi fyntadtici zu bemerd'en vorfallen wuͤrden. 
Es dürfte überdem hohe Zeit fen, dergleichen zu bes 
werckſtelligen, wofern man noch ber Nachwelt, ton 
ber iegtlebenden Nieder⸗Saͤchſiſchen Sprache einen Be⸗ 
griff zu machen aebend'et. Unſere Mund-Art geräth 
ja von Tage qu Tage in Abnahme, indem: s Kg 

. t 





Teutſche (don laͤngſt nicht allein in bffentlichem Sante 
Hungen und Schriften, fondern aud) im gemeinen Um⸗ 
ange bergeftalt Befig genommen, daB auch der Bauer 
i mit einem halb» Hoc Teutſchen Worte fid) ſchon 
vornehmer bünd'et; folglich zu vermuthen ift, bafi Die. 
wahre und eigentliche Canbes- Sprache, in weicher 
niemand mehr öffentlich tebet ober fehreibet, mit der 
"Sit fid nicht allein vermifchen und verftellen, fondern 
elimáslig gar verlieren werde. ' 
Das zweyte Stück des Anhanges iff be8 Herrn 
inrich Sriederich Zieglerd, Hochverdienten Pafto- 
‘is primarii in der Heyde im Norder-Ditmarfchen, - 
Sammlung einiger Wörter und Redens⸗Arten, 
die 1 en Theils nur allein in Ditmarfchen 
gebräuchlich find. Diefer fo bienftfertige als gelehrte 
Mann Hatte mir (dort vor etlichen jahren biefe feine 
Sammlung durch einen gelehrten Freund allhier behaͤn⸗ 
digen faffen. Als ich Ihn aber neulich um Erlaubniß 
ecfacbte, diefelbe meinem erneuerten Idiotico mit bep» 
zudrucken, genehmigte Er folches nicht allein aufs 
reundlichſte, fondern fandte mir einen Vorrath, 
den Er inzwiſchen zweymahl ſo ſtarck vermehret hatte. 
Wofuͤr ich, ſammt allen Liebhabern, Sr. Hochehrm. 
gedoppelt verbunden Bin, nicht allein wegen des fleif« 
figen Beytrages, fondern auch meil ich nicht zweifele, 
es werde biefeó rühmliche S3orbilb, an mehren Niedere 
. Sächfifchen Dertern‘, einen ſtarcken Reitz zur Nach: 
‚folge geben. — 39 habe mir bie Freyheit genommen, 
hie und da mit Fleinerem Druck einige Anmerckungen 
Beyzufügen, welche meift dahin gehen, die Hambur- 
giſche Mund⸗Art mit dee Ditmarfifhen zuſammen 


zu halten. 
. Das 





Vorrede. XLV 

Das dritte ift eine Nachricht von bem alten und — 

febr felten noch vorkommenden geboppelten Woͤrter⸗ 
Buche des ehemahligen Cleviſchen Canzelliſten Ge⸗- 
bordi de Schueren, beffen erfter Theil, oder fo genann⸗ 
ter Theutoniſſa, von mir bey meinem Idiotico bfteré 
zu Rathe gezogen, unb auch angeführet if. Zwar 
mein gelehrter Freund und Landsmann, Hr. 3 
Bann Paul Finde, I. V. C. nachdem er bey Werfen 
tigung des Vergeichnifles ber Stampeeliſchen Biblige 
thek Gelegenheit gehabt, diefes feltene Werck näher 
kennen ju lernen, zweymahl daffelbe Öffentlich bekannt 
gemacht, nehmlich erft inten Freyen Uttbeilen und 
Nachrichten des Jahres 1750. P 391. und wies 
deruͤm in dem Gefanmelten Brief echfel deſſel⸗ 
ben Jahres p. 337. und wäre alfo. der Lefer dahin 
nur zu oertoeifen gemefen. Ich hatte aber laͤngſt bore 
her , efe ber Hr. Fincke und ich von bem Stampee⸗ 
liſchen Eremplar das geringfte gewuft, durch Wermits 
telung eines Freundes, das in Kiel befindliche ſchon 
in Händen gehabt, unb mir Davon fü vieles auf- und 
ausgezeichnet, ba& ich vermeinte im Stande zu feyn, 
ohne fremden Borfchub, ſelbſt etwas vollſtaͤndigeres 
davon berichten zu fónnen. Uiberdem war an Diefem 
Drte zwar meine Hauptfächliche Abficht nicht, bem Eefer 
eine Hiftorie des Buches zu geben, fondern weil ich ed 
gewiſſer Maſſen als ein altes Idioticon Cliuenfe 
anfahe, fo wollte ich in einer giemlichen Anzahl heraus⸗ 
. gegogener Wörter eine Probe liefern von der Sprache 
des Verfaſſers, welche febr viel eigenes Dat, das zwat 
Teutfch, aber nunmehro theilg veraltet, theild uns 
fowol, als ben Hoch-Teutfchen, gan fremd ift, wu 
inzwilchen bod) einem Tentichen ee 
| " 





 XLVT — — Serwbe ——— 000 
fehr viel Licht und Gelegenheit giebt, im fuchen der . 
Stamm- Wörter auf die rechte "Spur zu kommen. 
Den diefem Vorhaben aber fchiene e8 wol nöthig, den 
Lefer von dem Buche ſelbſt nicht unberichtet zu laſſen. 
Wobey ich nicht zweifele, wolerwehnter Hr. Fincke 
werbe meiner Nachricht die Gerechtigkeit ermeifen, 
snb fie nicht für eine trockene Abſchrift der feinen 
onfehen. Ich gefchmweige, daß ich ſowol bey den Vor⸗ 
reden bes Hn. de Schueren, bie ich etwas genauer 
mad) der Urſchrift abdrucken laffen, als auch fonft, 
zu einigen vieleicht nicht Abe fügen Anmerckungen 
veranlaſſet worden. 


Das vierte enthält endlich ein ordentliches, 
“und; toic ich Hoffe, ziemlich volftändiges Verzeichniß 
der Ausgaben.ded nunmehro in wenigen Bibliothes 
Ben befindlichen Wörter Buches, welches, unter 
dem Titel CATHOLICON, vor beunahe 500 Jah- 
ten, von dem ehrlichen Dominicaner Ioanne de Bal- 
Bis, fonft de lanua genannt, zufammen getragen wor⸗ 
den. Es Bat ſolches mit meinem Haupt⸗Zwecke zwar 
keine ſonderliche Verbindung, und ich war erſt willens, 
es nur, als eine Anmerckung, beym dritten Stuͤcke 
des Anhanges einzuſchieben. Weil aber der Raum 
allda nicht zureichte, ſo habe ihm lieber zuletzt eine be⸗ 
ſondere Stelle anweiſen wollen. Es mag fid daſelbſt 
mit der Nachbarſchaft des Theutoniſtae entſchuldi- 
gen, deſſen zweyter Theil mit dem Catholico ohne das 
gar nahe verwandt iſt. Zum wenigſten viro mis ein 
| oda 





Vorrede. XLVI 


Liebhaber felsener Bücher, biefe fleine nachrichtliche 
Ausſchweiffung lieber verdancken, als verübeln, 


MDieſes find alfo diejenigen Zuſaͤtze unb Ausſtaf⸗ 
firungen womit dieſe zweyte Ausgabe vor der erſten 
ein merckliches Anſehen gewonnen. Jedennoch giebt 
fie fid) damit mod) keinesweges fir was vollkommenes 
aus; ſondern Bloß für einem abermahligen Verſuch, 
der noch immer im Stande iſt, Vermehrungen und 
Verbeſſerungen anzunehmen. Wer dieſe zu ertheilen 
bet Willen und dad Vermoͤgen hat, ja wen nue 
wenigſtens, nebft einem billigen Gemuͤthe, eine ver 
nuͤnftige Einficht in ben Nutzen diefer Arbeit beywoh⸗ 
net, der ift der rechte Mann, bem fic mein Werde 
chen, mit ficherem Vertrauen einer guten Aufnahme, 
zum beiten empfiehlet. — tim andere Eefer und Richter 
werde ich mich wenig befümmern, deren ich dreyerley 
Arten ſchon vorher ſehe. 


Die eine Art traͤgt ſich hoch als Leute von viel 
wichtigeren Geſchaͤfften, deren Erhabenheit mit ſich 
bringet, daß ſie dergleichen ſtudia nothwendig fuͤr 
groſſe Kleinigkeiten achten muͤſſen, womit ſich weder 
ein Weiſer, noch ein ſo genannter pragmatiſcher Mann, 
zu befaſſen habe. Dieſe Herren ſehen uͤber einen 
Wort⸗Forſcher febr weit hin, und wollen lieber nach⸗ 
laͤſige Sprach-Verderber ſeyn, als zugeben, daß 
‚das Anſehen einer gefliffenen Richtigkeit, als eim 
Flecken an ihrem Purpur erfcheine. Ihrer etliche, 
bie 1965 jung, und an Wiſſenſchaft fo duͤnne, als mit 
Einbil⸗ 





 XLVIB Vorrede. 
€inbibung ausgeftopft find, vermeinen Hebenwäilg 
zu thun, wann fie ihren wigigen Wiederſpruch auf 
fable Spötterenen hinaus lauffen laſſen, umb mit 
ffBort: Koͤnigen, Splben- Klaubern und bergleicen 
tim (i) werffen, ja wol gar zu fordern einen, bof 
man, aus dieſer Verachtung des wörtlihen, ihre 
vorzuͤgliche Staͤrcke im wircklichen unfehlbar ſchließ 
fen ſolle. Der wackere Taubmann nennet fie Rea- | 
bien, unb waͤſchet ihnen ziemlich ben Pelg, in feiner | 
Vorrede zum Popma de Different. Lat. ling, 
Ich aber dencke dießmahl nur fo: 
Hat in bee Sprachen Reich ein Weiße 
| nichts au thun, 
€ mag ja nod apis ein Naſen 
weiſer ruhn. 


Die andere Art Leſer koͤnnen für Staub nicht 
ſehen, daß an Ausarbeitung ber Mutter-⸗Sprache 
etwas gelegen ſey. Sie achten keine andere Criti- 
que, als welche. (i) mit todten Sprachen beſchaͤff⸗ 
tiget. Die Verbeſſerung ber gantzen Teutſchen 
Schreib⸗Art ift ihnen nicht (o viel wehrt, als in einem 
alten Scribenten ein einziges verdorbenes Wort, 
woran fie fic) lieber Blind fehen, ald ber Ehre entbehren 
wollen, «8 einiger maſſen, gewiß oder ungewiß, 
au secht gebracht zu haben. Dieß allein Heifft ihnen 
‚groß und gelehrt. Alles andere ift unnirg Zeug, 
Bloß barüm, weil fie e8 nicht find, bie e wiſſen, und 

weil ſie Dinter thram Ofen, nad) ihrem Geſchmack, 

MEE bie | 








Vorrede. XLIX 


die Beduͤrfniſſe ber gangen Melt zuſchneiden. Teut⸗ 
ſche Urkunden und Uibungen kommen in denen gefchlofs 
fenen Schrancken nicht eben vor, darin fid) diefe d 
ser tummeln. Daher reden fie Lateinifch, wie cift 
‚Tullius, Griechiſch, wie ein Demofthenes, und 
Teutſch, wie eine Saͤug⸗ Amme. Sie bannen alle 
Barbaren getvoft in die Mutter⸗Sprache hinein, 
und prophezeien der wahren Gelahrtheit den gewiſſen 
Untergang , fo bald fie mercken, daß die Jugend 
, engefüfret wird, auch im Teutfchen richtig zu dencken 
und zu ſchreiben. Sie Haben allerdings SBerbienfte, 
bie man ihnen gern zugeftehet, wenn fie nur glauben 
mbgten, baf noch andere Verdienfte möglich find, 
. bie fie nicht Haben. Schade wäre ed, wenn alle 
im Eritifchen Reiche wahrhaftig. aroffe Männer zu 
diefem feinen pedantifchen Hauffen gehören follten, 
Man fennet, GOtt Lob! und ehret nicht wenige, 
deren Eluge und befcheidene Gefinnungen weit davon 
entfernet find: Nicht alle dencken, wie zu meiner 
' Seit ein getoiffer , fonft gelehrter Magifter in... 
ber fid) nicht bereben funnte, aus ben Thaten bes 
Prinzen Eugenii mas groſſes zu machen, wofern ed 
m waͤre, daß er Fein Griechiſch gewuſt haͤtte. 

Gs iſt dieſen ſtaͤubigten Starr⸗Kdpffen von vernünfe 
tigen Männern (djon manches erbauliche Chren-Wort 
gefagt worden. Allein, wer fonn ihre Gigenliebe 
dämpfen? Werden fie aufgebracht, fo weiſen fie‘ 
die gdebrtem Zaͤhne. 

| o5. Die 





L Ä Vorrede. 


Dic dritte Art ift bie einfältigfte , 3 
becjenigen , bie mein Idioricon zu nichts anders zu 
* Brauchen wiſſen, ald daß fie fid) Daraus an einigen 
Hedend- Arten unferd gemeinen Mannes ergehen. 
Diefe guten Idioten benden zum wenigften nicht 
hochmuͤthig und verächtlich von dergleichen Arbeit. 
Doch fehe ich eben nicht gern, wenn fie, oder aud) 
wol fíügere, fich gar zu viel über bem pöbelhaften ' 
aufhalten. Wahr iſts, es läuffet allerdings und . 
nothwendig in einen folchen Werzeichniffe etwas nie: 
derträchtiged und nicht zu feines mit unter, welches 
id) gern vermieden hätte, wenn ich als ein Sitten _ 
Lehrer hätte fagen wollen, toic man reden muͤſte, 
und nicht als ein Hiſtoricus, was geredet wuͤrde. 
Der Poͤbel hat gar zu groſſen Antheil an der Mund⸗ 
Art, inſonderheit in groſſen Kauff⸗Staͤdten, allwo 
es eine gewaltige Anzahl Menſchen giebt, deren Kno⸗ 
hen mehr, als ihre Hoͤflichkeiten, gebraucht werden; 
und die von ihren Dörffern, ober fonft von groben 
Eltern, bie feinfte Sprache nicht mitbringen, Diefes 
alles auszumertzen, wäre eben fo viel, als bie halbe 
Quelle verftopffen, woraus uns in der Wort» For- 
fung mas nügliches zuflieffen kann. Will aber. 
dennoch iemand mein allzugetreues Verzeichniß, ober. 
die 93eptráge des einen gelehrten Freundes tadeln, 
fo fage ich, zu unferer Entfchuldigung, baffelbe, mas 
oftbelobter Prafcbius in der Vorrede feines Baieri⸗ 
ſchen Woͤrter⸗Buches geſaget hat: Vt quasdam 
Boiorum (Hamburgenf wm) voces faris rudes 

abie 





4 - 
AP 








Serb — à LH 


abie&tasque esfe non nego, quas merito vitant 
sırlmaraı, et explodunts fic plurimas habent 
tam antiquas, probas atque commodas, vt 
aliis idiomatibus palmam praeripiant. Sed et 
illas fordidiores nosſe, non fuerit fine vfü, 
nec illicitum putabimus , etiam per ludicra 


proficere. 
D NEP. 
wc. 


Nenn demnach Diejenigen Ernte, die in dne 

von ietztbeſchriebenen Richter⸗Claſſen gehören, nur 
die Guͤte haben wollen, mein ldioticon uͤberall nicht 
anzuſehen, vielweniger ſich daruͤber Richter⸗maͤſſig 
vernehmon zu laſſen, fo koͤnnen wir im übrigen gute 
Freunde fep. Kann ich abet. ihren Ausſpruͤchen 
nicht entgehen, ſo nehme ich dieſelbe, wie fie nicht 
anders. haben vermuthet werben koͤnnen. Ich werde 
ihnen dagegen alles gutes wuͤnſchen, und ſo wenig 
ihre Weisheit und Ehre beneiden, als ife Vergnuͤ⸗ 

gen das fie an fich ſelber Haben, ſtͤren. 


Idygnen hingegen, meine beſten Leſer, gebe 
ich noch mit wenigem die aufrichtige Verſicherung, 
daß, wie ich von Ihrer klugen Einſicht, Beſchei⸗ 
denheit und Hoͤflichkeit nichts als die billigſten Ur⸗ 
theile erwarten kann, alſo ich hinwiederuͤm nicht nur 
Erinnerungen, Verbeſſerungen und Zuſaͤtze, ſondern 
auch Tadel und Verwerffung, mit ſolcher Liebe und 
Danckbarkeit annehmen werde, als ich es gegen eine 
"m allen Tuͤcken entfernte Gruͤndlichkeit zu thun 

d 2 | yea, 





ul WVorrede. 

ſchuldig bin. Man erlaube mir ſchließlich, einen 
kleinen Ehr⸗Geitz offenhertzig qu bekennen, Kraft 
deſſen ich mir eine Freude machen wuͤrde, wenn 
dieſer mein geringer Vorgang eine baldige und beſſere 
Nachfolge in andern groſſen Städten des Ober⸗ 
und Nieder⸗Saͤchſiſchen Kreiſes veranlaſſen, und 
mehr als ein Idioticon denen wackeren Maͤnnern, 
die an einem allgemeinen Teutſchen Woͤrter⸗Buche 
arbeiten, nad Wunſch zu ſtaten konnnen mögte, 











— 
Y. 


: — = m 
z 8 dl L— 
BI — aee ae : = 
m — m Per — Ur = 


9f. 


er. wat beft dus wakkere Rinder, Sprichwort, wo⸗ 
mit man einem fehmeichelt, wie der Zuchs dem Affen, 
Achter: hinter: poft. 
benachter: nad) hinten. | 
tom achtern famen: in Abnahme geraten: usegeichan. 
van acbtern: it. vanachtern to: von hinten: atergo. 
Achter: 3Dóbr: Hinter- Thür. Alfo: Achter s Aus, 
Achter» Dönß, Achter-Deel, 1c. | 
(Achter: Stitken: Die Sople unter bem Abfag. Und weil 
biefe unter den fpi&igen Weiber-Schuen leicht abgelaufs 
fen wird, fo pflege man ein Fleines Trinck⸗Geld, das einem 
Dienft-Mägdgen gegeben wird, een Paar Achters ' 
Flikken zu nennen. Einanderes Sprichwort ift: up 
De Achter» SlítEen flabn, b.i. geringe (àGen. M.) _ 
schterfolgen : gerichtlich einPfand verfolgen, profequiren. 
Achterfolgungs » Procefs: Profecutions - Handel, 
Wovon, wie von dem Norte felber, der fäl. Hr. Mat- 
thaeus Sfüter ausführlich) handelt in feinem Tradt. 
von den Erben in Hamburg. P. VI. p.849 íqq. 
achternah: hinten her: poft, it. poft feftum. Daher 
die Sprichwörter wieder vie nigeny bie zw (pàt kom⸗ 








en: 


2 IDIOTICON 


men: Achrernab kummt dünne Beer. it. Achter⸗ 
nah bac? Eier⸗KRooken ıc, 

achteroͤver: hinten uͤber. | | 

Achter-Port: ciuiliter, pro podice. (Sprichw. at 
de Achter⸗Port apen ftabn, un den Docter fpnec 
wege gabn. M.) 

achteruch: hinten aus, Achteruth flabn: calcibus fe- 
rire. (Achteruch Erazen: eine Reverence machen, 





M.) 
Man pflege aud) mit diefem Worte poͤttiſch zu vernei⸗ 
nen: ja! achteruth! wie mit dem Lateiniſchen: ſci⸗ 
licet, vt retro zufticus arma gerit, 
(achteruth tebren, item gana in tAchter-Schipp 
famen: in feiner Nahrung zurück fommen. M.) 
Achter⸗Warck: der hinten angefügte Rand oder Saum 
an einem Gieflóppelfe. | 
Adder: Natter, Otter, giftige Schlange. Metaphor. een bó» 
|. 7^. fen Adder: ein zorniger boshaftiger Menfch. In der 
Schwaͤbiſchen Mund- Are muß diefes Wort auch ge- 
bräuchlich feyn, wie zu erfehen aus Henifchii Thefauro | 

p- 20. 

Ade⸗ Salve: Vnguentum Dialtheae. 

(Aderlaten. Sprichw. Wann iemand plóéfid) worauf ver- 
fällt, fo fageman: et kummt em an/ as dem Buuren 
dat Aderlaten. M.) 

af: ab, von. Trifft zwar im Gebrauche mit dem ab der Hoch⸗ 
Seutídjen überein; bod) feinen folgende Medens- Arten 
fid) audgunebmen : ° 

ef un an: bann unb mann; per interualla. 

blyvet daraf: bleibt davon. 

(et mag dar nich af: es wirft es nit ab. M.) it. er ift 
fo genau, er kann fo viel nicht miflen. Mag dar Écen 
More af?! Wie fo fill? 

ich weer’r nidis af: id) weiß nichts davon. 

Af⸗Ort ⁊ ein abwärts gelegener Ort, bem nemandnah iſt 
—* e 


HAMBVRGENSE. 3 


Se wahner an eenem Af⸗Ort: habitat in loco a 
communi viciniafeiundto, Bisweilen bebeutet es aud) 
einen Abtritt, feceffum : 2. E. an eenen Af⸗Ort 
Hahn ıc. 

holen: ben Fleinen Kindern eine Bequemlichkeit machen, 
bie unfere Wärterinnen willen; 

"laven, fiebe laven. . - | " 

terfolgen, an (tat achterfolgen, wird von erfichen unferer 
heutigen Mund Are nur aufgedrungen. Borbelobter 
Hr. Stüter 1. c. p. 85. vermeinet, es fen befler, daß man 
ſich diefes Wortes bey uns enthalte. Wahriftes, daß 
bas Vorwort after in unterfchiedlichen Compofitis nicht 
bloß fo viel als. acbtet oder hinter, fondern zugleid) et 
was unartiges oder mangelhaftes bedeutet. 3. E. Af⸗ 
terreden heiſſet nicht blog nachreden, es fen gutesoder 
böfes, fondern verleumden: Aftergeburt wird nicht 
nur pro fecundinis fondern aud) für Mißgeburt gebraus 

— Wet: Afterwis, Afterglaubg pflegen Aberwiß und _ 
Aberglauben zu bedeuten. Inzwiſchen weil diefes nur 
im Hochteutfchen geſchiehet, fo würde es bem Worte 
afterfolgen nicht hindern, wenn felbiges Niederſaͤchſiſch 
wäre. Allein bey ung, fo wie in Holland, fagt man nie» 
mahls after, fondern achter, und diefe Particulabehälg 
dieſelbe Bedeutung, die fie auch in andern verwandten 

Sprachen har. Alfo ift im Gothiſchen aftaro Hinter; im 
Angel-Sächfifchen aefzer ; im Alt-Srändifchen: Far af- 
ter mir : gehe hinter mich, Ortfrid. XIII. 13; im Engels 
ländifchen after noon: nad) Mittag: day after day: 
Tag auf Tag. Wie denn felbft im Griechiſchen avr 
aud) deinde bedeutet: uͤberdem unterfcheidet (id) das 
Niederteutſche achter darin, daß es auch fepararimftee 
ben fann: 3. €. dar is nicks acbter: nihilhabet inre- 
ceflu; dahingegen after von den Hochteutſchen allezeit 
als eine Particula infeparabilis forne an fein compofi- 
tum gefüget wird; wie ſolches zeigen, aufler den oben an⸗ 
geführten, die Wörter: Aftetdarm: inteftinum re- 





- M'a | ctum; 


NS 


4 |! — 'IDIOTICON 


cum; Aftererbe: heres ſubſtitutus; Afterkind: 

ftamus; Afterlehn: ſubfeudum; ftermontag:. | 

JSbienflaa; Afterſabbath: Sabbachum dturegangu- I 

Toy, und andere mehr. 

^ efeoyten, fiehe wyten. " 

ahlwatiſch: afbern: ftolidus. | 

Ahr Sagel: Ente. Zen ſuuren Ahn- Sage: eine Ente 
in fauer gefocht. (Sprw. Se fübt eenem Schelm | 
glyker als eenem Ahnt⸗Fagel. M. ) 

Akke, oder Akken⸗Pfuy! Gin Abſchreckungs⸗Wort für kleine 
Kinder, wann ſie etwas unſauberes oder ſchaͤdliches ha⸗ 
ben und ergreiffen wollen. Da ſprechen auch unſere 

Wauaͤrterinnen: Pfuy! dat is akken: das ift garſtig. 

all: ſchon, bereits: iam. He geit all: ec gehet (chon. 

allbott: traun, zumahlen, gleichwol: ſane. Siehe Bott, 
aus deſſen Bedeutung dieſes Wort ſeinen Urſprung zu 
haben ſcheinet, indem man ſich damit etwas nachgegeben 
oder zugeſtanden haben will. Z. (€, He ſprickt allbott 
dryſt genoog: loquitur ſane audacter ſatis: i. e. das 
muß man geſtehen, daß er dreiſt gnug ſpreche. | 
(Angl.albeit : obfchon, gleichwol: etfi: bien que, quoi- 
que. M) . 
slldschfoman: zum Scherg, zum Schein: dicis caufa, 
alfeman: iedermann. Allemann atf even nah: beiffer es 
bey Ausruffen, wo einer zum bieten fo naheift, als der an⸗ 
dere. Eene allemanns Hoore: eine gemeine Hure. 
allengskens: allgemaͤhlig: pedetentim. 

(allenhand, it. allenthand: mit der Zeit, nunmehro, endlich 
einſt. Et is allenhand Typ: eg ift no gerede Sn. 
M) 

allerwegen: allenthalben. 

alljuͤmmer, ſiehe juͤmmer. 

allreede, ſiehe reede. 

allſchoonſt: obgleich, obſchon: tametfi, 

alltomits: bisweilen: interdim. 





alltooſt. 





 HAMBVRGENSE. $ 


alireofl Wird eben fo gebrauchet, wie allbott. Diefelbe 
Bedeutung hat bey ungauchbisweilendas Wort alleyd, 
', e wont man etwas augefteet: 3. G. He is alltyd een 
düchtig Mann : eft fane vir ftrenuus. Alltooſt, 
oder, wie es einige ausſprechen, alltoos, iſt vermuthlich 
daſſelbe Wort, welches ſich ſchon findet im 1 3ten oder 
x 4ten Jahr Hundert, be» einem alten Ueberſetzer einer 
| Chronick, in Hn. Eccards Corpore Hiftor. medii aeui 
x T.I. allmo man p. 945. folgendes liefer: 
Vor das recht fo fult fy (tryden, 
Mit den armen altoys lyden. 


und abermahl p.947: 
Landescroyn yn Hamerfteyne 
Haynt gewefen altoys reyne. 
Es fcheinet damahl (o viel bebet:tet zu haben, af? aller: | 
Öings, allezeit, nunquam non. 
(Amedahm: Stärde, Kleifter. M.) 
(Ahnen. Sprw. dat ie fo wiß, as Amen in der Rarken: 
das ift fo gewiß „als Amen in der Kirchen. M) .— 
Ammädjen: quafi Anne Mädgen, einer der Eindifch, bföbe 
umb vergagt ift. | 
Hans Ammädjen: ein weibifher Kerl. 
anampeln: einen Verſuch thum allmaͤhlig beginnen: conati, 
vires vcl primas, vel reftitutas experiri. 
Under: Sprw. den Ancker acbtern Heerd bebben: ſchon 
m vot f ich gebracht Baben; feiner Mittel verfichert 


engen: anwachſen. Wird von derjenigen Kranckheit ge 
aucht, womit infonderheit bie Kinder geplaget find, 
warn fie von Blehungen in ben Musculn zwiſchen ben 
Achſeln und in den Seiten gang fteiff werden, da man ih⸗ 
nen mit ſchmieren unb ſtreichen zu Hülffe fontmen muß. 
Daher agen unfere Weiber: Dat inb ie angeöyet; 

et mut afftveEen waren. 
anbalen: angeben, anpolen. Proprie entweder von Cade, 





IDIOTICON 





bie man nad) fid) ziehet, 3. €. den ver anbalen: fca- 
ham aftrahere; oder von den Stricken felbft, wannfie , 
fteiffer angezogen werden. S. E. Halet dat Tau beter - 
an: intendite funem. Metaphorice: anteben, zum 
Giefprád) fordern. Wenn einer einen vorbengebenden 
ſprechen will, fo balet be em an, b. i. er rufe ihn gu ich: 
arcesfır. Iſt demnach) überflüflig, toas der Hr. von Leib⸗ 
nitz muthmaflen milf, ob wäre diefes anbalen fo viel als 
enballen oder anbauchen: anforte, fpricht et, a fono 
fpirituue;qui eft Hall, halitus. in Colle&t.Etymol.p.33. 


(ankamen: anbruͤchig werden, zu verderben oder zu verfaulen 


anfangen. 9. E. dat Fleeſch is antamen: Caro vi: 


tium contraxit. M.) 


(anfen: äd)zen, ftehuen. M.) 
antikken, (iebe tikken. 
Antog, ſiehe tehn. | 
(Apoftel» Deetóe: Güffe. M.) 


Appeldöwaljes: ein Spott-Nahme, baman von einem albers 
nen tölpifchen Dienfchen (aget: et is een dummen Aps 


pelöwaljes. ^ — | 
(Appelfina: ſuͤſſe Pomerantzen: poms de Sine. M.) 


Appelteven: (o ſchilt unfer Pöbel die liederlichen Dirnen, die 


mit Obft herum ruffen. 


(Arften fünder Schell: Erbſen, deren zarte Hülfe mit ge 


geſſen wird. M.) 


38, wird ausgefprochen für ale. 3.€. beter as nicks. Daher 


der Nahme Asdu, welchen einige ihren Hunden geben, 


uͤm demjenigen, der fraget, wie der Hund heiſſe, mit der 


Antwort einen Poſſen zu ſpielen. 


Asmus mit de Been⸗Salve. Woher dieſer Spott⸗Nahme 


ruͤhre, und ob er was anders, als einen ungeſchickten 


Marcktſchreyer bedeute, muß ich andern zu errathen 
uͤberlaſſen 


aver: über. Siehe över. 
averſt: et plebeia contra&ione arſt: abet 


u s Bad 


| 





HAMBVRGENSE. 7 
Back: ein hoͤltzernes Gefaͤß oder Behaͤlter, it. eine groſſe und 
tieffe hoͤltzerne Schuͤſſel, wie diejenigen ſind, daraus das 
Schiffs⸗Volck ſpeiſet. | 
Liche- Bad, Solt⸗Back find inder Küchen ander Wand 
hangende Käftchen mit Dedeln, worin Licht und Salß 
zur täglichen Nochdurft vorräthig gehalten werden. 
Water⸗Back: Wafler- Behälter, Brunnen» Kaften, 
Baͤcksken: ein polirtes oder verlacktes Brett mit einent 
flachen Rande, worin faubere Sachen gelegt und getra« 
gen werden. | 
Back⸗Beeſt. Ein Menfch oder Thier von ungewoͤhnlicher 
Dicke. OD diefe Benennung herfomme von dem Worte 
Bach, welches auch.einen Trog bedeuten Eann, und alſo 
derjenige, der am: Teoge (id) immer máftet, een dich 
Dach s Deefk werden. muß: oder ob es von den dicken 
Paus⸗Backen, obet vondem Verbo backen, weil eta 
bey ben Beckern gemeiniglich Menfchen unb. Vieh (id) 
gut auszulegen pflegen? ober-eubfid), ob. ber Bacchus 
biefetn Schele Worte ben Urſprunggegeben; davon will 
\ ich einen jeden bag. wahrfcheinlichfte meblen laſſen. 
Back⸗Bort wird von den Seefahreriden bie linde Seite 
bes Schiffes, die rechte hingegen Stuͤr⸗Bort genenner. 
Woher biefe Benennung fomme, unb. welcher maffen 
bas Wort Back aud) bas inwendige am Obern Border« 
theile eines See-Schiffes, imgleichen ein Boot oder 
Eleines Fahrzeug bedeute, davon ift in einem Sangburgi« 
ſchen Wörter Buche der Ort nicht zu handeln. 
Bade: Bore. | | 
" verbaden: fordern laffen: citare per.nuncium. Ein 
veraltetes Wort. | | 
(de Sórbaben willt de Nabaden nich inlaten, Ent: : 
ſchuldigung derjenigen, bie nicht mehr effen fónnen, weil 
fie an den ec(ten Gerichten (id) (on gefáttiget, M.) 





3 4 


8 ^ .— JDPIOTICON 


Bak: der Ruͤcken. Daher od) bis Redens-Art: eenemup -' 
den Bak famen: einem über ben Puckelfommen. ir. 
eenem up dem Bak fitten: einem auf der Haube ; 
fißen : imminere alicui." He ligt em Immer up'm 
Beake: er lieget ihm ſtets auf bem Halfe. Ä 
23afels: die Ruͤck Lehne am Stule. tóle abne Das 
fes: Tabourets. Ä 
, *oydbat, vulgo Hubbak: wann einer dem andern auf 
^. Decet und von ibm auf dem Puckel getragen wird, das 
heiſſen wir np den Hubbak fitten, it. nehmen, 
Öregen ıc. — | | | 
(Hubback : : quafi dicas aufgehoben auf ben Bad, Nam 
Back, Danice Bag eft dorfum, der Pudel, Hand tog 
bende paa fin Bag, og bar hendebort, fubleuatam 
in humeros, vel in tergum fuum, cam asportauit. Bac 
Anglo Sax. eft tergum: on bec, retroríum. .Bac- 
thearm, inteftinum illud,quod & Danice Bag⸗Darm 
vocamus; vnde Baec-thearmes Vtgang, itidem An- 
glo-Sax. h.e. procidentia ani. G.) Hieraus erſcheinet 
Flärlich, daß man nicht Pack⸗Darm ſchreiben müffe, als 
wäre darin etwas gepacker, fondern Bak⸗Darm, weil 
er am Rücken fieget, | 
bafern: märmen, wie man bie Fleinen Kinder am Better thut. 
ze weet fick wol to bafern: er weiß feiner wel zu 
pflegen, daß er nicht verfriere. , Das Wort ſcheinet Hol⸗ 
ländifch zu feyn, allwo de Baker eine Wärterin in ber 
Wochen: Stube bedeutet. 
dalcken⸗ düfter : ſtockfinſter. 
Dallje: Wanne, Borte, Kübel. | 
Ballen: Kloͤſſe, von Mehl, gerieben Brodt, infonberbeit aber 
(«von gehackten Fleiſche, welche man in Suppen, Potagen 
amd dergleichen gebrauchee. Quafı Balleken: Kleine 
Baͤlle: pilulae, globuli. 
ballftürig: jachzornig: iracundus. Vox Danis quoque vfi- 
tarta, An forte Dalb(tórrig ? 





HAMBVRGENSE, | 9 


(Non eft a bald:ftörrig; verum dicitur quafi balg⸗ 
ſtyrig, h. e. litigioſus, pugnax, ad decertandum prom- 
tus, Balgen enim, praeter cognitas illas fignificatio- 

nes, abunde a Clariff. Wachtero (p. 10 f. feq.) illuftra- 
tas, noftratibus eft duello congredi ; & Balgere, pugna- 
tor, Duellif. Styr, ferox; vnde olim Styrbiorno, 
Sueciae athletae (fec. X. cirea ann. Chr. 980) nomen; 
de quo Torfaeus, ex Hiftoria S. Olafi, refert, Regem 
paruum ei nomen STYRBIORNI a turbido ingenio , ad 
ella caedesque propenfo, indidisfe. Trifol. Hift. c. 
XIV. p.73. Styr, pugna, proelium. vid. Franc.Iunii 
Monofylaba Gothica in Obferuatt, ad Willer, p. 265. 
G) 

Der alte Cöllnifche Pocabularius Teutbonifla, defe 
fen unten mit mehrem wird gedacht werden, hat auch bad 
Wort Stuyricheit, und erfläret e$ unter anderndurch 
aufteritas, proteruitas, und ſtuyrlick durd) feuere, ri- 
gorofe, acerbe , welches alles mit Scyr und ſtoͤrrig (o 
nahe verwandt ift, daß beide Meinungen faft auf eines 
hinausfommen: ob aber für bald nothwendig balg zus 
nehmen fey, folches fcheinet der Begriff eines Ssachzornie 
gen nicht zus erfordern, als welcher Begriff das erfte faft 

.. lieber als das legte zulaͤſte. u 
QSamóbm pronunciatur pro Bademoͤhm: Wehemutter: 
obſtetrix. M) | 
. Q*anb. Cypr. bat bindt den Band: das macht es bine 
big, oder: dag giebt bee Sachen’ bas Gewichte. M.) 
Bande (Boot: Geraͤthe von Boͤttcher⸗Arbeit. 
Gangigkeit: der Jammer, bie ſchwere Noth: Epilepfia, 
pracfertim infantum, M.) | 
Barcken⸗Rieß: fo werden bey ben Kindern die Ruthen ge⸗ 
nannte, weil felbige aus Bircken⸗Reiſern gebunden 
werden, | | 0 
barft: contra&um ex barfoot: barfuß: nudis pedibus, 
Auch brauchen wir es blog für nudus, und fegen pleona- 
0l 45 ftice 





'YO " IDIOTICON 


ſtice bie Subftantiua Foot unb Been hinzu. — 9. C. 
barftes Footes, mit barften Beenen. 2 
Cbarbeent, an (tat barftbeent: mie bloffen Beinen, €» 
.7 — . heiflet e8 von einem armen nadten Menfchen, be qeit 





barft: un barbeent: er gehet ohne Schue und 
Strümpffe. M.) | 
Bar un Dahl begegnet fic? nich, man Minſchen⸗ 
Ainder wol. Stein Sprichwort, womit gefagt wird, | 
man fónne nicht wiffen, wie man einander wieder antrefs 
| fen mógte, üm gutes ober böfes zu vergelten, M.) 
Barm: Bier-Hefen: faeces cereuifiae. Der Poͤbel hat das 
von ein ſchmutziges Sprichwort: in den Barm ſchy⸗ 
ten, b. i, eine Sache noch zulegt am Ende verderben. 
(dat geit wedder na m len Barm to: dasgeräfh 
| wieder auf die alte Weife. M.) | 
barmbartig, an ftat erbáemlid) , elend, mitleidens wuͤrdig. 
Een luͤttk barmbartig Dinck: ein Fleines jammer⸗ 
liches Ding. Ä 
baſch: barſch, ſcharff, ſtrenge von Geſchmack, wie z. E. ber 
 .. Pfeffer. Metaphorice: eifrig, hefftig. en baſch 
Kerl: homo ſeuerus; een. baſch Wort: verbum 
acıte, 
bafen: irren, ohne Gedancken geben: incogitanter oberrare. 
Baſe⸗Geeſt: unbebachtfamer Schwärmer, . 
yerbaſet: ver(tóret, beftürget: obftupefadtus, attonitus. 
Baſerey: Irrthum, Dummheit. He geit in de Baſe⸗ 
rey: nelcit, quid agat. 
besten: nügen. — Gin Wort, das qud in dem befannten Liede 
- Andr. Knopfii: Was kann une kommen an für 
Fisch, ‚ehemapte geftanden, nachhero aber ausgemer- 
worden : | ur 
E Laͤſſt uns zu keiner Zeit troftlos, 
Im ſchaden und im baten. 


Bate: Augen 19 Bate kamen: zu Nutzen fon 


baven; 





HAMBVRGENSE. | II 


baven: oben: fupra; baven an; oben an: fupremo locos 
nábaven: hinauf, oberwärts: furfum; wan bavenz 
von oben: defuper. Daher bas Sprichwort ber Weider, 
tvannn fie eines andern Gefchicflichfeit rühmen: Dat 
fünd Gaven, de kamen van baven,de wegen wat. 
Cbaven de Eerde (fabn: im Sarge ſtehen. So lange 
nebmfid) ein Todter nod) unbegraben ift, (agen wir: be 
ficit baven de Eerde. M.) | 
baven dryven: fupernatare. — Sprw. Dat Settmutt 
alleyd baven dryven: b. i, bec Reichemuß allezeit bie 
Oberhand haben. 
Baven⸗Water nentiet man bey ang das Waffer, fo von 
der Ober⸗Elbe herunter kommt. Wannes nun broben 
bon vielem Regen oder Schnee aus den Gebirgen fid) 
(tard ergoflen, (o heiflet es: Dar is veel Baven⸗MWa⸗ 
ter, und führet fodann die Elbe gemeiniglid) ein Leim⸗ 
färbiges Waſſer, pfleget aud), wenn weftliche Winde aus 
der See dagegen treiben, hohe Fluthen abzugeben. 
bedaven; fiehe doof. 007 
Bedde; Bette. Sprw. He is barmit to Bedde brogt: 
| et hats erfahren; er ift bamitDinfergangen. ^ Bedde⸗ 
wagen: Korb, womit man Das Sette wärmer, 
Bede: : der Cyuraten s Stuhl in der Kirchen: meil allda vor⸗ 
mahls die Bede, bagift, die Collecte eingenommen mors 
ben, and) nod) ieo zu gewiffen Zeiten dafelbft eine Aus⸗ 
ttheilung geſchiehet. 
beduͤſſet (ss molli) ſiehe duͤſig. 
Beer: Bier. Sprw. Seht, mat dat Beer deit: ſpoͤtti⸗ 
ſche Verwunderung. M.) Dat is ſtarck Beer, ſagt 
man, wann einer ſich hefftig oder pochend vernehmen laͤſſt. 
Beeſt: die erſte Milch von der Sube, nachdem fie gekalbet, 
welche pfleget etwas geronnen zu ſeyn, und warm gegeſ⸗ 
ſen zu werden: daher es auch gemeiniglich heiſſe warm 
Beeſt: colostrum. 


Beff, Beffken: kleiner Kragen, Ueberſchlag. 





12 IDIOTICON 


Begynken * einleinen Kinder⸗Haͤubgen, welches hinten offen, 
worin ſie wie die Bagynen oder Noͤnnechen ausſehen. 
begoͤſchen. Siehe Goos. | 
bebarben: greifen, fangen, handfeſt machen, 

(behoͤdt: behutſam. M.) 

Bekummſt: Gnuͤge: quantum conuenit. "fd? hebbe 
myn Bekummſt: id) habe zur Gnuͤge, oder ſo viel mir 
bekommen mag. Ein luſtiger Kopf ſchrieb dem Ham⸗ 
burgiſchen Frauenzimmer vor, mie fie bey Mahlzeiten, 
nach Unterſchied ihres Alters und Zuſtandes, antworten 
muͤſten, wann man ſie ein mehres zu eſſen noͤthigte. 

Nehmlich eine Jungfer muͤſte ſagen: ick war ſchon 
krygen; eine Ehe⸗Frau: ick buͤn wol verſehn; eine 
Wittwe: ick buͤn dar allwolanıdeft; undeinealte 
Matrone: ick hebbe myn Bekummſt. 


belemmern: beſetzen, bekranien, belegen, ſo daß man nicht 
hindurch kann. 
belemmert: obſtructus, impeditus. 
belevet (m): hoͤflich, der zu leben weiß, Belg. 
Bellhamer: Diefer affo bey ums von vielen ausgefprochene, 
| und folglich aud) gefchriebeneNahme wird denen beyge: 
legt, bie ein unbändiges und aufrührifches Maul brau⸗ 
den; fo wie mandergleichen wol ehemahls in Bürgerlis 
chen Verſammlungen aflBier. gehabt, bie auch in öffentlis 
hen Schriften Bellhammer genannt worden, gerade 
als wenn diefes Wort von Bellen und Hammer zu- 
ſammen gefeßet wäre, ba bod) wol niemand iemabfg einen 
Hammer bellen gehoͤret. Vielmehr iff der rechte und 
wahre Ausdruck Bell⸗Hamel, zufammen gefügee von 
bem Miederländifchen Selle, welches eine Schelle (tin- 
tinnabulum) bedeutet, unb Hamel (veruex), (o baf ein 
Bellhamel eigenttid) ift ein Seit» Hammel, dem nian ei» 
niger Orten eine Schelle anpànget , damit er von ber 
Heerde fónne gehöre werden. Und Diemit vergleichee 
fi) ein demägogus, der unter bem aufrübrifchen vr | 
| ' tt 





4 
t 


LU 


HAMBYRGENSE. 00135 


fen das acoffe. fort at, unb beffen Khallende prabferey 

bey ben andern Gehör findet, fo daß fie ihm nachgehen. 
Diefes befráfftiget der gelehrte Brabanter Corn. Kilia- 
nus in feinem Etymologico Teutonicae linguae: Be/- 
 bamel: veruex fectarius , dux gregis; & per metaph. 
coryphaeus, Gall. mouten à Ja fannette, 

bemöten (os) ſiehe moͤten. 

benaut: ſ. nau. 

beren (e): it. berden: fid) geberden, T ftellen: fimulare; 
eh bere man fd; ich ftelle mid) nur fo. 

berichten: das Heil. Abendmahl geben. Wird infonderheit 
von Kranden und Sterbenden gefagt : He bett fich 
berichten laten; er hat gebeichtet und communiciret. 

beryven: beryflick. ſiehe ryve. 

(in Berow und Berade nehmen: unſchluͤſſig ſeyn, ob et⸗ 
was rathſam oder zu bereuen ſey. M.) 

beſchreien: uͤber einen Ermordeten das ſo genannte Straſſen⸗ 
Recht oder Zeter⸗Geſchrey halten. 

Beſſem: Beſem. (Sprw. Syne Hare fine & Erusals 
een Seffem-Steel. M.) $5e bett'eenen Beſſem⸗ 
Steel im RBuͤggen: ex träge fid) febr fteiff. | 

Brahm⸗ Beſſem: vom Brahm- Kraute. 
Hey⸗Beſſem: von Heyde. 

Rieſe⸗Beſſem: von Bircken⸗Reiſern. 
Kamer⸗Beſſem: von Schweins⸗Haaren, bie Zimmer 

- zu fegen. 

AU myn beſt: nach meinem beften Vermögen. He 

beſt loͤpt all Ms currit —— poteft, ^. i: 

befwichten, beſwichtigen: (djmeigenb machen, juficden 

ellen. 

beſwymen: £ fioymen, * 

betehmen laten: zufrieden laſſen. Siehe tehmen. 

QSetel (e): Meiſſel: ſcalprum fabrile. M.) 

Betjen, betken (s): bißchen, ein wenig · Toͤvet een betjen; 





14 „  IDIOTICON |. 


wartet ein wenig; een lüttjen betjen; einflein wenig: 
un petit peu, | 
(£o ſoͤten Betjen: mitgroffem appetit. Man pffeget üps 
pigem Öefinde, bas eine untabdeliche Koft veve£elt, bie Zeit 
zu verfündigen, da fie e$ nod) effen werden to ſoͤten 
| ASetjen, M.) | 
bett: 1) big, vsque.ad. Bett to ewigen Daten: big in 
Emigfeit; bett na Lüübeck: Lubecam vsque. 
2) befier, foeiter: porro, magis; wieder Hochteutfchen 
bafi, fürbaß. Bett togahn: gradum citare; . 
.. bett to rügge: weiter zuruͤck. . 
4) wieder, mehr: iterum, amplius. Nich bettdohn: 
nicht mehr cun, (Dat beett: Kumm ins, 
mannichbett. Sprw. Das heiflt: Komme mir 
| nicht zum andern mabl, M.) 
 betüntelt: fiehe rühteln, 
Beweer: Mühe, $ármen, Unruhe. be maket vec Be⸗ 
weer: Gr machet viele Unruhe. 
beweerlick: unruhig, muͤhſam: operoſus, moleſtus. 
Een beweerlick Ampt; een beweerlick Kind: 
. damit man viele Mühe hat. 


by, pro zu. 25y fich ſteken: Zu (ib ſtecken. 
by to: neben bin, bey meg. | ! 
« bybubEen: den Kopff anlegen, fid) anſchmiegen, wie die Kinder 
— -enbiefOru(t. Wird aber aud) von denen gefagt, bie 
Mund an Mund bringen, ober Füflen wollen: He will: 
ins bybukken. | U 
Bickbeeren: Heidelbeere: mirtylli. Sprw. fo blau als 
.,  €ne2Sidbeer. M.) — ol 
bíd'en boom fill fvoygen: (tod flille ſcweigen. 
Bickſteert: So nennen unfere Leute eine Verlegung der 
am Gefäffe. Z.E. He bett fic? eenen Bick⸗ 
eert reden: Er bat fid) wund geritten. 
2itte: Hacke, Kach: ligo > c 
bikken; baden, bauen. | J Bick⸗ 


Me / 





HAMBVRGENSE Ij 


Dick⸗Sand: ein Sand von zerflopften Brodfen der ges 
hauenen Steine, welcher fein gefichtet, unb beffer, als ge» 
meiner Sand, das hölgerne Geräthe damit zu (deuten, 
gebraucht wird, | 

Bikkel⸗Steene: harte Steine, abgefprumgene Stüde 
von Rieferlingen. Man (agt von einem fehr Hungrigen: 
be ſchull wol Bikkel- Steene freten ; imgleichen 

von einem befftigen und harten Froſte: et fruͤſt Bikkel⸗ 
Steene - E 
Cbingeln: mit Fleinen Klocken laͤuten, Angl. ftingle. M.) 
Man brauchee aud) in felbigem Verſtande bas Wore 
beyern, womit infonderheit bag Fleine Gelaͤute bebeutet 
wird, welches vor dem groben und vollen Dergebet, unb. 
gleichfam intoniret, mann auf bem Lande zur Kirchen, 

‚oder in der Stadt zu Leichen geláutet werden fell, 
binnen: 1)inmenbig: intus, Binnen un buten: inen« 
bigunb auswendig. Meiſter wan kennen heif 
fet derjenige Schiffbauer, der am Schiffe bag in 
wendige verfertiget, | 

Binnenwarc: Ein Spigen- Werd, oder Ge⸗ 

Flöppels zwiſchen zweyen Sanden, fo an bie Ueber⸗ 

züge der Haupt⸗Kuͤſſen gefeßee wird, | 

2) innerhalb: intra. Binnen g Dagen: innerhalb 
acht Tagen. 





3) hinein oder herein: intro. Bahtbinnen: gebef. 


inein. Dat Schipp is binnen kamen: na- 
vis portum intrauit, ^fcf bebbe dat all bins 
nen: id) begreiffe es fon ; ich habe es fhoninne, 


Byſlag: f. Slag. | 

biffen (ss molli): hin und toieber lauffen: discurfitare. De 
vacca lafciuiente dici folet: de Koh biffer, i.c. füb- 
fultans discurrit. Die Niederländer (agen Zyfen, it. bie- 
fen , welches Kilian erfläret aeſtuare, furente ac vio- 
lento impetu agitari, infano more discurrere. &c. 

- "(plane etiam Danicum. G.) en 
| by(tes : 


la. 


16 ' - IDIOTICON | | 


byfter: düfter , unfteundlich, teübe: turbidus, inamoenus. 
BByſtre Lucht: coelum turbidum. Byſter utb(ebn: 
fronte non ferena esfe. j 
—— byfter flabn: nicht richtig im Kopffe feyn: delirare. 
verbyſtern: irren, verirren: errore confundi. Sün 
verbyſtert? feid ihr nod) Flug? Sprw. He is verby⸗ 
fiert in de Blaſe. (Etiam Dani bifter, vnde forbis 
fire. G) — | 
: beiffen. Sut einem, der ihn anfaͤhret, ober ihm ein ſauer 
Geſſichte machet, ſagt unſer Poͤbel, wie man zu einem 
Affen ſprechen moͤgte: Marten, byt my nícb, ich will 
dy eod? eene Beer geven. 0d 
^ Byterkens: find in der Weiber-Sprache die Zähne jum 
ger Kinder. M.) 
bitter: davon fagen wir gat eigen: nich dat bitterffe, oder . 
nicks des bitterffen: nicht bas geringfte, gar nichts; 
 plan&nihil, ne minimum quidem. . 
Black: Dinte, eigentlich bie ſthwartze: denn Lac hieß im - 
Angel-Sächfifehen, unb blak heiffee nod) im Engliſchen 
ſchwartz. Deffen aber ungeachtet fagen unſre Leute; 
totb Black, groͤn Black, u. f. w. | | 
| Bla + om: Dinte-Faß; Black⸗Lade: Schreiber 
eug. | 
Blaffer⸗Kringel, wie auch Blaffer⸗Nagels haben ihren 
jio —* Blaffert, Calf — be⸗ 
kannten Scheide⸗Muͤntze, nach welcher ſich vermuthlich 
die Blaffert ˖ Pretzel unb Blaffert⸗Naͤgel im Preiſe richten. 
Blagels, oder Blachels: das Blau, ſo unter die Staͤrcke ge⸗ 
menget wird, uͤm der weiſſen Waͤſche ein reineres Anſehen 
zu geben. (s kommt dieſe Ausſprache bes Worts von der 
groben Mund-Art der Bauren, welche für den blauen 
Himmel fagen den blagen Hemmel. Daher Bla⸗ 
els an ftat Blauels oder Blauchels. In unſern 
Bier Landen machen die Weiber mit diefer Farbe einen 
eigenen Staat, und thun deren fo viel an ihre Waͤſche und 
J Hauben, 








Pd 
— — —— — — LA m - 


HAMBVRGENSE. | 17 


Hauben, daß fie gang dundel-blau werben, — Weswegen 

man fie aud) de Blau⸗Huven nennet, und fie bamit 

von andern benachbarten Land⸗Leuten unter(d)eibet. 
CBleker: Wand Leuchter, M.) s. 
blántern: alängen, blinden. Bor blank. 

' blangen: neben, ander Seite her: iuxta. Scheinet zuſam⸗ 
| men gezogen aus by langen: längft neben ber. 
blaren: plárren, meinen. Wird aud) vom Gebölde des Dies 
| bes gebraucht. . 

Blar⸗Oge: einer der leicht und viel weinet: be nicks deit, 
as bulen un blaren., 

Blaß: eine angeblafene Shut, die einen rothen Schein giebt. 
| ‚Denn mir (agen von einem Menfchen, der im Gefüchte 

feuerroth ift: He (übt utb, als een Blaß Für. 
(Dar Licht gift eenen qvoten Blaß: es fadfelt ober 
flacfert ſtarck. M.) EN 
Folgende Wörter: Bleuſter und Bluͤſe find vermuth⸗ 
lic) mit diefem verwandt, —— 
CBleeke (e): Bleiche. Sprw. von einem, der ſchwartz und 
-  garítig ausfiehet: He fübt utb, as wenn be dem 
Düvel uch der Bleeke entlopen were. M.) 
Bleeckfyſt: Einer dei bleid) und elend ausficher, 
bleecPfyftig : blaß und kraͤncklich von Angefichte, 
Gleſſe: der weiſſe Fleck, den einige Pferde an der Stirne har 
- ben, die daher auchfelber Bleffen genennerwerden. M.) 
Bleuſter: eine auffahrende Flamme, mie vom angegünbeten 
Pulver: ignis fulgurans. 
. bleuffern: flammare, vehementer fulgere. 
Blikkenſ laͤger; iſt bep uns nit, der das Eifen zu Blech 
ſchlaͤget, fondern ein Klempner, der aus bem meijfen 
‚Bleche allerhand Glerátbe verfertiget. 
Block⸗Dreier: trochlearım tornator: bet die fogenannfen 
Dryſe⸗Bloͤtke oder Block⸗Rullen brechfelt. | 


B Blome: 





18 . c $3DIOTICON | 


Blome: (Sprw. fÉt regnet em ín de Blome Esgelinge: 
ihm alles; bas Glück fälle ipm in beh Schooß. M.) 
blubbern ; berurhblubbern ; fiehe flubbern, welches ci: 
| nerley. | ! | 
Bluͤſe: Feuer⸗Thurm, Warte: Pharus: dergleichen am» 
burg auffeinem Neuen Werde und auf Helgeland unter. 
hält, zum Behuf der Schiffe, die fid) des Nachts 
Munde der Elbe nach diefem Feuer richten. MEE 
blöfen: Warte⸗Feuer machen. Metaphorice: im Ge 
. fihteglühen. He blüfer: et fichet Feuer⸗roth aus, von 
^. auffteigender Hitze. Conf. bleuſtern. | 
Bluͤſer: Feuer Worter der die Bluͤſe zu unterhalten be⸗ 
ftellet ift. | 
Boͤge: Biege, Krümmes flexara. Iſt in ber Corslake aud) 
ber Nahme eines Vorlandes an der doven Elbe, bag von 
einer Kruͤmme des Deiches befaffet wird. — 


Boͤhn (en): 1. Die Decke eines Stockwerckes oder Zimmers: 
laquear: le platfond. Bett ünnern Boͤhn: big an 

die Decke. Daher wird auch der obere Gaumen im 

Munde de Boͤhn genannt. 

2. Der Boden uͤber der Decke, inſonderheit in den oͤberſten 
Stockwercken des Hauſes, wo keine Zimmer, ſondern 
nur Raum zu Waaren und andern Beduͤrfniſſen zu ha- 
ben. 3.E. de Korn⸗Boͤhn, Holt⸗Boͤhn, Kahl⸗ 
Boͤhn ꝛc. to Boͤhn bringen 1c. 

Sprw. He bett Boͤhns im Koppe: er fuͤhret hohe 

Ä Gedanken; ex will pod) hinaus, 

Boͤhn⸗Haſe: ein heimlicher Handwercker, ber nicht 
Zunftmäßig ift... Wird Zweifels ohne alfo genannt, ' 
weil er fic), wieein gejagter Hafe, aufdie Flucht geben 
umb auf den ‘Boden reciriren muß, wann bie ordentli⸗ 
hen Ampts-Meifter an den Orten, wo fie Befugniß 
haben, Haus-Suchung tbun, unb den Sufcher jagen. 
Zum wenigften -fcheinet mir viel gezwungener, mat 
Hr, Wachter angiebt in Glosfar. p. 191. baen oder 

| bón 








HAMBVRGENSE. I9 


bin beiffe bitten, unb hans (rooraus man zum Spott 
bafe gemacht) ein Befelle : daß alfo Baen-hans oder 
Boͤhn⸗Haſe bedeute focium opificem, qui iure pre- 
Cario gaudeat, indultu Senatus. Denn diefes wäre 
ja eigentlich ein fogenannter Frey⸗Meiſter, welchen 
die Handwercker von einem Boͤhn⸗Haſen (efr wol - 
zu unterſcheiden wiſſen. 

Boͤhn⸗Dehlen nennen unſere Holtz⸗Haͤndler diejeni⸗ 
gen Bretter, welche unterm Obdache eine ſattſame 
Zeit gelegen, um behoͤrig auszutrocknen, unb zum Ges 
taͤffel dienen zu koͤnnen. 

Bohne. Sprw. wann iemand einen ruffenden nicht hoͤret: 
He ward Bohnen in den Ohren hebben. item. 
Heft du Bohnen geten? Des erſten Urſache ſcheinet 
natuͤrlicher, als des letztern. 

bobnen: mit einer ſteiffen Buͤrſte dag polirte Holtzwerck und 
Getaͤffel reinigea und blanck reiben. | 

Bohnert: eine eigene Art runder Bürften, mit einem aufe 
ſtehenden Stiele, womit bie ermehnte Arbeit trocken vete 
richtet wird. | 
Natt⸗Bohnert: eine länglichte Bürfte, womit man dass 
jenige bobnet, was beſchmutzt ift, unb fich ohne Näffe 
nid reinigen laͤſſet. | 
böhren unb qebóbren (oe): 1) fi) gebühren: fas effe, con- 
venire. Ma t ſick bórt un bóbrt: wie es fid) gehoͤret 

unb gebübret. 07 

Boͤrt ( Holland. Beurt) bie Ordnung, bie einen trifft, 
etroag zu verrichten. Wachtet juwe Boͤrt af: 
wartet, bif an euch die Reihe fommt, Boͤrt⸗Luͤde 
(Beurt-manrien) Schmaden-Schiffer, die zwifchen ' 
geroiffen Dertern in einer priuilegirten Anzahl nad) 

der Reihe fahren müflen. | 
verboͤhren (oe): verbrechen, verwirden, in die Gebühr 
verfallen. Wenn es anders nicht richtiger ift zu ſpre⸗ 
hen vetbórben, von dem Worte Boͤrde, über wel⸗ 

92 dies 





20 ' IDIOTICON | 


ches Chr. Schlöpfe in feiner Befchreibung von Bars 
dewyck p.35.íq. weitläufftig gloshıret hat. Holl. 
verbeuren , fiebe Kilian. in Dictionar. 
^) fid) zutragen, begeben :. contingere. Dat kann wol 
bóbren : bas fann leicht kommen. Dat bóbtt 
nich oft: bas begiebt fib ſelten. . | 
böhren (or) heben, tragen: ättollere, portare. "Daher die 
. Börde, Sprw. Wat man nich boͤhren Bann, 
mutt man liggen laten. | 
Geld bóbren heiffet entweder einnehmen, 3, E. van Dage 
is nich veel bóbret: heute ift nicht viel gelöfet; ‚oder 
für gültignehmen, 5. E. bat wardt nich bóbret; d 
gift nicht: man nimmt es nicht. | 
. fic? verböhren: durch heben fid) Verdrieß thun. 
upboͤhren: aufheben. Sprw. Dar is he wol mit up: 
 bóbtet: da ift ibm trefflich mit geholfen, ſcilicet. 
Boͤhre: Bahre, Trag-Bahre. (feretrum, etiam plane 
Danicum. G.) . 
bófern (on) klopffen, haͤmmern (Dan. Zzckerz. G.) Mag 
vielleicht eigentlich heiffen boͤtkern, weil bie Börecher 
oder Faß⸗Binder, diewir Boͤtker oder Boͤtjer nennen, 
| fonderlic) viel Flopffens machen. 
— bóld'en: blöden: mugire. — 
upboͤlcken: rülpfen: ructum edere. Ä 
Bolten: 1) Polgen, bie man vom Armbruſt ſchieſſet. 
‚ 2) groffe runde, und bisweilen forne eingebacfte tà: 
gel, womit am Schiff: und Haus⸗Bau das ſchwere 
Zimmer Werck verbunden twird. 
Splint-Bolten: [inb ſtumpf, und haben am Ende ein 
Oehr, wodurd) ein Splint.oder Keilchen auf einer eiſer⸗ 
nen Platte inwendig vorgeſchoſſen wird. 
Knuͤppel⸗Bolten: Kiöppel-Hölgchen, bie aud) wol von 
. Gifenbein gedrechfelt werden. | 
Boog : bie Biege oder Richtung des Schiffs im fegeln. 
E | (Streech« 








: HAMBVRGENSE. 5I 


J. CGitreedP2500g: der Strich im laviren von einer Cette 
zur andern. Up'n andern 25008 leggen: metaphor. 
andere Anfehläge fallen: changer de batterie. M.) 
Booksbuͤdel: Ein vorgefihriebener Schlentrian in gemwiffen, 

font willführlichen, Handlungen, welchen. infonderbeie 

die Hamburgifcyen Frauen im Kopffe haben, und demfel- 

ben, bey allerhand VBorfällen im bürgerlichen £eben und 
Umgange, jebr genau nachzufommen pflegen... Was 

diefes Wort in Hamburg eigentlich für eine Syevfunft 

. habe, davon wird unter allen. Muchmaffungen mol bie 








_ waßefcheinlichfte bleiben, bie bet Hamb. Patriot an — 


giebt P. II. p.247 fq. 

Boom: 1, Baum, arbor. Sprw. Gott ſtuͤret de Boͤme, 
dat fenich in den Heven waffen, d.i. Gott laͤſſet nies 
mand gar zu maͤchtig und hochmuͤthig werden. Hoger 
Boͤme: ſehr, laut. Dat Kind weenet hoger 
25óme: das Kind weinet mit lauter Stimme. 


2. Das Floß, womit die Einfahrt des Havens geſchloſſen 


wird. | . 
3. Ein Bürgerliches ®efänani für Schuldener und.andere, 
die nicht criminel erfannt find : alo genannt von dem 
ehemahligen Ober⸗ ober Winſer⸗Baum, beffen Wach⸗ 
Thurm e$ geweſen. Daher bie Redens⸗Arten: nahm 
Boom ſetten; upm Boom fitten ꝛc. 
Booſſel: Kegel- Kugeln, i | e 
booffeln: Kegel fchieben, mit der Kugel werfen. 
Booſſel⸗Hof: Bowlingreen: ein Haus in bet Hamburgis 
hen Neuſtadt, nebft einem offenen, mit Rafen belegten 
und gewaltzten Pfaße, allwo bie Engelländer fid) mit ib» 
rem Jeu de boule zu erfuftigen pflegen. | 
Boos⸗Haken/ für Boots⸗Haken: (wie Boos⸗Mann 


für Boots⸗Mann) hoͤltzerne Stangen mit eiſernen 


Haken, zu Fortſchiebung und Anholung der Fahrzeuge. 
Sprw. Fyf Singer ſuͤnd ſo goot ae een Boos⸗ 
Haken. Womit man denjenigen einen Stich giebt, bie 
mit der Hand in die Schuͤſſel greiffen. M.) — 
B3 Borg: 


22 - — .fDIOTICON 


Borg: verfihnittenes Schwein. — 

boͤrgern: bid und fett werden. He bórgert: item: He 
legt eenen Boͤrger⸗Buhk to: Ventrem proiicit. 
Id ícilicet ciuile habetur. 

boͤrnen: zur Trändke führen; und abfonderlich ben Kälbern 
die Milch geben. | 

Born⸗Grund: böfer Grind. | 

böfeln (on): ex Belgico beuzelen: fiegen: mentiri. 

Boft- Sürten:; ein Eleines Feuer, welches man anfeget, tust 


puc zum Zeitvertreib davor zu figen, und gleichfammur 
bie Bruft zu wärmen., M.) 


bóten (ce): Feuer machen; anbóten : anzünden; inbóten: 
einhigen; nabóten: nod) mehr anlegen; tebóten: 
zuſchuͤren; ünberbóten : Feuer unterlegen. Kür 
achterboͤten: zur Eile antreiben. 


Fuͤrboͤter: Calefadtor. 
Boͤtefur: Nomen honestisfimae familiacHamburgenfis. 


Hr. Rathlef in der Gefchichte ietztlebender Gelehrten, P. V. 
p. 163. fehreibet nad) Lüneburgifcher Mund⸗Art inbeus 
ten, und will, daß es herfomme von dem alten Worte 
23etit oder But, das fo viel als Holg bedeute, wovon 
aud) das Wort Buͤdde (bey uns Hütte) abſtammen 
mögfe ; welchesich dahin geftelleefeynlafe. Zwar mag 
bey den Srangofen une boute aud) foviel als eine Botte 
bedeuten; ob aber ipe. boutefeu ( incendiarius), des 
Brenn-Holges halber, mit der boute verwandt fen, oder 
ob vielmehr ihr verbum Zouter, woher boutée, boutade, 
boutoir &c. fommen, unferem beten näher frete, dag 
mögen andere entfcheiden. Welcher maflen das Ver- 

bum böten aud) alle Arten des Aberglaubens, infonder- 

pet mit bem Feuer, bedeute, belehret uns bad neuliche 
erzeichniß einiger veralteten Teutſchen Wörter, welche 
in den tüneburgifchen Landes» Conftitutionem tote 


kommen. 
| boten 





Br 


HAMBVRGENSE. 33 


- bien (es) : büffen. Ein von dem vorhergehenden Yang 
unterſchiedenes Verbum. 
tobóten: Zubuſſe geben. Inboͤten: einbüffen. 
(Jener Knabe ffagete über Kälte, weil feine Mutter 
nicht eingebüffer (ev wollte (agen. eingebimet) 
a hätte. M.) 
Bote : Buſſe, Straffe. Latino - barbaris Bota. 





M Tobote: Zulage, Bote fitten: Kichen-Buffe 


thun. 
Bott: Laͤnge oder Vorrath eines Strickes, damit man nad» 
geben, ebec fyren fann: copia funis ad laxandum. 
Alſo nennen unfere Kinder ihren Bind-Faden, an wels 
chem fie die papiernen Drachen in bie $uft fteigen laffen, 
dar Bott, Daher: Bott laten, Bote geven: 
nachlaffen, nachgeben. Hievon haben wir oben das 
Wort Allbott, ſo wie es bey uns im Gebrauche iſt, abge⸗ 
leitet, indem damit etwas zugeſtanden, und, als unftreitig, 
nachgegeben wird. Hr. Wachter aber fuͤhret es her von 
dem Worte Bort, welches einen Schlag bedeutet, und 
ſaget, daß in Schwaben allebore fo viel Deiffe, als iedes⸗ 
" mahl, omnibus momentis, vicibus, ictibus. in Glos- 
far. p. 194. fin. & 196. med. 


250ttet: Sprw. Spott man nich mitde Botter, 6n ittſt 
." fe noch ins gern upm Brode: verachte ein Ding 
.. nicht, beffen du einmahl benoͤthiget ſeyn moͤgteſt. 
borttern: Butter machen, ic qu Butter werden. Meta- 
phorice: gelingen, Vortheü ſchaffen. Dat will nich 
bottern: da will nichts heraus kommen; das iſt ver⸗ 
lohrne Arbeit. 


ESBotterlicker: Zwiefalter, Sommer⸗Vogel, Schwetterliug: 


paplio M)' — 
Sad: ein tieffes Loch, weiches von bent einflürgenden Waſ⸗ 
fer eode de n wird, an ber Stelle/ vo ein Deich durchge: 
en. 
braden: braten, (Spw. He mutt allerwegen mit bra⸗ 
Q4 den: 





24 IDIOTICON 


den: Er muß allenchalben mit hinten imb. forne 
fon. M.) 
Braden un Saden: bag nennet der gemeine Mann eine 
vollkommene Mahlzeit, wo man nehmlich gebratenes 
und geſottenes gehabt hat. 
Brandewyns⸗ Pape: Brantewein⸗Saͤuffer; mſonderhei 
. ein verfoffener Prieſter. 

Braß: Menge, Hauffe: congeries indiscreta. Den ans 
gen Braß 1c. 

Brathem: Athem, Sunt: halitus, vapor: Angl. breath. 
Dar mutt Éeen Brathem ankamen: da muß fein 
Hauch oder Qualm ankommen. 

bebrathemen: bedünften, bequafimen, mie an den Senftern 
in warmen Stuben gefchiehet, wann esdrauffen Faltift, 
regen (5): Gehirn. Angl. Brain. M.) | 
breiten: I ) bruͤhen. 
afbreuen: mit ſiedendem Waſſer z. E. von den Schweinen 
die Haare, von dem Gefluͤgel die Federn herunter 
bringen. 
2) bruͤten. Welches eigentlich vom kleinen Ungezieffer 
geſagt wird. 3. C, Em breuet de Kopp: caput. 
eius generat pediculos. 


Breuels: Brut. | 

breuern: zum beüten geneig. yn Sweet is 
breuern: ſein Schweiß bruͤtet leicht. Kinder 
hebben breuerne Koͤppe: die Koͤpffe der Kin⸗ 

der bruͤten gern Ungezieffer. 

(Brichen: 1. hoͤltzerne Teller, | 
| 2. Steine im Brett-Spiel. M.) | 

Brook; 1) Einniedrigesund feuchtes Sand, entweder in Mo⸗ 

raft unb Gebüfche, ober in Wiefen unb Wärdern 
beftehend, wie bey ung der Gras⸗Brook, ams 
mer⸗ Brook, Reth⸗Brook 1c, Daher auch üt 
| - Hamburg, roo die Stadt an ber Süder-Seite auf 
4 der Wiefe hinaus gelegt ift, einige Mid 


v E 


HAMBVRGENSE 25 


Nahmen behalten, nehmlich: derSchiffbauer⸗Brook, 
Hollaͤndiſche Brook und Wandbereiter⸗Brook. 
2) Die Hoſen. Hollaͤnd. de Brock.. Daher Schyte- 
broek: Hoſen⸗Scheiſſer. ( Foͤrbrook: Hoſen⸗ 
| Schlitz. M.) | | 
Brüche, Brüchen-Talg: das innere (ett am Eingemweide 
7 bee Horn⸗Viehes, fammt bem Netze, ohne bie Nieren. 
bröddeln: ungeſchickte Hand⸗Arbeit machen. | 
Brüddeler; Bruͤddeley: Hümpler; Stümperen. 
bruͤden: hudeln, fheren, vexiren: illudere, moleftum esfe, 
exagitare. He brüdet ju wat ; Er veritet euch. Wat 
bruͤdt et my: Was ſchiert es mid)? (49e ismit dem 
Rep gebruͤdet: Er i(t nicht richtig im Kopffe. M.) 
Brüdet baroan: Schiert euch davon, 

- ungebrüdet [aten : ungehudelt laffen, fid) mit etwas nicht - 
abgeben. Wie man im Sprw. (aget: Dedat Latyn 
nich verffeít, de late et ungebruͤdet. ic. ungebrüdt 

* iot beffe: unverworrn ift gut Garn. 
2Srüberey : Verivey: railletie. ic. eine Arbeit, da esniche 





mie fort will. 5 
2.de Brüder ; Leute⸗Vexirer, Spötter, Betrieger: 
Empaeda, impoftor. . 


werbrüden: verhungen, verderben, corrumpere. — 
. verbrüdt, oder wie einige fprechen, verbrüdtfch : ſtoltz, 
trotzig. 
voaerbruͤdt uthſehn: ein hochmuͤthiges Anſehen haben, 
(brüggen, ſteenbruͤggen: mit Steinen pflaſtern. 
Steenbruͤgger: Pflaſterer. M.) 

(Brummkater: murriſcher Menſch, der immer murret, wie 
die Katzen. M.) c E | 

QSrunfild?en : Bofiliens Kraut: Bafilicon. M.) 

(Bruſe: der durchloͤcherte Auffag an ber Röhre eines Gartens 
Gieffers, wodurch die Pflangen mit Waſſer befprüger 
werden. M.) m 

0 $5 Bruuß: 


26 IDIOTICON 


Bruuß: Beule am Kopffe,vom fallen, ftoffen, oder ſchlagen. 
Bucht: Siege, Krümme: flexura, 
inde Bucht fpringen: hurtig an die Arbeit gehen, wacker 

herdurch muͤſſen undzugreiffen. Die Schiff-Seute, denen 
diefe Redens⸗Art eigen ift, werdenamtbeftenwiflen, obes 
richtiger heiſſe tn de 25000 fpringen, meil de Boeg eine 
gewiſſe Stelle ift auf bem Bordercheile des Schiffes, bas 
ber vielleicht Bocgfpriet, Boeglynen &c. den Nahmen 
haben. 

uch: ein iedes &eftelle, woraufdas Bau⸗Holtz entweder ges 

ſchnitten, oder von ben Simmerleuten bearbeiterwird. 

, Budden, fiepe Dutten. 

Buͤdel⸗Paſen: So nennen unfere Koͤchinnen die länglichte 
feinene Beutel, worin fie zur Schlacht⸗Zeit Grüge 
ftopffen, unb alfo Beutel⸗Wuͤrſte machen. 

Buffenfister: grober Menfth, der iedermann unbekheiden 

Ä vor den Kopff ſtoſſet: importunus, impetuofus, pe- 
cus. - or , 
23ubE: Bauch. Boͤrger⸗Buhk, ſiehe boͤrgern. (Sprw. 
fElcPeen findet ſynes Buhkes weddergade: ein 
ieder finder (eince gleichen. Den Buhk foͤruht ſteken: 
fib brüften. M.) 
buhked: bäuchicht, weit: ventriofus, menfurae capacio- 
rs. Z.E. bubPebe Tünnen, buhkede Ballen 1c. 
He bett fic? bubEeb treten; venter cius ab ingefto 
cibo intumuit. 
buhked Band unb (mal Band ift ein Unterſchied der. 
Tonnen» Mafle, welcher infonderheie beym Butter⸗ 
Handel beobachtet wird. 
buhrſlagen: Furgund ſtarck Achem holen, mic man trit, 
wann man (id) hefftig beweget bat, Wird vornehmlich 
von Thieren, als Pferden unb Hunden, gebraucht, bes 
nen, nach einem ſtarcken $auffe, der Bauch fchläget. 

. bübEen: item in de Buͤhke fetten : das gemafchene fci 

| nen-Geräthe in einem baͤuchichten Kübel, bie Nacht über, 
unter der $auge fteben laſſen. Buh⸗ 








-HAMBVRGENSE. 27 


|: Buhköhken: Sy(Eber Nahmedes Rindviehesinder Sprache 
n mit Eleinen Kindern. Wann aber unfere einfältigen 
i Weiber vermeinen, bag in bem befannten Wiegen⸗Liede: 
Bukoͤhken van Halberſtadt ic. cin Rind⸗ Vieh gebes 
|. fen werde, beni Kinde was ju bringen; fomógen fie fid) 
, berichten laflen, bag dieſes Bukoͤhken (ty ber vormahls 
a im eilften Jahr- Hundert geroefene Bifchoff zu Halber« 
ſtadt, Bucco, oder Burchard, welcher eine folche Kinders 
Siebe foll gehabt Haben, daß er niemahls ausgegangen, 
ohne denen ibm begegnenden Kindern etwas zu (dens 
en. Daher eine iede Amme ihrem Kinde, wenn c 
fchlaffen muffe, vorgefungen, daß (obann der liebe Bucco 
kommen, und aud) ihm was ſchoͤnes bringen ſollte. vid. 
Reimmannus in Diff. de Chronico Halberft. Io. a 

. Wiinningenfted. p. 27. | 

Buͤhree Ueberzug übers Bette. Beddes⸗Buͤhre; 

í Buͤhre; Kuͤſſen⸗Buͤhre 1c, prs Pohl 
Buͤhren⸗Warck: Gewebe zum Bett⸗Zeuge, das dicht 
und feſt gemachet wird, damit keine Federn heraus drin⸗ 


4 


gen koͤnnen. | 


Bule: Beule. (Spew. Ungewent Arbeit bringe Bu⸗ 
len. M.) | | 
Buͤlgen: Wellen: fluctus. 
Bulle: 1) Stier: taurus. (C 
. 2Sullen ter: groffer breitmänlichter Hund, der aufden 
| — Sfiergeheßet wird. Metaphoriceein ſtarcker Zaͤncker, 
der iedermann zu Leibe gehet. 
Bullen⸗Peſel: Pruͤgel won geflochtenen Riemen. Pro⸗ 
prie genitalia tauri, quae, perinde ac balaenarum, 
verberibus infligendis valdé funt idonea, Gallice: 
Nerf dc boeuf. 
Bullen Stall: ein bedecfter Durchgang unter einem 
Hauſe, der von einer Glaffe zum andern fübret, Derglei⸗ 
. hen in Hamburg nod) an drenen Orten in der alten 
E.tadt vorhanden, (Glaublicher maffen lr bod 
J | EM | ut 





*, 


| 28 IDIOTICON mE 
.. . flagme daher, weil an ſolchen bedeckten Derterngemeis 





niglid) die Mannes» Perfonen ihr Waſſer abfchlagen. M.) 

* 2) Ein groſſes vierecktes, obenher bedecktes, unb inwendig 
mit Steinen beſchwertes Schiffs⸗Gefaͤß, worin ein (fats 
cker Maft-Baum, oben mit emen Efels-Haupte, und 
unten mit einer Winde. Diefe Machine brauchen bie 
Schiffbauer, wann fie eingeoffes See-Schiff Eylbalen, 

b. i. auf bie Seitelegen wollen, damit der Kiel über Waſ⸗ 

fe fomme, und bas Schiff imten gebalfatert werden 

nne, | - 


| bullern, buldern: poftetm. 


Sul Bnooch Bullerjahn: Hans Ungeftühm, Pol. 
ter Hans. | | 
Buller⸗Wedder: Donner⸗Wetter. 77 

(int Ohr runen, dat etim Koppe bullert: einem beim 
lich was verdrießliches (agen. M.) 


Buͤlten: ein Raſen, oder mit der Erde ausgehobener Buͤſchel 


von Kraut oder Blumen, deſſen Wurtzeln die Erde zu⸗ 
fammen halten. | on 
(bültig: Elumpig, man (id) von Wolle oder Federn Klums- 
pen zufammen feßen, davon bie ausgeftopfften Sachen 
unbequem werden, M.) = 


- 29umann: Popang, momit mandie Rinder ſchrecket: Terri- 


culamentum puerorum. 


bummeln: bammeln, hangend ſchweben. 


mit achteranbummeln: fich hinten anfügen, mitvon der 
Geſellſchaſt oder am Gefolge (en wollen, — 
 (Bummels Se(t: Pöbel-Schmaus, M.) 


i 


Bunden: Buncken⸗Knaken: groffe Knochen, Beine - 


Roͤhren von groffem Viehe. 
bunckerich: hager, knoͤchern. 

Hunckbuncke: ein mageres Thier, bem bie Knochen pete 

, wet ragen, inſonderheit ein Ochſe. (De Huncken de 

Fyncken, de ſcheven Haluncken! Spott⸗Reim. 

| EE Bund: 





, 


HAMBVRGENSE. '. ag 


: Dund:. Winden, Dar Rind in den Bund bringen: 
einwickeln. He deit noch watin den Bund: adhuc 
1 inquinat incunabula: d. i, er ift nod) ein junges Kind: er 
* o. weiß nod) von nichte, EE 
büncken, inbünchen , quali inbündeken: einwickeln, 
einhüllen. Zen inbünched Rind: ein Kind in 
! Windeln. Buͤnckel⸗Dook: Wickel⸗Tuch. 
Junge : qrammd: tympanum. Item eine groffe blecherne 
——, Sf .. m 
be Bunge geit: die Trommel wird gerübret, | 
Dungen-Slag: Trommel-Schlag. Metaphorice: ein 
allgemein Gerüchte, 
Bungen-Sucht: tympanites: mann der $eib wie eine 
P Trommel gefpannet wird. | 
Bunnjes: ein dicker fetter Menfch: welchen ber gemeine 
Mann zu nennen pfleget eenen dicken Bunnjes. 
Buntföderer: Pelger, Kürfchner: pellio. M.) Ä 
(burt: for. Burt un benz fort und meg! verlohren! 
perdu. M.) | | 
Buͤſſe: Buͤchſe. Bedeutet zwar, wie im Hochteutfchen, fo 
- wol pyxidem, als bombardam; mir brauchen e8 aber 
aud) von dem Trinck-Geſchirr der faugenden Kinder, in 
der Redens-Art: He is, Gott fegens, fo rund, as 





wenn be mit der Buͤſſe ſoͤget were. | 
büten: taufchen. Wuͤllen voy büten? wollen wir taufchen? 
 verbüten : durch Irrthum vertauſchen. 3. E. Se beft 
ete Hoͤde verbütet; fie haben ihre Hüte verwechſeit. 
uͤnmbuͤten: ümtaufchen. | | 
- Pütebüten: wird mehrentheils vom unziemlichen Taufchen 
gefagt, wann 3.E. die Kinder unter einander mit ihren 
Sachen. einen unerlaubten Umſatz treiben, 
In dem alten zu Coͤlln A. 1477 gedruckten Vocabu- 
lario Teuthonicta finde ich die verba cuyden und buyten, 
welche beide erklaͤret werden durch wechſeln, tauſchen. 
- (Noftrates efferunt hytte Hg bytte. Poſtorius, fcil. 
B at 


30 IDIOTICON 


‚at bytte, eft antiquum & plane Danicum verbum, 
permutandi actum denotans. Hytte a recentioribus 
adiectum, vt periocum iis applicetur, quibus mos eft, 
frequentes permutationes exercere. Talia funt & 

. Hefebefe , charivari, péle-méle Gc. G.) 
buten: auffen. 25uten Dohrs: extra portam. Buten un 

binnen: auswendig und inwendig. 3anbutento: ' 

extrinfecus. | ! 
wan buten weten, oder buten Kopps: ausivendig moie 

fen: memoriter füre. Buten Breves: ohne erft 








nachzulefen. 

ButensKüde: die auffer der Stadt wohnen, fremde: 
extranei. | 

buten Tydes: auffer der behoͤrigen Zeit. . 


Buten⸗Warck: Kloͤppel⸗ oder Spigen- Werdf an den 
Ueberzuͤgen der Bert: Küffen imb Pfuͤhle. 

35utt: Platteife: rhombus pifcis. €ptto. He mag Witte 
ſchuͤmen: Er tauge nicht dazu: er mag nue gu Haufe 
bleiben, 

Butt: wird bey ung auch von Fleinen Kindern gebraucht: 
Z. G. et ſuͤndt noch lüttje Butten: es find nod 
fíeine Kinder. | 

"biste: (Adie&iuum) grob, plump: rudis, hebes, importunus. 

Buttheit, Buttigkeit: Grobheit, Ungefchliffeneie. 
Wir haben diefes Wort von ben Niederländern : und 
weit bey felbigen Bor aud) fonft einen Schlag oder Stoß, 
within dag Verbum botten, it. uytbottea, (lagen, aus⸗ 
ftoffen bedeutet, (fiche ten Kate Vol. II. p.603) fo fälle 

die Verwandtſchaft dieſes Begriffes mic dem groben und 
plumpen ziemlich indie Augen. Deſſen aber ungeachtet 
wandert Henifchius (in Thefaur. p. 468) mit dem foot; 
ländifchen Worte boc nad) Griechenland, und foll es Det» 
kommen von Bocotus, weil man bie Bocotiet, befannter 
maflen, tanquam in crasfo acre natos, für dumme Tölpel‘ 
gehalsen.. Allein, wofern die Niederlande ſchon Volte 
MM — QU fe - 


HAMBVRGENSE. '" J gi 


bevoͤlckert geweſen (eun, ebe fid) in Griechenland Boco- 
tien befondersnahmhaftig gemacht, und efe Boeotica fus 
zum Sprichtvort: geworden; fo wird e$ ſchwer fallen, zu 
zeigen, wann und woher bie Art und der Nahme der ente 
legenen Boeoten den Bataviern fo befannt geworden, 
daß fie in ihrer Sprache ein gemeines Wort daraus ges 
adt, unb einen (tumpfen eölpifchen Menſchen bot oder 
boeot genennet haben; da bod) bey ben Römern felbft 
diefer Gebrauch nicht fo gar gemein geweſen, auch bie 
Batavier ihre commercia fehwerlich auf Achaia werden 
geführer haben, - Inzwiſchen hat Henifchius in feiner‘ 
Meinung einen groffen Vorgänger gehabe an dem ges 
bohrnen Niederländer Erasmo, welcher in Adagiis (edit. 
Wechel.1656.p. 40 1) fid) alfo vernehmen (at: o- 
— niam conftat, vel ob Romanum imperium latisfime 
propagatum , vel ob commercia & negotia terum, 
voces Germanicae , Gallicae, Britannicaeque linguae 
fuisfe mixtas 3 fulpicor a Graecis ad nos dimanasfe, 
quod hominem ftupidum, ac nullo mentis acumine 
praeditum, vulgo dicimus bot, pro Boeoto. Proprium 
enim huic linguae, voces quamuis multarum fyllaba- 
rum in vnam fyllabam contrahere. m 
25ütte: 95otte. Daher dag Latino-barbarum botta. vid. - 
Oliuar. Vredii Hiftor. Comit. Flandr. T. I. p. 249. ' 
Hand⸗Buͤtte, it. Water⸗Buͤtte: flne Schoͤpff⸗Botte 
mit einem Angriff. 
Buͤtten un Balljen: nennet man bisweilen überhaup 
alles hoͤltzerne Geruͤthe. | 0. 
-Bürtens Binder; Böttcher, der im feinem arbeiter. 
Schulſche Buͤtte: (o wird ein ımmanierliches Frauen⸗ 
Menfch gefcholten. | 
Was eigenes iſt es, bag von umferm gemeinen Manne 
ein Baret , und infonderheit ein Priefter-Hut, vielleicht 
der Figur halber, eene Buͤtte genennet wird, | 
bus, oder buutz: item butzen find Wörter, womit mir dem 
Schalle eines ftoffenden ober fallenden Dinges nachah⸗ 
0 | men. 


t 
, 





22 IDIOTICON 


me. Z.E. uu dar liche! ic. de falle bates 
buget 2C. 


Büren: Hoſen. 

bugeren : ift ein an mehren Orten beyt der See⸗Fahrt gebraͤuch⸗ 
liches Wort, und heiſſet ein groſſes Schiff durch vorge⸗ 
ſpannete kleine Fahrzeuge mit Rudern fortſchleppen. 


| 5 | 
Chim an ſtat Joachim. Iſt eine den Bauren in unſerer 
Nachbarſchaft gewoͤhnliche Nahmen⸗— Verkuͤrtzung. 


D. 


Daak: Nebel. (Eft Danicum Daage, vnde & æ daaget Luft, 
daaget Vaͤirlig. G.) 





4 


a _ m 





daakig, oder daakerig, welches die Schiffer nennen mis - 


| ſtig: nebliche. 
et daaket: es fälle ein Nebel. 


daakfen, afdaaklen, doͤrdaakſen: abprügeln, durch⸗ 


wambſen. 
dabeln: doppeln, ſpielen, inſonderheit im Brete. 
Dabeler: Spieler. 


Dabel⸗Steene: Bret⸗Steine: taxilli. 
Dag: Tag. Davon ſind folgende idiotica: 


Nu is et Dag: nun iſt die Sache klar, nun liegts vor | 


Augen. 

van Dage: heute, Dan Dage oͤver acht Dage: Heute 
iiber acht Tage. 

, fif vaniDagen dohn: fi ums Leben bringen. Wird 

. von hefftigem Sram und Ungedult gebraucht. He will 

fic£ van Dagen dohn: er mill fid) zu nahe thun, oder 

00 $0 Tode graͤmen. 
‚(dagdingen: diem dicere. M.) 


^"  HAMBVRGENSE. 33: 
abl. nieder, niederwaͤrts. Gettet juw Dahl; ſetzet euch 
. Miebee. Mp un dahl: aufundnidr, — 
t : neben nieder; hendahl: hinunter; berbabl: 
tab. | 
Componitur cum omnibus verbis, motum fignifican- 
tibus, E.gr.fallen,fabren, gabn, glyden, laten, 
leggen, ryten, f labn, fmyten, (pólen, tveben ag. 
dahlen: finden, niedriger werden, Dat YDaterbablet: 
das Waffer füllt. De Prys dahlet: der Preis wird gex 
ringer, Das Gegentheil ift ryſen: (teigen. 
dammeln: tändeln: ineptire, nugas agere. - | 
Dammelke: Ihörin, die immer taͤndelt. e 
DammelPlaten: Feines Schürächen, fo vom Frauen⸗ 
zimmer für die lange Weile, und bloß sum Zierrarh, vors 
^ gebunden wird, — 2. 
(Damp Horn: Leſchnapf; Gall, éteignoir; Angl. extin- 
, — guifher. M,) ] 
bannig: fta, vermögend: valens, He mutt noch erſt 
wat banníger warden: Er muß nod) eft mei 
Kraͤffte kriegen. Ick bin nich ſo dannig: Ich habe 
das Vermoͤgen nicht. | 
Es ift wol Fein Zweifel, bag diefes Wort feinen Ute 
fprung habe aus bem zerriffenen ſodanig oder fothanig, 
woraus der Linverftand zwey Wörter gemdd)t, und dent 
danig, oder, tie e$ ausgefprochen wird, Dannig, als 
einen befonderen Adie&iuo comparabili, die Bedeu⸗ 
tung eines Wolvermögens beygeleget Dat? babod) ſo⸗ 
tbaníg eineiebe Beſchaffenheit, fie mag gut ober ſchlecht 
feyn, anbeutet, . Daß aber diefes ſothanig fobiel (ey, alg 
(o gethan oder fo geftalter, folches beweiſet bie Sprache 
. der Holländer, als welche nicht allein ebenmäflig fagen 
zodaenig, it. dusdaenig, dergeftalt; hoedaenig, welcher 
Geſtalt; hoedaenigheyt, Beſchaffenheit; fondern fie 
‚brauchen aud) das Wort gedaen, an (fat befchapen. . 
8. €. wel gedaen, friſch ri anfehulich, bene conftitu- 


ws; 





"e 


34 -IDIOTICON 


tus; hocishygedaen? mie ſiehet er aus? de Gedacnie, | 
die Geftalt , bas Anfehen: forma, habitus corporis. 

(Darmfiryker: Fiedeler. M) — "s 

dathlick: geſchwinde, bald: ftatim, confeftim. _ 

daueln: bie Seit vertändeln, nichts rechtſchaffen angreifen, 
Daueler: Faſeler, Zeitverbringer. 
be geit un dauelt: er weiß nichts anzufangen: nihil agit; 
nugis tempus terit. m 
daven: toben, turnieren: de Kinder mögen gern Jachtertt 
un daven: pueri libenter discurfitant, & tumultu 
lafciuiunt, E 

Deef ah't Licht: ei brennender Neben-Tocht, voovon-bre 

u Tallig geſchwinder wegſchmeltzet, unb bas Licht gleichfam 
beftohlen wird, 

Deel: anftar Menge, Een heel Deel: einegange Menge, 
Tweeder Deel: Zweyerley. | 

epgahnd : tiefgebenb, Wird Sprichwortsweite ge : 

C js bon ELA bet viel —— — ds iom | 
deepgahnde Schipp. M.) 

defftig: trefflich: egregius. 

Dege: Gedeyen. Boden Degehebben: vof zunchmen. 
ibat Kind bett Feen Dege: das Kind Dat Feine 
deyen. 

in Undege kamen: abnehmen, kraͤncklich werden: it. in 
Abnahme der Nahrung gerathen, zuruͤckkommen. 
degen, deger, degt: (vermuthlich von doͤgen, und nicht vom 

Degen a gladio, wie Hr. Wachter meinet im Gloſſar. 
p.267.) tuͤchtig, rechtſchaffen: itrenue. 

to degen rein maken: rechtſchaffen reinigen. 
he is nich to degen: er iſt nicht wol auf: non recte valet. 
ſo deger, it. ſo dicht un ſo deger: dermaſſen: adeo. 
degt afkloppen: ruͤchtig abpruͤgeln. 
degelick, ſiehe doͤgen. | 
Degen lat den Jungen gabn; "Junge la den gen 
M Bu 2 ‚Bahn: 











- HAMBYRGENSE. 35 


abn: Spott⸗Wort an die Knaben, denen man ben 
vat-Spieß zu frühe angehaͤncket. Cicero: Quis ge- 
d nerum meum gladio alligauit ? M.) 
Deble: deröffene Raum forne im Haufe: cauaedium, vefti- 
um. 

Herren 3Deble: des Richters Haus: Praetorium.. 
Dehlen⸗Loͤpers: Diehlen-Procuratores; qui non in iu- 
. dicio, fed tantum apud Praetorem agunt. ) 


. deyen für gedeyen. | 
-- gthdeyen: fid) verbreiten, aufquillen. Dat Mehl deyet 
"oc uch: es thut (id) von einander. m 
Defen (4): Bieſam. Deſen⸗Buͤſſe: Balſam⸗Buͤchſe. 
Deſen⸗Katt: Zibeth Katze. Deſen⸗Knoop: Bier 
ſam⸗Knopff. M.) 
Deuen, Holl. Duygen: Dauben, Duͤgen, Tonnen-Stäbe. In 
‚Denen fallen, oder liggen, (agen wir von einem Faſſe, 
das, wegen verfauleter oder gelöfeter Bande, im feine 
Stäbe zufammen fälle. In Denen flabn: ein Sag 
oder Tonne aus bem Gebände fchlagen. 
dich : wird auch gebraucht für truncFen. De Kerel is dick: 
der Kerl iff voll, Dick un duhn: gang beſoffen. 
dicke Fruͤnde: vertraute Freunde. 
^ Qbid'vouft: einer der Fur und bid iſt. M.) 
Dyken: einen Deich machen, einen Damm (lagen: agge- 
rem jacere. . 
todyken: den Deich fchlieffen. Metaphorice: binfángfidy 
fenn: fufficere ad iuuandum. Dat will by eme nich 
todyken: ba wird ec niche mit ausfommen. 
Dikke Tünn: fo fpriche Hier die Ginfalt aus bas Wort 
Ducäton. 
Dymen: Sjauffen von Garben oder Heu, welche mitten aufben 
^ Seldern zufammen geleget werden, big man fie einfüh- 
ren Fann. | ! 
Docter Dünnmantel; Spott» Nahme eines armen Gra- 


duirten, M. 
€ a doͤgen 





36 IDIOTICON 


doͤgen (om): taugen. 3:Dógt: Tugend. 
degelick ( quafi doͤgelick) from, tugendhafe. Een 
olo degelic® Mann: ein alter ehrlicher Mann, 
Degelick wefen: fromm (en, fid) wol ſchicken. 
(Undoͤgt bobn: Unheil anrichten, Schaden thun. M.) 
Een Undoͤgt: ein Taugenicht. 
6obn: thun. Davon find folgende idiotica: 
van dohn bebben: nöthig haben. Wy heft juwer 
nich van dohn: wir brauchen euer nicht. — Inſonder⸗ 
heit fagt man de necesfitate alui exonerandi: van 
bobn bebben: vrgeri ftimulo ventris. - ^. 
6 a bobn, oder ábobn : verecundum vetbum mulier- 
cularum noftrarum de infantibus cacaturientibus aut ! 
midurientibus. Ä 
fid? bebobn: (id garftig machen. Daher der Pleonas- 
mus lächerlich ift, beffen einige fi) gemebnet haben, 
wann ſie z. E. fprechen: ick bedanck un bebob my. 
it. He will ſick nich beduͤden un bedohn laten. 
fic verdohn: fid) breit machen, groß thun: fuperbire, 

Se verdeit fic? mit eren Pareln: fie ſtoltzieret mit 
ihren Perlen. Verdoh oy man nich to veel: Mache 
dich nur nicht zu breit. 
Verdohner: Stutzer, Prahler, Großthuer. 

updohn: anſchaffen, auflegen. Holt updohn: Holtz 
anſchaffen. Dar is nicks by uptodohn: Da iſt 
nichts bey zu gewinnen. Schertzweiſe ſagt man auch: 
ene Frow upbobn: heirathen. 
¶Doͤhr (o: Thuͤre. prm. Dar ſy de Doͤhr foͤr: Bey 
Leibe nicht: Abſit! Einige ſetzen noch hinzu: mit der 
hoͤlten Klincke; andere: un dat heele Huus. 
Man ſocht nuͤms achter de 3DóDr, edder man 
ſteit fülvff darfoͤr: Wer andere beſchuldiget, mache 
(id felbft verdächtig: quisque alios ex fe plerumque. 
iudicat. M.) | 








x | boof:- 


HAMBVRGENSE. sy 
oof: 1) taub: ſurdus. Sprw. manneiner anf bas, roas ions 
rt, 





geſaget wird, nicht groß achtet: Dat bebb ich b 
ſede doove Gerd. 
2) betaͤubet, erſticket. Doove Eyer: to feine Kuͤch⸗ 
lein auskommen. Doof Für: ein Feuer ohne Glut. 
Doove Emern: ausgebrannte Aſche. Doove 
Noͤte: ledige Nuͤſſe. | 
3) ttübe, unfcheinbar. Dooven Tafft: der feinen 
Gilan$ hat. Doof Sülver: bas matt und niche 
poliret if. Hieher gebótet bie Nedens- Art: up'n 
oooven Dunſt, b. i. auf ein bloſſes Gerathewol; 
wenn man nebmlid) etwas aufs Amgeroiffe untete 
. nimmt, ohne fiheinbare Hoffnung des Gelingens, 
4) feicht, untieff: vadofus. Wird bey ung von Waſſern 
und Canáfen gebraucht. Alfo heiffet de doove Elve 
derjenige (eid)te Arm der Elbe, der mitten durch bie 
Vier Lande gehet; und von einem engen ſchlammich⸗ 
ten Sanal, oder vormahls fogenannten Syle, wird in 
Hamburg eine befannte Gaffe, weiche derfelbe quer 
durchgehet, bym dooven Sletbe, genennet. 
6óven: dämpfen, tilgen. | 
uthdoͤven: auslefchen, E 
bedaven: bedecft,überzogen. (Alſo fpricheman vom ein« 
gefalgenen: Dat Sleefcb ie nich bebaven, b. i. e$ gehet 
bie Pefel oder Salg- Brühe nicht darüber ber. M) 
oodt: mors. De Doodt lópt oͤver't Graf: fo ſpricht 
man zu einem, der ein ſchaudern empfindet, ohne deſſen 
Urſache zu wiſſen. M.) | 
Senffe, oder, wie es ben uns von etlichen ansgefprochen wird, 
Doͤnſſe: Stube: ein Zimmer, das man heigen kann. 
Der Gebrauch diefes Wortes gehet weiter, als in 
Hamburg. Syd) finde es (bon in einem A. 1587 geſchrie⸗ 
benen Stifftungs-Briefe bes Armen-Haufes, oder fo gez 
nannten Heil. Geiftes in Hannover, Denn ba (agt bet 
Stiffter Mauritius von Co de, $2 = „Es ſoll m ies 
3 | n 


| 





38 JIDIOTICON. 


„den Armen eine Sammer, die er fein febenlang zu be 
„wohnen, eingetban werden; und follen fie fid) fonften 
„einer gemeinen Doͤrnzen, wo id) diefelbe darin zw 
„richten imb anf bauen laffen,und daneben mit Feuer und ' 
„gucht verforget, Rad) der Zeit und der Falten $ufft Gele 

. „genheit gebrauchen.“ Ja esmuß daffelbe Wort auch in 
Thüringen vor mehr als 200 Jahren gebräuchlich gemer 


fen ſeyn. Maſſen in der Hiftorie dee Erfurtifchen Auf 
ruhrs A. 1509, welche N. Eberbach zu felbiger Zeit ges 


fchrieben, und Hr. yo. Gottlob Horn der zweyten Samm⸗ 
lung feiner Sächfifchen Hift. Hand⸗Bibliothec einverlei- 
bet hat, findet man p. 168. 184. 185. 188. und an mefy 
ren Stellen, eines Zimmers erwehnet im Gefangen 
Haufe zu Erfurt, welches oie ſchwartze Doͤrnſſe ge 





nannt worden; fo wie dafelbft aud) Die neue 3Dórnse | 
| 
maſſe id), bag diefes Wort von doͤrren ober trocknen her⸗ | 


vorfommt p. 185. Biß auf beflere Belehrung muth⸗ 


fomme, weil man in bie Wärme und an ben Ofen bringet, 
was man doͤrren will; babet aud) bie Darre bec Mäls 
fet ihren Nahmen hat, weil es ein uröxaugor ift. 
Börde, doͤrtein, doͤrtig: Dritte, dreyzehn, bceiffig. 
doͤren (om) ſiehe droͤven. 
doͤrtrappt: durchtrieben, liſtig: callidus, verſutus: tsíTgi- 
| zes. fiehe trappen. 
doͤfig (em): läffig, müde, dumm: qualesfolent effe a crapula. 
Loͤſig un doͤſig: träge und unluflig. | 
Doͤſigkeit, Doͤſerey: Mangel an Wis unb Munterfeit. 
He geit in de Döferey: er gebet mit müftem Gehirne, 
und weiß nicht, mas ec. tbut, | 
Doͤveke (cm) : ein hoͤltzerner ftumpfer Zapfen, womit man an 
den Bier» Tonnen den Pfropf Dineintreibet , toann der 
Hane eingeftecfet werden foll. | | 
Döveken-Släger : war vor diefen bey dem öffentlichen 
Höge ober Umgang der Brauer » Rnechte in Hamburg 
eine eigene Perfon, bie aber ihre Rolle vielleicht (o grob 
. gefpielet, 





HAMBVRGENSE. 39 


gefpielet, bag durch Obrigfeitlicyes Verbot das mif» 
braͤuchliche Doͤveken ſlahn abgefteflet worden. Wo⸗ 
von der wolſaͤl. Hr. Matthaeus Sluͤter nachzuſehen, in 
ſeinem Tract. von den Erben in Hamb. p. 372. 
wacht: ein hoͤltzernes Schulter⸗Joch mit zweenen Armen, 
woran hangende Eimer und andere Dinge getragen wer⸗ 
den: JE. Melck⸗Dracht, Vater - Drache ic. 
rade: gefchwinde, bald, War eormabfs ein allgemein Teut⸗ 
ſches Wort, wie aus einigen Kiedyen-Siedern zu erfehen. 
Jetzo iff es in Ober-Sachfen veraltet. — Sep uma (pyicbt 
man esabgefürger aus: dra, z. E. jo (o dra, jafo bald. 
Und eben fo fprechen auch bie Hofländer. O6 mim be» bie 
ſen aus dem Worte rad, celeriter, duch Verſetzung der 
Buchftaben, geworden fe dro, voie Hr. Wachter meinet, 
‚folches mag einem ieben zu glänben, oder in Zweifel. au 
ziehen, fee ſtehen. | 
Dragband: ein über bie Schuftern Hinten tmb forne herab⸗ 
yangendes, und fo mol quer auf der Bruſt als auf bent 
Ruͤcken zufammen gebaltenes ſtarckes Band, von + Eu⸗ 
den, mit $öchern, in welchen die Hofen vermittelft Hafen 
befefliget werden, daß fie nicht von ben Senden fallen kön, 
nen, — Gin breiteres, foüber ben Ruͤcken Kreutzweiſe ger 
hes, brauchen die Karrenfchieber und: Sänften-Träger, 
fo vor ibnen een 3Drette2 (Lau genennet wird. ML 
Dragge: eine Act Under, deren man ſich auf Evern und am 
dern Peine Sahrjeugen bebienet Haben gemeiniglich 
drey oder vier Klauen, und einen bloffen Schafft, ohne 
Quer⸗Stock. u 
Drake: eir oben rundes und unter zugeſpitztes flaches Ge⸗ 
mächte von aufgefpanneten Papier, mis einem langen 
Schwantze, welches unfere Knaben an einem Bind⸗Fa⸗ 
ben, den fie im lauffen nad)geben, als einen Drachen, in 
die Luft fleigen, und vermittelft des Windes in beliebiger 
Höhe ſtehen laſſen. Gall. Cerf volant, Angl. Kite M.) 
conf. Bott, unb fyren. 


G5 —  . Mall 





4o | IDIOTICON : 
drall: dicht, feft, Dart zufammen: compactus, contortus | 
- een drall Cau: ein Dart gedrehetes, oder feft gefchlage 
| nes Seil. | 

drallen Tiveern: Smirn, der zu (lard doubliret if. 
calle Melck: Käfe- Milch, bie niche (anft, fondern gu 
Dart geronnen iff. | 
Metaphotice: wol bey $eibe, von feftem Seife, 3. €. 
'" A eene lüttje Dralle Deern: une petite fillebien pote- 
lee. Een drall Perd: ein gedrungen Pferd, 
. Drell: weil e$ ein dichtes und dickes Gewebe ift, ſcheinet 
mit bem Worte Drall verwandt zu ſeyn. Wofern aber 
Drell und Drillich (crilix) einerley ift, fo kann es wol 
a von brey, wie Zwillich von 3voey , feinen Nahmen 
zm Da it 
Dramm: DVerdruß, Drangſal: tort." Dramm andohn: 
beleidigen, Schaden thun. He fcball my keenen qve» 
Ws Dramm andohn : er (otl mid) wol ungefubelt 
(drange, für gedrange, enge, Dat Sinfter geit Orange 
Up un to, M.) 
drapen: treffen. . 
Drapen: Tropffe. f. drüppen. : 
Dree⸗Been, ic. dreebeende Buch: ein € tul obne Gelehne, 
mit dreyen Dólfernen Beinen, dergleichen Bock einige 
. fißende Handwercker auf der Werckſtat zu gebrauchen - 
pflegen. Sprw. He bett (o veel Verſtand, als een 
dreebeende Buck, | 
(Dresdraht: gemeiner Korn⸗Brantewein, welchen der Poͤbel 
mit allerley Stabmen beleger. M.) 


dreehaarigg: muthwillig. 
Dreft (5): Drenfuß. ! 
(Sprw. He ie up fynen vecbten Dreft: ev ift ben gu⸗ 


tecfaune, Alfo: He io up keenen goden Dreft: il 
eft de mauvaife humeur. M.) 3 
"E Dregſel: 








' HAMBVRGENSE, 41 


Dregſei: Samen oder Auswurff des fliegenden Ungegieffers. 
SG. Fleegen⸗Dregſel: Geſchmeiß der Fliegen, mor» 
aus fid, infonderheit im Fleiſche, Maden und Wuͤrmer 
erzielen. 

(Dreier: Drechsler: M.) 

drepelick: Mag mol , feinem Urſprunge nad, daflelbe (ew, 
was trefflich. Doch Deiffet es bey uns reinlich, nett : 
propre, infonbetbeit in der Kleidung. He geit Drepes 

* lícd?; er träge ein gutes Kleid.: Se bolt fic? bre» 

pelick un vein 2 fie Dáft (id) reinlich und ſauber. 

_ (Drepelig poteft forte Hamburgenfibus in vfaeffepro _ 

reinlich, propre. Verum Danis Drabelig eft pracftans, 
eximius, venerabilis: En drabelig Mand. G.) 

GDreves un 3Drütje, follen ein Paar einfáltige tete be 
deuten. M.) 

Driakel: Theriaca ‚Driatel up Gum; Emplaftrum 

. JDiachylon cum Gummis. 
dryſeln: zögern, tändeln, hinläffig arbeiten. 
Dryſeler: langſamer Menſch, der nichts mit Fleiß und 
Ernſt angreiffer. 
Dryſelmatz: Idem. 
en: updryfen: an Stricken aufziehen, aufwinden. Tem 
wf thonifta: Tryſſ: Winde. tryſſen. 
Dryfe- Bloch : fonft auch Block⸗Rulle: loben, 
ON Scheibe: trochlea. 
ven: 1. fluitare. 
in der Drift: im Gange, in der Fahre, im Ge. 
brauche, — Conf. in der Slate, 
' — —— £. propellere. 
dryvends: alfo bald, fott weg: illico. ^,^ 
bedryvern: fleiffig, rüftig: expeditif: qui opus 
fuum vrget. Der den Karren nicht ftecken laͤſſet. 

Dr Schalck: von dregen (e): friegen. Een lofen 

| «e; 66 ein ege arm. Sprw * "jaws ari 
een Drog, Dat was be vorm j Dat is be 

oock noo. €, droͤg: 





| 42 .' ]IDIOTICON 


E 





droͤg: trocken. (Sprw. He bet (yne Saken np't dröge 


brocht: er bat das feine verthan, Syn Geld mit 
droͤgen Munde vertebren : viel ausgeben, und nichts 
dafür genieflen. M.) 


droͤge Amme, oróg Minſch: nutrix aya Tec, bit 


man nicht zum (augen, fondern zum Kinder⸗ warten 
brauchet. 


de Koh ſteit droͤg: ſie wird nicht gemolcken. 
de Droͤge: ein Haus hinter der Hamburgiſchen Reeper⸗ 


Bahn, der Loͤbl. Admiralitaͤt gehoͤrig, allwo die Theer⸗ 


Tauen getrocknet werden. (Hans up der Droͤge: ein 


„Wirth, der nichts zu trincken hat. M.) 
Droͤgeldoock: Leſch⸗Papier: charta bibula. 
Droͤge nicht: Nihilum album. 


Droͤgeniſt: Materialien⸗Haͤndler: Droguiſte. Spotts⸗ 


weiſe wird vom gemeinen Manne ein duͤrrer hagerer 
Menſch mit dieſem Nahmen beleget. Auch nennet man 
denjenigen einen Droͤgeniſten, der trocken und einfaͤltig 
ausſiehet, aber einen Schalck Hinter den Ohren Dat, Der 
Pöbel nennet einen folchen aud) eenen droͤgen Deef. 
tiporógen: 1. ingenere auftrocfnen, dörren, z. C. Aepfel, 
Kirſchen 1c. 
2. in ſpecie die Waͤſche trocknen, welches in 
Hamburg auf den Bleichen die Arbeit eines 
eigenen Tages iſt. | 


3. bie Milch, oder wie e$ bey unfern Weibern 


heiſſet, ben Sog vergeben laflen. 
4. metaphorice: zuruͤckkommen, in Abnahme 
gerathen. | 


Droͤhmkloot: Träumer, Schlaff-Müge: homo fegnis & 


tardus. 


bróbnen, nadroͤhnen: ehönen, nachklingen, tie infonderheit 
bie Saiten und Go 





- Dan fynem pedden Oróbnt dat Huus. 
| | a | ett? 


en thun. Item erfchüttern: tre⸗ 
mere. Et Donnert, dat de Finſtern Oróbnen. 





HAMBVRGENSE. 43 


Dröhnert: einer derimreden die Wörter fein lang zieher: 
orator lentus & fonorus. Der Poͤbel ſagt auch 3Dróbo 
nekoͤtel. | 
Droͤhnung, Droͤhnniß nennen toit die Empfindung bee 
Sliedmaffen von einer Erfchätterung oder ſtarcken 

,-  Contulion. | 

Closdrähnen: wird 5. €. vom ausfallenden alf; na» 
oróbnen von nachklingenden Seiten, Glocken u. b. gl. 
gefagt. M.) | E 

droog: ſchlimm, verſchmitzt: callidus. Es heiſſet auch fo viel 
Aals eigenſinnig, der auf feinem Stuͤcke beſtehet. Z. E. 
De Buur is f$ droog mit ſynen Fiſchen, b. i. er trie⸗ 
get fid) darauf, daß man ihm für feine Fiſche geben mug, 

was er haben will. 

Drooſt: ift ein Wort, bae mancherley Bedeutung hat, nach⸗ 
dem man dieſes oder jenes Beywort hinzuſetzet, doch 
mehrentheils in uͤbelm Verſtande. Z.E. Een dum⸗ 
men Drooſt: ein alberner Menſch; een groten 
Drooſt: ein groſſer Saft; een leegen Drooſt: -ein 
ſchlimmer Schelm 1c. 

Droͤpel (on): ſiehe druͤppen. 

droͤteln: zandern, zoͤgern. | 

Droͤteler: Zauderer, bet langſam arbeiter. 

droͤven (es): trübe machen. | | 

droͤven (e): bürfen: facultatem habete. Per metathefin 

von doͤrven, wofür man ehemahls auch gefprochen doͤ⸗ 

ren. He doiſt dat nich dohn: er darf das nicht thun. 
Daher das Hochteutſche thuͤrſtiglich; audacter: 
Genef. XXXIV. 25. und duͤrſtig ſeyn, duͤrſtig hans 
deln: audenter agere: 2 Cor. X. 1.2. Der (al. Lu⸗ 
therus braucht in feinen Schriften gar oft tbar für darf, 
Thurſt oder Durſt für Teog unb Frevel. Tom. VI. 
Ien. £.344: fie thuͤren fich nicht fürchten. . Und eben 

- diefes thar , und unfer doͤren it das Griechifche 


epp tir. | 
2c drullig: 





4 IDIOTICON 


drullig: poffierlich. en beulligen jung: ein poffierlicher 
Knabe. Gall.drole. Belg. drollig : lepidus, feftiuus. 
(Drummel: excrementmastif. SRan nennet auch einen klei⸗ 
nen rammaslırten Kerl eenen oícPen Drummel. M.) 
Sftid)t weniger gehöret diefes zu den Behelffe- Wörtern, 
womit man nicht will gefluchee haben: Dat oy de 
Drummel ic. _ 
« drünfen, druͤnſeln: ſchlummern, Balb im Schlaffe feyn: 
dormiturire. 
£obrünfén: einfchlummern,, zufchlaffen. 
Druͤnſerey: Schläffeigfeie: fomnolentia. 
Öröppen: tröpffeln: ſtillare. W 

pr Dröppken;- ic. Drapen, Draͤpken: Tropffe, 

röpffchen. 

Droͤpel: Lieſe⸗Droͤpel: Tropffe an der Naſe haͤngend. 
| Auch wird mit biefem Worte ein Naſenweiſer geſcholten. 
druuß: verdrießlich, unfreundlich. He (übt fo druuß uch, 

item be mafet een druuß GDeficbt: ec fiebet ſauer 
aus. Hr. Warhter füpretan ein Stamm Wort Drufs, 
welches moleftiam bedeutet, und meson bie compofita 
Verdruß und Ueberdruß annoch im Sebrauche find, 
.-  Bielleicht iſt unſer druuß damit verwandte. Wann man 
" aber fluchet, Dat dy de druuß bale, fo iſt ſolches, nad) 
Hn. Wachters Meinung fo viel, als: daß dich die Here 
Bole, weil nicht nur Drude und Drutte, fondern auch 
Drus eine Zauberin foll bedeutet haben, welche biefateis 
net Druis oder Druias genennet. Anderewollen es von 
dem berühmten Drufo herführen, welcher den Teuefchen 
fürchterlich gewefen, daß man mit feinem Nahmen ge 
—* (o wie man, in Erinnerung beg 30 jährigen Krie⸗ 
ges, zufagenpflegen? bat Oy DeCXvoebic, Ich will 
beides für möglich halten; gläubeaber, daß der erfte Flu⸗ 
- her, bet un flatbes Teufels ben Druuß genennet, eben 
fo wenig fonderbare Gründe imb Abfichten gehabt, ale 
Diejenigen, welche: dafür. den Drummel, ben Düer, 
den Krambeker und dergleichen im nat ros 
ovr . t 





HAMBVRGENSE. . 45 


Ducht, heiffet in einem Ever und andern offenen Fahrzeugen 
das kleine Verdeck am Borbdertheil, welches am Hinter» 
tbeile de Plicht genennet wird, worunter man etwas 

fuuͤr ben Regen bergen kann. | 

(Duffert: Tauber: columbus, M.) 

duffig: 1. vom Geruch und Geſchmack, mas feine Reinigkeit 

verlohren hat, und anbrüchig ober in (id) ſelbſt ers 
ftifet if. 3. &. duffig Mehl. 
2. von der arbe, mas ohne Glantz ift. Siehe doof. 


dufftig: truͤbe, neblicht. 


Duhm: Daumen. ( Syrw. He bett wat foͤrn Dubm: 
| c t Dat | n zahlen. Sórn Duhm ſchuven: Geld zeh⸗ 


bubn: kunden. Sick duhn füpen: (id) voll ſauffen. He 
is alle Dage dick un duhn: Er iſt alle Tage voll. 


duken: fib ducken, buͤcken: caput vel corpus deprimere, in- 

. Glinare latendi caufa. 

nedder⸗ oder uͤnnerduken: untertauchen, fi T verbergen, 

upduken: gun Vorſchein fommen: apparere. He droft 
‚nich upduken: er darf fid) nicht ſehen laſſen. "AU 
wat'r man upduket: alles was nur zum Vorſchein 
kommt. 

duknackt: mit geducktem Nacken, oder gebogenen Halſe. 
He geit duknackt: er traͤgt den Kopf nicht gerade 
empor. 


—** Taͤucher. Muß ſich auch von ſtommen Fluchern 
an ſtat des eufels nennen laflen. 
bull: toll. (Eprw. He ſchall nich liche dull warden. 
.  MWird von einem gefagt, der nichts mit Mühe und Mache 
benden treiber, fondern gern von einem aufs andere 
fälle. M.) ! 
bull dencken: fi) wunderliche Gebanden machen. He 
ward oull bencFen, bat ick nich Fame: Er toird (id) 
wundern , daß ich nicht komme. 
E Dullen: 





46 IDIOTICON | 


Dullen: die Pfloͤcke im Bord des Fahrzeuges, zwiſchen vt^ | 
den bie Ruder liegen. 
Kruſe Dullen: Hand-Kraufen, gefaltene Mancherren, 


dumm: dumme Asmus, dumme Drütje, Dumme 
ene, Dumme "Jürchen, dumme Ölf, und Peer 
jen dumm find bey uns bie gemöhnlichften Benennum | 
gen einfältiger und albeener Menſchen. Warüntaber 
eben diele vorberegte Nahmen biezu infonderheit ge 
brauche worden, iff wol feine andere Urfache, als weil ſich 
etwan einmahl bumme teute gefunden, die von ungefehr 
fo geheiffen, und daher ihr Nahme zum Sprichwort ge 
‚worden. Alfo ging vor einigen go Syabren in Hamburg 
geraume Zeit ein ſchwachſinniger Mann Derüm , Nah—⸗ 
mens Asmus, welcher allen geichen im legten Paare zu 
folgen, und aus alten Gazerten nene Zeitungen zu lefen 
pflegte. Seitdem ift es bey ung zur Gewohnheit gewor⸗ 
den, daß man einen aberwigigen Menfchen einen oum» 
men Asmus nennet. 
Dunmert, Dummbart, Dummerjabn, Dummnut; 
find eheils pöbelhafte Schelt- Worte, 
(dummerbaftig: 1. einfáftig, albern. ! 
^. 2, unuftig, (tumpf: obtufus. My is 
(9 dummerhaftig to. Mode: 
Mir ift der Kopf fo wuͤſte. M.) 
dummdryſt: unverſchaͤmt: inverecunde audax. ^. 
dummduͤveln, verdummduͤveln: übertäuben, (doen, 
dutzig, unb gleichjam zum dummen Teufelmachen, Iſt 
eine Redens⸗Art der groben. Conf. verblüffén. 
(Sprw. De Dummenloopt fict dodt, de Fulen dre 
* "fid? dodt. M.) de Sulen deegt 
Dunen: Pflaumfedern; von bem alten Worte dunen: fid) 
erheben; weil ſie, nach der Niederdruͤckung, wieder in die 
Hoͤhe gehen und ſich luͤfften. (Sprw. Dunen ſuͤnd 
beter M Feddern, b, i, das befte pat immer ben Vor⸗ 
zug. 











VUWVuxun 


HAMBVRGENSE. - 47 


(Duun pro Pflaumfedern, etiam Danicum. Hinc Eugle- 
Duun, Edder⸗Duun. Forte & hinc Dyne, lodix, 

^ culcita, quia plumulis (Duun) farta. G.) 

ſick dunen, it. ſick uthdunen: (id) ausdehnen. He dus 
net ſick uth: er dehnet ſich, oder, wie wir ſonſt ſprechen: 
He recket ſick. 

Edder⸗Dunen, wofuͤr unſere Leute unrecht ſagen Eyder⸗ 
Dunen, oder Otter⸗Dunen, haben ihren Nahmen 
von Eder oder Ader, welches bey den Juͤten und Angel⸗ 
Sachſen Voͤgel bedeutet. Siehe Wachter. Gloſſar. 
P. 321. Leibnit. Collectan. Etymol. p. 33 & 34. 


eünn: Sprw. Doͤr dick un duͤnn moͤten: (id nichts muͤſ⸗ 
fen verdrieſſen laſſen, uͤm fortzukommen. (Myn gode 
duͤnne Stünb: mon pauvre ami. M.) 
^ (Dünne: Schläffe: tempora. M.) Vielleicht, weil bafelbft bie 
Hirn: Schale nur dünne ift. 
Dönnen-Plafter: Pflafter, fo man ini bie Schläffe bd 
wieder die Fluͤſſe. 
Duͤpe: Tieffe. 
duͤpen: austieffen. 
Duͤpe⸗Heren: find in Hamburg bie zweene juͤngſte Herren 
des Raths, bie bey der ſogenannten Duüpe⸗Ordnung 
find, unb über bie Austieffung der Sleche, Haven und bet 
übrigen Fahr» Waflers zu halten haben, 
Dören: dauern, währen, 
Geduͤr: Berbleiben, Gedult: vrapon. Ick hebbe hye 
keen Geduͤr: Ich kann mich hier nicht gedulden. 
geduͤrlick: beſtaͤndig, immerfort. Belgicum. 
duͤrlohniſch: der ſich feine Arbeit theuer bezahlen laͤſſt. M.) 
duͤſig: ſchwindelicht, taumelicht: vertiginoſus. 
Duͤſeniß, Duͤſigkeit: Schwindel, Schwachheit des 


Hauptes: vertigo. 
beduͤſet, beduͤſſet: (ssmolli) betaubet: obtufus, wie eie 


net, bec auf den Kopf geſchlagen, geſtoſſen, ober gefallen, 
taumlicht und ſinnlos wird. Duſt: 








43 /— ^IDIOTICON ^ 


Duft: feiner Staub, oder Dunſt. Daher ! 
duͤſter: dunckel, finſter. Sprw. In duͤſtern muſet be 
Ratten anm beſten. Auch pflegt man zu fagen, want 
einer bey (einem Irrthum fid) etwas duͤncken laͤſſet; Du 
blinde Welt, wo geift du: in oüffern ! | 
verduͤſtert: Deiffet zwar bey ung verdunckelt, verfinſtert; 
wann aber ber fäl, Lutherus 1 Tim. VI. 4. rtrü Dura) 
uͤberfetzet: der ift verduͤſtert, fo ſcheinet es zweifeihaftig 
. zu fen, ob er mit diefem Worte den :Begriffeiner Ders 
finfterung, oder einer Aufgeblaſenheit wolle verbuns 
den haben. Denn nicht allein führen bie Wort-Forfcher 
das Duff her von dunſen, eleuari, turgere, inrumes 
cere, fiehe Wachteri Gloffar. p. 322 ; fondern im Gries 
chiſchen bedentet das Stamm- Wort ródpog zwar einen 
Rauch, und rudscta beräuchert werden, aber 
viel öffterer wird jenes für Schwuͤlſtigkeit, und diefes 
für bocbmütbig werden gebrauchet. Ueberdem has 
' ben alle Borgänger Lutheri, nehmlic) der Syrer, der 
. Vulgatus, und die aus demfelben gefertigte Hoch⸗ und 
Niederteutſche Ueberfegungen, imgleichen Erasmus, 
. Ofiander, Schmidius, wie nicht weniger die Miederländis 
fe, Englifhe, Franzoͤſiſche, Italiaͤniſche, Schweigeris 
(be und andere Bibeln das Teruduray einhälligdurch 
. fuperbus, elatus, hoffärtig, opgeblafen, proud, enflé, 
gonfiaro tt. f. ro. gedolmetfchet. Daher denn ſchwerli 
u glauben, daß beym Luthero verdüftert folle verfi 
, imb nicht vielmehr auftgeblafen beiffen; infonder- 
beit, da die gleich) darauf erwehnte Frage⸗Sucht, Wort 
Kriege und Schul⸗Gezaͤncke (id mit bem Hochmuth 
ſehr wol reimen. Das zu Storfholm A. 1605. 4.94 
druckte Schwedifche 91. 3. giebt es: Han Ar Fendt 
Erat, und erfläret diefes: foͤrdrenckt i ſyna tanckar 
och achtaringen, d. i, in feinen eigenen Gedancken 
und Meinungen erfoffen. | 


bite; die E EE 








HAMBVRGENSE. - 49 


Dutten, Düttjen, it. Budden: Mucus e naribus infantum. 
prominens ac pendulus, 


(dutzig: flumpf, dumm, tölpifh. M.) | 
Düvel: Teufel. Hievon höre man beym ımartigen Pöbeldas 
Sprichwort; Bym Düvel tor Bichte Eamen; übel 
.." anlauffen., (id) fchlecht adresfiren, 
oͤverduͤweln: Abertölpeln, | 
verdummduͤveln: mit Schelten, Fluchen oder Schlägen 
iemand dumm und bugig machen. | 
dwalen: irren, in der Irre Jauffen, unvernünftig handeln: 
ineptire, per errorem agitari. Bey ben Holländern ift 
diefes zwar mehr, al& ben ung, ein gebräuchliches Wort, 
bey denen verd walet foviel heiſſet als verbieftert, verir- 
ret; doch habeh e$ aud) unfere Sachfen vorlängft gehabt, 
Denn in bem fo genannten Chronico picturato beg Cord 
Bode ad A. 1 301. heiffer e$ von ben bamabligen aber⸗ 
glaͤubiſchen Walfahrten: Der 3Dotbeyt der ward fo 
vele, oat oe Heren vnde Forſten verboben in óren 
Landen nicbt ſo to Dwalende to ganden. — — 
—— iDatYold' dwalde dar fer vmme, dat id 
(o leyp 1c. | | | 
dwalſch, Dwalifch: dumm, albern: fatuus. 
^ (Dual a,Danis etiam ad faporem refertur, notatque fa- 
|J fuum, T LP infipidum. G.) mE u 
dwars, welches auch ansgefprochen wird dwaß: quer, aber» 
zwerch: transuerfim. EE | | 
Dwarsdrywer: eigenslich ein fchiffender, ber fein Fahre 
zeug nicht recht regieret, unb alſo uͤberzwerch treiber, öder 
andern in die Quere kommt. Meraphorice: ein ver 
fer wiederfinniger Menfch, der aus Dummheit oder Ei» 
- genfinn fich (elbft und andern zumiedern handele. 
dwatzig, dwatſch: dumm, unvernänftig, der nichts begreif⸗ 
5s fann: flupidus, hebes, — ' 
dweer: quer. Conf. dwars, Diverrundwaß: it. voͤr 
dwaß un vor dweer: ing Kreutz und in die Quere. 


D Dweer⸗ 





go IDIOTICON | 
Dweerskicht: Irrwiſch: ignis fatuus, qui huc illuc 


transuerfim fertur. | 
Dwehl(n): Hand⸗Tuch, womit man die Hände trocknet. 
Dwelck: Zwillich. 
Dwesken, oder Twesken (y): Zwillinge. 
Dwenel: Wiſcher mit einem Stiele, welcher ins Waſſer gt. 
tuncket und zu Reinigung der Schiffe gebrauchet wird. 
dweueln: wie bem Wiſcher über etwas herfahren. 


E. 


Eber (nn) Storch: Ciconia. ˖ Anderswo nennet man ihr 
Adebar, in Holland Oyevaer, in Braunſchweig Heile⸗ 
bart. Wer Luſt hat, mit rathen zu helffen, aus was fuͤr 
einem Urworte dieſe mancherley Nahmen des Vogels 
herſtammen, der findet Gelegenheit in Hn. Wachters 
Gloſſario ad vocem Edebar, und beym ten Kate 

. P. II. p. 464. | WB 

Echt (Subſtant.) Ehe: matrimonium. Tor Echte neh⸗ 

men: zur Ehe nehmen. Upde Echte geven: aufbie 

Traue geben. Echtmanns Frau, die einen ordentli⸗ 
chen Ehe⸗Mann hat, und keine Hure iſt: legitime 
nupta. 

Ecker: Eichel: glans. (Ecker⸗Speck: feſter Speck von 
der Eichel Maſt. Wird auch ſchertzweiſe von Menſchen 
geſagt, die wol bey Leibe ſind, und kein ſchlaffes Fleiſch 
haben. M.) 

Eckern wurden auch die Eichelfoͤrmige geſtrickte Knoten 
oder Pendanten genannt, die man vor dieſen an der Kra⸗ 
gen⸗Schnur, wie auch an den Ecken der Hals⸗ und 
Schnuptuͤcher zu tragen pflegte. 

edder: oder vel, aut, ſiue. 

Edderduhnen. Siehe Duhnen. 
(eendohnt: einerley, gleicheviel. M.) 
(eenerwegen: irgendwo. M.) 





Eers: 


—— — 





HAMBVRGENSÉ. $1 


Eers: Arſch: podex. Bym Eerſe heruͤm bablen ; durchs 
holen, durchhecheln, herümmehmen. — - 
Óvereero : ruͤcklings: retrorfum. M.) 
dreyeerſen: im Geben aus Hoffart den Steiß drehen: 
iactare nates: vz» sdpu» o£. 
růckeerſen: nicht ftill figen, von einer Stelle auf bie an» 
dere rücken. 
ſtuͤtteerſen: einen aufheben und mit bem Steiffe wieder 
die Erde oder auf ein Holß ftoffen: welches beym gemei« 
nen Volcke eine Spiel-Straffeift, womit fie einander auf 
eine geroiffe Zahl Stöffe zu belegen pflegen. | 
(Sprw. Den Kersinde Hand nehmen: auffichenumd 
weggeben, vielleicht weil man nad) den Kies 
dern geeiffet, worauf man gefe(fen, um ſie wie⸗ 
— ber in Ordnung zu bringen. — 
Man kann een Sole im Eerſe bebolenz es 
wird einem alles abgezwacket. M.) 
He weet aller Zerfen Upgang, faget der Poͤbel 
von einem nafeffugen und vorwigigen Men; 
(den. 2 
Eers⸗Gebreck: allerhand Fleine niche viel bedeutende 
-  Bedürfniflen, Klagen und Forderungen. He bett 
jümmer een bupen Eers⸗Gebreck: ipm fehler im 
mer etwas; er Dat alfegeit viel zu Flagen und zu vers 
laangen. | 
ef, it. efte: oder, Belg. ofte, daher aud) einige fagen of. 
Een of ander: einer oder der andere, | 
effen: 1. eben: planus, aequalis. Effen £ano, das nicht 
* iſt. Effen Tafft, der nicht geſtrichen 
oder gebluͤmet iſt. Effen Linnen, das keine 
ungleiche Draͤhte Dat ıc. 
a— gleich, gerade: par. Daher bas bekannte Spiel 
effen oder uneffen: ludere par impar. 
Effene Call, gerade Zahl, bie in gleiche Theile 
geben, Int effene bringen, sur Richtigkeit 
| A ^ bringen. 








52 IDIOTICON- 


bringen. Dat geit effen up: das gebet gerade 
auf. Tor Effenheit kamen: den Berfchillab 

thun, conto faldo machen. | 
3. iego, den Augenblick, welches auch even ausgefprochen 
| wird. Effen flog de Klock. De Süunn t5 

even upgabn. 

egen (e) Verbum, an (tat eetgnen, eignen, behören, zukom⸗ 
men: competere... As ficf dat eget un bóbret: wie 
fid) das eignet und gebührer. Em egebe eene Dracht. 
Säge: er müfte bülig einen Pudel voll Schläge 





apen : ein fcharffes Gewehr, womit man iemonb 
hauend oder (toffenb verlegen und tóbten kann. Wir ſin⸗ 
ben diefes Wort im Hamb. Stadt--Buche P. IV. Art.33. 
39. 45. $2. im tand» Rechte Art. 27. und in unfer 
Strafen Rechte wird dag Schwerdt des Scharffrichters 
ein fÉtctgevoapen genannt, Egge wird in dem alten 
.. Vocabulario Theutonifta erfläret Snede (Schneide) 
acies. 
(ehldancken: auf nichts dencken, faulentzen. M.) 
Ehlt (m): Schwelle, harte Haut: callus. Wuͤrde vielleicht 
beſſer geſchrieben Aehlt, weil es im Alt⸗Flaͤmiſchen haf 
(et Adel, Denn fo ſagt das alte unb febr rare Wären 
Buch, welches unter dem Nahmen Theuronifta jn 
Coͤlln A. 1477. fol. gedruckt worden: Adel, eyn Gefwd 
an der Hand of Voeten. Wiewolder Berfaffer unrecht 
dabey feget: vlcus, apoftema, tumor, da er es durd) 
callus hätte erflären follen. 
fEbnte, (e) und dimipur. f£bmten: 1. Ameife, bie auchim 
Englifchen émmet ; und Angel-Sächfifch aemer Heiffer. 
(Miegehmkens. Species formicarum mingentium. 
M 


2, Grille, Heimchen. Eine Art Ungeziefer, das fid) im 
die Aerndte⸗Zeit in ben Gaminen der Land⸗Haͤuſer hoͤ⸗ 
ren zu laffen, und von abergläubifchen $euten für ein 
Slüfs-Zeichen gebalfen qu werden pfleger. 

| l 





J HAMBVRGENSE. $3 


9, Zyer. Hievon iſt in Hamburg manchesSprichwort. 8. E. 
van eye maben: ſich nicht wol halten: etwas ver⸗ 
erben. 
Eyer un Fett hebben: fid) wol ſtehen: in guter 9a» - 
rung ſitze. —- : 
Dat fünd all oble Eyer: das iſt nichts neues mehr. 
Um een Ey un Botter⸗Brodt: uͤm geringen Preis: 
febr wolſeil. | 
Eyer in de Pann, fo kahmt dar eene AA GPeri van: 
Unglüds» Stiftern muß man nicht lange zufehen, 
Principiis obfta. uE EE 
Nu fc:balUt Eyer⸗ eten angahn: pflege man beym 
$5eginn einer mercklichen Verrichtung, oder eines be⸗ 
fonderen Aufbebens zu fagen. | 
b oder aifch: garftig, ſchaͤndlich. Sft das: Griechiſche 
ai ^oc , turpido, babet zigyeög, turpis. Daß die alten 
Afcomanni ihren Stapmen, als aifche Maͤnner, ger 
friegt habenfollen, fcheinet ein blofles Spiel gu ſeyn. Me- 
lioraCangius, & ex eoWachter. in voc. Afche,nauicula. 
N (7) eitern: faniem emittere. De Singer will an to 
eben fangen, b. i. er will ſchwuͤrig oder unterföchig 
werden, | | 
tifch, oder, voie es einige ansfprechen, eenlatifch: much» 
willig, Fälberhaftig, ungeberdig. Wird gemeiniglid) von 
Kindern gefagt, bie fid) unartig und eigenfinniggeberden. 
Ich halte dafür, daß es fo viel fey, als egenlatifcb, der 
ein eigen Belate, dag ift, Geberde mache, oder auch, bet 
feinem eigenen Willen gelaffen ift. Denn met wollte 
das $ateinifche elatus, imb elatius fe gerere hieher gie 
hen? dafelbiges weder mit ber Bedeutung genau zutrifit, 
noch aud) den Teutfchen fo befpnders geläuffig roetben 
müffen, daß-fie es in ihre Sprache übernommen, 
‚elEeen: ieder, ieglicher. | 
Sprw. Up Wyn de Melck 
Is nich foͤr elck. 
Elckeen ſyne ege ic, 
| 3 





| (iven- 


34 IDIOTICON 


CfElventibbe: ein fehr hagerer Menfch, bem man bie Ribben 
aeblen Fan. M.) 

(mern: beiffe Afche, Loder⸗Aſche. 
(Danicum Emmer, heife Aſche, vel cinis carbonibus 


ipnitis mixtus. Anglo-Saxon. Aemyrian, cineres. G.) 


enked, oderencht. Wann unfere Hamburger etras befräfftis 
gen wollen, (agen fie geo und enckt. Hievon mut 
maffete zwar ein gelehrter Gönner, daß e$ eigenelich heiß ' 
ſen moͤgte: gewiß und denckt, b. i. bendft nur, wiege 
wiß es fey. Allein, zu geſchweigen, bag es getmeiniglid) 
gehoͤret wird ohne 0? gewiß unencht; foiftdas Wort 
enked anderweitig in unferer Sprache nicht gang unbe 
fannt. Enkede Thaler fommen etlicher Orten in alten 
Gontracten und Rechnungen vor. Was felbige aber bes 
deuten, davon giebe der berühmte damahls Magdeburgis 
ſche Rector, iego Bremifche Profeffor, Hr. Caffel, in den 
Braunfchmeigifchen Anzeigen A. 1747. p. 1324. zwo 
. Meinungen an. 1, Daß enfe bey ben Bauren nod) 

. eo bedeute einen Jungen, unb alfo enPebe C bale: 
fo viel als junge oder neugemüngte Thaler heiffen möge 
ten. 2. Daß enked nichte anders ſeyn mögte als enkeln 
oder enkeld, und folglich enkede Thaler ebendasfagen 
wollten, was einzelne oder harte Thaler, Welchelegte 
Muthmaſſung der Hr. Angeber zwar billig der erften vers 
ziehet; mich deucht aber, daß aus unferer Hamburgiſchen 
Redens⸗Art noch vorzüglicher eine dritte Meinung von 
bem enked fid) veranlaffe. Denn da es mit bem Worte 
gewiß als cin fynonymum verbunden wird, fo ſcheinet 
es wol weder neu noch einzeln, fondern vielmehr wahr 
und zuverläffig zu bedeuten. Daß alfo enkede E bas 
let ecffáret werden müffen gute, vollgültige, voabre 
Species - Thaler. | 

(Enkel: Knoͤchel am Fuſſe. M.) 


enkeld: einzeln, einfach. Enckelt Danicum G.) Ich habe 
aud) etliche biefes Wort brauchen gebóret für nur allein, 
bloß, lauter, 3. €. Dat is man enkeld Dobrbeit: 
bag iftnichts anders als Thorheit. Eicher, 








 HAMBVRGENSE . $5 


Eſcher, oder Esker: Spade: ligo... Die Holfteiner (agen 
Aſcher. | | 
Ettmahl: zwölfftündige Seit der Ebbe und Fluth. 
'  (Transiit ad nos quoque vocabulum, fimpliciter pro 
fpatio XII horarum plcbi Danicae vfiratum. G.) 


| S. 
Fahm, an (fat Faden: Klaffter. Angl. Fadom, oder Fa- 
:  . thom. Die Holländer pflegen ebenfalls ibt Vàdem in 
Vaàm zufammen qu gieben, 
fahren, ümfabren: verhäufen, uͤmziehen. | 
Fahrel⸗Tyd: die Zeit des Verhäufeng, welches in Ham⸗ 
burg ordentlich auf Himmelfahrt und Martini geſchiehet. 
mitfabrig: aiemfic): das nod) fo mitgeben kann: pas- 
ADIC, el 





fakkeyen, heruͤmfakkeyen, uhtfakkeyen: herümlauffen, 
ſſchwaͤrmen: discurſitare, ſolute vagari. 
Sall- Hoot: Fall⸗Hut der Kinder. Davon ſagt man im 
Sprichworte, wann einer aus Vorwitz etwas zu frühe 
waget: He gift fic. af abne Fall» oot. 
- (faffünlicE: actio, manierlicy: de mie M.) Diele fprechen 
^ fatfünlich, mie bie Holländer fatfoenJycE, von denen 
diefes Wort aud) ſcheinet zu ung gekommen zu feyn, 
Fatt: fiebe Vatt. | | 
Sell: fynecdochice: een leeg Sell: eine liederliche Hure. 
Gerade wie im Lateiniſchen bae Wort (cortum eigentlich} 
eine bicfe Haus, dann. aber auch eine Hurs bedeuter. 
Seuel, Feuel Dook: Eine Art der allergröbeften und locker⸗ 
: fen Leinwand, bie bas Wafler an fid) ziehet, und mit 
bemfelben die Unteinigfeie vom naßgefcheuerten Boden 
nimmt. Komme vermutblid) von deu Holländifchen 
Vuyl, faut, ſchmutzig. 
feueln, upfeueln: mit dem Fruel⸗Tuch reinigen: linteo 
bibulo fordes detergere. | 
D 4 nafcueln: 


$6 |. IDIOTICON 


nafeueln : noch einmahlüberher wiſchen unb nachtrocknen, 
fycbeln: heucheln, gelinde verfahren. 

Fycheler: Heuchler, bec den Fuchs nicht beiffen will, 
(Ficke: Eleine Hofen-Tafhe. M.) - 





fillen : ſchinden, abbedfen. Dasgel abziehen. it. ungeſchickt 


ſchneiden. 
Filt: Filtz. 


Filter: Fitzmacher, von welchenſch bie Hutmacher unter | 


fcheiden. 
Filter⸗Strate ift in | Hamburg bie Zugmacher-Saffe. 
Syn Margretjen: Foenum Graecum. 
fyren: 1. feiern, feierlich begehen: celebrare, feftum agerc. 
2, ruhen, nicht arbeiten: feriari, quiefcere. 


3. nachgeben, nachlaffen: laxare, remittere. Z3. E. 


ibat Cau fyten: funem remittere, i. e. nachſchieſ⸗ 
fenlaffen. Alfo fagen unfere Rinder; Den Draten 


fyren oder uhtfyren, d.i.mie Nachgebung des F⸗⸗ 


- bens ihnindie Hoͤhe fteigen laſſen. Idem e(t Bott 
even, de quo fupra. 
4. Metaphorice: gelinde und höflich begegnen : indul- 


genter habere. '3.€. He will gefgret fyn: et. 


toil gute Worte haben. Das daher S nadie futt 
fyren, ift ein pöbelbaftiges Wort, infonbetbeit wenn 
on eine Gefälligfeit gegen Srauenzimmer bedeuten 
off 

(Arbitror honorem indicari, qualis fuperioribus 
pracftatur, verbis mollibus & ad gratiam aucu- 


. pandam compofitis, metaphora deducta a Sandto- 


rumcultu. Sic enim vulgus noftrum: Jeg vil iffe 
fite ham neget: non multus a me honor ei exhi- 
bebitur, non multum ei fupplicabo. G.) 


fvo, oder fyſt: (eder, der einen zarten Gefchmac Dat, dem niche 
| alles gleich viel ift: delicatus. 


Siffe: ein Eleiner Strang gehafpelten Garnes, Wolle ober. 


Seide, 








* HAMBVRGENSE. 57 


Seide, worin die groͤſſeren Straͤnge zertheilet und abge⸗ 
bunden werden. J 
yſten: dn De Wind laffen: pedere. (paullo mo- 
deftius fiffeln, ss molli. M.) | 
pittje: Fittich, Fluͤgel. | 
fittjen: fegen, mit bem Flederwifch kehren. Wirdaber ges - 
meiniglich vom tànbelpaften oder unnótbigen Augfehren 
gefprochen. Alſo fagt man von einer gar zureinlichen 
Haus⸗Frau: fe bett uͤmmer to fittjen unto fegen. 
Slafittje: will meines Erachtens nichts anders fagen, als 
Schlag⸗Fittich, das ift, ein Flügel mit ben Schlage 
oder Schwing⸗Federn. Daher die Redens⸗Art: eenen 
by der Gilafittje kriegen, fo viel bedeutet, als einen 
beym Flügel erwifchen, das ift, beym Aermel oder beym 
^ Kleide zu parken Friegen. 
fyvander: ein Karten-Spiel: la béte. M.) 
€labbe: ein breites und Dangenbes Maul, dergleichen die 
Ketten» Hunde baben. | 
adden : dünne feheiflen, wie die Kühe ihre Slaben fallen 
aſſen. 
fladderig: 0A«dapó. | 
Slage: ein verfliegendes Wetter vom Winde oder Regen: 
'  tempeílas transitoria. Wir nennen es cud) een 
Schuur. SHolländ. een Buy. 
Sommer-$lage: cin Segen, oder Sturm, der in Soms 
mer bald überhin zu geben pfleger. 
lagen⸗wyſe, oder by $lagen: perinterualla: verfloge⸗ 
, ner 169 hee nicht nbl. Wird and) von abwech⸗ 
-  felnden paroxysmis der Kranckheiten gebraucher. 
Alflagens, ift ein Maͤrckiſches Wort, und bedeutet baffelbe, 
mas bey ung Flages⸗wyſe. Sollte ſichs aber mol iez 
mand tränmen laflen, al flagens, aus dem Sateinifchen 
aaq placitum herzuführen ? Dennody hat es Ioach. 
Frommius gethan. Siehe Gottſchlings Beſchreib. der 
Stade Ale» Brandenburg. p. 64. 


D 5 (Quod 





58 ^ - IDIOTICON - .. 


(Quod ad notationem attinet tempeftatis praecipi- 
tis aut procellae, eft ca etiam plane Belgica. vid. Ki. 
lian. Dictionar. in Vlaeghe. Verumaddi poteft & alis, 
fine dubio Holfatisin vfu, certe Iutis noftris ceterisque 
Danis, quibus Flage appellatur pars tecti, feu räbulati, 

uo aedificia vel aliae res operiuntur. E.gr. Dee 
turm ift fo gewaltig geroefen , daß er aud) rof Slagen 
von dem Haus⸗Dache hat abgeriffen, Sic fornacibus 
illis, queis polenta, cereuifiae deftinanda, torretur, in- 
iecti afferes, feu tabulata foraminibus plena, vocantur 
neftro idiomate Kiglles Slater. G.) 


Härte diefe verbefferre Ausgabe unfers Idiotici das 
Gluͤck gehabt, bem vortrefflichen Hn. G. zu Gefichte zu 
fommen, fo ift Fein Zweifel, derfelbe mürde biefe Anmer⸗ 
ckung nicht zudem Worte Flagge, als welche von fliegen 
gerfonme , und mit dem Begriffe eines Daches oder 

vette nichts gemein hat, fondern vielmehr zu dem fob | 
genden Flak oder SIAP gemachte haben, welches mit 
flach vermanbt ift, und von feinen Landes⸗Leuten nut 
ausgefprochen wird Slaae. 

Flat (Adie&iuum): flach, pfatt, eben. Flak Land: ebenes 
Gefilde. Slat Papyr: das nicht fraus fieget, Wann 
es vont Waffer gefagt wird, bebeutet es untieff. De 
Elve is byt man flaE: die Elbe Dat hier feine Tieffe. 

NB. Das Wort Blachfeld, deffen fid) Lutherus 
2 Sam. IV. 7. pro loco campeftri bedienet, ift auffer 
Zweifel fo viel afe flacb Feld; mie denn auch bie Nieder 
fächfifche zu $übecf A. 1533 gedruckte Bibel e& aut 
Drücker: upoem flakken Velde. Eben diefe Veraͤnde⸗ 
tung des fin b fómmt mir auch wahrfcheinlich vor itt 
bem Worte Blech, lamina, welches viel glaublicher von 
der Fläche, alsvom blichen (wie Hr. Wachter meiner) 
feinen Nahmen hat. Denn nicht alles Blech blicfet oder 
glaͤntzet, alles aber iſt ein flach und platt geſchlagenes 
Metall. Ueberdem wird auch an vielen Orten in Nieder⸗ 
ſachſen geſprochen Bleck, und nicht Blick, wie in 
Hamburg. Flak 





— 





HAMBVRGENSE. $9 


Flak (Subftantiuum): bedeutet ein Stuͤck von einer Länge oder 

läche, ımd wird auch Sagen Flage ausgefprochen. 

' $Éen Slat Weges: ein Stuͤck Weges. Et is noch 

. een good Flag ben: es iſt noch eine gute Ecke weiter. 

Auch haben die Hochteutſchen in dieſem Verſtande das 

Wort led, 3.E. Kin Fleck vom Papiere, oder 
vom Tuche reiſſen. Kin Bruſt⸗Fleck ꝛc. 

Flaͤke: geflochtene Huͤrden: crates vimineae; dergleichen 

zu Bekleidung der Deiche gegen das Waſſer gebrauchet 

werden. 


Flaͤk⸗Heeringe ſind aufgeſchnittene, und flach oder platt 
aufgeſpieſſete Heeringe, ſo geraͤuchert werden. | 
Bofes SIÁE : ein Ctüd von einer in die fánge durchge⸗ 
ſchnittenen und geräucherten Gans. Wann unfere $eute 
gemeiniglid) (agen Flick⸗Heering und Goſe⸗Flicken, 
mögte ich folches niche eben tabeln, weil zum wenigften 
. das Wort Flicken in feiner idee viel näher verwandt ift 
mit Slac oder Flaͤck, als mit Sole, SólíEen, plica 
paruula, movon e8 der gargu finnreiche Raͤthſelmacher, 
Hr. vonder Hardt, ehemahls herführen wollen, in feiner 
| Epiftola de Origine vocis Polizza. | 
flarren: fchneiden, einen Schnite geben. Iſt aus der Poͤbel⸗ 
Sprache. | 
Flarre: Schnitt, oder Hieb. S. €. fEene Slatre oͤver 
de Bakken. Ä 
(flarrig: übel zerſchnitten. M.) 

(Slafcbe, Flaſch⸗ Appel: Kürbis. M.) 

Slate, fiehe fleben, 

StebPen, oder SlóbPen : ift bey Fleinen Kindern ein dreyeckig⸗ 
tes Borgebinde vor bie Stiene, beffen Spige oberwärts 
auf dem Kopife befeffiget wird. Beym Srauenzimmer 
aber, infonderheit bey Wittwen, ift e ein tiem Band 
von feiner Leinwand, Sammer ober Flohr, und roann e$ 
eine niedermärts gefehree Spitze hat, wird es eine 

Snibbe genennet, worin man (id) nad) der Tieffe der 
Trauer richtet. fleden: 





| 6o IDIOTICON . 


fleden: flieflen. 
. ledig: flieſſend, weich, geſchmeidig. Z.E. Sledig Ein 
nen, fledig Kedder 1c. 

Slate heiſſet zwar befonders eine Flotte, überhaupt aber das 
treiben oder flieffen eines Dinges auf be Waſſer, wel⸗ 
dyes wir fonft nemen de Drift. Daher per metapho- 
ram: ín ber Slate: im Gebrauche, im Gange. Z. €, 
Dat Meſt is alleyde in der Slate: bas Meffer ift inv 
mer im Gange, und muß (id) von iedermann brauchen 
laſſen. 

Fleth: 1. En Gand der ducch die Stade gehet, mb fchiff 

| t ift. 
Sprw. Dat falle ín't Stech: bas ift uͤmſonſt: 
bas fälle weg. 

Fleth⸗Kyker: Auffeher auf bie Canaͤle, baf (ie 
niche verunreiniget werden. 2 
2. Geräthe und Rüftzeug der Schiffe, bie auf bie. — 

Grönländifche Fifcheren Fahren. 
(sth , flöden, upfldden: Fluch, fluchen. Et bett 

3 nob twee Stünden to flóben : bas Waller Dat nod) 
zwo Stunden anzulauffen. Et floͤdet hart ínz e$ 
wächfee fehr an. 

. Slöte (o: 1. Zlüffe: rheumata. Gall. fluxions. 
| Sprw. He bett Slóte im Koppe: Er 
bat eigene Einfälle. Dat find Floͤte, 
de móten eeren Willen bebben: 
das muß man gefchehen faffen, weil man 
es nicht ändern kann. | 
2. Floͤſſer: rates: Balcken und Bäume, die 
nicht geſchiffet, fondern verbunden und ger - 
flöflee werden. 
flott: treibend: flottant. Dat Schipp is noch nich 
flott: es fißet nod) am Grunde. 
&lotts Holt: 1. Hol, bas geflóffet wird. 
2. Das Hoͤltzchen, oder Korck an ber Angels 





"— 





Schnur, 


* 


& 
HAMBVRGENSE. 61 


Schnur, welches auf bem Waſſer teeibet, und nad) 
der Tieffe geftellet wird, aus beffen Bewegung 
man merdet, ob der Köder angebiffen werde, 
leetjen: Flitte: phleboromum: lancette. 
eyen: 1. proprie: zieren, putzen: ornare. 
Cflye Danorum, vcl, vt olim ſcribebatur, ffi 
nop tantum eft ornare, fed víitatius reparare, 
farcire, atque tam de aedificiis, quam de vefti- 
bus dicitur flye og fliffe, G.) 

2. metaphorice: ſchmeicheln, loben, fiebfofen. He 
weet em ſo to fleyen: erweißihmfoden Fuchs 
zu ſtreichen, oder gute Worte zu geben. 

upfleyen: aufputzen, it. ordentlich unb zierlich aufftellen. 
Dat Huus upfleyen: das Haus aufzieren. Dat 
Tuͤg upfleyen: das Gerärhe an feine Stelfe fegen. 
Dat Lyk upfleyenz das Leichen⸗Tuch und Kreug über 
. den Sarg legen, wozuin Hamburg eine überflüffige An⸗ 
zahl der Anverwandtinnen pflegten erbeten zu werden. 
Auch brauche man diefee Wort infonderheit von der Waͤ⸗ 
fbe, mann diefelbe wieder in bie Zalten gebracht wird, 
wozu bie fo genannten Strykerſchen und Lpfleyers 
(cben gebraucht werden, | 
uthfleyen: zur Schau auslegen. Wird nicht allein von 
den Krämern gefagt, die ibre$áben ausftaffiren, fonbern 
auch vom Frauenzimmer, bas feine Waare ausleget. 
(Bisweilen Deiffet es fo viel, als uthrakken : gus« 
filtzen. M.) | 

(Etiam nos at flye tib, codem fenfu dicimus, nec 

tantum de mercibus, quae exponuntur, ſed & de qui- 

buscunque rebus, quac ex cellis, promruariis &c. 

expromuntur. alias Udleverer. Sic obfonator vel 

cellarius expromit edulia ad: culinam: flyer ud til 

"Aófenet, Sic Material. Sorwoalteren flyer Doͤm⸗ 

mer, Jern 1c, ud til Doͤmmermanden. G-) 
infleyen: einframen, einpacken. 





. vtofleyenz 


62 IDIOTICON- | 
tofleyen :- zuſchmutzen, unfauber machen : inquinare: | 
catachrefin dicitur. Sonſt torakken. Sleye oy fo | 
‚nich to: mache bid) nicht fo garftig. | 
Ctofleyen noftratibus Dilflyer, vel flyer till, ER | 
generale verbum f. wiror, tam in bonam, quam in 
malam partem: quemadmodum & dilreder: zureiten. 
Sicut enim dicimus: flyer fig ildetil, quod eft inqui- 
nare fe, ita neque minus gel tilflyet; quamuis prior 
ille vfus frequentior. G.) 
lege (5): Schmud. e bett even gantzen Flege an: 
fie träge ihren gangen Putz. Inſonderheit der Kopff⸗ 
Cdynu des Frauenzimmers: la coiffüre. Den 
Flege upfetten: fe coiffer. 
Nacht⸗ Slege: Kopff-Zeug bey Nahe. 
Slinter s Slege: geringfchägiger Aufpug: legére pa- 
rure. 





Uthflege: wird gemeiniglich Verachtungsweiſe geſagt, 
und bedeutet einen naͤrriſchen Kleider⸗ Schmuck. 
Flegemakerſche: Aufputzerin, Putz⸗ oder Fontangen⸗ 
macherin. 
Fleute: 1. Pfeiffe: tibia. 

2. Eine Art langer und unten zugeſpitzter Trinck⸗ 
Glaͤſer. 

3. Eine Art dreymaſtiger Kauffahrdey⸗Schiffe mit 
ſchmalem Spiegel, die eine ziemliche Laſt fuͤhren 
koͤnnen, und vielleicht von ihrer $ánge unb Ruͤnde 
ſolchen Nahmen haben. Angl. Fly-Boat. Belg. 
Fluytſchip. | 

Sleuten: metaphorice: (üffe fügen: fuauia mendacia: 
fiftula dulcecanens. Hexifchius in Thefaur. p. 1143: 
fleuten: metaph. mentiri, blande dicere, und eben fo 
vom Hollaͤndiſchen Lamb. 2en Kute P. TI. p.179 : Fluite: 
mendacium blandum, fallacia: f/uizen : blande dicere, 
mentiri. Daher ifts, daß aud) unfere Hamburger, mant 

fie etwas unwahres verwerffen, oder etwas mislingendes 

ver⸗ 


HAMBVRGENSE. . 63 


verſpotten wollen, zu fagen pflegen: ja ! Sleuten ! item 
Fleuten (ünb bale Dypen , i.e. das war Wind, da 
ward nichts aus. Möglich ifts, daß mit biefem Begriffe‘ 
des nichtigen und verlohenen aud) bie bey ung gewoͤhn⸗ 
liche Redeng-Art fleuten gahn verwandt ſey. 9. C. 
He geit fleuten: er verläuft, oder gehet verlohren, 
Dat Geld is fleuten gahn: eas Gelb ift fort... Doch) 
will id) mich einer be(feven Herleitung diefer fonderbaren 
Redens⸗Art gern belehren laffen. 
(Fleuten gahn : Cogitandum, an non a Flyfve, i. e. 
' volare, qu. dic. euolauit, aufugit , & e conſpectu ela- 
pJum eft : ift weggeflogen. Fyht Anglo-Saxonibus cft 
- Yolatus, it. fuga, a flean & fleon, volare, nec non fu- ı 
gere. G.) Diefer gelehreen Muchmaffung würde der 
Beyfall nicht zu verfagen feyn, wenn nur oon dem Nies 
derfächfifchen Stamm Worte flegen, das fleuten (o 
Far fid) wollte herleiten laffen, als im Englifchen von 
ro flie oder to fly fommt Flight. 
achterna fleuten: vergeblich wieder zurück ruffen, wie 
y €. ein Bogelfteller, wanndie Vögel fort find, oder wie 
einer feinem entlauffenen Hunde ümfonft nachpfeiffer. 
lickfloyen: heruͤmſchwaͤntzen, iedermann nad) bem Maufe 
. reden und ju Dienfte feyn wollen, wie es die Schmaroger 
‚machen. Scheine ein Holländifch Wort zu ſeyn. 
Kickfloyer: ein leichtſinniger Schmeidyler , der bald Die 
^ balddafuchsfchwänger: leuis ardelio, varius adulator. 
"^ Angl Fawning fellow. Das Gegentbeil ift ein beftän- 
biger gefeßter Senf: homo cordatus & grauis, 
fink: hurtig, fertig: alacer, promtus. (Etiam Danicum.G.) 
Andermeitig nitidus, corufcans. Siehe des Spaten 
Sprach⸗Schatz. p. $19. | 
flincken: upflincken: (djmüdfen, engen, aber nur zum 
äufferlichen Schein und einen Staat zu machen, der 
nicht viel foftet. 
Klinter-Staat, Slinter-Slege: ein Aufputz, der ſtarck ing 
Auge fallt, aber wenig werth ift. ame von SEHEN 
wekhe 








\ 


64. | . IDIOTICON 





welche im Hochteuefchen heiffen Flittern, im Hollaͤnd⸗ 


ſchen Flentern. Andere (agen aud) wol Flincker⸗ 
Staat, von flindern, glängen, wie Flitter⸗Gold. 


(Sticen : Grillen, Flirren in de Platte: Grillen im | 


. . &epfe. M) 

Flitz: Pfeil, Flitſch. Gall. féche. 

gli» Bogen: Flitſch⸗ Bogen. 
flöden: ſiehe unter fleden. | 
Flomen: 1. Das Bauch⸗ ober Nieren-Fett in Schweinen; 

wie aud) das Fett in den Gänfen, Hünern umb 

einigen Fiſchen. (Etiam Danicum. G.) 
flömig: mas von einer darauf treibenden et 

figfeit oder anderm phlegmare unret ge 
efflömen: die obenſchwimmende Gettigfeita 

nehmen. 


Cutbflömen; das Fett aus den Thieren neh⸗ 
men. M.) 


e. Schuppen unb Floßfedern. 
Sprw. von einer ſchweren und muͤhſamen 
Sache: Dat is een harden Fiſch tofló 
| men: i. e. abzufchuppen. J 
Flotze, oder Floͤtze: Maul, Mund. Der grobe Poͤbel ſagt: 
.  eenen up be Slope geven: einen aufs Maul geben. 
flubbern: unbedachtfam und unanftändig daher plaudern. 
He flubbert alles berutb : er fhläger alles ohne 
Bedencken heraus, 

Flubberer, Flubberup: eölpifcher Plauderer, Geiferer. 
Fluͤchtjen: Flocken: æ ooxideg. Man nennet aud) Fluͤcht⸗ 
| jen die Fleinen fpigigen Nägel mit Flocken, bamit man 

aug Blaſe⸗Roͤhren zum Ziele (cbieffet, 
fluttem : in eine (duele Flamme auffahren, wie 5. E. Stroh, 
Hanf, 1mb dergleichen duͤrre Feuerfangende Sachen, 


upflukkern: duch bie Flamme geſchwind verzehret 
werden | 


d 


| Sun; 


| 








\ 


HAMBVRGENSE. ^ 6; 


Funk: Flügel, Fittich. | 
Fedder⸗Flunk: Kehr⸗Wiſch von Federn, gemeiniglich ein 
Gaͤnſe⸗Fittich. 
lunckern: glaͤntzen. Et per Aluſionem metaphoricam, 
fuchsſchwaͤntzeen. 
Fluncker⸗Sand: glängender Streu⸗ Sand, 
Juttern: flattern, unvermoͤgend fliegen. 
ben: nehren, futtern: alere, fouere. Belg voeden. (Dag, 
Föde. G.) Siehe Stiernhelm Gloffar. Goth. in fodan, 
Wer zu Etymologiſchen Kuͤnſteleyen Luſt hat, der mag 
mit helffen das Wort feudum oder feodum von dieſem 
foͤden ableiten, wovon Werckes gnug gemacht wird in 
den Gundlingianis T. I. p. 21 fqq. 
Foͤdſel: Nahrung. — Belg. Voedſel. 
féofam: nahrhaft. 
upfoͤden: großfuͤttern, it. auferziehen. 
Foͤhle: die Stelle am Ochſen, wo man greiffet oder füßter, ober 
fett fey; in fpecie bie £ ance. 
Hals⸗Foͤhle: bec Griff am Halſe des Viches beym Vor⸗ 
der 2 Öug. 
Talg⸗ Sóble: der Griff am Sal. 
Sette: Ein dreyeckichtes Borderfegel auf Schmacken unb ans 
deren kleinen Schiffen. 
"Als SoEEe: 'eine kleinere Focke, welche vor der gröfferen 
auf bem Boegfpriet befeftiger wird, 
Fokke⸗Maſt: der vorderſte Maſt auf groſſen exe 
Schiffen. 
Joot: Fuß. Graves Hoores: : ſchweren Fuſſes, grob 
Big dte all na de Beddſtede: Si 
Se de Foͤte all na de ede: Sie 
(e. * * Fuͤſſen einwaͤrts. Scoptice: 
Sie will beyliegen. M.) 
Se ſuͤnd up den achterſten Foͤten to bone 
‚we: ejoa i bass an einander geratpen. 
on Sow | 





66 IDIOTICON 


Foot Sparen: Fußſtapffen: PAL an mt ep 
ten, Spuren; daher upfpsren | 
«oot -Tüg: Schue und SDantoffei. 
för: vor. | 
Sprw. Ick buͤn dar nu för; ich mutt dar bec: 


Ich fan. nicht wieder zurück ziehen. Ich babe Y 
gefagt , ich muß aud) B (agen. M.) à 











Görbaden ( Babe. 

porn holen. 
foͤrkamen ſiehe kamen. 
Foͤrkopp | Kopp. 
Foͤrkoſt Koſt. 
Foͤrpahlen \ Pahl, Ä 
Foͤrſetten, Foͤrſettung: Bollwerk at Waffer, Dahe in 





Hamburg die prs Gaffe an bet offenen Elbe genau 
wird: Up de Foͤrſetten. | 
Forke: Gabel. Meß Forke: Miſt⸗ Gabel, 
Foß. Siehe Voß. | 
Foß utb nich: durchaus nicht. Iſt eine lãcherliche Redens⸗ 
ai unfers Pöbels, und foll bielleicht beiffen; par force 
nicht, 
Franſche Spieß; eine artige Verhuntzung des Montes 
c Frontifpice, womit unfere gemeine Bau⸗Leute die Ver⸗ 
dachung eines Aerckers benennen. | 
Sraulecf, ic. Fraukenleef: liebe Frau. Blanda rel 
Fret⸗Buͤdel: Vielfraß: gourmand. | 
Seite, ic. $ettbabr: ein Eleiner Hand Bohrer, Reis 
Writtbahr. 
Frittup: 1. ein groſſer Freſſer. UM 
2. eine Gafterey. Dar io een grooten Frittup: 
da iſt eine groffe Freſſerey. $ _ 3 
E breit, Fühn, freymuͤthig. 
Freypoſtigkeit: Kuͤhnheit. Verdenckt my myn 
— nie Din mic meine Uf zu 
gu. M) - Sof 





HAMBVRGENSE. 67. 


froſt⸗Koͤtel: froſtiger Menfch, ber Feine Kälte dertragen 
kann. Didterium plebeium, 

Frucht, an (tat Furcht, ift bey uns eine fehr gemeine Aus⸗ 
ſprache. 2. G. Gottefrucbt, gottefrücbtig. Jener 
Hamburger munderte fi, daß man ibm rieth, eine 
Wiege zu Fauffen, als er von feiner gebánbigten böfen 

^ Grau (agte: Frucht bebb' ich darin bracht. 
Quó6ben: fumpen, fappen. W 
fuddig Tuͤg: alt verlegen Zeug. J 

"ubl: faul, ſchmutzig. Fuhl Tůg: ſchwartze Waͤſche. €ubls 
d enubt; ein a * n: i 9 
( Mettje fuhl m den Soom: Schmus-Nidel, 
eoe &nubt hebben; ein lofes Maul brauchen, 





Cfullbellig: bif, fett: corpulent, M.) 


(fumfumfeyen: (uftig fiedeln unb tanen. Ein Wort, das 
den Schall eines Bogen- Strih8 auf der Geige aud: 
drücfen fol. M.) 


verfumfumfeyen, ic. verfumfeyen: wollüftig verthun 
durch Wolleben verſchwenden. E i " bun, 
fammeln : müffia herum ſchwaͤntzen. Wird eigentfid) vom. 
Frauenzimmer, in Abficht auf ihre langen Roͤcke, ge(agt. 
d A Ham⸗Eebene & 0! 
en: heimliches Hand-Geberde treiben. Yat elt 
he dar? Was macht er da, das niemand confe 
. wersfunffeln: unter der Hand meg» unb über die Seite. 
ingen, 
Fuͤr: Feuer. (Sprw. een beetjen Fuͤr by eenem balen ; 
einen gar zu Furgen SSefud) abftaten. M.) — - 
Fuſel: ſchlechter Brantewin. 
(fuſſeln (ss molli): mit ben Fuͤſſen ſpielen. M.) 
fuſſig (ssmolli): locker, fofe, faſelicht. Suffig Tüg: ein 
“Zeug oder Gewand, das Feine Feſtigkeit hat. s 
futtfyren: ſ fyren. | 
|| 8&3 Gadder: 


68 IDIOTICON 


©. 

Gadder: Gitter: tranfenna. Komme entweder von Gatt, 
weil e$ löcheriche und durchſichtig ift; oder von gad⸗ 
dern, d.i. zufammen bringen, aneinander fügen: con- 
iungere, contexere; daher vergaddern: verfammeli, 
item mit einem Gitter fchlieffen. He bett (yne Sinfte 
vergaddert:; er hat Gitter vor feine Senfter gemacht. 

Bade: Sarte. | 

Badung: Gattung. Ick finne hyr myne Gad 
nib: Ich finde Bier Jat was ich fud. ote, —— 
anſtehet. 

gadiick: ziemlich, hinlaͤnglich, was mitgehen kann: pas- 
Ce . 





Weddergade: gleicher Gattung. — Belg. Weergae. 
Baespeerd : ift 6ey ung der Nahme eines im Sommter fliegen 
- den Infecteg, welches aug einem Waſſer⸗Wurm ſich ver⸗ 
wandelt, und einen langen ſchlancken £eib , zwey grofk 
Fliegen⸗Augen, und vier lange ducchfichtige Flügel fat, 
unb feine Eyer wieder ins Waſſer träge. Sie werden 
fonft ing gemein "Jungfern, oder Nymphen, fatte 
nifd) Libellae, Stanjófif) Demoitelles, und, wegen der 
runden Dellen Köpffe, ^ytaliánifd) Perle genannt, Es 
giebt ihrer mehr als eine Gattung; doc) find in unfern 


Gegenden vornehmlich zwo, davon wir eigentfid) die | 


Eleinere, welche glängend blau iſt, Jumffern ode 


Jungfern zu nennen, der gröfferen braun-gelben abet 


ben Nahmen Baespeerd (d.i. wie ic muthmaſſe, Ga⸗ 
despeerd) zu geben pflegen. Denn, daß dieſer Nahme 
(wie einem vornehmen Freunde beyfallen wollen) quaſi 
Aas⸗peerd heiſſen folle, quia crabrones ex equorum 


carnibus putridis nafci dicuntur , ſolches bat feinen. 
Grund, indem bie Baespeerde gar nid)t zum Ge ' 


Us fhlechte der Sotniffe und Aas- Fliegen gehören, aud) 
mehr für nuͤtzlich, als ſchaͤdlich gehalten werden, weil fie 
B | die 





"ER 








 HAMBVRGENSE. 69 


die weiflen Zwiefalter wegfangen unb fteffen. Im 
Brandenburgiſchen nennet man fie Schillebolte, und 
fagt Hr. Io. Leonh. Friſch, welcher alle Arten fleiffig ana- 
 tomiret, in feiner 2Sefcbreibung ber Infecfen, P. VIII. 
p. 16, daß faft iebes Sand, ja faft iede Stadt, biefet Thier- 
hen einen andern Nahmen gebe: wie denn der Nahme 
| Gaespeerd bey ihm gar nicht zu finden. 
Gagel: Zahn⸗Fleiſch: gingiua. 
Oſſen⸗Gagel: Ochſen⸗ Gaumen. 
(dat geit darmit: das hat den Vorzug. M.) 
tegabn md afgabn: antreten und verlaffen, nehmlich 
Dienfte bey —— | 
Togahnel⸗Tyd: bie Zeit, ba das Geſinde an- und abgeher, 
melches bey uns it auf Himmelfahre und Martini. 
fic? vergahn: (id) mit einander wol begehen. Vielleicht 
hardiefes Wort feinen Urfprung aus vergaben, b. i. bes 
Hatten, zufammen ſchicken, und find hernach die tempora 
von gahn aus Irrthum formiret, nachdem man einmapl 
contracte vergaan oder vergahn ausgefprochen. 
(Sprw. Ce vergaht fic, man ore de ſlaat ſick. 
Wird vornegmlich von tiebes-Sachen verftan- 
ben, wo bet dritte Mann nichts nuͤtzet. M.) 
Sonft braucht man es auch überhaupt, wann 
mehr als Zweene etwas zu theilen haben, oder der 
Anforderer an einem Dinge zu viel find. 
, et verggeic fick; es ift fo ziemlich; es gehet wol Din. 
galſtern: geilen: flagitare; inuerecunde petere. M.). 
alſtrig: fauffchmeckend, Wird infonderheit vom Speck ges 
jagt wann er verdorben ift, und einen übeln Geſchmack 
ommen bat. 
Sarbrader: Garkoch. 
Bardinen : Vorhaͤnge. M.) | 
tarneeren, qf. gardeneeren: im Garten arbeiten. M.) 
€ 3 Garve⸗ 





7o IDIOTICON 


Garve⸗Kamer: Sacriftey. Einige, fo diefes Wort nidy 
kennen, meinen, es müffe beiffen Kark⸗KRames: Kir 
diens Kammer. Allein, Garve ift einaltes Saͤchſiſches 
Wort, welches an Thieren das Fell, exuuias (daher qav 
ven: gärben), an Menfchen aber bie Kleidung bedeutet, 
MWeswegen bie Garderobbe der Geiftlichen, worin it 
Gewand verwahret wird, die Gerve⸗ oder Oárot/ Aw 
mer genennet worden. | 


(Rc&e. At quicquid fit de exuuiarum feu vefiun 
notationc in Garve, arbitrarer, locum illum in temple 
fuiffe fic dictum, quia ibi Sacerdotes veftibus facrisin-] C 
duebantur, & ad facrum officium fe parabant, Nam 
in prifca Anglo- Saxonum lingua gegearwian cft pa 
rare, & gegearwod paratus. G.) 


Ob bas Angel-Sächfifche gegearwian ein folches be 
reiten bedeute, als derjenige thut, der (id) anzieher, oder 
als der Gürber, der dag Leder bereitet, will ich niche unter⸗ 
ſuchen. Es fann beides in einem Zimmer gefcheben, fo 
wol die Verwahrung, als bie Anlegung der Kleider, 
Gnug, daß es mit dem Worte Barve feine Richtigkeit, 
und bie Kammer daher ihren Nahmen bat, Mir ift ein. 
altes Teftament zu Gefichte gefommen, worin, bey Be⸗ 
ftellung der Seel-Meffen, verordnet wird, daß der Pfatfe 
etliche Schillinge mehr haben folle, wenn be dat 
Garve antübt, b. i. wenn er im vollen Gemanbe am 
Altare erfcheiner. 


cnt dem alten und febr feltenen Wörter-Buche, wel 
ches Gerbardus de Schueren, ein vornehmer Seiftlicher, 
und des Herzogs von Cleve Cantzler, in zweyen Theilen, 
aus dee Hugwicionis Teuthoniſta und des loannis la- 
nuenfis Catholico, al8 ein Lexicon Germanico-Latinum 
und Latino-Germanicum, auf gut Flaͤmiſch zufammen 
getragen, und zu Coͤlln 1 477. fol. drucken laflen, finbeid) 
gefchrieben Gherkamer, welches überfeßet wird Vefti- 
bulum, armarium, facriftia, archanum, archiuum, und 
vorher batte ecbas Wort bere auch erfläree lyppey 


Old, 








, HAMRVRGENSE. 71 


ora, fimbria. Mys bete (Meß Gewand) orna- 
menta. Ob nun dieſe Schreib⸗Art unſere Gerve⸗ 
Kammer auf einen andern Urſprung fuͤhren koͤnne, oder 
^ *5 Ghere und Gerve mit einander verwandt ſeind, fol; 
ches will id) Sprach⸗kundigen zur Erkenntniß uͤberlaſſen, 
wie imgleichen, ob nicht von Ghere das Wort Gerade 
GGeraͤthe) herkommen moͤgte, welches beſagter Vocabu- 
' "larius Teuthonifta erfläret vordel dat dye Vrouwen 
fteruende geuen an achtergelatene , und überfeßt e$ 
Cleynode, Exuuie. 
aſt: bat (auſſer der Bedeutung eines peregrini und eines 
“ - conuiuae) bey ung einen weitlänfftigen Gebrauch in af» 
lerhand Redens- Arten, womit wir einen befonderen 
Maenſchen loben oder fchelten. Z.E. Een groten Gaſt, 
een ryken Gaſt, een kloken Gaſt; een loſen Gaſt, 
een verwegen Gaſt, een kettelharigen Gaſt 1c, 
Und Ironice: Dat is de rechte Gaſt; ſa du biſt een 
ſchoͤnen Gaſt 1c, 
ate: ſiehe geten. 
ſatt: od): foramen. (pure Belgicum. G.) Sed & Anglo- 
Saxonice gat, geat oftium fignificat, quia foramen eft, 
Áeu aedium apertura. Eadem ratio eft podicem appel- 
landi, c. gr. fittet up ju Gatt 1c, be mutt jümmer 
eenen achter't att bebben:z ermuß aflezeit iemand 
. mit (id) haben. Auch nennen wie, ben Holländern zus 
folge, Batt eine enge Ein⸗ oder Durchfahrt in Gemäß 
fern, 3. €. am Munde der Eibe dar Norder⸗Gatt, 
dat Suͤder⸗ Batt 1c. 
1? geſchwinde, hurtig: ccler, agilis. He was my to gau: 
et war mir zu geſchwinde. | 
gau: aduerb. cito, celeriter. abt gau tà: gehet hur⸗ 
fig zu. | [ 
Gauigkeit: Behendigkeit, Geſchwindigkeit. In der 
Gauigkeit: im Sy. | 
Gaudeef: Gaudieb, Spitzbube. 
&-4 geboͤh⸗ 


* 





74. ; IDIOTICQN 


einwiegen. Se kann ſick hyr nicb togeven: fie kam 
ſich zu dieſem Orte nicht bequemen. De Krancke gift 
ſick gantz to: b. i. er begiebt fic) aller Lebens⸗ Hoffnung, 
und überläfft fid) ſtille und gedultig feinem Schickſale. 
Uthgave: Ausgabe, Wird aud) von einem loſen Maule 
gebraucht, manit es z. E. heiſſet: wat hadde fe eene 
gone! was gab fie oom Munde wie zog fie laͤſter⸗ 
id) los! 
gewahlig: gewaltig. Iſt die Mund · Art unſerer Vier⸗Laͤnder. 
Gewahlig groot; gewaltig groß. 
Gygel: Geige. 
gygeln: geigen. 
begygeln: betriegen, hintergehen, gleichſam was ſuͤſſes 
vorgeigen. 
Brummgygel: Baß⸗Geige. 
gyren: geilen, hefftig tegere und verlangen. — He Bytet 
darna: et will es haben. 
Gyr: Subftant. De ole Gyr: der alte Geitzhals. 
erg: begehrig, gei&ig. (Sprw. Byrige Gerhard: 
pott⸗Nahme eines Gleigigen, M.) 





(Byrigteit bedruͤgt de Wysheit: wer gar zu viel haben 


will, handelt thoͤrlich, und wird betrogen. M.) 
giſſen: muthmaſſen, waͤhnen: coniicere. 
entgiſſen. (Sprw. Den Olen kann man wol entlo⸗ 
pen, man nich entgiſſen: den Alten kann man zwar 
entlauffen, aber nicht ihrer Klugheit. M.) | 


fic? vergiffen: irrig muthmaſſen. 


— 








Giſſung: coniectura. Na Giſſung: nad) Bebünden, | 


muchmaßlid). 

glaren: Dat feine eigene Debeutung beyden Speifen. Wann 
z.E. auf einer Sauce die eingerührte Butter (id) abfons 
dert, und allein zu ſtehen kommt, fo ſagt man: de Bot⸗ 


glarig: was geglaret ift, und darnach ſchmecket. nate 
| e 


HAMBVRGENSE. * 95 


|. dmn bie Ces Fifche, wann felbige nicht hart unb flei⸗ 
ſchicht, fondern weichlich, locker unb ducchfcheinend find, 
nennet man fie glarig. 


glatt: fchön, geputzt. Een gladden Kerl: einfchöner Kerl; 
een glatt Huus: ein wackeres Haus; fict glatt mae 
ten: fid) aufpugen. 


glau: helle, ſcharff; wird eigentfid) von den Augen gebraucht. 
n Paar glaue Oogen. — £e (übt ſo glau uch: 
Er bar Delle unb flare Augen. | 
gley: ift eben bas, as glatt. Eene gleye Deren: ein made: 
res Mädgen. Bon einem Bette-Staat, oder Huren- 
Pus, brauchen einige das Sprichwort: Buten gley, 
un binnen o wey! Sie gleiffen (bón von auflen. Und 
Fann wol feyn, bafi das Wort gleiffen von diefem unfern 
. ley feinen Urfprung habe. 
glinſtern: glängen, fundeln: (plendeícere. Sic & Theutho- 
. nmifta: glynſtren, bienden. TE 
tilíppen: gleiten, abgleiten. Glippen laten ; aus der Hal- 
tung laffen, abſchieſſen laffen. 
afglippen: abfallen, infonberbeit warn etwas zu kurtz 
auflieget. 
verglippet: verglitten. | 
Glipp⸗Oogen: böfe Augen, bie (id) etwa verdrehen ober 
verſchieſſen. Wann temand einem andern denjenigen 
Sehler vorruͤcket, den er felber an fid) Dat, fagen unfere 
feute im Cprid)morte: Een Duͤwel hetet ben anbern 
' Blipps ode. 
( Puto G in hoc vocabulo ex duriore confona K 
effictum. Noftri enim dicunt Klipp-öjet & Klipp-öjne. 
At Elippe eft forfice fecare. Atque hinc Metaph. 
Elippe med ójnene, i. c. frequenter oculis nictare. 
Vnde cognomen Regi olim Danico Erico Glipping, 


vt nonnullis exiftimatum: vbi & K videmus in G 
mutatum, G.) 





gloͤren 


76 | IDIOTICON 


r loͤren (ey): glimmen, gluͤen, mie infonderheit bie Kohlen, 
s ohne Flamme. Daher angloͤren, doͤrgloͤren, upgloͤ⸗ 
ren, uthgloͤren * ihe 
(Danice: At qlóbe, giennemgloͤde, udgloͤde: 
atque eft à Ghd, * P danglo: Sax. dui idem.. 
Gledfaet, ignibulum: glowend, igne candefcens: 
quod & Danice hodienum dicitur gloenbe, G.) 


gloͤven, ober per aphaercfin Sven: gläuben. Wird bey uns 
von gemeinen teuren gar wunderlich gebraucht, wann (ie 
etwas unvermeidliches andeuten wollen, dem man nicht 
entgehenfann. 3. €, He mutt daran glöven: er 
muß daran, er Bann nicht loskommen. 
[ * nicht frey aus ben Augen fehen: coruum videre; 
5 "Pe liberaliter , vel infidiofe en 
anglupen: anfihielen, mit niedergefchlagenem Geſichte. 
glupiſch: tockmaͤuſeriſch. | 
Glup⸗Toͤge: heimtuͤckiſche Streiche: infonderheie toam 
einer, ohne bed andern vermuthen, durch einen heimli⸗ 
en Zug etwas zu fid) raffet. 

(Glupen, fufpicor, dici proprie de infidiofe adfpi- 
cientibus, vt incautos inuadant &arripiant; recteque 
de canibus , tigribus & fimilibus vfurpari, metapho- 
rice de hominibus. : Hinc gdupifch, Dan.glubsk, rapax, 
ex inídiis inuadere & arripere promtus, Vid. & 
Stiernhielmii Gloſſar. ad Euangel. Gotb. p.723. b. G)- 


gnabbeln, begnabbeln: ſiehe Enabbeln. | 
gnaddern, & contracte gnarren: murren: eigentlich der 
Hunde, warn fie beiffen wollen. 
gnadderig, gnarrig: murrifch, verdrichlich, zaͤnckiſch. 
(Annon & hic, in gnarren G ex K? Nam at Enarre 
& Enutre in noftra lingua eft murren, zancken. Hinc 
knarck, Enur ꝛc. Apud Anglo-Saxones gnyrran eft 
ftridere. Gnaddern noftratibus idem fere ac rodere, 
alias at gnave. — Frequentatiuum fcilicet Tg gnave 
eít gnaddern. G.) Diefes leßtere buͤrſte in Lo 
nicht 





HAMBVRGENSE. 77 


nicht durchgehen: weilbey ung gnauen zwar mitnageny 

Bäuen , aber gar nicht mit gnaddern oder Enarren 

verwandt ift, mir aud) von gnauen Fein anabbern, 
ſondern gnaueln zum frequentatiuo machen, 
gnaſtern: fiehe Enaftern. 

Gnatz: Grinb, Schurff: feabies. 

gnatzig: ſchaͤbicht, grindig: fcabiofus. 

gnauen: beiffen. Metaph. gandfen, lofe Worte geben. Se 
deit nicks ae gnauen un pauen; fie zancket umb 
beiffet immer, BENE | | 

Umgnauen? ümbeiffen, wie ein gezerreter Hund, 
unaueln, begnaueln, afgnaueln: nagen, benagen, abs 
nagen, wie der Hund die Knochen, u 
gnegeln: Fargen, genau feyn, . 
gnegelig: filtzig, geißig. 
Gnegeler: Knauſer, Lauſer. 
gnetern: ſiehe knetern. Gneter ſwart: pechſchwartz. 
ynybeln: glätten, plaͤtten. He ſuͤht uch, als wenn be 
gnydelt is: et hat ein fettes und glattes Geſicht. 
Gnydel-Steen: ein platt-runder Ball, von hartem Holtze 
mit einer Handhabe, oder von gegoffenem Glafe, womit 
das feinens Öeräthe gepláttet wird. 
znyfeln: lächeln: fubridere. 

Bnittern; Trümmer: Toiuuare: fragmenta rei durioris 
contritae. To Gnittern un Betjen ſlahn in kleine 
Stuͤcke ſchlagen. 

mucken: ſtoſſen. Conf. knucken, allwo vom Flachſe, rose 
ches gleichſam Stoßweiſe zuſammen gedrehet wird. 

Gnuck: ein Stoß. He gaff em eenen goden Gnuck 
hen: er verſetzte ihm einen derben Stoß. 

murren: ic. Enurren (quod & Danicum. G.) murren, 
brummen. - Conf. gnarren. | 

Gnurrputt: Sauertopff, murriſcher Menfch, - 





78^ IDIOTICON 


Bohr (on): Fleines Kind. (Vertagene Goͤhren: verzär- 

telte Kinder. M.) 
Goͤhren⸗Putzen: Kinder -Poflen. - 

Goͤhre (om): Gehrung, Johre: fermentatio. Dat Beer 
(icit in de Goͤhre: bas Bier ftehet in der Gefrung. 
Per Metonymiam caufae pro effectu wied biefes Wort - 
auch gebraucht für den Geſchmack des ausgegohrnen. 
3.E. De Wyn bett eene gode Goͤhr: d.i.erfchme 
cket rein und wol ausgegohren: er hat bie Lieblichkeit udd 
Staͤrcke der reinen Traube. | 


good ſchehn, quafi gut gefchehen. Iſt bey ung eine eigene 
Redens⸗Art: latet man good ſchehn: lafft es nur 
gut, oder wolgethan ſeyn. (Wo Eann de Welt mebr 
ood fehehn? wie fann es den feuten noch mol ges 
en? M.) | 
(39906: Gans, De dumme 0068: der einfáftige Menſch. 
(Sprw. He geit in de 0906: er gehet ohne Gedan⸗ 
dens er weiß nicht, was er thut. Achter eenander ber, 
48 de Dlenlander Goͤſe, (agt man von denen, dieein- 
zeln hinter einander hergeben, ohne Paare und Glieder 
zu halten. M.) 
Gooſe⸗Flick: fiebe Hlaͤk. 
Goͤſſelken: kleine junge Gaͤnſe. | 
begoͤſchen: bereden, mit guten Worten zufrieden ſtellen. 
Nehmlich, einfáltige $eute faffen (id), voie eine Dumme 
Sans, leicht was vorſagen. Doch mögte begoͤſchen 
aud) herzuleiten feyn von begóben, begödefchen, d.i. 
beguͤten, befriedigen. 
Soſe⸗Elve: bat ihren Nahmen nicht von den Gaͤnſen, fot 
dern, wie Ericus Pontoppidanus in Theatro Daniae 
P.I. p.226. vermeinet, bon bem alten Worte goeſe oder 
* welches ſo viel als trocken bedeutet, weil ſelbiger 
Canal nicht gar tieff. Conf. doof, geeſt und guͤſte. 
Goͤte (on): ſiehe geten. | 
Bott vergeue all wat Sünde is, Iſt eine gemöhnliche 
Formul 








HAMBVRGENSE, - 79 


. Formul derjenigen, bie etwas fagen oder hören, was fie, 
| bermeine nicht ohne Sünde fagen oder vernehmen zu 
nnen. 
Gotts⸗Brodt: Almofen. Um een Gotts⸗Brodt: (ebt 
wolfeil, welches wir aud) Bades Koop nennen. | 
Gotts⸗Wahnungen: freye Wohnungen für arme $eute, 
üm Gottes willen geftiftee. 
grabbeln: greiffen. 
begrabbeln: begreifen, betaſten. ⸗ 
in de Grabbel ſmyten: in die Rappuſe werffen. Z. E. 
Wann man Kindern Pfenninge oder Nuͤſſe hinwirfft, 
daß greiffen moͤge, wer kann. | 
| grade, und grabig: geſchwinde, hurtig: cito, feftinanter, 
De gradig ben geit, Bann gradig webberPamen, 
Wir (e&en auch wol zufammen: gau un grade, ch 
halte nicht, daß diefes Wort agradiendo herfomme, forie 

, o dernvon gerade, weil der gerade Weg, als der fürgefte, 

f. einem eilenden der befte ift. 

(Graden: Gräten. Byn Graben to hope bangen; 
ftocf- mager feyn. M.) u 

Grapen: Tiegel, von Ertz ober Eifen gegofjen. 

Grapen-⸗Geter: Eifen- Gieffer. 

Grapen⸗Brade: Ochſen⸗ oder Schweine⸗Fleiſch in Flei- 
neren Stüden, | 

Gras⸗Hekde: Hechte, fo in ben Gräben zwiſchen ben Gras. 

Landern gefangen werden. - 

Grashuͤppers: grüne Heuſchrecken, die von den Rindern aus 
bem reiffen Korne gebolet, und, wegen ihres fogenannten 
Singens, in papiernen Seftd)ten auf behalten werden, 

graͤſen: graufen, fehaudern, von Angſt oder von Kälte, Das 

Her das Wort gräslich, My gräfer darvoͤr: id 
habe ein graufen dafür. He bett on gräfen: ex hat 
fo einen Schauder. KRenem mugt oat gräfen oͤwer⸗ 

-. wWabn: es mógte einem die Haut ſchaudern. 
graſſeln, Graſſeley: ſiehe grabbeln, quod idem. 
grauen⸗ 








v 


$0 IDIOTICON 


grauen: wird aud) von der Morgen-Demmerung gebrauchet: 
De Dag beginner to grauen; Der Tag beginne 
anzubrechen. 
graves Footes gahn: hochſchwanger gehen. 
Grau Eſchen: Lapis Bezoar orientalis. 
Gries: Weeten⸗Gries: das grobe vom Weigen⸗Mehle, 
ſo im Siebe bleibet. 
grimmeln: ſchmutzig werden, ſchimmeln, die Farbe verlieren, 
grimmelig: angelauffen, falbe. 
ingrimmeln, ingrimmelig: wann bee Schmus (don feft 
ect, und bie Farbe verichoflen iff. 8 








Grindel: Riegel: obex ductilis. 
togrindeln: verciegeIn, fchlieffen. 
Grindel⸗ Holt: Riegel vor den Böden der Faͤſſer. 
geynen: lachen, In Weſtphalen bedeutet es weinen, 
Gryn⸗Aap: Gryn⸗Bart: Gryn⸗Viet: find Afternah⸗ 
men derjenigen, die gern und viel lachen. 
Mag dar keen Gryneken af? ſagt man zu den Kindern, 
wann ſie nicht einmahl laͤcheln wollen. 
Eadem ſignificatio vocis grynen eſt in Danico at 
üne; fed non ſola. Namque ctiam eft ringere, ringi 
(de canibus di&um), ficut in Anglo Saxonum. lingua 
grintan eft ringere. Verbum vtique eft zeAVaypson, 
vt videmus, tum ex Weftphalorum weinen, hic al- 
lato, tum ex Anglo -Sax. grennian: mugire, grun- 
nire, &c. 
: greiffett, | 
Grep (n): Griff. (Sprw. Ze bett et im Grep, as de 
acher de Luus: er Dat es geſchwinde gefafler, oder 
—* erdacht. M.) 
grepiſch: 1. der gern zugreiffet: rapax. 
2.1008 febr begebtet wird, unb ceiffenb 6 
bet, TE > Ware is o. fich 
(tac! geſuchet und vergriffen. Dn 
bow 





l 





HAMBVRGÀNSE gr. 


bartgrepi(cb : der hart im angreiffen ift. 
Mrd begierig, der nach fremden Gute greiffet, 
ebijch. 
Gryphummers, ein Afternahme (ſoll Griephomines‘ 
heiſſen) womit der alberne Poͤbel in Hamburg diejenigen 
Leute beleget, welche beſtellet find, die Gaſſen⸗Bettler zu 
greiffen, und ins Zucht⸗Haus zu bringen. 
grys: greis. 
begryſen: begreiſen. Sprw. Wat darin begryſet, dat 
begrauet ok wol darin: was einmahl zur Gewohn⸗ 
heit geworden, ober in bie Natur gegangen, laͤſſt (id) nicht 
leicht wieder heraus bringen. 
gryſegrammen: heimlich murren, grimgramſen. 
groͤhlen (on): laͤrmen, laut ſeyn. Ä 
Gegroͤhl i. Beröhl: Gelaut; ftrepitus hominum vo- 
ciferantium, 
groͤyen: wachſen. Angl. to grow. M.) Soll, groeyen: 
^ A vireícere. | 
angroͤyen: fiehe lic. A. 
 togróyen: zumachfen, fid) vermehren. 
groͤn: grün. | 
fic! groͤn maken: (id) mauſig machen, allzudreiſt oder zu⸗ 
taͤppiſch ſeyn. Daher das Sprichwort: maket ju nich 
to groͤn, ſuͤnſt freten ju de Zegen. 
Groͤn⸗Hoͤkerſche: Kraut⸗ Weib: Olerum venditrix. 
groͤne Ahl: werden bey uns die kleinen Ahle genannt, die 
man in Suppen zu verſpeiſen pfleget. | 
groͤne Fiſche werden diejenigen geheiſſen, die man in den 
ſogenannten Wetteringen oder Land⸗Graͤben faͤnget, 
vornehmlich Hechte, und Barſe. Daher auch der 
Nahme der Gras⸗Hekte. 
groͤne Jan: bedeutet einen jungen Gehlſchuabel. 
Wyn⸗groͤn: nennet man ein Gefaͤß oder Tonne, worin 
ſchon Wein gelegen, und bu folglich vom A 











ED. 


82 |  IDIOTICON : : | 


Holtze niche mehr lager. Metaphorice heiffet maneinen 
Säuffer, der immer volt ift, een Wyn⸗groͤn Saatjen, 
Gitón: fubltantiu. Das erfte SommerFeft der Schul 
Kinder, ba ihnen ein gewiſſer Tag zu ihrer Erluftigung im 
Grünen ausgefeget wird. Daher: in't Groͤn qabn 
een Groͤn holen, Weeſen⸗Groͤn, zc.. Conf. Pat |; 
teljobn. uu 
Groͤnigkeit: grüne Kräuter, bie man an die Cpeifen tut, 
. — ,átem womit man etras aufzieret. 
groͤſen (oy): fiehe gräfen. 
groͤten: gruͤſſen. (Schergiveife fageman von einem Hochmuͤ⸗ 
tbigen: He groͤtet keen Peerd, dar Eeen Kerl up 
itt. M.) 
gruflachen: ſchmutzern, beit lachen, daß man fios nicht | 








febr mercken läffee: fubridere, fine cachinno. 
gung: Imperfetum noftrum von gabn, Se gungen: 
fie giengen. EN 
guͤnſeln: winſeln, weinen. 
guͤnt: dort: ilic. Belg. ginder. 
guaͤnt hen: dorthin. guͤnt bet: dorther. 
guͤnſyts: jenſeit. 
(up guͤnner Halve: an jener Seite. M.) 
quft: trocken, unfruchtbar. Wird eigentlich von den Kuͤhen 
gebrauchet, mann fie Feine Milch mehr geben. Alſo Deif- 
(tes: De A ob ſteit guͤſt; eene guͤſte Koh. In der 
Nachhbarſchaft ſagt man goeſt: unb es ift glaublich, daß 
Geeſt⸗Land daher feinen Nahmen habe, weil e$ tro 
cken, und nicht ſo fruchtbar iſt, wie die ſo genannte 
Maͤrſch. | 





| De 
Haar: (in de Haare drögen laten: in Vergeß flelten; 
wiſſentlich ungetban laflen. M.) . 
haartagen; bey den Haaren zauſen, im Hand Gemege⸗ 
| | A 


-HAMBVRGENSE. 83 


Se flaht un baartaget fich alle Dage: fie liegen 
einander täglich in den Haaren, . | 
dreehaarig: murhroillig. | 
Pettelbaarig: Figlich, der nicht viel vertragen kann, em⸗ 
pfindlich. | 
aar: muß ehemahls auch ben Unrath auf den Saffen, infons 
derheit den hauffigen Schnee bebeutet haben, Denn es 
pflege in Hamburg wannein tieffer Schnee gefallen, ein 
Srohn- Knecht, auf Befehl Derim zugehen, und die Reis 
nigung der Gaffen ben Einwohnern mit diefen Worten 
anzufagen: haar van der Straten, edder myne 
Heeren wardt ju panoen laten. Nun findeich zwar, 
daß der fprachfundige Hr. von Stade in feiner Erflä- 
rung der Bibliſchen Wörter Lutheri, ed.2.p 296. eines 
Niederſaͤchſiſchen Wortes Haere erwehnet, welches «is 
nen ducchdringenden Neiff. bedeute, der bag Gewaͤchſe 
verdirbet; wovon er denn vermeinet, dag Wort Heer⸗ 
linge ableiten zu fónnen ; weil aber ein bloffer Reiff nod) 
Feine Straſſen verbitbet, fo gebe ich eine Muthmaſſung 
anbeim, ob nicht bas Wort Haar, in vorerwehnter 
€ybrigfeitficben Anfage, auf bag Haar der Schweine ziele, 
welche zur Winters Zeit in ziemlicher Anzahl vor den 
Haͤuſern auf der Gaffe pflegen gefchlachter und abgebrüs 
bet zu werden: da denn das Haar, wenn e$ in folcher 
Menge liegen bliebe, bey fallenden tieffen Schnee, nicht 
‚allein die Gaffen nod) unbrauchbarer machen, fondern 
' aud) bey beffen Schmelßung die Waſſer⸗Rinnen vers 
ftopffen, oder bie Ganále verunreinigen wuͤrde. Jedoch 
toil ich einer befferen Erklärung diefes Wortes gem 
Raum geben. Bis dahin aber wollen mir auch diejenigen 
Fein Önügen ehun, welche meinen, dee Schnee ſey Haar 
. genennet. worden, weil GOtt ihn gebe wie Wolle, 
Pf. CXLVIL 16. 


saarpeus: Hark: reina, 
act un Mack: fo nennet unfer gemeiner Mann nicht allein 


bie Tacamahaca, welche zu Pflaftern auf bie Schläne ge⸗ 
| 2 braucht 





84 IDIOTICON 


brauche wird ; fondern er fpricht aud) von allerhand durch 
einander gemifchten fehlechten Dingen, imgleichen von ei 
. met póbelpaften Sefellfchaft: Daris Hack un Mack. 
Zaff oder Hafft: ift eine Art eines fliegenden Ungegieffett, 
welches zu getoiffet Jahres⸗Zeit fehr häuffig an den Baͤu⸗ 
men und Gewaͤchſen bafftet, und nicht allein von ben Hol⸗ 
laͤndern mit diefem Nahmen benennet wird, fondern es ift 
aud) bey ung die Nedeng- Art gebräuchlich: et fitt ſo 
vull as Hafft. Siehe aus Augerii Clutii de Heme- 
robio ben Hamb. Briefwechſel der Gelehrten 1750. 


pag. 11. | 
etel: witt, it. ſo witt as een Hagel: (donee 
wei 





adum 


Jan Hagel: gemein "Boots: Bold. | 
hagen, für bebagen: dat baget my: das gefállt mir, dar | 
über freue id) mich. Conf. hoͤgen (ox) welches mir die | 
fem Worte vermanbt. | 
abe: Vncus. u | 

Haken un Oeſeken: (oder vielmehr Oegesken) Hafen 
und Augen, an Kleidern unb anderm Geräthe, welches 
damit befeftiget wird. Cym Sprw. werden baburd) aud) 
allerhand Kleinigfeiten bedeutet, die nicht viel werth find. 
(Zu einem Frauenzimmer, bag wegen enger Einſchnuͤ⸗ 
rung nicht effen fann, pflegt man zu fagen: fe mutt een 
Zaͤksken fpringen Iaten. M.) a 

Haken un &taben ſchlechte Buchftaben, bie ein Anfaͤn⸗ 
ger im Schreiben macher. | | 

Dat Dinck bett eenen Haken: es ift bamit noch fo Flar - 
nicht: es hält noch vas dahinter. 

Haken anflabn: (id) woran machen; einen Verſuch thun, 
es zu erlangen. 

Koͤppel⸗Haken: zweene mit Ketten oder Stricken gekup⸗ 
pelte Haken, die man an dasjenige anſchlaͤgt, was aufge⸗ 
wunden werden ſoll. 

Haken⸗rein: geſchlachtet unb ausgeweidet, fo mie es der 

| Fleiſcher 





. HAMBVRGENSE. 85 


Sleifcher zum SBerfauff am Hufen bangen hat. Wird 
demjenigen entgegen gefe&et, mas man lebendig fauffet, 
und felber einſchlachtet. Metaphorice: alles Haken⸗ 
' rein maben: gánélid) aufräumen, alles aufzehren und 
herdurch bringen. 
baken (Verbum): wird von den Everführern gebraucher, 
wann fie nicht ſtaken oder fehieben , fondern mit bent 
angefchlagenen Boots⸗Haken ziehen. Auch haken uns 
fete Kinder , oder fpielen baEe, wann ihrer zweene mit 
durchgeftecftem Finger eine Pregel von einander ziehen, 
im zu feben, mer das gröffefte Stück behalte, | 
dat baEet fick: das will nicht fort; das (todfet: il s'ac- 
croche. ! 
Habke: Ferſe: calx. it. bet Abſatz. 

van hapten bet tom Nakken: über ben gamgen Hin« 
ter⸗ Leib. 

Hakken maken: fortgehen, (i) eilig wegmachen: & 
actiue: ick will dy Hakken maken: ich will dir 
Fuͤſſe machen. 

de Hakken natrekken: hurtig zugehen. 

de Hakken wyſen: entlauffen. 

Hakr up &aEE fpielen die Kinder, wann fie auf dem Eiſe fo 
dichte hinter einander herglitſchen, daß einer dem andern 
att bie Fuͤſſe ſtoſſt. Daher dag Verbum hakken bey 
ihnen beiffet, in die Serfen gehen. 

Ceenem up den Hakken fitten: hinter einem dran feyn, 
ihm auf den Ferfen (i&en : imminere alicui. M.) 

Hakken⸗Kyker: Spott-Nahme eines Folge Dieners. 

Hakken⸗Ledder: das Hinter⸗Leder am Schue. | 

verhackſtuͤkken: mit neuen Hinter-teder verfehen. Me- 
taphorice fagt man z. E. Dar is uͤmmer wat to vet» 
hackſtuͤkken: ba giebt e$ immer was yu tbun, oder zu 
beſſern. 


akken: concidere. 





[98 


$3 "(wr 


96 . IDIOTICON | 


(bad? utb, bad? in: ungerade, bald aus⸗ bald einwaͤrts 
gehend. M.) Gall. en zig-zac. Ä 
Hakkepill fpelen: in die Pfanne hauen, 
balen: holen. Hahlt 2c, ift das Wort der Schreyer, die auf 
;, ben Gaffen etwas zu fauffe ausruffen. 
Sverbalen: einem übers Maulfahren, harte Worte geben, | 
Conradi, babl na y: fagt man zu einem, der im trincken 
ſtarcke Züge tout. 
half: Halb. 

Halve: Seite: latus. Up günner Halve: an jene] 
Gite. ever de Halve gahn: an bie Seite gehen. | ' 
Oever de Halve anſehn ? ſeitwaͤrts, ober über die]! 
Achſel, b. i. veraͤchtlich anfehen. 

halwege: halb, zur Hälfte. Dat loͤve ic? man bab |t 
wege: das glaube ich nur halb. Halwege, oder nach 
der gemeinen Ausſprache, halwig teyn: halb zehn. 
Et geit up halwege: die Uhr wird bald halb fchlagen, Ix 
Es is mit em ſo man balwege : er befindet fid) nicht 
völlig roof, er ift nicht in den beften Umftänden. 

balfvoaffén : Halb erwachfen. en halfwaſſen Ben 
tel: ein Burſche, der nod) nicht völlig aufgefchoffen. 
Aamer: Hammer, Iſt mit unter unfern Behelffe-Wörtern, 
womit man unfchuldig fluchen, und infonderheit ben Ha⸗ 
gel nicht nennen will. (7j de Hamer! formula ad- | 
| mirandi. M.) | 
Hand: Hand mutt Hand wahren: Canon Iuris Lube- | 
| cenfis, qui & frequenter in ore noftratium, 
ná det Hand: nachhero. | 
van Hand ſtahn: gefd)minbe und unfleiffig verfereigen. 
be bett nich mehr, als utb der „and inden fl Tun: 
er bat faum fein täglich Brodt. 

tp ſyne eegene hand firten: (id) felbft zu Haufe erneh⸗ 
ven, ohne bey andern in Condition zu ftehen.. Alfo fagt 
man bon einer bienftlofen Magd: fe fitt up ere eegene , 

| j 


Hand, 
/ Hands — 














HAMBYRGENSE. 97 


Hand⸗gau: gefchwinde im Zugreiffen. Wird bisweilen 
von einer löblichen, mehrentheils aber von einer verdäch- 
eigen Hurtigkeit gebrauchee. 

Hand⸗Bengel: ermachfener Sabe, der (on Hands 

Diienſte tbun Fann. 

eene Handvull Minſchens: ein kleiner ſchmaͤchtiger 
Menſch. EE 

Hand⸗Rulle: (iebe Aulle, 

iube it (n) Ruthen-Streiche, ben Kindern auf die 

ande, | 

Hand » ipee: Hebe- Baum: vedis. 

banoig : der ein Ding bebenbe und gutanzugreiffen, oder 

mit allerley Hand⸗Arbeit fid) wol zu behelffen weiß. 
handlich: ziemlih. Dat is handlich dühr: das ift 
ziemlich heuer, Et is mit em noch (o handlich: er 
- befindet (id) noch fo ziemlich. ' 
(Haͤne: Henne. Legg⸗Haͤne: eine fegenbe Henne. Spmw. 
L0 f$ roth üm den Aamm, als eene Legg⸗Haͤne: 
. eines frifchen und vöthlichen Gefichtes. M.) , 
Hanebalcken: bie Querbalden des Sparrwerckes, worauf 
ſich in Bauer» Haufern die Hüner zu feßen pflegen. it. 
. ' bie alleroͤberſte Erage im Dache. 
(Vox noflratibus:aeque ac Belgis cognitisfima. . 
vid. Kiliani Diltionar. De rationc cius recte olim 
Ger. Meierus ad Leibnit. haec fcripfit: Nor babent 

. eorum (veterum Germanorum) domus contignationes 
ſibi impofita, Ö ab fe inuicem feparatas. Da waren 
Peine Boden inn, Sub tecto babitabant, [ub tetto 
dormiebant. — Scis, vnde boc probem? | Refpondeo, 
quia adbuc in fumma contignatione , prope tetfum , 
pofita trabs uocatur de Hanebalcke, in quam euola- 
bant galli cum gal'inis, aduentante vefpera. Ergo 
non fuit alia interpofita contignátio, Excerpt. Meicr. 
p.266. G.) | 


Hanepoten: Hagebutten. 





54 aͤnge: 


88 | IDIÓTICON 


Zänge: 1. Thuͤr⸗ oder Senfter - Angel. 
Ä 2. Hake am Buche: Claufura, 
(3. ein gefpaltener Stockſiſch, der beym Schoante 
noch zuſammen haͤnget. Eene Haͤnge Roth⸗ 
ſcheer. M.) 
dnsgen: : (na Hänsgen un Öreetjen gahn: auf Liebes⸗ 
egen gehen. M.) 

Hanſſup: ein wollenes Nacht» Kleid der Kinder, das von 
Haupt zu Fuſſe aus einem Stücke ift, üm fic) nicht ent; 
bloͤſſen und erfälten zu Eönnen. 

bappen: fchnappen, begierig fenn: Appetere, inhiare. (Ver- 
bum eft Belgicum. v. Kilian. G.) 4e bappetdarne: 
captat appetenter. Syd) bin nicht der Meinung, daß bie 
fes Wort, wie Hr. ten Kate will, von hauen feinentt: 
fprung babe, weil man mit den Zähnen zuhaue; fondern 
ich glaube, daß es nad) dem Schalle eines zuſchnappen⸗ 
ben Maules geformer fen. 

happig: begierig: auidus. Zweifels ohne hat daher der 
der Aabicht, als ein begieriger Raub Wogel, feinen 
Nahmen. Bor Seiten mag man es Darf gefchrieben ha⸗ 
ben: Hapicht: denn ich finde beym pp in 
Legibus Baiuuariorum Tit. XX. $ 2. 3. Ganshapich 
und Anethapıch, b. i. ein Habicht, ber Gaͤnſe und Enten 
zu rauben tüchkig iſt; welcher Vogel hier zu $anbe genens 
netmirb Goſe⸗Aar. Wie aber „abicht von bappen, 
alfo heiſſet aud) vermuchlich Beyer von gyren. 

Aarbarge: Herberge. (prm. von einer Speife, die gu lange 
im Schrandfe geftanden, und anbrüchig geworden: Dat 
ſmeckt all na de Harbarge, oder nat Schapp. M.) 

date: Reche: raftellum. 

Hunger⸗Harke: heiſſet bey unfern Bauern diejenige 
Reche, womit man auf dem Acer zufammen Dolet, was 
- . die Garben «Binder liegen faffen. 

harken: 1. reden, 

(2. fid) veufpern. He Pann nicks upharken: er 
kann im Halſe keinen Schleim aufholen. M. y 
| (bats - 








| HAMBVRGENSE . 89 


: (batven (a long.): aushalten. He kann't wol harten: 
er fann wol zurechte fommen. Du kannſt den Wehl 
nich harren: du kannſt die guten Tage nicht ertra« 
gen. M.) 
Hart: Her. | - 
Hartſlag: Hertz, funge und Seber aus einem Viehe. 
(Liebfofender Weife (agen wir zu iemanb: myn oble 
Hart, it. oble Hartflag: und unter die nicht gar zu 
- übel gemeinten Fluͤche gehörer aud) diefer: Dat fahr 
oy up't Hart, als eene Cünne Botter! M) 
Haſe: lepus. (Sprw. He Iöpt als een bunden Haſe: ec 
gehet fahre. M.) 
Haſe: Strumpf: tibiale. 
— (Eftab Hofen, quod quidem vocabulum Danis, nec 
non aliis in Germaniae Septentrionalis partibus, imo 
& fuperioribus prifci aeui Germanis, tibialia notat, 
Strümpfe. In lingua veteri Anglo-Saxonum caligae 
vocantur Hofa; calcaneum Hos; ocreae Lederbofa ; 
perifcelides Hofebendas. | Superioris Germaniae fcri- 
ptorum loca quaedam collegit Schilterus in Gloffar, 
p.467. Quid? quod in Dawiefii Dictionario Cam- 
bro- Britannico confpiciuntur Hofan, tibiale, crurale, 
caliga; & Hofaneuwr , caligarius &c. G.) 
Haſen⸗Soͤkken: up Haſen⸗Soͤkken qabn : auf den 
bloffen Cteümpffen, ohne Schue oder Pantoffeln geben. 
Hafen» Rnütter: Strumpff- Strider, 
Häfebaftian: Haſilirer; mit Hafen-Schrot gefchoffener exl, 
Haſt (Subftant): Eile. Et bett Feen Haft: es bat gute 
^ —— s Meile, Haft worachter maPen: zur Eilfärtigfeit 
"toben. Dat kummt oͤver be Haft: fo gehts, wann 
: man fid) übereilee, Das Spllchmwort : je gröter Haft, 
. je minner &poob, b. i. burd) allzugroffe Eile wird ein 
Ding mehr gehindert, als gefordert, haben mit von den 
Hollaͤndern entlehnet, bey. denen Iac. Cars diefe Regel 


egeben: 
5 " S5 Met 





Ben in 


9 


90 |. . A IDIOTICON - 


Met Zinnen, Kinder, wat ghy doct! 
Ie grooter Haaft, ie minder Spoed. 
b. i 





" | 
Thut, Kinder, alles mie Bedacht! 
- Mit eilen ifts niche ausgemacht. 
haft (Aduerb.): bald, geſchwinde. umm haft wed⸗ 
det: redi cito. Dat (call fic? haft wyfen: das 
fol (id) bald zeigen. 
bafkig Adic&): 1.) eilig, ſchleunig. Eenen baffigen 
nck dohn: einen übereilten Trunck thun. =.) jach⸗ 
zornig, eifrig: cholericus, facile concitatus. en ba; 
ftig Mann: der leicht in Harniſch gejaget ijt. 
(Aduerb.) haſtig togabn: gefchrwinde Zugehen. 
Sachte wat Pic alise Daft feftina Ba 
baften: eilen. | 
fic? verbaffen, oder oͤverhaſten: (id) übertreiben. 
haſtebaſſen: Belg. Hafebaffen: fehr eilig thun. Conf. 
befebefen. 
(Haft, haftig, haften, forhafte fig: pariter Danica. G.) 
bätifch: befftig. Wird faft nur allein von ber Kälte gebraucht. 
Et is bát(cb Eolo, oder, eene haͤtſche Kuͤlde: es 
ift eine bittere Kälte. 

Havick: Habicht. Sprw. Dar fitt een Hav'k upt Heck: 
es ſitzet ein Habicht auf bem Gehaͤge, d. i. man muß (id) 
in nehmen, weil ein gefaͤhrlicher Aufmercker nicht 
weit iſt. 

be (e): er. Daher een Heken: was maͤnnlichen Ge⸗ 
ſchlechts iſt. | 

(bebben: haben. Sprw. Hebben is bebben, en is 

he KRunſt: beati posſidentes. i ging: M nich, 
(o geiffu nich: fagt man, warn es irgendwo (uftig 
hergegangen. | 
bebbern: begierig, habfüchtig: habendi cupidus. M.) 
Debeln : tändeln, chalen, ehöriche Aufhebens machen: nugas 


agere, ineptire. u 
Hebeler, 








HAMBVRGENSE. 91 


Hebeler, unb Hebelke: tändeihafte Menfchen, beideriey - 
Geſchlechts. 

Hebeley: unnuͤtze Beſchaͤfftigung, Faſeley. 

Hebel⸗Platen: Ober⸗Schuͤrtzchen. Conf. dammeln. 


hechten: actiue: hefften. Toſamen hechten: connectere. 
neutraliter: hafften. Alſo ſagen wir von einem abge⸗ 
tragenen Kleide: Et io ſo kahl, dar’ er keene 

Luus up hechten kann. 

Hecht: Hafft, Gefaͤngniß, und bey uns in fpecie beg Buͤt⸗ 
tels Haus. In de Hecht kamen: in die Frohnerey 
kommen. Belg. Hechtenis. Conf. ten Kate D. II. 
p. 206. 


Verhacht: Verbleiben. Verhacht hebben: bleibende 
Stelle haben. Hyr is voͤr em Feen Verhacht: feines 
Bleibens ift hier nicht. 

Heck; die Thür eines Zaunes oder Gehäges, bem Viehe den 
Durchgang zu verwehren, Sonft werden auch die leben« 
"digen oder tobten Zäune felbft Hecken genannt. 

Heck» Raten iff eine Fleine Hamburgiſche Schange am 

: Ende desBillmärders, Hat den Nahmen von dem ta: 
felbft mit einem Heck gefchloffenen Territorio, und von 
der Raten ober dem Häuslein des Mannes, der auf ſel⸗ 
bigen pag befteffet ijt. 

heel; ganó: integer. De beele Welt: die gane Welk. 
Wedder heel malen: redintegrare, refarcirc. Heel 
un all: gangundgar. He Fann up heeler Hut nich 
(lapen: er ringet nad) Schlägen. Wedder heel: mier 
der geheilet. it. aduerbialiter: fer: valde* omnino; 
beel wol: optime; beel aardig: perbelle; beef 
kranck: valde aegrotus. 

Cbeeleec("t, vox plebeia, fdyeinheilig, der feinen Fehler an 
(id) baben mill. M.) 

beere (es): be is Dar (o beere to: es it ibm fo fieb, er weiß 
fid) (o viel damit: gaudet & fuperbit dominio rei. 
Deet; heiß. Heet io "t; eine Formul, womit man enr 
: en 





br 


* 0$ '  '"IDIOTICÓN 


rüßren verbietet. Sprw. Et ward (o beet nich ges 
geten, als et upgegeven ward, b, i. der erſte Eifer 
pfleget nachzulaffen. Ä 
Heetwege: heile Wecken: warm weiß Brodt, welches mit 
geſchmolzener Butter, oder aufgekochter Milch, durch⸗ 
geknetet, und damit, nach alter unartiger Gewohnheit, 
in der erſten Faſten⸗Woche der Magen angefuͤllet wird. 
Womit nehmlich der alte Aberglaube die Enthaltung 
vom Fleiſch⸗eſſen deſto heiliger zu erſetzen gewuſt. Wer 
vom Urſprunge dieſes Wortes und Gebrauches allerhand 
Meinungen leſen will, der kann bic zu Roſtock von dem 
Hn. D unb Prof. ^o. pet. Schmidt herausgegebene 
gelehrte Faſtel⸗ Abends - Sammlungen p. 91 (qq. 
nachſchlagen. 
hiddern: brennen. Wird von einer Verletzung gebraucht, 
davon man ein Brerinen empfindet. Z. E. De Hand 
biddert my 1c, 
hegen: (paren , zu tatfe halten. Daher bie Sprichwörter: 
De wat beget, be bett wat. Up'n Heger kummt 
een Dertehrer. Dem is de Heger voegflagen, o. i. 
er kann nicht fparen. 
uphegen: aufheben, verwahren. 
begern: fparfam. | 
bey: pro bebbe. Wat bey jy? was habt ihr? So wie es 
qud) mit bem verbo wüllen (rollen) nad) unferer 
Mund: Ark Deiffet: wat voey jy? was wollt ihr ? 
Hey un Weg: dag gange Gingemeibe, Wird geſagt von ei- 
nem, der einen ſtarcken Durchfall hat: He deit Key 
un Wey utb. | 
Heide: 1. das Kraut, fo man Heide⸗Kraut nennet: erica, 
vel myrica. Heid⸗Beſſem, Heid⸗Bohnert, 
Heid⸗Schrubbert, (inb theils weiche, theils klei⸗ 
nere abgeſtumpfte Beſem zum fegen und ſcheuren, 
ſo aus dieſem Kraute gebunden werden. 
2. ein offenes Feld, mit beſagtem Kraute bewachſen, 
wohin 








. . HAMBVRGENSE . 93 


| robin man im Sommer. bie Bienen ju tragen 
pflegt, Am aus der Heide» "Blürhe den Honig zu 
fammeln, 
Heid» Snuchen: Fleine Schaaffe, bie fi) mit 
bem Heide⸗Futter bebelffen muͤſſen. 
3. ein waldichtes Sand, zur Wild- Bahn, und zum 
Holg » fällen, 
| Meides Rider: Wald- Reuter, 
Heiden⸗Dreck: eine Unreinigfeit, fo an ben Köpffen der klei⸗ 
nen Kinder, bisweilen febr lange, hafftet, und allmählig 
abgebürftet werden mup, | Ob diefer Nahme daher fon 
me, mei e$ von einem nod) nicht wiedergebohrnen Kinde 
mit an die Welt gebracht werde, und alfo nod) von bem 
Heidenmaͤſſigen Zuftande herrähre, darüber mögen fid) 
die weifen Frauen nad) ihrem eigenen Glauben erflären. 
beydy: Iuftig! Exclamatio laetantis. 
heydy gahn: verlohren gehen, verderden, inſonderheit 
.  bucd) luſtiges Leben. Conf. fleuten gahn. 
heidlächten: Wetter feuchten ohne Donner. 
Heiſter: Eifter: Pica. (Sprw. ſo buntas een Heiſter. M.) 
Heben un Seken (e): Männlein und Weiblein, (fonderlich 
im Gefihlechte der Vögel. M.) 
hellig: durflig. | 
bemmeln; henhemmeln: fterben. 
duenneke vor allen Aslen: Gin Menſch, der aus Vorwig 
hinter alles Det ift, unb die Finger in alle Löcher ſtecket. 
(Videtur prouerbialis haec appellatio defumta effe 
ex veteri quadam fabula vel poemate, fimili illi, quod 
Reineke Vos vocatur, De quo aliis disquirendum re- 
linquo. G.) 
berkamen: fiche Famen. 2c - 
befebefen, item hiffebiffen (ss molli): fid geſchaͤfftig at 
ſtellen, unnoͤthig hin und Dec lauffen: inaniter occupari, 
remerc discurfitaro, 
' Heſe⸗ 





94 "IDIOTICON 


Heſebeſe: ardelio: temere negotiofus. Andere nennen 
einen folchen, der bald Die, bald ba ift, als ob er fehr eilig 
zu verrichten hätte, eenen Hitſchenplitſch. 

Heven: Himmel, Angl. TheHeaven. Vom ftetigen bligen 
heiffet es bey ung: de „even ſteit nümmer to; als 
wenn fid) mit bem Blitze der Himmel öffnere. Een 
Heven⸗Wunder: Ein Wunder am Himmel. Daher 
foit Sprichwortsweife fagen: een groot Heven⸗ 
"Wunder woruth maken: b. i, ein Ding gemaltig 
au(mugen und berausffreichen. 

Heucken: eine alte Art Hamburgifcher Weiber-Tracht, befte 

! hend üt einer hohen unb fteiffen ſchwartzen Gapuée, forne 
platt und breit, obenrund umb fchräg in bie Höhe gehend, 
von welcher hinten ein Mäntelchen mit fteiffen Falten 
herab haͤnget. Vocabularius Teuthonifta: Heuck: 
toga, togula, togilla. Heuck⸗Mantel to beyden fy- 
den aepen. Puyr Heuck: togipurium. Von diefer 
längft abgefchafferen Kleidung find bey uns noch die Re⸗ 
dens-Arten übrig geblieben: tippen Heucken bidden, 
das ift, einen zu fpát, oder nicht eben zum Staat zu Gaſte 
laden, wozu er fid) nicht fonderlich aufpugen, fonbetn nur 
im Heucken erfcheinen darf, Een Wendeheucke: 
ein Werter-Hahn: un tourne-cafaque: homo varius 
& inconflans. He drigt den Heucken up beiden 
Schuldern: er hält es mitbeiben Parteyen, oder hängt 
den Mantel nach bem Winde, (Hyr belpt Eeen Zeus 
cken⸗holen fage man, wanneiner fich nid)t mill aufhal⸗ 

.... -fenlaffen, wenn man ihn gleich beym Kleide ergriffe. M.) 

Heuſpringer, it. Hauſpringer: eine Are Eleiner braunen 

Heuſchrecken, die im Gira(e und Heu fpringen, und (id) 

viel weniger hören laffen, als bie groffen grünen, bie roit 
Graßhuͤpper nennen. 

Deuſterpeuſter: über Hals und Kopff. | 

Heuſterpeuſter febeten ift eine Uebung muthwilliger 
Knaben, wann fie den Kopff zwifchen die Beine fegen, 
undlalfo über unb über purtzeln. Die Bremer nennen 

e8 











HAMBVRGENSE. 95 
es Koppheiſter, und Heiſterkopp. (Heiſterſchoͤte: 


culbutes. M.) 

Hickſen: Tauben von gemeiner Art. M.) 

hiddern: ſiehe beet. 

hild: befchäfftige: occupatus. In unſerer Nachbarſchaft ſagt 
man hille. 

hilde Arbeit: opus feruens, ſ. vrgens. De hildſte 
Tydt: wann am meiſten zu thun iſt: tempus occupa- 
tisſimum. 

hild hebben: ſehr beſchaͤfftigt ſeyn. | 

ESprw. Se bett et (o bilo, as de Yfus im Kindel⸗ 
bedde, item as Hannes Moͤme: fie giebt fid) viel 
zu fchaffen. M.) | 

bildhebbern: allzugefchäfftig. Hildhebberey: opero&- 
tas affectata. 

Dilligen: Bilder in ben Büchern. Per Synecdochen: weil 
vor'diefem bie meiften Bücher des gemeinen Mannes 
feine andere, als Heiligen = ‘Bilder gehabt, 

Zillige Ding: die Roſe: Eryfipelas: weil es heilig verpflegee 

Ä (eon will, — | 

bymen: keichen, ſchwer Othem holen. 

Zimphamp! nennet man ein groſſes weitlaͤufftiges Geſtelle, 
Gebaͤude, oder anderes dergleichen Machwerck, welches 
vielen Raum einnimmt, aber wenig Staͤrcke und Nutzen 
hat. | 

bi : ein Wörtchen, womit man entroeber einen Hund anheßer, 
oder einen Menfchen auszifcher, | 

biffen , 1. begen. Syn beiderley Verftande: den Aund 
up den —— d. i. anhetzen; und 
den Bullen hiſſen, b. i. hetzen laſſen. 

2. ausſchimpfen. M Cae Daher das Spote 
Wort: Hiß utb! Hip uch! Wofür bie 
Hochteutſchen fprechen: Schab ab! Schab 
ab! und nennen bie dabey gemöhnlidye Ge 

berde mis den Fingern Ruͤbchen ſchaben. 

3. up⸗ 





96 . IDIOTICON | 
3. upbiffen: al. upbyfen: aufziehen an einer 
Rolle, wiedie Schiff⸗Leute, wann fie bie Segel 
aufziehen, oder Waaren an und von Bort 
winden, | 
Hyſe⸗ Block: Kioben mit der Scheibe, Block⸗Rolle: 
trochlea. — | | 
boden: hüten. 
inbóben: daheim bleiben, üm das Haus zu verwahren. , 
Gf: Ba Na'n Hof fahren: auf den Garten faf» 
ren, M. | 


(Hofart will Pyn lyden: Sprw. Kleider-Staat bringe Un. | 
gemach. M.) 


hoͤgen (cm): Adtiue: erfreuen, feöhlicd) machen. Dat hoͤget | 





m: das ergeget mid), Se,weet Dat Rind nich to. 
bógen: fie weiß das Kınd nicht zufrieden zu ftellen. 
(Sprw. Dar Eann ich wol levere Rinder mit bó 
gen: das weiß id) wol beffer anzubringen, M.) 
Reciproce: fid? bógen: fi) ergegen. He boger fid 
recht dar an: er vergnüget (i) recht daran. Belg. ver- 
heughen. (Et nos dicimus: det buet mig; bano 
i fin bue dertil, G.) | 
u en: aufmuntern, zur Freude bringen. 
ee Hart up: machet euer Hertz fröhlich. Arge 
óge: Froͤhlichkeit, fut. He bett ſyn Hoͤge an 256 
% Pen: Bücher find feine Freude. ete wird dies - 
fes Wort gebraucht von den oͤffentlichen £u(fbarfeiten der- 
Gilden, Zünfte und Handwercker, die zu gewiſſen Zeiten, : 
unb zum Theil mit öffentlichem Umgange, ihren Höge 
halten: und Deiffet das Haus, worin bas Feſt gehalten 
wird, dat Hoͤge⸗Huus. 
Hoͤgeske, wofür wir zu fagen pflegen Hoͤske oder Hoͤſche: 


ein Eleiner Hoͤge, eine Eleine Freude. Dat was een 
Hoͤske: da war eine $uft ! | 


bojabnen: gähnen: olcitare. ' - 
350be;: quali hoͤdeke: hacdulus; eine junge Ziege. 
holen; 

















HAMBVRGENSE. 97 


len: ir. boloen : halten. Sacht! latet ju holen. 
Uebereilet euch nicht. Was is bar all to belpbolen? 
Was giebts fo eifrig zuchun? Et let fic wol holen: 
es gebet mol hin; es laͤſſt fid) mol halten. 

férbolen : dauren, aushalten, zureichen. Dat vill nich 

— lange förboblen: das wird bald verbraucht feyn. 

oll, Subftant. Loch: Plur. «5le (om) Löcher. Voſſenhol: 
FuchsLoch. (Sprw. Henneke för allen Hoͤlen. it. 
de Knype geit to Hoͤlen: ſiehe Henneke und Knype. 

u, Adiect. hol: cauus Holl un boll: loſe, undicht, ohne 
Fuͤgung und Feſtigkeit. Z E. Dat Holt ligt boll un 
bol: das Holtz ift nicht dicht umb ordentlich geſetzet, (orte 
dern locker uͤber einander hergeworffen. 

oͤlle; (Sprw He ſuͤht ubt, as wenn be de Hoͤll blaſet 
hadde: er ift Feuer⸗roth im Geſichte. M.) 

‚Sner: Hiner. Davon find bey ung mancherley Redens⸗ 
Arten. Z.E. (Darfünd Hoͤner: ba finb gute Miteel, 
$.oopt manckt de Hoͤner: Gebet weg: fehiert euch 
fott: alles vous promener. "In dat Neſt leggt vele 
Hoͤner: da contribuiren viele zu. Hoͤner mit By⸗ 
göte: Hüner in Suppen. He ſůht ubt, as wenn be 
mit den Hoͤnern vam Brede geten babbe: es fige 
ibm der Schmutz an Naſe und Maul. YOyfe Hoͤner 
leggt ob ín be Netteln: Fluge Leute fehlen auch. jo't 
Hoͤneken rein 00b? fo fragt maneinen, der nicht aufs 
geráumt iſt, unb ſtill ſchweiget. Se meent, dat hyr de 
Hoͤner braden gaht: Sie meinen, daß es hier nichts 
koſte, oder daß man alles vollauf habe. M.) Wy heft 
noch mit eenander een Hoͤneken to pluͤcken: wir 
haben noch mit einander einen Streit auszumachen. 

Zoͤner⸗Bad: eine Art hitziger Roͤthe, die an ber Haut aus⸗ 
faͤhret und ſich verbreitet. | 
Hoͤnerſwarm: Hüner-Darın: Serpillum, Herba Ana- 
allis: ein gemeines felbft machfendes und friecbenbes 
ut, an vim sumen: Auen bie Sing- Bögel 
fib zu erquicken pflegen. - | 
| G Hoo⸗ 








98 |J IDIOTICON ^: ) 


Hoopen: Hauffen. To boop ſcheten: zufammen fahren. 
Hooſten: Huſten. (Sprw. He mag fid? war hooſten 
laten: er wird nichts ausrichten. M.) 
Hoͤrde: ein Gitter⸗ Werck aus Weiden⸗Stoͤcken: calachrus 
| vimineus. Daher Huͤrden, Schasff-Aurden: cau- 
lac ouium, in locis plerumque editioribus, cratibus 
vimineis feptae ac diftin&ae.' Womit die Wörter: 
Heerde, Hirte, Hort, Horde, ohne Zweifel verwandt 
find, und fo mancherley Urfprunges bey den Erymologi- 
‚ — ftem nicht bedürfen. 

.  Kleedershsrde: ein flaches Korb: Gitter auf einem Tiſch⸗ 

| Sufle, worauf bie Kleider ausgeflopffee werden, damit 
der Staub hindurd) falle. 

Hore: Hure: (Eprw. Dat fleit em an, as der Hore dat 

| (pinnen: d. i. er weiß Damit nicht ümzugeben: er Dat 
tein Geſchicke dazu. M.) | 

Hoͤren: Hörner. Sprw. Dem de Koh tobóret, de fatet 
fe by de Hoͤren: ein ieder nimmt (id) des feinigen an. 
(Bott gift uns wol de Offen, man voy móten fe 
by de Hoͤren ín't Huus trekken: ohne alle Mühe 
bat man nichts. M.) 

Hören, oder Hoͤrne: Gfe, Windel, Siege: angulus. Weil | 
«8, wie ein Horn, gebogen; oder, mie Hr. Wachter mei 
net, quiaangulus, dum ex lato in acutum definit, lineis. 
coeuntibus cornu imitatur, Daher im Englifchen a 
corner eine Ecke, und a corner- houfe ein Erf-Haus. 
In Hamburg iff zwar bag Wort Hoͤren veraltet; bod 
find noch zwo Gaflen, bie ben vormahligen Gebrauch) def 
felben mit ihren Nahmen beweifen, nehmlich der Stekel⸗ 
bóren, und der Swynshoͤren, weil erwan an felbigen 
Gen leute gewohnet, bie Stefel und Swyn geheiſſen. 
(Stekelhören foll geworden (eon aus Suͤnt Tekely 
Hoͤren; was aber das für ein Heiliger gewefen, mag 
auffuchen, wer will. M.) So hat aud) vor Zeiten der 
Windel des Pras⸗Brokes, der ietzo zwiſchen der Stein. 
Schange und dem Stadt⸗Deiche hereingehet, De Tops 

— Hoͤren 








HAMBVRGENSE. ' ^ 99 


Hoͤren geheiſſen. Sym Bremiſchen fagt mau nod) diefe 
"unte, 5. €. be kickt uͤm de Hoͤren: er flebetüm bie 
Ge. Und unweit Stade liegen Häufer in be „sten, 

das ift, inder Kruͤmme des Elb⸗Deiches, welches man in 

- ben Bier fanden tip der Boͤge nennet. Sym Schwedi⸗ 
fen heiffer ebenfalls Hörne eine Ecke, 

(Hören, angulus. Danice eft Aisrne: Hioͤrne 
ſteen lapis angularis. Nempe & Anglo- Saxonibus 

.. Hyrn & Hern angulus: Hyrn - flan, lapis angularis. 

On Strata byrnum , in angulis platearum, Matth. 5. 

v.6. Hyrnan-heafod, Marci 12. v. 10. Vid. & de 
| Horn, angulo, Schilteri Gloffar. p. 466. G.) ı 
Hören: audire. £e mag wedder ber bóren: er mag fuf 
- nur abführen, er fann nichts ausrichten. 

* Chörig: wo man alles hören fann, was gefprochen wird. 
Et is byr mächtig bórig: man darf hier nicht laut 
reden. M.) | 

bellbóríg: fchallend. Een bellbórig Suus: EinHaus, 

deſſen Nachbar belle hören fann, was darin vorgehet, - 
Hoͤtjer: Hutmacher. 
Hubbak, oder Huckbak, ſiehe Bak. 
hucheln: laut und unanſtaͤndig lachen: cachinnarr. 
(Huͤdefatt: Fiſch⸗Behaͤlter, von Holtz, voller Löcher. M.) - 
. Auderich:; Hedera terreftris, | | 
Huk: 1, Windel, Ede. Belg. Hoeck, "In 6e Huk: im 
" Windel, Up Oe Huk: ander Ecke. Stubbens 
Auf: eine Ga(fe in Hamburg, nächft bee Schaar⸗ 
Ihors- Brücke, lincker Hand, gegen die Vorſetzung. 
Conf, Hören, & Qt, 
2. Das Zäpfflein im Halfe. De Huf is ehme dahl⸗ 
ſchaten: uvula ei procidit. | 
huken: bablbuEen: boden, niederhoden: conquinifcere, 

Huk⸗Worteln planten: per facetam plebis modeftiam 

dicuntur, qui alui caufa conquinifcunt. 

ulfern: unartig beulen und weinen. 

huifern | © 5 Aülle: 





Zuͤlle: Muͤtze, infonderheit der Weiber, Under de Aülle 
Eamen: eine Ehefrau werden. Huve un Aülle ift 
bie Tracht gemeiner-oder auch hauslicher Frauens⸗Per⸗ 
fonen, die feinen Kopfi-Schmud brauchen. Se geit 
man mit „Juve un Hülle: fie träge feine Fontange 
oder andere Coiffure. 

bulterpulter: über Hals iib Kopff, in unordentlicher Eile: | 
tumultuarie. CAhulter de pulter de Treppen ben - 
Dahl, (agt man von einem, der die Stiege herunter 
purtzelt. M.) 

b'mme! interiectio prohibentis: Verbietungs- Wörtlein, | 
voomit man Einhalt tuc, Wie tuͤſſe! 

sbunnnig : wird vom Mehle gefagt, mann e$, aus Mangel 

freyer $uft, fi) angeftedfet, und einen wiedrigen faulen 
Geruch und Geſchmack befommen har. 
Hümpel: Hauffe: cumulus, | 
bumpumpen: binden, | 
Hunckebunck: fiehe Buncken. 
Aund. Sprw. So bekannt as de bunte Hund. 
Hunknuſt: das Kern⸗Gehaͤuſe in Aepffeln oder Birnen, 
Aupe: Hauffe. jupes bóger warden; empor kommen. | 
büppen, it. huͤppern: hüpffen. 
uphuͤppen: aufbüpffen, it. geſchwinde bereit feyn zu dienen. 
He meent, man mutt em flucks upbüppen; « 
meinet, mau muffe ibm fogleid) aufwarten, | 
Aüppup: der Steiß am Geflügel: le groupion. | 
Huͤpperling: ein fleiner Bube, der, gern heruͤm fpringer, 
und nicht ſtill ſitzen kann. bn 
(Huͤpp⸗Peerdken: Steden- Pferd der Kinder. M.) 
buppen, it. torügge buppen: mit Pferden oder Wagen 
zurück weichen. 

Hurck: hurcken: dahl hurcken: in de Hurck fitten: 

Den, nieder hocken: conquinifcere. Conf. hu⸗ 
en, . . 











hurrl: 


HAMBVRGENSE; IOI 


Arrl: beftürge, ic. erregt, aufgebrad)t, He word dang 
hurrl: er fan gang in Harniſch: cotus commouebatur. 

üfputt: gefochtes Fleiſch in Fleinen Stuͤcken. Scheinet _ 
mehr Holländifch als Niederſaͤchſiſch zu ſeyn. Wir nen⸗ 
nen es ſonſt Grapenbrade. 

uͤſch un Snuͤſch: allerhand durch einander. Wird veraͤcht⸗ 
lich geſagt, z. E. von Speiſen, da allerley zuſammen ge⸗ 
menget iſt, wie auch von einer Geſellſchaft, die aus vieler⸗ 
hand ſchlechten Leuten zuſammen gelauffen. — 

ıffen (ssmolli), huͤſſeken, inhuͤßken: einſaͤuſeln einwie⸗ 
gen, wie man die Kinder durch ein ſanftes ruͤtteln mit 
fingen ober ſaͤuſeln in ben Schlaff brerigẽt. | 

üitentütb: Schimpf-Wort auf einen unnuͤtzen Arge, wel⸗ 
cher beym gemeinen Manne beiffet: Doctor Huͤten⸗ 
tüth, de den Lüden bat Water befübt. M.) 

itt un hoh: Horte und ſchwude: Worte der Fuhr⸗Leute, 
wann die Pferde rechts⸗ oder lincks⸗hin ſollen. PerMe- 
taphoram von einem dummen Menfchen: be weet 
nich putt noch bob: er weiß nicht, mas recht oder 
line ift. 

Cbutt jü! Antrieb der Pferde. M) 
uve un Zuͤlle, fiehe Hülle, 


S. 


atten: Deiffet bey ums auch befonders das Verfolgen der Pfu⸗ 
(der unter den Handiwerdfern : mann nebmlid) die otz 
dentlichen Ampts⸗Meiſter, mit Beyſtand Obrigfeitlicher 
Diener, Hausfuchung tun, und umerlaubte heimliche - 
Werckſtaͤte ftören. Solches nennen fie bloßhin jagen, 
oder aud) Boͤhnhaſen jagen 

verjagen: erſchrecken; wird, mie verfeeren, zwar atid) 
actiue gebraucht: verjager bat Rind nich : erfchre- 
cket e$ nicht; meiſtens aber reciproce: ſick werjagen; 
dar verjage ic? my voͤr; be bett ſick (o deger ver⸗ 


a 
HS 6 5 Jagd: 





102 ' IDIOTICON. | 


Jagd: wird nicht nur de venatu, fondern aud) von Zanck 
und Steeit gebraudye. "Jagd bebben: Streit und . 
tarmen haben. "Jagd holen; zanden. . | 

jachtern: ein frequentatiuum von jagten, bedeutet fpielend 
heruͤm lauffen und turniven, wie bie Kinder einander ja 
‚gen. Se jacbtert un bavet; fie fpielen und toben. 

jahnen: ift ein verlohrnes Verbuni fimplex, wovon aber nod) 
zwey compofita bey ung vorhanden. Es mag fo viel 

——— V bedeutet haben, als den Mund weit auftbun , wie 
ſoiches abzunehmen aus bem Hoch⸗Teutſchen gábnen, 
und aus dem Griechifhen Zar: hiare, welches ohne 
Zweifel verwandte Wörter find, 

bejabnen: befallen mit aufgefperrtem Munde, Um zu 
wiffen, ob einem das Zäpflein im Halfe niedergefchoffen 
fey, pflege man ihn verfuchen zu laffen, ob er dasmittelfte 
Glied feines Daumen in die fánge zwifchen die Zähne 
fegen könne, mit der Frage: Eine jy dar bejabnen? 
Und wenn er ben Mund fo weit öffnen fann, fo urtheilet 
man, e8 fen ihm bas Zäpflein, ober, wie wir e$ nennen, 
der Huk, nicht niedergefchoflen. — 

bojabnen, quafi hoch jabnen: gähnen: ofcitare. 

Jammer. Sprw. He mag allen Jammer: Ex mag jo 
Er taugt nicht dazu. 
japen: gaffen: ringi. j 

Japup: Maulaffe, ber bas Maul auffperret und aaffet. 

jappen: (d)nappen, infonderheit nad) der Luft. He jappet. 
darna: ev ſchnappet darnach. He Bann noch man 
even jappen: er fant noch faum Othem holen, 

' Cídbte. YOenn't ichts is, fó muc man't laven; Man 
.kann zufrieden feyn. M.) 

ide es. Wird nicht allein gefprochen, fondern ift aud) bor Zei⸗ 

ten bey ung deutlich alfo gefchrieben, wie aus alten Sta- 

tutis und andern Urfunden gnugfam zu erfehen. 3. €. 

id nemag neen man: es darfniemand. io ne fy alfo: 

e$ fendenn (o 2c. Welche Uebereinfunft mit bem Lateini⸗ 








-. HAMBVRGENSE. ^— 105. 
ſchen id merckwuͤrdig ſcheinet. Das heutige et Äft dem 
Hochteutſchen es näher getreten. 

1: lauter, eitel. del Dubbel-Düttjens: lauter doppelte 
Duͤttgen. He is idel luſtig: er iſt gantzguten Muths. 

item jemi! und jemini! find Derwunderunge- Wörter, 

, die aud) wol von Klagenden gebraucht werden; haben 
aber gat feine Verwandſchaft mit dem Griechifchen 
Klage Wort ao , bei mibi ; (onbert weil unſere $eute 
bisweilen ausdräctic bas Wort Herr davor feßen, und 
fagen herr Je! Herr jemmrfsTieher man klaͤrlich, daß es 

X eine SBerftelfung des heiligen Nahmens Jeſu fen, wel⸗ 
chen man nicht ausbrfifen, unb alfo ben Schein bes Mige — 
brauchs nicht haben will: fo wie man mit Bottes Sa, 
crament, mort de Dieu, und andern heiligen Wörtern, 
nicht zus fündigen bermeinet, wenn fie nur durch potz 
ſchlapperment, morbleu und dergleichen verſtellet 
werden. 

jemi ja! allerdings: if eine Bejahung, deren mon fid) aber 
auch hönifcher Weife in contrarium bedienet, wenn man 
verneinen till. 

t ife. Hollaͤndiſch gby. Hyr jy: Worte, womit man ie« 
mand ancuffet. 
idder: Guter: vber. 
chen: minfeln, ein Fläglich Gelaut geben. 
pen: pfeiffen , wie bie jungen Küchlein: pipite. 
€: Egel: hirudo. Sprw. He ſupt as eene Ie; er ſaͤufft 
wie eine Egel. " Ä 
er, für aller, wird, nach Hiefiger Mund⸗Art, ben. Superlatiuis 
vorgefeget : illerbefte, illermeifte 2c. für allerbefte, 
allermeiffe ıc. 
ngedoͤhmte: 1. ber Hausrath, ſammt was in Kiften und 
Kaften if. 
2. das Eingeweide im Schlacht⸗Vieh. 
3. das Gefüllfel im Gebratenen. oder Ge; 
badfenen. 
4 ingrim⸗ 


V 





P 


\104 TCIDIOTICOÓN — - | 
A5 Iche grimmein. 
Inlede, iehe Lede. 
ins: einmdpl. Noch ins: noch einmal (£v (be ine: 6» 
fet doch. Sprw. Dat beet ins , man kumm my 
nich bett: bas ift einmahl, abet komme mit nicht wieder. 
Jnfiag, ſiehe lag. 
inwys, fiebe wys. 
Cjo! Et mag jo! hat ſich mol! M.) 
jochen: liegen: menti 
(In Kiliani Di@ionario: jocken: nugas agere 
raiber, fe moquer : & "jocher: nugator, gabeur. G.) 
(go (em): Jugend. M.) | | 
"Johann Rapp, ſiehe rapp. | 
jóEen (on): jüden. Joͤk⸗Salve: Salbe wieder bie fe. | 
joͤlen: fingen: cancillare. Mag ehemahls eine befere Bedeu 
‚tung gehabt haben. Jetzo wird e$ nut von einem rauhen 
und unlieblichen Gefinge gebraudyet. 
Gejoͤle: Geplärre: cantus rudis & fine arte. 
Joͤlſtinte: Eleine Are Fiſche, welche man ausfchreiet. M.) 
Joſt: Iuftus. 
blinde Joſt: bamit (dift man einen, der übel ficher. 
bunte Joſt: ein fogenannter Cagel, von bunten Riem 
geflochten. - | 
ju, oder jo, oder auf baͤuriſch jou: euch. Ick ſegge ju: ich 
" "aie eub. Wat —* jo dat a v et ad 
.. ba$ an? 
juwe: euer, Juwen Hund: euren Hund. 
"jücbe: ‚dünne Brühe, ſchwaches und ungeſchmacktes Ge⸗ 
traͤncke. | 
"Jüchen Brauer ; der fein Bier ſchlecht macher. 
jüchhaftig: dünne und ſchmacklos. 
Juch bey: Froͤhlichkeit mit pöbelhaftem Gelaut, 
(jucbbeyen: jauchzen. M.) 








Juden⸗ 


HAMBVRGENSE. 105 


Juden⸗Loͤpers: eine geoffe Art Schnel- Kugeln, womit die 
S Kinder fpielen. 
. gm: ihnen. Ick Fame jüm nich: ich komme ihnen nicht. 
Jumffer: Syungfe, Jumffer in Zeren, Magd in 
Aleeren: ift die (cbóne Antwort der Hamburgifchen 
Mägde, wann man ſie Maͤgde nennet. Syo fie fprechen 
wol noch fauberer: Hey jg mybem ».. 
umffeen: Nymphen: libellae. Genus infe&i volantis, 
J Siehe Gaespeerd. 
juͤmmer, ic. alljümmer : immer, flets. Juͤmmer un jüms 
mer: unaufhoͤrlich. (Dat is jümmer Schade: 
dag ift ewig Schade, M.) | | 
jme: iemand, 
jung Yard? : neuangehende ungeroofnte Arbeit, Alfo fage 
man z E. von etft angetretenen Ehe⸗Leuten: et is mit 
jüm noch jung Warck. 
Juͤrcken: Juͤrgel oder Görgel. Dumm Juͤrcken: einfäl- 
tiger Tropff. (Juͤrcken aller Bogen : fündlicher 
Spott⸗Nahme eines der vor dem Tifche lautbetet. M.) 
- $umm Juͤrcken Pulver ; Puluis Gummi Guttae. 


S. 


Kabbauen: badern, wiederbellen, , beiffern. 
Kabbau: Haderfage, zaͤnkiſch Maul. 
Eabbeln, fiehe Eibbeln. 
(Wird auch vom Waſſer gebrauchet, wann felbiges vom 


Winde etwas unruhig ift: et Pabbelt een betjen: es 
fpielet ein wenig mit Bellen. M.) 


BRabel : Babel, Cau: ein ſtarcker Strick, Shiff-Seil: 
" reius. . e 
Faddeln, fiehe Farreln, in Karte, 


Kaeck: Pranger. Daher wolleneinige, bag in Hamburg das 
- Gäßchen die Bacd'e tute ben Nahmen haben il 
| 5 wei 





106 IDIOTICON 


weil vor alters, alsnoch bas Nicolai-Kirchſpiel bie Hans 
burgifche Neuſtadt gewefen, der Pranger infelbiger Ges 
gend geftanden. Andere wollen, daßein Mann dafelbfl : 
gewohnet, welcher Kaeck geheiffen. Hr. Sluͤter ift der 
Meinung, baf e$ diefe Twyte gewefen, bie man im alten - 
Zeiten bie Gold⸗Twyte genennet. Bon den Erben in 
Hamb. P. III. Tit II. p. Gor. 


% . 
Kaeck up: ein Spiel ber gemeinen Gaſſen Jungeu welche 
Steine auf einander fegen, unb von einem Mahle bat» 
tad) werfen; da denn derjenige, fo vorbey wirfft, de 
Kaeck⸗Hoore genennet wird, weil ec fo lange ftehen, 
und den andern die Steine auffeen muß, big er durch eis 
nes andern Fehl⸗Wurff abgelöfet wird. 


Kaff: Spreu. 


(Baff- Haarmaker: Sammitweber, deren abgefihorne 
Seide, weil fie wie Haar-Spreu ausfiehet, Kaff⸗Haar 
genannt wird, M.) In Hamburg Ipricht mans aus 
Kaffamaker, und die Gaffe, fo bavon ben Nahmen fat, 
wird im Stade» Buche und in der gedruckten Feier 
Sprügen-Ordnung angezeichnet Die Raffamadıer- 
Reege. Nun hat zwar diefes Handwerck nichts zu thun 
mit Caffa , welches find Toiles de Coton, peintes de di- 
verfes couleurs, & de diférens defleins, qu'on aporte 
des Indes Orientales. Wie aber? wenn e$ eigentlich 
hieſſe Caffardmacher , indem der fogenannte Caffard 
biejer Art Arbeit näher verwandt ift, als welchen dag 
Dictionnaire de Trevoux folgendergeftalt befchreibet: 
Caffard eft unc efpece de damas ou de fatin. Dama- 
Sceni operis bombycinus pannus. Le veritable damas 
caffard cft cout de fil : mais le damas caffard ordi- 
naire eft celui, dont latréme cft feulement de fil, & les 
chaines de foye, & qui fe manufadture en Flandres. 


CAatten:. Suften und Schnuppen beyfanmen. M.) 
Bahn: Sprw. Goot im Kahne ftabn: avoirdutalent 


pour les femmes, M.) 





Ael : 


HAMBVRGENSE. 107 


Kaͤkel: Plauder⸗Maul: le caquer. Wo geitemde Räkel: _ 
mf gebe ibm bas Maul ! | 
. Päkeln: plaudern: caqueter. Vielleicht ift das kakeln ter 
Huͤner damit verrvandt, Beym Corn. Kilian im Ety- 
mol. findeich ad) bae Wort kaͤken: garrire, blaterare, 
— increpare, Angl. checke. Raͤker: garrulus, 
LO, 

Adfeler: Plauderer, Zaͤncke. 

Kaͤkel⸗Reem: Zungen-Band: ein Haͤutchen unter!der 
Zunge, welches den Kindern pfleget geloͤſet zu werden. 
Daher ſagt man von einem, der gut Maul⸗Leder hat: 
de Kaͤkel⸗Reem is em qoot ſneden. 

kakelbunt: vielfärbig, buntſcheckicht: verſicolor. Wird mei⸗ 
ſtens im veraͤchtlichen Verſtande von einer zu ſtarcken 
und ungeſchickten Vielfaͤrbigkeit gebrauchet, wie etwan 
einige Huͤner allerhand bunte Federn durch einander 
her haben. 

kalfatern: ausbeſſern: reparare, farcire. Man ſagt es ei⸗ 
gentlich von den Schiffen, wann ſie gedichtet und geflicket 
werden. Der mittleren Griechen xa Aa ác, xa^a- 
Carré unb zaraParilen find allerdings damit vers 
wandte, | 

Famen: Eommen. (ame voy van dage nich, fo fame 

- — voy morgen, Symbolum procraftinantium. M.) 

— Aumft; Ankunft. YDanneec voas oe ZAumft: wann 

ſeid ibt angefommen ? . 

ankamen : beiffet aud) anbrüchig werben, anfangen zu ver« 
derben. Dat Sleefcb is all ankamen, d. i es hat ſchon 
einen Anſatz von Faͤuluiß. 

Bekumſt. Siehe lic. B. | 

^ fértamen: verrichten Finnen: tei agendae fuflicere. He 
tt ſo veel to bobn, bat be et nich all fórbamen 
ann: et, Bat fo viel zu thun, daß ec nicht alles beſtrei⸗ 

gen tant. 


berkamen bat Dey tms einen fonderbaren und faft go | 
S igen 





. 108° | IBIOTICON 


figen Gebrauch, indem wir es allen Verrichtungen vor 
fegen, deren Beginnen oder wirdliches Thun wir anden- 
. ten wollen. 3. €. He Eummt ber un fleit my, an 
ftat bloß zu fagen : er fchläge mich. Item : Ramet man 
nich ‚ber un leget: an (tat: lieget nur nicht. Wobey 
denn bisweilen ein Zufammenftoß wiedriger Begriffe mit 
unterläufft, s. &. 00 Eam ic berun ging weg, indem _ 
—5 und weggehen einander wiederſprechen. Die 
ranzoſen brauchen ibt venir unb aer richtiger. Denn 
von dem, was ſie erſt thun wollen, ſprechen ſie je vais 
faire, und von dem, was ſchon geſchehen iſt, je viens de 
faire. (Sprw. von einem vergeblichen Thun, das nichts 
wircket, unb nicht geachtet wird: Dat is even ſo wech, 
als kumm ber, un oo't noch mahl. M.) 

Aamp up gahn laten: eines gegen das andere aufgehen 
faffet, Denn, wann folcheg geſchiehet, fo höret der 
Kampff auf. 

Kannen⸗Gluͤck nennet man, warn einer den legten Trunck 
aus bem Geſchirr thut, und eben nod) fovieldarinfindet, - 
als ihm gnuͤget. | a 

Kante: Ge, Rand: ora, extremitas. 

(Itidem Danicum, ficut & hoc de vafc: At fätte 
paa Kanten. Zantet: angulofus. Atque haec 
omnia in Belgicis eadem. G.) 
abt an de Kant: gebet auf bie Seite: rétires vous. 
Tn de Aant fetten, wird vom Gelbe gefagt, welches 
aufge(tecfet oder gefparet wird, indem es fonft beym auge 
geben auf der Fläche zu liegen fommt. £e is mit em 
up de Kant, (Holland, op't kantje): e$ gebet mit ipm. 
auf bie Steige: ad extrema redactus eft. | 
, Kanten: Spigen, weil damit der Rand beſetzet unb gezie⸗ 
tet wird. | 
kantig: edig, fpißig. Item: munter, lebhaft. He is all 
— wedder kantig: er ift (fon toicber frifch und aufges 
teft. Conf. wehlig. 
veerkantig: viereckig. Item: grob, dumm. —— 
kanten, 


mL _ ZEM- o ome 








HAMBVRGENSE. ^" 109 


Banten, upPanten: ein Faß ober dergleichen an einem 
Ende aufheben, daß es mit bem andern auf den Rand 
zur Meige zu ſtehen kommt. | : 

RKant⸗Hake: eine eiferne Klaue, welche man an ſchwere 
Gefaͤſſe anfchlägt, bie geEantet, oder an einer Seite ge» 
hoben werden (offen, Sprw. Bym Rants Aalen 
kriegen: anpacken, greiffen. | 

kanteln: herüm holen, ümfehren ; wie al(o bie gefangenen 
unb am Schiffe liegenden Wallfiſche gekantelt, dasift, 
mit Hafen heruͤm gebolet werden, im auf allen Seiten 
den Speck davon zu fihneiden. 
effanteln: den Rand abnehmen: extrema. circum- 
cidere. | 


Papen, fiebe jspen, 
Kaper: Gaffer. (Spew. Mehr Aapers als ZA Opere; 
- mehr 3uftber als Käuffer.'M.) | ,. 
Kappen: abhauen, abhacken: praecidere, amputare. Dat 

Cau Eappen; den Ancker kappen; den Maſt Bap: 
pen; u.d.9l. (Nempe ex Belgico, quorum nauticae 
permultae voces phrafesque nobis ac Hamburgenfi- 
bus &c. communes funt. G.) Bondiefem Niederländis 
(hen Worte fommt nicht allein das Engliſche chip, unb 
das Sranzöfifche couper , fondern e8 haben aud) in den 
mittleren Zeiten bie Latino barbari bag verbum capu- 
Jare daraus gemacht, 3. E. capulare nafum, linguain, 
caudam, fepem, veftem &c. wie babon bas artige Glos- 
farium Oliuarii Vredii nachgefehen werden fann im er⸗ 
fiet Tomo feiner Hiftoriae Comitum Flandriae; p 254. 

afkappen: abpauen: Gr. àzexós]ew, quod confonar. 

bekappen: behauen. Den Boom bekappen: b. i. ihn 
einige Zweige nehmen, 

KRapp⸗Hahn: Gapaun, capo, xarwr. Gallus caftratus, 
cui excifi funt tefticuli, & crifta ademta. 


(karantzen: peitfchen, prügeln. M.) Syd) halte aber diefes für 
Fein Niederfächfifches Wort; finde e8 auch im a 
m ym 


E 





IIO IDIOTICON 





(den Reim⸗Regiſter gefchrieben currangen, und fle 


dahin , in welcher Sprache e$ zu Haufe gehöre. 
Karcke: Kirche. (Tho Karck un Marckt fóbren: die 
Heirath mit einer Frauen wirflid) vollziehen, M.) 
Barmen: wehflagen, ftehnen. Daher vielleicht das angle 
ſche vacarme. (Karmen & Kermen: lamentari. Sic 
Kilian. in Diction. G.) 
Parnüffeln : heiſſet bey ung mit Faͤuſten ſchlagen, prügeln, 


eöffe geben. Eenen deget doͤrkarnuͤffeln: einen 


tuͤchtig durchprügeln. Eigentlich (off das Wort Kar⸗ 
nüffel einen Bruch im Felle bedeuten. — Hr. Wachter 
ſchreibt es Carniffel, unb erfläret e$ rupturam pelli 
{ynecdochice herniam 5 und carniffeln cutem verberi- 
bus rumpere. in Gloflar. p. 242. Eben diefes fagt der 
fo genannte Spate, oder Hr. Stieler un Teutſchen 
ESprach⸗Schatze p.932: Karniffel, alia diale&o, 
AJAarnóffel, Hoden⸗Bruch. Inde etiam dicitur Bars 
niffeln, quod non folum genus Judi eft, fed etiam exa- 
gitare, cruciare, ac verberibus foedare, ita vt quis offe- 
rumenta (leg. offerumentas) babeat in tergo, vt Plau- 
tus loquitur. Wie aber derfelbe diefes Wort wolle ab» 
ftanımen faffen von Karnis, welches an Geſimſen in der 
Bau⸗Kunſt vorfommt, und bey den Italiaͤnern cornice 
heiſſet, ſolches fann id) gar niche begreiffen. 
. Rarpmiß: foll Heiffen Rarckmiß: Kirch⸗Meſſe, Jahr⸗ 
Marckt. Holländ. Kermis. Een Rarpmiß Eöpen: 
etwas im Jahr⸗Marckte fauffen. Wat tor Rarpmiß 
qeven: einem eine Meffe ſchencken. 


Rarre (aaperto) an flat Rarve: Kerbe: Einſchnitt. Eene 


Karre Hering: ein Seringe; Schnitt. _ 
inFarren: einferben. | 
Earreln, welches gemeinigfid) kaddeln atisgefprochen wird, 
bedeutet ein ungefchicfteg fchneiden, mie man z. E. von 
(übt (S Pb did ubt e a is sre anche oder et 
t ſo übt: c6 ift unarti itten, e$ 
ſiehet zerferber "A si acne: 


— 





HAMBVRGENSE.  . III 


— Rarrme: Botter⸗Karrn: Butter-Faß, worin mit einent 
geferbten Stoͤrl ober Stölfel, welches eine durchlöcherte 
Scheibe an einer hölßernen Stange ift, Butter gemacht 

karrnen: battern. 
Karrnemelck, vulgo Karrmelck: Butter⸗Milch. 
en KRarrnmelcks⸗Geſicht: einer der blaß und 
« gelblicht ausſiehet. 
KRarſtick: Stacket, Gitter - Zaun von fattens Werck. 
Rarve: Kerbe. Barmen: Erben - 
RarvesStoc: Kerb⸗Holtz. Ä 
Barvel: Kervel-Kohl, der geferbte Blätter bat, unb den 
| man ferbet. 
( Kaß: Kreſſe. Born⸗Kaß: Brunnen⸗Kreſſe. M.) 

CKRaß⸗Beeren, an (lat Rarß⸗Beeren: Kirſchen. "Belg. 

| Karsfen. M.) | 

kaſch: friſch, ſtarck: vegerus. He io nodo kaſch: ex har 

noch gefunde Kräffte. " 
(Kafk Danice rectius & integrius dicitur Karfk. 
Sicque in Euangelio : de Rarfte hafve ikke Laͤgen 
bebof, men de fiuge: Sani non opus habent me- 
dico Oc. Pasfum itaque hoc vocabulum ijdem quod 
batf£ , acerbus, faporis acris; fcil. vt t amitteret in 
ore Hamburgenfi. — Vid. fup. in bafcb. G.) 

Raͤſelken: kleine Wohnung: cafula He fitt án fyn Kaͤſel⸗ 
Ben: ec kommt niche unter bie fente. | 

AAefpel, Rarfpel: Kicchfpiel. Raſpel⸗Rarck: templum 

dioecefanum. | ^ 

Kaſten, pro Carften: Chriftion. Sprw. Dat is em 
Rerel as Caften: das ift ein braver Kerl, 

taften, an (iat Carſteln, das ift Chrifteln; durch die Tauffe 

um Chriften machen. Vocabularius Teuthonifta : 
eftenen: doepen. Ongekerſtent: carechumenus. 


VNyh gekerſtent: neophycus. 22 
LA | Ainder> 





112 IDIOTICON 


-  RindersRaften: Kind-Tauffe. Cbo Rinder Raften 
gahn: zur Kind» Tauffe gehen. 

RoftelsTüg: Tauff⸗Geraͤthe, bas den Kindern bey der 
Tauffe angelegt wird. 

Raſtengeter: Kergengieffer. Holländ. Kaersfengieter. 

Rote: ein Bauer-Hänslein, und fynecdochice nennet man 
ein iebeg fchlechtes verfallenes Haus eene oble Rate, 
Doch) wird in unfeen Marfch-tändern ber Nahme Rate 
nicht eben von feinen und armfäligen, fondern, zum Un 
terfchied, von folchen Haͤuſern gebraucht, bie Feine ſoge⸗ 
nannte Hof⸗Steden haben. Daher ein Kaͤter oder 
Raͤtener derjenige genannt wird, Der ein bloffes Haus, \ 
e8 fen Flein ober groß, ohne zugehöriges Gehoͤfede oder 
Baur Erbe bewohnet. Dahingegen Deiffet ein Haus⸗ 
Mann, oder Hoͤfener, der bey feinem Erbe einen 

gantzen oder halben Bau Hof bat. | 

Ratte: Sage. 

AAlatter » Att? f. Alatte, | 
Kloſter⸗ Katt. Sprw Ze bett eenen Kopp alseene 
Kloſter⸗Katt: er ift fein dick - fópffig. | 

Kavalje: alt verfallen Haus, Iſt ein Flaͤmiſch Wort. 

(Bauen: kaͤuen. Sprw. He weet Dat nich co kauen, von 
einem, der was gutes bat, und e$ nicbt zu brauchen weiß. 

nakauen: einesandern Worte ſpoͤttiſch nachfprechen. M.) 

Feddeln, ic. Eetteln: kitzeln. 

keddelich: Fislich. 

Keeke: Mund, Maul, ift ein Poͤbel-Wort. Gevet em et» 
nen up oe Keeke: fchlager ibm aufs Maul, gene 
leege Keeke bebben: ein los Maul haben. 

Keenroock: Kienruß. Sprw. womit man eine fchlechte 
Schönheit befpottet: Se führt ubt als Melck un 
Keenroock, an (tat: als Milch und Blue, 

keeſen: 1. Fiefen, wehlen: cligere. 

verkeefen: verwerffen, nicht wwehlen ober haben 


vollen. . 
ef tees 








HAMBVRGENSE, 115 


afhkeeſen: abdanden. Alſo finde id) in Herm.. 
Mövers Berzeichniffe der Hamb.Rathsherren: 
dat be Olders halven afkofe. ic. he koſe 
Olders baloen af. | 
^. gerinnen: coagulum fieri, De Melck Eeefer: 
die Milch gerinner. 


ehlſteker: nennet man unter den Hamburgifchen Kauffleu« 
ten diejenigen, die allemahl hinter folche $eute her find, bie 
auf ſchwachen Füffen ftehen, unb aus Noth verfauffen. 
müffen : da fie ihnen denn die Waaren für einen fd)ánblis 
hen Preis abdringen, und gleichfam ihnen die Kehle ab» 
ſtechen, bafi fie babe nochmendig verderben müfjen. 


Kehre gabn: lärmen,toben. 100 gab fy f$ mitem to 
Bebre? Wie hanthierer ipe mit ibm fo übel ? 
(Videndum an non pertineat ad vetus noftrum at 
Eaere, at klage til Dinge, accufare in foro, litem inten- 
dere, vel conqueri de aliquo.. At kaere og Eifts, liti- 
bus & iurgiis. Raeremaal, actio forenfis. Et Anglo- 
Saxonibus Cearian, queri; Cearung, querela. G.) 
Ohne diefe Muthmaſſung zu tabefn, deucht mich doch naͤ⸗ 
her zu fepn, wenn ich entweder bey dem Teutfchen Worte 
Kehren bleibe, und to Kehre gahn erklaͤre: ſo zu 
Wercke gehen, als wenn man alles uͤmkehren wollte; 
oder wenn ichs herhole von dem alten Niederlaͤndiſchen 
kerren, welches der Teuthoniſta dollmetſchet rappen: 
ſtrepere. | 
gans ubt oer Kehre: gang vom naͤchſten Wege ab. 
Gaht nich uht der Kehre: nepmet feinen Ummeg. 
Reben): Wind-Stoß, plögliches Mngeftüm : procella ſubita 
& impetuofa: anspcs TuCDovis óc , welches Lutherus 
Ac XXVII. 14. gegeben bat: eine Windg Braut. 
kenne, für Aennis: Senntnig, Befannefchaft, Syn ole 
Kenns: fein alter Befannter. Ick bebbe dar been 
Kenns an: id) bin damit nid) befannt, 
tttelbaarig , fiehe Haar. | . 
ug $ (Bett 





114 IDIOTICON | | 


CAettjens nennen die Kinder bie cauce Blüche an den Haſel⸗ 
Nuͤſſen und etlichen andern Bäumen, als wären c8 
baarichte Käggen. M.) 

Kettjevaar / ein Spiel der Knaben, worin fie einander jagen 
und haſchen. (Bom Engl. catch, fangen, ertappen. M.) 

Peut; frech, dreift: aus dem Holländifchen kuyz: ferox. 
Een keuten aff: ein trogiger Menfch. 

Eibbeln, ic. Eabbeln, ic. Fibbel-Fabbeln: zancken, hadern. 

Se kibbelt ficP: fie zancken fid. E 
Kibbeley: Wort: Gezände. | 
(Ribbeltwoyte: der Nahme eines Neben⸗Gaͤßchens in 

Hamburg, worin (id) vielleicht Haderfagen befunden 
haben. M.) 

(Ayf: Auspuger, i. Sand. — Kyf krygen: ausgemacht 
werden. M.) , 

Kiffe: ein fehlechtes elendes Haͤuslein: cuguriolum. 

| (Noftrates Kippe vocant. Hore- Kippe: lupanar. | 

Anglo-Sax. Cip : tabernaculum, Cambro-Brit. Cyfod: 


habitatio, manfio. G.) 


Kyke: ein fleines irdenes oder Füpffernes Feuer⸗Gefaͤß, oder 
KohlensTiegel, worüber bas Frauenzimmer des Win 
ters fich zu feßen pfleget. ' 

kyken: gucken, fehen. Holl. kyken. — (Sprw. Kyk up de 
Tuͤnn, wo hoch fittoe Suͤnn. it. Kyk ind A: 
ein Mann, ber immer Acht giebt, was beym Heerde und 

in der Küche vorgehet. M.) SU 
- AyEubt: bas hervorragende $eber am Schu, tiber der 
Schnalle. Auch nennet man alfo den Striemel oder bie 
Kappe von Dammaſt, welche an die Seite eines Haupt 
Kuͤſſens gefe&et wird, üm durch bie feinen Spigen der 
Ueberzüge durchzufcheinen. : 
kyks as kaaks ift beym gemeinen Manne eine Nebens-Xrr, 
womit (ie ein Bleichevielandeuten. Dat is kyks als 

kaaks: das ift eines nicht beffer, als das anderer. . 


Kyl: 








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m» 
* 
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HAMBVRGENSE II$ 


Kyl: r, Keil: cuneus. 





2 bekylen: mit bengefchlagenen Keilen befeſtigen. 


Sprw. De Neſe bekylen: fid) beſauffen. 
tokylen: he hett em eenen tokylet: er hat ihm 
em derben Schlag nt bat ib 

2. eine Spalte, Oeffnung, Einſchnitt, und inſonderheit 
der Schlitz forne an den Hoſen. 

Kyl⸗Stuͤck: ein Stuͤck vom Ochſen, aus der inne 
ven Klöbe der $enben, wo der Kreuß- Knochen 
" durchgehauen wird. 

3. ein keilfoͤrmigtes Stück Tuch ober Leinen, womit man 
ein Kleid nad) unten erweitert, dergleichen. Ein 
die Falten der Röcke, in Maͤntel und Frauen⸗Hem⸗ 

. bet eingefege wird. | 
4 der rund Balden am See-Schiffe in bie fánge. 
kylhalen: ein Schiff heruͤm holen, auf bie Ceite, bag 
der Ayl hervor fomme, Siehe Bulle, 
(killen: eine falte Empfindung geben. Z. E. My Eillen de 

Töne, de Singer, de Sóte zc. die Zähne, Finger, 

Fuͤſſe xc. find mir empfindlich Éalt, M.) Das contrarium 

ift hiddern. 

A ym : dasjenige, was fic) aufverdorbenen Wein ober Bier ale 
eine Haut anzuſhen pfleget: mucor. Daher fagen wir: 
et kymet, ober et is IAmig worden. Verwandt ift hie⸗ 
mit bag Griechiſche xu a, c8 mag ſolches flu&um oder 
germen bedeuten. Denn, im erften Falle wird der Ayın 
angefeben als ein era pec és 71, im andern aber ale 

ein feimenbes Gewächfe, wie allee Schimmel iff. 


-Aymer: ein Böttcher oder Faß- Binder, der nur groffe Kübel 


und Gefäffe macher, deren dicke Böden nicht abgefchärffee - 
und in die Stäbe eingekroͤſet, fondern nur dicht ange» 
— floffen werden, 


Kinck⸗Hooſt: Keich⸗ Huſten. M) u 
Kinder. Bon einem, der häßlich ausfiehet, Deiffet es: man 
full dar Kinder niit to Bedde jagen. 


$2 Kinder, 


16 — IDIOTICON :: | | 


Binder Kaſten. Siehe Kaſten. 
Kindsfoot: Zuckerwerck beym Kind⸗tauffen. M.) 
Kinjees: Kind JEſu, Chriſt⸗Kindlein. Bedeutet aber im 
gemeinen Gebrauche bas Chriſt⸗Geſchenck, oder bit 
Weihenachte⸗Gabe. Tom Kinſees geven: zum heil, 
€ brit ſchencken. Se krigt eenen goden Kinjees: fie 
krieget was gutes zum Weihenachten. Weil auch in al⸗ 
sen Zeiten an unſerm Orte der naͤrriſche Heruͤmgang mit 
bem Chriſt⸗ Kindlein unb Knechte Ruprecht getrieben 
worden, ſo iſt daher unter dem Poͤbel noch das unartige 
Sprichwort geblieben: He ſuͤht uht, als een Kinjees, 
b. i. et bat einen kindiſchen und uͤberfluͤſſigen Auſputz. 
Kinn. Sprw. Lp nA ínn bolen : ſauffen. He holt gem 
upn Kinn: ec ift bem Gefóffe ergeben. Spige 
un pig Rinn, bar fit de D.. lin... . 
Aype: ober, Trage: Korb. In grober Leute Sprache der ' 
Bauch. He legt eene gode A ypetoz er geminnetei- 
nen ziemlichen . noe Aype fisten: in den 
Leib ftoflen. | 
Aypens Dresger: der einen Kober trägt, 
Eippen: 1. abbauen, abfehneiden: ampurare. fiehe Fappen, 
Kipper: der bie Muͤntze beſchneidet. 
2. abfallen, abgleiten, menn nehmlich etwas auf dem 
Aufferfien Rande ftehet, da es feine Haltung hat. 
Daher (agen wir: et ffeit ttp de Rippe: esfann 
fi) nicht Halten, eswillüberichlagen. Et kippet 
af: es fälle herunter. 
upEippen: aufheben und auf die Kante ſtellen. 

| Siehe upfanten. 

Bon bem Griechifchen xóz]u» geftehe id) bie Ver⸗ 
wandfehaft mit Fippen gar gern. Die Göttin Cjzele 
aber mitihren taumelnden Prieftern bey den Haaren Die: 
her zu ziehen, überlaffe ich dem Verfaſſer des gar zu ge: 
Ichrten Verfüche einer Erklaͤrung vieler eigentli- 
chen Deusfchen Aedensassen, aus oen Morgen⸗ 

lans 








HAMBVRGENSE. 117 


lánbifcben, Briechifeben und Roͤmiſchen Atters 
tbümern, im fiebenden Bande der Seipz. Eritifchen Bey⸗ 
träge, p. 8t. Denn fo bendfet nur einer, der auch glau⸗ 
ben fann, weil die Hand Mühlen bey den Römern aud) 
praefepia, Krippen, genenmet worden, „fo fage man von 
„einem alten felavifhen Menfchen, er (ey ein alter 
„Krippen⸗Beiſſer von xovg; occultatio, d. i. der 
Ort, too bag Heu verborgen wird. ibid. p. 88. 

Liſten⸗Pand: was man in Kiften und Truhen verwahrlich 
hält, und zu Pfande haben oder geben kann. In Gon; 
tracten wird bey uns gemeiniglid) zuſammen gefeget: 
Rift un Aiften» pano, Bedde un Beddes Bes 
wand, Ä | 

Aywitt: Kybitz: gauia. Von diefem Vogel machen wir ein 
Sprichwort, mann einer fid) üm anderer Leute Sachen 
befümmert, und feinen eigenen nicht vorfteben kann: 
De Aywitt voill bat ganze Moor verbibden, un 
Bann (yn egen Neſt nich verbidden. 


lachen: klecken, Flecken machen, Een Rischen: ein Kleck. 
Sprw. Dan Ghad'en kamt Rlachen, b. i. mer gern 
plaudert, der haͤnget fid) oder einem andern leicht einen 
Schand⸗Fleck an. Ä 


Mackloos, ic. klackloͤſeken: nicht feſt, loſe ungewiß. Wird 
inſonderheit vom anfaſſen und halten geſagt, wenn man 
etwas leicht fahren oder aus der Hand falleu laͤſſt. 
Alad'loos holen: nicht recht fet halten. Klackloos 
up den Foͤten: ungewiß oder unfeſt auf den Fuͤſſen. 
Scheinet tool eine Metaphora von einem Mauers oder 
Tuͤnch⸗Werck zis ſeyn, wo man ohne Bindung etwas 
fleet, bag leicht: wieder abfaͤllt. Der oft angeführte 

: Teuchenifta. fehreibet e$ nad) feiner Flaͤmiſchen Are 
clacklois , und erkläret es durch alymck: voeldyes Wort 
aber dafelbft an dem Orte, dahin er den Leſer verweiſet, 
nicht zus finden. 


„A 





84. Neb. 


118 | JIDIOTICON 


Rladde: 1. Schmug, Unfauberfeit. In de Kladde fo 
men: in Berfall gerathen, wie etwan einer, der 
‚in den Koth zu (tecfen fommt. | 
2. Der erfte Entwurff, fo voie er aus der Feber nicht | 
fort ing reine flieffet, und worin eg auf klecken, 
ändern und überflreichen niche anfomme : le 
brouillon. 2E 
3. Schmug ; ud), und befonders das Buch der 
Kauffleute, wohinein alles, mas imb wie e$ vot» 
... * Éommt, táglid) pro memoria nur notiret, Det 
nad) aber iedes an feinen Dre indie Handlungs⸗ 
Bücher ſauber und ordentlich eingerragen wird. 
Eladden: 1. reiben oder bürften, daß der Schmuß abgehe.. 
Daher: afEladden. | 
2. klecken, ſchmutzig und nachlaͤſſig fihreiben, 
welches wir auch Eleyen nennen, 
kladdern: unteinfid) und ungeſchickt zu Werde geben, ins 
fonberbeit beym wafchen, Unter den Rauffleuten heiſſet 
Elabbern nut einer Waare fehleudern, unter Preis vers 
‚ Éauffen, und andern den Marcft verderben. Daher bie 
Nahınen: Aladderer, Kladder⸗Handel ꝛc. 
Aladderey : Kleinigfeit. Allerhand Aladdereyen: 
nichtswuͤrdige Dinge. 
Alsdderken: fleine und (teiffe Hand-Bürfte, womit der 
Schmug fcharff abgerieben wird, 
Kladderke, it. Kladder⸗Gatt: fo ſchilt man ein Maͤd⸗ 
gen, das noc) jung und unachtfam ift. Ä 
verkladdern: ummöthig verthun. Geld verkladdern, 
b. i. verquadeln, unnüglic) verbringen, | 
Plamm: s, dicht, euge, gedrange (von Elemmen), Elamm 
^  enorengen : dicht anfügen. De Doͤhr is 
klamm: -die Thür gehet gedrange, oder klem⸗ 
met fid). - | 
2. Flebricht, an einander hängend: compadtilis. De 
Sney is klamm: der Schnee flebet, wie beym 
Thau⸗Wetter. 3. feucht, 





Fr 





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HAMBVRGENSE. . II9 


3. feucht, gelinde nag : fubhumidus. Wird infonders 
beit gefagt von der Wäfche, bie nicht völlig trocken, 
unb von den Öliedern eines Menfchen, der in ge- 
lindem Schweiſſe ift. | 

4. falt: fubfrigidus. Alfo fpriche man 4. E. von den 

Haͤnden desjenigen, der fie für Kälte nicht recht 

, brauchen kann: fe (ünt em to klamm: nimis 
rigeícunt, Daher vielleicht verFlamen, quod 
vide. Die Niederländer haben baffelbe Wort: 
Elam, Elamp, welchem Kilianus folgende mit den 
unſern übereinftimmende Bedeutung giebet: te- 
nax: & humidus: & lentus, vifcofus: & uvi- 

| dus. Angl. klammy. 

Plapp : Burtig, fertig. Elapp in de Mund : ferrigim Maule. 

Elapp un Elar, alias fie un farbig ; völlig gefertiget, 

Klapp: Schlag; aus bem Holländifchen. He bet eenen 

. degeden Alapp Eregen : er Bat eine tüchtige Obrfeige 
gefriegt, it. metaphorice: et hat eine ſtarcke Schlappe 
gelitten, | 

klapps: Aduerbium vom Schalle des Schlages mit der 

RKlappe oder flachen Hand, 

Klappe: Deckel, und was man fonft auf» oder zufchläge: 
: valuula. | 
Duven⸗Klappe: Tauben⸗Schlag. DuvensAläpper: 
Tauben⸗Fuͤnger: regigegox Aixſuc. 
AennenzAlappe: hölgerner Kannen⸗Deckel. 
Rarcken⸗Klappe: ein Kirchen⸗Sitz, ber auf⸗ unb nieder⸗ 
geſchlagen werden kann. Nun koͤnnen zwar ſolches die 
meiften Stellen, aud) in bent ordentlichen Geſtuͤle. Wir 
aber nennen das infonderbeit eine Klappe, mas hauſſen 
an bem Geftüle, oder an Wänden und Pfeilern einyelit 
| angefchlagen ifl. - 

Mauen⸗Klappe: Aufichlag am Aermel. | 
tpblappen: auffchlagen. dahlklappen: niederfchlagen, 
Klapp⸗Hoot: ein Hut, der forue einen Auffchlag hat, 
Klapp⸗ Muͤtz: calorre. Klapper⸗ 


7 





e 





120 — ‚IDIOTICON ° 


Klapper⸗Buͤſſe: íaubesSag. ° u 
Blären : blanck machen, infonderheit zinnernes, filbernes und 
alles übrige metallene Geraͤthe. 
klaͤr⸗ Dook, ElärsPlünnen: Hadder, womit bas Zeug 
blanck gerieben wird, 
(Klas: Nicolaus. Bon biefetn Nahmen hoͤret man bey uns 
folgende Nedens» Arten: Alas Alump: ein grober . 
dicker Kerl. Dat io wahr, Alas: ift eine hoͤniſche Art 
zu wiederſprechen, als wollte man (agen: ie warum das 
nicht? quidni? feilicer &c. Syn Rläsgen darty 
. leggen: aud) ein Wörtchen dazu fpredyen. M.) 
Klatte: vertoiteter Sopff, klebricht in einander verwickeltes 
Haar 








klatterig, verblattert: zufammen gebaden, verflochten, 
unausgekaͤmmet. 0l 
Mahr⸗Klatte: Wihtel-Zopf, Mahr⸗Flechte. Iſt eut 
ſtarck ausgefchoffener, mit klebrichtem Schweiſſe faſt ute 
auflósfid) in einander gebackener Haar⸗Zopf, womit in⸗ 
ſonderheit die Polen haͤuffig begabet ſind; daher er auch 
Weichſel⸗Zopf, und Lateiniſch Plica Polonica genennet 
wird. Mahr⸗Klatte oder Mahr⸗Flechte aber heiß 
ſet er Zweifels ohne daruͤm, weil er ſich ſehr oft auch an 
Pferden befindet, unb nicht, mie einige alberne:Leute oot» 
geben, weil benjenigen, an bem ec ausfchieflet, der Macht» 
Mohr oder Alp geritten. 
Klatter⸗Katt. Im Sprichworte fagen wir: He is (o 
natt, als eene Alstters Rate, Der Hochtentfhe 
.  fprid)t: als ein gebadeter Hahn, 
CAlattjen Hochtyd holen: (id heimlich luſtig machen. M.) 
Klave: fiebe Elöven, 
Bann t Kläuel, Zen Rlauen Tweern: Ein Klaͤuel 
wirn. 
Klauer: fo nennet man Thiere tmb Menſchen, die auſſeror⸗ 
dentlich groß (inb. Et is een groten Rlauer. Ver⸗ 
muth⸗ 





HAMEBVRGENSE. 121 
mh von den Klauen, aus deren Gröffe bie Groͤſſe 
des Thieres abzunehmen. 
klauern: Efettecn, Elinmen. Welches von Kagen und mehren 
5 -- bieren durch Huͤlffe bet Klauen gefchicher. 
(Rlauer ande Wand: gemeiner Brantewein, ſonſt aud) 
genannt Sufel, M.) | 
r. Pleenfeerig. Siehe Seer. 
Kley: Schlamm, Made. E 
BRKley⸗Land: fettes, feuchtes und fchweres Erdreich, 
| che grobe $eute nennet unſer Pöbel Rleys Offen, 
eil es auf einem fetten fanbe groffe und ſchwere Ochſen 


gie 
Eleyen: die Gräben auswerffen, welches in den Marſch⸗Laͤn⸗ 
dern eine noͤthige, aber ſchwere Arbeit iſt. Daher heiſſt es 
fynecdochice von einer ieden muͤhſamen Sache: He 
wart bat wat mit to kleyen krygen: e$ wird ihm 
ſauer werden. | ſ 
. Wlegen: kratzen: ſcalpere vnguibus. He kleyet ſick achter 
Mar Obren: 65 gereuet ober verdreuflt ihn. (Kley⸗ 
Batten: Weiber, die gern ihre Mägel gebrauchen. 
Dat oy be att Eleye! Fluch, der nicht böfe gemeinet, 
eben foie: daß bid) bas Mäufelein beiffe! M.) Wir nen; 
nen auch Eleven fehleche und ſchmutzig fehreiben. Full 
kleyen: voll ſchmieren. Kleyerey: Schmiereren. 
— '' (kleyen Danice dicitur at kloͤn. Hand kloͤne fig 
bag erne. Anglo-Sax. clifrian: fcabere. G.) 
Aenime : wird bey uns auch gebrauche für Buͤndigkeit, 
Kraft, Nachdruck: Wat be fegt, dat bet Feene 
Klemme : feine Rede iſt nicht bündig. (Sprw. Keene 
Rlemm noch Sóbl mehr bebben : von Alter fihon 
| unempfindlich ſeyn. M.) 
klemmern: klimmen, fetten, Een Alemmer in den 
Maſt: ein hurtiger Kletterer, infonderheit ein Mas 


Rlemyner: fee Blickenſlager. 


» 1 





122 IDIOTICON. 


KRlevelappen: adítru&iones ligneae: Buden ımd.dergleir | | 
den von “Brettern zuſammen gefchlagene Fleine Gebaͤu⸗ 
beit die gleichjam wie Lappen andiegröfleren engeflidet 

angefiche: werden. Diefe dürfen, nach Hambur⸗ 
Silden erfaflungen, von niemand auf.den Wall, oder 
andern der Stade gehörenden Ort, eigenmächtig binge 
feget werden. So darf aud) niemand an feine H | 
damit über deffelben Grund: Mafle herausfahren, ver 
moͤge Stadt⸗Buchs P. II. Tit. XX. allwo fie Rlevelap⸗ 
pert genennet werden, und nicht Anevelappen, wie es 
tad) der Ausfprache einiger Leute auch in bem befanniten 
- Nucleo Recesfüum gefchrieben ftefet, wovon ——ã 
eine ratio orthographica anzugeben ſeyn 
gleichen hoͤltzerner Anhang mag vor dieſem an der Oſt⸗ 
Seite unſeres Waiſen⸗Hauſes geweſen ſeyn; welcher fid) 
zwar nachhero in ein ziemliches vollſtaͤndiges Wohn⸗ unb 
Wirths · Haus verwandelt, bis dieſe Stunde aber den 
Nahmen des KRlevelappen behalten hat. 
Alever: Klee: trifolium. Gall. treffe. 


klick: toll,;näreifh, Ali im Ro e: verwirret itu 
&àn jy klick? feid ihr tot? n ſchull dar pid | 
. by warden: man follee dabey von Sinnen fommen. 
Eliten: fleden, ſchmieren. Conf. klacken. 
Mand» Rlikker: ſchlechter und geober Mahler, | 
verklikken: hinlaͤnglich oder erklecklich ſern. Dat Pann. 
nich veel verklikken: das verſchlaͤgt nicht viel. 
(Noftrates fic efferunt: dat klaͤkker cil, ic det fou 
ſllaaer: das (ft erklecklich. G.) | 
A^lind'e: einjallenber Thuͤr⸗Riegel. Item: ein winckſichter 
| Schnuitt ober Riß. 
inklincken: den Riegel in ſeinen Haken fallen laſſen: item 
in ein Gewand, Papier , Brett Oder bergleichen einen 
- eigten Schnite thun. 


uhtruncken: ein wincklichtes Stuͤcklein berous ſchnei⸗ 
n. 
Bind" 








HAMBVRGENSE. 125 . 


ncP(coon; gang lauter, Flar und helle: defaecatisfimum. 
itb, nach Hollaͤndiſcher Redens⸗Art, auch bey ung ges 
ſagt von einem Weine, der gang vollfommen Flar,.rein 
und von allen Hefen geláutert ift. Vielleicht fommt diefe 
Benennung von bem Klange der Trinck⸗Glaͤſer, welcher 
defto heller it, je reiner der Wein, der darin ſtehet. 
lincker⸗Koſt: weiche umd leichte Speife, bie (o bafd niche 
fättiget ober überladet. Der Hr. von Leibnitz febret es 
fim, und meinet, es (ey geringe Speife, die für ſtarcke 
Leute nur Dienet, in Not. ad Kelp. p.46. In Ham⸗ 
burg Dat ed zum mwenigften diefe Bedeutung nicht. 
men: upElycen : putzen, aufſchmuͤcken. Wird im veraͤchtli⸗ 
‚hen Berftande von einem fablen Aufpus gebraucht, da 
nicht viel hinter ift. 2 
lyoe: Klette. £.üttje Alyven; kleine Kinder, bie einem 
wie Kletten anbangen. | | | 
.' . (In Anglo- Saxonum lingua verbum habetur cli- 
fian, eiusque compofitum to-clifian, adhaerere: item 
eclifran, i.c. beyfleben, In fuperioris Germaniae dia- 
| Taie pariter, tefte hoc Otfridi, de Iuda proditore, 
lib. IV. 12: After demo muafe fo kleib er Satanafe: 
" poft hunc cibum asfumtum firmiter adhacfit Sata- 
nac. G.) | | | tos 
lock: Sprw. An de groote A loc hangen: auspoſau⸗ 
nen, allen Leuten ins Maul legen. he lüder keene 
— Klock, ſagt man von einem, der gefährlich 
tn t | - 





% 


Pbnen : Flagen: querula verba fundere. He kloͤhnet my 
de Ohren vull: er fieget mic mit Flagenin ben Ohren. 
(Danice eftatElyncRe; quiritari. Hand klyncker 

mig Orerne fulde, G.) 
loͤhr (oe): arbe: couleur. Unfer gemeine Mann, der 
nicht weiß, daß es Franzoͤſiſch ift, fpricht es beftändig fo 
aus, und giebt ihm ein Platt⸗Teutſches Bürger-Recht. 
Ben Rlöhrt Kleed: ein Kleid, das nicht oma ift. 

| Ce 


124 "IBIOTICON : . 


^ Cle gabt all wedder Rloͤhrt: fie tragen nicht mehr 
| dre. Afkloͤhren: bie Farbe verlieren. Afkloͤhren 
laten: bie ſchwartze Farbe vont Tuche abbringen, und 
Hm eine andere geben laſſen. Upkloͤhren: auffärben, 
Aloppet: Hammer oder Schlägel an der Thuͤr, womit man 
-  enfiopffet. Syn alten Zeiten hatte diefer die Geſtalt eines 
Ringes, voie tan noch an vielen alten Häuferm ſiehet 
Daher ber Gebrauch der fo genammten Ring, Liefe⸗ 
rung, womit bie Immisſion eines Creditoris hypothe 
carii in das von ipm achterfolgte Erbe bedeutet wird, 
wann nehmlich der Gerichte Vogt bem Profequenten 
ben Ring oder Alopper des Hauſes in die Hand giebt, 
und ihn dadurch in den völligen Befig unb Verwaltung 
beffelben feet. | 
kloͤtern (oy) Elappern, raufchen: crepitare : wiewol roebet tall 
fen nod) flappetn eigentlich bas Elótern ausäräcket, in 
dem diefes Wort herzukommen fcheinet oon Rlodt, oder | 
lut, und alfo einen fonitum anzeiget, der von Kiößs 
hen, Kügelchen und dergleichen zufammenftöflenden 
oder geſchuͤttelten und raſſelnden Coͤrperchen erreget wird. 
(Et regnet, bat et kloͤtert. M) 
Alster, Kloͤter⸗Ding, Kloͤter⸗Buͤſſe: Kindet⸗Klap⸗ 
per. (Kloͤter⸗Buſch: Haſel⸗ Buſch. M.) 
Rloͤterey, Kloͤter⸗Rrahm: Kleiuigkeiten von nichts 
. „würdigen Geraͤthe. M. | 5 
kloͤterig: unreinlich, zerlappet, armfáfig. Se geit (o El 
terig: fie gehet fo lumpicht. De Aldeern hangt e 
üm.den Com. — . u Ä 
. (Dan. at kladdern. Eine Kinder⸗Klapper tioltra- 
tibus dicitur En Aladdrere, en Aangel, Kiöterig 
nos dicimus klatted: vnde prouerbium: En Platted 
..., Sole tano blifre en qoo Heſt. G.) mE 
kloͤven (oe): kloͤben, fpaften: findere. Eenem den Kopp 
upeldven: einem den Kopff ſpalten. Haar Plöven: 
Haar fpalten, und metaphorice: alles gar zu genau uns 
terfüchen, Angl. co fplit chings co a hair. Daher een 
\ . Haar⸗ 








| ^ — H&MBYRGENSE. 125 


Zaar⸗Rloͤver (unb nicht Haar⸗Kluver: denn ein ans 
. bersift kloͤven oder flöben, ein anders kluven oder klau⸗ 
ben) einer der auf bie geringſten Kleinigfeiten ſiehet. 
Klove (em): 1, Spalte: fisura. Den Alóve faten wird 

im Regel» Spiele gefagt , menn man zwi⸗ 
fihen bie zweene forderten Kegel hinein 

wirfft, fo daß fie beide gefajfet werden. 
a, Ein länglichtes Semmel⸗Brodt, , fo nicht 
quer über, fondern in die $ànge einge 
| fchnitten, | . 
Mlave: ein Kloben, Scheit, : 
Alufft; Spalte: fisfura. Item Hoͤle: hiatus, cauerna: 
. uníouterrain, Alſo ift im Hamburgifchen Dohm das 
Sacellum fubterraneum, unter dem hohenChor, genannt 

worden be AA lufft unb Herr Martbaeur intet 

(Paftor in Crypta) it aus der Hamburgiſchen Reformä- 





tions⸗Hiſtorie befannt, welcher ber legte Prediger in 


diefer unterirdifchen Gapelle gemefen. 
kluͤfftig Sole: Holtz, das in Scheite geſchlagen. 
grof⸗ kluͤfftig: bas dicke und ſtarcke Kloben har. 
luckern; fieblen, fchön chun. Seht, wo fe to hope 


kluckern: Sehet, wie fie mit einander ſchmaͤtzeln und 


fid) caresfiren. M.) 

Mig: luſtig, poſſierlich. Een kluͤftig Minſch: ein pofe 
ſierlicher Menſch. Dieſes Wort kommt nicht, wie fur& 
zuvor erwehntes, von kloͤven, ſondern von Aluͤft, wel⸗ 
ches im Hollaͤndiſchen heiſſet KJucbt, unb etwas luſtiges 
oder ſchertzhaftes bedeutet. Daher k/uchtig, poſſierlich. 
Klucht-Speel. uſt⸗Spiel: Comedie. 

lump: Kloß. Kluͤmpe: Kloͤſſe, Kluͤtjen, quod vide. 

Clas Klump: ein kleiner dicker Kerl. Item ein grober 
Toͤlpel. In eenen Klumpen to hoop ſcheten: fuͤr 
Schrecken zuſammen fahren. E 

lunck⸗Fuſt: lahme Hand, 

uncker: bangender Quaſt, wie y. €, am Kopf Geſchirr ber 

Pferde, Ital. fiocche. | Alunen: 


1 


126 IDIOTICON 


Alunen: Caldaunen. Ic. eine Art vonbloffer Gruͤtze, Fettum VI 
' '' Balg gemachter Würfte, die von andern weiffen Wuͤr⸗ 
ſten unterſchieden find. Eine Probe davon muß denn 
zur Dchfen » Schau gebetenen Gäften mit aufgetifche 
werden ; welche nunmehr ziemlich in Abgang kommende 
Freſſerey dat Klunen⸗Gaſtbot genennet wird, — [i 
Alüneken: Kalves⸗Kluͤneken: Kalbs ⸗Gekroͤſe. 


Alunt: Klumpe: maſſa compacta, Diminutiue Alänts 

‚tm. 3. C. een Kluͤntsken Sud'er, 

Aluſter: was dicht unb bicf zuſammen (iet, voie z. E. Same || 
Fäden, Kräuter, Baum-Früchte u. 8. gl. So ſagt man 

* auch von Menfchen unb Thieren, bie fid) in einen Haufe 
fen zuſammen drengen: fe ſtaht in eenen Kluſter 
to hope, 

Alute: $1008, Klumpe: gleba, globus, glomeratum. Een 
Aluten Zrde: ein Erden-Kloß. (In eenen Alus 
ten to hope ſcheeten: von Schrecken zuſammen fah⸗ 
ren. M. | ' 

AAlütjen, fonft aud) Kluͤmpe genannt: Kiöffe von Mehl, 
die von den Land⸗Leuten ziemlich aroß unb viel gegeflen ' 
werden, Weil nun aufder Geeftnicht fo viel Wergen als 

- in der Marfch gebauet wird, fo müffen (id bey ung die 
Geeſt⸗ Bauren Roggen» Alätjen, die Marfch-geute | 

. aber Weeten-Atügen nennen laflen. Waruͤm man 
aber die Mennonıften mit bem Nahmen der Kluͤtjen 
belege, weiß ich Feine andere 9RutQmaffung, als daß es 
von ihren runden Köpffen berrühren müfle, indem fie 
ehemahls feine Peruquen, fondern nur ein verfchnittenes 
Haar getragen. Wie man denn aud) fonft einen rund 
Fipfrigten Menfchen zu neunen pfleget eenen Alütjen» 

epp. | 

(Flütern: an Kleinigkeiten haͤmmern unb beſſern. M.) 


een Alüterer: der fid) mie Berbefferung oder Berfertiaung 
allerhand Geräthe und anderer nótbigen Dinge zu be 
..  helffen weiß. 








Aluye; 


HAMBVRGENSE. 127 


luve: Kolbe: claua. 

. ZAlttoesGitaÉen ; Spring-Steden: ift eine Stange, forne 
mit einer Kolbe, damit fie nicht zu tieff in den Schlamm 
einfincke, mit welcher bie Marfchsteute fid) hurtig über 
die Gräben gu werffen willen, 

luven: Elauben: rimari. Iſt unterfihieden von Elöben: 
' fpalten, quod vide. 
. Aluver: Klauber. 
uchEluven: ausfinmen: excogitare. 

*pabbeln , fonft aud) gnabbeln: nagen: rodere. 

- befnabbeln: benagen, anbeiffen: arrodere: mie etwan 
ein Huud am Knochen, oder ein Kind am harten Brodte, 
nit mehr kann, als nager. Den Holländern ift diefes 
Wort eigen; und pflegt Petrus Rabus in feinem Boek- 
— bie Criticos (denen maniego ben gar zu allgemeinen 

Nahmen der Aunft- Richter zueignen will) Lerter- 
belaers, und die Criticam Letterknabbelarye zu 
nennen. 
Anagge : 1. ein bide8 Stuͤck, z. E. een Knagge Brodt: 
al. Knoͤge oder Knuſt. He bett all ee⸗ 
nen goden Knaggen to Lyve: er hat ſchon 
ein gutes Stuͤck verzehret. 
; — 9. ein hoͤltzerner Wirbel an Thuͤren und Flügeln. 
tePnagg en: den Wirbel vordrehen : repagulo tortili ob- 
»" rare. 
Rnake: Knoche. Knaken⸗ droͤg: gantz trocken, wie ein 
duͤrrer Knoche. (Eenen Ariatent im Beenehebben: 
fcherghafte efchulbigung, manneiner nicht geben oder 
fommen mif, M.) 
BRunabenhauer: Fteifcher. 


' (Rnakenbyrerey: Loͤffeley, courtoifie, M) Zen olen 
: Anakenbyter: ein Alter verliebter. 
knoͤken (ey): knoͤchern. Een Enden Dyrk: ein ſehr 
hagerer Menſch. 
Degen: Kunft-Drechsler in Knochen und EI: 


enbein. tnapp: $; 





128 IDIOTICON .: 


Enapp : genau, wenig, enge, faum, Sich Enapp bebelpen: 
(i enge unb mit wenigem behelffen. Allto knapp: 
^ ——— ſo veel: kaum ſo viel. — 

nog: , der mit menigem zu raten wei 
Spew. Mit de ZAnapps Schere tofnydens genau 
. unb fárgíid) zu Werde geben. - 
beinsppen, aflnappen: befchneiben, abfürgen. 


(knap: itidem plane Danicum, & quidem omni; 





' jn noftra lingua denerans heic enumerata. 1. genam- || 


2. wenig, Flein. 3. enge, anguftus, ſtrictus. 4, fpatı 
fam, tenax. 5S.eilfertig, celer, velox. 6, aduerbialiter: 
faum, vix, acgre. G,) 


Enappen wird von etlichen ausgefprochen für klappen, das iſt 
Elatfchen, wie z. E. mit der Peitſche. Daher 

Knapp⸗Blaſe, item Klapp⸗Blaſe: die innere foautbes 

Schlundes am Schweine, welche die Kinder an einem 

(Ende feft zubinden, $uft hinein blafen, und alsdann dies 

felbe durch das andere zugedrehete Ende, vermittelft Gin, 

drückung des Daumen, roieber heraus puffen laſſen. 

Bon dem gemeinen Manne werden auch die Eleinen (e 


dernen Mügen, oder Calottes, ZAnapp s oder Alapps 
Blaſen genannt. | 


Knapp⸗Wuſt, befler Knack⸗Wurſt: eine dünne und 
farte Mett⸗Wurſt, bie im brechen knacket. Diefemwie 
derfpricht Hr. Wachter, und meinet, man fónne fo wenig 








eine Wurft knacken, als einen Floh huftenhören. Daher | 


er es lieber durch) Berfegung der Buchflaben oon xa vóc 


herleiten will, weilesgeräucherte Würftefind. Welches - 


aber ein bißchen weit gepolet fcheiner. 
appen: eſſen mit einem Eleinen krachen, als men man 
en z. €. Zwieback zerbeiſſet. M.) al. Enappern, it. knup⸗ 
pern. Daher Enupperig: was hart gebadfen ift. 
- gptnappen: aufeſſen. MEE 
ZAnappr/Giad? : worin der Wandersmann feineSpeife pat. 
Knarren: fiepe gnaddern. | 
Aneft: 


HAMBVRGENSE. 129 


aaſt: Knorre. Een olen ZAna(t: ein alter harter Kerl, 

Enaftiq: knorrig, fnotig, z. E. ein Hol, worin viele Aſt⸗ 
Wuͤrtzeln ſitzen, und welches daher ſchwer zu bearbeiten. 

aſtern, oder gnaſtern: Fnitteen, knirſchen. Iſt ber Echall 
der Zermalmung eines harten Dinges,. 3. E. Wann 
ein Wagen durch Graue oder Kieferlinge fábret; imgleie 
chen wann man Sand und jonft was hartes mit ben Zäh- 
nen zermalmet. ! | 

auen: Fäuen, beiffen, eflen. Holland, knaauwen. He 
fcball dar wat an to Enauen Frygen: das wird ihm 
eine harte Muß zu beiffen feyn, oder, da foll er roag mit zu 
tbun finden. He weet et nich to knauen: er weiß cg 
nicht zu gebrauchen, ober (id) zu Nuge zu machen; wie . 
wenn man den Bauen Auftern vorſetzet. 

necht: der Pfeiler oder Träger an einer Wendeltreppe. 
De oble Anecht: der Teufel. Welche Benennung 
vermuchlich bucd) den Anecht Aubbert oderRuprecht, 
womit man die. armen Kinder geſchrecket, veranlaſſet 
worden. | 

neep (3): r. ein Angriff mit kneipen. 

2, bie Taille: Enge des Kleides über den Hüfften, 
item $änge des $eibes bis an die Hüffte; daher 
man bald eenen langen, bald eenen korten 
Aneep ſiehet. Waruͤm man Sprichworts⸗ 
weiſe von einer ſtoltzen Magd ſage: ſe hett ee⸗ 
nen Wandrahms⸗RKneep, kann ich nicht 
finden, weil ja in mehren Hamburgiſchen Gaſ⸗ 
fen Maͤgde gnug anzutreffen, bie fic) ſchnuͤren. 

Eneerpiſch: ſchmal vom Leibe, eng geſchnuͤret. 
3. ſchlauer Handgriff. He weet de rechten 
Kneepe: er weiß bie rechten Schliche. 
neyen: Saliceta paluſtria: junges Weiden⸗Gebuͤſche, davon 
man in Marſch⸗Laͤndern an ben niedrigſten unb feuchte⸗ 
(ten Orten gantze Selber voll ſetzet, unb fie nicht zu Baͤu⸗ 
men werden laͤſſet, fondern die Schoͤſſe, wann fie ſtarck 
gnug aufgerrieben, an ber pue wegſchneidet, welche 
zu 








130 '" IDIOTICON | 


zuKörben, Zaͤrmen, Hürden, und inſonderheit zu Faß⸗ 
Bänden mit groffem Mugen gebraucht werden. 
knenlich: zart, Plein, ſchmaͤchtig. Wird fo wol von ber Stim⸗ 
me, als vent $eibe gebraucht. Einige (precben «8 ans 
£lenlich, ob follte es gleichfam heiſſen kleinlich. 
(Haud dubie corruptum a £leinlich, exque praua 
imitatione ortum nonnullorum, quibus difficile fuit } 
pronunciare: quales etiam quosdam cognoui, » pro/ 
fere perpetuo eflerentes, cnam, reninquo , pro clam, 
velinque. G.) 


Anepel (m): Kieppel in der Klocke. Sprw. mieber die 
ESchmeichler, bie alles vertufchen und nichts verbeffern: |. 
YOor de RKlokke van Kedder is, un be ZA nepel een |. 
Voß-Swang, dar hört man de Slägenich wyt, 


knetern (5): Enittern. al.gnetern. Wird gebraucht von dem 
Gepraſſel eines harten Donnerſchlages, voie auch von 
dem Krachen eines zertruͤmmerten Dinges. 
Aneterkaeten: dünne Fichte von ſchlechtem und feuchten 
Talge , welche im brennen zu Fnittern pflegen. 


Aneyel; 1. Knoͤchel an den Fingern, Up de Anevel flahn: 
auf die Finger klopffen. Knevelken geven: 
eine Schul-Straffe der Kinder, wann fie mit ei 
nem kleinen Stock auf die zufammen gehaltene 
ſpitzen Finger gefchlagen werden. | 

2, Knebel, Prügel oder Stuͤck Hols, womit man ei⸗ 
nen Strick feft zudrehet. Hr. Wachter leitet es 
ber von kloͤben, mit Veränderung des [ in n, 
fcheines aber unter dem Knebel nichts anders 
zu verfteben, ale ein zwiefpaltiges Holß, womit 
man ben Pferden das Manl kneipet, wann fie nicht 

ftille halten wollen, fat. Paftomis, 

Rneveler: heiffen daher bey uns diejenigen KarrenZieher, - 
‘oder Krahn⸗Leute, welche Stuͤck Guͤter führen, fo mit 
Stricken und Knebeln befeftiget werden müffen. Diefe 
unterfcheidenfich mit dem Nahmen der Knevel⸗Karen 
. ' . von 





HAMBVRGENSE. - 'X3I 


von andern Karren- Ziehern , welche Käfe, &ped und 
dergleichen ungefnebelte Waare fchleppen, aud) fid) nicht 
ſo ſtarck vorfpannen. | | 
nikker, al. Loͤper: Schnell- Rüglein. In Anikkern 
fpeelen 1c. D. 

nicks: ein Knie⸗beugen: genuflexio. fEenen Rnicks 
maken: fi) neigen mit gebogenen Knieen. Zwar lautet 
diefem Worte febr aͤhnlich bas Griechiſche Yruz , quali 
syovó£ : genu flexo; weil wir aber das Wort Knicken 
näher haben, welches biegen, einbiegen, oder einbredyen 
bedeutet, fo braucht e$ nicht, mit bem Knicks bis auf 
der Griechen oru hinaus zugehen. 

nyf: Meffer, inſonderheit ein ſchlechtes ober abgenußres, bey 
den Schuftern aber ein befonderes zum Leder⸗ſchneiden. 
Iſt eut altes im Angel-Sächfifchen und allen damit ver» 
wandten Nordifhen Sprachen befanntes Wort. Auch 
nennen daher die Sranzofen ein Feder-Meffer un canif, 
‚oder, wie Mr. Menage e8 will geſchrieben haben, un ga- 

. nif. Salmafıus führer e8 her von canniuum, Hr. Wachs 
ter von am. Vielleicht haben e8 beide nicht errathen, 
(Danice en Anif. Et quis nefcit, krife Anglis quo- 
que vocari, ex prifco Anglo-Sax. Cnif? G.) - 

nype: Kneiffe. In de ZAnype Eamen: in bie Klemme 
kommen. Sprw. Nu willde Anype to Hoͤle gahn: 
num voilf die Noch an den Mann geben. | 

Enypen: fneiffen, Anypen in t Ayf: Bauch⸗Grimmen. 
Enypen gahn: entlauffen, entwiſchen. 

Knippken: Schneller. Knippken ſlahn: concrepare 
digitis. M.) Sprw. He ſleit de Knippken in der 
Sibte: ec trotzet heimlich. 

nirrficker: ein gar eigenes Wort, womit wir einen kleinen 
ſchmaͤchtigen Menſchen bezeichnen. (Zitterpfenning. 

ſiehe Ficke. M.) 
moͤge Con) ſiehe Knagge. 





J 2 "Anubbe: 


132 'IDIOTICON 


Knubbe: 1. . tio, Knorre, ein grobes fnotiges Stüf Holt. 
Eenen olen Knubbenbyter nennen wir ei⸗ 
nen alten derben Mann, der noch harte Koſt 
beiſſen und verícagen kann. 
2. Soma, Knote: tuber. Z. E. am Halfe, am 
nubberig: uneben, höcerig, wie 4. E. ein gefrorner Acker. 
AAnud?: ein zufammen gebrefetes Flachs, fo viel aufeinmahl i 
zum verfpinnen genommen wird, 
fnud'en: Flaß Enuchen, heiflet bas abgewogene und 
eingetheilte Flachs in Rnucken feſt zufammen drehen, 
damit es deſto bequemer aufgehoben werden fönne. 
Rnuͤckel: Knöchel. Anglo-Sax. Cnuci. Angl. Knucbhle. 
Belg. Kneukel, | 


uini Mo Kloͤppel, in fpecie ein hölgerner Schlägel 
er. 

Knuͤppel⸗Holt: dünnes Brenn⸗Holtz von den Zweigen 
der Bäume, die zu Kloben nicht fónnen geſchlagen 

werden. 

PortensAnöppel: Thor» Niegel, So nennet man audj 

| Spottsweiſe einen flcinen Menfchen, ben man, als einen 
Pflock, vor die Pforte ftecfen mögte. 

Sprw. Den Anüppel bym Hunde legen: licentiam 
agendi addita comminatione reftringere. (Et ſmeckt 
as een Knuͤppel up den Kopp: e$ hat einen elenden 
Geſchmack. M.) 

knuͤppeln: kloͤppeln. Irem mit Knuͤtteln ſchlagen: fuſte 

percutere. Statut. Brem. & Oldenb. IL $ 28 : So 
welck 2Sorger den andern Enüppelt, 

AnüppelrLade; Anüppel-Bolten : Kloͤppel⸗ abe; 
Kiöppel» Hölgchen, 

(Knyppel Dan. ein Knippel, Cambro - Brit. - 
Cnioppa. G.) | 
Enurren: fiehe gnurren. 


Anutrbabn: ein gewiffer eas der doch niche fr 
. gemein, 








HAMBVRGENSE. ' 135 


gemein, unb ber alfo genannt wird, weil er knurret, 
mann er gefangen ift. Metaphorice: ein murriſcher 
Menſch, un grondeur. | 
muſt: 1. eindichter runder Zierrath von Band, lobe, und 
dergleichen, ben man, al& eine Cocarde an der Hute 
fe auf den Herren⸗ und Priefter- Hüten 
ieher. 
2, ein Stuͤck vom äufferften Ende eines Brodtes, 
nuͤtten: ſtricken. Hafens Anätter: Strumpf-Strider. 
Anütteldeerens: Mädgens, bie fid) mit Strumpf⸗ 
ftriden ernehren. Andtte Sticken: Strick⸗Nadeln. 
afknuͤtten: fertig machen, nehmlich mit der Strickerey. 
Anütte: Knote, Schuͤrtze. In Andtten flabn: einen 
Knoten machen, der feine Schleuffe hat zum auflöfen. 
«m Scherge fagen wir; ic! will eene Knuͤtte in de 
Neſe flabn: 6. i, id) milf es nicht vergeffen ; wie man 
etwa zur Erinnerung einen Knoten ins Schnuptuch zu 
Khlagen pfleget. F | | 
tolnütten: zuſchuͤrtzen. anknuͤtten: anfnüpffen. 
(Knütten. Dan. at knytte. Sic geſtrickte Strümpfe 
noftris dicuntur Ényttebe Hoſer, Enyttede Stryms 
per. Anglo-Sax. enittan: uectere; gecnitted : liga- 
tus; vncnyttan: foluere; Cnotta, nodus, nexus; Da- 
nice en Rnude. G.) mE 

LWödder: Kropff, ſtarckes Unterfinn, ir. ber Bart an ben Haͤh⸗ 
nen, Wann iemand mit zurück gezogenen fteiffen Halſe 
und verdoppelten Kinne hochmuͤthig redet, das nenuen 
wir oͤver den Koͤdder ſpreken. | | 

koͤddern: ſchwatzen, fprechen, iſt Braunſchweigiſch; bie 
Luͤneburger machen daraus koͤren, und in Hamburg 
heiſſt es ſnakken. 

(obl Sprw. Dat will den Kohl nich fett maken: da⸗ 
von will bec Brate nicht troͤpffeln: damit wird man nicht 
reich werden. : 

LÓblbe oder Koͤhlte (oc) Holländ. Koelte: eine Kühlung, 

; $3 . gelinbet 





194 — IDIOTICON 


gelinder Wind auf bem Waſſer, für bie (egfenbe, Een 
beetjen mehr Koͤhlte: ein wenig flärderen Wind, 

CAóbm (on): Kümmel. M.) 

Aoiffe: Kopff- Deckel, Hut. Franzoͤſ. Coiffe. Iſt bey uns 
ein bäurifh Wort. He hadde de Roiffe up: er hatte 
den Tölpel auf bem Kopffe. 

Koͤke (ce) Taſche am Kleide, Schubfad. 

Roͤke (on) Kuͤche. 

Koopmann. (Sprw. Bym rechten Roopmann Pa 
men: feinen Mann finden: recht anfommen, M.) 

opp: Kopff. | 

Sótfopp: Stirne 
ARortEopp, it. Dullko : jachzorniger, 
Eortbäppifch: fur$ drm i diid du 
ig: eigenfinnig? tétu. 
Eöppen; 1. enthaupten, fópffen, 
2, zu Qaupte (lagen, De Wyn koͤppet: bee 
Mein ſteiget zu Kopffe. Et Eóppet hyr: bier 
ift ein Dampff oder Geruch, bec ben Kopff cit 

J nimmt. 

Roͤppels: was an Huͤten unb Hauben eigentlich ben Kopff 

»becdecket, und vom Rande unterſchieden ift. 

Kopp, Ropp-Blas: Laß⸗Kopff: cucuibita. ZAóppe 
ſetten: ſchroͤpffen. Angl. co copp. Gall. mettre des 
ventouſes. | 
JAepplos: ohne Kopff. Sprw. von einem unruhigen 4 
Menfchen: He lóppt beróm, als een Eopplos Hahn. 
KRopp⸗Schlachter: (inb bey ung feute, bie von ben Flei⸗ 
(dern bie Köpffe und das Eingeweide bes Rind» Viches 
an fid) fauffen, und felbiges entiveder rohe, oder gebrüher, 
öffentlich feil haben. 07 

Appel: Haken, (ie Hake. ^ | 

Eören (em): x. beten: vomerc. He Edret fict: er erbriche 

ich. 


uch» 








HAMBVRGENSE. — 195 


uthkoͤren: evomere, per vomitum eiicerc, 
auskotzen. 

2. ſchwatzen, ſprechen; welches aber Luͤneburgiſch, 
wie vorhin bey dem Worte koͤddern ange⸗ 
mercket. 

3. kieſen, wehlen: eligere. Der alte Vocabula- 
rius Teuthonifta erfläret eg folgender geſtalt: 
Coeren: ſmaken, nutten, proeven: fapori- 
zare, deguſtare, probare. Item achten, war- 
deynen: aeflimare. 

Roͤre, (welches der Teuthoniſta ſchreibet Coere mad 
Caire): Wahl, Chur: electio, optio. Weſſel un 
Ate hebben: optionem habere. Auffer dieſer allge⸗ 
meinen und grammatiſchen Bedeutung aber wird das 
Wort Roͤre im Politiſchen Verſtande bey unſeren Nie⸗ 
der⸗Saͤchſiſchen Vorfahren in dreyerley Meinung ge 
brauchet. Denn da heiſſet es 
1. die Wahl Obrigkeitlicher Perfonen. Daher Keur- 

Vorſten, Chur⸗Fuͤrſten, bie der Kaiſer wehlen. 
2. einen freywilligen Vergleich: pactionem ſeu con- 
ventionem voluntariam. | 
3. ein beliebiges Gefes ober Wilfführ, unb bie freye 
Macht, folche zu machen und zu ändern: lex arbitra- 
ria, it. libera facultas eiusmodi leges f. ftatuta con- 
dendi &c. | 
Welche von diefen dreyen Bedeutungen in bem beruͤhm⸗ 
ten Priuilegio Comitum Holfatiae de Ao. 1292 gemeis 
net fe, ift deutlich gunug gemwiefen in meiner Hiftoria Sta- 
tut. Hamb. p. 25 íq. allwo nod) ferner eim dreyfacher 
Gebrauch der dritten Bedeutung angezeiget worden. 
Conf. inf. Rüren. 
Roͤr⸗goot: angerlefen gut. De Oſſe is Roͤr⸗fett. 
vertens : neulich, vor kurtem. | 


oͤſelken (em): fiebe Kaͤſelken. N 
4 Roͤſte: 





1 
L] 


136 IDIOTICON 


Koͤſte: 1. Rinde am Brodte: crufta panis. 

2. Speife, Koſt. Daber auch im Offer-fiebe : Chri⸗ 
ftus will die Koͤſte feyn ; welches man gemer . 
ftert, und Speife daraus gemacht. Syn Hamburg 
fóret man in diefer Bedeutung febr felten Koͤſt, 
fonbern mehrentheils ZAoft. 3. €. Foͤrkoſt; 
CoPoft ; Roft un Lohn; dat is myneAeft 
nich; ín 6e Roſt gahn, w. f. w. 

3. Hochzeit. — Koͤſte geven: Hochzeit machen. 
Tor Affe gahn ꝛtc. Koͤſten⸗Bidder: Hoch⸗ 
zeit⸗ Bitter. Koͤſten⸗Kyker: Aufſeher auf die 
Hochzeiten: Cenſurae publicae miniſter. 

ZXóffero : Thee⸗ oder Caffe⸗ Koͤppchen, mit einer Fladen⸗Speiſe 

angefuͤllet, die auf mancherley Art zubereitet wird. 

Rötel (ey): excrementum. Aundes Rötel 1C. 

(Éótelbetifcb : zanckſuͤchtig, beiffig. M.) 

Roͤter (o6): ein Bauer⸗Hund von gemeiner Art. Daher fagen 
. toit fpottsweife von einem, dee nicht vielbefonders: et is 
een ſchoͤnen Adter. | 

£ötern (oe) : aus⸗ und einlauffen, wie ettoa die Hunde thun. 

Rott: Kofen, Keficht, Gehäufe, worin man Gevoͤgel máftet. 

3. €. Aapunen Rott, Duvens Rott 1c. 
kraalwaken: nicht ſchlaffen können, ober aud) bey fchlaffens 
Zeit nod) gefchäfftig feyn, | 
Ecabbeln: frauen, Fragen, | 
Kragen: bedeutet auch das Mefenterium ; weiles, von einem 
fetten Thiere ausgefchnieten, einem gewoͤlckten Kragen 
nicht ungleich ſiehet. ragen un lagen; dasgange 
Gedärme.. 
Krahm: Deiffet nad) Hollandifcher Mund⸗Art aud) bas Wo⸗ 
chenBette, und bie Wöchnerin de Kraem-Vrouw. 
in den Krahm Eamen: niederfonmen, 
DiWffrabm: ungeitige Niederfunft: fauffe couche. 
Unkrahm: unnüg Geräthe, Plunder, 





Krahm⸗ 


A 





HAMBVRGENSE. 137 
Rreahm: Stücke; allerhand Zeug. 
. ÜmEcabmen: in andere Ordnung bringen ( remuer les 
, meubles. M.) 2 
réjen : nöthigen, bitten, gute Worte geben, infonderheit bey 
Tifche, wenn einer zum Eſſen oder Trinken greiffen folk, 
He will gekrajet wefen: er will genöthiger ſeyn. 
raten, ober krakken: brechen, krachen, knakken: crepare, 
fragorem edere: Holl.kraeken. Daher haben wir audj 
die Wörter: Rraek⸗Good, Kraek⸗Porcellain, 
daran etwas zerbrochen, oder die Zahl beg Servicesniche 
vol if. Kraek⸗Mandeln, die nod) in der harten 
Schale figen, und erft gefrafet werden müffen. 
Krakke, ohle Krakke: alte Schind-Mähre, die bald uͤm⸗ 
fallen will. Auch bie Nieder: Länder haben bas Wort 
Kraecke, welches vonKiliano nicht nıre überfeger mico: 


inmentum coriaginoſum, ſondern auch: domus rui- 
no a. t ^c 


kKrakkeel: Sand, Streit, | 
krakkeelen: zanden, hadern: litigare, altercari. 
Krakkeeler: Zander. - 
(Krakeel ift eine Niederländifche corruptio des Frans 
zöfifchen Wortes querelle, Engl. quarrell, tat, querela ; 
weil doch Fein Sand! ohne Klage ift. M.) Wem iedoc) 
diefe Veränderung ein wenig hart fcheinen mógte, bet 
wird das Wort Krakkeel lieber mit bem vorhergehens — 
. ben krakken verwandt machen, weil ebenfalls fein Ges 
zaͤncke fine ſtrepitu ift, pan aud) im Teutſchen ſaget: fie 
brechen mit einander, item fie entzweien fic, 
Ueberdem bezeuget Ioach. Frommius in feiner Nomen- 
clatura ( pag. 80. edit. Gottfchling.) daß die Maͤrcker 
bas Wort Krack haben, momit fie einen unnöthigen 
‚Streit andeuten. Daher er denn muthmaflet, daß der 
Stapme der Krack⸗Mouͤhle bey Alt-Brandenburg her 
geruͤhret, weil er gehöret, daß der Nach mit den Predi⸗ 
gern, der Mühle wegen, in Streit gewefen (ey, Das 
Subftantiuum Kraeck it. Krack ift auch vom Kilian 





138 IDIOTICON - 
angezeichnet, und erklaͤret durch fragor, ftrepitus, cre- 


pitus. | 
Kranmbeber, ift ein gemachtes Wort, womit mir meinen fic 
chen zu Eönnen: Dat oy de Krammbeker bale, 
Kram. fige krimpen. ZI 
Aranckt: ift gleich bem vorigen ZA cammbefer ; bod) fcheinet 
man damit eine Kranckheit anzuwuͤnſchen. 
all de Kranckt: potz tauſend! admiratio-cum aliquo 
dolore. u 
bym Kranckt, ic. voͤrm Kranckt: vorm Teufel, o 
biefen nennen zu tollen. | 2 
aueln: Feiechen, Hlettern, arbeitfam fid) bewegen. — 7j 
e bebbe my mede Prauelt: id) bin mübe geroocben oom. 
gefchäfftigen Din» und wiedergeben. M.) | 
Kreeke: Fleiner Hand-Schlitten, worauf die Kinder einander 
. im (deben pflegen. 
kreeteln: zanden, zwiſten. Die Märcker (agen krekeln, wel⸗ 
ches zwar dem Worte krakkeelen naͤher fommt; ob aber. - 
der Urſprung fey von graculari , daß mag Sr. Frommius 
glaublich niachen loc. cit. p. 64. 7 
Kreeteler, Areeteley, Ereetelhaftig: Sànfer, Zände 
rey, zaͤnckiſch. | 
(Spemw. Kreeteley Geyet nicht: was mit Zanck erhalten 
wird, hat fein Gedeyen. Voͤr Beſcheed, matt echter 
Eeen Zreet: vorher genommerie Abrede machet hernach 
feinen Streit, M.) 
Arey: Krähe: cornix. Syn ber Kinder-Sprache Kreyahlke. 
Conf. Eryólen. ( Sprw. He weet bar fo veel afı a6 
de ZAtey vam Suͤnndage. M.) 
Arempe: Auffchlag, Aufichlig. E 
upErempen : den Hood upkrempen: den Sut auſſchli⸗ 
gen. DeMauen upfrempen: diedermelaufichlagen. 
Arete (9) Kerbe, Ritze, Spalte: rima, fiffura. 


kribbeln: innerlich verdrieffen, zum Zorn reigen. Et krib⸗ 
| belt . 








E HAMBVRGENSE. 139 


belt em im Koppe: e$ gehet ibm mit Verdruß im 
Kopffe herum, 
Fribbfch: kurtz angebunten , empfindlich) ,. jachzornig. 
Kribb⸗RKopp: einer, der bald böfe werden Eann. 
RricPI2Ibnte: eine Acc Fleiner wilden Enten, Angl. IVid- 
geen. M.) u 
rillen: am feinen» Geräthe einen. Fleinen mit Fäden 6e 
fhlängten Saum machen. M.) 
impen: a&iue : zufammen ziehen, einſchrumpfen laflen, wie 
man z. G. ein Sud) im Waſſer Erimper. 
neutraliter: einfchrumpfen, Eleiner werden. Dat Las 
Een Prímpet: es giebet fid) enger gufammen. Wir . 
ſchreiben diefes Wort wie die Holländer: vielleicht aber 
heiſſt es richtiger kruͤmpen, weil es mit Érümmen ver 
wandte zu fenn ſcheinet, die Schweden auch krympa, 
krumpa, und die Engländer to crumple fprechen. Das 
abftammendet Wort Rramp bedeutet entweder ein ges 
Frümmees Eifen mit zweyen Spigen, oder diejenige 
Krankheit der Sehnen (Ipasmum) movon ein Glied, 
auch. bisweilen der gange Menſch, frumm zuſammen 
gezogen wird. 
(inEeimpen, metaphorice: in ſchlechten Zuſtand gera- 
then. M.) | 
in de Arimpe gahn: verlohren werden, wie an einem bes 
trieglich gemachten Tuche vieles von der Maffe in die 
Krimpe gehet, und man daran zu fur kommet. 
tinc; Kreis. ZEE 
tínten, nad) bec Ausfprache bes gemeinen Mannes, find 
Gorintfen, oder Feine Rofinen. Krinten⸗Jungens 
aber fagt der Pöbel an flat Current - Knaben. 
yoͤlen: fingend oder fehreiend firmen. Scheinet zuſammen⸗ 
gefeßt von bem Sranzöfifchen crier, und dem Teutfchen 
jélen. Hr. M. ſchreibet es Erojólen, und führee babet 
den Nahmen Krojalkens, weichen man den Kraͤhen, 
wegen ihres Geſchreyes, gegeben. 
| (Frigeln: 





140 IDIOTICON 


(kritzeln: ſchlecht ſchreiben: griffoner en &criuaht. M.) 
kroien: bruͤhen, anfieden, aber nicht gat Fochen. 
roͤkel (ey) : Salte, Bruch: plica, ruga, wird rure vbm un 
A foͤrmlichen gebraucht. Aröteln vorn Aopp: Rum 
ein auf der Stirne. Kroͤkel im Booke: gebrochene 
| laͤtter, oder eingefchlagene Ecken. Dar will ich eene 
Kroͤkel by flabn: b. i. das will ich niche vergeffen. 
(Kröckel noftris eft en Rroͤlle, plica: at laegge 
en Ardlie í Bogen. G.) | 
kroͤkelig: was durch Falten oder Brüche unfoͤrmlich ger 


worden. 





tokroͤkeln: uneben machen, verrungeln: rugis aur plici | 


deformare. (chiffoner. M. 


(kroͤmen, inkroͤmen: brocken, einbrocden. Sorw. wat 


eener inkroͤmet, mutt be ubteten: wie einer (ib fe 

ber etwas anrichtet, fo muß ers für lieb nehmen. M.) 
Erömeln, a&iue: zu Brocken machen; neutraliter: is 

Brocken zerfallen. item: allmaͤhlig beginnen, 3. €. 

Wann e$ regnen will, fagen wir: et kroͤmelt all. 
Kroͤmken: Krümelein: mica. 


Kroos: Krug, Krus, irdenes Trinck⸗Geſchirr mit einem 


Schlag⸗ Deckel: cantharus argillaceus cum operculo: 
Belg. Kroes. Gall. Cruche. (Dan. et Rruus. G.) 
Die Griechen haben faft daffelbe Wort xouc cie; tob 
ches Euftathius dolmetſchet: xepdpeioy xoa Typ : fidi- 
lem craterem. Abgeſchmackt ift bie Herleitung des 
Wortes Kruus, durch Berfegung der Buchftaben, vett 





Vrceus. Und eben fo wenig dürfte Hr. Wachter * 


dem Celtiſchen Stamm- Worte Croth, welches einen 


Bauch bedeutet, fortfommen, weil, infonderheit in Nie 


derfachfen,, die wenigften Krüge baͤuchicht find. 


Kroͤſe⸗Koͤper: der niche nur Krüge, fondern allerhand 


ſteinern Gerärhe zu Fauffe hat. 
(Rropp: Kropf: 1. ventriculus auium, 2. ſtruma. 
Kroͤppers: eine Art Tauben mit groſſen Kroͤpfen. 
cropp⸗ 


4 





HAMBVRGENSE. 141 
— | 


Kropp⸗Kragen, ir. Kropp⸗Lappen: ein Weiber⸗Latz, 
der Bruſt und Schultern bedecket. 
Kropp⸗ Salat: der, durch allmaͤhlige Anhaͤuffung der 
. Erde, fid) wie ein Kohl in Köpffe ſchlieſſet 
Geld Rröpp: : Acker⸗Lattich. Gall Mäche, M.) 
oͤvern Kropp ſpreken: mit großmächtiger Mine reden; 
ba man nehmlich mit (teiffen Halſe ein doppeltes finn 
madyet , unb (id) hodymüthig frópfet. 
Kroͤſe: die inwendige Kerbe im Faſſe, wo der Boden einge⸗ 
kroͤſet oder eingefaſſet wird. 
C(Kruͤcken: die Wirbel an den Geigen. M .) 
kruͤdauiſch: leder immebfen: delicarus. Iſt einfonderlicheg, 
und vielleicht nicht allen befanntes Wort, welches bier 
zwar von einigen gebrauichet, aber nicht aufeinerley Art 
ausgefprod)en wird. Bielmeniger wuͤſte id) davon einen 
wahren und gewiſſen Urfprung anzugeben. 
Chrullen : Fräufeln. 
Axulle: Locke. Haar⸗Krullen: Haar⸗Locken: boucles. 
Krull⸗Koken: dünne Roll⸗Kuchen. M.) 
kumm.: Sprw. Mit der krummen Hand kamen: Geld 
oder Geſchenke bieten. 
Krum Kram: Gummi Carannae- 
: kriechen. Sprw. Dat Blood kruͤpt, dar et nich 
-. gabn bann: Bluts⸗ Freundſchaft kann ſich nicht 
, bergen. 
Krup⸗Bohnen: die an der Erde hinwachſen ‚ohne bag 
man ihnen Stangen ſtecket. 
^ (Brupsdsner: Hüner mit gang Furgen Beinen. Man 
nennet im Scherge ein Frauenzimmer von Eleiner Sta⸗ 
tuc een Arup« Hoͤneken. 
befrupen: befchlaffen. Se bet fic? bekrupen laten. 
bykrupen: beyliegen, beyſchlaffen. | 
uͤnnerkrupen: unterkriechen, unb fig : fierben. 
Daher das Sm. Axup à aͤnner/ me, i 





142 -IDIOTICON. 
VWelt is dy gramm, b. i (tib nur, mangiebt aufdih Mi 
nichts mehr. M.) | 
CAxufébGllen: gefaltene Mancherten. Engl. Ruffles. M) 
Arüfel: Henge⸗Lampe. ThransArüfel: Nachtssampe ge || 
ringer feute, worin fie, an ſtat des Oeles, Thran brennen, ]! 
und an flat der Bau Wolle gefchälete Binfen yum, 
Tocht brauchen. Man giebt das Wort Arufel auf Latei⸗ 
nifd) crucibulum , auf Sranzöfifch croiffol — Nun ſchi⸗ 
cken (id) zwar biefe Nahen zu den Haus Lampen der 
Bauern, welche ein hangendes eifernes Quers Kreug 
find, worauf mit Kien-Spänen ein Feuer unterhalten, 
und damit das Haus erleuchtet wird; wann aber Ktuͤſel 
ein Gefäß bedeutet, worein etwas gegoſſen werden fann, 
fo wird es ſchwerlich vom crucibulo abzuleiten feyn, (oi 
dern man hat es vielmehr anzufehen als ein Diminud- 
vum yon Kroos oder Kruus; daher Arüfel oder 
Kruͤſelin, woraus man in mittleren Zeiten ein fateini: 
(Des Crufelinum gemacht. Vosfius de Vitiis fermonis 
L II. c. 4. bemeifet diefes aus Caefario, Miracul. c. 4t. 
allwo e8 Deiffet: Portabat etiam vas paruum & fictile, 
quod vulgo crufelinum. 


Ardfelding: Kreufel, turbo, bett bie fpielende Knaben mit 
Peitſchen treiben, Beſſer fprechen einige Nieder: Cad 
fen Kuͤſel uno Rüfelding, von kuͤſeln: rund uͤmlauf⸗ 
fen. Sprw. von einem gar zu gefchäfftigen: He Iöppt 
beróm als een Kruͤſelding. 

Brumm⸗Kruͤſel: ein Kugel⸗runder hohler Kreufel, mit 
einem Loche, welches im Lauffen ein Gebrumme machet, 
Metaphorice: ein murrifcher Menfch, ben wir fonft auch 

... eenen Brumm⸗Rater nennen, 

CQNeutz putt: Bluhmen⸗Topff: pot à fleurs, M.) 

Aücheln: feichen, huſten. Ä 

. ble Aucheler; alter Hufter. 


(Rrücheln, Raffen, Kagen find Wörter von eben der 
felben Bedeutung. My n 
EE | kueln: 








HAMBVRGENSE, 143 


gen: wälgen, rollen. De Tuͤnne Eueln, fortkueln: die 
Tonne fortwälgen. Muthmaßlich fómmt es von 
tugeln. . 

tuffen: Obrfeigen geben. M.) | 

Kuhle: Grube, Gruft: (crobs, fouea. , 


25obmzAuble: die Tieffe des Havens, an der Stelle, ba 
et gefchloffen wird. 


wißplen Rub: bie Tiefe vor dem Waffer-Fall der. 
e j 
Kakker⸗ err E IDle: Schind⸗ Grube, (Etiam apud no- 


Cnt Roble: Lehm⸗Kuhle: wo Sand oder feimen 
(0. gegraben wird. 

Kaͤhiken: Gruͤbchen in den Wangen, und im Kinne. 

Kuhlen⸗Graͤver: Todten⸗Graͤber: veſpillo. 

(in Kuͤhlken ſpelen: mit Maͤrteln ſpielen. M.) 


kuͤhm: matt, ſchwach: languidus. Wird ſonderlich von den 
Fiſchen gebrauchet, wann ſie nicht mehr ſchwimmen koͤn⸗ 
. wen, ſondern auf bem Ruͤcken gu treiben anfangen. He 
ſtellet fic? fo kuͤhm an: e dut, als wenn er nicht 

mehr fort Fönnre, 


Rüken : der Pfeopff ober Deepe-Schlüffel am Hahnen: epi- 
ftomium fiphunculi. 
£uEuluren: fange oder vergeblich warten, in(onberbeit roo man 
verfchloffen ift, unb nicht ausfommenfann. Dar mutt 
be fitten un kukuluren: bamu er figen und lauren, 
| Us ibn iemand befteiet. 
Rölde, Rülle: Kälte. M.) 


Ruͤle: Keule: 1. claua. He kummt mit de plump⸗ 
Kuͤle: er faͤllt mit der Thuͤr ins Haus; 
er kommt grob. | 

2, femur, das Hinter-Biertel att vievfüffigen 
Thieren, wie aud) der cea am Ge; 


fluͤgel. 
0 Rund 





144 IDIOTICON - 


Aund'elfufe: Verwirrung. Iſt zweifels ohne aus bem 
Woarte Confufon erfünftelt. ‘Doch fcheinet es befonders 
' eine Arglift mit zu begreiffen. 3. €. de maket Run 
cPelfufen: il fairdesintrigues. Iſt aud) Oberlaͤndiſch. 
, Vid. Prafchii Glosfar. Bauar. 
Küpe,und Rüveh: Kübel, groffe Botte: Cupa. St.Coupe. 
Brau⸗KRuͤwen: Brau-Kübel, Swyn⸗Kuͤven: darin 
man die Schweine bruͤhet. 
Fleeſch⸗Kuͤpe: worin man einfalßer. 
Kuͤper: Börecher, Saßbinder. NB. Sn Hamburg unter 
ſcheiden fid) A per, bie für Kauffleute ins groffe arbei- 








ten; Boͤttcher, bie allerhand Fleines Geräche verfert ; 
gen ; und Kymer, welche oben lit. K. beſchrieben 


worden, 


YOyn ZI üper: der die Wein» Fäffer binder. 


Aüren : Grillen, eigene Einfälle, He bett dulle Kuͤren: er 


bat wunderliche Grillen. 
kuͤrig: ſeltſam, wunderlich. | 

Den Urfprung diefes Wortes mögte ich mit einigen 
nicht gerit in dem Sateinifihen cara ſuchen. Vielmehr 
. glaube id) dag Verbum Füren eineríen zu feyn mit dem 
Saͤchſiſchen koͤren, das iſt: wehlen, wovon. oben gehans 
belt worden. Das Subftantiuum Kuͤre ift alfo eben dag, 
was Koͤre, nehmlich ein Willführ: optio, arbitrium. 
Wie denn die Niederländer ihre conftitutiones arbitra- 
rias und Costuymen nicht allein Keuren, fondern aud) 
Cuerennennen. Vid. Oliuar. Vredii Hift. Com. Flandr, 
T.1. p.438. Hr. Wachter hat von bem Verbo Kuren 
mancherley aufgezeichnet, in feinem vortrefflichen Glos- 
fario p. 897. Wann er aber meinet, esfey offenbar, das 
“ Kuren von Kiefen, durch Beränderung beg s in r ge 
mache fen, fo fommt mir folches kaum glaublich vor; in 


dem ja zwey unterfchiedliche Wörter, in einer reichen - 


Sprache gar wol einerley Bedeutung haben Finnen; fo 
bof esunnöthig, unfer koͤren per metamorphofin au$ 
Feefen herzuleiten. MEM 

(Asfen- 


" HAMBVRGENSE, 14$ 


Asíentior Clar, AuGpori, Einig recte a Eren deri- 
vandum esfe, atque hominem denotare, qui fuo omnia 
arbitrio vult metiri. Anglo-Saxonibus Cyre& Kyre 
eft liberum arbitrium. Eodem quoque modo moro- 
(um hominem noftrates appellant welig, quafi diffici- 
lem in eligendo. Neque obftant nótiones ceterae, in- 
ferius Auctori do&isfimó in voce Wehlig obſeruatae, 
quippe quas Danicus nofter fermo ignorat. Atqui 
dari nonnunquam vocabula in diuerfis linguis f. dia- 
Jectis, ciusdem licet foni , attamen distinctae vt origi- 
nis, ita & fignificationis, peruulgatum. G.) 

Rufe: Baden Zahn. 
eajeln: heruͤmkuͤſeln: taumeln, rund herüm lauffen: in tur- 
binem agi. | | 

Rüfel, fiebe Kruͤſel. 
Kuͤſel⸗Wind: Wirbel Wind. 

Ate: Gedärme. Ick will oy pedden, bat dy de Kuͤte 
(ball tom Halſe herutgahn. Formula minandi 
plebeia. | o | 

kuͤten: ausmweiden: euilcerare, exenterare, unb fynecdo- 
chice: ſchlachten. WB 
Kuͤter⸗Huus: Schlacht⸗Haus, wovon aud) ber Wall, an 
welchem in Hamburg das neue Schlacht⸗Haus ſtehet, 
der ZA üter^ Wall genennet wird. | 
kuͤtebuͤten: fiche büten, | 
Aven: fiehe Rüpe, 
kuvern: kraͤnckeln, ſchwaͤchlich ſeyn. 
uthkuvern: auskraͤnckeln. Dar Kind mutt erſt uth⸗ 
Éuvern: das Kind mug erſt (o lange krancken, bi es det 
Ungeſundheit fog wird. o 


L. 


Laat: ſpaͤt: ſero. to laat kamen: zu ſpaͤt kommen. mit 
dem laateſten: mit fpärften Abend : extremo Mrs 





146 ' IDIOTICON 


(Eft antiquum admodum, vtpote vetuftisfimis 
Saxonibus aliisque Germanis in vſu. Anglo-Sax. late, 
lat, ſerus; Jator, tardior ; Zatest, vltimus, (idem fcil.ac 
letzt); folate, piger Jatian, differre. Sed & in Euan- 
gel Goth. Jatjan tardare. Luc.1. 21. Et Danis noftris 
lad eít piger3 Ladbed pigritia. Habet & nonnulla 
huc pertinentia Wachterus in Jetzt. G.) 

Auch) die Holländer fagen laacft ober laaft für legt; de 
laat(te Uuren, die legten, b. i. bie Todes-Stumden: les 
dernieres heures. Und wie fie fprechen laaft oder laat- 

' Jeden: jüngft, unfángft; fo (agen aud) wir: nu left, di, 
neulich. Bey den Engelländern Dat late biefelbe Beden 
tung:.che latc King: der vorige König; a late Author: 
ein neulicher Scribente; late Bishop : weilandBiſchofx. 

labben: lefen: lambere. 

libbelabben: Töffeln, oft und viel kuͤſſen. 
Bach: Siegel» Wache. 

tolacken: zufiegeln. 

laf ſchmacklos, ungefalgen, ungewuͤrtzet. Et ſmekket to 
laff: es ſchmecket zu unkraͤfftig. 

Lahte: Reis, Sproſſe: ſurculus, der vom Baume oder von 
der Pflantze abgelaſſen, geſencket, oder auch abgeſchnit⸗ 
ten und anders wo geſtecket oder gepfropfet wird. Der 
Teuthoniſta ſchreibet es Laide. Lahten van Negel⸗ 
Een? Sencklinge von Nelcken. Wyn⸗Lahten : abge 
ſenckte Reben. Lahten ſteken: junge Reiſer in die 
Erde ſtecken. | 

Lake: 1. zergangenes Caf , Pekel, Brühe auf eingefalße 

nem Fleiſche oder Fifche, infonderheit auf Heringen, 
2. Pfüge, Lachen, Mift-achen. Womit zweifels ohne 
in Verwandſchaft ftehen der Griechen Aoxxee, fo- 

. — vea, puteus, und der $gteiner lacus, lacuna, — 
CorelaEe: ein Theil unferer benachbarten Bier Lande, fat 
glaublich feinen Nahmen von einem Sachen, beffen Ber 
ſitzer Corp mag gebeulen haben, fo daß mit der Corde⸗⸗ 
Ä s Lake 











HAMBVRGENSE. 147 


Lake allmählig bie gange Gegend bezeichnetworden: fo 
wie man ja in Hamburg Erempel gnug bat vongangen 
Gaffen, die ihren Nahmen von einem einzigen Manne, 
der dafelbit gebattet oder getwohnet, empfangen und be« 
halten haben: 3. €. Roͤdings Marckt, Cpeere Ort, 
Brandes Twite, Stefel Hören,u.a.m. Zum menigften 
mögen diejenigen fid) auf guten Beweis ſchicken, bie fid) 
einen Urfprung diefes Nahmens von denen hieher ges 
Fommenen Römern träumenlaffen, als welche das an fef» 
biger Gegend hergehende Waffer,foiego bie Dove Elbe 
beiflet, Curfum lacus follen genennet, und die Sachſen 
daraus ein Kurslac gemacher haben. 


akeband (Hr. M ſchreibt e$ Lagebanck) groffer Tölpel, 
langer unb fauler Schlüngel, — 
smmel: Meffer:-Klinge: lamina, lamella. Een nei Laͤm⸗ 
mel in’t Schölt ſteken laten: eine neue Klinge ing 
Hefft ftecken faffen. Ä 
ampe. (Sprw. In de Lampen flabn: verſchwenderiſch 
zu Wercke geben, unbedachtfamen Aufwand nachen.M.) 
ng. Sprw. De et [ang bett, De lett et lang bangen: 
wer gcoffe Miteel pat, der pflegt auch gern groß zu thun. 
langenoog: formula indignanter concedentis: mynets 
balven doht Dat lange noog: per me licet, 
langtoͤgd fiehe tebn. | 
(Lange Marje: ber Mittel» Finger, ir. ein langes 
Menſch. M.) - : 
ngen: reichen, greiffen. (Se langt em nahm Kopp: 
Sie greifft ipm nad) dein Kopffe. M.) Enem war ges 
ven, oat bemit fyven na langen ſchall: einem td) 
tige Schläge geben. He langt dar mit allen fyven 
na: Er ift darauf febr begierig, und nimmt es herglich 
gern. | 
tlanden? hervor Friegen, was nehmlich in Verwahrun 
T E. En ubtlangen, I ——— 
Linnen⸗Tuͤg uhtlangen, aus bem Schrancke, u. t. gf. 
E $a bylans 





148. / IDIOTICON | 
en: bepfommen, anveichen. benlangen; Din: 
ce 





n. 
angen (term ber ronus atf bem Verbo liegt) abreichen. 
TE tan bat nich aflangen: id) fann bis dahin 
nicht reichen. Wenn aber die Praepofitio den tonum 
fat, abholen, Iy Eónet et by my aflangen Iaten: 

ipe fónnet es bey mir abholen laſſen. 
B.afches 1. an Schuen ein angefegtes Stück Leder, fo über der 

Schnalle hervor raget. 

2. an Hembdern ein viececftes Stuͤckchen Seinen, fo 
unter bem Arm eingefe&et wird, die Leite bafelbft 
gu gewinnen. Daher es auch eine Winnlaſche 
heiſſet. Sr. gousfer. Engl. gusfer. | 

fatenz faflen. Davon ift biefe Pedeng- Arc zu mercken: wo 
. lett et to; mie gehts? wie läfft (ids an ? | 
laven: 1. foben: laudare, it. rei venali precium ftaruere, 
Daher das Sprw. By em is laven un geven 
eenerley: er laͤſſet ſich nichts abdingen. 
a, geloben: ſpondere, vouere, promittere. ^d. 
bebbe oy oat lavet, Ich will dy’t ook bolen. 
anlaven: angeloben. He lavet an: er verfpricht, (id) zu 
beffern. | 
verlaven 2. 1. verreden, (o wie aflaven. 
2. überloben, im Verkauff zu viel fordern. 
| 3. verloben: defpondere. ) 
Loͤfte: Verlöbniß. Loͤfte geven: Loͤfte holen: fpon- 
falia celebrare. 
(Danice premisfum quoduis, vel quamcunque fpon- 
fionem defignat generatirn: a verbo lofter promitto. 
Sed Berlöbniß Dani vocamus forlofvelfe. G.) 
lecken : durchlaffen, undicht (eon, fröpflen: ftillare, perfluere. 
Dat Vatt lecket: das Faß half nicht dichte. | 
leck: undicht. Dat Schipp is lecP: cs kann Wafler Hin, 
eindringen. ir. fübftandue een Lech: zima. Et bett 
enenkehtegn. - 
' Leck⸗ 


HAMBVRGENSE. ' 149 


Leck⸗Wyn: ausgeteópfelter Wein. Daher bey den 

*  $auffleuten das Wort Leccage, bas ift der Abgang, ei⸗ 

gentlich an naflen Waaren, davon (id) aus den undichten 
. Sefäflen etwas verlohren. 

Ledder: Leder. (Sprw. Is he van goodem £ebber, (o 
Fummt be wol wedder: Iſt er redlich, fo entlaͤufft er 
nicht, fondern ftellee fid) fron wieder ein. M.) Ledder 
um Kedder: fleift bu my, ich fla oy webber, 

Leddertauer: ber das gefchmierte Jeder bereitet. 

Lebe (y): Glieder, Gelencke. Siehe Lid, | 

Lebe (y): an flat Lege oder Legede: bet Lage-Balcken am 
Gebäude, worauf bie Ständer gefeßet werden. 

Grund⸗Lede: ift an Bollwerden der im Grunde liegende 
Balden, in welchem bie Pfäle mir ihren Sapffen zu fte 
ben fommen. s 
- verleben: mit einem neuen Sage» Balcken verf 
Inlede: das inwwendigelederne Polfter eines Kuͤſſens, wel⸗ 
ches in den Lieberzug geſtecket wird, bamit Lufft und Fe⸗ 
bern niche (o leicht herdurch gehen, 

eedſpreken (einige (agen leegſpreken) übel nachreden, oftet« 

reden. 


leedfpreBern: verleumderiſch: médifant. 

eeg: 1. fchlimm, böfe. Leeg Geld: falfche Münge. Sprw. 
He is allervoetten, als bat lege Be: man trifft 
ibn afenhalben an. Leege Luͤde: böfe $eute; een 
leeg Muul: ein loſes Maul; een leegen Deef: 
ein ſchlimmer Scheim. Sinfonderheit vom ſchadhaf⸗ 
ten und franden i leege Bogen: ;böfe Mugen. 

He is beel leeg: er iſt gar ſchwach. | 
2. niedeig, flach), ledig. Daher bie Holländifche Redens⸗ 
Art ber Seefahrenden: ın leeger Wall kamen: 
an feichte Derter geraten, wo man Gefahr laͤufft, zu 
firanden. Wall bebeutet um Niederlaͤndiſchen aud 
ein Ufer, und lécgh ober laegh feicht, untieff. Meta- 
. phorice: be kummt in leeger Walls ec geräth in 
Verfall oder Abnehmen; unb elliptice: be bett 
$53 — Cs 





X - 


N i 


150 IDIOTICON : 


Feen leeger: erhatfeine Gefahr. Syn beiden Bedeutun- 
gen ift das Stamm Wore Sach, welches der oft ange 
führte Vocabularius Teuthonifta erfläret Gebreck, 
defectus, Wie imgleichen Kilian in Etymologico Jack, 
Jacke, laecke überfeßet: vituperium, vitium, defectus. 
Jaecken: minuere, deterere, item minui, deficere, . 
Angl. to lack. Juekende waere: merx decroscens. Es 
fiheisiet hieher zu gehören, mas ber Spate in feinem 
Sprad)-Schage p. 1 1 1 1. unter bem Worte Lage an 
führer: lag, & läge: adj. & aduerb. humile, presfum, 
decliue. in laͤger Ort: decliuislocus. Laͤger 
Land: regio humilis, terra depresfa. $95 er-aber diefes 
lág für Hochteutſch oder für Niederſaͤchſiſch gehalten 
willen wolle, ift mir unbefannt. | 
(Leeg Danice fcribitur & effertur Leed, forte ab 
Anglo-Saxonico Jad, odiofus, it. iniuria ; /ad/ice dete- 
ftandus. vid. & Schilteri Glosfar. Teuton. in Leid &c. 
p-5 32 ſq. Verum leeger in leeger Wall dubito an huc 
referri queat. Rectius forte a Jagan Í. liggan, iacere, . 
vel a /egan, deponere, arcesfendum : quod & praeclare 
ipfe agnouit auctor doctisfimus, obferuans Jéegb & 
laegb idem effe ac niedrig, feit, Kilian: Jeegb, humi- 
lis, fummisfus, depresfus: Leeghde, vallis, locus humi- 
lis. Etiam Danis humilis & depresfus eft Laüg, vnde 
lare Dande, 
Lehe: Senje: falx mesforia maior. | 
Lehmeyer: der Nahme eines ehemahligen Gefchlechtes in - 
Hamburg, aus welchem vor anderthalb hundert Jahren 
der berühmte M. Albertus Lehmeier, erft Profesfor itt 
Wittenberg , Detnad) Secretarius , und endlid) Raths⸗ 
Herr in Hamburg gemefen. Deflen verftändlicher 
Nahme aber fehr oft mit dem unverftändlichen Lemei⸗ 
. " ger (id) bat müffen verwechfeln laſſen. m 
eidig: (itia, fehmeichelhaft. Se hett een leidig Muul: fie 
bat ein liſtiges Maul. Zwar brauchen auch die Ober} 
Sachſen daffelbige Wort in mehr als einer Pebenrung 5 
| ander 





- 


ge 


 HAMBVRGENSE. 151 


aber Feine fómmt mit der unferen völlig überein. Tha⸗ 

mar (Deiffet e8 2 Sam. XIII 20.) bliebin Abſaloms Haufe 

e leidig,d.i.inder Trauer, alseine Wittwe; wofür in etfis 

chen Bibeln unrecht gelefen wird ledig. Beym Hiob 
Cap XVL 2. find bie leidigen Tröfter Feine Schmeich⸗ 

ler, fondern, nad) dem Grunde, beſchwerliche oder tere 

drießliche Teöfter, bie der Griche zaganAgroges wand 

und der Engländer miferable comforters überfiget. 
Leidige Kehren Ier. IV. 14. find eigentlich eitefe muͤh⸗ 

^ füfige Gedanken: daroyırmol ova. vaine thoug!ts. 

Wann man aber (aget: Der leidige Teufel, die leidige 

Hoffart, das keidige Sauffen u. b. gl. fo will man 
zwar hauptſaͤchlich was arges und fchädlıches, ober, was- 

. betrübtes und Flägliches anbeuten, iedod) fo, daß das lo⸗ 

efende und verführende nicht eben allemahl ausgefchloflen 

wird, | 

Lemmel: fiche Laͤmmel. 

(Lenden⸗Holt für Linden⸗Holtz. Wort⸗Spiel: Hyr is mit 
Lenden⸗Holt inboͤtt. M.) Modeſta exprobratio foe- 

coris ex alieno peditu. | 

Lepel (s) Löffel. X epelZA oft: LoͤffelSpeiſe. Eenen olen 

^— £&epel! Iſt bey ung ein gewoͤhnliches Formelchen, mo 
mit man leugnet, as ein anderer (aaet, obec ibm mit 
Unwillen abſchlaͤgt, was ev fördert, (He weet bar Eees 
nen Lepel to to waſchen: er weiß dabey nicht die ge⸗ 
ringſte Huͤlffe zu leiſten. M.) 

(letten: auf etwas mercken. M.) Iſt Hollaͤndiſch, aber bey 
ung ziemlich im Gebrauch. Ick hebbe dar nich up 
lettet: ich habe keine Achtung darauf gegeben. He 
lettet up nicks: er ſchlaͤgt auf nichts. 

Leven (gy ir. Levend: Laͤm. Maket fo n Levend nich: 
machet nicht ſolchen Laͤrm. 

leven (s) fprechen einige, an ftat levern () : liefern. 

Leverentz, it. Lawxentz: muß einmahl ein langer Kerl dieſes 

Mahmens geweſen ſeyn, weil es beyunszum&pridywort 
^ gemotben, bag wir einen hoch aufgeſchoſſenen Menſchen 
| $4 "o www | 








1 





! 


p 


!. 


152 IDIOTICON 


einen langen Lewerentz nemen; ityn: 5€ is (o 
lang, ae Kevereng (yn Kind. | 

(Leverken: $erchen. M.) 

(leverage: allgemad): pedetentim. M.) 

leeverſt: lieber. Ick will leeverſt: praeope. 

Seuwagen: Scheuer⸗Buͤrſte, mit einem langen Stiele, welche 
in Waſſer getuncket zu Reinigung der Boͤden und 
Mauer» Wände gebraucht wird. | 

fep: aufgcgebeneLeGion. He weet ſyn fLep: er weiß mas 
ipm vorgegeben. Ler⸗Band : ein Baͤndchen oder pa: 

* . pierden, fo man in die Bücher leget, zu bezeichnen, wie 

weit tan im Leſen gekommen, oder einen angemerckten 
Ort wieder gu finden. 

libberig : wird vom füffen gebraucht, das bicf unb Flebricht, und 
deswegen wiederlich ift. Alfo ſchmecket einigen der Spa 
nifche Wein, der Honig, der Syrop, bie Mumme, und 
dergleichen to libberig. Bisweilen machet man gar ein 
compoſitum: libbersföt. Der Urfprung ift zmweifels 
ohne von dem Worte Libbe oder ebbe, womit die Hol 
länder andeuten das (cortum vitulinum, oder Stücklein 
von dem inteftino, das wir de Rode nennen, meldyeg die 
Milch geronnen macher. Kilian: Kibbe: coagulum. 
Bebbige Raeſe: cafeus coagulo nimio, nimioque . 
fcorto vitulino corruptus. 





licht un dicht: wird von einem Gebäude ober anderem Ge 


mächte gefagt, bas weder ſtarck nod) dauerhaft, fondern 
nur zur Nothdurft von der Hand gefchlagen ift; dergleis 
hen bie Dinge gemeiniglid) find, die. wir nennen upn 
Beoop gematet. 
lichten, al. lächten: heben, füfften. 
üplichten: aufheben, 
Lichter: eine groffe Art geraͤumiger Fahrzeuge, welche an 
bie See⸗Schiffe zur Ansladung geleget, und felbige da 
durch gelichtet werden. - 


Lid: Oli, Celende. Rrooe-⸗Lid: SugiDedel, pH 


« " a 





HAMBVRGENSE  . 153 


feine charniére oder fein Gewinde hat. Uht bem Tede: 
bertend'et, aus bent Gelencke. | 

Bedes Water: Glied Waffer: humor vifcidus neruorum 
in iun&uris osfium. | 

Ledematen: Gliedmaſſen. 

ledeweeck: ſchwach, gebrechlich, unfeſt. De Stohl is 
ledeweeck: bec Stuhl wackelt, oder ift bäufällig. - 

ydend: ſehr, ziemlich: admodum, fatis. Es ie lydend 

warm: es iſt ziemlich warn. Se hett fic lydend 
wakker mabet: (ie hat fid) trefflich geputzet. Sonſt 
brauchen wir, faſt in gleichem Verſtande, das Wort idel. 

Liesken Allerleys: Afternahme eines Meufchen, der ſich mie 
allerhand Verrichtungen befaſſet: beſonders nennen wir 
ai a Krämer, der gar zu mancherley Waaren 

e ® | 

Lyv: Leib. Synes Ayves Peenen Rath weten: fid) me 
der zu rathen nod) zu Delffen wiffen. By Lyve un by 
Halſe nido: bey Leibe nicht. 

lyve unde licht: feibhaftig , eben gleich, gänglich fo. 
6e Lyv is em utbgabn: der Maſt⸗Darm ift ipm ausges 
. offen: anus ei procidit. - = 

Lyften: Leibchen, Weiber⸗Wambs. Schnoͤr⸗Lyfken: 
Schnuͤr⸗Bruſt. 

"IE: gleich, gerade. Lyke Reegen: gerade Zeilen. Sprw. 
Dat geit (o lyk, als de Weg na Bremen: b, db 
krumm und ſchief. | 

BE ubt un Ig an: oßne falfch: fans facon: tout d'une 
iece. 
IsE ubt fébn : eine ernfthafte Mine machen. He fac 
IyE ubt, als een Dretling⸗Licht: er lachte garni 
lyk un recht dohn: vebfid) handeln. 
Lykendeelken: ein Feines Branteweins⸗Maaß, gleiche 
Theile zu machen. M.) | 

Lykdorn: Huͤner⸗Auge. 

vtero: gleichwo (; dennoch. 

2 (o, gs Lyne: 








154 1DIOTICON: 


£yne: Schnur, dünnes Strick. Eenen an't Lyntjen Erio 
gen: einen bereben, oder zu feinem Willen Friegen, bof 

et (id) leiten (à(ft, wie ein Hund anl Stricke. E 
líneelangft: die Länge bin. He fallt língelanaft achten 
ge — er faͤllt ruͤcklings Miss * er iſ. 
Iypen, anlypen: bag Maul ruͤmpffen: die Unter-tefze ſpoͤttiſch 
aufwerffen. Unſere Kinder ſagen: he lypet my an: er 


machet mir ein ſchief Maul. 


Byten: weinen. De Lyre antrecken: zu heulen anfangen. 
Lyren⸗Dreyer: einer der gern weinet. 
(Eftne metaphorica & iocularis phrafis a lyrae 
cantu? G) 
Litz: 1. eine dünne rund gedrehete Schnur, dergleichen von | 
Ä Seide, Bold oder Silber, zu Einfaffung der Kleider, | 
Hüte xc. gebrauchet wird, | 
2, ein Stüd oder Ende eines Binde⸗Stricks ober einer 
Schnur. Daher das Sprw. Dat was een ardige 
Litz: das war ein guter Zug oder Vortbeil. ( 
bett dar een Lig van: er hat ein Gewinnlein 
daran. M.) Ä 0 d 
Litzen⸗Broͤder: eine gewiſſe Anzahl oder Bruͤderſchaft 
beeidigter $eute, bie zur Sicherheit des Kaufmanns und 
der Reifenden, bey Poft-und Fracht⸗Fuhren beſtellet find, - 
auf: unb abzupaden. Ihr Nahme, mie id) meine,Fommt 
nicht von einer Lifte dee Wagen, Perfonen und Güter, 
viel weniger von Kizen auf Hüten oder an Kleidung; 
ſondern von den Schnüren und Stricken, womit fie zum 
Tragen und Binden der Coffres oder Paquets allemahl 
müffen verfehen feyn. | 


(Roc: oh. Sprw. "ct fehrdar keen Loch ddr: ich ele 


+. 


dabey Fein Auskomnien. M.) 
Loͤfte. fiehe laven. 


| Loͤgen Dat it. Luͤg⸗Vatt: Lügner, bet voller Unwahrhei⸗ 
ten ift, 


Löhchten: fefe, helle Flamme, Et brenriet Lichter 
Loͤhchten, di. liter Lrohe. Loͤhch⸗ 








HAMBVRGENSE. 155 


Loͤhchten Fuͤr: Flammen⸗Feuer, welches von bem tof» 
len-Sener und der glimmenden Afche unterfchieden wird, 
2.öhren (se): Plunder. Lappen un 2óbren, 
£0y: faul, träge. Ex Belgico. Conf. lófig. 
Cloopen: lauffen. He voeet darup to Ioopen; er verſtehet 
ſich gut darauf. 
£oopi.fauf. lip? Loop gahn: verlohren geben, 
| 2. Durchfall: diarrhoea. u 
Loͤper: Schnellfügelchen, damit die Kinder in Grübchen 
ſpielen. Juden⸗Loͤper: eine groffe Art derfelben. M.) 
loͤſig Cem): las, müde, träge. Doͤſig un Iöfig: dugig und 
(affig.  fÉeen Iöfigen Baft: ein träger Menfch, 
LCoͤve (oe): 1. Laube, SommersSaube: vmbraculum, . 
2. ein Ausgebaͤude oder Borfprung von Holg an 
einem Haufe, über bem Waffer : exedra penfi- 
lis, vel fulcris obliquis innixa. (ble Din 
up ber Löve: alte Haus⸗Jungfer, bie fid) o 
auf der Laube fehen làfft. M.) Ä 
Lucht: 1. Lufft. Hoch in de Bucht: hoch in die fufft, 
(Sprw. Dar wahnt Hans van der Lucht: 
wird gefant von einem verfallenen Haufe, unb gets 
brochenen Fenftern, wo allenthalben bie fu(ft 
durchgehet. M.) 
. 2. Dthem: Lucht halen. eene Lucht kry⸗ 
gen Eönen. | 
3. fiot. He ſteit my im Luchten: er ſtehet mir im 
ot Eenem de Lucht verbauen, i. e. das 
icbt. 
4, Fenſter, da nehmlich Lufft unb fibt herein fallen. 
He bauet eese neye Lucht: er mache ein neues 
Senfter. Befonders wird aud) diefes Wort von 
der intvenbigen Weite der Fenfter und Thüren ge» 
brauche, Z.E. Soͤß Foot im Buchten: ſechs 
Fuß im Lichte, das iſt: inwendiger Maſſe, ſo weit 
nehmlich das Licht herdurch faͤllt, die Sid der 
Ne 





196 IDIOTICON | 


Cinfafung, Cargen oder Moſten nicht mit ge 
rechnet. | t 
Uchlucht: ein hervorgehender Ausbauam Hauſe, mit Fen⸗ 
ftern, üm Licht und Raum zu gewinnen: exedra latior, 
ex anteriore aedium pariete in plateam prominens, 
podiis ſuffulta. Dergleichen breites Aercker⸗Werck giebt 
e$ in Hamburg viel. Weil aber mancher damit eigen 
maͤchtig zu weit gegangen, die Auslucht allmählig unter 
bauet und geunbfe(t gemacht, das Erbe ins publicum 
hinein geruͤcket, mithin die Gaſſe immer enger geworben 
ift, fo find Hinfünftig dergleichen Ausluchten durch öf- 
feutíid)e Gefege verboten worden. : 
luchtig: fat, lufftig. Et ward all lucbtiq: es beainnet 
fou ein wenig frifch zu werden. J 
luͤchten: leuchten. Aber inluͤchten heiſſet bey uns auch betrie⸗ 
gen, vervortheilen, in Schaden bringen. He wardt 
em deget inluͤchten: er wird ihn rechtſchaffen hinters 
Sicht führen, E | 
uplüchten: ſiehe lichten. | 
(Luͤde: leute. Sprw. Wor KLüde fünb, dar fpreket 
Luͤde: In einer SBerfammlung kann e$ nicht ftumm 
unb (tile zugeben, Item, man fan ben feuten nicht den 
Mund ftopffen. M.) Dies Sprw. ift (o richtig, daß 
man gar fragen mögte, ob nicht Luͤde und Leute von 
lube und laut den Nahmen haben. Multitudo-homi- 
num plerumque fonora eft, Vielleicht kommt auch Jaw 
und Jcudare eben daher, weil al&bann was gutes [aut 
wird. Gin mehres läfft fid) nad)bendfen aus dem, was 
Hr. Wachter in Glosfar. 6ey bem Worte Leumund aw 
gemercket hat. E 
gähnke: Sperling. 
Hemp⸗Luͤhnke: Haͤnfling; und metaphorice : ein Meiner. 
ſchmaͤchtiger Menſch. 
Luke: eine Oeffnung in Boden und Wänden bec Haͤuſer unb 
Schiffe, fo mit hoͤltzernen Fluͤgeln oder Deckeln gefchlop 
(m werden. Doͤrch be Luke fallen. mitto 
| 9 








HAMBVRGENSE 157 


Fluͤgel felbft AuPen genannt, 3 C, Em fill de Luke 
up den Kopp. Finſter⸗Luken: hölgerne Zenfter. 
(Danice en Kuge. G.) | 

nen; verbrießlich feyn, fauer fehen, He geit un lunet: ex 
gehet ſtillſchweigend vor fid) Dun j ift nicht bey guter Laune. 
(lünfeben: wird von den Kindern gefagt, wann fie aus Une 
muto nicht mit einander ſprechen wollın: faire mine 
d'étre faché M.) 
ngern: 1. faullengen. Lungern gahn: ſchlentern geben. 
Lunger- Band: Fauls Bette. 
Lunger⸗Hot: eine hölßerne Stange, welche 
die Brauer» Jungen in die Spund« Löcher 
ftoffen, und daran die lebigen Bier-Tonnen 
auf der Achfel tragen, | 
a. lauren auf etroag, bad man gern haben will. He 
lungertbarna: igm ſtehet der Lecker darnach. 


urre: 1. Sende, Schendel. De Lurren ſlepen: die Len⸗ 
den ſchleppen. ! 

2. falſches Vorgeben: figmentum | malignum. 
Lahme Kurren: elende lügen, baman nicht mit 
fortkommen fann, weil fie gleichſam lahme Lenden, 
oder, wie man ſonſt zu ſagen pflegt, kurtze Beine 
haben. | 

Lurrendreyer: Luͤgner, Betrieger, der (id) unter falfchem 
Vorwand zu drehen und zuwenden ſuchet. Inſonderheit 
ift das Wort Lurrendreyerey beim See⸗Handel ge» 
braͤuchlich, und bedeutet, wann einer mit falſchen Paͤſſen, 
falſchen Flaggen, falſchen Connoiſſementen, falſcher 
Fuftage verbotener Waare u. 6. gl. führer. Ä 

( Annon potius a luren, Germ. lauren, 

Saxon. Forleornes: praeuaricatio? G.) Non puto, 
ſtern: genau Acht geben, horchen, aufmercken. He luͤſtert 
nich darna: er giebt feine Achtung darauf, Iſt bas 
Holländifhe Wort Zurftern: aufcultare, obferuare. 
Engl, eo liften. Es wird aber auch von lebloſen Dingen, 

| . dH 





158 | " . JDIOTICON 


in Anfehung ihrer accurateffe, gebraucht. 3. €. Ven 
einem Wage-Balden: be lüftert nau: ec ſchlaͤgt ſehr 
leicht. It. von einem Schiffe: et luͤſtert nich : es gehen 
det bem Steuer Ruder nicht willig. 

luͤttk: klein. Een luͤttken Betken : ein klein Bißchen. Un 
fece Mund⸗Art verändert das E gern in. f, und alfo (aget 
wir: eene lüttje Deern: ein Meines Mäbdgen. 

Luͤttje Magd, oder, wie fie (id) felber nennen, Luͤttmaid: 
unge Magd, Kinder Mädgen. Wiewol in Hamburg 
alle Dienft-Mägde, anffer ben Koͤkſchen oder Köchin : 
nen, Yüttje Maͤgde heiffen. - 

ell nre luͤttk: oft, zu wiederholten mahlen: crebris vi- 
Cibus, 

luͤhrluͤttk: ſehr (ein. 

Luus: Laus. Sprw. De Luus in de Pick⸗Ballje ſoͤken: 
Urſachen ausklauben, üm Händel zu haben. it. gernet⸗ 
was finden wollen, zu tadeln: nodum in ſcirpo quaerere, 
De Luus im en Daler geven: gutes Nuthes ſeyn. 
(De Luus nich uͤmn Daler geven: fid) viel einbile 
den, und ſeine ſchlechte Sachen hoch halten. M.) | 

Luſebunck, oder Luſebunge: einer der voller Läufe iff. 

(Luͤſeken⸗Knicker: der Daumen. M.) 

Iuren, beluren: betriegen, fiftig uͤberſchnellen. 

ure durch Betrug abzwaden, z. €. im falfchen 
pieien, 


‚wegluren; heimlich wegnehmen: fraudulenter furripere. 


M. 


Maat: Geſelle, Camerade. ft beym Schiffs⸗Volck, und 
andern Arbeitern gebraͤuchlich. Jan Rapp un ſyn 
Maat: gemeine Matroſen. ic. allerhand Poͤbel. 


Maatſchopp: Geſellſchaft. | 
| uir quaſi Maatſchoppey: fyanb(ungs-Giefell 
ſchaft. | | 


mach 








HAMBVRGENSE. - 159 


machlich: an ftat gemachlich : mit. gutem Gemadh. Dat 
| ei fi macklick dohn: das laͤſſet fid) bequemlich 
thun. 
naddeln: iſt die Ausſprache des marteln, welches martern 
bedeutet, und nicht nur vom quälen beg lebendigen, ſon⸗ 
dern aud) von übeler Handhabung desleblofengebrauche — 
wird. | 
Maddeler, oder Marteler: ein Stümper, der mic einem 
Dinge nicht recht umzugehen weiß, | 
Maddeley: Auälerey, &tümpetey. 
maddelig: verbunget, übel zugericheet, fudelhaftig: wie 
man infonderheit von einem zerferbten und unappetitlid) 
bereiteten Eſſen faget: et fübt ſo maddelig ubt. 
vermaboeln: verderben. Dat Kind is vermabobelt: 
bas Kind ift durch untaugfid)e Pflege und Nahrung zu 
nichte gemacht, | Ä 
Mähre: Pferd. 
Mehr Alatte: fiebe "Alatte, Allwo nod) beyzufügen, 
daß im Rilianifchen Etymologico maerer-vlichte, mar- 
' licite, t.i. Wahr: Slecbte, evflácet wird von ben aa» 
rigten Federn an den rauchen Füffen der Hühnlein, wo⸗ 
durch diefelben am Geben behindert werden. 
Mahr⸗Keddick: die Einfale ſaget Mar⸗Etick (7) und 
vermeinet es Hoch⸗Teutſch gar fein zu nennen LYTeers 
Eſſig. Selbft die Ober- Sachſen ſchreiben unrehe 
Meer⸗Rettich, als wüchfe er am Meere. Eigentlich - 
Deifft der Nahme fo viel als Pferde-Kettich (von der 
Maͤhre, wie Marfchall, Marftalzc. alfo Marrertich, und 
nicht vom Meere. Angl. Horferadifh, voe diefe fut 
^ fl. ben Pferden heilfam ift. M.) Belg. Maer-Radys: 
Raphanus rufticanus, finapi Perficum. Kilian, 
maͤkeln: 1. Maflerey treiben: proxenetam apud mercatores 
agere. 
2. fabeln, Fehler finden. He bett up alles war t9 . 
máteln; ec hat auf alles was zu fagen, 


Mille; 





160 IDIOTICON 


Maͤkler: 1. Proxeneta, pararius. 
2. Ein Zabef ⸗gern. | 
3. Der Pfahl oder fonft genannte Anecht an 
bec Wendels Treppe, in welchen die Tritte 
befeftiget find, ^ 
4. Der Pfoften in ber Spige bes Giebels, wor 
auf der Knopff gefeger wird. 
malckander: einander ; mie malckander: zufammen uͤn⸗ 
ner malcPander: unter einander. Wir haben diefes 
Wort von den Holländern, die es aud) gufammen ziehen 
und fprechen mekaer. | 
man; ı. aber: He will woll, man be tann nich: Belg. 
men. (Neque aliter Danice, quam men. G.) Unfere 
Vorfahren fagten auch mer, weldyes ebenfalls im 
KHolländifchen maer ift. | 





2, nur: Lat em man gabn: laß ihn nur gehen. Dat 
foftet my man een Wort. Yan nich ved 


Snakks ıc. 
3. Pronomen imperfonale, wofür wit gemeiniglich 
men fagen. . 


manckt: mit darunter: inter. Dar is wat godes mit 


mancht: es ift was gutes mit darunter. Sollte billig 
gefchrieben werden mangt, weil bas Stamm- Wort ift 
mengen, daher im Englifchen among. ' Mangoot, 
quaſi fang« oot, nennen wir eine Art von ſclech⸗ 
tem gemifchten Metall, infonderheit Zinn, woraus aller, 
Mangel: (die) Walge, groffe mit Steinen befchwerte Rolle, 
womit auf einem glatten und ebenen Tifche bas groffe Lei⸗ 
nen · Geraͤthe nad) der Wäfche gepláttet wird. Vornehm⸗ 
lid) hat man diefe Machine mit doppelten auf einander 


gehenden Walgen von folcher Gröffe und Gewalt, daß | 


ie von Pferden gezogen wird. Damit werden in Ham⸗ 
rg und anderer Orten, wo Fabriquen find, bie gedruck⸗ 


ten Caccomen und Leinwandten nicht nur gepláttet, (om Ä 
| ! bem - 





HAMBVRGENSE. IGt 


dern aud) geglärtet, und glängend gemacht. Und eben 
biefe Profesfion des mangelns laͤſſet den Mangeler 
nicht leicht Mangel leiden. 


(Manneleef: Mannfüchtig, die gern Mannes-Derfonen leis 
den mag. M.) Auch wird e$ alseine Carefle unter Ehe⸗ 
Leuten gebraucht, die fid) einander nennen Mann⸗leef, 

Frauken⸗leef, b. i. lieber Mann , liebe rau, 


maracben: ermüden: fatiguer. Ick bebbe my ſo deger 
afmaracher: Syd) habe mid) dermaffen abgearbeiter. 

Marckt: (et fangt up dem Marckte an, un brennet de 

heele Straat hendahl. Sprw. wenn man was heiſſes 


einſchlucket, das vom Munde bis in den Magen hinab 
brennet. M) 


Marrel, Marrel⸗Steen: Maͤrtel, Schnell⸗Kugeln, die 
nicht, wie die Loͤpers, von Thon gebacken, ſondern aus 
Marmor, oder einer feinen Maſſe gemacht ſind. 

Marten Aap: Schimpf⸗Nahme eines Poſſenreiſſers, der 
Affenmaͤſſig pickelt und nachahmet. Marten, byt my 
nich, ick will dy ook eene Beere geven. So ſaget 
man hier Sprichworts weiſe veraͤchtlich zu einem Men⸗ 
ſchen der ſauer ſiehet, oder zornig auffaͤhret. 

Maſcopey. ſiehe Maat. | | 

ste: Mafle. Co mate Famen: zu pfaé Fommen. Yo 
Eame ic mit ju to mate: wie bin id) mit euch übel 
daran! Gs ſcheinet diefe Redens⸗Art hergenommen von 
einem, der an ber Maffe zu furg ſchieſſet, unb nicht fo viel 

at, als er haben foll, de kummt oͤvel to mate, Sprw. 
Ile Ding mit Maten, dat fchall men doon un 
laten: ro uergov apis ov. Von einem (tacfen Säuffer 
iff bey und dag zweydeutige: He drincket mir Maten: 
. b. i. er fäuffer bey gan&en Maſſen hinein. . 
Matten: 1. geflochtene Decken von Baum⸗Baſt, Binfens 
Gras, Hobel-Spänen, Strob, und dergleichen. 
Alfo giebt es Pak Marten, Fuß⸗Matten, 
Wand-Matten, Dee Matren jur Unterlage in 

den 





162 IDIOTICON . 


ben Betten. Daher bas Sprw. van den Mat⸗ 
ten upt Stroh famen; in Dürftigfeit gerar | 
then: eenem van Matten up Stroh belpen: 
in Armuth feßen. 

2. Abgift vom Korn in der Mühle, Vermatten, 
b. i. die Matten davon geben, 


Maue: Yermel: manica. Byhangende Mauen: han 
gende Aermel. Pluder⸗Mauen: groſſe hervorra⸗ 
gende Hand⸗Aermel. Sprw. He weet bar keene 
Mauen antoſetten: er weiß das Ding nicht anzu⸗ 
greiffen. Eenem wat up de Maue binden: einem 
etwas auf ben Aermel hefften, b. i. ihm mas weiß machen. 
(De Maue ſtincket em all: ec ift fein Jung⸗Geſelle 
mehr, fondern ſchon Deroeibet. M.) 

Wi: Miſt. Meß⸗Forcke: Miſi Gabel. Mfeßnatt: 
pfuͤtzenaß. 

(Meſt: Meſſer. Foͤr't Meſt ſtarven: geſchlachtet wer⸗ 
den; wird von Thieren, inſonderheit von Fiſchen, ge⸗ 
braucht, warn mar (agen will, daß fie nicht (don todk ges 

weſen, fondern lebendig vors Meſſer gebracht, und abge 
than ſind. M.) 
Meſtenmabker: Meſſer · Schmid. 

Mett⸗Goot: gehacktes Fleiſch unb Speck zu Mett⸗Wuͤrſten. 

Mettke: Regen⸗Wurm: lumbricus terreſtris. 

(Dan. Maddike, Island. Modkar, Bremenſibus 
Meddeke, tefle Meiero in Excerptis p. 297. G.) 

Mettken⸗Sommers, al. Commevtlfettjene : Marien 
Garn: filamenta D.Virginis. Sind diem Früb: Jahre 
und Herbite in der Luft fahrende Fäden, welche von einis 
gen für Meteora, von andern für bereiffte Spinneweben 
angeſehen werden. 

Meve: Fiſch⸗Ar: niſus. 

Meves: wird bey unſern Bauern aus Bartholomaͤus, ſo wie 

Tewes aus Matthaͤus. 

Miere: ama: ug: au dem Nicerändiffen gm 

‚gekommen. B Miete: 








HAMBVRGENSE. - 163 


‚Miete: 1, bas Kleine Gewuͤrme im Meble, Käfen, Hülfen- 
Srüchten u. b. gl. welches von Maden und Morten 
gan& unterfchieden it. 
mietig: vermiculis his infe&um. — Mietig 
Wiehl: darin Mieten, bie fo Flein find, als das 
Mehl felber. Der fette Kaͤſe friegt Maden, der 
trockene wird mietig. 

2. ein viereckigter Mift-Hauffen, dergleichen die Baus 
ven auf der Geeſt von allerhand Mift, Heyde 
und flachen Erd-Schollen fchichtweife zufanmen 
legen, und wann esdurchgefauler, zur Duͤngung 
gebrauchen. | 

mygen: piffen: meiere. Iſt aus der Poͤbel⸗Sprache. 

bemygen: beſeichen. He bett ſich bemegen: ſuo fe 
mictu inquinauit. 5. 

Myge: Seide: lotium. Myge⸗Putt: NachtTopff. 
— 5 — ⸗ Kyker: Vrofcopus. un 

mikken: in Augenmerck nehmen, ins Sefichefaflen, erzielen, 
utbmitEen: auserfehen, mit ben Augen auszeichnen. 

mymern; 1. verwirret im Haupte ſeyn, phantafiren, wunder⸗ 

lich Zeug reden, wie man in hitzigen Kranckhei⸗ 
ten thut. Solcher Zuſtand wird Mymerey ge⸗ 
nannt. He ligt in de Mymerey: er liegt und 
phantaſiret. 
2. oͤffentlich zum Verkauff ausruffen: praeconem 
& miniſtrum agere venditionis ſub haſta. 
Uthmymerer: Ausruͤffer: Auctionarius. 
min: wenig, He itt to min: er iſſet zu wenig. Den Compa- 
ratiuum und Superlatiuum brauchen auch die Ober⸗ 
Sachſen, aber nicht den Poſitiuum. 


minnern oder mindern nennen inſonderheit die Strumpf⸗ 
Stricker ihre Kunſt, durch Minderung der Maſchen 
ben Strumpf unter der Wade enger zu machen, 


miß ; vergebeng, verfehles: perperam. Dat Ding geit mif: 
2 das 





164. IDIOTICON 


das gelinget nicht, — Eenen Mißgreep Dohn: das 
unrechte ergreiffen. | 
Mipfell; Mißkrahm: Unzeitige Stieberfunft: fauffe 
couche. 
mißmödig: ſchwermuͤthig, melancholifch, zur Berzweife 
lung geneigt. 
miffen: heiflet nicht allein entbebren, fondern auch feblen; 
wie in dem Sprw. Dat Eann nich miffen, oe ved 
drinckt, mutt veel p . . . a 
misfchien: vielleicht, mie e$ fcheinet: fortaffe. Et (call 
misfchien Dühr warden: dem Anfehen nad) wırd es 
eheuer werden, Wir haben dieß Wort von den Holläns ' 
dern, ' 
Miſt: Nebel. Pariter Belg. & Angl. Miſt. 
miſtig Wedder: nebliche Wetter. 


mitfabrig. fiehe fahren. io 
Moͤdderſche: Muhme. Vater: oder Mutter -Schwefter. 
In unferer Nachbarfchaft fagt man Medder, und felbis 
ges bedeutet aud) Coufine. ju tüneburgifchen Deiffet es 
aoafe- Daher bat Waͤſken⸗Book: der Boofe 

eutel. 
moden: per aphaereſin, an ſtat vermoden. Dat was ick 
nich moden: das war ich nicht vermuthen. 


Moder: Wein⸗Hefen. Dieſes Wort hat mit der Moder 
oder Mutter, wie auch mit dem Moder oder der Verwe⸗ 
ſung, keine Gemeinſchaft, ſondern iſt daſſelbe, was 
Mudde oder Mudder, nehmlich eine dicke Unreinig⸗ 
keit, welche theils ſelber zu Grunde ſinket, theils durch ein 
ſogenanntes Bereitſel voͤllig niedergeſtuͤrtzet, und ſo⸗ 
dann der reine klare Wein davon abgezogen wird. Es 
klinget demnach faſt laͤcherlich, wann unſere guten Leute 
auf ihr vermeintes Hochteutſch ſprechen: Der Wein 
liegt auf der Mutter; it. et iſt von der Mutter 
abgeſtochen; it. der Mann liefert die Mutter an 
die Brantewein⸗Brenner zc. 





mögen 





HAMBVRGENSE. 165 - 


moͤgen (om): gern eflen, fich etwas ſchmecken faffen, „em 
wat: er fann flat effen. Pia formula: Bott fv 
. Danch för bebben ün mögen. 

Möge: Wolſchmack, Appetit, goüt. — Elck een fyne 
Moͤge, oc Buur itt Óve : chacun a fon goüt. Ich 
bebbe óver myne Moͤge geten: id) habe mich über 
(att gegeffen. Ä Ä | 

Moͤhlen⸗Rad lopen oder ſcheeten: ift eine Leibes · Uebung 
des jungen Volckes, unb bey une inſonderheit der Brauer⸗ 
Knechte, da ſie ſeitwaͤrts auf den Haͤnden ſich wieder auf 
die Fuͤſſe hinuͤber werffen, und ſolcher Geſtalt wie ein 
Rad fortſchieſſen. | Ä 

Moͤme: Mutter,inder Bauren⸗Sprache. Bon einem Lecker⸗ 
bißchen pflegen wir zu fagen : Dat gäve de Hund fy» 

| ner mone nich, wenn fe oo im Kindel⸗Bedde 
ge. 

Moͤmeken⸗Kind: Mutter-Söhnchen, Zaͤrtling. 
moͤhr (on): muͤrbe. | | 
Moͤhr⸗Brade: das zarte Fleiſch unter ben Nieren am 

Ruͤck⸗Grade: mufculus Pfoas. Wenn es von Schwei- 





nen iſt: Swyns⸗Moͤhr⸗Brade. 
Moit: Mühe. Der gemeine Mann ſagt auch Unmoit, an 
ftat untu(t: Wy beft dar een bupen Unmoit van; 
Wir. haben davon viele Mühe. — Soll, Moeite. 
bemoit ju nich: bemühee euch nicht. 
een Moitmaker: iff nicht ein Meutmacher oder Aufruͤh⸗ 
tet, fondern einer, der andern $euten unnörhige Mühe 
und Arbeit machet. | | 
Moor: Mutter. Zufammen gezogen aus Moder, wie 
Vaar aus Vader. Zwar hoͤret man dieſes Wort faſt 
einzig unter den Bauren; doch haben wir auch in der 
Stadt dieſe Redens⸗Art: dat is Muus as Moor, 
wann wir ſagen wollen: das iſt einerley, oder: das gilt 
gleich. Denn die Maus und ihre Mutter ſind eine 
fo gut, mie bie andere. m 0 
| 0 13. Moos: 


166 IDIOTICON 


Moos: Muus, Gemüfe: pulpa. Brodt⸗Moos, Appel 
Moos 1C. 
Moͤſeken: für Kinder, Daher Moͤſeken⸗Schal 
Moͤſeken⸗Lepel 1c. he ) ’ 
moofen: zu Muus machen, quetfchen: in pulpam redi- 
cre. 
| möten (o): müffm. He mutt: er muß. 
móten (oe): it. upmoͤten: im Lauffe aufhalten: fiftere, cur. 
renti fe obiicere. Moͤt den 3Deef Laß ben Dieb nicht 
lauffen. Bon bem, mas wild und flüchtig ift, Deiffet es: 
Dar bett man wat an to möten. - | 
' bemóten: begegnen. Se bemóbbeben uns: obuiam 
| nobis veniebant. 
in de Moͤte gahn: entgegen geben: obuiam irc. 
: (Dan. at moͤde, at gaar een i Moͤde. Anglo-Sax. 
gemetan : obuiam ire. .Mitting : occurfus. In Euang. 
Goth. motjan: occurrere. — Theot. moeten. G.) - 


Moth: 1. Much, Courage. Item Vermuthung. Wat 
bebbe jy foͤr Moth van duͤtt Wedder: mas 
vermuthet ihr eon biefem Werter ? item Gefinnte 

. beit, Entſchlieſſung. (Du fcbaft my bald im 
Mode finnen, Datzc.: dufollft bald fehen, bag 
id) ꝛc. M.) 
2, metaphorice: der Jaͤſcht oder Schaum auf dem 
Biere, Dat Beer lóppt up f1Totb : es ſchaͤu⸗ 
met im Zapffen. Up Moth febendhen: ein- 
fehenden, daß es fhäumer Modig Beer: 
frifch, ftarck Bier, bag den Jaͤſcht hervor arbeitet. 
motbbeften: fic? to mothbaſten: fid) hefftig bemühen, 
aus dem Ather arbeiten. Dat Rind bett fid? mit 
weenen to mothbaſtet: das Kind hat über Mache _ 
geweinet. 
vermothbaſtet ju nich: überarbeitet euch nicht. Wird 
"y im Spott gefagt zu einem, bet es fachte angeben 
làffet. , 
muchlich; (ie muffig. 


k EE i - 





Mudde: 





HAMBVRGENSE. 167 


Mudde: Made, Schlamm, bier sor. In de Mudde 
pedden: ing fumpfige treten. | 
muddig: wird gebraucht 3. E. von einem Wege, bet fotbig 
ift; von Waſſern und Getránden, bie unrein, bif und 
' teübe find; vom Gefchmad der Fiſche, bie aus fchlam- 
michten Waflern kommen. Wir fagen auch, warn wir 
ein Ding loben wollen: Dat is nich muddig. 
mufFéln : forne im Munde effen, wie zahnloſe Kinder und alte 
fente. Die Bayern fagen mumffeln, und Prafchius in 
Glosfar. meinet, e8 fomme von Mundvoll. 
tpmuffeln: ohne Zähne zermalmen und verzehren, 
mu(Fig : ic. muchlich: mas anbrüchig riechet oder ſchmecket. 
Wird von Eß⸗Waaren gefagt, bie nad einer Fäule oder 
Schimmel zu ſchmecken angefangen. Inſonderheit wird 
muchlich, was feucht ſtehet, und Feine freye Luft Dat. 
Muken : Verftellung des Angefihts: grimaces, 
de uten trekken: das Maul kruͤmmen: faire des gri- 


maces. M.) 


Mull: weiche lockere Erde, it. Graus oder Staub von Hole, 
| d und andern Dingen. Torff⸗Mull: zerriebener 
urff. E 
Mullworp: einige (agen Muulworp, wie auch die Hoch⸗ 
Teutſchen Maulwurff, weil er. mit bem Maule die 
. tbe aufwirfft: quod terram roftro fodiat & reiiciat, 
wie Kilianus aus Gesnero anführet. Allein, das wahre 
Stamm- Wort ift Mull, and nihe Maul, weil diefeg 
Thier in der weichen Erde arbeitet, und daraus bie Haͤuff⸗ 
lein aufſtoſſet. Daruͤm fpred)en aud) i Holländer nicht 
Muylworp, fondern Mol, Molworp, Molworm, und bie 
Engländer Mole, fo wie jene den aufgetoorffenen Hügel 
nennen Mol-boop ;unddiefe a Molehill. Gleicher maſſen 
würde eit Hoch-Teuefcher epe Mull⸗Huͤgel als Maul⸗ 
Zuͤgel ſagen. Derſelben Meinung iff aud) Wachterus 
inGlosfar. voc, Maulwurf: An quia terram ore egerit, 
dubito. Nam myJ, mol, mul, Anglo-Saxonica & Islan- 
22 i4 dee 





: -G Yo 


168.  IDIOTICON 
dica & Belgica Diale&o eſt puluis, & hinc Mulwerf 
eiector pulueris, a werfen eiicere: Dani- hodierni & 
Angli antiqui idem animal vocant muldvarp , mold. 
warp, tefte Skinnero in voce Mole, quod Cel. Hicke- 
fius rede deducit a Mulde, Molde, puluis. Conf.des 
Spaten Sprach⸗ Schatz p. 1302. ten Kate P.IL | 
P.292. 
Muͤlte: Gemuͤſe von Brodt in Scheiben geſchnitten, und ein⸗ 
geweichet durch uͤbergegoſſene Fruͤchte, bie fo muͤrbege⸗ 
kochet, daß man alles mit Leffeln eſſen kann. Alſo giebt es 
Beeren⸗Bickbeeren⸗Kaßbeeren⸗ Muͤllje. Man 
vennet hier auch Muͤlljen, mann Brodt in Suppe ge⸗ 
weichet, und mit einer etwas fetten und gewuͤrtzten Bruͤhe 
übergoſſen wird. Ob aber das Wort Muͤllje vom Latei⸗ 
niſchen mollire unmittelbar herkommie, oder vermittelt 
des Sranzöfifchen modüillé, c' eft à dire trempé dans le 
boüillon , ou dans le fuc des fruits, ſolches will Lid c aw c 
dern auszumachen anheim ftellen, 
mönbten: * 1, kaum Eoften, nicht recht anbeiffen? extremis 
tantum labrisdeguftare. Sefitt un münds 
Pet man: fie iffet nicht treuhertzig. 
2. (einen Fleinen Mund machen, ſich gar zu einge⸗ 
zogen anſtellen: faire la petite bouche. M.) 
unmereln: Hol. monckeln : in geheim fprechen : musfitare, 
fufurrare. Man munckelt all Darwan: es gehet da- 
- von (don bie Rede. (Il’en court deja quelque bruit 
fourd. Et mund'elt fo un (o: es verlautet nichts ges 
wies M.) Wann aber unfere feute (agen: et mun» 
." delt, als wenn et regnen will, foglaubeich, daß es 
richtiger Dieffe: ee muncket. Denn ich finde in Kiliani 
Etymologico das Wort moncken erkläret: obducere 
vultum , nubilare, nubilum fieri &c. „und monckende 
Weder: aer nubilus. . 


Wire: ein unfreundficher murriſcher Menfch, 


Me afmurcken: morden toͤdten, abſchlachten: iu- 

J 8 are, 

L Eu . * 1 1 

LE ME | Nãren⸗ 
D | 





*. we "wd. 
.. ur 





HAMBVRGENSE. 169 - 


Muͤren⸗Sweet: geringer liederlicher Brantewein.. — 

mursdodt: maufetobf, Vielleicht vom $ateinifchen Mors. 
Aber murs entivep, murs afbreken, mögte ich ſchiet 
mitdem Norte morfch verwandt machen, weil nichts fo 

leicht zerbricht, als was morſch oder mürbe ift. 
muſſeln (ss molli) ſudeln, ſchmutzig zu Werde gehen. ». 
bemuffeln: inquinare. Sick to muſſeln: fid) befudeln. 
Muſſeley, muffelig 1c. EE 

(mutern: den Kindern das Gefiche wafchen, reinigen unb 

glatt machen. M.) 

Můttjen: Muhme, Baters- oder Mutter⸗Schweſter. Bey 
if Bauern ift es ein Nahme, womit fie den Kühen 
ruffen. | 

Muul: Maul. MM 

mutlen ; verdrießlich ausfehen, das Maul bangen laffen. 
muulifch, it. ſuurmuuliſch: fauerfichtig. 
(Muul⸗Wedder: manns Wetter im Sacke hänget. M.) 
Aiuue: Maus, (o mol das Thier, als der musculus an bet 
nd. 
Muͤſe heiffen bey uns aud) die Blätter von der Salvey, 
Borrage, oder andern Kräutern, mann fie in einen Teig 
. getundet und in Butter gebacfen worden, Der Nahme 
tüpret vielleicht von ben Stengelchen, wobey man fie, al$ 
bey einem Schwange, anfaflet. | 
Sprw. von einem fauerfichtigen: He (übt fo fuut uch, 
als een putt vull tYjüfe, 
Mouͤſe⸗Neſter im oppe bebben: Grillen haben, unrus 

. bigen Gemuͤthes feyn. Iſt von den Holländern entleh⸗ 

set, ben denen die tiefen und verdrießlichen Gedancken 
- Muyze - Neften zu beiffen pflegen. | 
trf ten in der Heede: Nonnen-Nägelein: Nigella, . 
Wir belegen aber aud) Spottsweiſe mit diefem Rahmen, 
einen Menfchen, der ein Eleines Geficht in einer groffen 
Peruque,oder einen kleinenLeib in einem groffenPelge hat, 
ovd (- | $5 1n . 





170 IDIQTICON 


Möfken-Preefter: ift faft daffelbe, und bedeutet einen kleinen 
ſchmaͤchtigen Menfchen, ber (id) erefflich eingehuͤllet hat, 


91. 


Nacht⸗Moor: der Alp, Mar: Ephialtes, incubus: Engl. 
Night-mare. $r.Cochemar. Iſt eine Plage derer, die 
, mit dickem Geblüte, unb böfen, bie neruos phrenicos ans 
‚geeiffenden Säften im Magen ind Gedärme behafftet 
find. Daher de , wenn fie auf dem Rücken liegen, 
Krampfartige Druͤckungen des Zwerch⸗Felles, und 
ſchwere Traͤume entſtehen, ſo daß ſie gantz beklommen, 
weder ſprechen noch ſchreien koͤnnen, und in dem aͤngſtli⸗ 
chen Schlaffe halb wachend nicht anders meinen, als daß 
ihnen etwas auf dem Leibe liege, deſſen ſie ſich nicht erweh⸗ 
ren koͤnnen. Wer ein ſolches Alp⸗druͤcken empfindet, von 
dem heiſſet es: em ride de Nacht⸗Moor: ihn reitet 
der Alp. Und eben dieſe Redens⸗Art machet, daß ein 
Frauenzimmer nicht gern ihre Klage uͤber ſolche Be⸗ 
ſchwerde aͤuſſert, uͤm ſich keiner Spoͤtterey bloß zu ſtellen. 
Die Fratzen, welche der gemeine Mann ſich nicht ausre⸗ 
den laͤſſet, von einem Daemone incubo, oder auch von ei⸗ 
ner fliegenden Hexe, die dabey zu Wercke gehe, wovon ei⸗ 
nigen die Mar⸗Zoͤpfe wachſen, andere blaue Stellen auf⸗ 
zuweiſen haben; aud) mas dawieder für aberglaubiſche 
Mittel gebrauchet werden, davon geben die Natur⸗Ge⸗ 
ſchichte gnugſame Nachricht. Sch bemercke nur, bap e$ 
bie Niederlaͤnder nennen Nacht- Mare und Nacht- 
Merrie, welches Kilian überfeget: Strix, Jamia, incan- 
zatrix nocturna fiue volatica: et: Incubus,ephialtes, 
q. d. equa nocturna, Eben diefer erwehnet aud) dem⸗ 
nàdt des alten Nahmens Nacht. Moeder : Nacht- 
Vrouwe. Worin id) Grund finde zu glauben, daß unfer 
Nacht⸗Moor feinen Mohren oder ſchwartzen Teufel, 
fondern eine NNacht⸗Mutter, oder ein altes Nacht⸗ 
Weib, mit einem Worte: eine Sere fagen molle, [^y 








HAMBVRGENSE 1591I 


baf Moder zuiammen gezogen werde in t1700t, ift dro⸗ 
ben ſchon angemercket. Hr. Stielerim Sprady"Schage 
p. 1244. machet von bem Mar gang befondere Ablei⸗ 
tungen. Er glaubt, der Marder habe davon feinen 
Nahmen, weildie Rede gehe, daß der Alp voie ein Mar⸗ 
der oder Katze ausfehen, und rauch ansugreiffen 
feyn fole, Ja er will fo gar ben Urfprung des Worts 
Marter in der Plage des Nahe Maren fuchen, und 
wundert fid) mächtig, Daß alle Sprach-tehrer ſolches ein 
hällig von uzorup im Kirchlichen XBerftanbe herführen, 
ba doch das martetn älter fen, al8 bag Chriſtenthum ſel⸗ 
ber. Allein, da hier nicht von der Sache, fondern von dem 
Nahmen die Rede ift, mo will der Hr. Stieler eine Ute 
Funde finden, daraus zu beroeifen, daß die alten Seutftben 
bas Wort martern fchon gehabt, bevor eg mit der Chris 
ften-Sprache zu ihnen gefommen. Und ift denn enblid) 
der Nacht⸗Mar bey ihnen bie áltefte und einzige Plage 
gewefen, davon die Marter ben Nahmen befommen 
müfen? -, . | 
fabt. Davon das Sprw. Ze pulet oder Eleyet all in de 
Naht : er fucher fon ben legten Pfenning hervor: er 
bat Fein Gelb mehr. Auch) fagen wir das Naht⸗pulen 
aud) von einem Knicker, der nicht gern etwas Geld zu 
. fub ſtecket. 
lalaat: andere fprechen es aus Nalaatels/ ic. Nalaatſel, 
wird nicht nur in allen allen, wiedas Wort Nachlaß, 
gebrauchet, fondern bedeutet aud) eine Gleichheit zwi⸗ 
fen Aeltern und Kindern. Alfo fagen wir von einem 
Sohne, der feinem Vater gang ähnlich ift: Dat is fyn 
rechte Nalaat: d.i. fein wahres Ebenbild, ' 
Jamatt: Grummet, bie legte Syeu-Exndte, ba man nachs 
mähet, mas inzwifchen wieder gewachſen, welches wir 
, auch Dat Nagras nemen. | | 
lamdag: fo fprihe man, an (tat Ramiddag: Nach⸗ 
. mittag, | | 
vannamdag: heute Nachmittag, 





(han D 


172 ^. [PIOTICON 


CGans Namdag : ein Zoͤgerer, Zauberer, bet nod) imme 
Zeit gnug hat, und mas er bes Morgens thun foll, gern 
auf den Nachmittag verſchiebet. M.) 

narns, ic. narms: nirgends: nusquam. 


Vaſch: Schachtel, Dofe: capfula ex ligno tenuiore. Sollte 
wol das Wort nafcben daher Commen? wenn man 
nehmlich aus den Schachteln maufet, worin Schlede- 
tenen vermabret werden. 

natahnifch: eigennügig, begierig: habendi cupidus. Ver⸗ 
muthlich von nateebn, nad) (id) ziehen, q. d. nateeh⸗ 
niſch oder natagenifch, der von allen Dingen germ ete 
was att fid) ziehet. Wie denn der gemeine Mann, mit 
den übel angewandten Worten des Weihenachtstiedes, 

einen folchen Gier⸗Hals zu nennen pfleget eenen Trabe 

me poft te. | | | 
sáu; genau. Mit nauer Noth: faum: aegre. Vau—⸗ 
ſichtig: der genau zufiche. Nau fyn: arg fem. 

' Nau dingen, nau meten 1c, (Sic Dan. noye eg 

Enap. G.) 

 benaut: beflommen, beaͤngſtiget: | 
nedden: unten. 25aen un nedden: oben unb unten. 
Darnedden: darunten.. | 

benedden: ift ein hieſiges Schiffer- Wort, welches von der 

Elbe umerhalb Hamburg,infonderheit nahe bey der Ser, 

. gebraucht wird. Alfo fpriche man: He ligtbenebben; 

‚ be qeit na benebben; be kummt van benedden, 

nedder: nieder, unter, L’edderwartfch: mas umterhalb 

der Stadt if. LTedderwartfchen Havern: Habert 

von der Mieder- Elbe. (Nedder⸗Hembt: ‚Unter 

Hembde. Een Keven in’t Nedder⸗Hembt: vie 

Ícandaleufe, M.) | 

CU fee, nu will ich weg! Ausdruc einer fBerrounbecung 
über etwas unerwartetes, womit fid) im Schertze aud 
wol ein fleiner Neid verdecket. M.) | 

neene: fiehe nin. | 





| (Penes, 


>> 





HAMBVRGENSE. 175 


(iens, 4 Eers: podex. M.) Auf bem Wege nad) Lubeck 
fat ein gewiſſes Dorff diefen Fatalen Nahmen j weil ehe⸗ 
mahls die Land-Straffe dafelbft fo tieff und Forhig war, 
daß man Faum herdurch Fonnte, | 

neffen, neffenft : neben, vef ji mit, E et, Neffen an: 

. neben an, dichte bey. ver? gerade gegen 
\ über. Dat Auus — Oen Hoff: das Haus bes 
nebft bem Garten. 

negen (n): neune. Kriegen moetde : Horniſſe, groſe 

Wegspe: weil man will, daß ihrer neune, wenn fie auf ein 
Dferd fallen , baffelbe zu code ftechen koͤnnen. 

neprig en fparfam, der nicht gern ein Vortheilchen fahren 
laͤſſet. 

Nehrigkeit: Sparſamkeit, und in excesſu: Geitz, Ge⸗ 
winn⸗Sucht. 
(nehrig noſtrates etiam vſurpant pro alieni auido, 
it. gewinnſuͤchtig: ficut & recte noſter i interpretatur 
Subítantiuum Vehrigkeit. G.) 

CVleierſche: Näherin. M.) 

neilick: lüftern, von eigenem Geſchmack und Appetit. He is 
(o neilich ín't eten: ev weiß felber nicht, was et efe 
will. Es foll immer was neues (epi. 

neit, it. net; neu. Iſt unfere gemeine Ausſprache: Een 
neit Huus: ein neues Haus. Et is noch neet 
. YDatc?: pflegt man von jungen Ehe⸗Leuten zu ſagen, 
die erſt zuſammen gefommen find. 

V Tefé (m): Nafe, Eene dünne Tiefe bebben: leicht etwas 

vermercken. 
Neſe⸗Droͤpel (07): Tropffe an der Naſe. | 
Ejefe-XDater: Naſeweiſerey. Hebt man fo veel Neſa 

Water nich: machet nur nicht fo viel weiſen Wind. 

een Neſe⸗ wys: ein Kluͤgling. 

Nete (m: Niſſe: lendes. 

netig: filtzig, geitzig. 

VNer⸗&chyter: Kuanfer, Druͤckpfenning. Vox plebei. 
e 





174 X IDIOTICON : 


Liere: Ne. (Sprw. At ferina: berüm, als be Düvelim 
torebten Nett: Er fteller fid) wild und ungeberdig. M.) 
Niübbe: Schnabel. Conf. Snibbe, | 
nibben : fchnäbeln. Wir (agen aud) nippen, welches be 
deutet, wenig unb bebenbe trincken. Se níppet man 
even; fie machet kaum den Mund naf : nad) Art be 
Vögel, bie eigentlich nippen, bas ifl, dieL-Fibben oder 
Schnaͤbel nur eintauchen. | 
nich: an ftat nicht, nad) unferer gemeinen Mutter⸗Sprache. 
Lich een; nicht eines, Vicks nich; gar nichts, 
Wornich? Nonne? ,ü 
Uryonagel : ein hervorkommendes Spischen an der eite bel 
Nagels: paronychia. Item die aufgefprungene Haut 
über der Wurgel des Nagels. Kilianus führe es vom 
Neide her, undfaget, e8 glaube der gemeine Mann, daß, 
wen die Haut üm den Nagel herum ablaffe, der werde 
von iemand beneidet. | 





nydſch: begierig; gleichfam neidifch, als ob einen grauete, 


daß man felber nicht gnug, oder der andere auch etwas 
Friegen mögte. He is nyofcb im eten: er iffet geigig. 
Dat Rind fügt to nyofcb: das Kind (auget zu hitzig. 
tín: fein, Nin Minſch: niemand. Nin Geld bebben: 
fein Geld haben, He drinckt nin Wyn: er teinde 
feinen Wein. Engl. zone. In plurali neenes Écine, 
He bett neene Rinner: Er hat feine Kinder. 
nipp: genau, ſcharff. Wird meiftens vom Gefichte und Ges 
böre gebraucht, fo wol adiectiue als aduerbialitet, 


jeudi 





Lippe Oogen: (darffe Augen. Nipp tofébn: ge 


nau zufehen. He Pann nipp hören: et hoͤret ſcharff. 
fiippen: fiehe nibben. , 


nyfenafen: naſeweiſe Reden führen, oder, wie wir fonft fpre ' 


den: Wyſen Wind bebben. 


een Nyſenaſe: ein vorwigiger Schwäger : nafute dicax. 


nöhlen (on): gaubertt, langſam feyn. Nu nóblet ins fort: 
Machet dad) einmahl fort, 007 


Noͤhlert; 


| 


| 


HAMBVRGENSE | 175 


Noͤhlert: Zauderer; cundaror. 

Noͤhlerey, nóblbaftig: Zögeren, zauderhaftig. 
Noͤhſterbeer: dünne Bier, Gofent. | 
noͤmen: nennen, erwehnen. Ick bebbe dar nich van noͤ⸗ 

mer: id) babe nichts davon erwehnet. 

Erste (ey) Nuͤſſe. In de Noͤte gehn: verlohren gehen; 
Dat deit be nich im Dover Noͤte halven: bas tout 
et niche ümfonft. M.) | 

Nuͤff: Nafe, Schnaußge, Bewer em eenen up de Nuͤff: 
fchlaget ihn aufs Maul. Beym Kiliano bebeutet Nůf 
nafutulum , und LFÜFFE nafutulam. 

Nuͤkke: Tuͤcke. 

nuͤkkiſch: heimtuͤckiſch, bem nicht zu trauen iff. 
nukkern: fid) über etwas mit oͤffteren Reden beſchweren. He 

nukkert dar uͤmmer up: ec hacket immer darauf, iff 
fters übel darauf zu fprechen, 

nülcken: fangen, behende trincken. He nuͤlcket man: e 
thut feinen rechten Trunck. 

näms: niemand. Nuͤms nich: gar niemand. 

Lrände, oder Nuͤnneke: Trinck⸗Geſchirr der fangenden 
Kinder, welches oben aufdem Dopffe ein Furges, biswei⸗ 
len mit femifd) Leder überzogenes Nöhrlein bat, wodurch 
fie, als durch eine Bruft-Warge, die Mil) an (id) ziehen. 

nuͤncken: ſiehe nuͤlcken, welches einerley. | 
nörig . artig y niedlich, 

nurcken: murren, verdrießlich ſeyn. P 

f Turd? : gramſaͤliger Menſch. Synonyma ſind: Murck, 

. Wruc J Anuttcbabn. 
nöfjeln (ssmolli) zauderhaftig arbeiten. Dar nuͤſſelt be all 

! e Dage by: ba hat er (don zweene Sage auf zuges 
tact. . 

Nuͤſſeler: bem fein Werck nicht von der Hand gehet. 

Nuͤſſeley: Arbeit, womit nichts gefcharfer wird, Conf. 

noͤhlen. 

(CNoaͤſters; Naſe⸗Loͤcher: nares, M.) Oede: 


"T. 





176 IDIOTICON 


O. 


Oede: behende, mit wenigem, ohne Mühe ober Unkoſten. 
Men kann Dar oede to kamen: b. i, mit leichter 
Mühe. He weet ſick oede to behelpen: d.i. mit we⸗ 
nigem. Dar mutt men oede mit uͤmgahn: b. i, für 
berlich und behende. Im Hoch ⸗Teutſchen heiſſet oͤde 
wuͤſt, leer, unbebauet, unbewohnet, Daher Einaͤde, 
und veroͤden; welches denn mit unterm oͤde in ber idea 





“ priuationis & paucitatis zufammen trifft. 

Oekel⸗Nahme: Aſter⸗Nahme, Spott⸗Nahme. Einige‘ 
ſchreiben Ekel⸗ Nahme, voie der Spate p. 1326. 
Allein, die Ausſprache des Oekel (ve) willden Urſprung 
von Ekel (4) ſchwerlich zulaſſen. = 

Oeſke: Ringlein oder Löchlein, welches ein Haͤkgen faſſet. Er 
gentlich Deiffct es degefte: Fleines Auge, worin gehe 
ges wodurch gefchnüret wird. Haben un Deften 
ſ. ace | j 

. ©effel: Noͤſſel, Halb Quartier Weins oder Brannteweins. 

Defters: Auftern. Wird aud) f. v. vom zaͤhen und dicken Qut 
wurff gebraud)et, - "E 
. Qeftet Aper: Yufter- Händler. 
Oeſter⸗Kloͤver: der die Auftern-öffnet oder Flóber, | 

Oetje: ift ein Schimpf-Nahme eines einfältigen Menſchen. 
Ben dummen Oetje: ein alberner Tropf. Es wird 
diphthongo clara ausgefprochen, und ftebet alfo dahin, 
ob e$ (ey (ein diminutiuum von Otto M.) welches ge- 
minatam confonam hat, 

Ohr. Hievon ift bey uns bie Nedens-Art: man Bann Eeen 
Ghrluus bóren: man fann gar nichts hören; wenn 
man nehmlich von einem etwanigen Geräufch ober Ge 

‚tümmel behindert und betäubet wird. Was aber das 

. Wort Ohrluus ſagen wolle, ob eg eine Laus im Obre be 
deuten folle, oder, weil einige esausfprechen Obrloos, 
ob e$ vou bem Worte Orloge herkomme, und anzeigen 

. . Well 











HAMBVRGENSE. 177 


. wolle, daß man gar Feine Glocke hören fónne, davon will 
id) bie Muthmaſſung andern überlaffen. 
(Ohrfyge: Auffchlag oder Krempe am Hute. M.) 
Oehr (denn fo fprechen wir, an ftat Obr) Handhabe an 
Gefaffen, infonberpeit irdenen. Wenn einer ſtehet, und 
Dat beide Hände in bie Seiten gefeßet, fo pflegt er ſchertz⸗ 
weife zu heiflen een utt mit twee Oehren. ( Sprw. 
De putt geit fo lange to Water, bet't Dat Behr 
ef ie: alles läflt fid) in der Welt verbrauchen: nichts 
bát ewig. M.) 
Oehrken⸗Saffran: Crocus orientalis optimus; Oehr⸗ 
| Een-Salvey: Saluia cum auriculis. ! 
| QOEen: der alleröberfte Haus-Boden im Dade. He wahnet 
- gang im Ofen: er wohnet im hoͤchſten Stockwercke. 
Old: alt. Wir fprechen es aus producta vocali ohld, und 
in feminino ohle. Kerr Olde wird ein bejabrter Hause 
Vater angeredet. fÉen obleniDt. . formula negandi 
plebeia, Sprw. So old as de Bremer Wold, d.i. 
" — febr alt. De Oble: die Mutter. (Góven mit des 
^ Öblen: Mutter mit ſechs Kindern, M.) 
Ohlſche: alte Frau, Mutter. 
* (Mf: een dummen Ölf; ein einfältiger Tropf. 
Qm: Faͤulniß: caries. — 
elmig, ic. oImerig: toad von ber Faͤulung angegriffen. - 
olmig Holt: lignum cariofum. — 
verolmen: verfaulen, vermodern. Conf. ſpaken. 
(Dobmóoig: ift ein Qollánbifd) Wort, und bedeutet demuͤ⸗ 
tig. Bey uns aber wırd es gebraucht wie facbtmóoigt, 
b. i. gelinde, facbte, allmäblig. 3. E. oodmoͤdig tor 
gabn : fachte zugehen, fid) nicht übereilen. Oodmoͤdig 
ingreeten;. gemaͤhlig eingieſſen, daß nichts uͤberſtuͤrtze. 
t Auge. (Een Ooge im Nakken hebben: hinter 
. (ib ſehen, uͤm Nachſtellung zu verhuͤten; item in genere 
vorſichtig (eon. Sich by De Oogen gabn: Sanbge 
mein werden. M.) jet us oy by de Oogen gabn, 
un 





178 . IDIOTICON 


un nageln oy de Finſter to: ift eine Drohung derje⸗ 
nigen, die mit groben Faͤuſten einem andern ins Gefichte 
wollen. 

Oegesken: fiche Oeſken. | 
Oegelken: ift eine Art Gewebe im Deell, Sie man aud) 
ànfe «Mugen zu nennen pflegt. Ä 
oͤgeln: fhmeicheln, fiebfofen. Wird inſonderheit von ben 





Kindern gefagt, wann fie freundlich hun, oder liebtid) | 


üm etwas bitten. Daher fic? anógeln, ínógeln x. 
©egeler: Schmeidhler. i 3 | 3° 
oͤveroͤget: überfichtig, der nicht recht fehen fann, es (t 
daß er überhin ficher, oder, daß er etwas auf dem 
Auge bat. | 
(Oeſel (er) : Licht⸗ Schnuppen, glimmender Tocht. M.) 
(Ooſt Wet; Huus beff: Nirgends ift einem befler, als 
" daheim. M). 
Orlof: Urlaub. Heiſſet in Hamburg infonberfeit bie Erlaub⸗ 
"^ niß zu brauen. Bon welcher Sache umftändlich handelt 
unfer weiland Hochverdiente Sr. Matthaeus Slüter in 
feinem Tractat von den Erben in Hamb. p.254.& (gg 
Orlog: Krieg. Iſt amar Hollänpifch, aber bey uns und in 
allen See - Städten gebräuchlich. 
Orlog⸗ Schipp: Kriegs⸗Schiff. 
Ort: 1. Ecke: angulus exterior. Um den Ort: uͤm die 
| Ede. Man Fann mit em nícb üámben Ort Er 
men: es iff mie ihm nicht fortzufommen, oder nichts 
auszurichten... Örts Regel: Ef» Regel. Ort⸗ 
Keller: der an der Eike einer Gaffe fieget. 
2. Windel: angulus interior. - Ze Eruppt in den 
50 Qt: er kriechet in ben ie | 
Hrden: zu Windel ſchieben. Wird von dem Viehe geſagt, 
welches ein Futter, bag ipm nicht ſchmecket, in den Win 
del der Krippe mit ber Naſe von fid) (toffet. 


| Ortſcheef: : nicht rechtwincklicht, verſchoben, ſchief. Mora- | 


liter: een ortſcheefen Gaſt: einer des betrieglich mit 
| | Raͤncken 


— 





HAMBVRGENSE. . 179 


SRánden ümgebet. Der Bayer nehnet einen folchen 
Schederwencher. | 

COffé: Ochſe. Schyv⸗Oſſen: Ochfen,die beyder Schügen« 
Geſellſchaft zum Gewinn ſtehen, woruͤm nad) ber Scheibe 
geſchoſſen wird. Sprw. Gott gift uns wol de Oſ⸗ 
fen, man voy moͤten fe by be Hoͤren ín't Huus 
trechen: wer was haben will, muß mas darum tun. : 

Oſſen⸗Crudi, ic. Oſſen⸗Credit. Unter diefem Nahmen wird 


von einfältigen Leuten in der Apotheke gefordert bag 
Emplaftrum Oxycroceum. ^ 


Oſſel: Ucfel: Vrfula. mE 

óvet (on): über, — Neffen dver: gegen über. \ 

oͤverelviſch: mag jenfeit der Elbeift. Beverelvifche Luͤde: 
homines transalbini. _ J 

oͤverende: aufrecht, gerade, empor. Oeverende kamen: 
aufſtehen, ſich erheben. He kann noch nich oͤver⸗ 
ende weſen: er kann noch nicht vom Bette ſeyn. Sta 
lyk oͤverende: ſtehe riſch unb gerade. Oeverende 
ſetten: aufrichten, ſtehend machen. 

Sverggeven: ſehr: enormiter. ſiehe geven. 

éverbalen: ſiehe halen. 

oͤveroͤget: ſiehe Ooge. d. 

Öperfchroiet: dünne überzogen, wie infonderheic bas Waſſer 

mit zartem Eiſe. 
oͤverſt: aber. al. averſt. 


| 9». 
Padd: fiche pebben, | 
Page: ein ſchlechtes Pferd. Die Bauren pflegen ihre Pferde 
fo zu nennen. Oble Pagen: aite Pferde. Groote 
fuule den ein Titel, vomit bie faulen Mägde von 
boͤſen Frauen bisweilen beebret werden. Pagen⸗ 
BRKcraͤffte: Pferde Kräffte, ° 
Dahl: Diabl. 
v len; befefligen, verwahren, verſchantzen. 
erpaplen: bi ſis o 9a — Voͤr⸗ 





s 


180 . ., IDIOTICON 


Voͤrpahlen: die Pfähle, fo bem Fufle eines Bollwercks 
vorgeſchlagen werden, damit daffelbe nicht ausweiche. 
Verpabien ſlahn: metaphorice: einem Dinge zw | 

vor fommen; fid) vorher verwahren, wenn man entwe⸗ 
der felbft etwas antragen, oder etwas wiedriges nicht will | 
an fich fommen laffem, — 7^ . 
pable: Hülfe an Erbfen, Bohnen i. 5. gf. wann ſie bie Frucht 
fhoninfich hat. De Bohnen kriegt all Dablen,b.i. 
fie ftoffen ſchon die Früchte hervor. _ 
vahlen, utbpablen: auskernen, abfchälen. Uthpahlde 
Arften: Erbſen, die aus der Huͤlſe geklaubet ſind. 
Qpajefoot : einer, der mit breiten Fuͤſſen weite unb langſame 
Schritte thut. M.) Gr. zrAarümeug. Lat. Panſa. 

Palten: Lappen, Stuͤcke, Flecke, die man wovon reiſſet, ſchnei⸗ 
der oder hauet, z. €, vom Kleide: be Palten hangen 
em byto: ec gehet lumpicht imb zerriſſen. Vom Brodte 
oder Fleiſche: he ſnidt ſick eenen goden Palten: er 
ſchneidet fid) ein derbes Stuͤk. | 

palteritg: serlappet , zerriffen: pannofus, lacetus. 
(alten: Danicum quoque, fed tantum de vefti- 
buslaceris& pannofis. Et palterig Danice palted.G.) 

Panetten, Hand⸗Panetten: Hand-Kraufen, Hand-Blät | 

. ter: manchettes, poignets; aus welchem letzteren Fran ⸗ 
zoͤſiſchen Worte ohne Zweifel eine verdorbene Ausſprache 
Panetten gemacht. 

Panſſe: pancia: la pance: pantex, ventticulus pecudum. 
Wir brauchen es aber auch als ein gelindes Schelt⸗Wort 
gegen kleine Kinder: du loſe Panſſe; eben wie du loſe 

Sack. Vtrumque a facco alimentorum. | 
Panſſen⸗Klopper: Schlachter⸗Knecht, bet bie Pantfchen 
ebbrüfet und rein machet, Und teil biefe Leute zur 
Schlacht⸗Zeit eon einem Haufe zum andern Eile haben, 
fo kommt daher das Sprw. He Iópt as een Panffens 
Alopper. | | 
Panteljohn, nach der biefigen Ansprache, iſt das zweite Com 











miete 


HAMBVRGENS$E. ur 


mer⸗Feſt der Schul⸗Kinder, da fie zum andern mahl ing 
Grüne geführee werden. Der Nahme rührer von dem 
Heil, Pantaleon, beffen Tag nad) iegigem Galenber auf 
den 28 Iulii fälle, um welche Zeit man aud) mit der 
Erndte den Anfang zu machen pfleget, Wie man deme 
nach allhier von den Kindern fagt: fe gaht int Groͤn; 
fo heiſſet e$ auch: fe gabt in t Panteljohn. 
panteljobnen: herrlich und in Freuden leben. 
verpanteljobnen: mit Wolleben herdurch bringen, 
Panter: ein rundes plattes Hoͤltzchen mit einem Stiele, womit 
in einigen Schulen bie Knaben in die flache Hand geſchla⸗ 
gen werden. Welche Straffe genannt wird antera 
even; Panters krygen. Kilian: Panter, Palm⸗ 
| aete: ferula. 
Pape: Pfaffe. it. Papagey. 
Brandewyns⸗Pape: Brantewein: Säuffer, 
Dohm-Pape: eine Art Singe⸗Voͤgel, bie gut abzurichten 
ſind. Appellatio fortasfe orta a facrificulis, quorum 
olim praecipua gloria in peritia choraliter canendi. 
ESprw. Myn Vader is Eeen Pape weil, wanneinerein 
Diing nicht zweymahl fagen will. 
. Papegoyens Salve: Vnguentum Populeonis. 
Paſchen: Often: Pafcha. Daher find diefe befondere Re⸗ 
deng-Arten: He maket fic? Pafchen-glatt: er putzet 
fib wie aufs Oſter⸗Feſt. He mutt erfi mehr Paſch⸗ 
fEver eten:. er muß erft mehr Jahre erleben. 
Dofen: Buͤdel⸗Paſen: Beutel-Würfte, wozu, an (tat der 
Därmer , lange leinene Beutel genommen werden, die 
Grüge hinein zu ſtopffen. 
"Daß: die rechte Maffe: et is van paß: es ift in bec Maſſe, 
wie es ſeyn foll. Et kummt my nich to paf: ee ift 
mir nicht gelegen. Zen Kleed to pap maken: ein 
Kleid recht zu Leibe machen. 
pattjen: treten, patfchen im naffen oder kothigten. 
beninpattjen, herdoͤrpattjen ꝛtc. | 
: m ques: 





* 4825, 1DIOTICON | | 


(Paudetten: eine Art Tauben mit fleiſchichten Naſen. M.) 

pauen: zanden, bläffen, wiederbellen. 

Pauluhn,oder,nach der Bauren-Sprache, Pageluhn: Pfau. 

pebden: treten. Mit Foͤten pedden: mit Fuͤſſen treten. 
Hiemit find offenbarlich verwandt der Griechen waren, 
und bet fateiner pes, pedis, wie aud) folgende Wörter: 

Padd: Pfad, He will all up'n Padd: er will (on fort, 
pattjen: ſiehe kurtz vorher. 
Pote: Patte, Pfote. Giv Potjen: Gieb den Fuß. Das 
Patſch⸗ Haͤndchen der Ober⸗Sachſen aber kommt 
nicht von der Patte, ſondern von baccio, und bedeutet 

o0 6ne Kuß⸗Hand. mE | 

pebbib oder Peddke: bas innerfle, das Marck: medulli, 
Bet up n Peddik: tieff hinein, bisaufsMard. Man 
brauche biejes Wort aud) vom dicken Eiter in Geſchwuͤ⸗ 
ven: Den Peddik uchdrücken: faniem crasfam & 
eonglomeratam exprimere. Die Bayern nennen e$ 

. Ps. 

Dettel (m): Brenn⸗Holtz, das aus mittefmáffigen Aeften des 
Baumes gefchlagen wird, und alfo weder geob-Flüftig 
noch Klöppelhaftig ift. 

pegeln (7) Iangwierig fauffen. He fitt un pegelt uͤmmer 

.- weg: ev ſitzet beym Geföffe immer weg, 
uchpegeln: ausfauffen. 
Degeler: Säuffer. 
Dey: grobes Tuch. 
^2. pey/Wed?: Ueber⸗Rock: furtout, weil ſolcher gemeinig⸗ 
fid) nicht zu fein genommen wird. — 
Defel (5): Salg Brühe, zergangenes Salg auf Fleiſch oder 
Fiſchen, die darin wieder bie Faͤulung erhalten werden. 
Die Hoch⸗Teutſchen fehreiben e8 gemeiniglid) Boͤckel, 
und man führe den Nahmen ber von Wilhelm Boͤckel, 
der, wie einige ohne Bedencken ſchreiben, zu Biervliet im 
Jahre 1 347. das einſaltzen, (o wol des Fleiſches als bet 
zm | Heringe 








HAMBVRGENSE. - 183 


$yeringe, foll erfunden haben. Nun mag vielleicht diefer 
Holländer der erfte gewefen fenn, dem feine Landes⸗Leute 
bie Wiſſenſchaft, Heringe wol zu padfen, und tpeils zus 
räuschern ſchuldig find: Wie denn infonderheit die geräus 
cherten Heringe von ihm ben Nahmen Boͤckelinge, 
oder Buͤcklinge, nisgen empfangen haben. Daß er 
aber der erfte gewefen, der aud) bae Fleiſch einzufalgen 
gewuſt, mithin DePel und Pekels Sleifc nad ibm ge 
nennet worden ; folches wird allen, bie fid) in re cibaria 
. & conditura veterum nut ein wenig ümgefehen, und 
wiffen, toas bep ben Lateinern muria heiſſe, eben fo ftemb 
vorkommen, als bie Meinung des Hn. D.Steinbachs, 
der in feinem Wörtee- Buche p. 143. nicht auf den 
Wilheim Boͤckel, fondern auf einen Bock verfaͤllt. 
Boͤckel, ſagt er, fine dubio a voce Bock, quia odore _ 
bircum imitatur. 3war laͤſſet fid)& de odoratibus fo 
wenig als de guftibus disputiren; e$ müfte aber unfer 
Niederfächfifches Pekel, welches ein s clarum hat, uns 
glaublich weit von feinem Urfprumge abgeroicben feyn, 
wenn Bock, oder, wie mic fagen, Huch, das Stamm 
Wort (eyn follte. Pekel⸗Fleiſch wird von einigen auf 
fateini(d) tucetum gegeben. Es find aber bie Gelehrten 
gemeiniglich viel zu unerfahrne Köche, als daß fie ums bie 
Speifen der Alten recht zu erflären wiffen follten. Ein 
faft lächerliches Erempel giebt uns eben dieſes ietzter⸗ 
wehnte zucetum. ‚Denn da bringen bie im Theſauro 
Fabri angeführten Ausleger fechferley unterfchiedene 
Effen heraus, nehmlich: r. Fricadellen. 2. tungen- 
Muus. 3. Leber in Butter gebraten. 4. Mett⸗Wuͤrſte. 
5. Pekel⸗Fleiſch, und 6. Gallerte. Wer weiß nun nicht, 
was tucetum fey ! 

eben (y) ſiehe Pick. 

"Denning Pennings 25rober fpriht man, wann gleiche 
Zulage gefchehen, und ein ieder feinen Theil der Zeche 
zahlen fol, M.) 

"Perdums; ic. Derbumnus, A vom gemeinen Manne 

! 4. ge: 





184 IDIOTICON ' » 
gebraucht, wann etwas ut Vergleichung gegogen, und 





Fein Uinterfchied befunden wird. Denn daheifltes: Dat - 


is een Derdums: bas ift einerlen, ober bas läufft auf 


eins hinaus, — Vermuthlich rührer bie Redens⸗Art her’ 


von der Formul: per Dominum &c. womit in den Ga 
tholiſchen Meffen faft alle Gebete gefchloffen werben. 
Hat demnach der Pöbel in vorigen Zeiten, weil er fein 
fatein verftanden, umb immer einerlen Final in bem Ge 
fänge der 9Dfaffen wahrgenommen, ein allgemeines 
Sprichwort daraus gemacht, und alles, mas auf eines 
hinaus läufft, een Derbunmus genennet. M.) Viel 
leicht kann diefes gleichartige Erempeldie Meinung ders 
jenigen erläutern, die bag Hocus pocur ebenfalls für ein 
verftelltes Hoc eft corpur halten, indem die Einfalt ge 
gfaubet, in den grimacen bes Meß-Pfaffen, bey Ausſpre⸗ 
dung diefer Worte, ſtecke eine vorzügliche Krafft und 
Wiſſenſchaft, eine weſentliche Verwandelung des Brodts 


hervor zu bringen. Daher ſie denn ein jedes Aufhebens 


eines Menſchen, der uͤbernatuͤrliche Dinge thun will, ein 
Hocus pocus geheiſſen. 

Permutten⸗Beeren: ſoll heiſſen Pergamotten. 

Peſel (c): wird in Flensburg und der Gegend genannt das vor⸗ 
nehmſte und groͤſſeſte Zimmer unten im Hauſe, welches 


gemeiniglich gerade gegen der Haus⸗Thuͤr uͤber nach pine 


ten zu lieget: triclinium amplum & ornatum. 
Defél (39: Ziemer am Viehe: genitale masculorum cum 
neruo. Siehe Bullen s Defel, 


Pefels Borg : verfchnittener Eher : fo wie Hingegen. 


Sumborg: verfihnittene Sau, 
Swyn-Pefel: &deltStabme eines fAuifchen Menfchen. 
Peter⸗Maͤnnkens: heiffen bey ben Maurern die abgeſchla⸗ 
genen Viertel⸗Stuͤcke eines Mauer⸗Steins. 
-- (Detjen Dutup: meibifcher Kerl. M.) 
Pettk, ic. Peddich: Marck in Knochen und Bäumen: me- 
| dulla. Bett up den Pettk: bis aufs Marc, Item: 
ein bicfeg iter in den Gefchwüren. E 
pid': 





\ 


HAMBVRGENSE. 185 


^ Dir: Pech. (DicPfyftet: Spott⸗Nahme der Schufter. M.) 
^. pefen (m): langean einer Stelle figen, als ob man Ded am 
Steiffe hätte. 
Peker: nennet man diejenigen feute, bie vom Beſuche nicht 
wieder weg zu finden wiffen, fondern als angepicht figen 
eibett,. 
Pilfter- trate: ift, nach unſrer gemeinen Ausfprache, die 
. Pelger z Ga(fe. , ' n «de 
(píncPeln: piffen, M.) Plebeium. 
Pingſternakel⸗Woͤrteln: Paſtinac⸗ Wurgeln, 
Pinn⸗Suhl: Schuſter⸗Pfriem, womit den Pinnen oder 
Pfloͤckchen vorgebofret wird, die indie Abfäge gefchlagen 
werden. Ital. Lelina. Metaphorice bedeutet es einen 
fatgen Filtz, wie bey ben Italiaͤnern un Lefinante, 0. i. 
ein Mitglied der faryrifch erdichteten Compagnia della 
Lefina, von welcher der Hamb. Brief Wechfel der Ges 
lehrten A. 175 1. p. 480 und 647 nachzufehen. Irre 
ich nicht, fo haben die Herren Ober-Sachfen eben daher 
ihre pinfeln, welches fo wol Flagen (Heurbiceeiv) , als 
genau und Farg feyn heiſſet. Zummenigften bebeuteti ipt 
Dinfel eben das, was unfer Pinn-Subl, niehmlich ei» 
nen Knauſer. | 
Dype: Pfeiffe, Röhre. Iſt aud ber Stabme einer Art Spani- 
fcher Wein-Fäffer,die ungefähr hundert Stübger halten. 
Appel⸗Pype: einitbener Topf. derander Hinter-Seite des 
Offens zwiſchen den Kacheln eingefüger wird, uͤm Aepfel 
darin zu braten. 
(Pyp⸗Hahn: mentula. M.) 
Luͤchter⸗Pype: Roͤhrlein des Leuchters, darin das idt | 
geſetzet wird. Wenn iemand fteif ftehet, und nichts an» 
b e D weiß, fo fügt man: He Reit Dar 46 eene 
ters 
Vif Dyoe: hn das bfecherne Reohrlein, womit das Ende 
einer Schnuͤr⸗Litze befchlagen. 


pypen; pfeiffen: it, klagen, fiehnen. 
MT Or 





186 IDIOTICON 





Pyp⸗Goes: Pyperlaube: Weichling, dem leicht etwas 
wehe tout, unb der flug ftehnet. | 
pypfüng: fee jung, der noch nicht lange ausgefrochen: 
pipio. _ j 
ipp: Pipe: grauedo, pituita: eine Kranckheit bet Voͤgel, itv 
di —— Dite, wovon fie in der Naſe verftopfft 
find. Man nimmt ihnen fodann die harte Haut von der 
. Spißeder Zunge, und diefes heiffet: den Pipp afneh⸗ 
. men. Mud) fagt man insgemein von anbrüchigen oder ' 
verdorbenen Dingen: Dat bett den Pipp all weg. 
pippelſeeck: ſchwaͤchlich, kraͤncklich. 
Pipperling: Zaͤrtling, bet nichts vertragen fart. 
piſakken: plagen, Stoͤſſe geben, abdreſchen: vexare, verbe- 
rare, contundere. 
Piß⸗Lappen: Wickel⸗Tuch für Kinder, bie nod) nicht trocken 
liegen koͤnnen. | 
plabbern: platſchen. Im Water pladdern: im Waller 
platfchen, wie die Kinder gern zu thun pflegen. 
plagalen: ein gemachtes Wort von plagen, Man mutt 
fic? damit plagalen: man hat damit feine liebe Noth. 
Herdoͤr plagalen: herdurch quälen, | 
Plaggen: platte Rafen oder Erd:Schollen, bie mit einer brei 
ten und fharffen Quer⸗Hakke gehauen, und von ben 
Bauren zu Deckung der Hütten und Koven, wie auch in 
ben fo genannten Zl fgten zu Vermehrung des Miftes 
gebrauchet werden. (Dan. $lag, Doͤrf. G.) 
Plakken: Sleden. 
Suͤnnen⸗Plakken: Sommer -Sproffen. o. 
Plakkenmaker: der die Flecken aus den Kleidern bringe. 
Sollte vielmehr heiffen Plakken⸗Uthmaker. 
plakken (Verbum) fledicht werden. Dat Tuͤg plakket 
licht: das Zeug nimmt leicht leen an. - 
Plantel⸗Kruut: Garten-Kräuter, bie-man im Fruͤh⸗Jahre 
Pflantzen⸗weiſe Fauffen undeinfegen fann. Eine re 
der Bardewyker. | | 
m pla? 





HAMBVRGENSE. 187 


plajcben: ſpuͤlen, platichen. YOaftben.un plafchen heiffet 
! bey ung die gemeine Befchäfftigung der Weiber. 
Diete: x. Matte, Blech: lamina, 
2. Schürge,Borfchürge, zu Beſchonung der Kleider, 
Dammel ; late, it. Hebel⸗Plate: hieß das 
Eleine falbalirte Schürggen , welches das 
Frauenzimmer zum Zierrach über die andere 
Schuͤrtze vorzubinden pflegte, 
Kuufchen-Plate: dafür (ilt man ein Weibes⸗ 
bild, bag wild und ftürmerifch zu Wercke geber. 
Platten-Drüßker: ic. Platt⸗Foot: ein Menfch, der nicht 
an (id) halten kann, fondern gerade heraus gehet, und, 
was er bendfet, einem andern platt ins eficht (aget : un 
Sans - facon. | 
plätern: plappern, plaudern. . | 
Wo geit em de Dláter: mie laͤſſet er das Maul lauffen! 
He Pann de Pläter nich holen: ec fann nicht ſchweigen. 
Dläters Tafche : Plapper- Mühle: Plauder » Taſche. 

* bedeutet das Geräufch eines an die Erde fallenden 
MWaflers. Et regnet, dat et plattert, Hoch⸗T. plats 
ſchen, plagen. Daher Platzregen. 

plechten: "rechten un plechten: proceffiren: gerichtlich 
ausfechten. | 
plyren: bie Augen zufammen ziehen, dim genau zu febert. 
plytóget: der mit engen Augen fiehet: myops. ; 
lyte: eine Art Eleiner Platt⸗Fiſche, bie nur von geringen Leu⸗ 
P en gegeffen — on aber nicht, ob e$ eben Daher 
komme, daß man einen kleinen jachzornigen Menfchen zu 
nennen pfleget eene boͤſe Plyte. 
Dioye: Falte: plica. Iſt vom Franzoͤſiſchen und Hollaͤndi⸗ 
(den entlehnet. 
ployen; inployen: in Falten legen. . 
utbplóyen; déployer. | 





Du. 


ET Ä 'IDIOTICON 


pud: Pflock. » Zen Eorten dikken Pluck: ein kleiner 
unterfegter Menfch. 
Pluck⸗fett: febr feift. 
Dluder-Büren: weite Spanifhe Hoſen. fo: t Pluder⸗ 
Mauen: groſſe weite Hand-Aermel, die fid) unter den 
Kleidern hervor thun, oder, wie es beiffet, heruthplu⸗ 


piãgg e; lide. | 

Pluͤggen⸗Snyder: der bie Pfloͤcke oder Schu⸗Pinnen 
— Weil nun ſolches ein elendes Handwerck ift (o. 
Boma von einem, ber ſonſt gu nichts tauget: He mag 

lügge ſnyden. | 
plökten: pfluͤcken, ic. pflödfen. 

pde $ett: das Fett, fo beym ſchlachten! des Viehes an | 
ben Därmern (ien bleibet, und hernach davon abgeflaw — 

f wird, | 

MPluͤckfincken, oder pläckte Fincken: Hein geſchnitten 
Fleiſch, fo gemeiniglid) mit Rüben, Wurgeln, Aepffeln 
tt, b. gf. zugerichtet wird: haché. M.) 

plump: grob. Wird fo wol von Wercken unb Arbeit, als von 
Sitten und Reden gebraucht. 

Dlumperjahn; grober Menſch. 

Plump⸗Kuͤle: "per metaph. grobe Worte ober Werde, 
womit einer guplaget. He kummt mit de Plump⸗ 
Ale; item He fleit dar mit de Plump⸗Kuͤle in: 

u er falle mit bee Thüre ins Haus. 
plumpen bedeutet den Schall des zuſammenſchlagenden 
Waſſers, wann etwas hartes hineinfaͤllt. 

(Plumper⸗Melck: dicke, geronnene Milch ohne 

Rahm. M.) 
Plünnen: fumpen , Haberlumpen. 

Plünnken» Sammler: Lumpen ·Sammler, für die Pa⸗ 
piet » Mühlen, | 

Bißweilen nenuet man auch Pluͤnnen bie Kleider und Ges 
rathe geringer teute, Glabt em » up de Plönnen: : 


ſchlaget 





HAMBVRGENSE. | 189 


ſchlaget ibn auf den pef. Se dencht ere Plünnen . 
tofanten to ſmyten: fie gebendfen fid) zu heirathen. 
Bon Plünnen fommt Plunder und plündern. 
plufen: 1, zaufen. De Kopp is em toplu(et: bie Haare 
[u ibm zerzaufet. Von ben Huͤnern und andern 
ógeln heiſſet es: fe plufet ficP, wann fie mit 
den Schnäbeln bie verworrenen Federn gleichſam 
auskaͤmmen unb in Ordnung bringen. | 
^ . SQ. hervor ragen. Wird infonberDeit von der Tracht 
des feinen Gierátfes gebraucht. 3. €. De Voͤr⸗ 
Mauen móten becutb plufen : »ie Hand-Aer- 
mel müffen fid) hervor zeigen. De Kanten pluz 
fet berutb ; die Spißen prangen hervör, Conf, 
pludern. | E 
plöfen: 1. fäfeln, mit Fäfern befegen. De Dook is gepluͤ⸗ 
(ét: der Rand oder Saum bes Tuches ift gefäfelt. 
2. rupffen, abfäfeln. De Hoͤner plüfen: b. i. den 
Ä Huͤnern die Eleinen Pflaum-Federn abrupffen. 
' plis: Pluͤſch: ein halber Sammer, worauf die Faͤſerlein 
hervor fechen. —— — Ä 
pläffig: völlig, rund und fett von Anfehen. Einige ſagen 
pluͤtzig, aud) wol ploͤtzig, welches bie Unwiffenden [à 
Ä cherlich verhochteurfchen, und nennen y. €. ein ploͤtzli⸗ 
ches Beficht. 
Poͤdder: Köder: Faden mit aufgegogenen Regen- Würmern, 
zum Sang ber Male, — — 
póobern; Aale poͤddern: mit bem Köder, und nicht mit 
Reuſen oder Ste&en, Aale fangen, Auch nennet man 
póbbern, mann die Enten auf der Fläche des Waſſers 
tnit dem Schnabel heruͤm fchlabbern, 
ette: Froſch. Davon find folgende Sprichwoͤrter: He 
tritt, ober, he ſtruͤvet ficP, als be Pogge im Maan⸗ 
€ yn: er gehet prpuririig einher, und blähet fut, 
wie der Froſch beym Mond-Schem. Mehr Poggen, 
ale Negen⸗Oogen; item: Fyf Poggen un een 
Hekt: wird gefagt, mann bey einer Sache wenig er 
| «ES 





190 | TIDIOTICON ^ 





theil zu erhaſchen geweſen: gran gridore e poca lana: 
üngleichen, wann e$ nicht feblet an $euten, bie fid) wozu 
angeben, wenige aber rüchtig find. ' 
Poggen⸗Kuller: Froſch⸗Leich. Von ben leichefinnigen 
Neirarken unter dem Pöbel beiflee es: Dat lopt to 
bope als Poggen» Auller. 
PoggensStöle: Erd-Schwämme: Champignons. 
Poll: ic. Bull: Wipffel, Schopff: fummitas, vertex. Wird 
nur von Bäumen, Steäuchen, Menfchen und Thieren 
gebrauchte. 3. €. in den Boom fEygen bet an ben 
ell; de Doll oan Kohl⸗Strunck; bym Doll 
gen; beym Schopfffaflen. Poll⸗Haar: das Saar 
oben auf der Scheitel. Poll⸗Hoͤner; Poll⸗Ahnten: 


Hüner und Enten, bie auf ben Köpfen einen Strauß von. 


Federn haben. 


póllen ; ben Wipffel abnehmen von den Bäumen, die wie 
der ausfchieflen follen, alstinden, Cypeen, Eſchen, Wei: 


ben u. d. al. 
DooP: 1. ein abgenügtes Meffer: een old Pook. 
2. ein Stih: be gaf em eenen DooE ben: e 
verfeßte ibm einen Cid). 
pooPen, ic. poͤken: (teen, (Se wüllt fic poͤken: fie 
wollen (id) im Degen (lagen. M.) 
pool: Pfuhl, Sumpf, zufammen gelauffenes Waſſer. Ee⸗ 
E goben Pool piffen: in ziemlicher Menge Waſſer 
laſſen. 
Ahnten⸗Pool: ein Waſſer⸗Behaͤlter zum ſchwimmen 
der Enten. 
Pilatus⸗Pool: ein ehemahliger Sumpf in Hamburg uns 
- ter dem Walle, der Gegend, mo iego das Endeder Pool⸗ 
Straate, ſonſt genannt Ambrofius: Straffe. 
Poͤppken: Puͤppchen: der Seiden⸗Wurm und andere Raw 
pen, wenn fienach vollbrachtem fpinnen in ihrem Gehaͤuſe 
wie ein geroicfelteg Kindchen liegen, biß fie zu Zwiefaltern 
werden, 


| 





» HAMBVRGENSE, I9I 


PortensAnüppel: ból&erner Thor⸗Riegel. Metaphorice: 
| ein Feiner fur&ee Kerl, — ^ 
fe: Feder⸗Kiel, der ungefihnitten iff, enfchraper: 
por Schreib Federn» Händler. & pef K ap 
(poͤſchen: wenig umb oft trincken, als ob man nur durch ei⸗ 
nen Feder⸗Kiel ſchlurfte. M.) | 
Pofe: von Paufa; follte zwar eigentlich bie Ruhe oderdas Ein» 
haalten der Arbeit bedeuten; wir brauchen es aber von bet 
‚ Arbeit felber und deren abgemeffene Währung, bisman 
aufhält, 3. C. Eene gode Dofe weenen: ziemlich) 
fange weinen. Alfo wird zum Thor-fchlieflen bie erfte, 
andere und dritte Pofe geläutet. Auch vom Anfag der 
Schmergen umb Kranckheiten heiflet e$ eene ſtarcke 


pef. | 
poͤſeln (om): mühfam unb fleiffig arbeiten. He péfelt fo voͤr 
fick weg: er-ift immer über fein Werck her, unb laͤſſt 
ſichs fauer werden, ! | 
Poͤſeler: ein Menſch der (tile unb arbeitfam ift, 
Draat: Geſchwaͤtz. praaten; (jagen, fprechen. Sind 
Holländische Wörter, aber bey uns gange unb gebe; ies 
bod) nicht zu. verftchen von einer wichtigen und ernfthafe 
ten Rede. Daher id) dem Spaten nicht beypflichten 
kann, welcher im Sprach-Schage p. 1469. vermeis 
- net, predigen fomme von praten, undesrühre nur ag. 
Unwiſſenheit beider Sprachen her, wenn man es von 
praedicare ableiten wolle, Denn zu gefchweigen, bag 
hier nicht die Stage fey, was praedicare eigentlich und im 
guten Latein heiffe, fondern wie es im Kirchen⸗Latein mitt 
- feret Zeiten gebrauchte worden; (o ift ja aufferdem eine 
fotche Menge Sateinifcher Kirchen Wörter ing Teutſche 
übergegangen, daß man an predigen fo wenig zweifeln 
darf, als wenig zu erweiſen ift, bag bie Teutſchen vor dem 
Chriſtenthum von geiftfid)en Reden etwas gerou(t, unb 
daß auch das Wort Drieffet, nad) des Spaten Mei- 
nung, von Praetfier herkommen folle, 
Praatjenmaker: Schwäger: gerro, nugator. 





192 IDIOTICON 002 | 
praͤteln: plappern, Dat Kind fange all an to pri 
teln: das Kind beginnee fchon zu ſchwatzen. Conf. 
protein. - | NEN 

Drátel, wie Rebel: le caquer. Em geit de Praͤtel: 
ibm gepet das Maul. / 
Pracher: Bettler, Pracher⸗Pack: Bertel-Bold. Dra 

cher⸗Staat: armfähge Figur, mit wolfeilen Dingen 

gemacht. Pracher-Vagt: Bettel Vogt. Welcher 
Stapimte aber, nachdem folche Dienfte aefaufft werden, 
‚nunmehro in Karken⸗Vagt verwandelt xberben, row 
unter bod) Fein Aduocatus Ecclefiae zu verftehen ift. 
prachern: betteln. ic. niedertraͤchtig woruͤm bitten, | 
Pracherey: Betteley. Pracher⸗Luͤſe: Semen Staphisa- 
griae. MEN 

prall; eidyt gepftopft, voll, Wird von Bällen, Beuteln, Bla⸗ 

" fen und dergleichen Dingen gefadt, wann fie dermaffen 

angefüllee find, daß man (ie niche leicht einbeüdfen kann. 
3. €. Dat Aüfen, oder Dat Bedde is to prall: cs 
ift zu hart geftopifet, und aljo nicht weich unb locker gung, | 
prallen, afprallen: vom Anftoß zurück (pringen: reſilite, 
propter vim corporis vel tangentis vel ta&i elafticam. 

. prellen: in die Höhe werffen, voie man bie Fuͤchſe thut. 
granig: flolg, hochmuͤthig. Kilianus in Etymolog. p. 414: - 

| pratten; ferocirc, tollere animos, fuberbite; srAa«-. . 

Hi €i. - 

Vredig⸗Stohl. (Sprw. He is fo fett ao een itt . 

P E obi. b. i. ſtockmager. M.) ß probi 

Prick: ein unct. Uppen Prick: gang genau: ponduele- - 
| "ment. 9e weet et tippen icf: nouit accurate. 
prikfeln: ſtechen, ftiheln: pungere. Dat prikkelt em: 
das it ipm empfindlich.  2inpritEeln; anſtechen, an⸗ 
zeigen, ! 

Prikkel: Stachel: ftimulus Conf. Proͤkel. 
(Prid’Danice idem eft, & prikkeln nosvocamus 

. . et prikke. Anglo-Sax. pricceas pungere, — Pricca 

"Wgundum, fimulus. G.) | prin 





rd 








HAMBVRGENSE. 193 


primiſeren: phantaſiren, im Haupte verwirret ſeyn: radoter. 
(a primicerio, ſcil. cantore, deducitur. M.) 


Proͤtkel (on): Stachel, pres Hölggen, Spießgen. 
proͤkeln: ſtechen. 3. E. Die Würfte werden im fodjen 
geproͤkelt, damit die fuft heraus gehe, unb bet Dar. 
nicht berſte. Con£. prikkeln. 

‚pröteln (om): ſchwatzen. Siehe präteln, welche Schreib- Ar 
dem Urfprunge praaten näher fommt, auch die Engläns 
der prattle ſchreiben: ob man gleich die Veraͤnderung der 
Buchſtaben in abgeleiteten Woͤrtern gern zugiebt, wo⸗ 
von das naͤchſtvorhergehende Proͤkel ein Berieig ſeyn 
kann. 

— — (Putat Auctor, rectius fore praͤteln, ſcil. a Belg, 
praaten. Asíentirer forte, nifi vrramque vocalem o 

& 4 facile permurabiles iam dudum offendisfem in 
Glosario Theot. Pezii. Prorth, labium Prarta, 
labia&c. Nam mirificaeft vocalium illa migratio pere 
mutarioque, pro varietate regionum & dialectorum. 

. G) | 

pröven (oe): prüfen, Eoften, ſchmecken. | 

Proͤven (on): Präbende, Wolchar aus Geiftlicher Stiftung, 
befonders an freyem Brodte. 

Proͤvener: Praebendarius, der des freyen Brodies zu ge⸗ 
nieſſen hat. 
ns Freter: einer bet Seiftliche Güter und Wolcha⸗ 
ten im Muͤſſiggange verzehret. 
Peöllen: alt verlegen Zeug. it. nugae antiquariac; 
(Pröllker; faufee, Kicker. M.) Ä 
prönen: unfüchtig nehen: inepte farcire. - 
- toprünen: ein Loch obenhin zumachen. 
Prünerey: Stümperey, Nachlaͤſſigkeit im neben, 
pruuften: niefen.  . 

CPuddegau: ein Spiel der Stnaben mit eingelnen Schnell 

geni in Gruͤbchen. M) . 
9t .-. . quis 





194. . IDIOTICON € 


puddeln: pudeln, madeln, auf ſchwachen Fuͤſſen fauffen. 
Wird von den kleinen Kindern geſagt, wann ſie auf die 


Beine kommen: et puddelt all heruͤm. Daher een 
kleen Puddelken: ein Kind das erſt zu gehen angefaw 
gen. Die Schlefier nennen bie Eleinen prid Pur 
chen, Putle, unb Puttel. Auch mag vielleicht ein | 
Pudel⸗Hund peiffen , der immer hinter feinem Herrn 
anpudelt. 
pubberouft: dicker fetter Chrper. : 
udel: Fehler, Verſehen. Eenen Pudel maten: ic. pu⸗ 
P wa einen Fehl begehen. P 
puben: ffauben, zwacken. it. fleine Dieberey begeben. 
 éfputen : abfneipen ; wie bie Kinder an ben Blattern unb 
Narben thun. 
pukhaftig: diebifch , ber Flebrige Hände Dat. 
pulen: cupffen, pflücen, Elauben. Se pulet ſick: fie zaufen 
(i in Schlägerey. ule em: prügle oder zaufe ihn, 
efpulen, utbpulen: abrupffen, ausflauben. | 
pulige Arbeit: woran viel zu Flauben ift, wozu Gedult 
und Zeit gebótet. 
| pülfcben: in Waffer oder andere Seudytigfeit ſchlagen, darin 
ruͤhren, oder damit ſchuͤtteln. | 
verpülfcben: vermengen, verfaͤlſchen. De YOyn í is vers 
pülfchet: vinum adulteratum eft. 
topülfeben: zugieffen, mit unterrühren. Dar is Warer 
topuͤlſchet: es iſt Waſſer dazu gegoſſen. 
uthpuͤlſchen, oͤverpuͤlſchen: verſchuͤtten. 
Pulten: Lumpen, Plunder von zerriſſenen Kleidern. He bett 
keenen Pulten oͤvert £f: er hat kein Kleid am Leibe. 
Von geringen Leuten, die einander heirathen wollen, 
pflegt man zu ſagen (ſo wie es auch von dem Worte 
Plünnen angemercket worden): fe wuͤllt ere Pulten 
Po [myten: fie wollen ihren Plunder zuſammen 
werffen. 
Muliter⸗Allarm: ein Hauffen ven, Lumpen. M. .) 
pulte⸗ 





N 





| HAMBYRGENSE, - 195 
pulterig: zerlappet: lacinioſus, pannoſus. = 


(En iterum exemplum eius, quod (ad vocem pro, 
teln) animaduertebam, fcil vocalium petmutationis. 
Quid enim Pulten aliud quam Dalten? Ac prouer- 

^. bium iftud; Se wüllt ere Pulten tofamen [myten, 
noftri plane fic efferunt: De ville nu flaan deres 
Dalter tilfammen, G) - | 


CDmmelen: weiß Brodt, dag ſchnittweiſe an ein ander ges 
baden, M.) | | 
Pump: nag vielleicht fo vief fagen wöllen als Pomp: pompa. 
Pump⸗Buͤren: grofle weite Bein-Kleider, wie die Spa. 
mniier fragen. —— i | 
Mas-Pump: eut verächtliches Scheltwort. Ob folches 
“aber perantonomafiam vom Bor: und Zunahmen eines 
gewiſſen Menichen entitanden; ober ob e& einen albernen, 
der dennoch groß thunmill, bedeute, davon wird (mete 
' fid) iemand was gemwifles (agen koͤnnen. 
Pümpel: Stöffel, Stampfer: piftillum. 
puͤmpeln: flampfen, im Mörfer ftoffen. 
pünt: Spige: pointe, — u 
(Dar Muͤndken int PüntEen fetten: einen Fleinen 
Jungfern⸗Mund machen. M.) 
pupen: ſiehe purten, welches einerley. 
puren: 1. mit einer Spitze graben oder klauben. 
uthpurren: ausſticheln, wie z. E. ein verſtopfftes 
Zuͤndloch mit der Raͤum⸗Nadel. 
2. anſtechen, reitzen, keinen Frieden laſſen: Latet 
my ungepurret ; laſſet mich ungezerret. 
anpurren: anreitzen: ſtimulare. 
purten: fartzen: crepitum edere. | 
puuften: blaſen. (Eft hoc pariter Danicum. G.) 
pouͤſter; Fuͤrpuͤſter: Blafebalg. Daher der Düffer, oder 
Düfterich, ein alter Abgott der Teurfchen, in Nieder- 
Sachſen, ſcheinet verehret, und alfo genennet worden zu 
| Na . Kun 





9 


196 JDIOTICON - | | 


ſeyn, weil er bife Backen gebabt, und * ausge⸗ | 
blafen. 

PuuftSafken: dicke Pauß-Bardfen; puuft/Aappe: 
Seidene Frauen⸗Kappe, bie fo breit ift, al wenn fie vom 
Winde aufgeblafen wäre ; Puuſt⸗Rohr: Blaſe⸗Rohr. 

fic vespuften : etwas ruhen unb wieder Othem fchöpffen, 

(Noftrates dicunt: at puſte lot, vcl at pufte 
fig: eier m unfern BierSanden fo wie al umi 

puuftig ; beiffet in unfern Vier⸗Landen fo viel als u 

E PR e is fo puuſtig: er befindet fid) nicht mol. 
- Denn, wie derjenige puuſtet, der matt iſt, und feinen 
Othem hatz alfo bebeutet puuſten aud) Hagen, oder - 
Anzeige geben, bafi einem ein Ding ſchwer falle, | 
utbpuuften: ausblafen; z. E. ein Sicht, ein Feuer ein Eyx. | 
uppuuſten: aufblafen. 
putt: Topff. Putt⸗dicht: fo dicht als ein Topff. 
vull: gantz voll, und metaph. gantz beſoffen. 
Scharve: Topff- Scherbe. | 

Sprichwoͤrter: De utt geit ß lange to Water, bet be 
bricht: nichts fann emig halten. it. man gebet fo lange. 
auf feine Kräffte fo, bis man danieder fieget. 

Keen utt is (o fcheef, dar finde ficte d? een Deckel 
19: es ift feine Perfon fo haͤßlich ober fo berüchtiget, fie 
findet im Heirathen ihres gleichen, 

He bett noch veel im putt: er muß nod) vieles erle⸗ 
"bem Conf. Fatt. 

- Upp’n Dutt gahn: verlohren gehen: glaube ich ge⸗ 
macht zu ſeyn von capot gehen. 

Dar is nich Putt noch Dann: eine ommidfig Haus- 
haltung. 
Puͤttjer: Toͤpffer. 
Putt Dani vocant en Potte & Woffren Done 
‚mager. G.) 
Pürtjen (myten : ein Spielder Kinder, ba fie le TopffScher⸗ 
ben, Mau Schalen oder platte Steinchen ſolcher p" 








22 


(1 HAMBVRGENSE, 197 


auf die Fläche des Waflers Dinterffen, daß fie viefmabl 
wieder davon abfpringen mülfen, ehe fie matt werden und 
finden. Iadus obliquus tesfellarum fubfültantium: 
Diefes Spiel, welches bie Franzoſen Ricocher nennen, 
war (don in alten Zeiten bey ben Griechen befannt, und 
hieß Erosgaxıruog. Den den kateinern beſchreibt es 
gang deutlich Minucius Feli? c. 3. | 
(Düttjenzf.ibEer : Schertz⸗ Nahme deszeige-Fingers.M.) 
pütte: Pfüge. ic. ein Siebe» Brunn, 
uthypuͤtten: ausſchoͤpffen. tut 
Putt⸗Farken , eigent(id) Puͤtt⸗ garken: ein Schwein, 
das in der Pfuͤtze wuͤhlet. Weshalber auch ein ſaͤuiſcher 
unflaͤthiger Menſch een Putt⸗ Farken geſcholten wird. 
Wiewol ein bekanntes gutes Geſchlecht dieſes Nahmens 
in unſern Marſch⸗Laͤndern wohnet. 
CPugen: Poſſen, fo mol luſtige, als loſe Streiche. 
putzig: poſſierlich, ſeltſam. Ä 
Putzenmakerſche: Betriegerin, Bübin: friponne, fal- 
fete.M.) 2 
Putzen füno Licht⸗cheren : ift eine Berneimmg, oder 
Mißbilligung eines ungerathenen Dinges, als wenn - 
man fagte: ja Poffen! oder fcilicer. 
Pugnecen: Polichinello: bie (uffige Perfon im Puppen 
pie, — ^ | | . 
CPuuch: ein altes abgenügtes Sette, M.) 





£t 


Quaad: böfe, übel, Ward nich quaad ; nehmt et nich, 
quaad: werdet nich boͤſe; nehmt es nicht uͤbel. Ob man 

als gut Hoch⸗Teutſch, oder nuc aus Noth, in dem (o ge 

. nannten gülbnen A. B. C. finge: Quaad von nie 
mand gedenck noch fprich ; mag ein gebohrner - 

- Meisner entfiheiden. Die alten Quados aber will ich ſo 

| 07707 83  . wenig 


.198 ^ - IDIOTICON 


: wenig zu quaaben fL euten, alsdie alten Ascomannos 
zu aiſchen Maͤnnern erymologifiren. 
Qualm: Dampf. Iſt (o gar auch in Bayern gebräuchlich. 
. Siehe Prafchii Glosfarium. | 
qualmen: dampfen, rauchen, 
bequalmen: mit Dampf überziehen. 
verqualmen: verrauchen, , verfochen. 
qualffern: vielen und diden Speichel auswerffen, 
Qualſter: Koller, Schleim: in fpecie ein ſtarcker Aus⸗ 
. . wurf. (Cprm; So geel ao een Qualfäer. M.) 
quam für Bam, vom Verbo Bamen: ick quam: ich fam; 
fé quemen: fie famen, ft aus bet alten Nieder⸗Teut⸗ 
fen Mund: Art, und bey den Holländern eben (o ges 
bräuchlich, daß fie vom Praefenti, ?k kome, dag Imper- 
fectum machen, ik quam oder kwam. Sya (0 gat die ye 
länder heilfen bie Anfunft Kvaͤmd. Bon bePamen 
. : wird bequam; conueniebar. Sollte nicht daher fom: — 
men bequem? conueniens, commodus? welches wir, | 
,, wie bie Hoch > Seut(cben , die Holländer aber Pequaam 
,  ausiprechen, | | | 
quanswys: gerade ald wenn: quafi vero. Item: gum 
|... , €dyin; dem Anfehen nad): in fpeciem, fimulate; z. E. 
Iy ſuͤnt dar quanswys nich by weft: ihr ftellet 
euch, als wäre ihr nicht dabey geweſen. Es fcheinetein 
Hollandifch Wort zu feyn, beffen Urfprung aber nicht 
leicht zu errathen, wie ſolches felbft befennet Carolus 
Tuinman, in feinem zuMiddelburg 1726. 4. gebrud* 
en Oorfprong en Uytlegginge der Nederduitíche 
Spreckwoorden, P.I. p.180. Eriftder Meinung, daß 
| quansuyr in der Ausfprache fen ein verändertes quam © 
| jos, an (lat als quam © fus: als kaͤme es fonft. Al⸗ 
fein, wie gezwungen mir biefe Ableitung vorfommt, fe 
wenig kann ich aud) eine Duelle finden in der Schleſier 
ewandss weife, welches Chr. Meisnerus in Silefia 
oquente erklärt. buvd) fortuito, obiter; denn quanes 
wys 





HAMBVRGENSE. 199 


wys Dat weder bep une, nod) bey ben Niederländern, bie 
Bedeutung eines zufälligen oder ungefährlichen. Kilia- 
nus in Etymologico führer ein Wort an, das Deiffct 
quantfelen, welches er überfeget: commutarc, permu- 
tare, von quant, fo ipm einen Spiel:Sefellen, voie aud) 
einen folchen bedeutet, ber mit iemanb Umfag in Hand» 
lung hat. Daher heiffee quantovoyo, nad) feiner Aus⸗ 
legung : colluforic, luforie, quafi vero, quafi. Ich etin» 
nere mich, aud) in Holftein bas Wort quanten, unb 
Quanterey gebóret zu haben, welches einen Umfag be: 
deutes, wann einer mie dem andern in Waaren unter der 
Hand etwas ducchflicht, bas bod) den Schein einer or 
dentlihen Handlung hat. Mir (d)einet biefed am glaube 
fichften. — Jedoch ftelle ich ber geneigten $efer endlich an⸗ 
beim, ob er eite von den andern angeführten Wort-For- 
fhungen erwehlen, oder es auch mit bem Lateiniſchen 
quantus und quaf verfuchen, oder endlic) das Stamm. 
Wort von quanswys gar für nnerforfchlich halten 
wolle. 


Quarder: Hals⸗Quarder: Kragen oder Band ain Syembe 
um den Hals. Engl. Collar. Hand⸗Quarder: Ein 
faffung des Endes der Aermel an. Hemdern, womit fie 
hinter der Hund gefthloffen werden. Sr. Poignet; 
Engl. Wriftband. Buͤren⸗Quartder: Hoſen Rand, 
der als ein Band uͤm den Leib gehet, und worin die Hoſen 
benehet ober befaſſet werden. Anderer Arten von Quar⸗ 
dern zu geſchweigen. | | 

Quarl: ein rothes Auffahren ber Haut, ander Stelle, wo ent 
weder eine innerliche Hitze ausbricht, oder, wo ung eine 
Wange, Mücke, und dergleichen Ungezieſſer geftochen, 
eine Neſſel gebrannt, oder etwas giftiges auf bie Haut 
gefallen. So nenneft wir aud) Quarlen dicke Strie- 
inen, die mie Blut unterlauffen find. Conf. Queeſe. 

Quaſt: x. ein Büfchel, Bündel, von Seide, Wolle, Haaren, 

| Federn, Reifeen u. b. gl. entweder gum ftreichen 
und fegen, mie y. C. A y fe Quo ft, Kleider: Kebr- 
9t 4 Bürfte | 





200° | IDIOTICON ' | 


Bürfte von feinen amd gefchälten Bircken⸗Rei⸗ 
ſern; Wittel⸗Quaſt: dicker Pinſel, womit man 
bie Wände uͤberweiſſet; Theer⸗Quaſt: womit 
der Theer aufgeſtrichen wird; oder zum Zierrath, 
3. €. Bedde⸗Ouaſt: an dem Stricke, der über | 
dem Bette hänge, womit man fich empor hilft; 
Perde⸗Quaͤſte: am Geſchirr der Pferde: fiocchi. 
2. ein Aufwand; von dem Verbo quiſten; verqui⸗ 
ſten: verthun, verwenden. Dieſes beweiſet unſer 
ſonſt ſchwerlich zu erklaͤrendes Sprichwort: Dar⸗ 
na Gaſt, darna Quaſt: b. i, nachdem bie Gaͤſte 
ſind, ſo ſchaffet man ihnen auf; oder: wie der 
Bauer iſt, ſo braͤtet man ihm die Wurſt. 
quaͤſteln: uthquaͤſteln: z. E. den Mund eines Krancken, 
in welchem ſich von innerlicher Hitze eine weiſſe Borcke 
u angelegt Dat, die wir den 300 nennen, 
. &ueefe: Bläsgen oder Blätterchen, fo vom brüdfen ober knei⸗ 
pen an der Haut mit Waffer. oder mit Blut unterläuffe. 
Daher Bloot⸗Queeſe; Water⸗Queeſe 2, Auch 
werden unter diefer Benennung gemeinet die harten 
Schwelle an Händen und Füffen: calli, welche allgemad) 
aus Queeſen entftehen, und fonft von une Aehlte ges 
nennet werden: cuberculi callo. — — 
quiet e: Unfraut, das fid) durch bie Wurgel verbreitet. 
Joͤris⸗Quek ift bey uns der Nahme eines geroiffen Un⸗ 
Frauts, welches fehr ſchwer auszurotten, weil es (id) in die 
Wurgeln anderer Sewächfe,infonderheit des Burbaums 
einfchlinger ; und das Fleinfte Zäferlein, fo davon in der 
Erde. bleibet, wieder zu einer ſtarcken und austreibenden 
| Wurtzel wirt. — | 
queken: geil und häuffig fortwurtzeln. mE 
| Das Stamm Wort ift quick, welches adiectiue bedeu⸗ 
tet frifch, munter (daher rauhen) ; fabftantiue heiſſet 
es jung Vieh, von Rindern, Schaaffen, Schweinen u.d.gl. 
Es kommt dieſes Wort vor in Starut, Hamb, D. II. 
Tit II, Art. 2. it. im Land⸗Recht Art, 58. 56. und in 
| unfern 











HAMBVRGENSE, 201 


unfern alten Wall- Ordnungen wird verboten, einiges 
Quick auf die Wälle fommen zu laffen. : 
Quickſteert: ein allzu lebhafter, unftetiger Menfch, der 
bald hie bald da ift: ardelio, vagus, inquierus. 
quickſteerten: ſchwaͤrmen, nicht auf einer Stelle blei⸗ 
ben können: discurfirare, —— | 
OQuichfülver: Quecfilber: Argentum viuum. 

Quene (5) heiſſet bey uns nicht in genere alles, mas weiblichen 
Gefchlechts ift, fondern in fpecie eine verfchnittene oder 
eine junge Kub, die noch nicht gefalbet hat. Daß es in 
anderen Mund-Arten aud) eine Haus-Mutter bedeute, 

. and wiedaher inEngelland die Königin the Queen heiffe, 
‚davon kann in andern Lexicographis und Glosfatoribus 
nadgefeben werden. — 

quillen: ic. upquillen, utbquillen: auffchwellen: intu- 
melcere: wie 4. G. Kirſchen, Pflaumen, und andere ge» 
trocknete Sachen, wenn (ie ins Waſſer fommen, imgleie 

chen das Holß, menn e$ Feuchtigkeit in fid) gezogen. 
quincheleeren: hoch und gefünftele fingen. Mag vielleicht 
heiſſen follen quiinteleeren, gleich ala auf bec Quinte der 
- Beige was feines und gefräufelees machen. 
Buinchflag, an (tat &uint-Slag, ein feiner und liſtiger 
Streich, per metaphoram von bet Quinte, welches auf 
der Geige die höchfte unb ſubtileſte Saite iſt. Quinck⸗ 
ſlaͤge maken: Arglift brauchen, oder, wie man fonft ſa⸗ 
get, Quinten machen. (Sprw. up der letſten 
Quinte fiddeln: bas ſeinige meiſt aufgezehret, unb den 
keßten Heller ſchon angegriffen haben. M.) 

quynen: frándffid) ſeyn: languere, contabefcere. prid 
wörter: lange quynen is de gewiffe 3000: ex diu- 
turno morbo certa mors eft: Beter voat't. (cbynt, 
ele veat't quynt: pffegt man denjenigen zum böflichen 
Troſte zu fagen, die übermäflig bif umd fett gemorber. 

(Nos dicimus: at quínfe, atque Länge at quinie 
erde ville Dod. Anglo-Sax. gwanian, languere, & 
cwisen , tabeícere, ©.) 


9t s quos .— 





0 


202 IDIOTICON 


quoͤſen: zermalmen , quesfchen, zu Muuß machen. 
ínquófen: hinein fäuen, allmählig hinein. freſſen. He 
quófet dat Brod noch all benin: er fáuct an dem 
Brodte fo (ange, big er es zu Leibe Dat. 
Quubbel: ein dickes hervorragendes Fett- oder Fleiſch an ei⸗ 
nem Cörper, das (id) wie Fleine Hügel ausgelegt hat. 
Alfo Deiffet e8 von einem ſehr feiften Ochfen: He bett 
rechte Duubbeln van Sett upm Lyve. 
quubblig: quabblicht, fleifchiche, woran ein dickes Fett 
zu fühlen. 
quurckhalſen: fid) würgen, als einer, bem etwas im Halle 
(teet, welches er weder hinunter bringen, nod) wieder 
von fid) geben fann, NEM 





— 


9. 
Raa: Segels&tange: Antenna. 


Kaas Segel: groffes diereckigtes Haupt» Segel att der 
. Duer-Stange des Maftes. Holländ. Raa-Zeyl: wo⸗ 


von die groffen See-Schiffe felbft den Nahmen Aa 


Segel führen, weil fie fic) dadurch von andern Fahrzeu⸗ 
gen, die etwa nur Gaffel⸗Maſten (nialos furcatos) 
haben, unterſcheiden. Ä 
raaſtern: raſſeln: ſtrepere. | 
Raaſterer: Plauderer: qui auribus obftrepit. 
raden: utbraben: auscotten, mit ſammt ber Wurtzel aut 
graben, wie man ben Bäumen unb Büfchen tout, wo ein 
tand zu Ader oder Wiefen gemacht werden foll: exícin- 
dere , eradicare. —— | 
(Danis eft at udrydde: Anglo-Sax. arydid, expi- 
latus. G.) 


Radt: na der Radt: nad) der Reihe, nach ein ander: viel 


leicht wie die Speichen oder Schienen eines gedreheten. 


Rades. 
Raff un Rekel: ift der Nahme einer groben unb parten Art 
| : | | gedör- 





| 


| HAMBVRGENSE. - 203 
gebörreter See⸗Fiſche, bie einen ſtarcken Magen erfors 
dern. | 


ahme: iff zwar ein allgemeines Teurfches Wort; es verdies 
. nett aber defjelben deriuata, unb zum Theil idiotica an⸗ 
gemerckt zu werden. 
Wand⸗Rahme: bas Geftelle der Tuch-Scherer oder Ges 
wand Bereiter, worin fie die Tücher fpannen. In Ham⸗ 
burg führer eine befannte Gafle nod) denfelben Nahmen, 


weil vormahls die Rahmen der Wand⸗Bereiter dafelbft 
geftanben. ! 


. rahmen: beftimmen,errachen, treffen. Maate rahmen: 
| Maik halten. Wol kann't jünmmer (o rahmen: 
. wer fann es allemahl fo treffen ] 
berahmen, und anberahmen: definire, conftituere, de- 
terminare: weil bie Gröffe und Grenge eines Dinges 
durch den Rahmen beftimmet wird, Irren demnach dies 
. jenigen, welche meinen, man nuiffe fchreiben beraumen, 
unb anbecatimen , als kaͤme es her von C: Raum. 
(Appofite caftigauit Auctor eorum errorem, qui iu- 
bent fcribere beraumen. Atque Dani femper fcribunt 
. ac voce efferunt at berämmeDiden, praefinire tem- 
pus; beramme en Dass: diem conflituere. Ramen, 
collineare, idum dirigere, in Otfridoplus femel. Vid. 
Schilteri Glosfar. p. 672. Sed Danis ramme eft ícopum 
ferire, asfequi, rem acu tangere. G.) Hieher gehöret 
aus bem alten Saͤchſiſchen Land⸗Rechte Lib. II. Art.38 : 
„Ob er aber feheuft oder wirfft einen Mann ober ein 
„Biehe, als er tamet eines Vogels, darumb verteilet 
„man ihm feinen Leib nicht 1c. 2 
narahmen: nachdenden, nachahmen wollen, etwas zu tref⸗ 
fen füchen. Man fagt, König Chriftian der IV. 9abebem 
Gluͤckſtaͤdter Bier ben S'tabmen Aahmna beygelegt, 
weil damit verfischet worden, ob man Hamburger "Bier 
nachmachen fónne, Sonft muß (id) am) das Buxte⸗ 
huder Bier fo nennen laflen. | 
Unrahm: Irrthum. Up eenen Unrahm kamen: au 
irrige Gedancken gerathen. WANN 


- 





204 _ IDIOTICON 


raken: 1. treffen, rühren. Den Kegel raken, 6.i. treffen. 
| He is licht geraket: ec wird leicht empfindlich. 
Watraket dy bat ? quid hocadte? Darfünt 
Safen, 6e my nich raken: das find Sachen, 
bie mich nicht angehen. | 
anraben: attingere, 0| 
2. fommen, gelangen, bingerathen. Se rakeden 
up't Droge: fie geriethen aufs trocfene, Ick 
Pann nich an 'c ſchryven raten: ich fan nicht 
zum fchreiben kommen. ! 2 
3. rücken, ftreichen, fegen. Dat Delo vam Difche 
afraken; den Sand varı een raken; dat 
Fuͤer inraken, toraken, to hope raken, her, 
uthraken ꝛc. Sollte wol bas Wort rechen fio 
mit verwandt ſeyn, weil man mit der Reche etwas 
AP bofet? Ich glaubees, Wirnennendie 
ecbe Harke, vielleicht per metachefin, pro 
Rahke. | | c 
raten: fchmusen, füdeln, garftig zu Wercke geben, Schinder 
Arbeit chun. | | | 
afrakken, rein rakken: fordes detergere; wann nehmlich 
etwas ſo ſehr beſudelt iſt, daß es mit der Reinigung ſelbſt 
eine unflaͤtige Muͤhe giebt. Alſo ſpricht man: Dar 
ſchoͤle jy wat mit to rakken krygen. 
inrakken: durch und durch einſudeln. 
torakken: zuſchmutzen. He rakket ſick darmit to: e. | 
nmachet fid) damit garſtig. 
uthrakken: ſchelten, ausmachen. Ick rakkede em des 
get uth: ich gab ihm einen derben Auspuger. 
Rakker: Schinder. It. Schelt⸗Nahme der Hunde. 
Rakker⸗Knecht: Schinder⸗Knecht; Rakker⸗ 
A: Schind⸗Grube; Rakker⸗Teve: Schind⸗ 


| rakkerig: unſauber, ſchmutzig. 
BRakbbkerey: Unflaͤtigkeit, Saͤuerey. FB 
J | too 0$ 07 "1 . cantet» | 





Ld 


MEUM . . 
an . pP - A: 





HAMBVRGENSE. | 205. 


mmenten? rumoren. 
amm: 1. Bock: aries. 
Ramm⸗Block, womit man ae einftoffct 
oder rammet: ab arietando. 
rammeln: ngay ien | 
2. Krampff: fpasmus. Den Ramm in de $óte 
Pee contra&tura neruorumi'in pedibus . 
ci. 


Lande; e. grosten Range: ein groffer Menſch; .ein 
groſſes Thier. 
rangen: wild und wuͤſt gu Wercke gehen. He deit nicks 
as ryden un rangen ! er haͤnget immer auf bem Pferde; 
er fuͤhret ein wildes Leben. Einige ſprechen ryrangen, 
welches zuſammen gezogen aus ryden und rangen. 
Ssufonderheit wird dieſes Wort viel gebraucht von der 
Wildheit wuͤſter und ungezogener Kinder. 
zangeln: ringen, Sich to hope rangeln: fid) faffen 
und tummeln, ob einer den andern niederwerffen koͤnne, 
wie bie muthwilligen Jungen. "M 
doͤrrangeln: durchpruͤgeln. E 
afrangeln, it. berünber rangeln, 8e. Die Haube 
vom Kopffe. Ä 
app-Saat: : Ribe Samen, woraus Del gefchlagen wird. 
Heiffet eigen QD RaepreSaas, ben Raepen find.bey den 
Hollaͤnden R 
"Pp: ſchnell, Teiche, riinbe: agilis, celer, rapidus, Rapp 
up den Beenen: hurtig zu Fuſſe. De Schale is 
tápp: die Wage fchläge (nel. Man ſagt e$ auch von 
Thüren, Schlöffern und dergleichen, welche Teiche unb . - 
willig aufumd zugeben. Der alte Vocabulurius Teu- 
thonifta erflátet es rohe, wuͤſte; und rappen heiſſet 
ihm fo viel als rauſchen, unbaͤndig zu che ge 
ben. Bir hingegen brauchen das Wort rappen ober 
rappfen für raffem, rauben, geſchwinde wegnehmen. 
Inzwiſchen geben alle dieſe Begriffe zuſammen gnugſam 








206 - IDIOTICON . EE | 


bie Urfache an, warum bey ung ein gemeiner Pöbel, oder 
ein zufammen gelauffenes liederliches Gefindel genennet 
toitb Jan Rapp un (yn Maat. Was aber unterden 
Pferden ein Rappe heiffet, davon wäre ich, mit gütigfter 
Erlaubniß bes gelehrten Hn. Berfaflers der Hamb. Bes 
richte (A. 1743. p. 387) wol nicht der Meinung, daß e$ 
von unferm rapp berfomme, indem ein Kappe fein 
fehnelles, fondern ein gang ſchwartzes Pferd bedeutet, und 
folglich eher mit bem Aaben, als mit bem rappen, in 
eine Wort-Berwandfchaft zu fegen i(t. 


rappelkoͤppiſch: jachzornig, ungehalten, ‚aufgebracht, 
ie Schleſier prechen reppelEsppifch, und Hr. Meiß⸗ 
ner in feiner Silefia loquente, pag. D. erfläret es: der 
unruhig, verdrüßlich iſt, y. E. mache mich nicht 
teppelbóppifcb, d.i. verdrüßlich, verdroſſen: item 
der von feinem vorgefa(ften Schluffe, voosti man | 
ihn gebracht, wieder abgehen will. Allein, weder 
diefe Schreib Art, nod) die Auslegung, gebietet ung von 
dem Stamm Worte rapp abzugeben; indem allhier der — 
Zorn, Verdruß oder Unmut, als was fchnelles und 
übereilendes angefehen wird, 

Rapphohn: Feld-Huhn: perdix: alfo genannt, toeif es | 
burtig und gefchwinde im lauffen und fliegen ift, fo bald es 
eine Nachftellung mercket. Diefemnad) follte man billig 
fchreiben Repphuhn, und nicht Rebhuhn, weil legte 
re$ nut zu allerhand unerfindlichen Herleitungen Gele | 

gebe gegeben Dat. Denn einige führen e$ Det von 
Aebe, weil diefer Bogel gern Trauben iflet: andere vom 
. Korn, welches im Angel-Sächfifchen Ryp Deiffet: nod) 
andere von Rapen ober Rüben zc. Unfere Meinung 
hat die Ehre, von einem rechtfchaffenen Gelehrten beftär- | 
-  detyumerben, inden Hamb. Berichten 1743. p.797. 
"Rappfirabel: dafür fchelten wir einen jungen unerfahrnen 
Menſchen, infonderheit wenn er ſchnell zu veben ift, und 

. ein nofenweifes Maul lauffen läfft. Denn ein rapper 

ESchnabel heiffer ein hurtiges Maul. 


— 





NL. 


| HAMBVRGENSE, u 207 
teppen, fic? veppen : ſich zauen, eilen. Reppt ju: macht 


fort ! 
raren: plärcen, freien, laut weinen. Aefettet den „als up 
un raret. (it. He legt de groote Rar to. M.) Gr 
weinet lautes Halſes. Hulen unraren, fiebe blaren, 
räteln: raſſeln, flapperm: crepitare, | 

Aätels Ding: Klapper: crepitaculum. 

Raͤtel⸗Kerls: heiffen in Hamburg die Nachtwaͤchter, we⸗ 
gen ber Klapper, womit diefelben, wie anderswo mit dem 
Horn, ibe Zeichen geben, | | 

raͤtern: ift eben daffelbe, unb ſcheinet beidesvon ben Rädern 
herzukommen, die auf ben Steinen ein Geraffel machen. 
He ſleit barup, dat et raͤtert un bevet: erfchlägedar- 
auf, daß e$ raſſelt und bebet. Metaphorite: plaudern, 
plappern. Se raͤtert my (o veel to'n Ohren: Sie 
betaͤubet mid) dermaſſen mit lautem reden. Daher Raͤ⸗ 
terer: Plauderer, Plapper⸗Matz. 
Rave: das harſche auf einer Wunde oder einem Geſchwuͤre: 
eſchara. Hollaͤndiſch: Rappe, it. Roof, Roofken: 
Cruſta vulneris, cruſtula ſcabiei, ſcabies incruſtata, 
quae plerumque decerpi fole. Sax. Raua. Kilian 
P. 427. | 
rebbeln, uthrebbeln: ausfafeln. Ein Leinwand, oder Tuch, 
das nicht geſaͤumet iſt, Datrebbeltuth : das faͤſelt aus. 
uprebbeln heiſſet bey uns einen Strumpf, oder ſonſt etwas 
geſtricktes, wieder in Faͤden duflöfen. 
rebbelig: faſelicht, von loſem Gewebe, davon bie be 
leicht auseinander gehen. 
(rechtefort: eben ietzo, den Augenblid. M.) 
reddelos: baufällig, ſchwach, ſchadhaft, bas fid) nicht mehr 
retten oder zuſammen halten kann. 
reede (adiectiuum): bereit, fertig. reede maken: fertig ma⸗ 
en. reede Geld: parata pecunia. uth ſynen reede⸗ 


n Middeln war wermaben: legare aliquid cx 
onis paratioribus, 





reede 


208 IDIOTICON | 





reede (aduerbium) it. allreede, allreeds, und per Synco- - 
pen Belgicam ree, rees, allree, alltees ; (on, bereits, 
a((bereit, Engl. already. Wachterus in Glosfar. p. 
1228: Hoc aduerbium, omnibus olim Germanis 
commune, nunc folis Trans-albianis proprium vfita- 
tumque, cum vniuerfa cognatione aptisfime referri 
poteft ad raden, properare, cum impetu & celeritate 

. ferri, cuius antiquitatem infra oftendo. 
reeden: bereiten, fertigen ; utbreeben : aͤusruͤſten. Wird 

.  beibe8 vornehmlich von Schiffen gebraud)t, — - 

Reeder: Schiffe-Herr, Eigener, der ein Schiff, entweder 

gang, oder zum teil, auf (eine often in die Fahrt ſetzet. 

Reederey: Fertigung und Ausrüftung der Schiffe, woz 
man bie Gelder verfchieflet, und aug den Frachten hinwie⸗ 
der feinen Bortheil erholet. | 

Reede: ein bequemer Ort auf dem Steome ober auf dem 
Meere, in bet Nähe einer Handel-Stadt, wohin (id) bie 
See⸗Schiffe legen, mann fie anfommen, oder wann fie 
zur Abfahrt reede find: Statio nauium ad ripam vel 

littus, prope emporium, : 

— bereeben: bereiten. Wird infonberbeit vom Tuch, Leder 
unb Wein geſagt. Daher Wandbereeder, nad gemei- 
ner Ausfprache Wanbreder: Tuch» Scherer. 
Bereedfel: Ein Mittel von Haus⸗Blaſen und andern 

niederfchlagenden Dingen, welches an den Wein ge- 
than wird, üm ihn Far und ſchoon zu machen. 
ebt: bereit. Engl, ready. Sich gereedt malen; 
fi) fertig machen, . "n. 
ínreeben: mit inreeden: Schiffs⸗Part nehmen, feinen 
S pel zur Ausrüftung mit einfhieffen. Synecdochice: 
' fymbola collata, cuiusuis aleae periculum experiri: mit 
einfegen, belegen, zufchieflen, auf Hoffnung cines Ge 
winnes, oder auch zur gemeinen $uftbarfeit, 
tcoreeden: zurüften: infonberbeit den Teig anrichten zum 
Brodt⸗backen. al. tofüren. . 


Neem; 


Tu 


CP: yn Ma «y, * 7 Ed! 


orans 


Cumt 


- 
. 


HAMBVRGENSE. 209 
: I, Riem: lorum. : 
Reemker: Riemer: lorarius, - 
2, Ruder: remus. | ) 
reemen: rudern: remigare. 





Keep: Seil, &tridf, Tau. — . 


Keep Släger: Seiler. 
Keeper Bahn: Drehe⸗Bahn der Seiler. 
|... (Dan. Reeb; Anglo-Sax. Rape, vnde After-rape, 
poſtilena. Cambro- Brit. RAZff, funis, & Récf/ju, 
funiculus, G.) | | 
reyen: nuc obenbin zufammen Defften, road hernach recht gene 
bet werden foll, IZ 
anreyen: anbefften, mit weiten Stichen, D. 
Rey⸗Drath: Heffte⸗Faden, der hernach wieder ausgezo⸗ 
gen wird. | 20 
Reyſter, oder Keeſter: ein ſchmales Stuͤcklein Leder, wel⸗ 
ches die Schu⸗Flicker an das Ober⸗Leder ſetzen, wann ſel⸗ 
biges von der Sohle abgeſprungen. 
reif; (aduerb.) gang, gat: plane. Die Ober-Sachfen fügen 
es gemeiniglic) nut zu notionibus priuatiuis, $, E. reine 





(ebig, reine db, reine tobt, reine nichts, ober wie es nad). 


bofiger Mund⸗Art lautet, veene nifcht: gar nichts. 
w Wir aber feßen es auch zu pofitiuis, 3. G. rein ull: 
gantz voll; be is rein dull: er iſt gar toll ꝛc und fo fpres 
- chen aud) die Bayern: rain Balt; fehr Falk. 
reken (0): 1. rein, fauber; renti un reken: reinlich und 
e nett; een reken Wyf: ein reinlich Weib; res 
Pen Huus maken: aufräumen, rein Haus 
machen; reken Botter: reine "Butter, davon 
das Thara abgezogen iſt. 

2. fertig, richtig: reken un reede: bereit unb fer- 
tig; reken Beer: fertig Bier. He tehret ver 

Éen up: er zehret richtig uf ——— 


vnreken: unreinlich, unordentlich. 


9 eb 


Pr Re 


210 i ^ 'IDIOTICON u 


En: dehnen; distendere. rekken un ſtryken, gefchichet 
nach der Waͤſche. Sich rekken: (i) ausdehnen. 
Rekke⸗Been beiflet der Tod. 


Reventher: ein groffer Saal in ben Kloſter⸗Gebaͤuden, wel⸗ : 
cher ben München entweder zum allgemeinen Speife 
Zimmer, oder zum Spiel umb andern Ergeßungen gedie- 
net. Iſt gemacht aus Refe&torium, wie Dormiter aus 
Dormitorium, Leckter aus Le&orium, Zibärken aus 
Ciborium, . | 

Kibbfpeer: find bie Schweins-NRippen, die unter den Speck⸗ 
Seiten ansgefchnitten, hohl zuſammen genefet, und 
nachdem fie mit Aepfeln, Pflaumen, Gaftanien u. d. gl. 
gefüllee, am Spieffe gebraten werden. | 

Richt: per aphaerefin, an (fat Bericht. Ken Richt Fisk: 
ein Gericht Fiſche. 2. 

. WidteoSand': ein Schranck, in Geftalt eines Tifhes, 
worauf in der Küche angerichtet werden kann. 

Riff: Sand⸗Banck; warn fid) ein angefpühlter Sand in ei 
nen vom Lande abgehenden langen Streiff gefe&et hat, 
worauf die Schiffe leicht Fönnen zu (igen fommen. 

KRiifft: Gerippe. Ze is ſo mager ale een Rifft: wie cin 
Sceleton.  , 

Rikke: hölgerne Stange, worauf man Zeug zu trocknen haͤn⸗ 
ger. Vermuthlich nennen wir daher einen langen ſchma⸗ 
len Menfchen eenen langen Rikks, oder een teemlick 
Rikkſchen. Das Stamm- Wort mag feyn rekken. 

Rikkelrey: ein langer Reihen, worin bie tangenden, ohne 
fonderliche Kunft, luſtig heruͤmſpringen. / 
ringe; adiectiue: fehlecht, geringe: vilis, leuis, facilis: een 

ME ringe Minſch: ein geringer Menfch; .vínge 

Luͤde: gemeine Leute; mit ringer Moit: mit we⸗ 

niger Muͤhe. Auch heiſſet es von einem Krancken: 

be is man recht ringe: er befindet fid) ſehr ſchlecht; 
item be is ringe worden; er iſt abgefallen, mager 
und elend geworden. 

| aducy- 











| 





n . Br 4 
4 


| HAMBVRGENSE. 21I 


aduerbialiter: Dat Bann ich ringedohn: das kann 
ich leicht thun. o wat Eunn ringe bóbren: 
dergleichen fónnte fid) leicht zutragen. Ju deit et 
wol wat ringer: ihr fónnt euch wol fchlechter bes 
helffen. 
ringern: verringern, geringer machen und werden. 

. (Nihil hinc colligimus aliud, quam in Dialecto 
Saxoniae voces occurrere; in quibus praepofita fyllaba 
ge abiicitur, quam ftudiofe folent Germani fuperiores 
conferuare, etiamfi apud veteres Theotifcos haud raro 
omisíam. Vid. Schilteri Glosfar. p. 685. Dani vbi- 
que particulam ge praeciderunt: quibus & ringe, vi- 
lis, in víu eft frequentisfimo. G.) ' 

(ringewegern: unachtſam, ohne Bedacht, unerwogen. M.) 
Ob id) zwar bekennen muß, bag mir dieſes Wort bey ung 
niemahls zu Ohren gekommen, ſo habe ich doch daher 
keine Urſache, es vorbey au laſſen, indem ich bey vielen an⸗ 
dern, offenbarlich gemeinen und bekannten Woͤrtern ſehr 
oft iemand angetroffen, der ſie von ungefaͤhr noch nimmer 
gehoͤret. Ueberdem zeiget ſich der Urſprung dieſes Worts 
von ringe und weg gantz klaͤrlich, und die Endung in 
ern, wodurch eine qualitas frequens ſubiecti angezeiget 
wird, iſt aus mehren dergleichen adiectiuis, als hebbern, 
rytern, ſpeelern ac, bekannt. Hieſſe demnach derjenige 
ringewegern, der etwas ringe weg gu thun, b. i. leicht 
von ber Hand zů ſchlagen gewohnt iſt; oder auch: unter 
deſſen Händen etwas ringe weg koͤmmt, und leicht vers 
ojren gejet. — MEM" 
inkefylen: hart.angreiffen, nicht (donem , füchtig unter bie 
Seile nehmen. Metaphorice; mit Worten oder tnit 
Schlägen hart durchholen. He bett em deger víntes 
fylet: er hat ihn rüchtig in bec Gur gehabt. 
Kioole: Sad, Schicht Dort, für Bücher und Krahm ⸗Waa⸗ 
en: Repofitorium, loculamentum tabulatum. Kilia- ' 
nus giebt diefe Bedeutung: Riuus, riuulus, canalis, - 
alueus, fosía; lira, fakcus & cloaca, In Feiner ur dies - 
n w A mE en 





e * 





212 |" IDIOTICON . | 


fen ift das Nomen bey und un Gebrauch, aber wol ba$ 
Verbum rioolen, welches bedeutet ein Stück Landes 
Furchen ⸗ weife tief uͤmgraben. 
Rys: Reis: ſurculus, virgula. | | | 
earn: Bircken⸗Reiſer. Ein Recept für unartige 
Inder, 
Kyſe⸗Beſſem: Befem von Bircken⸗Reiſern, die fid) von 
HeidesBeffem , Brahm⸗Beſſem 1c. unterſcheiden. 
Ryſe⸗Quaſt: fiehe M F , 
? 1. fleigen, aufgeben, aufitehen, (id) erheben." Holl.ry- 
"ien e Engl. to rife. De Sinn vyfet: die Sonne 
fómmt höher. De Waare is in t vyfen: fie fchläge 
auf. DatSchipp Bann nich wedder "YER: das 
Schiff fann (id) forne nicht wieder heben. Das Ge 
. gentbeil it bablen: ſincken, fid) niederlaffen. Ver⸗ 


| 





wandte, 100 nif gar Stamm Wörter , Keinen zu 


ftn: Rys: furculüs, weil er in bie Höhe fchieffer, 
und Ayfe : gigas, weil er andere Menfchen an Gröffe 
überfteigee. | u 

2. aufquillen, fid) ausdehnen, welches wir fonft auch nen 
nen toryfen, upgahn, urhdeyen. Ge ftedfet darin 
ebenfalls der erftermehnte Begriff des fleigens oder 
empor gehens, und wird gefagt vom Mehl, Grüße, 
und andern trockenen Sachen, bie im Waller aufquils 
In. Das Sprihwort: wor wat is, bar ryfet 
vont, will fo viel fagen: Wer Mittel bat, tut (id) 


gern damit hervor s eben wie wir (onft zu fagen-pfle 


B gen: de et lang bett, de lett et lang hangen. 
Fehlet alfo bet Herr von Leibnitz fehr weit, wann e 


bie Worte: Dar ryfet wat, alfo erflärer: esnimbt 


* gb, vetbitbet, es wird was davon genommen, 
verlohren. In Colledtan. Etymol. p. 50. | 
(Ryfen,fteigen. Sic & Dani: at reyſe fig, reyſe fig 

i Waͤrret. At vey[é et uuo: h. e. — i ß 


cium iam 





fabrefactum erigerę. G.) Pi prs arifam : furgere. | 


Vid, plura: in Schilteri G/osfar, deus. P.686. Ex- 


, 


cerpt. 


- ' HAMBVRGENSE. 213 


cerpt, Meier. p. 263. & 280. Wachter Glosfar. p. 
-1271.& I291. | a 
ryten: veiffen. ryten laten: darauf gehen laffen. Lat ry⸗ 
ten: nur immer drauf! Wort der Berfchwender. 
Ey m Spiyt; Vernichter, der alles zerreiſſet und zew 
ride, 
rytern: bet viel aufreiſſet, nicht ſchoͤnlich mit feinen Sachen 
| ümgebet, - Ä 
anryten: mit eenem anvyten mit iemand (i) verftoflen, 
in harte Worte gevatpen.. So fpricht ziwar der gemeine 
Mann; foll aber eigentlich Deiffen anwden; wie denn 
aud) der Hoch» Teutſche in bemfelben Verſtande faget 
. . Anteiten. - . | 
upryten: verbraschen, verfchleiffen. He vítt veel up: er 
. verfchleiffee viele Kleider. Daher nennen wir einen ' 
Menſchen, der feiner Kleider gar niche ſchonet, eenen 
rechten Ryt⸗up. Eben fo wird aud) afryten gebraucht. 
Rete (m): Riß, Spalte: rima, fisfura. - 299r de Rete 
kyken: rimari. | 
.  ,wetetítt: bae voller Riſſe ift: rimofus, rimarum plenus. 
rye: frengebig, milde, auswuͤrffiſch: liberalis, prodigus. He 
is allto tyve: er wendet zuvielauf. it. aducrbialiter: 

. reichlich. He gift ryve: dat liberaliter; rype Huus 
‘holen: in der Haushaltung viel aufgeben laſſen. 
Beryf, und Beryf: Gebrauch, Nusen, Behuf. To fy» 
nem Geryf hebben: zu feinem Dienfte haben, h 
‚ beryven, nnb geryoen: verfehen, verforger. Mit Geld 

ecyven "hit Gelde an bie Hand gehen. Dar fani 
» fy gans Huus mit beryoen: da kann ec fein 
- ganßes Haus mit veran — 266 
beryflick: nußbar, bequem. en beryfli app; — 
uw Md Schranck, der gute Gelegenheit hat. 
Zoden heiſſen die hohen Stangen oder Pfaͤhle an den offenen 
Korn⸗ unb Heu⸗Schobern, an welchen das Dach höher 
oder niedriger geſtellet werden kann. 
| $35 | . wn 





» 4 

oben Hinrick: Semen Sanguinariae. - | 

regen (os) : 1, anrühren: Kruͤtjen róge my nich: Noli 
me tangere. 

3, aufrühren, vege machen, in Bewegimg ſetzen. 
He Eann fic? nichröggen edderbögen: ee 
et ift gang lahm und ſteiff. De em roͤget, be 
róget eenen fuulen Huupen: wer ihm zu 
nahe tritt, der Éommt uͤbel an. Ickwilldy 

MEE roͤgen: id) will dir Fuͤſſe machen, : 

berögen, ficit berógen: fid) bewegen, motion brauchen. 
He is noch beróat gnoog z ec fann (id) noch guugfams | 
kehren und wenden, | | 
uwproͤgen: aufzuftehen zwingen, vom Sitze oder ager 
trreiben. | 
tógfam: regſam. Roͤgſame Koſt: Speiſe, davon Bie 
Saͤffte des Coͤrpers in Wallung gerathen. 
Rogge: Rocken: ſiligo. 
Roggen⸗Kiſte: der Nahme eines Gefangen⸗Thurms in 
amburg, wohinein die Verbrecher auf Waſſer und 
Brodt geſetzet werden. 
Roggen⸗RKluͤtjen: So muͤſſen (id) allhier bie Geeſt Bau⸗ 
ten nennen laſſen, dahmgegen bie Marſch⸗Leute Wee⸗ 
ten A licen beiffen, weil diefe von Weisen» jene von 
| Rocken⸗Mehl ihre Klümpe machen. 
| Boggen-Woulf : Man fage von einem groben und fanlen 
tenfchen, der fid) unartig Dingeftred'et hat: He ligt 
dar, als een Roggen⸗Wuff. Liege etwa der Wolf 
@ gern im Stodens Faͤde ? oder hoher Fomme fonft dief 
0. Medens- At? a | ’ 
AöhlEe: Schafgarben: millefolium. 
Rohm: Sahne, Rahme: flos lactis. 2 
aftóbmen: bie Sahne von bec Milch abnehmen. 
Kohr: bebeutet, auffec bet Schieß-Gewehr, aud) ein Steuer⸗ 
Ruder. Holl. Roer, ton roeren: vegen, bevoegen. 
Rohr⸗Pinn: Clauus, gubernaculum, 





214 '. IDIOTICON . | 








roͤhren: 








|! ü HAMBVRGENSE. "o 20$. 
, ! 


röhren: ruͤhren, regn. 

BRBoͤhruͤm (ir. ans Roͤhrup. M): alſo nennen wir den⸗ 
jenigen, der nichts auf feiner Stelle liegen laͤſſet, fondern 
alles heruͤm rühret und in Unordnung bringet. 

(At roͤre om, roͤre omkring Dani quoque dicimus. 

J - Anglo-Sax. hreran, agitare; gerboered, commotus. 

Apud Otfrid. ruaran, concuti. Plura ſuppeditat 

Wachterus, col. 1325 feq. in Ruren. G.) . 
beroͤhrig: vege, hurtig. Wird fonberlid) von alten £euten 

gefagt, bie ihrer Glieder nod) mächtig (inb. He is noch 

teemlick beroͤhrig: er ift nod) ziemlich bey Kraͤfften. 
tójen; r. rudern. | 

| 2, den Gehalt eines Faſſes ausmeſſen. Daher der 

Staa. tab, ben bie WeinsKüper hierzu brauchen, 

der Roje⸗Stock genanntwird. Zweifels ohne von 

Bode, 9tutpe, Meß-Rurhe. | 

Roͤnne: Rinne, Dad Rinne, | 

Schott» Aönne: Eleine Rinne, fo zwifchen bem Dache ° 
amd denjenigen Schorffeinen gelegt wird, die an der 
Seite des Dached-heraus gehen, damit der Schuß des 

. MWaffers nicht ins Haus dringe, 

Roͤnnſteen: Katzbach, Rinne ander Erde, zu Abfuͤhrung 
des egere und Spühl-Waffers. Weil nun ſelbige Stine 
nen inden Gaffen, bie in ber Mitte erhoben find, hart vor 
den Häufern hergeben, fo kommen daher folgende Res 
dens⸗ Arten: Nich Over den Roͤnnſteen famen: 
nicht aus dem Haufe Fommen. Ick wulldarümnich 
ver den Rönnfteen gahn? ich würde mir daruͤ 

^ niche die Mühe geben, einen Fuß aus der Stelle zu (ege 

— mer EyE ín ſynen Roͤnnſteen: Ein iebet febre vor 
feiner Thür. So wird auch der "Johann Hagel, oder 
bas gemeine Schiffs⸗Volck, weil e8 Teiche zu Fuſſe ift, 
Aönnfleen- Springer genannt. 

CORE: Rauch. Keen Süer noch oo: ſclechtbeſtellte 
Haushaltung. Myn Schorſteen treckt alierhand 
| 94 Roo: 


cong 


[ f 





216 IDIOTICON . 





A0: id eſſe alles mit, Daran ſchall $e Schw 
ſteen wol rooken: bas wird fchlechten Vortheil brin⸗ 
gen. De Rook treckt achter em up: er ſaget die 
. Wahrheit nicht. M.) 


| Roor⸗Honer nennet man hier Diejenigen Huner, die aus | 


ben Ländereyen jáprfid) als ein Tribut an die Obrigfeit ge 
liefert werden müffen, Woher fie alfo Deiffen, kann ich 
eben fo wenig mit Gewißheit fagen, als woher der Hahn 
ein Brands Hahn heiffe, den an einigen Orten im 
Braunfchweigifchen bie Bauren ihrem Pfarrer geben 


muͤſſen. 
Rost: Rabe, Raub- Vogel. Ze ftillt as een oot: « 


flielet wie ein Rabe. Leibnitius in Collect. Erymöl, 
8,50. verfichet darunter einen groffen Raben, der im 

raunfchweigifchen ein Kulck⸗Rabe, bey ung een 
Kluncker⸗Rave peiffer. Die Engelländer haben dafs 
felbe Wort Rook, welchegaber William Séwel in feinem 
Wörter-Buche Niederländifch überfeßet zeker flag van 
een Kraai, b. i. eine gewifle Art Krähen: und Diemit 
fiheinee das ſtehlen näher zuzutreffen; tweil nicht fo mol - 
die groffen Raben, als vielmehr bie Kraͤhen, fi) um und 
bey den Häufern finden laffen, unb dafelbft manches ent 
wenden. Rook und Rogue heiffet im Englifchen auch eis 
nen lofen Schelm, Betrieger, Gaudieb: rooked, betro⸗ 
gen, geſchneutzet. | 


Roͤſeken⸗Koth: Bezetta rubra. | 
(roſoͤtje Appeln: totfe Aepffel, bie füß find. M.) 
* „vom Italiaͤniſchen roffo, vótpfid): rubidus, fubrufus. 


3. G. Rofinen, Kirfchen, Pflaumen fallen tofi, wann ſi ie 
unreiff getrocknet find. | 


vételn (o5): ſiehe väteln. 
Rothſchaͤr: geweichter Ctodfiff). Kilianus in Etymol. 


ſchreibet es Rood. [chaere, rood-fcherre, und giebt ihm 
eine etwas engere Bedeutung, nehmlich: Tomus pifcis 
afelli: tenuior afelli piícis ventri & abdomini praecifa 


por tio. 
Roͤtte: 





HAMBYRGENSE sy 


JXétte: P Roͤtten ſchilt man die Kinder und Eleine teure, 
bie (id) maufig machen. 3. €. Een luͤttje Roͤtt vanr 
Deeren: ein fíeines Mädgen, (Sprw. Man Bann 
fic? up em ſo veel verlaten, als up eenedode A dtt: 

. €t ift eben fo zuverläffig,, als eine tobte Rage, M.) 
Peer: —— 4— einem ſchlauen 
und verſchlagenen Men iſſet es: He is 
ſchlimm as —S ⸗* n 
rotten: faulen: putrescece. NE 
antotten: zu faulen anfangen, anbrüchig werben, . 
verrötten: verfaulen: putredine confumi. 
rottig, it. rotterig: angzfaulet, anbrüchig. 
Roͤve: Rüben. Roͤve in de Buuren: fagt man zu feuten, 
| die von Delicatesfen feinen Geſchmack haben. 
(Aöveben ſchrapen: auszifchen, unb mit den Fingern 
| Mri je einee Dingeben, und Rüben ſchaben 


rückeerfen: ſ. Bas. | 
Ruffel⸗MWyf: alte Kupplerin. Ital. ruffiana. 
Ruͤkelken, Ruͤkel⸗Buſch: Blumen-Sträußchen‘, uͤm 
daran zu riechen. | 
Rulle, it. Rull⸗Holt: bedeuter bey ung aud) eine Walge, ders 
gleichen man zum plátten, wie auch Laften darauf fortzus 
fehieben , gebraucher. Ä 
CRulle, Hand⸗Rulle: langes Drellen oder Seinen Tuch), fo 
auf einer Rolle hänget, die Hände damit yu tcocfnen. M.) 
Bummel: 1. Ramp: eim ohne Zahl unb Unterfchied zuſame 
men genommener Hauffe; congeries indis- 
ereta. Im Rummel Eöpen: den gangen 
Sjauffen , wie er ba ift, toegfanffen, ohne die 
Stuͤcke auseinander zu fegen, unb iedes zu 
taxiren: emere per auerfionem, &.Igöwg . 
2, im Karten Spiele Beifet ein Rummel, warn 
man einerley Karten inder Hand hat, unb nut 
Auflegung derfelben gewinne.  . ' 
$5 , Sum 





4 


218. IDIOTICON 


Aummeley: allerhand altes Haus-Geraͤthe ufi geringe 
Cade, bie man Stuͤckweiſe nicht verfauffen fann, for 
dern zufammen werffen muß. | 

rummeln: poltern: ficepere, murmurare, vt in aere toni- 
trua, & in ventre orbi. Aunmmeey im Ayveı | 
murmelnde Winde im Gedärme.. | | 
Rum: Wambs ohne Yermeln. M) : — 
cumpeln : (düttern, ftoffen.. De DOagen rumpelt üp den 
.  Geenen: der Wagen vaffelt auf bep Steinen, Alfo, 
- wann einer auf harten Fuhr⸗ Wegen geftoflen morben, 
heiffet es: ick hebbe my deget móten rumpeln Later. 

Rumpel⸗Kare: ein alter unfanft gehender Wagen. Ei 

nige fprechen aud) Kummel⸗Kare, und rummeln für 





* 


tumpeln , welches bod) nicht einerleh. 
rumprekken: hart unb übel handhaben, fo daß dadurch ein, 

.. Dingaus feinem Gefchicke fommer. Das Wort feheinet 
vonder Folter hergenommen zu feyn, aufwelcher der Leib 
des Mifferhäters hart angegriffen und gedehnet wird. 

rumpflump: unausgesucht, vor bec Hand weg, ungemeſſen, 
ungewogen. Wird von einer Art des Kauffes gefagt, bet 
nicht nad) Maffe und Gewicht gefchiebee. 3. €, Wenn 
. Schweine nid)t nad) Pfunden, fondern lebendig und uns 
gewogen gefaufft werden. Das Gegentheil vom rump» 
flump iſt hakenrein. Siehelic. 9. Conf-Aummel, 
» ‚welches doch nicht einerley. 
Kund⸗Stuͤck: weiß Brodt von runder oder länglicher Figur, 
ttheils überfchnitten, eheils nicht überfchnitten, (o zu £ bis 
1 f gemeiniglich gebacken wird. _ 
rund ſcheten: mit deinjenigen, mas man hat, richtig auskom⸗ 
men. He kann nich rund (c:beteni: er brauchet mehr, 

.. efserfpat. - | Ä 
Crunen: raunen, Sprw. De runet, be gt: ein Ohren 
| Blaͤſer ift gemeinigfid) ein Luͤgner. M.) 

Ku à eig groffec Hund, — Mcraph. ein fauler und grober 
0s pet. Ä 


tunt» - 


* 





HAMBVRCGENSE. 819 , 


runkſen: faul und läffig fieger, (id) ſtrecken und dehnen. 

Kunfunkel: ohle Runkunkel: Schelt⸗Nahme eines alten 
verrunßelten WBeibeg; der aber nicht nur bey ung, ſondern 
aud) fo gar ini Ober⸗Lande gebóret wird. 

Rufcbenzplate: ein unachtfames Frauenzimmer, das alfent» 
halben herdurch vaufdoet, und auf ben Wolftand in der - 
Kleidung nicht viel ſchlaͤget. 

Röfchens Stegen: Schlitten mit Schellen. - Einige (pre 
hen: Khienſchen Siegen: Ob aber diefe Schlitten 
nicht Bielmehr vom Beräufche, als vom heine, ih⸗ 
ren Nahmen haben, gebe ich zu bedencken. Es wäre 
denn, daß man beweifen koͤnnte, daß (olde Art von Fuhr⸗ 
Werd am Rhein: Steome erfunden, und zuerſt wäre 
gebrauchet worden, — | 

uten : Fenſter⸗cheiben: Carreaux. -Diefe waren in vori« 

. gen Zeiten geichobene Vierecke. Unſere Glaſer nennen 
es Stuten⸗Ruten, von der Geſtalt eines befannten fo 
geformten Brodtes. Daher aud) nod) bie Figur bet 
Ruten obey Carreaux auf beg Karten» Blättern. 

Ruͤter⸗Salve: füufes Salbe. . 

rütern: wild und flüchtig feyn. Serm ruͤtern: heruͤm ren⸗ 
nen undlauffen. Wird infonderheit von Kindern gefagt. 

Ruͤter⸗Ball: eine Art des Ball-Spieles, wobey es viel zu 
lauffen giebt. M.) | Ä | ! 

ruue: rauhe. | . 

Ruueryp: ein rauher Reiff, der fid auf bie Gewaͤchſe leget, 
und felbigen oſtmahls fchädlich iſt Et hett ruuerypet: 
e$ ift ein rauher Reiff gefallen. s 

ruuſig: truͤbe, ungeftüm: wuſig Wedden rauhes 
"Bette , mit Kälte, Näffe umb Wind: curbida tem- 
«peas 0 . | 

mug: rauch Ruuge Uble: fo nennet man gleichnißweiſe 

einen ungefänimeten Kopff, mit verworrenen Haaren. 
Ruugwarck: Peltzwerck. 
Auug Moder⸗Krud: Pulltilla. 





zungen: 


220 - . IDIOTICON | 


: bie Federn abmoerffen, wie das Gevoͤgel zu qu 
wiffen Zeiten thut. t 
Ruum: Raum. To Ruume Pamen : Aus bem Berte aufs 
ftehen , hervor kommen. B 
ruum, adietiuum: ledig. Kuum Huus maten: anf 
raͤumen, das Haus ledig machen. 
ruum, aduerbium: geraum, vollkommen: affatim, planc. 
Et ſuͤnt ruum twee Mylen: es ſind geraum zwo 
Meilen. Myn Huus is ruum ſo groot ale dyn: 
mein Haus ift vollkommen fo groß als deines. Auum 
meten: veichlid) meffen, Uebermafle geben: largiter 
metiri. p . 
Kuͤmer: der etwas ledig machet. Buͤdelruͤmer: Bew 
‚telfeger. S. E. Falſche Spieler, und lofe Advocaten. 
Ruum⸗Schoͤttel: Plauder-Tafche, Großſprecher, bet 
viel ins Gelag hinein ſchwatzet. 


©. 


Saal: heiſſet in Hamburg nicht allein ein groſſes Luft⸗ oder 
Prund-Zimmer, fondern aud) eine Art der Wohnung 
müittelmäffiger unb geringer feute, Siefind nicht ander 

- Erde, fondern in den oberen Stockwercken der Käufer, 
öfters viele, neben und über einander, und beftepen ges 
meiniglich in einem Wohn-Stübgen, nebft einigem Ges 
laß für Geräthe und Seuerung. Es giebt deren eine 
groſſe Menge, von unterfchiedlicher Groͤſſe, Gelegenheit 
und Miethe. Man nemet foldes up'n Saal wahr 
^. nen, unb bie Bewohner Saal⸗ Luͤde. 

Saat iftzwarim Hochteutſchen ſeges, oder fementis, bey uns 
aber bedeutet es aud) femen. Z. E. Mahn⸗aat: 
oim Samen. Pagel-Saat; Speife der Bögelvon 

alllerley Samen. | 
Saat-Seyer: Saͤemann. Sprw. De Saat⸗Seyer 
Fummt; wird gebraucht, wann man an iemand mercket, 





daß 


HAMBVRGENSE. - 221 


daß er fchläfferig wird. Denn fo wird er (fille, und bey 
ftillem Wetter pflegt man zu fäen. Eine gleiche Mei: 
. tung bat ba$ Sprichwort, warn in einer Gefellfchaft, 
bey vermerckter allgemeinen Stille, ge(agt wird; Hyr is 
et good Havern feyen. - mE 
ſabbeln: unreinlich zu Werde gehen, ſudeln. 
ſabbelig: ſchmutzig, fehmierig. 
beſabbeln: beſudeln, inſonderheit mit dem, was vom 
Munde kommt. 
ſick toſabbeln: wie die kleinen Kinder, wann ſie eſſen oder 
trincken, und ſich damit beflecken und beſchmieren. 
acht: 1. gelinde, fanft, nicht mit Ungeſtuͤm: ſacht! ſacht! 
item: ſachte wat! tour doucement ! ſprekt 
facbt: vetet fanft. ; 

2. lángfam: oe ſacht qeit, kummt ook fort. Wer 
fachte gehet, koͤmmt auch fort. He lett et ſacht 
angahn: ec übereiler fid) nicht, 

3. leicht: facile. Die beiden vorigen Bedeutungen 
mögen mir mitandern Teutſchen gemein haben; diefe 
aber ift bey uns Nieder-Sachfen ziemlich eigen, ba 
ſacht ein concesſiuum iſt, vomit toit bie leichte 
Mösglichkeie eines Dinges anzeigen. S. C, Wann 
ein ruchloſes Geſinde vom Fünftigen zu fagen pflegt: 
ich Eriege facht ſo veel. ic. He is [acht ſo veel 

. Mlannes: er vermag leicht fo viel. Dat lett fick 

ſacht tobn: das laͤſſt (id) unſchwer thun 3c. 

' (Omnis hic obferuata fignificatio noflris familia- 

risfima. G.) 
ſachtmoͤdig: ſanftmuͤthig. en ſachtmoͤdig Mann: 
der nicht leicht eifrig wird. Aber auch in genere: gelinde, 
langſam, bedachtſam; ſachtmoͤdig gahn: ſacht geben; 
ſachtmoͤdig ingeeten: maͤhlig eingieſſen. 
Back: heiſſet auch die Taſche, der Schub-Sad, Steket at. 
ín juwen Sach: ſtecket das zu euch Sack⸗Dook: 
Schnuptuch. Sack⸗Puffer: tof Piel 





| 
222 IDIOTICON 


. € prm. wann e$ ig Wetter iſt: Nu will de Botter | 
bor den Gad." | : 


Gad! im Riederländifchen wird in Kiliani Erymologico 
erfläret Hoere, íÍcortum, lupa. Aber fo böfe meinen wir 
es nicht, mann wir von einem artigen Mädgen fagen: et 
is een gladde Sach, it. du lofe Sach 1c. 

Sverfakken: ift in unfern Mühlen verboten, unb bedeutet 
di Saͤcke überfüllen, im babutd) bie Abgiften zu vor 

uͤrtzn. 

upſakken: fid) etwas. auf den Hals ziehen: z. E. eine 

— In der Kuͤlde eenen Snoͤve upſakken: 
in der Kälte einen Schnuppen aufholen. Man ſakket 
licht wat up: man fánget leicht eine Kranckheit af. 

ſakken, ic. fic? fabten: finden, fib fenden, niederlafen: - 
fubfidere, demittere fe, deorfum ferri. Dat auusbe 
inner to ſakken: das Haus fánget an zu finden, 
at Water ſakket em inde Beene: bas Waſſer fav 
det fid) ipm in bie Beine. Dat Beer mutt erſt (ate 

. Een: die Hefen müffen fid) erft fegen. ifo fage man 
afſakken, dahlſakken, to bope ſakken von Erbe, 
Getreide, Mehl, und andern Dingen, bie fid) burd) ihre 

.. eigene Laſt zufammen dringen, 

Gabe: Stille, Ruhe. Sick to Cabe geven: ruhig mer 

' ben, vie 4. E. die Rinder vom fchreyen, oder ein Krander 
von bet Raferey ꝛc. Meines Bedündens fomme dieß 

Wort nicht von Sede: Sitte, daher ſedig: fietfam; - 

fondern von Sate: Sig, daher de Saten, dieSaffen, 

b. i. gefeflene, — to Sade wäre alfo an flat to Cate: 
gum (ien, zur Ruhe; wovon dag Gegentheil ift Upſate: 

Aufruhe, Mufflanb: eri. 2t 

(Nonaufim Auctori accedere, affirmanti, potius ad 
fedendum, quam ad mores fedatos C modefliamrefpici. 
Nam in Anglo-Saxónum lingua inuenimus Sida (Da- 

. nice&äder) mores, & Sidefall, modeltus, pudicus: 
in quibusd habetur, . Contra fedendi verba, collocandi 
&.ponendi, femper quantum memini, fcribuntur in 
oadem lingua per 2, tt, vel de. G.) .. Wie 


% 








'—— .MAMBYRGENSE "5o 223 


Wie bedendlic) es bem hochberuͤhmten Hn. Verfaſſer 
diefer Anmerckung ſcheinet, meiner Meinung beyzutre⸗ 
ten, fo wenig wollen mich die angeführten Urſachen bewe⸗ 
gen, diefelbe zu verlaffen. Denn 1.) bat das Wort 
Sede, Sitte, mos, in feinen deriuatis niemable ein 4, 
fondern behält (dim e, fo wol bey uns, alsbey den Hollaͤn⸗ 

- dern. Modeftus und Modeftia heiflen ſedig, und Ses 
oígbeit; ſadigen aber und Sadigheit bedeuten (a- 

. tiare und ſatietas. Daß hingegen in den Wörtern, bie 
von fitten, federe, herfommen, ein & angetroffen werde, 
daran laffen die Nahmen der Saten, Holt⸗Saten 
(Holfteiner) MWoͤrde⸗Saten (Wurfter) niemand zweis 
5X feln. 2.) Wenn gleich die alten Angel-Sachfen in denen 
von fitten ((i&en) berftammenden Wörtern beftändig 

- eine, £t, oder de gebraucher, fo hat daruͤm doch nachhero 
in andern Mieder » Sächfifchen Mund: Arten ein € fid) 
feicht in ein d verändern Fönnen, mie folches aud) in an⸗ 
been Wörtern geſchehen, z. E. in barben von bart, hid⸗ 
dern von beet, fábigen vonfattzc. Sade-WMende, 
vulgo Sadelbende, ein Strich Landes im Lauenburgi⸗ 
fen, wo ehemahls Saten (Sachfen) und Wenden nes 

ben einander gewohnet. Behaͤlt alſo Sade, nad) der 

Wort⸗Forſchung, vielmehr ben Begriff des ſitzens und 

der Stufe, als der Sitten und Befcheidenheit; ob ich 
. ‚gleich nicht leugne, daß in der Sache felbft einige Ver 

wandtſchaft zwifchen fien und ſittſam fib mercken 
fàffet. Denn ein ſittſamer Menſch lieber mehr die Ruhe, 
als ein wilder und wüfter Kopff, der fihtorSade, oder 
zum ftille figen, nicht bequemen Fann. 
zage⸗Stede: Platz, worauf die Holghändler das Bau⸗ Holßz 
ſchneiden laſſen. | 
Sagel-Spöne: Säge-Späne - 
bl: bloß, bleich. He (übt fehl uch; be bett eene fable 
couleur : pallet. E 
zalm: für Pfalm. Salm⸗Book: Pfalter, | He weet 
keenen Salm to fingen; ec weiß Fein Sieh zu er 





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E] "a 
by 


224 - _IDIOTICONg 


4 





Salſeerken 


Salter: ein Stuͤck des Eingeweides im Rind⸗Vieh, welches 
gleichſam ber zweyte oder kleinere Magen iſt. Wei 


ſan 


Iſt eine Erweichung des Worts, nad) Art der Ytaliäner, 
bie auch (agen Salmi, an (tat Pſalmi. 

: Eleines Schüffelchen, zum Zugemäfe: fauciere, 
Salzir peiffet eigentlich ein Salg-Faß. Sed Salzirgen 
(tie Hr. Stielerim Sprach⸗Schatze faget) etiam expo. 
nitur acetarium, vafculum nignirum, in quo acerum 
vel embamma apponitur. 





dieſes Eingeweide vein zur machen eine ſchmutzige Ardei 
Aft, fo kommt daher bas Verbum faltern, welches bebe 
tet umveinlich Danbtbieren, He faltert damit: ex (ubdt 
bamit, Sich tofaltern: fi zufhmugen. M- 


Samnmmelraſch, (al. Sammelſur) allerhand zuſammen ge 


vofftes Zeug. 


gern: von ſengen: vftulare, wie hiddern von bitte [ 


bedentet bas Gefühle eines gefinben brennens oder fle 
chens in den fleifchichten Theilen, infonbetfeif der Hände 


‚ amd Züffe, wann diefelben entreeber febr ermuͤdet (inb, 


ober nad) einer Defftigen Erfältung mieder gue Wärnie 
Eommen. Alſo Deifft es: My fangest de Sóte:c, 
Daß aber diefes Wort vom fingen oder Elingen, a 
eantu vel tinnitu, herkommen (offe (mie ein geneigtee 
Beytrag angiebt) folches getraue id) mir nicht zu. behan⸗ 
pten, wenn gleich bas Englifche zingde zu Hülffe genome. 
tnentoitb, Denn biefes ift bag Holländifche tinteln, web. 
ches nicht allein bedeutet tinnire, fondern vornehmlich 

zitillare. Daher tintelingbe : Punctio leuis, pun&iun- 


. cula, zitillatio: Kißelung. 
Sapp, undSafft wird beides in unferer Mund · Art gebraw 


chet. Diefes aber gemeiniglich im eigentlichen und gutem 
Verſtande, da e8 fuccum bedeutet. Z. E. Alhorn⸗ 
Sefft: Zlieder -Muus 1c. alfo auch bas Adie&tiuum - 
ſafftig: eene fafftige Beere: ein fafftige Birn; ſaff⸗ 
tig Fleeſch: Fräfftiges Sleift 1c. Jenes hingegen orb 
mebrentheils nur analogice, umter der Misbedeutung 
s | bx 





HAMBVRGENSE. 225 


bes ſchmutzigen, ſchmierichten, £lebricbten unb fotpigten 

gebrauchet. 3. E. He tridt in de Puͤtten, dat eenem 

de Sapp uͤm de Ohren flüge: er tritt in die fügen, 

daß einem der Schlamm uͤm die Ohren ſpruͤtzet. Eenen 

ſlahn, dat em de Sapp uch Lieſe un Mund geit: 
einem Naſe und Maul blutig ſchlagen. 

ſappig: ſafftig, fuppig : ebenfalls vom unreinlichen. 3. €, 

Vyr is et fappig to gahn: dieſer Weg ift garſtig. 

De Beere is ſappig: die Birn iſt angefaulet und zer⸗ 


gangen. | 

(appen: den Safft von ſich laffen, fehmierig ſeyn. Affine 
N cít fypen. 

-Sauft: Brühe: ſauce. M.) 

Schaap: Sprw. fo dumm als een Achterveerdel vam 
Schaape, b. i. ein dummer Schöps. | 
Schalck: den Schale füllen: (id) fáttigen. M.) De 

Mund is een Schalck, beebet em man wat: alfo 
fpeict man zu einem, der feinen Appetie zu haben vor« 
giebt. | 
Kbalen, und verfchalen : ungeſchmackt, verwehet und fraffte 
loswerden; voie y. E. ein Bier, das lange in einer offenen 
Schale geftanben , oder zu viel Luft gehabt, unb daber 
berbünftet und matt geworden ift. 
Kong: nad) der Schale ſchmeckend, verwehet, entgeis 
. ett, 
chaͤlen, und verfchälen: ungleich) feyn: differre, Kommt, 
meines Erachtens, von den Schalen der Wage, Et 
febälet, warn eines gegen das andere abgeroogen wird, 
and bie Schalen ungleich zu (teen fommen, Gehet bie 
eine gegen die andere fehr in die Höhe, fo fcbálet et een. 
ootes; ftehen fie aber gleich, fo ſchaͤlet et nicks. 
it fagen aud) von dem, mas bey nahe geweſen ober ges 


(depen wäre: erfchälde nich veel: es fehlte nicht vief 





parum ; quin &c. 
Verſchaͤl: Unterſchied. Dat is een Verſchaͤl: 
magna eft differentia: wenn id) beides entweder 


auf 


| 
226 . .  IDIOTICON 


auf bie eigentliche, oder auf bie Vernunft⸗Wage kaͤme, ſo 
würde fein Gleich⸗ Gewicht feyn, Man braucht bafcbe 
ort aud) vom Zanck und Zwiſtigkeiten, als welche alle 
mahl unterfchiedene Meinungen voraus fegen. Alſo 
heiffet es von fireitenden Parteyen: ſe hebben mit een⸗ 
ander een Verſchaͤl. Die Holländer (agen Verfchil, 
oder Gefcbil, Doc) will ich, bey diefer meiner Muths 
maflung , der folgenden gelehrten Anmerckung 
Raum geben. 

^  (Ignofcat mihi Au&or pereximius, fi fenrentiac, 
quamuis ingeniofae, non adftipuler. Equidem miror, 
quod Belgicum illud Verfchil, ipfi allegatum, non re- 
&iorem ei viam etymi asfequendi oftenderit. . Nam 
vnde, quaeío , Verfchill, nil a fcbillen , h. c. differre, 
discrepare, diftare, cre en difference? Quod & Dani 
fic exprimunt: at ſtialle, (ille, gisre, Skilſni 
aut Sotof Eiál pas. Confirmant idem prifca Anglo 
Saxonica Ssyle: differentias fcylan : dillinguere, di- 
videre; Scylung : discrimen. G.) 

Man erlaube mic nur dieß eingige Dieben zu erinnern, 
bof (cib(tba& angegebene Stamm Wort chillen, (wofür 
die Holländer doch lieber fagen ſchelen) von fcbale nicht 
nothwendig zu entfernen fey. Auch im Angel⸗Saͤchſi⸗ 
ſchen iſt fcylan : diftinguere, diuidere, mit fceale, weag. — 
feeale : ftatera, bilanx, augenfcheinlich verwandt, wovon 
Hr. Wachter in Glosfario p. 1373 diefe Urſache bey 
bringet: Nam libra cum fuis lancibus eft arbiter rerum - 
ponderandarum, & fuum cuique tribuit, vndc etiam 
iuftitiae fymbolum eft. Refer ergo ad ſchelen diltin- 


ere , diuidere , feparare. 


ſchandenen: laͤſtern, ſchmaͤhen, Schande mit Worten an⸗ 
thun. | 





Schapen: Pfanne, Siegel: lebes, catinus." 
$üersSchapen: Glut-Pfanne, Kohl-Pfanne. Unter 
Schapen un Brapen, wieaud) Putt un Pann, ver» 
(teben wir allerhand Kuͤchen⸗Geſchirr. 
| In 





HAMBVRGENSE. 227 


In des gelehrten Bremiſchen Hn. Patft. 3Dogte Mo- 
numentis ineditis Rer. Germ, Vol. I. p. 284. überfegee 
bet Hr. Cafp. Frid. Renner, aus einem alten Verdiſchen 
Stadt⸗Rechte, allmo das Heergewette beſtimmet wird, 
Diefe Worte: Nferne Speth, un den Scapen oar» 
under: Cufpis cum bafla ; und ſetzet hinzu: SCAPEN, 
lignum telo adfıxum, bodie efferturSchaft, ut Büchs 
fen-Schaft, pars lignea bombardae. a et will p. 
286. diefes Scapen (Scyaft) von Scapen (Siegel) aus 
druͤcklich unterfchieden wiſſen. Allein, wer fiebet nicht, 
daß der unvechte Begriff des Nfernen Spethes daran 
ſchuld ijt, obey bem gelehrten Manne etwa der tato 
Spieß nicht eingefallen. Denn zu geſchweigen, daß das 
Sateinifche capudus mit dem Teutfchen Schapen nichts 
zu thun Dat, fo Dat niemahle ein Nieder » Sachfe den 
Schaft, oder dag manubrium , Schapen genenmet. 
Dahingegen ift e$ offenbar, daß in den angeführten 
Worten des Statuti, unter anderm Haus⸗Geraͤthe, 
nahmhaft gemacht werde ein eiferner Brat⸗Spieß, 
und die Pfanne Darunter: veru cum füppofito le- 
bete. So ftehet auch nut klaren Worten in denfelben 
Monumentis p. 495 , mo das Harwegh oder Heerge⸗ 
werte in der Stadt Wildeshanfen verzeichnet wird, ein 
Brat» Spieß mit der Pannen, 

Schapp: Schranck, Schrein: armarium. 

(Danice: EtSPab. Schap: promtuarium, arma- 
rium; vnde Schap-raede (9e. de quo vid. Franc, Iunii 
Olferu. in Willeramum. p. 219íq. G.) 

ſcharp: ſcharff. Sprw. von einem ftumpfen Meſſer: et is 
[4 ſcharp, tact een olo Wyf na Luͤbeck up ryden 
harven: fecben, gang dünne unb blättericht ſchneiden. Ge⸗ 
ſcharvet Fleeſch: dünne geſchabtes Fleiſch, wie man 
dag geraͤucherte auf ein Butter⸗Brodt zu legen pflegt. 
Schatt un Schulden: tribura, onera. M.) $tey van 
Schatt un Sthulden: immunis. 

»s ſcheef: 








| 
228 IDIOTICON 


cheef: ſchief, obliquus, curuus. Dar ging fcbeef: das, 

À uso nicht gelingen. Scheef ſchryven: ek 
fehreiben. Scheewe Deef: ein gemeines Scheltwort 
unter dem Pöbel. "Je ſcheever, je leever: heiſſet e$ : 
wann jemand eine verwachfene Perfon heirathet. 





Schell: Schale, Haut, Hülfe. Cortex, tegumentum ftu- 
&uum & leguminum. Arften fünder Schell: heiſſe 
bey ums eigene Art Grbfen, die mit ſammt der Hülfege 
geffen werden, weil fie zart und ſuͤß iſt. Hingegen Arf⸗ 
ten mit der Schell find alle übrige frifche und grüne 
Erbfen, weiche ausgefchälet werden muͤſſen, weil ihre 
Huͤlſe zafericht umb uneßbar iſt. Diefe nennet man aud) 
Pahl-Arften, weil (ie gepahlet, b. i, ausgeklaubet wer- 
den, Szene aber Stipp- Arften, weil man fie in ge 
ſchmoltzene “Butter tuncket. 

Schell⸗Bahlen: find bie groſſen Pack⸗Saͤcke, von Spa⸗ 
niſchen Matten, bie mit Citronen⸗ und Pomerantzen⸗ 
Schalen aus daſigen Laͤndern kommen. 

Schell⸗Dehlen heiſſen die Bretter, die von der Schale oder 
aͤuſſerſten Ruͤnde des Baumes geſchnitten werden, und 
folglich weder eine gerade Dicke noch Breite haben. 

Schell⸗Fiſch: ſoll nad) Kiliani Meinung alſo heiſſen, weil 
er ift Piſcis fcabra & ſquamata cute; fquamis denſe 
contectus obductusque, ac velut lorica munitus, 


febellen , affebellen: abſchaͤlen: decorticare. | 
ſcheren (a): 1. proprie: tondere, radere. Bart fcheren: 





. barbieren: Dook fcheren, Sammit ſche⸗ 
ren, Schape fberen 2. Scher⸗Meſt: 
nouacula: rafoir. 

2; metaphorice: fchieren, veriren, Fümmern: 
molefte afficere. Wat fchert my oat? 
Holl. Wat bruyt my dat: quid hoc ad me? 

- it. reciproce: fid worum feberen: fib üna 
etwas befümmern. — Wol ſchert fic wat 
darum? Wer fchiert (id) mas daruͤm? Daher 

A Schererey (al. Brüderey) Mühe, Be 
| | ſchwer⸗ 


HAMBVRGENSE. 229 


ſchwerlichkeit. Dar gift een Hupen Schere 
rey: dabey giebt es viele verdrivgliche Arbeit. 

3. Syn der Weberey heiffer (c:beren bas arn in ein: 
zelnen Fäden neben einander in bie $ánge auf bem 
Rahmen fpannen, durch melde der Eintrag mit 
der Spule ın bie Quere durchgefchoflenwird. Dat 
Scherelfe: ftamen. De”ynflag: fubtegmen. 
Imgleichen in der Nähe: Arbeit, mann Loͤcher aus« 

efüllee, ober gefloppet werden, muß man de 

tábe ſcheren, das il: hin und her ſpannen, 

ud, nad) Weber Art, ducchichiellen. Lynen 

ſcheren nennen unfere Wäfcherinnen bie Stricke 

fpannen, auf melche bie gebleichte und gefpühlte 
Wiuͤſche zum trocknen aufgebánget wird. 

4, fid fort machen, teg: ober hergeben, wann nehm⸗ 

lich folches mie Unwillen gemeitet oder befohlen 
wird. Schertweg: pader euch. He mag 
benfcheren: et fani fib nur abführen. Scher 
doch fort: fontm bod) geſchwinde. "Jy ſchul⸗ 
len herſcharen fyn: ihr follter euch Her gemache 

. haben, Ich leugne nicht, daß alle biefe Bedeutun⸗ 
gen des Wortes ſcheren ben Dber-Sachfen aud) 
nicht ungeröhnlich find. Doch machen fie einen 
Unterfchied unter ſcheren und ſchieren, wovon . 
witr hiefiges Orts nichts willen. 
wffeln : untreu arbeiten, nachlaffen, niche fein beftes thun. 
3.€., im Saft-teagen ſchyffelt derjenige, der die Schul- 
tern nicht rechtſchaffen unterſetzet, fondern esaufdie Mit A 
traͤger ankommen (affet, In Befellfchaften, wo getrun⸗ 
cken wird, heiſſet ein Schyfftler, wer nicht redlich Be⸗ 
ſcheid thut. In fat gleichem Verſtande ſagt man auch 
ſlippen laten. 
chilleraatſen: fuͤr Schildereyen, hoͤret man das gemeine 
Volck vielfaͤltig ſagen. 
chilling: eine kleine Muͤntze, die, der Sache nach, bey uns 


und auswaͤrtig bekannt gnug iſt, und keiner Erklaͤrung 








2 


o IDIOTICON 





bedarf. Woher fommt aber der Nahme ? Davon find 
viele Grillen zu Marckte gebracht, und babey bie folidi 
maiores mif unfern Schillingen öfters vermenget wor 
den. Wir wollen, unfern Idioten zu gefallen, nur bit 
vornehmſten herfeßen. 


1. Verclius führet ibn her von fcólem, ſchuldig feyn, weil 
ehemahls bie Geld-Steaffen damit beftimmet und 
benahmee worden. | 

2. Kilianus unb Iunius vomfchallen, a tinnitu, weil die 
folidi , alg klingende Münge, von den weichen brz- 
&teatis (id) unterfcheiden. 

4. Eccardus von folidur , woraus fcholigus und (cho- 
lingus foll geworden feyn. 

4. Skinnerus von Schild, weil die groffen folidi (cu- 
tati geweſen. 

5. Bircherodius vom Hebräifchen Schekel, Schkel, mit 
der Endung ing. 


6. Schilterus von Aligua, welches aud) eine Eleine unb 
leichte Art Geldes bedeutet. — 

7, Schützius von Bernhard Schilling, einem Bir 
ger in Thoren, der ao. 1335. mit Erlaubniß dis 
Preuffifchen Hoch. Meifters, Silber-Münge (etl ge 
(lagen unb fie nach feinem Rahmen genennet haben. 

Alle diefe Meinungen lauffen auf ungetoiffe Künfteleyen 

hinaus, mit deren Entfräfftung wir ung nicht aufhalten, 

fondern vielmehr den wahren und ungezweifeleen Urs 

(prung des Wortes Schilling beybringen. Diefer ift 

eus dem Verbo fchelen, fchillen, Engel⸗Saͤchſiſch fcy- 

lan, Daͤniſch [kille, Schwedifch Skilia, welches bebe 
tet theilen, fheiden: diuidere, diftinguere , feparare. 

Demnach Deiffet ein Schilling, Scbelling , Skiling 

nichts anders, als ein Theiler oder Scheider, b. i, eine 

Scheide⸗Muͤntze, wodurch bie gröbere getheilet, und 

Käuffer und Verfäuffer entfchieden werden. Daher 

nennen aud) die Dänen alle Fleine Geld-Sorten Skil- 

amynt, und bie Schweden Skilia-mynt, b. i. Scheide: 
| triünpe 


| 








HAMBVRGENSE. 231 


Münze, Es beftätigen diefe Ableitung Loccenius in 

, Antiquit Sueo-Goth.L.Il.c.18. Diecmannus in Spe- 

. cim. Rabani illuftr. p. 117. Wachterus in Glosfar. 

P. 1416. | | 

chincken un Schuldern. Iſt eine Redeng-Art, bie bey 

uns auf dreyerley Art gebraucher wird: 

1. von einer gangen Cpedf ; Cite, woran fo wol bie 
Schulter, als der dinde. 

2, von allerhand Tafel- Gerichten, worin eine übele 
Wahl gehalten worden. | 

3. von einem groben Menfchen, der Arme nnb Beine 
auf Tifchen und Bänden hinſtrecket. 

Ichinn: Haupt⸗Schuppen: furfures capitis, porrigo. M.) 

ippwarken: arbeiten, gefchäfftig fen, ein Werck der 

Haͤnde treiben, wie man beym Schiff⸗Bau thut. Dar 
is jümmet wat to ſchippwarken: da giebt es alles 
yit wag zu arbeiten. 

Wt: 1. glatt, eben. Ben ſchyr Brett: dasrein gehobelt; 
ſchyr Papye: glatt Papier; een ſchyren A eext: 
der glatt mg Maul ift. Der "Bauer faget eene 
unge Deern: ein Mädgen, das fein aus⸗ 
tebet. 

2, lauter, rein, ımvermifchee. Schyr Fleeſch, ohne 
Fett, Sehnen und Knochen; (cbyt Speck, woran 
nichts fleiſchichtes; ſchyren Honnig, rein vom 
Wachfe ; ſchyr Holt, worin Feine Hefte oder Knor⸗ 
ven x. 

3. Bar, helle. Schyr⸗Dook: eine Art lockeren und 
klaren Cammertuchs ; ſchyre Eyer, die Écim Kenn⸗ 
zeichen der Faͤulniß an fi) haben. 

ſchyren: ift bey ung ein Wort, das faſt nur in der Küche ge 

braucht wird, und bedeutet 1.) durchruͤhren und ebeu ma- 

. chen, z.E. Milch, Butter, Sauce, u. b. gl. 2.) Eyer 

ſchyren, heiſſet dieſelben gegen das Licht halten, uͤm zu 
ſehen, ob fie klar und friſch, ober truͤbe und anbruͤchig find. 
P 4 | (Et 





232 IDIOTICON | 


(Ethaec omnia quoque in Danicis, vbi ſtr enun- 
ciatur ac fcribirur, verbumque af fPäre, h. c. fà 
teinigen. — Anglo - Saxonica huc fpectantia: fcire, & 
ſcyre, purus, clarus 5 fcyrian, refecare, ſcindere; afcire, 
fegregatus. G.) Hiezu ſchicket fid) nicht übel bie Anmer⸗ 
fung des (af. Hn. von Stade übec basim Alt⸗Fraͤncki⸗ 
fehen ebenfalls befindliche Wort feioro, in Specim.led. 
Francic ex Otfrido, p. 6: „Scioro, ptaeclarus, fplendi- 
„dus: haec vox faepius in Otfrido occurrit: fcribitur& 
» f hioro, & coniungitur cum zioro. Skura Goth. po- 
»lire, mundare. Suec. fkyr, f bar, purus, clarus. Gl. 
„Lipfii, feieri, lucidum. | Suec. [kyra, fera , purifi- 
„care, declarare: Skierdagshalgd, Feftum putificatio- 
„nis; Skiarthorsdag, Dies viridium , Brüner Don 
„nerstag 1c," Palthenius in einem ‘Briefe an $n, von 

Stade (ap. Cel. a Seelen in Memor. Stadenianap.272.) 
hut hinzu: Ad Gothicum fkura pertinere puto no- 
ftrum ſcheuren, quo vocabulo rua in defricands 
fupelle&ile, & purgando pauimento frequentisfime 
vtuntur, Allein, obgleich das ſchuͤren oder ſcheuren 
eine Art beg rein⸗machens iſt, mithin ſchuͤren und (cbyt, 
als Mittel unb Endzweck in einer fächlichen SBerbinbung 
fteben, fo deucht mid) bod), daß bie wörtliche Bermandts 
ſchaft des Sorhifchen / kura mit bem Fraͤnckiſchen feioro, 
und des Nieder Säachfifchen ſchuͤren mit ſchyr, , nidt 
nothwendig folge. Denn von ſchyr kommt fdbyren, 
welches mit ſchuͤren gar nicht einerley iſt. Jenes bedeu⸗ 
tet glatt und eben machen; diefes Hingegen bedeutet reis 
ben, ober fhaben, unb ift mie ſchurren und ſchoͤren vers 
wandt, welche Wörter memanb von ſchyr herleiten wird, 
ſchyrſchoͤten Gic. ſchyrſchaven: ducchmuftern, durch⸗ 
hecheln, auf ieden was zu ſagen wiſſen. 
verſchyren: verderben, in Ungedeyen bringen: fascine 
corrumpere: welches der gemeine Glanbe, inſonderheit 
unter ben Einfältigen, für eine Art der Bezauberung 


hält, bie durch anfehen, reden oder anrühren geſchehen 
' koͤnne. 








5 HAMBVRGENSE. 233 


koͤnne. Alfo, wann ein Kind fein Gebepen Dat, umb man 
bie Urfache nicht weiß, pfleget e& bald zu Deiffen: Dat 
Rind i5 verfchyret. Gemeiniglich ift hiebey ein Abers 
glaube zu gefchwind gefchäfftig: ob gleich niemand in Ab» 
rede feyn, noch der häuffigen Erfahrung wiederfprechen 
wird, daß an Wöchnerinnen, Kindern, jungem Viehe, 
Biere, Milch, Sleifche,und unzehlig andern Dingen,niche 
‚allein bud) heimliche Tuͤcke und gottlofen Gebrauch na» 
türlicher Mittel, fondern auch durch bie bloffe Gegenwart 
unb Ausdünftung unreiner Cörper (welches wir bófe 
Augen nennen) ein ımleugbarer Schade gewircket wer⸗ 
den Fönne. . Daher pflegen auch die Brauer, mann fie 
Bier fertigen, einen ner Daum in ihre Thür zu ftellen, 
bamit niemand, bet fid) uncein weiß, ins Haus hinein 
fauffe, und das ganfe Brau verderbe. Eben fo wenig 
laͤſſet man miffentfid) folche Perfonen in Wochen-Stuben 
kommen, bie einer böfen Kranckheit verdächtig find. . 
chyten» Hoͤrer: ein kleiner unanfehnlicher und untaugli⸗ 
chyvs Offen: fiche Offen. 
chockregen: ein hangender Knebel, oder auch ein gedoppelter 
Strick, worauf man (i) Hin umb her ſchwingen oder ſchau⸗ 
deln läffet. Solches nennen wir im Schockregen 
fahren, die Franzoſen: le jeu d'efcarpolette. Diet. 
von Stade hat über das Wort Schukkeltrad/ 2 Mac- 
cab. XIIL 5. unter andern diefe Anmerkung: Schuk⸗ 
Pel, petaurüs, ift ein Stock, am Seile feft gemachet, bate 
auf fid) einer fe&en unb feicbt bewegen kann. Auf der 
Schukkel figen, ift, nicht feften Sig haben. Könımt 
er vom Goth, [keika, [kokla, wackeln, nicht feft (te: 
den. mit gefperreten Beinen Din und herfahren. Und 
daher haben die Sefte, fo nicht beftändig auf einen Tag 
einfallen, ben Nahmen, daß fie Schukfel- €effe genen- 
net werden. Schukkeln, ift von einer Seite zur ans 
dern gefchürtele werden. | 
choknecht: Ein Suche, Bon diefen ift bey ung ein 
5 . 


Sprich⸗ 





f 


236 1DIOTICON 


- geholet wird. De Schoot anbalen ; das 
Segel feiffer anziehen. | 
3. Der weite Untertheil an Mannes» Röcden wb 
Waͤmſern, unter den Hüfften, welcher gemeinig: 
lid) an den Seiten des Ober » Kleides in fteiffe 
| Falten gelegt wird, | 

Voͤrſchoot: Vorſchuͤrtze. 

Schoot⸗Fell: Schurtz⸗Fell. | 

&cbopen: groffe Selte, Schöpff- Kelle bee Bier- Brauer. 
Nach Hn. March. Sluͤters Befchreibung, im Trad. 
von ben Erben in amb. p. 322. ift8 „ein Fleiner 
„Eupfferner Reffel, mit einem langen Stiele verfehen, 
„worin ohngefähr vier Stübichen gehen. Mit felbigem 
„Keflel wird von den Knechten und Schopen-‘Brauern 
„das Waffer in die Pfanne 1c, geſchoͤpffet, weswegen 
„ee Schopen genennet wird.“ Weil demnach bet 
Schopen ein gewiſſes Man hält, fo mágte ich das 
Englifche fcoop, unb das Franzöfifche chopine, ob gleich 
folches ein viel Eleineres Maaß von Getraͤncken bedeutet, 
mit unferm Schopen, lieber vom ſchoͤppen herleiten, 
als von Cupa ; nod) weniger aber mógte id) mit einigen 
Gelehrten einen Sprung ins Griechiſche thun, und aus 
xiw und zivw bie chopine zufammen fegen. Conf.Me- 

. nag. in Orig. Gall. 

Schoͤpen⸗Brauer: haben von ben Schopen ihren Nah⸗ 
men, und ſind Brauer⸗Knechte, die nicht mehr bey einem 
Wirthe dienen, ſondern in ihrem eigenen Brodte ſitzen, 
den Brauern aber, fuͤr gewiſſen Lohn, bey iedem Brau zu 
Huͤlffe gehen. Wodurch der Brauer die Koſten erſparen 
kann, mehr Knechte beſtaͤndig in Koſt und Lohn zu halten. 
Siehe Sluͤter 1. c. 

Schopenſtehl, oder, wie es richtiger ausgeſprochen wuͤrde, 
SchopensStegel, ift der Nahme einer Gaſſe in Ham⸗ 
burg, die vom Fiſch⸗Marckte bis an ben Katrepel 
reicher. Eigentlich gehöret diefer Stapme dem feinen 
Stegeloder Gaͤßchen, das vom Dohms⸗Kirch⸗Hofe faſt 

e mitten 





HAMBVRGENSE. 237 





mitten in die befagte Gaſſe ftuffenmeife hinabgehet, an 
welcheng etia vor Alters Schopen⸗Brauer, oder aud) 
Schopenmacher mögen gewohnet haben. Durch langen 
Gebrauch aber it der Nahme der Saffen eigen, und der 
Stegel davon unterfchieden worden. Denn fo lautet es 
fon in Statuto Capituli de A. 1466. von der Curia, fo 
ehemahls Suroria genannt worden: „cui in vna parte 
, Curia Doctoralis (iego beg Hn. Phyfiei)& ab alia parte 
„parua ſtrata cundi de Cimiterio verfus plateam di- 
"Gam Scbopeflele confiniunt.* Inzwiſchen hat bie 
Berwandelung des flege] in fleh] , einige zu bet Muth⸗ 
maflung verleitet, bie ich oon bem ſaͤl. Hn. D. Rud. Ca- 
pello aufgezeichnet gefunden, „Schopenftehl habe ben 
„Nahmen vom Schöppen» Stuhl, fo an dem Orte, 
„nahe bey dem alten Rarh » Haufe dafelbft, geftanden: 
„Denn es wären damahls Schoͤppen oder Beyſitzer bes 
Raths geweſen.“ Allein, die ungewöhnliche Beränder 
rung des Stohl in Stehl, die Ungewißheit der Lage bes 
alferälteften Rath⸗Hauſes, (ammt den Wohnungen bet 
Schöppen, und endlich die befannte Vielheie der Brau⸗ 
Erben in ſelbiger Gegend, werden den zuerft angeführten 
Urfprung des Nahmens, oon dem leßteren mol ſchwer⸗ 
lid) verbringen laffen. | EP 
en: afſchoren: feheiden, abfondern, abfleiden, durch 
Wände, oder Getaͤffel: doͤrſchoren: theilen durch eine 
Scheidung. i 

Schorels: Afſchorels: das durchgezogene Getaͤffel. 

Schorten: Boͤrte, Faͤcher, Schichte, zu Waaren, Buͤ⸗ 
chern u. b. gl. wodurch eines von bem andern in Schräme 

cken oder an Wänden abgeſondert wird. - 

Schör-WDand (vulgo Scher⸗Wand): Scheider 

and, 

Schorſteen: Feuer⸗Mauer, Raudy Fang. Ich bringe 
diefes in unferee Sprache unter das Stannn⸗Wort 
fchoren, weil eine Feuer-Stäte nothwendig von Steis 
nen, unb von bem Haus⸗Gebaͤude, infonderbet b 

olße, 


258 -.  IDIOTICON 


KHolge, der Gefahr halber. geſchoret aber abgefonbert 
(eon muß. Bey den Holländern heiffet feboores fo vid 
als ftügen, unterbauen, und wäre alfo ipe Schoorfleen 
eigentlid) das unterfte Gemauer üm die Feuer⸗Staͤte, 
welches dein gangen Rauch Gange, ben es tragen muß, 
feinen Nahmenmittheilet. Beide Etymologien feheinen 
mir, iedein ihrer Sprache, fo klar und leicht, bag ich dem 
Hn. Wachtero fein fcbor, altus; und dem Hn. Palthe- 
nio fein ſchorten, conftringere; nod) vielmehr aber 
Golio und Boxhornio ihr unteutfches [Rior, ignis, gern 

-.  etbeim gebe. 

hören (oy) reiben, verlegen, abftoffen: deterere, perftrin- 

f erc. De Scheene ſchoͤren: das Schien-Bein ſtreif⸗ 
en. De uut is man eben ſchoͤret: fuprema tan- 
tum cutis leuiter perftricta eft. 

Schörte (oy) Scharte: abgeftoffenes oder ausgebrochenes 
Stuͤcklein von der Schneide. 

Schoͤrft (Subftant)) Schurf, Grind, 9taube, He fitt vull 
£uusun Schoͤrft: totus ſcabie & pediculis obſitus 
eft. (Adie&.) een ſchoͤrfden Kopp: ein grindiger 
Kopff; een ſchoͤrfden Deef: ein ſchaͤbichter Dieb. 

ſchoͤrten (oe): ſchuͤrtzen, knuͤpffen, binden. | 

toſchoͤrten: zuſchuͤrtzen, zubinden. Wie umterfcheiben 
toſchoͤrten unb toknuͤtten. Jenes heiſſet eine Schleuffe 
ſchlagen, die man wieder aufziehen kann; dieſes aber ei⸗ 
nen Knoten machen, der ſo leicht nicht wieder zu oͤffnen iſt. 
Daher wann es im ſchuͤrtzen verſehen wird, ſo klagt man: 





et is in Knuͤtten gahn. 
Schoͤrte: 1. Schuͤrtze, Schleuffe, Knote. 
a. Weiblicher Rod, der um ben halben Leib qe» 
febürger wird, und bis auf die Füfle hinab 
. geben Mas aber in Ober-Sachfen eine 
‚Schürge heiſſet, wird nur vor den Leib gebun- 
den, und bey ung Plate oder Voͤrſchoot ge⸗ 
nenne, Regen⸗Schoͤrten find in Sam 
urg 


HAMBVRGENSE. 239 


burg bie margen Ober⸗Roͤcke, bie, nad) 

Standes Unterfd)ieb, von Raſch, Serge, Bo⸗ 

tatt, unb dicken Taffet, mit dergleichen Regen⸗ 

Tüchern, über die andern Kleider des Ober⸗ 

und Unter-teibes angeleget werden, ^ :Diefe 

Tracht i(t nicht für Kinder. Deswegen Deiffet 

es von einem Mädgen, mann man (agen will, 

daß (ie ſchon 15 oder 16 Jahre alt geworden: 

fe geit allmit Schoͤrt un Regen⸗Kleed. 

(Danisad hoc veftimenti mulicbris genusnonaliud ° 

eft vocabulum, quam et SEisrt. Annon & huc perti- 

. met Anglo-Saxonicum Scyrd, indutus? G.) 

upſchoͤrten: die Kleider etwas in bie Höhe binden, damit 

fie nicht um bie Füffe bangen, und in tiefen Wegen, oder 

bey naffer Arbeit, einen ſchmutzigen Saum Ériegen, und 

die Fuͤſſe behindern mögen. Dieſes lieffen fid) rechtſchaf⸗ 

fene und atbeitfame Mägbe vor diefem tool anfteben. 

Jetzo aber ift es ziemlich aus ber Mode gekommen, nach⸗ 

dem fie (id) auf Reiffen⸗Roͤcke etwas einzubilden ange: 

fangen, 

Upſchoͤrtels: Schürg-Band, womit, befagter maffen, 

bie Röcke uͤm die Hüfften in einen Wulſt gebunden 
werden. 


Schoͤt (m): Schuß. 
Boſt⸗choͤt: Ein Zufall in den Brüften der Säugerin- 
nen, wovon (id) in benfelben harte Knoten legen. 
Toſchoͤt: Zufluß bec Milch, welche ben Säugenden gu 
ſchieſſet. Dat Rind Bann den Cofcbót nicb verny⸗ 
| len: das Kind kann nicht fo vielwegfangen,als zuſchieſſet. 
Schott: 1. Schoß: tributum. 
. 2, Schub: Thüre vor dem Rauch⸗Loche am Ofen 
oder Camin. 
3. Ausſchuß. Schott⸗Oſſen find diejenigen 
Ochſen, bie von den Käuffern ausgefchoflen und 
unverfaufft geblieben find. Sonft hc » 
| tbe 





240 IDIOTICON 


Uthſchott, unb mann es von einem Menfchen 
beiffet: dat is een Uthſchott, fo vecftebet fid, 
daß es ein Ausbund vom Schelme fep, der unter 
ehrliche Leute nicht gehöre. 

Schoͤttel: Schuͤſſel. | 
Deck ⸗Schoͤttel: groffe hölgerne angemahlte Schuͤ 
worin die von der Tafel gehobene Teller pflegten geſam⸗ 

melt, umb in die Küche getragen zu werden; fonft aud) 
genannt Deck’ Satt, 

Ruum⸗Schoͤttel: Plauderer, der ins Gelag hinein 
ſchwatzet, und gleichfam geraume Schüffeln mit un 
bedachten Reden auftifcher. 

Gicbóve (or): Schub. Sag, Ruf. Bon (buen, fihieben: 

fo viel man nebmlid) in einem Sag ober tof fortfchiebet. 
By Schöven, it. Schöves-wyfe: Satz⸗weiſe, nicht 
beftändig fort; per vices, non continenter. De Pyn 
kummt man Schdveswyfe; die Schmergen fegen 
nur bisweilen an, 

ſchrad: ſchraͤg: obliquus, decliuis. Schrad fetten: ſchief 

fegen. Schrad benbabl: ſchraͤg hinab. Schrad 
neffen wer: fchräg gegen über. 

afſchraden: ſchraͤg abfchneiden, einen ſchraͤgen Streiff ab⸗ 
lauffen laſſen. 

Schrad⸗Speck nennen unſere Leute bie Seiten von mit 
telmaͤſſigen Schweinen, wovon die Rippen nicht abgeloͤ⸗ 
ſet, ſondern mit zerſtuͤcket, und gelinde geraͤuchert werden. 

Schragen: 1. das Geſtelle, oder der Saͤge⸗Bock, worauſ 

das Brenn⸗Holtz geſchnitten wird. 

2, das Verzeichniß oder Reglement der Ver⸗ 
richtungen und der Einnahme eines ieden 
Stadt⸗Dienſtes, der bey der Cammer ver⸗ 
kaufft, und zu gemeiner Nachricht an einer 
Tafel oͤffentlich angehaͤnget wird: welche Ta⸗ 
fel, vielleicht ihrer Beraͤhmung halber, ein 
Schragen heiſſet. 





Schrange: 


_ HAMBVRGENSE. 241. 


Bchrante: bec befchrändte Ort, wo ber Fleiſch⸗ Marckt gehal⸗ 
ten wid, forum lanionum, oder, wie fie in unfern alten 
Stadt⸗Buͤchern heiſſen, carnificum. Die Braunfchweis 

. ge fagen der Scharren. Schranne locus ſeptus in. 
. foro. Prafch. Glosfar, Bauar. - U 
chrapen: ſchaben, fragen, ſcharren. Verachtungsweiſe fage 
. man voneinem, der was thun will, wozu ec nicht tauget, 
— Roͤve fhrapen: b.i.ec mag hingehen und was⸗ 
chlechteres unternehmen. Schrapst Tefeben ſpeelen: 
die Naſe verletzen, ein bißchen Haut davon ſtoſſen. 
Schraper: Schabe: ſcalptrum. Irem ſcalptor. ‚Daher 
heiſſen die elenden Fiedeler Schrapers, weil ſie auf der 
Geige mehr ſcharren als ſpielen. mE 
afſchrapen: abradere; utbfcbrapen: den putt ut 
ſchrapen: den Topff le rein —8 to bone 
. febtapen: zufammen foharren. | 
Naſchrapels: legtes Ueberbleibfel, das man zufanimen 
ſchabet. Im Scherge pflege man bas legte Kind einer 
Ehe dar Krafchrapels zunemen — 
(ſchrapp ffabn : fid vorzüglich fehen oder hoͤren laſſen. M.) 
ſchrauen: unangenehm ſchreyen. De Sleute ſchrauet: bie 
Frloͤte hat einen verdrießlichen Thon. AS 
ſchrauwauen: ſchreyen, zancken, daß einem die Ohren 
en. | . 
ſchreem: fiche ſchrad, welches einerley. . 
chrynen: fehmergen, wehe Chun, infonderheit an der Kant 
f | C wann man ſich geritzet, — oder ſonſt iffe 
lich verleger hat. Et ſchrynet: acute dolet. 
chryven: ſchreiben. Schreven Schrift: iſt ein bey uns 
K gewöhnlicher Pleonasmus. 45e —* keene ſchreven 
Schrift leſen: er kann nichts geſchriebenes leſen. 
Schreve (5): Strich: linea pro termino deſcripta. Dev 
gern Schreve gahn: über die Schnur gehen: mo- 
dum excedere. Dat is oͤvern Schreve; das iff mas 
auſſerordentliches. JEEP MEE 
vn | Q Schroͤ⸗ 





242 IDIOTICON - u 


Schröfel (3): Sumpenhund, Krüppel, elender Kerl, . - 
ſchroͤkelhaftig: früppelhaft, von erbärmlicher Figur, 
ten: zermafn:en, brechen, zergraufen, doch nicht völligm 
Mehloder Staub, Alfo werden Bohnen, Erbfen, Oe 
ften unb andere Dinge gefcbrotet, oder zuSchrot, bi 
su Fleinen Stücken gemadyt. 27 
Schrötel: Stuͤckgen: fragmentum. It. abgefchmistens 
Süppchen: praefegmen panni aut lintei. | 
Kbrübben : hart fiheuren mit Waffer und einem .fleiffen 
£5e(em, So ſchrubbet man die gemeinen Eſtriche. 
Mögten nur, nad) alter Thorheit, in Hamburg nicht aud) 
die Gaffen degget gefchrubbet, unb die Steine hohl ge 
fpület werden. 
aſſchrubben, uthſchrubben c. S. €. Fäffer, Kübel, 
Waͤnde, tt, b. gl. 
Schrubbert: abgenugter Kehr⸗Beſem mit ftuntpfen unb 
^. ftáffen Reifern. Maroc. ein unnuͤtzer Menſch da 
niemand gutes von Dat, 
AeidsSchrubbert, ic. Heid⸗Bohnert: Fleiner gu 
finmpfter HandBeſem von Seide, ohne Stil. 
Schrullen: tofle Einfälle: raptus, furores. Schrullen Erw 
en: furore quodam corripi, He bett fyne bulle 
Gxcbrullen : er hat feinen närrifchen Unfiun: il a des 
vapeurs: he is troubled with the Spleen, - 
Cdxumpe: Rınsl. 
| minii nen (Danice [Prumpen. G.) 
ſchrumpeln, infchrumpeln, to bope fc:brumpeln; 
tunélid)t werden, zufammen Frünmfen: —— 
verſchrumpelt: verruntzelt, eingekruͤmpfet. | 
ſchrutern: ſchaudern, granſen. 
Schruve: Schraube: cochlea. (Dan. En Skrue; vnde 
verbum, at ſkrue til, ſttue i. G.) 
Hiernaͤchſt aber heiſſet necdochice Schruve aud) 
ein vormahls gebraͤuchliches glaͤſernes in Silher einge⸗ 
ell M faſſetes 








HAMBVRGENSE., 243 


faffetes Trinck⸗Geſchirr, welches auf einen fauber gearbeis 
teten filbernen, auch rol verguͤldeten Fuß feft gefchroben 
ward. Denn da man vor Zeiten bie Eoftbar gefchnittene 
Glaͤſer noch nicht hatte, fo machten unfere Borfahren ih⸗ 
ren Staat mit den fehönen Ginfaffungen der Pocale, 
fu -— Daher in bem alten, bey dem Worte Schapen, anges - 
Ä führten Statuto Verdenfi verordnet ‚wird, baf ein Bater 
' (einem Sohne, bey bem Syergemette, aud) mit geben folle 
ſyn befte fülverne Glas. 
Schruv⸗Snoor: eine fete Schnur zum einfaffen der 
Roͤcke. M.) 


Schruv⸗Sticken: ein gefchrobenes Reiß- Bley. 
Kbubben: reiben, ſchuͤren. Sich ſchubben: (id) an etwas 
reiben, oder ftd) in ben. Kleidern ſchuͤren. 
Schubbejach: $umpenhund, der fi, voie ein laufigter 
Bettler, in der Jacke fc:bubbet, . 
Foie : fhärteln. Den Umhang ſchuͤdden. f. Um 
| and. 


ſchuͤffeln: ſchauffeln. Metaph. unartig gehen, mit ſcharrenden 

Fuͤſſen, alsob man ben Sand und Staub fortſchauffelte. 

Echuͤffel⸗Foot: ein ungeſchliffener Menſch, bet einen 
ungeſchickten Gang hat. M.) 

(Schuld. Sprw. De ſyne Schulden betalet, betert ſyn 
Good : nehmlich er gewinnet bie Zinſen. M.) 

ſchulen: lauren, lauſchen, (if aus Furcht oder. aus Liſt 

verborgen halten. He geit un ſchulet: er gehet den 

Leuten aus den Augen, und will ſich nicht recht ſehen laſſen. 

He ſchulet as een Struuk⸗Roͤver: er lauret im ver⸗ 
borgenen, wie ein Strauch⸗Dieb. | 

Schulen Ioopen : peiffet eigentlich nicht die Schule vers 

Lauffen, fondern aus böfem Gewiſſen loopen un ſchu⸗ 

[en, b. i. bet $eute Augen meiden, und Schlupf Winkel 

uchen; mie denn, gleich andern Lebelrhätern, bie Kna⸗ 

thun, mann fie, neben der Schule hin, auf verbotene 

Abwege geben. Br. faire l'école buisfonniere. Lat, 

poft carecta latere, Qa Schul⸗ 





244 IDIOTICON | 





Schul Sucbs: diefes Wort, weil e$, bem Scheine nad, 
gang Hoch⸗Teutſch i(t, wiirde mancher in einem Nieder 
Saͤchſiſchen Idiotico nicht fuchen. Wahn ich aber unfe | 
iegt erflärtes ſchulen anfehe, und ber gemeinen Redens⸗ 
Art nachdende: be ſchulet als een Voß, fo finde ih 
gar nicht, warum der Schul. Fuchs feines Stabmes 
Urfprung nothwendig von der Schule, oder gar: 
dem Fuchs» Pelße eines geroiffen ehemahligen Schul⸗ 
Mannes Derbolen, und nicht vielmehr eenen febulens 
den, b. i. in feinem Loche laurenden Fuchs bedeuten follte, 
Es ift ja freilich nid)t nur in der Schule, fondern in allen 
Ständen, ein Pedante von folcher Art, daß er aus feinem 
Winckel argmöhnifch auf alle $eute lautet, ob and) ie 
mand feinen eingebildeten Borzügen zu nahe Fommen, - 
oder feinem Solipfismo einzugreiffen fid) erfühnen wolle, 
Zwar iſt es, wieder alle Erfahrung, nicht zu leugnen, fore 
dern vielmehr zu beflagen, daß der fonft würdige Schub | 
Stand vor andern mie Menfchen von folcher unfreundli⸗ 
dye Gattung verunzieret ift, wovon bie Urſachen leicht 
begreifflich find. Wer aber zweifelt inzwiſchen, bag nicht 
alle übrige Ampte« unb ebens- Arten ihre SDebanten ha 
ben follten, bie in bet Sgugenb nicht aug bem Loche gekom⸗ 
men, folglich nicht zu leben willen, und dennoch be» ihrer 
aítoáteriffen und abgeſchmackten Aufführung voller Gi» 
gen» $iebe umb Hochmuth ftecfen, fo daß fie alles, was 
nicht in die engen Schrancken ihrer eigenen Wiffenfchaft 
gehöget, verachten; baben aber gemeiniglich (cbulenbe 
unb ſcheue Fuͤchſe find, die,auffer ihrer Höfe,in der groffen 

: Melt zittern und beben. Solchergeftalt gäbe es denn 
vulpeculas, nicht nur fcholafticas, fondern auch ciuiles, 
militares, aulicas &c. Ja wenn dag wefentlichfte Stüd 
der Pedanterey in einem groß-thun mit fchlechten fei 
nigfeiten beftehet, fo haben die anmaßlichen ſtaͤrckſten 
Anti-Pedanten, die fo genannten Pecits-Maitres, die fid) 
mit ihren veränderlichen Tändeleyen vorzüglich machen 

. "wollen, bloß diefes voraus, daß man fie, obne Wieder 

ſpruch, nennen kann galante Saul Sue 

| e 





. HAMBVRAGENSE. 245 


Mer mehr von bem Worte (cbulen, unb deffen Ber» 
"wandefchaft mit Schale und Schild, miffen mwill, der 
kann das Wachterifche Glos(arium nachfchlagen. Dem 
guten Hrn. Stieler aber muß ichs auf bie groffe Rech⸗ 
nung feiner zu weit gehenden Einfälle fchreiben, mann er 
P. 721. die Schule felbft Feinesmeges von fchola ober 
g 029, fondernvom ſchulen herleiten will, quia fcilicet 
Schola eft locus fecretus & abditus, in quoingeniamo- 
resque puerorum ferio formari ac emendari folent. 
ſchulfern: ſchlottern, wüft und unbebadytfam zu Wercke ges 
ben; fortfehulfern: fortfaufen; becutb fchulfern: 
ohne ucken vom Maule geben, 

Schülpe: Schale: concha. Muffe-Schülpe: Mufchel- 
Schale. Holl. Schelpe. | 

ſchuͤlpen: verſchuͤtten, vergieffen, wie bred) bemegen oder 
anftoflen eines vollen Gefaͤſſes geſchiehet, bap etas übers 
fáufft oder verſpruͤtzet. 

ſchulſch: plump, grob, ungeſchickt. Schulfche Bütte: 
grobe Dirne. Een fchulfch Ding: ein Ding, das zu 
groß, oder aud) nicht zierlich iſt. Schulfch fett: über- 
májfig fett. | 

ſchuͤmen: afſchuͤmen: ſchaͤnmen, abfchäumen, 

(Sprw. Iy moͤgt Buͤtte ſchuͤmen: ihr moͤget wieder her 
hoͤren. Wird Verachtungs⸗weiſe zu einem geſaget, den 
man nicht fuͤr voll anſiehet, daß er zur Verrichtung 
tauge. M.) 

Schuͤm⸗Kelle: Metaph. Plauder⸗Maul; inſonderheit 
der von andern Leuten iederzeit das aͤrgſte ſchwatzet, ſo 
wie die Schaͤum⸗Kelle nur das unreine vom kochenden 
abnimmt. | 

een Aflcbümels : ein erhliederlicher Boͤſewicht, ein 
Schaum von Menfchen. 

(cbummern : demmericht: creperum. Er ward all ſchum⸗ 
mern: es wird ſchon dunckel. Im ſchummern: in 
der Demmerung. 

Q3 ſchuͤn⸗ 





246 - IDIOFICON | 


ſchuͤnnen: reißen, antreiben, doch nicht in guter Meinung, fon 
dern argliflig oder aus Spott. 

enfcbünnen : antathen, etwas zu (oun, das nicht recht iſt. 
Wol bett dy bat anſchuͤnnet ? Wer hat dir dasam 
gegeben? — 

benfcbünnen : bewegen, wohin zu gehen, Ick late m 

nich allerwegen benfcbünnen: Syd) laffe mid) vidt 
allerwegen hinnarren, 

toſchuͤnnen: anreigen, zufchüren, infonderheit zum zan⸗ 

- en, fihelten ober fpotten. He belpt gern mit to⸗ 
- * fbünnen: er ſchuͤret gern mit zu. 

Schünneb Rind: einginfältigee Menfch, der fich, wie ein 
Ton zu allem beteben, und fid) aller Orten hinſchicken 
läfler. 

(Danice at ſkynde, ſkynde paa, til ( Pynbe, idem. 
Nempe Anglo-Sax. feyanan, ſuggerere; Scynde & 
Scynne rfe, (ug eftio. Sed & fcunden, fuadendi fenía 
& alliciendi habemus in Willeramo & Notkero, vid. 

| Schilter. Glosfar, p.726. b. G.) 

Schur: Obdach, Wetter⸗Dach, worunter man im trocknen 
iſt, es ſey, daß ſolches beſonders aufgeſtellet, oder einem 
Hauſe angefuͤget worden, wie in Hamburg dergleichen 
Schuren über bie vor den Haͤuſern hinausgerückte 

Krahm⸗Laͤden ſehr haͤuffig bie Gaſſen enge ma 

to Schure gahn: unter Dach gehen. 

oͤverſchuren: ein Obdach uͤber etwas herziehen. 

Wagen⸗Schur: Gebäude, worunter than bie Wagen 

und das Geſchirr trocken ſtellet. 
Vermuthlich iſt die Scheuer, horreum, ein mit Schur 
oder Schaur verwandtes Wort, wofuͤr wir aber im 
Nieder · Saͤchſiſchen fagen de Schuͤne, und nicht de 
Schuͤre. 
(Eadem in noftra habentur lingua: et Skuur, 
Voge⸗Skuur. — Verbum eo pertinens ſchauren, & 
compof, befchauren, quod fit Schug und Schirm geben, 


offen- 











HAMBVRGENSE. 24, 


offendimus in Excerptis ex Hundii Glosfario Leibni- 
tianis p.228. Ipíc Leibnitius in Excerptir Meier. p. 
273. vult effe locum fejun&um, a fcheren, diuidere, 
fcparare. Vix recte. G.) 

Hur: ein von dem vorigen unterfchiebenes Wort, bedeutet 
einen Uebergang, oder einen Ausbruch von nicht langer 
Dauer eines überhingehenden Wetters. 3. €. Een 
Regen SchurhagelSchur, Donner-Schur:c. 
Wir nennen e$ fonft aud) eene Flagge, und die Holländer 
een Buy, infonderheit, wern Wind dabey iſt. Metapho- 
rice wird e$ auch von andern Dingen gefagt, 3. G. fe bett 

daruͤm all een deget Schur weenet ; fie hat deswe⸗ 

gen fihon ein ziemlich Sägchen geweine. He Eann 

i. JM Schur flapen: er fans eine gute Weile 
offen. 


Upſchuͤrung: Nachlaß, Aufhoͤrung, Unterbrechung: re- 
misfio, cesfatio per interuallum. Alſo fagt man von 
einem, bec in fteter Hige oder immertwehrenden Schmer: 
Gen liege: He bett Peene Upſchuͤrung, oder, dat 
Schur geit nich Sver. 

(Coriiecturac de duabus his vocibus Schur ad aſſi- 
nitatem reducendis, nullus hic locus, quemadmodum 
nec Meieri & Leibnitii illis, Excerpt. Mcier. p. 365. & 
p.273. Deque vocum adeo antiquarum etymis raro 
probabiles fententiae aut coniecturaeafferuntur. Suf- 
ficit, nobis conftare, quod priícis Anglo - Saxonibus 
Scur vocatus fit nimbus ; Ren-Scur, idem 3 Scurboga, 
iris, arcus coeleftis; & in Euang. Goth. Skura Vindis. 
procella magna venti. Marc. IV. 37. G.) 

ſchuͤren: ſcheuren, reiben. Sich woran ſchuͤren: fid a 
etwas reiben, — Cyn unfern Haushaltungen aber Deiff 
ſchuͤren eigenelich ein naffes bürften ober reinigen, 3. € 
de Finſter ftbüren, de Deble fehüren sc. Fort u 
ſchuͤren, b. i. ohne viel Waffer anzugieflen. Schi 

* Weiber, bie zum ſcheuren gebraucht werder 


SchürPahl: ein Pfahl, den man in die Weide feget, 
4 n 





348 IDIOTICON | 





. 
. 


, mi das Vieh (id) daran reiben, und der Fliegen erre 
une —— 


* "Metaphorice heiffet ſchuͤren fihelten, ausfilgen: verbis- 


obiurgare. fÉenen to Degen ſchuͤren: einen tuͤchti 


- ausmachen. 


| ſchuͤren gahn : durchgehen,entlauffen. He geitfchüren: 


et entwiſchet, macht fid) aus bem Staube. Iſt daffelbe, 
was Enypen gahn, und fleuten gabn. 


fdburren: mit den Fuͤſſen fcharren. Fortſchurren: ante 


ſchu 
f 


Erde fortrutſchen. Anderweitig bedeutet ſchurren bof 

gliefchen auf bem Eife, womit fich bie Jugend befuftigrt. 
, für (cbullff. 2, fing. Imperf. von íc (call, (if 
n, 


Schüte: eine Art kleiner Fahrzeuge mit hol⸗ runden Boden, 


deren man fid) zu Luſt⸗Fahrten und Fleinen Reifen bedio 


ET 





- met, weil fie nicht nur mie Rudern verfehen find, fondern 


aud) befegelt und bedeckt gemacht werden fönnen. Der 
gleichen groffe und Eleine aufunferer Alfter befanntgnug 
find. Inden Hamb. Berichten 1743. p.389. meinet 
ein gelehrter Mann, das Wort fomme ofne Zweifel von 
Schütt, tegmen, operculum, weil e$ gegen Regen unb 
Sonne derwahret fey. Weil aber der wahre Urfprung 
Hollaͤndiſch ift, allwo bas Wort Schuit mehr ale unſer 
Schüte bedeutet, überdem nicht allein bas Verdeck 
Fein wefentlid) Stüd einer Schüte ausmachet, fondern 
toit auch offene platte Fahrzeuge haben, bie als Ever 


- zum taft:führen gebraucht, und mit faft gleichem Nah 


men Schuten genennet werden ; fo mógte ich lieber dem 
grunderfahrnen Holländer zen Kate beppflid)ten, bet, in 
Abficht auf das Angel» Sädhfifche [keotan und fcutan, 


. bag Wort Schuit herführet von fchieten, (cbieffen, weil 


es forne und hinten ſpitz zuſchieſſet, uͤm defto ſchneller forts 
pee. Seine Befchreibung ift diefe: Scbuir, eigent- 
yk cen klein fchip, of plat open fchuitje, om, in ftée 
van cen vlot, ietsover te voeren, dog voor en agteraen 
puntig tocfchietende als een Schip, om te fnelder en 
gereeder té vorderen &c. Aenleiding P. II. p. 364. 


üt» 


HAMBVRGENSE. 249 


Schuͤtten: Fall⸗ Thüren, Schoß-Thüren, wodurch das 
Waſſer auf bie Mühlen Räder gelaffen wird. 
Frey⸗Schuͤtten: welche feine Mühle treiben, fonbetn nut 
—A werden, das uͤberfluͤſſige Waſſer weglauffen 
zu 
Schuͤttſel: Schirm, den man uͤm ein Bette, oder uͤm den 
Heerd ſtellet, den Zug des Windes abzuhalten. 
Schuve⸗Staken: Schiebe⸗Stange, Boots⸗Halke. M.) 
Schuvuth: Nacht Eule. Daß bie Franzoſen aus Kautz 
chouette, und hinwiederuͤm bie Teutſchen aus chouette 
Gdouvutb gemacht haben ſollten, uͤberlaſſe id) bem Hn. 
Wachtero zu glaͤuben. Wir haben inzwiſchen die Re⸗ 
dens-Art: Ze geit as een Schuvuth : er gehet amv 
ſaͤlig und lumpicht gekleidet. Vielleicht, weil die Eule ein 
haͤßlicher Vogel iſt, und wir auch ſonſt eine Perſon, die 
mit verworrenen Haaren gehet, zu nennen pflegen eene 
ruge Uhle. 
Seeken: Weibgen der Thiere, wie Heeken das Maͤnnchen. 
eeltógen (oy) : in legten Zügen liegen: animam agere. Es 
wird aud) ausgefprochen ſeeltagen. Obman aber aud) 
gut Hoch⸗Teutſch preche feelnsaggen, daran muß wenig⸗ 
ſtens nicht gezweifele haben der Berfaffer eines Buches, 
welches den Titel führer: Das feelnzagende Elſaß/ 
gedruckt zu Nürnberg 1676, 12. 
eemig: feimig, wie Seim, HonigSeim. Wird von einem 
iquido gebraucht, das nicht zu dünne, fondern etwas ges 
" fétet, aber doch fanftundebensflüfligift. Alſo wirdeine 
Suppe ſeemig genannt, wenn einwenig fein Mehl dar- 
ein gerübret, oder fonft etwas ſolides darin jergangen ift. 
Zeer: Schmers, Wehe, Schade: infonderheit was an der 
Haut ausfaͤhret und eitert, mE 
bóo Seer: böfer Grind. ' 
et deit my ſeer: ee thut mic wehe. 
kleenſeerig: weichlich, empfindlich, dee Feinen geringen 
Schmerg ertragen Fann. 
25 ſeeri⸗ 








Dmm 


eigen: befchädigen, verlegen. Daß diefes ein altes, db 
gleich iego nicht mehr gebräuchliches Nieder-Sächfifches | 
| 


250 IDIOTICON | 


More fey, erhaͤllet aus dem alten Luͤbeckiſchen Stadt 
Rechte, allwo e8 $ 2.39 alfo lautet: YOett en Mynſche 
feriget E demePerdemarfede van bemedine, 


— 


e : FS nicht e de deme dat 
yne is: (o verne enen 
den market dach. b. i: Wird ein Senf rn 
Pferde Marckte von bem Viehe —5 — fo darfderie 
nige ſolches nicht verantworten, dem das Vieh zugehoͤret; 
ſo fern e$ nehmlich an einem gehegeten Marckt⸗Tage ges 
ſchiehet. Die Hoch⸗Teutſchen (agen verſehren, und uns 
ehrt, welches allerdings von dem bey —— 
nen Stamm⸗Worte Seer herkommt, keinesweges 
von (60r, wie Hr. Adr. Beier in feinem Handwercks⸗ 
Lexico p. 399 vermeinet, welcher dafelbft in er e 
Muchmaflungen zeiget, wie fchlechte Etymologi 
neuen fanbeleute find, wenn fie Fein Nieder um 
unen. 
(Seer sc. Hoc (cil. eft, quod noſtratibus vocatur 
Saar, vulnus, vlcus, fcabies; vnde ſaarig, vlcerofus, 
vel fáatet zc. Apud Anglo-Saxonicos fcriptores haec 
habentur: Sar, dolor vlcus; Sare, aegritudo, fcabies; 
Jarian, dolere, atque plura. Ceterum Seer pro dolore, 
luctu, tribulatione, ample illuftratum habetur in Glos-- 
far. Teuton. Schilteri p.732. íq. G.) 


Seeſſel: Hand- Sichel: falx, quae vna manu mittitur. 
Seever; Seifer: faliua, 
feevern: geifern: (aliuam defluentem habere, - 
befeevern: (aliua polluere. | 
Segel⸗Garn: eigentlid) feiner Bind⸗Faden von Flache, den 
man zum fiegeln der ‘Briefe und Päckchen brauchet. 
Insgemein aber nennet man alles Segel⸗Garn, was 
aud) von Hanffgedrehet, und zu der erften duͤnneſten Art 
der Seile gerechnet wird, woraus ferner £yne Pent 





HAMBVRGENSE. igr 


-— €abel und Ancher»-Tauen, eines aus bem andern 
bit) Verdoppelung gefchlagen werden. 

eggen: fagen. Sprw. He ſegt wol een Wort, un levtr 
een Jahr na: er verſpricht wol einmahl etwas, und 
denckt in Jahres Friſt nicht daran. M.) 

Merckwuͤrdig iſt von dieſem Verbo in unſerer Mund⸗ 

Art die Apocope primae & tertiae perſ. ſing. Imperf. 
ick (9, be ſaͤ, an ſtat (6e, und dieſes an (tat ſeggede. 

ibl: der Bügel oder Hand⸗Griff an Eimern umb Keſſeln, 
woran dieſelben getragen oder gehaͤncket werden, Daher 
Ammer⸗Sehl; Ketel⸗ Sehl 1c. 

ey: Kleyen, Traͤber, vom abgebraueten Maltze, ſo yum Vieh⸗ 
Futter gebraucht wird. Dat is man Ser den Sey 
lopen: ver(tebet fid) vom fchlechten Nach⸗Biere, worin 
gar feine Krafft iff. | 

Wagen: geoffer ſtarcker Laſt⸗Wagen mit $eitern unb 

e deflen man fid) ponent den Sey, danıt 
aber auch Holtz, Torff, Steine, Sald und andere ſchwere 
Sachen zu führen bebienet, Diefe, voie auch der Brauer 
und Becker en zuſammt ben Bier⸗Kar⸗ 
ren, muͤſſen, alter Verordnung, Raͤder mit dicken 
breiten und unbeſchlagenen Felgen haben, damit das 
Pflaſter der Stadt nicht fo leicht zerfahren werde. 

eye: 1. fan. Saat⸗Seyer: Cena. 
verfeyen: verſpillen. 

2, feigen, ſichten. Dörfeyen: durchlaffen. Daher 
das im erwehnte Sey, wovon bas Bier ab» 
gelaſſen. 

Sey⸗Dook: ein grobes holes Tuch, wodurch die Feuchtig⸗ 
keit ablaͤufft. 6o " 

Sey⸗Vart: Durchfchlag : groſſe hölßerne mit 
dem, wodurch man bie Feuchtigkeit von gefochten oder 
andern Dingen ablauffen fáffet. | 

len: verfauffen zun Kauffe haben, krahmen, troͤdeln. 


(Dan, 





252 IDIOTICON | 


(Dan. at fälge, & Sal venditio. Anglo-Saxori- 

bus itidem Sal, venditio, ſallan & fellan, vendere, G) 

Kleeder⸗Seller: Treödeler, der allerhand alte Kleider und 

Geraͤthe zu verhandeln hat: vererarius: un fripier. 
* rr heiſſen Boekzelerr diejenigen, (o $5 


verfellen: verfauffen, verthun. Item verlieren, vergeuden. | 





upfellen: den garigen Krahm abfegen. He bett all rein 
ttpféllet: er hat feine Waare (on völlig verthan. 

Hr. Diet. von Stade leitet von biefem fellen her bas Wort 

Sold, weil es ein pretium ift, bas für ben Dienft hinge 

geben wird. In der Erkiaͤr. der Woͤrter in Luth, | 

Meberf. p. 592. Ä 

Sellſchopr per Aphacrefin pro Geſellſchop: Geſellſchaft. | 


— £44"U- 99-9 


Wann unter gemeinen leuten einer ben andern anruffet, 
pfleget es mol zus heiffen: hier! Sellſchop! das iſt, gi 
tet Freund, Camerade, vielleicht nach Gewohnheit der 
Handwercker gegen ihre Geſellen. Man nennet aber in 
Hamburg auch Sellſchoppen diejenigen Haͤuſer, die ge⸗ 
wiſſen Gilden, Aemptern und Geſellſchaften gehoͤren, 
worin ſie ihre Zuſammenkuͤnfte, theils aud) vormahls ihre 
jaͤhrliche Froͤhlichkeiten, oder ſogenannte H gehal⸗ 
ten. Dergleichen ſind noch die bekannten 
pen der Brauer, am Hopffen⸗Marckte; der Schiffer, in 
der Bohnen⸗Straſſe; der Schiff bauer, bey der Muͤren x. 
Nicht weniger haben bie Hanſen, oder Kauff ⸗ Geſell⸗ 
ſchaften, ihre eigene Haͤuſer gehabt. Davon ſind noch in 
der Peltzer⸗Straſſe de boͤvere Sellſchop, bas iſt, der 
Engellands⸗Fahrer, und de neddere Sellfchop, das 
ift, bet Schonen⸗Fahrer. Was aber vor Zeiten der Slam 
dern⸗Fahrer Sellſchop geweſen, ift ietzo ein wolbenahm⸗ 
tes Caffe⸗Haus auf den Leeſſe, an bec Ecke des Brodt⸗ 
ſchranges. 
Semm : die Schnur an der Angel⸗Ruthe, ſo gemeiniglich von 
weiſſen Pferde-Haaren zuſammen gedrehet wird. 
Semp: Senff. Wird metaphorice von einer langen Rede 
gebraucht: 





HAMBVRGENSE. 253 


gebraucht: een langen Semp. Hebt man (o veel 
Semps nich: macht nue nicht fo viel redens. He 
ci ſynen Semp mit to: er fagt aud) was dazu. 
Cprto, Eenem Comp up ben Titt ſmeren: einem 
etwas berleiben ; wie ben Rindern gefchichet, bie entweh⸗ 
net werdenfollen, bag man ihnen die Bruſt dureh cin roe 
nig angeftrichenen Senff zumiedern macht, M.) 
Zenckel: ſchmale leberne Bind⸗Rieme an Hofen, Schuen x. 
ligula, M.) | 
leves Saat: Zitwer- Samen: femen zedoariae, 
bein: tändeln, zärtlich tum. Se fybelt mit dem Kinde: 
fie zärtekt mit dem Kinde. Con£ bebeln, welches faft 
daſſelbe. 
Ciybeley: Zaͤrteley. 
ibyllken⸗Kopp: Latve: masque. 
bungen gahn: ſterben, verderben. Dieſes abgeſchmackte 
ort hat ſeinen Urſprung von dem alten Lateiniſchen 
Leichen⸗Geſange Si bona Oc. Sie gehen mit ipm 57 
Bona : d. i. fie fingen ihn zu Grabe. Daraus Dat ber uns 
verftändige Poͤbel gemacht: fe gaht mit em fibungen: 
item be geit fibungen: fie fingen ipn hin. Welches 
denn nicht nut vom fterben, fondern aud) von Ungluͤcks⸗ 
Fällen gebraucht wird, und fo viel Deiffen fol, als: ex. go 
het verlohren, es iff aus mit ihm, 
ds niedrig. By ſydeſtem Water: bep niedrigftem Waſ⸗ 
fer. He fitt to (v0: er figet zu niedrig. Syder dahl: 
tieffer herunter. | 
(Dan, fiíb, idem. Anglo-Sax. Side, longus. Si. 
dreaf, toga ad talos demisfa, G.) 
ber: feit. Cyber Oſtern: (cit Oftern. Holl.zedere. Da 
. Pereinige rhy il fprechen ft den (Oder, (rt und 
f (m). 8.G. [der Wybnachten, fé ebrait 
tfi ic. -- 
(Dan. fiden, Anglo-Saxonice ſydtdtan, & fippan, 
pl ea de de Quin & ds eft nouis mus 
bi 





254 ' IDIOTICON m 


vitimus; quod Germanis legte dicitur, Danis : 
ſidſt. Neque Saxonicum duntaxar,fed & T'heotifcun, 
vel Francicum, Nam apud Otfridum habentur fd, 
‚fidor, fidero, poftquam, poftea, pofterior. v.Schili| € 
Glosfar. p. 737. a. & Wachter. col. 1503. 
Cyl: heiſſet 1. in den Marſch Laͤndern einen Graben, bem | F 
einer Nöhre,oder mit einer etwas —— Airis 
fteinernen Waffer-teitung unter dem Deiche dur 
unb vermictelft einer davor gemachten Schütte ote 
Fall⸗Thuͤr bas Waſſer, nad) erfordern, zum Lande aus 
und einlaffen fann, 

2. inder Stadt hieflen vor Alters Syle diejenigen |f 
engen Candle oder Klethen, die zwifchen den Exben 
durchgingen, und nur zur Abführung der Unreinigkeit 
dieneten. Dergleichen war vor diefem der Canal, der qme 
ſchen der Muͤren und der Catharinen⸗Straſſe Bereit; 
imb nod) iego ift ein folcher Syl dag eigentlich genannte 
bove Sletb. Nachhero aber find fie zum Theil, mit all 
gemeiner Bewilligung, erweitert, getieffet, und zum Be⸗ 
huf ber daran ftehenden Kauffmanns⸗Haͤuſer, fahrbar 
gemad)et, Was demnach (eo in Hamburg ein Syl | 
beiffet, ift eine feitung unter bet Erden, Dadurch der Uns 
rath mitdem Spuͤhl⸗Waſſer aud ben Häufern abflieffet 

Syl⸗Meſter: ift derjenige, der dazu beſtellet ift, die Reini⸗ 
gung der Syle durch feine $eute verrichten zu laſſen. 
Welches fhmugige Ampt mitbem Roͤhr⸗Meiſter beyden 
Brummen gar feine Gemeinfdjaft hat. 

(Gym: Simon. Sprw. Wo dat wahr is, fo will id 
wol Sym beten. BonSimon, bem Zauberer; wird 
als eine Bermaledeyung gebraucht, welche bod) von den 
wenigſten fo verfianden wird. M.) Ich meines cheils 
halte e$ nur fire eine böfliche Erfparung der harten Be 
theurung: ſo will sch wol ein Schelm heiſſen. 

. Wozu man denn von ungefähr den Nahmen Simon 

.  egriffe ; fo mie man fonft das Wort Scheren, 

J Schleiffer in gleicher Meinung zu brauchen pfleget. 

Ek froen: 














HAMBVRGENSE. 235 


Jpen: eine Seuchtigfeit von (id) geben; mie man infonbetpeit 
eh einem offenen Schaden, ober von einer Siftel (aget; 
et fypet. | | 

doͤrſypen: gelinde durchlaffen, toie ein undichtes Gefäß, 

oder ein Stein zum Wafler-feigen. 

naſypen: nachtieffen, wie 3. €. die nod) ungefchloffene 
Wunden. | 

spp; ein Spott⸗Wort wieder ein folches Frauenzimmer, bas 

fib ungemein Foftbar machet, umb fehr vornehm und ein 

geom tQun will, Die nennet man bey uns Jumffer 

pp. EM 

Ritten: ſhen. Keenen fittenben Steert bebben : untufig 
ſeyn, Beine Gedult haben, lange bey einer Arbeit zu figen, 

oder auf einer Stelle zu bleiben. (Sprw. De wol fitt, 
fis ſyn rüßben: Si qua fede fedes &c, M.) 
(affitten, nehmlich eine Schuld, ba einer durch. Erleidung 
eines Bürgerlicpen Gefänguifes, bep (edite tof, an 
flat der Bezahlung, dem Gläubiger ein Genügen thun 
. Wu, welches jährlich auf 228 13 [8 pflege gerechnet 
gu werden, M.) 


fitten: auffigen, mie bie fumbe thun. Ick will 
' ten lehren: id will dich n Gehorfam Fe 
utbfitten: Eyer ausbeäten. | E 
Slaap⸗Stede: €xbfaaf Stelle. In beſonderem Verſtande 
aber ein gemietetes Nacht Lager. In Slaap⸗Stede 
liggen: bey anderen Leuten bloß ein Bette haben, da 
nan ſonſt bes Tages feinen Geſchaͤfften nachgehet, und 
keiner Wohnung bedarf. Wie ſolches von Handwercks⸗ 
Geſellen und ledigen Dienſt⸗Boten zu geſchehen pflegen, 
da für iede Mache gemeiniglich ı ß gegeben wird, wofern 
fie ſonſt ſich ſelbſt bekoſtigen. Gu 
Gleepers heiflen bey ums diejenigen, bie fid) nur zur Nacht 
bey iemand eingemietet haben. Sleepers boloen; iff 
. . enc Nahrung mittelmäffiger $eute, die etwan Betten 
^ Abi abe mon fi Die maden mn 


a— 





256 IDIOTICON ^. 


Slabbaartjen: fiehe ſlakkern. 
ſlabben: trincken, wie bie Hunde, mit ausgeſchlagener Zunge, 
(labbern s 1. mit dem Schnabel klappern, wie bie Enten 
thun, wann ſie auf dem Waſſer entweder den 
und ſpuͤlen, oder etwas gut Nahrung er 
greifen unb einfchlucken,. 

2, plappern, allzugeſchwinde reden ober leſen. 
ober bat Gebet her: et plappet 
e$ ber. 

3. Geſchwaͤtz oder Plauderey treiben. Uth (labi 
bern gahn: ausgehen zu plaudern. 
Slabber⸗Buͤtte: Plauder⸗Taſche. 
naflabbern : ausſchwatzen, verklatſchen: 

enunciare. 
ſlaboͤrden: upſlaboͤrden: unnuͤtzlich verthun, verſchwen⸗ 
den, verſchlemmen: negligenter disperdere. 
ſlachten: nacharten, ins Geſchlechte einſchlagen. He ſlach⸗ 
tet my wat: er iſt von meiner Art, er machts wie ich. 
Wird alſo auch auſſer dem Geſchlechte insgemein von 
allerhand Gleichheit der Natur, Gewohnheiten und Tha⸗ 
ten gebraucht, raf lacbten aber heiſſet es, wenn man 
im Gefchlechte bleibet, und 3. E. Eltern, Grog-Gitern x. 
nachartet. He f'lacbtet (ynem Vader na: er iſt gear⸗ 
tet wie ſein Vater. 
Sladde: ein naſſer Hadder. Ohle Sladden: alte Lumpen, 
die man zum wiſchen brauchet. 
ſladderig: lumpicht, kothicht, unſauber. Se geit ſlad⸗ 
derig: ſie gehet ſchlotterig, mit zerriſſenem und naſſen 
Saume. De Sladden hangt er uͤm de Beene. 
Auch heiſſet bey uns ſladderig bisweilen ſo viel als 
akkerig, z. €. ſladderig Wedder: ſchlakkicht 
etter. | 


ſlahn: (lagen. | 
Sladrup: wird wieder Faulheit, Ungehorfam und andere 
 Safter als eine Arzeney verordnet, umb in gutem Ernſte 
mit 








HAMBVRGENSE ' 257 





- mit ſchertzhaften Worten angerarfen: Recipe: eene 
gode Handvull brunen un blauen Sladrup: b.i, 
ven Worte nicht Delffen, fo lege einen guten Prügel 

rauf. Ä 

Slafittje: fiehe Sittfe. 

Slag: Schlag: ictus. Verſtehet fi) eigentlich von Muͤnt⸗ 
zen, welche find goden Slages, van eenem Stage, 
allerleySlag zc. Synecdochice aber braucht man es 
von einer Art oder Gattung aller und ieder Dinge, 3. €. 
een good Slag vam Minſchen: ein Menſch von gu 
tem Gemuͤthe; allerhand Slag Kinnen : allerley Art 
leinwand. Ironice: ja! dat is tat rechte Slag: das 
taugt niche viel. 

Slag holen: Schlag halten, b. i, mit gleichen und ge» 
meffenen Schlägen arbeiten, ohne einer den andern zu 
binden, wie bie Schmiede, wann ihrer viele auf einen 
Amboß fhlagen, imgleichen die Gattonen « Klopffer, 

und bie Ruderer, welche, wenn das Fahrzeug recht 
fortgehen foll, nicht durcheinander ber, fondern alle zu» 
gleich einfchlagen nüflen. Daher fagt man im Schere 
fe, wann ihrer viele mit $óffeIn effen: holt Slag, fi 
Pamen voy to Bande, b. i. ein ieder lange gleich 
maͤſſig zu, fo wird dag Gefäß ledig. 

Glage Botter: ein Theil Butter, fo viel auf einmahl 
geichlagen wird. 

Achterflags ein Stück Landes, wodurch entweder ein 
Weg gefchlagen, oder welches durd) einen gefchlages 
nen Deich hinter dem Haupt-Deiche abfonderlich bes 
faffet ift. 

Byflag: 1. eine falſche Muͤntze, welche bey ober neben 
der guten, von ſchlechterem Gehalt ausgehecket 
worden. 

2. eine fleinerne untermanerte Band! zu beis 
den Seiten ber Haus-Thüre, welche Bände in Ham⸗ 
burg etlicher Orten bey nahe 6 Fuß in die Gaſſe hin- 

— tingeben, infotiberpeit a alten Brau⸗Erben, van 

F 


260 IDIOTICON 


Metaphorice beiffet ſlakkern aud) irren, oder ein 
Pudel machen, 3. €. wann ein Muficus falfch und unrein 
fpielet, oder den act verſchuͤttet. | 
ſlakkerig: fchladiche, feucht, [hmugig. Slakkrerig 
Wedder: regnicht Wetter, Es is f'laEEerig t 
gabn: der Weg ift fotbig. 
Slackſleuſer: (oll einen fchloteerichten Menfchen bedew 
ten, bet fid) liederlich und ſchmutzig hält. 
‚beflaktern; befsrüßen, befubeln. Dat Rind bett fid! 
beſlakkert: das Kind hat (i mit verſchuͤtteter Speife 
ober Stand beſchmutzet. ME 
Slabbartjen: zufammen gezogen aus Slakker⸗Batt⸗ 
jen: ein £ag, der den Kindern vorgebefftet wird, damit 
fie ben Buſen niche beflecfen, 
Cllammattje: eine faule und plauderhafte Schlepp⸗Schwe⸗ 
ſter. Ob bie in Hamburg fo betitelte Slammmattjens | 
C voiteunb Brügge, fonft Aamermanns Cite ge 
annt, von dergleichen Greaturen ihren Nahmen habe, 
mögen andere ausfündig machen. 
Cflampampen: im Schmaufe leben, drauf gehen laffen: | 
graecari: faire bonne chere. MM) | 
Clampamp: üppige Freſſerey. Dl 
upflampampen: mit Wolleben verzehren. | 
ſlarren: mit ben Fuͤſſen alte oder weite Schue umb Pantoffeln 
forefchleppen. Daher nenner man bie abgenu&ten Fuß 
Zeuge felbft een Paar oble Slarren. 
(Slecht : een Slecht Sifcbe: fo viel Fiſche, als auf einmahl 
anzurichten nöthig. Wird infonderheit von grünen Fi 
- fihen gebraucht, M.) | 
Sleef: aroffer Hölgerner Kuͤchen⸗Loͤffel. Weil num dergleichen 
aͤffel een ben Bauern nicht eben aufs feineſte pflegen ge 
ſchnitten zu werden, fo nennen mir einen dummen und 
ungehobelten Menſchrn eenen Sleef. 
(Danice Slov effertur. Errat haud dubie noſter, 
inde dictum einen dummen imb angehobelten Denfchen | 
exit 








HAMBVRGENSE. 261 


exiftimans eenen &feef, cum, hanc appellationera 
multo antiquiorem effe, lingua doceat, Anglo-Saxo- 
nüm, in qua occurrunt: fev, piger; flewdt fiue 
Slewdt , pigritia flavlice, tarde. G.) 

Ich würde mich durch biefe aefebrte Anmerckung gar 
gern von der Metaphora auf die angemwiefene Wort⸗For⸗ 
ſchung leiten laffen, wenn nur der Gebrauch. inder Be⸗ 
deutung, fo wie in den Buchftaben, mit bem Angel» 
Saͤchſiſchen zutreffen wollte. Denn voit nennen iemand 
eenen Sleef, nicht in Abfiche auf Faulheit und Lang⸗ 
famfeit, fondern auf Unverftand und Srobheit. Daher 
fegen wir gemeinigfich Hinzu een dummen Sleef. 
De Buuren fünd rechte Sleeve: di. rechte Tölpel. 
Und een Slumpen⸗Sleef heiffet bey uns nicht ein 
Saullenger, fondern ein ungefchliffener Kerl, der auf ben 
Slump, d.i. ohne Bedacht und Borfiche Hineinplums 
pet, ober, wie wir auch fonft zufagen pflegen, mit dem 
Sleeve benín fleit. 

leeper: fiebe Slaap⸗Stede. | 
llengelo : Staub oder Rahme, womit man an ber Erden bie 
Deffnungen der Brunnen, $ufen, Sellers unb Waſſer⸗ 
Treppen einfajfet. Auch nennet man alfo bie groffendis - 
den Bohlen, die unter der Grund-Mauer auf bie einge 
rammeten Pfäle geleget werden, 
epen (mn): fchleppen. Slepe⸗Lende: Senden-Schlepper, 
träger Menfch. 
eme: der Schweiff an Talaren, und an Ober⸗Roͤcken der 
eiber. 
Sloͤpe (ce): Schleiffe, Schlitten, barauf man etwas forte 
fchleppee, ' j 
- "(Danice4t flebetc. Adhocverbum, eiusque, heic 
quae annotantur, cognata vocabula, referantur ex 
priſco aeuo r. Anglo-Saxonica: S/ef, Slief, vcl S/yf 
manica; Slebefcoh, crepida. 2. Francica& Theotifca: 
Jliafan, irtepere, vel illabi; Unsarflurfen, (ubrepunt 
(vnde Unterſchleiff) &c. Vid. Fr, Iun, is Willeram. 
..P-146, | u Ra Su. 





262 / IDIOTICON 
Slet (n) fiebe flyten. — 
Glícbten: Rechen: Pfenning, j | 





Stich: Schlanm, Made: limus, falebrae. 
ſlikkerig: kothigt: falebrofus. Um | 
ſlikkern: ſchlupffen, durchmwifchen, wie die glatten Aale. 
ſlickfegen, und uch ſlickfegen gabn ift bie Befchäffti 

gung müfliger unb plauderhafter Weiber, welche nichts 
anders zu thun Luft haben, als daß fie einher gehen und 
ſchwaͤntzen, und alfo mie bem Schweiffe ben Koch vonden 
Gaſſen nehmen. Ober fie mögen auch darum Slickfe⸗ 
erfchen heiffen, toeif fie mit dem Kehr⸗Beſem ihrer | 
anderen über andere Leute ber find, und vor fremden 
Thuͤren den Schlamm: fegen, ben fie vor ihren eigenen 
liegen laffen. | | 

Slykuth: Schlupf⸗Loch. Ob diefer Nahme einem gewiſſen 
Orte in Hamburg, gegen das Ende der Wall-Straffe, | 

wegen eines dafelbft belegenen Wein⸗Hauſes, gegeben 
worden; oder ob in der alten ‘Befeftigung, bie ander Als 
(lec bergegangen, etwan allda ein Pförtchen gemefen, 
burd) welches die Klofter- Brüder von St. Marien 
Magralenen, über ihren Moͤncken⸗Damm, fid) 

ben in die bamablige Neuftade hinaus fchleichen koͤn⸗ 
nen, ohne burd) bas Müllern-Thor über die Mühlen, 
Bruͤcke zu geben, folhes mag anderweitig erörtert 
werden. | ) | | 

(Slimmſcho: ein durchtriebener Kerl: un raffiné. M.) 

ſlinckfyſten: (lentem, ledig gehen. Slinckfyſter: Muͤſ⸗ 

figganger. | 
(Annon a flincan, quod in Anglo-Sax. eft repere, _ 
tardius atque vermium inftar fe mouere? G.) 


(ſlypern: unachtſam, faumfälig: tardif. M.) — . . 
flippen : gleiten, gliefchen, entwifchen: per lubricitatem elabi. 
flippen laten: fahren faffen, niche feft halten; mit ost 
( líppen laten: mit durchſchlupfen laffen. Man faget 
eid) von einem fabrläfligen Arbeiter: he lett gern [Lips 
| | pen? 





HAMBVRGENSE, 263 


pen: b. i, er greiffet nid)t redlich mit an, er entziehet 
fid) gern. Ä 

afflippen: abglitſchen. Conf. glippen. 

ſlipperig: ſchluͤpferig: lubricus. 

Slippe: Zipffel am Kleide, Mantel, Aermel ıc. By der 
Slippe to faten krygen: beym Zipffel erwiſchen. 
Doch will ich denen nicht zu hart wiederſprechen, welche 
die Slippe nicht von ſlippen, weil fie bem fafferiden 
leicht entglit(tbet , (onbet von ſlepen herleiten wollen, 
weil der unterſte Zipffel am meiften nachfchleppet. 

Iyren:: lecken, ſchleckern, einſchlurffen. Wird eigentlich) vom 
cnf Singen diekflüffiger Dinge, wie Säffteund Syrupe, 
gebraucht, | 

"Iyten : fehleiffen, verfchleiffen. De Tyd ſlyten: die Zeif bin 

- geben laſſen. pero. Myne Pumpe geit: ſlyt de 
C56, b. i. ich will Gedult haben, und meine Zeit ausdau- 
ren. Schepe [Iyten: alte Schiffe von einander fihla« - 
gen. Daher de Schepeſ lyterey: ein Oct auf dem - 
Hamburgifhen Gras⸗Broke an der Elbe, allwo bie 
alten Schiffe, von Leuten, bie [ie an fid) gefaufft, zerleger, 
und davon Hol und Gifen nad) Möglichkeis genußer 

. werden, | 

Slet (m): Berbrauchung, Abſchleiſſung. Dar ts Eeen 
Gilet ín: das ift unverthunlich. De Mann bett qo» 

Een Sie: in Frowens: dem Manne geben bie Frauen 

eurn ab. 
ſlytſam: ümgänglich, verträglich. ) 
ver(leten , upfleten: verbraucht, verſchliſſen. Sprw. 
Man ward nich ehr weten, ebr man is verfleten: 
man wird nicht eher Elug, ehe man verlebt ift: fapientia 
non venit ante canos. Dar füno em de Aande all 
up verfleten; bas bat ex guugfam unter Händen ges 
habt, da weiß er vollkommen mit umzugehen. 
balffteten: halbabgenutzt. Jener nannte ein Cammer- 
Mädgen balffleten, welches der Land- under mit ei: 
nem Dienfte auszuflatten gedachte _ oo, 
RA. KH 





264. |  IDIOTICON 





Noͤriſch: fiehe ſluken. — " ! 


Sepe: r ftepen. 6 eet » 
loͤren, upf loͤren: ((eberfid) verfchleiffen, unachtſamlich ve 
] u , infonderbeit eite, und Schue. 456 flónt 
veel upr er tvágt viel ab. Daher Deiffet een Sloͤrup 
derjenige, der feine Kleider unartig drauf gehen faffet. 
floͤrig: ſchlotterig. Sloͤrig gahn: nachlaͤſſig und lieder 
fid) in Kleidung gehen. 
Sloͤtje, it. Sloͤtjen⸗Dryver: ein träger und dummer 
Schluͤngel, der weder Luſt noch Geſchicke zu etwas hat. 
Slubbe: Rekel, groſſer Bauer⸗Hund. Auch Schelt⸗Nahme 
Ves dpa. M M bb. »^ i. 
ubbifcb , contradte ſlubbſch: nadfaffig, plump, um 
n zierlich. He geit ſlubbſch: er lege (id Abel an: mal 
propre. — 
ſlubbern: 1. ſchlurffen; afſlubbern: abſchlurffen. 
2. nachlaͤſſig und grob weg arbeiten. He ſlub⸗ 
bett dar oͤverhen: er ſchleudert ed von der 


| 





Hand, fähret ohne Fleiß und Achtſamkeit bat» | 


a über Hin, 
Slubberer, it. Stubberup; ein unachtfamer Menſch, 
e —e— viel iſt, was "" tole ers thue. 
udderig: ſchlotterig. Hievon fcheinen contrada ſlurig 
" un (lóriq, de quibus fuis foci xis 
ſludern: plaudern, 
Sluder⸗Soͤge: Plauder-Mege, 
ſluderhaftig: ſchwatzhaſtig. 


uthſludern: ausplaudern, verklaffen. 


Slue; Hilfe. 2. E. Bohnen-Siue; bie auſſere Hulſe von. 


Bohnen. 
ſluken: ſchlucken, ſchlingen. (Dan. ſluger i fig, opfius 
e G.) Schergweife fageman ba e fti 
e 


n Schlund klaget: He kann nicks flu joel 
grote Stuͤcke. * n yate ide 
Geſlu⸗ 


HAMBVRGENSE - 265 


(beflgEen: mit bem Schlunde befaffen. He voill alles 
alleen befluben ; er will alles allein verfehlingen. M.) 
Suabsäpale j ir. Slukebrey: geitziger Schlinge; Vie 
a 


ſloͤriſch: Hunger⸗freſſig, begierig, der alles au Halfe 
lägt: vorax. 
Sloͤkiſchheit: ingluuies , voracitas. 

Slump: ein Ungefähr, ein Gerarhe:wol, worauf man, ohne 
Vorbedacht, etwas ankommen läfle. Et was man 
een Slump: es war nur ein blindes Gluͤck. 

(lumpen: ungefähr zutreffen. Et flumpt wol ins: e$ 
feifft wol einmahl. | 

Slump , ic. Stumpen-Sleef: find Benen 
gen eines Menfchen, der unbedachefam ift, blind zuplatzet, 
und alles ausfallen läffee, wie es will. — 

- RumpsSlump: per auerfionem. Siehe XX, 
(Hinc fecundus & profper cafus, fed fortuitus, eft 

Danis en Slumpe⸗Lykke. At [lumpe til: dextre 

cadere, Anglo- Sax, fJupan: labi. G.) 

ſlunkern: (lender, wackeln. De Brade ſlunkert: der 

Braten ſitzet nicht feft am Spieſſe. mE 

Slup⸗ Wächter: mit diefem Nahmen belege bet Pöbel bie 
Gerichts» Diener, apparitores Praetorums vielleicht, 
weit fie auf die Schlupf⸗Winckel der Miflechärer ein 
wachſames Auge haben muͤſſen. 

CGlünten: fappem. Fule Slunten : ſchmutzige Lum⸗ 
pen. M.) 

Sluntje: nachläffiges Weibebild, dem bie Lappen beyzu 

jorge. Kommt vermuthlic von den Niederländern, 

y benen fZuns heiffet laxus, flottericht, und een Sluns iff 
derfelbe, den wir Sleef oder Sloͤtje nennen. 

urig: traurig, unfuftig. He geit ſlurig: er gehet niederges 

n P lagen. Slurig VOebber: unluftig Wetter. Alſo 

nennet man auch die Thiere ſlurig, wann z. E. dem 

Pferde die Ohren, dem Hunde der Schwantz, und dem 

Vogel bie Flaͤgel hingen, · QW 


X 





266 . -IDIOTICON 
fusobrig it. een Slur⸗Ohr: was ſchlotternde Ore 
t. 
Smack: Geſchmack: ſapor. Davon Byſmack unb Na⸗ 





ſmack, welches gemeiniglich vom wiedrigen gebraucht 


wird. 


Smakke: eine Art hier und in Holland befannter Meiner Se 


Schiffe, von etwa 40 bis 70 Laſt, dienureinen G 


Maſt führen, und unter dem Bordte ein zwiefaches 


0 Darch- Hol haben. = 
(inabbern: ſchlecht und liederlich ſchreiben. He hett all twee 
Syden vull ſmaddert: ec hat ſchon zwo Seiten voll 
geſchmieret. [| | 
ſmaͤtiſch: dünne, vane, gefchland‘, ſchmaͤchtig, inſonderheit 
von Leibe: gracilis, iunceus, tenuis, Smaͤtiſch Holt: 
bas nicht grob-Elüftig iſt. Eene fmätfche Jumffer: 
virgo gracilis. — 
ſmeeken (ee): fehmeicheln. Iſt eigentlich ein Hollaͤndiſches, 
aber von vielen bey unsin Gebrauch genommenes Wort, 


Wir fagen fonft auch ſtraken: ftreicheln; menn man | 


nehmlich mit der Hand über die Haut (anft herfährer, und 
^ Dadurch, infonderheit bey den Thieren, eine angenehme 
Empfindung erwecket. Diefes gelinde wiſchen ober veis 
ben nennen die Griechen rege, welches mit dem 
Smecken verwandt zu feyn ſcheinet. Dahingegen ihr 
eU, exurere, abfumere, und euo, welches 
Suidas durd) Aoıdogess erfläret, von ſchmeicheln eben 
fo ‘weit entfernee ift, als im Holländifchen fmooken, 
ſchmauchen, von fmeeken oder fmeekelen, liebfofen. Es 
werden mir demnach rechtfchaffene Männer in Ober 
Sachſen, durch welche das ſchmaͤucheln neuerlich 
eingefuͤhret worden, nicht verdendfen, daß id) ben 
Schmauch gar nicht für das wahre Stamm- Wort des 
fehmeichelns Halte, vielmeniger mich durch bas encens 
und encenfer der Franzofen bewegen faffe, bie offenbare 
‚analogie der oberwehnten verwandten Sprachen in der 
Rechefchreibung aus den Augen zu fegen, ine fafl 


; 0004 gleicbe 





| 





HAMBVRGENSE. 267 





gleiche 9Seroanbnig bat e$ mit bem Worte beucbeln, 
welches hochberuͤhmte Sprach-tehrer ietzo gefchrieben ha« 
ben wollen, mit einem Drey-Lautet, haͤucheln, weiles 
.. von Hauch berfommen, und (o. viel bedeuten fol, als eis 
. wert fanft anhauchen. Allein, wir Nieder -Sacfen, 
ſammt unfern Nord⸗ unb Weftlichen Nachbaren, haben 
- bas Wort „auch garnicht, auch Feines dergleichen, und 
dennoch ift bey uns das hücheln vielleicht (o alt, als bey 
den Hoch-Teutfchendas heucheln. Wäre béfagtes Wort 
‚aus Ober -Sacfen in unfere Sprache gefommen ,' fo 
wuͤrde fid) fein cb in ein E verwandelt Haben, mic die Wäre 
ter Bauch, wachen,riechen, u. a.m. bey ung heiffen 
Buuk, waken, ruͤken 1c. folglich würden wir ausfpres 
hen báfeln, und nicht bücbeln. — Martinius verfaͤllt 
auf Heuken, b. i. auf die ehemahlige Mantel-Rappe der 
Weiber, davon das Sprichwort : den Heuken up bei⸗ 
den Schuldern dregen, welches gemeiniglid) die 
Heuchler thun, welche auch, wegen ihres Unbeftanbes, 
Wende⸗Heuken genennet werden. Stadenius veraͤn⸗ 
bert den erften Buchftab, und führer beucbeln her von 
Gauch, weil der Seuchler, wie ein Gauckler, fid) an- 
bere fteflet, als er in der Thatift. Wachterus fieher eben« 
falls auf bie Gteichftellung, ſuchet es abet im Griechifchen, 
und ftebet bey ihm heucheln mit £ixeAog in eben folcher 
Verwandtſchaft, wie im Lateiniſchen fimulator mit (imi- 
lis. Von allen diefen dreyen gelehrten Muthmaſſungen 
bringet mich zwar keine zu einem unbedingeten Beyfall; 
doch kann ich auch die Ableitung von Hauch nicht hoͤher 
als eine ſcheinbare alluſion annehmen, ſo lange ich erſtlich 
nicht ſehe, waruͤm heucheln nothwendig ein abgeleitetes 
Wort ſeyn muͤſſe, da ſonſt ſo viele Verha im Teutſchen 
Stamm⸗Woͤrter ſind, und keine Regel mit groͤſſerem 
Rechte einzuſchraͤncken iſt, als dieſe, daß alle radices ein⸗ 
ſyllbig, und alle einſyllbige Woͤrter radices ſind. Fuͤrs 
andere glaube ich kaum, daß ein Holländer in feinem Auy: 
chelen, und ein Schwede in feinem hyckla ben Urfprung 
| en | > VOR 


% 





268 IDIOTICON | 


von „auch, als von einem in feiner Sprache unbefam 
ten Hoch-Teutkchen Worte, foleicht anerkennen wer 

(inyten: ſchmeiſſen. u mE | 

Smet (3): Wurff, it Streich Hand⸗Smete: ture» | 
Cre bie man in Schulen ben Kindern auf bie Haoͤnde 
giebt, * Ä 

finieten: befchmigen, He hett fid ſmittet int Geſicht: e 
hat eg iet. ch 

ſmoͤden, ir. igen: finden, befänftigen,, ſchmieidigen. 
| 8. €. von dinem Dele fagt man: bat —— und 
don einer Kühl-Salbe: dat koͤlet un ſmoͤdet. 

ſmoͤdig: geſchmeidig, fanft, gelinde. . . 

B (Danice ſmidig. Anglo-Sax. Smethe, mollis, pla- 
nus: Smedtne(fe, lenitas : fmoed, planus, politus. 
Francice: fmithan, mollire, mitigare tundendo: fme- 
thelich, mollis, lenis, mitis; in Villeramo. p.1 4 & 81. 
Vid. Franc. lunii Obferuart. p. 37 & 140. G.) | 

ſmoren, ic. verfmoren (einige(agen auch finurten unb ver^ — 
ſmurten): ecfticfen, bàmpfen, bie Luft benehmen. Wird 
(o wol neutraliter aí$ actiue gebraucht. 3. &. een 
Kind verfmoren: ein Kind erftiden; unb: byt 
febull man verfmoren : Gier mögte man erſticken. 
Smoren heiſſet auch in bebecftem Siegel bragen, da 
nehmlich feine Luft hinein fommen, und bie Krafft der 
Speife nicht verbünften kann. ”.. 
(Anglo- Sax. /moran: fuffocare. G.) 
€imor: putt: Brat-Tiegel. NE ö 
ſmuck Mos , erig. reo maPte eph A de me 
t; em ſchoͤnes Maͤdgen, das ausſiehet. 
2— Boͤrer: ſchoͤne Buͤcher. ſh ast 





(Dan. itidem ſmuck, pulcher. G.) 
Cimuddern: ſchmauſen. M) 
ukken: ſchmatzen, wie man beym kuͤſſen chut. 
Smuck⸗Hand: Kuß⸗ Hand. Ober⸗Saͤchſiſch: Patſch⸗ 
Haͤndgen, vom Italiaͤniſchen baccio. — sub 


"^ 


HAMBYRGENSE - 269 





"Y finullen, ic. (mubbeln ; 1. ſudeln, unreinlich zu werde gehen. 

ei  Gmuddsley: Sudeley. Smuddeler, Smull-Swyn: 
garftige Sau, Shwein⸗Nickel. Smull⸗Putt: idem. 

> a. im Geföffe leben. | | 

$5 Smull⸗Broder: ber immer beym Bier und Toback 

u fißet ıc, ' 

2* lnuſtern ic fmufterlachen : lächeln, ſchmutzerlachen: ſub⸗ 

D ridere, 


& Cinabe: 1. eine Arc Feiner giftigen Schlangen , bie fid) auf 
: dem Sande in alten Gebäuden aufhalten. Mücken 
und Schnecken haben bey uns diefen Nahmen gar 

nicht. Bey den Holländern und Engelländern iſt 

Snake ebenfalls eine Schlange, — — 

2. ein poflierlicher Menſch, der andere zum lachen 

bringet. Kleene Kinder fünd towylen recbte 

7.. €fnáfen, d.i, fie haben bisweilen Einfälle, wor 
Über man lühen mug. —— 7 EE 

ſnabiſch: wunderlich, felfam. Dat kummt em ſnakiſch 
foͤr: das deucht ihn was fremdes und laͤcherliches zu ſeyn. 
end poflierliche Nede ober Handlung ; Iufliger 
Snaken⸗Kopp: Fragen-Gefiht: vilage grotesque: ift 

in der Mahlerey und Bildhauer-Runft mas Defanntes, 
Woher fommt aber der Nahme? und waruͤm nennet 

man ſnakiſch, mas ungeftalt und lächerlich ausſiehet? 

Der Hr. D. Steinbach meinet, es komme von bem Mies 

der⸗ Saͤchſiſchen Worte fnaEEen, b. i, reden. — Quia, 

. ſagt et, aliis Germanis baec vox mira auditu fuit, 

tO dixerunt: es find Schnafen, i. e. wunderliche 
oder laͤcherliche Dinge. In Lexic. p.472. Allein, da 

er aus ſnakken eine vocem Theotifcam machet, wer find 
denn doch, aufferhalb Nieder-Sachfen, die andern Teut⸗ 
ſchen, denen eine vox Theotifca fo wunderbar vorgefoms 

.. "wt daß fie eine Schnakerey daraus gemacht? Mich 
e. obndt, nachdem e$ einmahl gewiß iff, daß Snake eine 
-  "Edange bebeute, fo fey e$ weit gläublicher, daß ein. 
isEÉT- Sure 








272 IDIOTICON 


— E. nappe mes em w 
2, ſchnell inam. Dat Slott ſaappet to: baf 
Schloß ſpringet zu. 
Sverſnappen: uͤberſpringen. Z. E. Wann e 
ner gar zu i ſinget, ſo ſnappet em de 
Stemme oͤver. 
ſnappſch: ſchnell und fed im Maule, beiſſig. (Conl 
Mnauif & ſnibbſch) Eene fnappfche Deern: cin 
ſchnaͤppiſch Maͤdgen. Vielleicht ſchreibt (id) biefes her 
von dem Hollaͤndiſchen Snap, welches Kilian dolmetſchet 
ulitas, loquacitas. So heiſſet auch in Bayern 
[rm blaterare, nad) Prafchii Anmerckung in 
Glosfar 


Snau: ı. Snabel, oder was ſonſt nad) foeneeng imb (darf 
we gugebet. Z. C. Schiffe, welche leichter fegeln und 
| | durchſchneiden ſollen, werben up de. Snau ge 

bauet, b. i, fie lauffen gegen den Vorder⸗Staͤ⸗ 
ven nicht rund und baͤuchicht, wie die Laſt⸗Schiffe, 
ſondern ſchmal und ſcharff zu, wie die Fregatten, 
Jachten, Caper ud. gl. 
4. eine — Art kleiner See⸗Schiffe, welche dieſen 
Mahmen führen. 
3. metaphorice: ein loſes Maul. Conf. Kilian, 
P. 498. 
fnauen: belffern. Se beit nicks, als pauen un frauen: 
Sie gancfet und beiffee immer. 
anfnauen: trogig anfapren. 
uͤmſchnauen: üm fich beiffen. 
wedderfchnauen : wiederbellen, freche Antwort geben. 
ſnauiſch: beiffig, zändifh. 

Snede: Schnitt: ſectio, & fegmentum: eene Snede 
Brodt ꝛc. Man nennet daher aud) Snede, ein Stüd 
Landes, das durch Graͤben abgeſchnitten iſt, oder ſeine ein⸗ 

| geſchnittene Grentze hat. Eenem ín den Snede ka⸗ 

€^ Quen; einem ing Gehoͤge gehen. (Anglo- 


N 





HAMBVRGENSE, 273 


(Anglo- Sax. Snæd, particula, fruſtum; fnadan, 
refecare. G.) 
neidig: fehnell, hurtig. Dat Schipp geit fneidig fort: es 
pu (darf. Een fheidigen Aopp: us burtiger - 
opf- | | 
Snepel: ein gewiſſer Zifch, beffen Naſe bleich wird, mann er 
ſterben will. Daher bey ung bie Redens-Arc: ſnepel⸗ 
baftig utb(ébn: ein kraͤnckliches Anfehen haben; it. be 
(übt uch, als een Snepel, de verjcheden will, 
Sinibbe: 1, Schnabel, Spige, 
2. Schnepf, weil diefer Vogel befonders lange. 
ſchnaͤblicht ift. | zu 
3. ein dreyeckigtes Laͤppchen, welches mit niederges 
kehrter Spige von bem leid-teagenden Frauen« 
zimmer vor die Stirne gebeftet, und, nad) Maß⸗ 
gebung der gangen oder halben Trauer, von 
ſchwartzem Flohr, ober von Cammertuch ge 
macht wird, 5 
ſnippſch: quali ſnibbiſch: fpigig, beiffig, nafenmweife im © 
reden und antworten — 22 
(Gnyber: Schneider, EE 
Snyder⸗Koͤrtzwyl: Snyder-Courage: bie Kräße, als 
womit biefe guten eute, wegen des vielen ſitzens, vot ans 
dern geplager find. Weil fie auch, aus Mangel der Bes 
toegung, mehr Kälte empfinden, fo ift ein Sprichwort: 
He fruͤſſt, as een Snyder: ihn frieret, mie einen 
Schneider. 
Gnyber25raben malen peiffet einen Granbigen Geruch 
machen, mie bie Schneider, toan fie die Nähte mit den 
. heiffen Gifen biegen. M.) 
ſnigger: munter, feifch. fÉene ſniggere Deern: ein frifches, 
warferes Mädgen. Aeführnoch ſniggeruth: er hat 
noch ein geſundes und munteres Anfeben. 
(Danis olim fnög, lepidus, concirina facie, fcitus. 


(7 Sed vix hodie in vía, nififortasíis plebilutiose; e.gr. | 
& Cx 





- 274 IDIO TICON 


Gnóg fom en Gtáevunge, i ie. m fturnini infar 
fcitulus. G.) 
ſnikken: erſticken: verbum neutrum. Wird ſonderlich von 
der Wircfung eines Dampfes ober ſtarcken Spiritus ge 
brauche. Dar fehull man van ſnikken: davon ol 
man erſticken. He fritt, dat ‚be ſnikken mugt: e 
feiffet,daß er erſticken mógte. Si ſnikken: —* 
ſnippſch: ſ. Snibbe. 
ſnirren: 1. ſchnuͤren, feft zuziehen, hart binden. Dat [niree 
my: das i(t mic qu fe(t gebunden. 
toſnirren: gufbnüren. Z. €. Die Kehle, 
Snirre: Schlinge, Fall⸗Strick. Snirren leg⸗ 
gen: Schlingen ſtellen. 
(fnirren Danis cft ſnorer til, & Snirre, Schlin⸗ 
ge, noftri vocant et Snoͤre. Snore, Schnur. 
- . Vid.Schilteri Glosſar. Teut. p.749. — Anglo- 
^ . Sax. Syran, & befyrwan, illaqueare , vbi » qui- 
" . dem non apparet, fed accesfit poftea: quemad- 
modum nar, celer, protinus, in vetufto Glos- 

fario Francico eft far. G.) 

2. zu ſchnell braten, bet "- zu nahe bringen, 
beſnirret: vom Feuer zu hart angelauffen, 

[ninig: befchnellet, und nach dem Brande ſchme⸗ 

end. 

Snirr⸗Brader: untuͤchtiger Koch, der den Bra⸗ 
ten oder den Schmalß uͤberſchnellet. 

Snirr⸗ Braderey: wann alles auf dem Roſt, 
oder in der Pfanne, nicht aber am Spieſſe ge⸗ 
braten wird. 

Snittker, Snittjer: Tiſchler: ſcriniarius: menuſier. 
fhóoe: witzig, (lau, Wird bey uns ſelten im argen ge 
nommen. 
Cfhepen: maiden Uth der Böte fhopen : aus. der Taſche 
te(fen. 


| Snoperey: Rafhereprals Obſt, und allerhand dergleichen, 








HAMBVRGENSE . 995 


oc, Mein aus der Sand, und opue Mahlzeit wegſchlek⸗ 
Lo fer&’M.) Soll. fnoeperye, und fnoep. Merckt: Naſch⸗ 
Marckt: forum cupedinarium. —— 
fnoven, it. fnorken amd ſnurken: ſchnarchen, ſchlaffen. 
verſnoren:verſchlaffen, verfaullentzen. Wir fügen ges 
wöhnlich zufammen verhoren und verfnoren: He 
bett dar fynige verboret , verſnoret un verfum» 
fumfeyet: Er hat bae (einemit Huren, Faullenzen und 
:Wolleben herdurch gebracht, 
* und Snoͤvel, ſ ſſnuven. 
ena: Schnauge,.Nafe, itemtie Border Epite, mnſonder⸗ 
‚heit an Schuen und Pantoffeln. Saber neye Snüffen 
upfetten Deiffet, die durchgeſtoſſene Spigen mit neuem 
. tee Hos wie an den en Kinder Schuen zu geſche⸗ 


— 


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^ wnur$ « 


dber durren —— und von —— Sici 
, unb Marfchländifchen unterichieden-söerden. 
ſnurren: t ſchlucken, kluchzen: fin ultire, * weenet, dat 
he ſmurket: er weinet, dab er 
Snukkup: ſingultus a vyentriculo. 2. 
Snum-Pypen: Schnure-Pfeiffen, nnd, Zeug. (Snurr⸗ 
| pu un Haſpel Tangen: allerhond elendes Haus⸗ 
eraͤthe. M.) 
inae: Schnauge, Rüffel, Nafe der. Thiere. € eo, Wor 
„de Hund den putt apen finde, bar fleit be de 
Snut in; inoffene —* ſchlaͤgt der Hund das Maul, 
dei. Gelegenheit macht Ir uber Pöbeb Sprache 
4 | 2 Kr 


7 


a6 IDIOTICON.: 


am—m—— (i — — 


—ã 
veraͤchtlich beleget. Hohl de Snut: halts Maul. Se 
hadde cene fule Snut: fie hatte ein loſes Maul, 
Wullt du eenen upde Snute hebben: Willt du eine 
Mauſlſchelle? (Recht uch der Snuten: nichtig, 

.  tedifboffen. M.) 
eafihuten: abfouffen faffett, übers Maul fahren, M) 
Fuul⸗Snut: ungemafchener Sau» Nickel. 
Wys⸗Snut; wysfnuten, wysſnutig, Wyeſnuterey: 

naſenweiſe, Naſenweiſerey "m mà ) 
| fnütten: ſchnaͤutzen. Dat Kicht affnütten: ade 

- . pu&en DeLief utbfnütten : ble Naſe fou 

.  €niütte , Licht Sniünter: Licht⸗ Putze. 

ſnuven: 2 ſchnauben: exfpirare, & reſpirare. 

uthſnuven: bie Safe auswerffen. Snuv erft 
de VNeſe uch: fo ſagt man zus einem jungen 
Geel⸗Schnabel, der fein Urtheil zu frühe mit 
einntengen, unb fon was gelten wit, 
upfhuven: in bie Nafe aufholen, wie unartige 
Kinder ihren Abfluß zu tbum pflegen; 

2. pochen, troßigreden, Wat beft duo ſnuven: 
was haft du zu pochen? Makt mari nich veel 
ſnuvens: gebt nur nicht viel unnuͤtze Worte. 

3. ‚fischen, fpüren, nehmlich mit dem Geruch. Conf. 
ore de quo füb communi radice enifr. 

doͤrſnuven: genati durchſuchen. — 
upſnuven: aͤufſpuͤren. m 
Gntvup, Snuo⸗Katt, Snuv in de tritt, 
ſind Nahmen eines vorwitzigen Forſchers, der 
die Naſe allenthalben hat, und neugierig hinter 
alles ber ift. 
. gefehtwinde fortgehen. 2. E. Von einem. wel 
— Schiffe heiſſetes: bat ſnufft t herdoͤr. 
it dat geit, dat et ſnufft. (So haben wir aud) 


eine Redens⸗Art, womit wir einen andern in Ver⸗ 
wun⸗ 





Pr} 





HAMBVRGENSE. , 3» 


wunderung über etwas ungewöhnliches fegen : Wo 

sooo dat fnufft! d.i. was deucht dich dabey? miebas here 
aus komme! das mag fich fehen laffen. M.) — 

Snoͤve (on): Schnuppen. (Sprw, Wo du dat rüchfk, 

ſo beft du Eeenen Snoͤve: merckſt du das, (obit du 

nicht dumm. M.) Meraphorice von tebeng- Mitteln, die 

fi) wandeln, oder verderben wollen: bat bett den 


Er ve all weg. . 
iſch: was den Schnuppen hat: he ſprickt heel 
ſnoͤviſch: er redet ſtarck nach einem Schnuppen. 
Item was ben Schnuppen wircket. 2. C. ſnoͤviſch 
Wedder. I 
(Eene ſnoͤviſche Deern: ein junges abgeſchmack⸗ 
tes Menſch. M.) | 





€inóvel: Rog-töffel, ungewafchener Bengel. (Huc & - 


Anglo-Sax. Snofe/, mucus, rheuma, G.) 


Sode: Raſe: cefpes, gagon, Torff-Sode: cefpes bitu1 


minofus. | 
Soͤde (oy) das Sieden. "In ben Soͤde Eamen: zu ficden 
anfangen. Den wooróver gahn laten: etwas 


nur auflieden laſſen. yn der Zucker⸗Siederey ift der 
. SHdedas Geheimniß des Meiſter⸗Knechts. Metapho- 
rice (agen wir: eenen in ſynem Soͤde feeden later, 
b. i. einen bey feiner Weite laffen, ipm Feine Einrede thun. 
Saden un Braden hebben heiſſet beym gemeinen 
Manne eine volfftändige Gafterey haben. 

(Anglo-Sax. afeodtan, coquere ; feodtan, ebullire; 
. foden, deco&us. Danice fybet, coquo; ſodden, co- 

- ^: Aus; Sod, ius, iusculum e carne, : 
ege (ey): Sau, Mutter-Schwein : fcrofa: true. Daher 
die weiblichen Schelt-Worte: fuule Soͤge: faule Sau. 
Schoͤl⸗Soͤge: Plauder « Mege ꝛc. Sprw. He 
kummt bat an, as de Soͤge in t Juden⸗Huus: er 

ift da ſchlecht willfommen. | 


ſoͤgen (os): ſaͤugen: lactare. (ſugen: ſaugen: lactere.) | 


G 5 eque 


278 .IDIOTICON 


Soͤge⸗Minſch/, Soͤge⸗Moͤhm: €àusedii^ nutrix 
ESprw. He is fo rund tàn fett, ao wenn be mit der 
Buͤſſe Pet waͤre. M) — Uto. 
Sog: Säuge-Milch: copia la&andi in nutricibus. Ge 
bett oben Sog: fie hat gute Milch. Er vergeit de 
Sog: ſie vertrocknnft. 
Soͤrren: Fuß⸗ Soͤcke. Haſen⸗Soͤkken: ſ. Haſen. 
Upn Soͤkken fitten; krancke Fuͤſſe haben, wipe. gehen 
" sonnen. J 
fólen (om) ſollen. S. ſchoͤlen. 
ſoͤlen (cn) ſudeln, ſchmutzen. Du heſt dy (olet: bu Haft tib 
ſchinutzig gemacht. De Wand folet af: die Wand 
laͤſſet die Farbe ab, man machet ſich daran garſtig. 
(Idem Danis noftris fignificat at ſoͤle. Anglo-Sax. 
Sole, volutabrum. Sus in volutabro, Danice: Soen 
: (vel Svinet) í fin Soͤle. G.) 
befólen: befhmugen. Es heiffet aber aud) oon einem, der 
ſich voll gefoffen, be bett fick beſoͤlet. 
(Cólwuft: Schmugnidel. M.) | 
Soͤl⸗Gaſt, Soͤl⸗Broder: Teundenbold. Bann es abet 
von einem befoffenen heiſſet: he is recht ſaͤlig, (s binid) 
nicht der Meinung, bag man fchreiben müffe ſoͤlig. 
Denn man will damit niche (agen, daß der trundfene 
Menſch befudele oder fänifch, fondern daß et in feinem 
Sinne recht vergnügt und in der beften Beſchaffenheit 
few Diefes fälig wird zwar, nad) gemeiner Gewohn⸗ 
. heit, feelig geichrieben, fommt aber nicht von Seele, 
fondern von dem alten faft verlohrnen, im Norden aber 
noch befindlichen Stamm: Worte Sal, welches einen 
vollfommenen Zuſtand, oder wahre und behörige 33e 
ſchaffenheit eines Dinger, mie es feyn foll, oder zu ſeyn 
gervünfchet wird, bedeutet. Wir Tentſchen haben es nur 
nod) in compofitis: Schickſal, Labſal, Drangfal, 
. a. m. item in deriuatis compofitorum pariter deper- 


. ditorum ; gluͤckſaͤlig, holdſaͤlig, feindfälig 1c. 
j Ä Diefem 








HAMBVRGENSE. 379^ 


im zufolge, deuche mich, lieffe fi) beffer, als durch alle 
andere Muthmaflungen, erklären, was für Leute Franci 
Salici geheiflen, nehmlich wahre aufrichtige, von Alters 
ber in ihrem Lande eingefeilene Francken, die fid) nicht, 
wie etroa die Ripuarii, mit fremden Voͤlckern vermenget. 
Und fo wären denn die Saliſchen Geſetze auch nichts 
anders, als das Ius proprium & topicum Francorum 
verorum & indigenarum. 
Soͤle: Salg-Auelle: ic. das Waffer, woraus Saltz geſotten 
wird. | 
Solt: Salg. In't Solt hauen: einbauen zum einfalgen. 
(Sprw. Solt un ſuur verbaroen de Natur. ir. 
Dat leet fic wol uch Sole un Väter eten: fo 
fpricht man proprie von koͤſtlichem Fleiſche und fchönen 
Fiſchen; metaphorice aber von einem Srauenzimmer, 
welches, aud) ohne Kleider⸗Schmuck, liebenswuͤrdig iſt. 
Suͤlte: 1. Suͤltze, Saltz⸗Quelle. 
2. Junges Schweine⸗Fleiſch, ſo gekocht , unb üt 
Effig verwahree wird. . 
&ült: SatPen: Span · Ferckel, oder fonft ein 
kleines zartes Schwein zur Suͤltze. 
Sommer⸗Flage: ſ. Flage. 
ſoor: duͤrre, ſaftlos. Was der gute Hr. D. Adrianus Beier 
hievon fuͤr wunderliche Ableitungen mache, iſt oben bey 
dem Worte Seer angemercket worden. 
verſooren: verdorren. 
Soot: 1. Ziehe⸗ Brunn: puteus. 
2. das Waſſer, fo viel zu einem Brau Bier gehoͤret. 
Soot⸗Rode: der ſtehende Pfahl, an welchem der 
Soot⸗Swengel, womit das Waſſer aufgezo⸗ 
gen wird. 
Soot⸗Stool: bas Geſtelle, ober bet groffe viet: 
eckichte Trichter von Hols, worin das Waſſer 
. zum Brauen geftbópffet , durch SXeifec gefeiget, 
2... wab vermittelt Rinnen in die Pfanne geleitet 
| wird. e 4 &orqe: 





280 IDIOTICON 00 | 
— un . E 
Sorge: Leichen - Trauer. | us — 
Sorge⸗Mann: Teauers Mann. — Corste'ttabn: als 
Trauer⸗Mann gehen. Sorge⸗Luͤde: lge von 
Verwandten. rge⸗ Cóg: Trauer Kleidung des 
Gefindes. | 
' fpabbeln, welches auch fparreln ausgefprochen wird: fpat 
* — ten: zappeln, fid) fperren. MEM 
fpaEen, verfpaken: faulen, anbruͤchig werden. Wird eigeno 
| lid) vom Holge gefaget. 3. &. De Balken beginnen 
to fpaken. Ic. Verſpaket Bande⸗Goot: dolia ca 
rie corrupta, | 
abi, ſpakerig: mürbe, morfch, angefaulet: cariofus: 
i ic m efficit : 3. G. de Keller is ſpakig: 
b. i. es wird darin, wegen Mangel der $uft, ein Holß 
Werck gar leicht von der Faͤulung angegriffen. ' 
Spalk: fárm, Rumor. fÉenen bupen Spalks maken: 
viel Aufhebens machen, durch Wiederſetzlichkeit groſſe 
Muͤhe verurſachen. | 
fpalken: hefftig handthieren, ſtuͤrmiſch zu Wercke gehen. 
be paite darmanckt herum: er rumoret Darunter 
et nt 


| (Spar⸗ Endken: Licht⸗Knecht, Profitgen. Franz. binet. 
Engl. Save all. M.) | 


(Speel-Schüte: Luſt⸗Schiff. M.) 


Speer: Spieß, Speer, Stange, He fcbreyet, as voenn be 
nis Speer ſtaͤke: er fchreiet, als wenn ecam Spieffe 
eckte. 

ſpeeren: 1. upſpeeren: aufſperren, oͤffnen: distinere. 
Daher Speer⸗Holt, und Speer⸗Stock. 
Mit jenem werden bie Hinter⸗Beine, mit die 
ſem der Leib eines geſchlachteten Ochſen von 
einander gehalten. Speer⸗Haken, womit die 

Fenſter aufgeſperret werden. 
2. toſpeeren, inſpeeren: einſperren, einſchraͤn⸗ 
den. Daher Speer⸗Mate: das u 2 (o 








_ HAMBVRGENSE. 281 





. bey Dprigfeitlucher Befichtigung dem Bauenden ges 


. geben wird, wie weit er nehmlich mit feinem Gebäude 
binausrüden dürfe, oder nicht. 


Spegel: Spiegel, nach der Ausfprache gemeiner feute beten 
etliche aud) fagen &ipeyel, 

Spey: Speichel. (Bon fpeyen iff bad Sprw. an einen, bee 
was übeles oder unmahres geſagt hat: ſpey utb, un 
ſprick anders. M 

pente, wegfpenkern, benutbfpentern; wegjagen, vers 
treiben. 

Spyber; 1. Speicher, Gebäude zur Aufbehaltung des 

Korns und anderer Kauffmanns⸗Waaren. 
Daher das Lager⸗Haus zu Eßlingen an der 
Elbe, der Tollen⸗Spyker. 
2. Nagel: clauus. | 
fpyPern : 1. nageln, mit Nägeln befeftigen. 
2. eel SS en, Zufchub thun. Wy beft eus 
ett: wir haben ihm tüdbtig une 
finc "De Moder fpyEert den Soͤhn 


mit Gelde: die Mutter fleet dem Sohne 


zur Gnuͤge Gelb zu. 

Zpyle: 1. Spießlein von Holtz, fo man inder Küche zu alfete 
and Giebraud) bat, infonderheit ein Gebratenes 
am gröfferen Cpieffe zu befeftigen, z. E. Hoͤhner⸗ 

Spylen 2c, Fr. brochette. Engl. Skewer. 
| len; a) ein Geflügel fo durchfpieflen, daß 
upſpy ) erf , Flügel und ‘Beine feft und 
gefhicklich anliegen. Daher es 
von einer unerfahrnen Köchin heife 
Ki fé doͤgt Feen Hohn upto⸗ 

pyien. 

O) auffperren,, durch ein Quer Hölg- 
chen von einander halten. Auch 
fage man: den Kindern den 


. Magen upfpylen, wenn. Ki 


€ s. ER 


P. 


482 ^ "IDIOTICON: -- | ] 


durch allzu vieles einſtopffen bet Magen 
nur ausgebehnet wird... :. 

2. ber zarte Kiel einer Jeder, die noch in ber Haut lie⸗ 
get, welche Spylen, beym nachrupffen, dem Ge⸗ 
flügel ausgezogen werden. | 

(pillen, werfpillen: verſchuͤtten, neben abfallen laffen; it. un 
nuͤtzlich verthun, vergeuden. (Sprw. Wor nicks is, 
bar ward ook nicks ſpillet: wer nichts bat, darf auch 
| nichts verlieren. M.) ' EE 
Cfpintiferen: nachdencken, grüben. M.) — \ 
Spyr, Spyrken: Zäferchen,. Een Spyrken Gras: her- 
PV ula tenuis. Tli een Gpyr: pH bas geringſte. 
. Spyt: Verdruß, Hohn. Holl. Spye. Engl. Spite, Dyto 
Pr Spyt: hi ks eg bet re be Fan th 
Spyt: das fagt er nur zum Hohn. - 
fpyten : verdrieflen. Dat fpytet my: das verbreufit wich. 
— pytig: verdrießlich; bas einem leide tQut. Dat is fpytig: 
, . ba$i(t Schade, bas mag einem nahe gehen. | 
tifch: hoͤhniſch, ſpoͤttich. Spytſch utbfebn: ein 
| tet id — die M RAND 
Sppytſchheit: ein ſpoͤttiſches, verächtliches Wefen in 
2 Worten oder Gieberben. Ä | 
. (Spittenlicher: junger Degen-Träger, dem der Spieß zu 
frühe. angebunden. M.) | u 
Splint : ein kleines plattes Duer-Eifen, mit unb ohne Feder, 
welches den Riegeln, Bolten, Anckern ıc. durch ein läng« 
, lites tod) an ihrem Ende vorgeſtecket wird, daß fie nicht 
zurück gezogen werden koͤnnen. 
Isten: fpalten, reiflen, actiue & neutraliter. (Dan. fplitter ; 
fe P landice [plita, & Jundurfplita. G.) Engl , Split. 
een Ayt un Splyt: ein Zernichter,, der alles reiſſet und 


fpaltet, Compofita: upfplyten, oórfplyten, affplys 
en PE | 


Spiete („): Spalte , Riß: rima , fisſura. | 
Splitter: ein Spänlein vom Zerfpalteten: feltuca. Hol. 








HAMBVRGENSE 483 


a und Engl. fplinter, per Epenchefin, io ivie ic 5x. YOadbtee 
meinet. Daher bey uns bae Wort fplínterznateb, an 
: „flat ſplitter⸗naked. (Dani dicunt Splitternögen; 
m lüutia ſplitter⸗nagen. G.) Die Ober⸗Sachſen thun 
hinzu: Splitter- Safensnachend, das iſt, ſo gar bloß, 
daß nicht ein Spaͤnechen oder Faͤſerchen daran gu ſehen iſt. 
pplittern: in kleine ( &póne zerſpalten. 
ſpoͤhlen: ſpuͤlen. | 
dahlſpoͤhlen: durch einen Std tranf —* in ben Ma⸗ 
gen bringen. 
upſpoͤhlen: auf der Bleiche. M.) 
de Spöhle : der Ort am Waſſer⸗Graben, wo bae gebleichte 
feinen» Gerärhe wieder abgefpület wird. 
pooben, ie.fich ſppoden: hurtig ſyrtmachen eilen, ſpuden: 


feſtinare:: rd, aroudälen (f, cedens 
Engt. to fpeed. Se: b J 
(v dig: adiect. & aduerb. eilig, Rif: cmrovdaieg: - 
fene ſpoodige Reife: eine geſchwinde Reife, bie bald 
. abgelegt, wird. Baht ſpoodig to: geht Durtig gu. 
Notkerus, Pfal. CXLVIL 4. citante Wachtero: Sin 
euangelium loufet Junge: fermo: eius currit velo- 
citer. 
vérfpoobiq : vorellg nimis cde Bopnecepsi in oc⸗ 
cupando negotio. ... ^. 

Spood: Cile, GSeſchwindigkeit im ausrichten: 07 dx. 
Dar is Feen Spood achter : bas Werd wird nicht ge» 
bI Sprw. Je Worer Haft, ie minder Spood. 

[ei . , 
SpooP: Gefpenft: (pectrum. Berächrlicht nennet man einen 
kleinen hagern Menſchen een luͤttk Cpoob; unb eit 
kleines Mädgen een recht Spook van'r Deern. 
ſpaͤten/ fpsten gahn: ſpuken. Spoͤret nich mit dem 
uͤer: gehet mit bem Fener nicht unvorſichtig heruͤm. 
;en (pots e et " van Diod; e s fidei in 


u EE : ES 





234 IDIOTICON 


est (om): Gefpräch, it. Spruch. He i nich. — 
Gipróbe: er laͤſſt niche mit fid) (preden, er iſt nicht bey 
guter Laune. Ick willEeen Sprök darvan hebben: 





ich will davon wicht gerebet wiffen, - emt, Book: | 


Spruch⸗Buch. Tct 
(Spring Mahl: im Ballen ⸗Spiel. Rock: 
Unter-Rod, ben ein Frauenzimmer beym n zu⸗ 


erſt uͤber wirfft, und gleichſam in denſelben bineinfpeim 


get, M) . 


Spucht: was Eleines und ſchmaͤchtiges unter Menſchen und 
Thieren. Ken Spucht vam Jungen: ein kleiner 


unanſehnlicher Bube. Conf, Spoor, woraus vielleicht 


dieſes Wort geworden. 


pubis: ſchmutzig, unanſehnlich. He (übt m man. n fpubbig 
uch: er kommt nur armfälig aufgezogen. Eene (pulv 
dige Deern: ein ungewafchenes mgri 
Staff: 1. Stab: baculus, fcipio. | 

"2 Brett oder Daube zu Faͤſſern. ‚St frat: 
Boͤttcher⸗Holtz, das zu Dauben oder af cbe 
gefehlagen. Das furgeindiefer Art, ſo zu kleinern 

Gefäflen dienet, wird Alapps Holt genannt. 
3. Stůtze. Daher Staff⸗Dreger, die bey vorneh⸗ 

meien Leichen mit Stuͤtzen (baculis ſuperne furca- 


tis) beyher gehen worauf bie Bahre niedergelaſen 


wird, wenn etwa bie Träger ermuͤden. 
ſtaͤvig: ſteiff, ſtarck, wie etwan ein feſter Stab. fio 
n etel, be eenen ſtaͤvigen 
Im up den Benen ſteit tC, 

fan: Din ) 
fiebre ift bey uns eine Kebens-Yet, die vielleicht ei⸗ 
id) von einer Schild⸗Wache Becfommt, inggemein 
aber von allem gefagt wird, mas derbe und tuͤchtig iſt. 


8. &. Dat is een Kerel, de ſtah ſegt: das iſt ein ſtar⸗ 
der handfeſter Kerl. He Preeg eenen, de Pann ſtah 
ſeggen: er kriegte eirien beds Schlag. . Gab 





^. HAMBYRGENSE ——— a8 


Stah uyun gab weg: Ehrenpreis? Veronica. 
| Adrian: Semen Staphisagriae, — . 
Stahvoͤr: fo nennen wir eine ſtarcke wolgeſetzte Perfon, 
biegut vorftehen, und eine Arbeit kann auf (id) anfommen 
laſſen. Es is een gooden Stahvoͤr: esift einderber 
Kerl, der gut gegenhalten fam, 
verftabn: 1. verftehen: intelligere.. 
2. ausfkeben, überftehen: ftando perferre, non 
' ]abi. De Oſſe verfkeit veer Slaͤge: der 
Ochſe Häle vier Schläge ftehend aus. Daher 
A. o. das Sprw. von einem betäubten oder verſtoͤr⸗ 
GU ten Menfchen: He fübt uch as een OB, 
»^«  . beeenen lag verftabn bett. Auchfagt 
2... man von einem Säuffer, der ſo leiche nicht 
.. Wiütet die Fuͤſſe zu bringen ift: He kann 
45 c wat rechtes verffabn.  . - 
Stack: din abgeftugter Damm, der quer in den Fluß hinein 
gelegt. wird, dm den Strom von einem Ufer abzumeifen, 
welches man entweder erhalten, oder Land daran gewin⸗ 
nen will; moles in transuerfum flumen iacta, ripae vel 
muniendae vel ampliandae caufa. |... — 

Stack⸗ Meiſter: Bau⸗Meiſter in Deichen und Dämmen, 
Stake: Stange, langer Stock: pertica, contus. Hoppen⸗ 
^. Staken: Hopfen Stangen. Bohnen Staken: 

"fabarum crefcentium füstentacula, Gang ſonderbar iſt 

hieſigen Ortes die Redens⸗Art, ba titan von einem Mens 

: (deity bet ſtarck effen kann, zu (agen pfleget: He Pann 
eenen gooden Staken verfetten, Wofern ich reihe 
miuthmaſſe, hat biefes feinen Urſprung von den Schiffe 
^ feuten, bieein arofles Gabrgeug mit Staken oder Stan« 

. » get fortfchieben: muͤſſen. Dieſe pflegen gemeiniglich 

fſtarcke handfeſte Kerle, mithin auch ſtarcke Effer zu feyn, 
üt eine gute ſchwere Stange handhaben und verfegen gu 
fÉnnen, wovon man ih Hamburg ben Beweis alle Tage 
mit duſt vor Augen hat. 





286 ^"IDIOTICON . ! 


p 


Amt 


(Anglo-Sax. Staka, ftipites. Dan. Stage, . Cer- 
rum quod ad iftud: he. Bann eenen gooden Stafen 
verfetten , vocabulum Stafe heic longe aliud quid 
denotat, fci]. aceruum, vel edulierum copiam, Stad 
enim Danis eltaceruus, cumulus. Icaen Stack 
cumulus focni; en Stack IA otn, mergitum aceruus 
Hinc & en Stack Foͤde, vcl et oproget Sab Mad, 
i.c. aceruus vel cumulus efculentorum in patina conge- 
ftorum, fcilicet cx carnibus falitis, perfa, farcimine&c. 
:** — qualem noftrates vocant et Fad Gammel⸗Mad; 
cuius cognitionem habuit Leibnitius, vt videre eft ex 
Glosario Chauc. p.48. A Stackeft verbum at ſtakke, 
ftaffe op, cumulare, aceruum efficere, coaceruare. Igi- 
* tur facesfat coniectura illa de nautis & remigibus. G.) 
- . Non mouentallata, vt coniecturam meam metony- 
'micam de valido conti du&ore, pro bono comedon:, 
ilico a noftro diuerbio reiiciam. Nam primo dat 
^* — Citad! & de Stake non fono tantum vécalium, fed 

- ipfo etiam genere differunt; quemadmoduin necidem 
| — eriuata ſtakken, cumulare, & ſtaken per- 
tica mouere. Deinde nec quadrat verbum seetfettet, 
quod conto aptius, quam aceruo, conuenit, Denique |! 
non liabent noftrates verbum ſtakken, etſi habeant 
Stack, ea fignificatione, quam paullo ante explicaui; 
ad quam fi, propter notionem congeftae molis, refpice- 
retur, dicendum eflet een good Stack verfetten, non 
autem eenen gooben Staken. cata 
(taben ; 1. mit der Stange arbeiten , ſſchieben. ::Daher 
fortſtaken, welches per metaphoram.otd 
von einem ieben gefaget wird, der fein Werd 
eifrig fordere: be ſtaket brao fort, Ein 
Srauenzunmer, das im Haus⸗Weſen recht⸗ 
ſchaffen Hand anleget, pflegen wir eenebrave 
Staferfche zu. nennen, Gs 
. 2, forfchen mit ber. Stange entweder mad be 
Tieffe, oder nad) etwas, das am Grunde lieget, | 
Se ſtaket barna: fie ſuchen es mit der | 








. Stange: 


HAMBVRGENSE. * | 


- Stange. Daher upffaten: auffüchen. 

weet Dat Book nich up to ſtaken: ich. Fa 

das Buch nicht auftreiben. He ſtaket acbter de 
Obren: er fuchts hinter den Ohren. 

4. bat Süer ſtaken, b. i. ſchuͤren, aufrühren, Das 
ber toſtaken: zufchüren, und naftaken: nad 
fhüren, mehr Holg zufchieben. Een Stabes 
brand heiſſet ein Menſch, der alles herum vüpret, 
und fo hitzig arbeiter, als einer, der eine grofie Glut 
zn unterhalten Dat. 

4 Stangen beyſtecken. Z. E. De Bohnen [And 
noch nich geſtaket, d.i. es find noch Feine Stans 
gen daben geſtecket. 

5. jagen, bannen, quafi baculo aur pertica abigere, 
Je will dy ſtaken: id) will dir Fuͤſſe machen, 

und (tatet de Stöhr. 

6. an ſtat ſtoͤkern. He ſtaket indenTänen: Er 
ſtoͤchert in den Zaͤhnen. 


(StaEett, oder Stackitt: ein Gehege oon Stangen ober 
Staken. M) . 


talt⸗Rock: Staats Mantel, oder Aınpes-Kleidder Rat $ 
Perſonen, wie aud) der Ober-Alten unb Kirchen⸗V 
her. Ob der Rahme von der eigenen Beftalt der Kleis 
dung, oder von der Beftallung und Ehren:Stelle des 
. ver, die fie tragen, herfomme, a € fid) beides muchmaflen. 
amern:. ftammeln:- balbutire. | 
Ammiíqg: fteiff, (tatf, wie ein Stamm. Conf. ſtaͤvig, in 
Staff. 
eenſtaͤmmig Holt: Balcken ober Pfaͤhle, deren nicht mehe 
als einer aus einem &itamme geſchnitten. | 
tande: eine hohe Botte, welche unten etwas weiter; als 
oben, bisweilen auch mit Ohren oder Haken verſeheniſt, 
damit man ſie am Zuber⸗Baume tragen koͤnne. Alſo bat 
man Melck⸗Standen, Botter⸗Standen, Fleeſch⸗ 
Standen, u. b. gl. * 
Suter 





88 ." IDIOTICON 1 


Starche; junge Kuh, die nod) nicht jährig ift: iuuencula, 
ſtauen: 1. feft und gepackt zuſammen feßen, inſonderheit die 
Waaren in einem Schiffe, weiche in der Fahrt 
nicht müffen gerüttelt, geftoffen ober zerdruͤcket 
werden; wiedrigen Falls hat der Schiffer nicht 
wol geffauet, und ift für den Schaden gehalten. | 
2. hemmen, aufhalten. Wird infonderheit vom || 
Waſſer gebraucher, warın felbigesdurch Daͤmme 
oder Schlieffung der Schleufen an feinem Laufſe 
bbehindert wird. I 
(ſtauend Water: wann der Strom zwiſchen Ebbe und 
Fluth gleichfam ſtille ſtehet. M.) Wir ſagen auch ſonſt: 
es is ſtahnde Water. 

Stauung: der Damm oberhalb bet Mühlen, wodurch der 
Bach unnuͤtzlich wegzulauffen verhindert, und das Waß 
ſer zur Muͤhle vorraͤthig aufbehalten wird. Daher die 
Redens⸗Art: dat ſtauet nich veel: das bringt nicht 
viel zu, oder: das iſt ein ſchlechter Vorrath. | 

Upſtauung: Aufſteigung der Dünfte des Magens, mit ci 

. fet gählingen Hitze, bie (id) in der Roͤthe bes Geſichtes 
zeiget. 

Staven: 1. Gehaͤuſe zum Kohlen⸗Tiegel unter bie Fuͤſe. 

. Stove. | | 

2, Bad⸗Stube. Na'm Staven ttabn: in die 

Bad-Stubegehen. By Det Staven⸗Porte: 

Nahme einer Fleinen Gaffe in Hamburg, bey 





— — 


-— 








S. Mar. Magdalenen, 
Citáver: Bader. 
3. Eine Niederlage, oder Handlungs-Comroir in 
Norwegen. 
ſtaͤvig: ſ. Staff. | | 
Stede (m): Stelle. Nich uch der Stede: Feinesweges, 
| durchaus nicht. No s | 
Upſtede, upftee, upſtees: iego. Upſtikken fees : eben 
ietzt, ben Augenblid, | 
0 4 Stedig⸗ 





HAMBVRGENSE. 289 


tedigkeit (2): bie Gebult, lange auf einer Stelle, oder bey 
einerey Arbeit zu bleiben. Das Gegeneheil ift Fluͤch⸗ 
tig eit. )J . d 
teen⸗Hoͤvet: fleinern Boll⸗Werck am Waſſer; Grund 
Werd von Quader-Steinen unter ben Haͤuſern, bie am. 
Waſſer ſtehen. 
fteett; Cei, Schwantz. Baht up'n Steert fitten: fege 
euch aufn Steiß. | 
Steert⸗Dtuͤck: 1. ein €tüd vom Odfm, wo der 
| Schwanz an ben Rücken ftoffet. 
2, ein Clavicymbel, welches die Geftafe 
eineshalben, nach der Sänge getheilten 
Fiſch⸗ Schwauges hat, und fonft ein - 
Slügel genennet wid, — 
Steert⸗ Vadder: ift eine ungeziemende Benennung des 
legten unter den Gebattern, der bey der H. Tauffe dem 
Kinde gun Fuͤſſen (leben muß: mogu, nad) hiefiger Ge» 
wohnbeit, bey Töchtern eine Stanne« und bey Söhnen: ’ 
eine Frauens⸗Perſon genommen wird. | 
Wipp-Steert, it. Quick⸗Steert: ein unfteter Menfch. 
wippsfleerten: öffters aufhüpffen, nicht lange ftille 
figen fónnen. | | 
$tettel: ein Gang mitStuffen, wie in Hamburg der gröffere 
Dohms⸗Stegel, aufwelchen man vom Fiſch⸗Marckte 
gut Haupt⸗Thuͤre der Kirche hinangehet, undder Fleinere, 
oder Schopen⸗Stegel, näher an der ehemahligen Cas 
roliniſchen Burg, ale welche mit bem Dohme auf derfel« 
ben Höhe in Suͤd⸗Oſten gelegen, und zweifels ohne ihre 
Stegel oder Antritte gehabt, welches in einigen alten 
Stadt Wapen vermutblid) durch die Stiege oder Stufe 
fen vor dem dreythuͤrmigten Thore Dat follen angedeutet 
werden. Vom Schopen⸗Stegel ift oben unter dem 
Worte Schopen gehandelt worden. —— 
Reben. He ftebnet grote Stücke: er beklaget (i 
ebt. M. | 
il: fliel, gäbe: praeruptus, non leniter accliuis. . 
T Kam . 





290  -JDIOTICON " . 


. (Etiam Danicum cft, Angle-Saxonicum vete 
Sticol & flicele , arduus. 
fick (teilen : (id) aufbàumen; welches nicht affein von den 
Pferden, fondern aud) von Menfchen gefagt wird, die (id 
erheben, oder hoch) tragen. ! 
Steilitſch: Stieglitz, Dieſtel-Finck. Der gemeine Stam 
muß glauben, daß der "Begriff des ſteilens damit ver 
bunden fep, wann er een Steilitfch nennet ein Frauer⸗ 
zimmer, bae in feinem bunten Pusge bie Naſe Hoch teäget, 
eben (n) bedeutet ftecfen und ftechen. Daher ift bey unwiſ⸗ 
ſenden Niederſachſen, mann fie Hochteutfch reden wollen, 
bie Vermengung beider Woͤrter (ebe gemein, indem fie 
(agen 5. €. ein Richt anftechen; ein frifches Faß 
 enftecPen; wenn ihr bas Meſſer in Die Scheide 
ſtechet, (o ſtecket euchnichtindie Singer, u.digl. 
Bon bet Bedeutung bes flefeng Eominen br? · 
" Gtitten: Pflödchen, Stiffechen, Stänglein. Knuͤt⸗ 
ui tel⸗Stikken: Strick⸗Nadel. Bley⸗Witt⸗Stik⸗ 
Een: Reiß⸗Bley; Schryv⸗Stikken, Reken⸗ 
Stikken 1c, An einer Wage bedeutet es das Zuͤng⸗ 
fein, Daher recht im Stikken heiſſet aequa lance, 
wann bie Schalen gang gerade ſtehen, umb bie Zunge 
nach Feiner Seite hinſchlaͤget. 
eenen Stikken ſteken: fcopum vel limitem figere. 
Hoe hett ſynen Stikken all ſteken: er hat für | 
nen Zweck ſchon feft geſtellet. Ick will dyee un 
Stikken ſteken: ich will dir Grentzen ſehen, wie 
weit du gehen ſolleſt. Dar will ick eenen Stik⸗ 
ken by ſteken: das will ich merken, und nicht ver⸗ 
geſſen. 
Verſtek (u): ein Spiel bet Kinder, da eines das an⸗ 
dere ſuchen muß. | 
upfteben: gewinnen, erfparen, zuruͤck legen. 
Don der Bedeutung bes ſtechens aber find folgende: 
Ste (5: end. De Ste beiffet bey uns an ben 
| Odo - 








 HAMBYRGENSE. 291 


Schweinen bas Stuͤck unter bem Half: und zwiſchen 
den Kinnbacken " durch weiches. bas Schwein abge 
fi ge (t. PEN 
vy ved ffi: ponctuellement. Dewind 
2 u^ ck Oft: b.i..gerabe aus bem Ofen, nehmlich 
. von bent e oder Punct, wo auf bem Compaß 
Often if. Daher, mann man, wegen Dunckelheit 
—* Sad beten, und nichts en vf: 
iben Fann, fo heiſſet ee: et.is ſtikken duͤ ; it. 
man kann Aa eic! (pen, - - - | 
Stick⸗Beeren: Stachel: Bern, Stick· Dorn: 
ſtachlichter Dorn⸗Strauch. 
kengen: den Schlund verſtopffen, wie eine ſchwammichte 
ESpyeiſe zu thun pfleget, 
ſick ſtengen: fügen durch ein tingefudte, basi im 
Schlunde nit fert will, , .. 
"f fteiff. * &ityf 4I opp:; Starr ‚Kopf, Eigen Sin.” | 
‚ Bye upfiyven: das feinen» Geraͤthe durch Staͤrcke⸗ 
- Waller holen, damit es fleiff werde, und nicht fchlortere, 
iro Stärde, Koll. fores i amylon. vulgo 2umes 
LZ P1 
Stifft: eifernes oder melallenes Pfldckchen Nagelchen ohne 
Kopff; acicula; ir. ein abgebrochener Zahn im Munde, 
Stifft⸗Geld, ift ein Accidens der Slaſer:Geſellen von dem 
beſfeſtigten Fenſter⸗Bley. — 
Bygen: fteigen. Toſtygen kamen: angemandert fommer. 
t^ Steig, Wantel- Gang: allé. Daher unfet 
umfferns@yg, Papen Seyg ıc. 
e * Beert, uͤm daranf über oder ang Waſſer zu geben. 
Steg utb(myten : geſchiehet ʒ. Swann man aus 
einem Fahrzeuge an Land will. 


Stegel: ſiehe oben. 
: Stuͤtze, liget; en ſtarcker Pfet, der die Laſt des 
Gebäudes zu halten, und die Viegung der Balcken zu 
mun mme ow einem Menſchen "d 


CSS Cl 





—" 


* 


292 "IDIOTICON - 


ſtarcke Beine Dat, "oe wir deswegen zu ſagen: he 

hett een Paar goode Stypers. 
tuncken. Dat is nicks by to Rippen: if fein 

Vortheil bep zu Golem, : 7 

: - inffippen: eintunden. Scher heveiſe bedeutet e aud das 
Meigen des Frauenzimmiers, indem fie dabey, auf naſſem 
Boden, mit dem Saume eintunden. Der gemein 
Mann fagit: : ftipp in, b. i. nelge dich, 
Stippel, Stippelken: Tüpffel; Puͤnctlein. Rode 
F gene Im Gefichte: kleine rothe Fleclchen im 


Sic: eenem wat up den Stock dohn⸗ einem Verdruß 
^"  ?mb Kraͤnckung machen. Wofern bie Nedend-Art Fein 





Abſehen auf einen Kerbe⸗Stock Dat, femag iden! Ur⸗ 
terſuchen. 


ſprung nicht anderweitig im 
exei: Stuhl. ¶ Eenem een Stoͤhlken fetten: einemein 
ab bereiten: rendre mauvais'oflice, M.) 
^ exfolesofiben: Weiber, die in ben Kirchen bie einjel⸗ 
* nen Stühle feßen; und ſelbige ben deuten ſur Bet ans 
weiſen, nder vermieten, - | 
olt ffet nicht allein Hoffärtia (onbern auch $n trefflich. 
F di Een ftol — ** jn ſchoͤnes ge 


eenen (tolten Daler verdeent: er at efi Bu | 


; verdienet. D 

Stoot: 1. Stoß. Pa ann eenen gooden eie: vers 

2, fynecdochice: eit Seid Werdes obere 
pottioöperis; welches vvn den 0i Did jen der 
Bo ſcheinet herzukommen. Z. E. Se Befft 
:dar büte eenen gooden Stoot ams Pabn. 

3, ein Streiff eor Tuch oder deinwand, welcher unten 
an den Weiber» Röden inwendig perfun. geſttzet 


damit die Säume nicht fo Leiche zer riſſemund 


aba toffen werden... +... 


open: peiffet wiche alein oen iln, (oe aud) 


ans 


1 


PR — 





HAMBVRGENSE, 393 . 
. ana.oder aufhalten, wann etwas im lauffen ober gleiten 
iſt: retinere, cohibere, fistere. 3. €, De Winde 
; toppen; dat Tau: ſtoppen dat Vatt ſtoppen 1c. 
(Engl. zo flop. Stop him: halt ihn feſt; a Stop in Mu- 
ſick: eine Pauſe. Das een (t: fyren, nages 
ven, glyben laten,. | 
ſtoͤtern (on): ftottern, um 
Stoͤterbuck: Stammeler, | 
Stove: ein hölßernes ober blechernes, oben durchbrochenes 
. Gehäufe, wohinein bie Kyke oder der Kohlen-Tiegelge» 
fegt wird, uͤm fi der Wärme unter den Fuͤſſen zu brdies 
nen. Andere nennen diefen foculum portatilem eenen 
Citaven, welcher Rahme aud), wie oben erwehnet, der 
Bad» Stube gegebeit wird. 
. (Anglo- -Sax. Stofa, balneum. G.) - 
: unterm Deckel mit kurtzer Brühe kochen. um 
- StovesPurt: s bebedfter Siegel zum ſtoven. o. 
Stoͤpeken (ey) : Stübchen, eine Mafle von viec Quartieren. 
. (nal. a Gallon. t. quatre quartes. M.) Scheinet 
. bas diminutiuum zu feyn von Stoof ober Stauf, Holle 
- Steop, welches Kilian erkläret: Gelte, poculum maius, 
.oenophorum, cantharus; bet Spate : ein groffer Be⸗ 
‚cher, congius ; W. ‚Sewel: a meafüre of two quare 
Töven (oe): 1. Staub machen, erregen. _ 
2% ben Staub Pi i ven Staube reinigen. 
ME Daher afſtoͤven, uthſtoͤven 1c, 
. Stöyer: Spür= Hund, - 
River: ftäubern , wegjagen. 
upſtoͤvern: auffpüren. 
Strablägre: € : Gre. Hure. Ein poͤbbelhafdes Schelt ⸗ Wort. 
traten: ſtreicheln, fiebfofen. Conf. ſmeeken. 
(Anglo - Sax. ſtracan & firacian, demulcere. 
Stracung, delinimentum;- G.) 
irán: fteiff, Hart angezogen. He geit fo ſtramm: er ge⸗ 
t efte und hochmuchg pitt einen me 








204. f .IDIOTICON - | 
- famen, a&tiue: fleif madycs, (pannen, angiehen: in- 


tendere. 
— reciproce: fid? ſtrammen: ſich ſtraͤuben, 
die Naſe hoch tragen. 
neuttaliter be Sehne fisammet my: fie 
ift mie geſpannet. 
anficammen: anfirengen, hart anholen. | 
(Danica habemus eiusdem fignificatus ,& x freue. 
"7 ter vfurpamus. G.) | 
(StratenSijor: Pflafter- Tecer. M.) 
ſtreven: 1. ſchreiten, weite Schritte jum; bie Beine weitvon 
einander ſetzen. 
2. ſtreben, ſich wornach 'Bemüfen : : quaſi mago 
gresín ad aliquid contendere, — 
Streve: 1. weiter Schritt. Gtoote Streve dabn: 
groſſe Schritte thun; ſick to Streve fetten: 
die Deine von einander ſetzen, dnt nicht ver⸗ 
— drungen zu werden: metaph. ſich wiederſetzen, 
wegern; to Streve ſtahn: mit geſperrten 
Beinen ſtehen, wie der Colosfus Rhodius. 
2. ſchraͤge Stüge, Spreitz, Quer⸗Holtz, monit 


man etwas aufrecht, oder auch von einander 
pátt. 


Streve⸗Katten: mwieberfegliche feute, 
(ſtrehen Danice at firábe; Anglo-Sax. fordefira- 
Jan, proficere. Verum Streve, ein weiter Schrittno- | 


ftratibus Skraͤv dicitur, atqueat ſtraͤve crura ample 
diuaricare. G.) 


Strich: ein leichtfertiges Weibsbild. Dar lyderlicke 
Srtrick: die loſe Hure. 


ſtryden: I. eisen, Serpdun Wedderſtrever Zend und 
Streit. 


2. fihreiten: gresſum facere. Daher beſtryden, 
wann es ſo viel heiſſet, als in ſeiner Macht haben 
oder (id) mit einem Diner 





m .y- o£ 


HAMBVRGENSE. . 295 


ferfommet vom Begriffe eines Streites, fondern 
vom befchreiten, b. i. mit feinen Schritten ablangen. 
3.E. he bett fo veelto dohn, dat he et nich all 
beſtryden kann: Er hat ſo viel zu thun, daß er es 
nicht alles beſtreilen, 6. i. befaſſen, begehen oder be⸗ 
ſchreiten kann. Morhof im Unterricht von der Teut. 
Spr. unb Poeſie fuͤhret das Wort /ſtritare an, wel⸗ 
ches bey den alten Lateinern von denen geſaget wor⸗ 
den, qui aequali pasſu ire non posſunt, ſed vel pede 
ſummo, vel talo terram ſtringunt; und ſetzet hin⸗ 
p Mas ift bieB anders, als unfer Niederteutſches 
ott ffrieden$ Allein, weil ſtryden mit bem furg 
vorher erklärten ſtreven bey uns faft einerley ift, fo 
dürfte bie angegebene Bedeutung des ſtritare damit 
nicht gar zu genau übereintreffen. . | Ä 
Stryd⸗Dchoe: Schlitt- ober Schritt⸗Schue, womit man 
auf dem Eife marker fortſchreitet. | 
ryken: bat, nächt den brfannten Bedeutungen, bey uns 
aud) diefe: 
1, plätten, biegeltt. EM 
Strykerſche: ein Weib, bas gum glätten des feinen: 
Gerärhes gebraucht wird. — 
Stryk⸗RYſern: Biegel- Eifen, mE 
2, nachgeben, fahren oder flreichen laſſen; welches niche 
allein. vom Segelftreichen gebraucht wird, fondern 
auch vom niedetlaffen einer Laſt, bie in der Winde hän« 
get. Daher bie Redens-Art, von einer Arbeit, bie 
en und hurtig fortgehet: bat geit ſtryk 
un e ' ' 
Stryk⸗ Ledder: feiter von zweenen ſtarcken unb 
glatten Bäumen, worauf bie Faͤſſer und Packen 
gleitend aufs und abgelaflen werden. 

3. ebenes Maaß machen, abftreichen. 
Stryk⸗Holt: bas Holß; womit eingefülletes Maaß 
aͤbgeſtrichen wird. 2E 

77 $4 Stryk⸗ 








| 2906 — IDIOTICON 


Stryk⸗Maat: abgeftrichenes Maaß: menfura ari- 
dorum, ad modium exacta, fine cumulo. So wit 
hingegen hüped Maat: modius cumulaus: 
pergor £upuv Umtptio;ovójatyor. | 

! firpken-wull, ober, wie es gemeiniglich falfch ausge 

j chen wird, ſtrikken⸗vull: gang bis oben voll, als 
wenn das Maaß abgeflrichen wäre. 

(Danice: Strygfuld, Strygmaalet. Nam in 
tritico & aliis frugibus menfurandis, extantem e modio 
repleto apicem vel cumulum (eti Dop) abradere ſo- 
lent, índu&to transuerfim pm Pi tereti, Atque hoc vo- 
cant at ſtryge [Eieppen ; lignum autem illud et 
—— , a ey MEM Hinc modius plenus, 
fed abrafo cumulo, en —* Skieppe, cum 
extante autem cumulo en Dopmaalt Skieppe. G) 

Soma : it. Stremel (5): ein Streiff oder langes und (duae 

le$ Stüd vom Zeuge, 

(Noftris cft Strimmel, vfürpaturque r non tantum 
de panni lacinia, ſed & metaphorice de parte agri lon- 
giuscula ac minus lata. Sine dubio a Striemen, Sic- 
que & maiores noftri folares radios appellarunt Sv 
lene Sttrimer, fed hodie Straaler. In veteri h 
Danico: Mangfoldig dm Soel i Strimer. G) 

(Strypen: Striche, Streiffe. 

Luͤneborger Strypen: eine Art laͤnglichter Birnen mit 
.  totben Streiffen. M.) 
ſtryped Tuͤg: geftrichen Zeug. 

(Stroh. Wat utb dem Stroh hebben; fid) wol fte 
ben. M.) Iſt eine Redens-Are von einem Land⸗Manne, 
der reichlich gedrofchen Dat. 

Strühne: beiffet bey den Bauen eine ertvachfene Dirne: in 
der Stadt aber bedeutet eene grote Strühne ein groſ⸗ 
ſes unartiges Menfch. 

Strump : eine Art weiſſen Brodtes, mit etwas Kuͤmmel äber- 
ſtreuet, welches i n tübet vorzüglich gebacken wird. Da⸗ 

her 





— 


— 





HAMBVRGENSE, . 297 . 


her der Scherg eines Ober⸗Sachſen, welcher fid) wun⸗ 
, Jette, daß man bey uns Strümpfeäffe, und Haſen über 
' die Beine zoͤge; weiches in feinem Sande uͤmgekehret 
dte. | m 
Strund: Kraut-Stengel, ohne die Blätter, 2,(, p" 
Strunck a, — : u > 5 


Strunts Koll, Serent: Stercus. mM 
ſtruv: 1. vom Gefühle: rauhe, mas nidjt fanft und glatt iff, 
3. €. ſtruve jut; cutis afpera. 
2, vom Gleffmad ; herbe, mas den Mımd zuſam 
Ziehet, wieein herber Wein, umb unreiffe Früchte, 
ſick flxüven: 1. fid) fperren, ſtreuben, ſproͤde feyn. 

2, fid) hreit machen, großehun, Sprw. He 
| 0 ſtriwet ſick, alseene Wand⸗Luus. 
Seruven: eig gebackenes von Zucker⸗Teige, platt und laͤng⸗ 

licht, N beide Ende burd) einen Schnitt in der Miete 





durchgeſtecket, und alſo die Seiten kraus gedrehet werden, 

Struven⸗Kringel: Zucker⸗Pretzel, aus dergleichen Teige. 

Situbbe: Strumpf oder Stock eines alten Baumes, oder ab⸗ 
gebrochenen Pfahls, der noch in der Erde ſtehet. 

(Eft etiam Danicum, en Stub, vel Stubbe. An- 
glo Sax. Stof, ftirpss Stybbe,truncus. Vid. & Glosfar. 
Chauc. Leibnit. p. 5 3. & Verel. Ind. p.246. G.) 

* ſtumpf, kurtz, geſtuͤmmelt. Stuf af: ſtumpf ab. Dat 
i —* ftuf d s gehet nicht pig zu. Stuf⸗Steert: 
was einen furfen oder geftümmelten Schwantz Dat. 
: Alten ſtuf Endeken: peticenfant poteld. : 
. ven: abftnmpfen, 

Hi Uberreſt von einem gangen Stücke Tuches oder 
^ KBerwandes, welches meift ausgeſchnitten und verfaufft 
-. . worden, "E : . rn . 

Tülpen: einen hofen Deckel auf etwas feßen, 
toftülpen: zudecken mit einer Stürge, E 
afſtuͤlpen und upftülpen beit benden Bauen ue den 
N 5 


298 IDIOTICON 


Hut dbndfinen unb auffegen, Geälpet up: bous 
desfus: feget.den Deckel auf. Ä 
ümftülpen: ein Gefäß uͤmkehren, baf es auf ben Kopf za 
eben komme. 

Stülper: erhabene Stürge, hole! Deckel. 

Fuͤr⸗Stuͤlper: blehernes Schirm- Dach über tet 

Aſchen⸗Hauffen au[ bem Heerde,damit ſich Hunde und 

Katzen des Nachts nicht hineinlegen. Die Hollände 

nennen e$ Fuur- Klock, weil e$ die Geſtalt einer indie 

| Länge ducchgefchnittenen Glocke Dat, 

Stulpe; ift am Hute der Auffchlag oder bie Krempe: or; 
f. limbus pilei. Daher auhden Hoot up ‚oder 
bablftülpen heiffet ben Rand des Hutes aufichlagen, 
oder niederlaffen. Am Stiefel aber ift bie Stülpe der | 

oberſte weite und fteiffe Theil, worin fid) das Knie bee 
get, unb womit der. Reuter fid) ang Pferd ſchlieſſet. 
Stummel, & diminut. Stuͤmmelten: particula reliqua rci 

:  truncatae. 3, €. en Stummel Licht: ein Stuͤck⸗ 
chen vom abgebrannten Lichte. Alfo vom abgebrochenen 
Zahne, Stengel. Daher ffümmeln  mutilare, crun- 
care, und Stuͤmper: Hümpler, der ein Werck verftün: 

.. melt unb vetbirbet. | 
Stuntſel: ein Eurer dicker Menſch. Et io een oben 
Stuntfel: er ift wol gefege. Ich ſollte (chier meinen, es 
fáme uns diefes Wort von dem Holländifchen Steunfel, : 
welches eine Stüge bedeutet. Conf. Styper. 
(ſtupen: fläupen. Uthſtupen: auspeitſchen. M.) 
Stup brauchen wir auch ſubſtantiue: He ſchall Stup 
hebben: et ſoll was mit der Ruthe haben. 
Stür: Steuer⸗Ruder: gubernaculum. 
bvver Stur: ruͤckwaͤrts. Metaphor. Et geit mic em 
oͤver Stuͤr: er kommt zuruͤck, ſeine Sachen werden 
| Frebsgängig. 
flüren: 1. das Steuer-Ruder führen: clauum tenere. 
2. (euren, mehren: cohibere , compelcere, 
C | eid 








HAMBVRGENSE. . 199 


Sick nich flären laten: feine Einrede anneh⸗ 
men, muthwillig ſeyn. Sprw. Bott flüret de 
25óme , dat fe nich in den „even waffen: 
Gott (eet dem Ubermuthe fein Ziel, | 

3. Steuer entrichten, Zulage geben, 

4 fenden, fife, Alſo: henſtuͤren, herſtuͤren 
toftüten 1c. welches alles Schiffer Wörter find, 
die man in See-Städten Dóret, 

verſtuͤret: erpicht. He is darup verſtůret: er hat feinen‘ 
Sinn darauf gefe&et. | 
ſtuͤrlos: eigenwillig, der (i) an fein ſteuren kehret. 

(Anglo-Sax. Stioran & flyran, regere. Steor, gu- 

bernaculum; flieran, compeícere, regere, corripere; 

geflyran,ledare &c. Danice at holde ſtyer pas. G.) 
Stuͤrewold: ein wilder rumorifcher Menfch, der gleichſam 
butd) Wald und Hecken ftöret oder ſtuͤrmet. Meines 

Ermeſſens fchreibt (i) diefes Wort nicht her vom 

Steuer, fondern von f proteruus, ferox, wovon oben 

lir. B. in der Anmerkung bey Ballſtuͤrig. 

feuer: ſtarr, ſteiſf. Sturre Haare: capilli hirfusi. 
Sturr⸗Kopp: Starr⸗Kopff. I 

Stuten: weiß‘Brodtüberhaupt; infonderheit aber find e$ bey 
uns Fleine gefottene Brödtlein, bie wie ein gefchoben 
Vier⸗Eck ausfehen, tmb zweene Timpfen haben, aud) 
meift fire geringe fente gebadten werden. Stuten un 
Melck: die befte Speife bec Bamen-Kinder. Dat is 
ele de Bekker den Stuten givt; fagt man ie 
Sprichworte, wann eine Waare ihren gemiffen Preis 
bat, wovon nichts abzudingn. (Stuten un Twe⸗ 
bach: foll durch eia Wort, Spiel fo viel heiflen, al$ 
Stoͤſſe, und Streiche auf beiden Baden. M).  . 

Stuten⸗Weke (y): Zärtel- Woche: bedeutet bie erfte 
Woche, darin man bie zur Schule gefandeen Éleinen Kin« 
der noch nicht angreiffer, fondern fie mit einigen eduliis 
anlocket und gewoͤhnet. Imgleichen von neu angeben 





| | | 
joo IDIOTICON | 


ben Eherseuten pflegt man zufagen: et ie noch in der 
Stuten⸗Weke, b. i, man tántv(t noch, und weiß von 
feinem wiedrigen. 

Gtuten/Auten heiffen bey uns bie Wecken⸗foͤrmige Fen⸗ 
ftr-Scheiben, oder Rhombi vitrei, bie man voemaham | 
den Senftern gemarhet. 

: f. Eers. 
fübbeln: unzeinlich fen, ſudeln. 
Supbeite: ein Weibsbild, bag fi ſchmutzig Daft: "" 
ite 
ten, it. feufzen. Suͤfften ift and) alt Schwi- 
fid bif. V e et der in Zürich gedruckten Probe 
Alt⸗ —8 Poeſie. 
Suhle: Pfriem, Ahle. (Dan. en Spel, 9 
óÓte: Seuche, Standort. — - 
fa: nd ſiech. Holl. Aeck. 
; fand feyn. De Boom (fet: der Baum wil 
nich fort. Et ſuͤket fic wol, man et ffatvet fid 
ß baft nich: Alle Krandheiten find nicht flugs zum 
Tode. 
fütteln, oder zukkeln : ſchlecht und ohne Zeftigfeie reiten, mit 
—— rs ieri im (abe perd bar | 
pffen. Bielleicht (prit man ein, an tat I HU, 
nk wie (ólen an (fat ſchoͤlen. i 
Sukker Barm Chriſt: Unter biefemStapmen wird auf un⸗ 
ſern Apotheken gefordert Manus Chriſti ſimplex. 
Gill: Schwelle: limen. je kummt nich oͤver den Säll: 
er kommt nicht aus dem Hauſe. | 
fümtyde: bisweilen. Iſt das angenommene Hollaͤndiſche 
E zomtyts. (Engl, fometime. 
ſuͤnig: fleiffis, arbeitſam. Een fünigen Kerel: ein Kerlder 
gern ſein Brodt verdienen will. 
fünte: oll. Ante Sanct. Suͤnt Trinen: Sanct Meo 
nen. Suͤnt Clas, Suͤnt Marten, achter 
 peew ꝛc. 








HAMBVRGENSE. got 


Uf : an ftot fünft: fonft. Bidde em, ſuͤß deit bet nib: 
Birte ihn, fonft tout ers nicht. 
Ümfüf: ümfonft: gratis, frustra. 
. wat (GB ? was fonft? was anders? | 
Utt: ſauer. Sprw. Colt un ſuur verbatven be C Tatur. 
Subftantiue brauchen wir Suur auch für Eſſig. Sur 
fagt aud) der Bayer ,. pro falfura, teftc Prafchio in 
Glosfar. 
ſuurmuuliſch: fanerfichtig. — . 
toſuͤren: den Teig zum Brodt · backen zuichen. 
Suͤring, ir. Suͤrken: Saurampf. 
wanck: ſchwanck: gracilis; flexilis. Een Swancken⸗ 
baſt: ein langer hagerer Menſch. | 
Swenge: Gerte, Spießruthe. 
welen (y): brennen, aber ohne Flamme. Hyr ſwelet wat, 
ſagt man bey Vermerckung eines brandigen Geruches. 
enftoelen : anbrennen, Feuer fangen, mie etwan ein Papier 
oder Tuch, worauf ein Funcke gefallen ıc. 
yerfivelen: unrathſam verbrennen, j. (S, Holtz oder hichte. 
(Anglo-Sax. ‚fwalan & Swelan, accendere, Svell, 
vstio. G.) Im Gothiſchen Deiffet Swea exurere, weg- 
brennen: davon wollen einige den Nahmen der Sueo- 
num ober Schtoeden herführen, als welche ehemahls in 
ihrer Nordlichen Gegend die Hölßungen ansgebrannt, 
.. wnb bae es tant wohnbar gemacht, taper e e$ Swea Ays 
^7 fet, ober Sweden genannt worden. Siehe An. E Tes 
ei vernünftige Sedanclen über allerhand Materien. 
P. M. p.i 39. 
—* (n): Peitſche, inſonderheit der Fußes Seute 
Swepen⸗Beer: (o hieß ehemahls basjenige Hamburger 
Bier, das auf der Achſe in benachbarte Oerter verfuͤhret 
ward, und deswegen etwas koſtbarer fiel. 
ſwirrern / al zwikkern: quod vide) | — .— 
ym, fwymeln, ſwymſ lagen : ojmidyig "m 
ken, ffrminben. ^ -— 
o. — foy 





- 
* 


302 . IDIOTIGON. ] 


feoymelicb: ſchwach im Haupte, ſchwindelicht, zur 
macht geneigt. 
beſwymen: in Ohnmacht fallen: deficere, deliquium pai. |. 
( Etiam Danicum eft; at befivime, Anglo-Sar 
fwiman, idem 5 vnde Heafod fwima, vertigo. Island, 
Suima, & han fell i Svima, deliquium pasfus eft. 
¶ Swyn: Schwein. Sprwoͤrter: Luͤttk un groot, alsde |. 
Swyne to Holte loopt: flein und groß durch einander 
Det: pele mele. Veele Swyne maken eenen din 
nen Brand: viele Kinder machen fleine Erb⸗Theile. 
wyns⸗ Feddern de ſtoͤwet nich: das milf nichts fü 
| * das hat nichts auf ſich: point de conſequence. M.) 
Swyn heiſſet in der Schiffbauerey das groſſe und ſchwere 
Stuͤck Holtz, welches inwendig die Laͤnge hin auf den 
Kehl zu liegen kommt, uͤm die Maſten darein gu ſetzen. 
Cſwypen, uthſwypen, wegſwypen: fegen, auskehren, weg⸗ 
fegen. Engl. zo fweep. M.) 
ſwyren: fehwirren, ſchwaͤrmen, heruͤmlauffen: gyrari, va- 
ari. Wir haben bag Wort von ben Niederlaͤndern, und 
br auchen e$ mehreneheils vom unordentlichen geben. 
He geit ſwyren: eriftweitlänfftig; gehet aufs fauffen. 
Swyr⸗ Broder: liederlicher Schwaͤrmer: qui per cau- | 
ponas vagatur. 
Swyr: Gefolge: pompa: train; it. Umſchweiff im Re⸗ 
den, viele und prächtige Worte, | 
koigen: : Fläglich reden, mitleldig befeufgen, wie die alten Wii | 
Ä ber tQun, dieman deswegen Swoͤgelappen zu nennen 
APA und von einem barmhertzigen inimi paff e$; 
| de (voogt t war ber. 


x 


Taag: Holländ, zaey: zähe: tenax, frau difficilis. .f£en 
taag Eten: cine zaͤhe Speife, bie fib nicht leicht zermal 
men laͤſt. Een taag Leven: eine harte Natur, die 


ſchwer 








. ^: HAMBVRGENSE. 303 


ſchwer gu tóbten ift, dergleichen die agen, Ahle, aud) ei 
nige Menfchen haben. Taag Holt: bas (id) eher bie⸗ 
gen, als brechen laͤſſet. | | 
achtel: Schlag, infonderheit anden Kopf, He gaf em ees 
nen goden Cacbtel ben: er verfegte ibm einen tüdyti« 
gen Schlag. Prafchius in Glosfar. Bauarico: Dach⸗ 
tel: Ohrfeige. | 
Agel: geflochtener Prügel von Riemen oder Stricken. Iſt 
zweifels ohne das Hoch-Teutfche Sagel,contracte Zahl, 
weiches einen Schwang bedeutet, voie z. E. Lämmers 
Zahl. Nun aber wäre nicht allein ein Rinde-Schwang 
gu einem tüchtigen Prügelgefchickt,fondern es ift befanng, 
daß cauda ceti, penis ícilicet ille neruofus, geteorfnef, 
hiefiger Orten einen nachdruͤcklichen Prügel abzugeben 
pfleget. Idem vfus eft nerui taurini, daher der Nahme 
25ullenzpefel ; der Ober-Sänder (agt ÖchfensZebe: . 
(Non eft a Zagel, (ed a Dau, vel Dauw, i.e. fune 
nautico, cuius partem, ad quatuor fere pedum longitu- 
dinem abfcindunt, atque adhibent fuftis loco, ad cafti- 
andos nautas, Hinc Dav] nostris, nec non Dam 
dicitur. G.) Diefes Dat mit bem Dänifchen Dav] wol 
feine Richtigkeit. Weil aber der Nieder-Sachfe aus die⸗ 
(em Grunde Tauel, und nicht Cagel (predyen würde, 
auch mehr inftrumenta verberandi find, als die Tauen 
oder Stride, (o wird ber Tagel feinen angeführten Ur⸗ 
fprung vermuchlich behaupten. 
aftageln: doͤrtageln: abfihmieren, durchprügeln. 
Tagen, ir. Taken: Knoten oder Geſchwulſte der Guͤld⸗ 
nen Aber: haemorrhoides. M.)_ er 
"abite: alberne Sánblerin, die immer tabfet, Soflte es mit 
bem Holländifchen taelen verwandt ſeyn, fo dürfte es eine 
alberne Schwäsgerın bedeuten, — 
kaͤhn: Zahn. Tähn-Pyn: Zahn⸗Schmertzen. Lekker⸗ 
Taͤhn: Lecker⸗Maul. (Sprw. Den Taͤhn voll 
uthſlahn: wir wollen uns dieſe Luſt vergehen I 
Schreyen ale een Taͤhne⸗Breker sc. M.) 
Taͤhnken: Zancken: Dentelles. URU, 





. $04 IDIOTICON ;:: . | 
Catel: Schiff Seile. Takel un Tau: Strike, bie bey den 
. Schiffen nörhig. Een Schipp betateln, aftakeln, 
uptakeln zc. 
Takel⸗Vuͤg: allerhand gemein Pöbel infonberGeit fieber | 
lich Weiber⸗Volck. - 
alg: Unſchlitt: adeps. betalgen: betriegen, gleichfambe | 
Caltz dbechvcidjen ſchmieren mit glatten Worten. M.) 
De Oſſe will brav talgen: et wird gut Schmeer uli 
Leibe haben. Talgen und talgig wird auch gebraucht 
vom Fette, das gerinnet und Dart wird, wovon bas Ge 
gentheil iſt ſeemig. u 
Kali: Zahl. Dar is Eeen End noch Tall in: bae | 
.  mibtau(. Syne Call maken: heiffet im Strumpf 
ſtricken fo viel machen, als vorgegeben iſt. 
©etall: Anzahl. | 
talpoten: mit ben Fuͤſſen zucken. Wird von Thieren unb 
—— Menfchen gefagt, warn fie im Sterben die Glieder ax 
fid ziehen. 
Taltern; Sappen: lacinia. Em hangen de Calteenbyto: 
die Lappen bangen ihm bey zu. | 
taltrich : zerlappet: laciniofus. Se geit taltrich : (iege 
. het in zerriffenen Kleidern. D. 
to taltern vyten: in Stuͤcken reiſſen. Syener fagte, der : 
Seind wäre to taltern geſchlagen. Ein anderer meincte 
das Wort totaliter beffer zu verfteben, menn er einen Oct 
daraus machte, und (agte, bet Zeind wäre zu Taliter 
. gefchlagen, 7 
tämfen: zähmen, bändigen. 
(Dan. attämme, a tam, cicur, manfuetus, sabm. 
Anglo -Sax. Tam, tame, manfuetus. Tamian & te- 
mian, domare. Matth. XXI, 5. Sit uppan tamre 
Affene | byre folam. Euang. Goth. zamjam, do- 
| mare. G.) 
tanger : feifch, derbe, geſund: fringanc. 3De Junge is tan 
ger; der Knabe iſt munter, er gebepet wol, | 


Xen : 











. HAMBVRGENSE. 20$ 


targen, nad gemeiner Ausſprache tarren: reißen, zerren, fops 
| pen: Holl.terghen: irritare, lacesfere. Anglo-Sax. £y- 
rian, Gr.Teigew. Weit gefehlet, daß tergen follte ein 
frequentatiuum feyn von ferien, oder (Origen, mu- 
|. tato f int, wie ungdefien ein berühmter, aber beg Nieder⸗ 
Saͤchſiſchen nicht gnugíam funbiqer Thuͤringiſcher Ju⸗ 
riſte überreden will, in feinem Handlungs, und Hande 
. .. werdfs-Lexico, unter dem Worte Soor. 
Tarrel: Würfel. In Tarreln fpelen: in Würffeln fpielen, 
Brod in Tarreln (nyben: bas ift: in viereckte Stuͤck⸗ 
lein. Tarreln⸗Tuͤg: gemwürffele Zeug. 
Tarve: Weisen. Holl. Zerwe. Tarven⸗Brod: Weißen 
Brodt, wozu aber nicht fo viel Milch), als zu dem feines 
ften, genommen wird, Tarven-Tütjen, oder, voie ed. . 
nachlaͤſſig ausgefprochen wird, Tarren-Tütjen, ıfteine 
Yet weiß Brodt, mit dreyen runden Timpfen; heiſſet fonft 
... eud) Schoͤnroggen, wovon oben. 
Teer (ee): ift eine geroiffe Maſſe bes Brenn-Holges oder Surf 
fes, fo viel man deflelben in den Fahrzeugen von einem 
Bort zum andern in eine oder mehr Reihen auffeget. 
teerig: zahm; wird nid)f nur von Thieren, fondern aud) von 
Kindern gefagt, wann fie nicht Leutesfchen, fondern uͤm⸗ 
| gaͤnglich find. 
gegen, und tegenſt (e): gegen; aus dem Hol, regen». 
Darentegen: dahingegen. Sonft (agen wir aud) jegenfl, 
Tegen (m): Zehende: decimae. Den Tegen tebn: den Ze⸗ 
benden heben. Synecdochice von iedem Gewinn: He 
dencht dar fpnen Tegen by to tebn: er dendet ſei⸗ 
nen Vortheil babey zu fchneiden. 
zehmen (y): 1. ziemen, gegiemen. Dat tehmet ſick nich: 
bas geziemet (id) nicht. 
tebmelíc?: ziemlich. 

9. zu gute thun, auf (id) verwenden. He teh⸗ 
met fic? wat: er thut ſich mas gu gute. DU 
tebmeft oy Feen good ———— 
bu goͤnneſt bit ſelber feinen guten Biſſen. 

| M betebr 





306 IDIOTICON 


betebmen Iaten: zufrieden faffen, unbehindert loſſen. 
Mud) im Hoch⸗ Teutſchen Dat der Saͤl. Lutherus das 
Wort besähmen, welches fonft sa 9m machen Heiffer, in 
Nieder⸗Saͤchſiſcher Bedeutung gefeget 2 Sam. XVI. 11: 
Laſſt ihn besábmen, Daß ec fluche, Siehe von 
Staden Erläuterung, p.1 30. fq. . 
(Eodem fenfu & nos dicimus labe dem betámnme 
Isl.temia, asfueface. Vid. íupra tämfen. G.) — 
Tehn (y): Zahn. Bon einer feltenen unb fofibaren Speiſe 
heiſſet es: Dat mutt man achter eenen Tehn eten: 
daven muß man nut fparfam, und nid)t mit vollem 
.  Maule, effen, 
tebn (9: ziehen, Uptehn: aufziehen, und auferziehen. 
Antog: Kleidung, 2fufpu&, Een ganzen Antog van 
Kanten: ein vollftändiger Pus von Cpigen, 
langtógt: 1. länglicht: -oblongus. 
2. langwierig, weicläufftig: een langtoͤgden 
Semp: eine langtvierige, verdrießlihe | 
ede, 
tebren: Deiffet zehren, und aud) mit Tehr beftreichen. Aus. 
diefer Zweydeutigkeit ruͤhret bey ung die Redensart: He 
foͤhret eenen Tehr⸗ handel, b. i. er Dat Feine Ge 
ſchaͤffte, ſondern febet von feinen Mitteln, De Tehrung 
na de Nehrung richten: nicht mehr verzehren, als 
man erwerben fan, 
Teiel: an fot Tegel (tie weiern, an (fat wegern) Ziegel: 
teg . . . 
Teiel⸗Feld: Ziegel-Feld, ein Plag in Hamburg; bey bet al⸗ 
ten Michaelis-Kirdje, allwo vormahls die Ziegel- Hütten 
geſtanden. 
(tein: zehn: davon, nach unſerer Ausſprache; doͤrtein: drey⸗ 
| zehn; foftein: funfyebn, M.) 
Celge: Zweig. J 
(Anglo-Sax. D"e/g, Telga, ramus. Telgene, vit - 
gultum. Dani vocant en 3D"elqezA nif, cultrum ra- 
mıs 








HAMBVRGENSE. 307 


mis amputandis aptum, nec non minutioribus lignis. 
fcalpendis & fecandis; atque verbum gt telge eft ligni 
fruftum cultro polire. G.) | 
mfen: (iebe tämfen. 
fig (n): zahm: cicur. 
eve (m): Siffe, Hündin: chienne. Fuule Teve: faul Weis 
bes⸗Menſch. Sprw. Teven⸗Kinder un Maͤren⸗ 
Kinder mutt man nich to veel trouwen: mit Hun⸗ 
den unb Pferden mug man nicht zu dreiſt ſeyn. (Lachen 
as Vyts Teve: die Zähne weiſen. M.) 
eute: ein groſſes Trinck⸗ Geſchirr, Bauren⸗Kanne. 
uterfegen: pantzerfegen, durchholen, ausmachen. 
yd: Zeit. To pos bisweilen. Tyd was’t: es war 
hohe Zeit. Wat Dages tyde is: bas alltägliche ge 
wöhnliche, wie es bie Tages⸗Zeit mit fid) bringer. 
Tyde: heiffee befonders bie Seit der Ebbe und Fluch. Up 
. . be Cybe paffén ; de Tyde nich verlopen Iaten: bes 
Waſſers wahr nehmen, wenn man mit der Ebbe oder 
Fluch fahren will, Eine Tyde hat 6 Stunden; Ebbe 
und Fluch zufammen 12 Stumden, welches ein Ett⸗ 
mabl genennet wird. By grootem Storm holt dat 
Water Eeene Tyde: bey groffem Sturme halt Ebbe 
unb Fluth nicht bie genaue Zeit-Maffe, | 
(2j dyde nostris in genere quamuis temporis op- 
portunitatem denotat, Det (omn. (Feet í bibe, quod 
tempeltiue fit, vel agitur. Anglo-Sax..7i7, Tyd, 
Tyde, tempus, hora; to tide, in tempore 5 tid/ic, op- 
portunus; vatid, intempestiuus, G.) 
kken, antikken: gelinde anrühren: extremo & ftatim re- 
. tracto digito attingere, item titillare. Daher tikktak⸗ 
. fen, welches aud) von unziemlicher und handgreifflicher 
^ fiebfofung gebraucht wird. | 
yle⸗Baar: Was diefes für eine Art ‘Bären fe, iff mir unbes 
wuſt. Die Redens⸗Art iſt inzwiſchen bey uns fer ge 
mein: He brummet as een Tyler Saar, | 


Ma Cine 





LI 


308 | IDIOTICON ! T 


Cimpe: Gde, Spige, infonderheit am Brodte. fÉenen 
Timpen vam Stuten afbyten: eine Ede vom 
Brodte abbeiffen. He bett wat im Timpen; er iſt 

! trunden. 

Cyne, Tyneten: Kleines Faͤßchen mit einem Dedel, z. E. 
Wehreyne, Fleeſch⸗ Tyne, een Tyneken Botter/ 

eepe ꝛc. | | 

(Annona Torna, eiusque fynonymo & diminutiuo 
Tünneke? Anglo-Sax, Tunne, cupa, cantharus, do- 
lum. Eft noffratibus pyxidula rotunda & oblonga. 
fEn liben Dönde, fcil. a formae fimilitudine. G.) 

Tipp bolen: Fuß halten. He mutt vooll Tipp bolen: « 

- muß tool bleiben und mit fid) machen laffen ; er kann we⸗ 
der (id) wehren noch entfommen. i 

tyren: zerren, ziehen: tirer. Sich tyren: fid) gehaben, fid 

» anſtellen. € pret ju (o nib. gehabt er niche (s. 

Wann aber die O ſen ſprechen: Sehet, wie 

ſich der Kerl zieret, d, i, mie er fid) anſtellet, jo weiß ich 

nicht, ob ſelbiges zieren und unſer tyren einerley Wort 

ſey. Wir brauchen es auch vom ſtreiten. 3, €, Se ty⸗ 

ret ſick daruͤm: ſie zerren oder ziehen ſich daruͤm. 

(Ana Thwur& Thwyre Anglo-Sax.i. e. discordia? 
Thwyrian, aduerfari, disfentire. G.) | 

(Getyr: Laͤrm, Aufhebens. Zen qroot Getyr hebben: 

„viel Weſens machen: faire du fracas. M.) 

tirreln: zappeln, zittern. He tirrelt mit den Foͤten: Er 
zappele mit den Füllen, wie 3. &. ein gehendter. 

Citt: Zige, Bruft: mamma, en Kind up'n Titr uth⸗ 
bobn: ein Kind andersmo zu faugen hingeben., Vam 
Citt kamen: entwehnet werden, 

Tittjen⸗abber: ein Kind, das immer an der Bruſt liegen 
will. 
Citten Moͤhm: Saͤugerin, Saͤuge⸗Mutter. | 
tobben: zupfen, an (id) ziehen, 
aftobben: abzwaden. 








Cob⸗ 


HAMBVRGENSE. ^ 309 


. (obberey dryven: ben $euten etwas abzulocfen füchen, 
wie das Bertel- Bol bem Gefinde in den Häufern zu 
tbun pfleget. | 

tobbernobben Deiffet in der Marc Brandenburg einen 
nad) feinem Belieben zwingen tollen ; welches der ehr⸗ 
liche Frommius von gubernare herführet. 

„ Tochtling, it. TochtsSähleben: Zärtling, Liebling: mi- 
B .gnon, enfant cheri, mit bem man fäuberlid) führer. Ein 
7 anders it Tüchtling, weldyes in unferm Zucht· Hauſe 
diejenigen bedeutet, die nicht als Arme, fondern als Taus 
genichte hineingeſetzet find, und mit Arbeit geſtraffet wer⸗ 
den. Schlimm ift es, bagin ber Sache felbff jafo leicht, 
als in ben Worten, eines aus dem andern werden kann. 
togahn, und afgahn: ſiehe gahn. 

Tohn: Zehe an ben Fuͤſen. 

Toͤhnken⸗Treder: galanter Faullenzer, Pflaſter⸗Treter, 
der zu nichts Luſt hat, als auf den Putz zu gehen. 

toonen: zeigen, weiſen, ſehen laſſen. Iſt eigentlich Hollaͤn⸗ 
Pee bey ung in der Kaufmannfchaft fepe im Ge 

rauche. 

( Toon⸗Banck: bie Auslage, oder ber Tiſch, worauf der 
Kraͤmer ſeine Waare vorzeiget, und worin auch das taͤg⸗ 
lich geloͤſete Geld aufgehoben zu werden pfleget. 

ToonsDage: wurden ehemahls in Hamburg diejenigen 
beſtimmten Tage genannt, an welchen die Engellaͤndi⸗ 
ſchen Kauffleute ihre Tuͤcher oder Laken ſehen lieſſen, uͤm 
pur den Gewand» Schneidern ſtuͤckweiſe zu verfaufs 
en. M.) | ! 

Vertönung: Figur, Vorftellung. He maPet allerhand 
Vertönungen: er machet allerley Minen unb Figuren. 

Toͤreloͤr: Was diefes, nad) unſerm Ghebrauche, für ein Wort 
feo, mögen andere errathen. Wir fprehen: in Tucht 
un Cérelót holen, à. i. in Zucht und Ordnung halten, 
bandigen: coercere. Hiemit aber will die Bedeutung 
des Sranzöfifchen Turlure nicht einitimmen, ald welches 
butd) mauvaife humeur pflegt erfläret zu werden. 

u 3 toͤrren: 











310 IDIOTICON .— | | 


törren; 1. aufhalten im Lauffe, ſtehend machen : fistere, cur- 
| ra inhibere. He ann fic nich wedder tóv 
ten: er fann (id) nicht wieder ans bem Lauffe zum 
ſtehen dringen. — | 
uptoͤrren: idem. al. upmóten, 
2, trennen , auflöfen, was genehet iſt, ohne zu yv ‘ 
ſchneiden. 3. C, fÉene Naht up : eine 
, Nahe öffnen. Eene Kante aftoͤrren: cm 
Spitze abloͤſen, durch behendes Ausziehen des 
Toͤrrn: Anſtoß, Angriff. Een Toͤrrn vam Geber: eine 
ſtoß vom Fieber. Scheinet von Torzo herzukommern, 
unb paroxysmum oder impetum periodicum zu be⸗ 
deuten. ZEE 
(Non credam, a Torno esfe ; fed cum 3" orn (cor- 
tractum, vt puto, a $D'orníng auc Dornen) denote 
impetum, aggresfionem &c. id vocabuli ad febris pa- 
roxysmum transferri. Noscerte Dani dicimus: band — 
ud flood en 3D'orníng, h. e. impetum vel infultum 
füstinuit, fcil. eius, quocum pugna congresfuseft. Ar- 
que traductum haud dubie vocabulum a torneamentis, 
' de quorum etymo res nondum fatis liquida. Vere qui- 
dem fe habet, quod Pezronius Wachterum docuit, 
Dorn apad Aremoricos pugnum fignificare, qui & 
Cambro-Britannis Durn dicitur. Addere quoque po- 
terat , Dyrnod icum, propric pugni , denotare, tefte 
Dawicfio in Dictionario. Sed quod derna eapropter 
fit pugnarc, nusquam animaduertimus. Pugnae fane 
& certamina, verbaque eo pertinentia, longe abfimiles 
appellationes habent in dictis linguis. G.) 
tefamerr geven. Ick geve fé batóver cofamen:z Ich laſſe 
fie ihren Streit felbft ausmachen; ich menge mich nicht 
darein; fie mögen (ic) darüber vergleichen. 
toſtygen: ſ. ſtygen 
Toͤte (on): Stute, Mutter-Pferd: equa. 
tóven (ce): warten. He is maked, bat be tóven tam: e 
amm 








|.  . . HAMBVRGENSE. gr. 
fan warten. Von einem langwierigen Dinge, oder von 
einer ungewiſſen Hoffnung heiſſet es: Darup is qoob 

" tóven, aver quaad faften. | 
(Eft & pureDanicum  Anforte cognatum r& tha- 
Jan & thafıan Anglo-Sax. quod eft pati, tolerare? G.) 
traͤglick: efenb, jammerlih. en träglic® Beficht: fa- 
cies deformis, vel lugubris. He geit träglic ber; er 
gehet armfälig geffeibet. Daß biefe ein verftümmeltes 
unerträglich fe», will mie gläublicher feheinen, als wenn 





man e$ von träge herleiten wollte. . 

. Crabn, Trähnken: Teöpfchen. en Traͤhnken to fick 
nehmen: ein Schlüdchen Brantewein nehmen. — 

(Trab Trine: trieffräugichte Branteweins-Schwefter. 

He weenet Trahnen, als qeble Woͤrteln: fagt man 
fpottend über ein umnöthiges oder gar zu ſtarckes wei⸗ 
nen. M.) | 

Sippelsträhnken: ſiehe in 3. 

(Trallje⸗Warck: ic Trallwarck: Sitte» Werck: cancelli. 

— treillis. M.) 07 
trámpen, trampeln: ftrampfen, mit den Füffen oft und Dart 
wieder den Boden freiem | 
(Danice at trampe idem eft. G.) 

Trant: Gewohnheit, Schleuterjan. Dat geit nam Trant: 
bae gehet nad) gewohnter Ordnung. He blift by fy» 
nem Trant: er bleibt bey ſeiner Weiſe: il va ſon train. 
Im alten Niederlaͤndiſchen heiſſet tranten und trantſe⸗ 
len: langſam gehen, ſchlentern. Fr. trainer. 

trappen: 1. treten. Daher Treppe. E 

betrappen: erfappen. He is daröver ber 
trappet: er ift über der That betreten, 

a. fangen. Engl. a zrap: eine alle. 

doͤrtrappt: durchtrieben, ſchlau. Een doͤr⸗ 
trappten Gaſt: ein vertrackter Vogel, der 
gleichſam durch die Falle hindurch zu kommen 


und zu entgehen weiß. 
| u 4 trrek⸗ 


uu — 


14 
312 IDIOTICON | 


ekken: ziehen. Weſſel trekken: Wechfelziehen. Lip, obe 
ín eenen treffen: auf iemanb trasliren, De f otterit 


is noch nich trokken zc. ( He trekket bravo: er ge 
winnet wacker. M.) 


antrekken unb uthtrekken: die Kleider an- unb ausziehen. 
ſick war antrekken: Kleider anlegen; ic. etwas auf 
fic deuten, fichs annehmen. | 
doͤrtrekken: durchziehen; it tadeln, hecheln, durchholen. 
intrekken: einziehen. Dar Papier trekket ín: le papier 
boit: charta bibula eft. He trekket bat ín, als Droͤ⸗ 
el⸗Dook: ec nimmt die harten Worte ohne Empfind⸗ 
ichkeit Hin, 
uptrekken wird in eben fo mancherley Bedeutung gebraucht 
wie aufziehen, nehmlich: 1. Bon einer Saft, 2. Bon 
einer Uhr. 3. Von Borhängen. 4. Bom Marfche einer 
Wade. s. Bon der Erziehung. 6. Vom fpotten oder 
railliren, j 
Treck: Zug. Davon find aus der Hollaͤndiſchen Mund⸗ 
Art in die unfere nachfolgende SBebetftungen gefommen: 
1. Begierde: appetit. Ick bebbe dar keenen Treck 
to: id) habe fein Verlangen darnach: non trahor, 
non ducor ea re. Aummt'r Trech: feiegt man 
fuft ? 
2. Abzug, Abgang einer Waare. Dar is nu Peen 
Treck in: bas will iego nicht gehen, 
3. Öefolge: comitatus: train. Mit eenem qeoten 
Treck kamen: mit einer ftardfen Suite Eommen. 
Kindel⸗Treck: Gefchleppe der Weiber bey Kind» 


' Zauffen. Up'n Cred* gabn: Wochen-Befuc) 
abftaten. 


(Anglo-Sax. Gethraece: apparatus. G.) 
Trekker: hängende Schnur, womit man Vorhänge, toc- 


fins, unb bergl. sicDet, oder woran man im Bette (id) auf» 
richtet. 


Gold⸗Trekler: Drath⸗Zieher, Borten⸗Wircker. 
BKrahn/⸗Trekker: Oſſen⸗Trekker, ıc. 








Treck⸗ 


HAMBVRGENSE. - 313 

Treck⸗Karten: Karten, die einendarauf gefegten Gemini 
ziehen. Greco putt: 38 , worin man ben Thee 
ziehen laͤſet. Treck⸗Schuͤte: nauigium tractile. 
Trekkel⸗Band: LeitSchnur, woran man die kleinen 
Kinder gaͤngelt. Engl. Leading ſtrings. 

Betreckſel: garniture, gu Beziehung der Zimmer, Bet⸗ 
ten, Saͤrge, u. d. gl. 

Oevertreckſel: Uberzug von Catton, Leinen ic. fo man, zu 
Defhonung der Kleider, infonderheit den Kindern, ans 
eget, 

Trehms (y). Söll an einigen Orten der Nahme der Korn« 
: Blumen feyn, davon e$ ben ungingemeiner Rede peiffet : 
a: fo blau, als een Trehms. | 

CCrefcbáten: Ein Karten⸗Spiel. Stan. Breland. M.) 

Trefe (y): Heiffet in Hamburg dasjenige geheime und wolver⸗ 

fcbloffene Zimmer, aufdem groffen Rathhauſe, neben der 
Caͤmmerey, in welchem ein unfchägbarer Vorrath alter 
und hoͤchſtwichtiger Urfunden, als ein Ausbund des vor» 
trefflichen Archives unferer Republic, in Deiligee Vers 
wahrung (ieget, Der Nahme ift auffer Zweifel das Latei⸗ 
nifche thefaurus , woraus, bloß durch Verſetzung des 
Buchſtabs v, wie bey den Franzoſen zrefor, alfo bey den 
Teutſchen Treſe geworden: wie folches der weiland ums 
bie Teutſche Speache bochverdiente Hr. Job. Leonh. 
Friſch gründlich erwiefen in den Mifcellaneis Beroli- 
nenfibus T. IV. p. 183. allwo er den Urſprung des Wors 
te3 TrefeBammer erfläret, und mit angeführten Zeug« 
niffen darthut, daß felbiges Wort anderweitig bald ein 

, aerarium publicum, bald ein chartophylacium, bald 
eine Sacriſtey, folglich überhaupt eine Schag-Rammer, 
oder ein Behaͤltniß foftbarer Sachen bedeute. 

(treueln: ein Fahrzeug durch Menfchen fortziehen laffen, bie 

mit bem Stricke übgr die Achfeln hinter einander herge⸗ 

n. M.) | | ] 
d Kilian. rien : funenauemtrahere. Treyl Linie: 
Y 





helcium. —Zreyler: Schuyt-Trecker, Helciarius. 
| Uu 5 treti» 


314 — | IDIOTICON 


treüfein: bitten, flehen, aber unanfländig, wie folches . 
Englifche zrifíc, und das Niederländifche en bes 
weifet, welches fo viel ift, als beuzelen, und nicht alleine 
klaͤret wird durch blandiri, pellicere, ſondern aud) bur 
nugari, ineptire. ' 

Trill: ein ſteiffer Pug oder Kleider⸗Staat, batat alles wiege 
drechfele feyn muß. Denn Trill bebeutet tornum, und 
trillen heiffee drehen, drechſeln. Up'n Teill gabn:im | 
beften Aufpuge gehen. Trill-Deerens; Maͤgde, bi 
einen närrifchen Kleider «Stolg haben. | 

(Anglo-Sax. Thyrl, foramen. Thyrlan, perſo 
rare, T hrylbur, tornatorium. G.) 
Ceine Sengers: ein Nahme, womit ber Pöbel bie Barde 
| de Weiber zu AP pflege. Die Urfache ift nidt 
der Mühe wehre zu erforfchen. Man giebt vor, es ſey 
einsmahls unter ihnen eine Here dieſes Nahmens gave 
fen, welche verbrannt worden. 
Tryp: ein halber geblümter Sammer oder Plüfch. 
Trypmaker: Sammets Weber, 

Tripp: ein im Ball-Spiele gebräuchliches Wort, 

Tripp, trapp,teull: ein Spiel der Kinder, welches fie aud) 

^. memen Dandentoden; mann fienehnlich neun Nul⸗ 
[en folchergeftaft hinſchreiben, wie die Kegel pflegen ge 
(et zu werden. Da denn der eine allemahl zwo Nullen, 
bie ihm der andere anmeifet, miteinem Strich zufammen 
fügen muß, bis alle aneinander hangen, Wenn nun die 
(ee nicht gefchehen fann, ohne einen andern Strich durch⸗ 
zufchneiden, fo bat der Strichmacher verlohren. 

teippeln: mit furgen und leichten Schrieten gehen. Eene 

Trippel⸗Trine: die nicht weiß, wie eng fie fhreiten, und 
wie bebende fie bie Füffe fortſetzen will, 
(Nos etiam at D’rippe vocamus, pasfibus admo- 
, dum breuibus incedere, G.) | 

tröndeln: rollen, purgeln. Iſt gat ein eigenes verbum, wo 

mit toit die Bewegung einer Kugel; die ſich aufder Ebene 
| forfs - 











J.HAMBVRGENSE  . 3i 


fortwälßet, andeuten, und zwar fo wol adtiue: be troͤn⸗ 
delt den 2Soffel: er wirfft bie Regel Kugel auf der 
Flaͤche Din; als neutraliter: de Ball troͤndelt: der 
Ball voffet an der (Erbe fort. ! 


Troſt: wird, auffer der gemeinen Bedeutung, gang fonderbar 
gebraucht, mann wir fagen: He is nich vecbt by 
- "Qxoft; er ift unrichtig im Kopffe: delirar. | 
Trumm: 1, ein iedes Behaͤltniß, das längliche und hohl iff. 
| 2. €. Braden⸗Trumm : ein blechernes Ge 
báufe üm ben Braten, worin die Hitze des Feuers 
zuſammen gehalten wird, Water⸗Trumm: 
Waſſer⸗Roͤhre, wodurch das Regen-Baffer an 
ben Häufern herab geleitet wird. Auch nennen 
wir Trummen, die geoffen Dofen oder Büchfen 
von Blech, die mit einem Deckel verfehen find, 
tmb allerhand Victualien oder Zuckerwerck zus 
‚verwahren dienen, _ | 
2, eine Teommel, Holl. Trom, Engl. Drum. Wie 
rium biefe ein hohles Inſtrument ift, fo zeige fid) 
bie Urfache des Nahmens von felber, und ift nicht 
. nöthig, wegen des übergezogenen Kalb⸗Felles, 
mit Hn. Wachtero auf das Griechifche dep 
zu verfallen, Ketel⸗ Trumm: Keſſel⸗Trom⸗ 
mel, Paucke. mE 
trümmen, tcummelnz zrommen : heiffet zwar in gencre 
ſchallen fonare, mie bas Wort Muul⸗Trumm: Maul 
Trommel, zn beweifen feheinet ; in fpecie aber undeigent« 
lich wird eg gebraucht von dem Schalle eines holen Gor: 
pers, der gefchlagen oder geblafen wird. Wie denn fein 
Zweifel iff, daß von bem Worte Trumm nicht follten 
aud) abftammen bie Nahmen Tromba, Trombone, 
Trompete, ober, voie e8 Lutherus, per mollitiem oris 
Misnici, gegeben fat, Dromete; inbemes hople Röhren 
find, wohinein die $uft geftoffen, und dadurch der Schall 
erwecket wird. Ja ich wuͤrde Faumdenjenigen tabeln, der 


(o gar indem Franzoͤſiſchen tromper, trompeur, trazspe- 





Tie, 


—À 


316 ‚IDIOTICON 


rie, ein gewiſſes Verhältniß gegen unfer Trumm zu fin, 
den vermeinen würde, in Anfehung nebmlid) des hohlen 
und ledigen; indem ein Betrieger denjenigen, bet etwas 
volles unb réelles haben foll, mit leeren Winde umb ledi⸗ 
gem Gefäfle hintergehet. mE | 

aftrummeln: abmarfchiren. He mutt inan aftrums 
meln : ec darf ſich nur abfuͤhren. Eenen afteummeln 
laten: einen ablauffen laſſen; mit ſchlechtem Beſcheid 
abweiſen. 

uptrummeln: eines aufſpielen auf bee Trommel. 

Trummel-Saal: Tang-Saal, Wirthſchaft für gemeinen 

NPoͤbel, ber dahin zu fauffen und zu tanen gehet. Obdie 
fec in Hamburg fepe bekannte Nahme daher rühre, weil 
man in folchen Haͤuſern auch nach der Trommel getanfet, 
oder ob der Wirth fein Bier aue» oder feine Säfte zufam- 
ten getcommelt, daran ift und noch weniger gelegen, als 
denen, bie auf folchen, zum Theil unehrbaren Trummel- 
oder Tummel»Plägen ihre Weide ſuchen. 

(Truv, Trüvers: Teumpf, Teümpfe im Karten⸗Spiel. 

aftruven: abtrumpfen. M.) 

Tubbe: r, ein Furger Sapffe am Eiſen⸗Werck, z. E. am Huf: 
Eifen, item an Klammern, bie in Stein oder Holg 
eingelaffen werden. 

2. eine Botte, Kübel. 3. €. Water⸗Tubbe: Waf 
fer-Rübel. TubbesAofen, ſind, nach Ausfprache 
der Einfältigen, die Irides cuberofae, vielleicht weil 
fie in Sefäffen ftehen. 

Tucht⸗Foͤhleken: Zärcling, mit dem, mie mit einem Zucht⸗ 

Fuͤllen, ſaͤuberlich verfahren wird, | 
tüdern, vertüdern: bie Fäden verwirren: fila perpledtere. 
Vertüderten Tweern: vermortener Zwien : mic wel⸗ 
chem Nahmen man nicht unbillig diejenigen Spigen be, 
feget, in welchen gar Fein artiges Mufter oderrgefchickte 
Zeichnung, fonbern eine wilde Verſchraͤnckung zu finden. 

Tuͤg: Zeug. Ken Stuͤck Tüges: ein Kleid. All pat 

at 





HAMBVRGENSE. | 817 


bat Tuͤg holen will, d. i. mit ganger Gewalt. Her⸗ 
. genommen von einer heftigen Fahrt, bie aufs Gefchire 
anfommt. (to Tuͤge Eamen:: in die Kleider fommen; 
in kortem Tügge: unangefleidet: en deshabillé. M.) 
en: beiffee bey ung auch anfchaffen. Z.E. Ae tuͤget fick 
os ds Kleed: er ſchaffet fid) ein Kleid an. Dat tam 
| be nich tuͤgen: das fann ec von (id) nicht erhalten. 
tukken: 1. zucken. He tukkede nich eenmahl. 
C 2, bie Hüner locken, welches mit einem tuck tuc! 
zu geſchehen pfleget. - Daher man in der Kinder 
Sprache die Hüner nennet Tuck⸗Hoͤnekens. 
- Cuntte: Zunge Y00 du fleift, un beff de Tunge im 
N ante: wie bu fteheft, Ji fpricbft Fein Bert oder 
regeft bid) nicht. Was weiter, bey biefee verweislichen . 
Redens⸗Art, unter unſerm Pöbel gefcaget und geant 
wortet zu werden pfleget, ift unnöchig anzuführen. 
tünteln : fangfam und bebende tQun: delicate & cum mora 
agere. 
betuͤntelt: was den Schein einer delicatesſe in der Auf⸗ 
fuͤhrung hat. Eene betuͤntelte Deern: ein Maͤdgen, 
das gern zart unb vornehm thun will: une precieufe 
| affectée. | 
tuſeln: zaufen. De Haare totufefn: bie Haare zerzanfen. 
| e. becüm ein: fi herum ſchlagen und cum - 
meln. 
täffen: Einhale thun, verbieten, ic. ſchwichtigen. Von der In- 
teriectione prohibentis, oder dem Berbietungs Wär 
fei tuͤß! di é | vomit roit nicht affein ein Reden, for» 
dern auch ein Thum flören, und welches fo viel (agen will, 
als ſtille! oder: laf das bleiben! ol 
(Duäffe! duũß! prohibet Jogui ; quafi dicas zace, 
obmute[ce, Nam eft interiectio filentium imperantis, 
: $Dl(fén, Danice at tyſſe, eſt ad filentium compellere, 
tacitum reddere. Sic at tyffe barnet, infantis flctum 
vcl clamorem compefcere. Eft autem a 2/46, i. c. 
t2Ci- 





318 IDIOTICON 


tacitus, taciturnus, filens;: Dyaugsehed, taciturnitas. 
$D/^vo, occultus, tacitus. At boloe notet tys; filer, 
vel clam habere aliquid. In Euang. Goth. Thahan, 
tacere, obmutefcere. Vid, ibi Stiernhielm in Glosfz- 
rio Francico: Zaugno, clam. G.) ' 


Tüte: fat. Trynga, eine Art Voͤgel, bie fi an Waffern anf 
gelten, und von ihrem pfeiffen den Nahmen haben, 
on ihrem fehnellen lauffen aber ift bey ung bie Redens 
Art: dee lópt ao een Tüt ; welche inſonderheit bey Kin 

dern gebrauchee wird, die hurtig auf den "Beinen find, 
Cite; Cuͤtjen: ein Blaſe⸗Hoͤrnchen: tuba parua. :Denfelben 
|. tamen In bey uns auch andere Dinge, die an Oe 
ftolt einem ſolchen Hörnlein gleichen. Z. E. Die oben 
weit und unten fpi zugedrehete papierne Gehaͤuſe, die 

toic fonft Kramer⸗ Huͤskens nennen. Haar⸗Tuͤtj 
ift das von Flechten in einen Zopf zufammen gewickelte 
Haar imter den Weiber: Hauben. Tarr jen: 
ein weiß Brode mit drey runden Ecken, wovon unter 

den Worte Tarve. 


töten: ineinem Tone blafen. Dar belpt keen täten eds 
der blafen: man fage, was man will, da Dilfft Feine 
Einrede, 

Tüter: heiſſet allhier der Wächter auf bem Kirch⸗Thurme, 
der des Nachts alle viertel Stunden in ein Hörnlein ſtoſ 
fet. Diefer ift von dem Thuͤrmer oder Chorn⸗Mann 
unterfihieden, als welcher fein Ampt vom Thurme zu 

gewiſſen Stunden, und bey Abend-teichen, mit ber 
Trompete muficalifch verrichtet. Ä 
Tut⸗Horn: Blafe- Horn. 
(Danice at tube, cornu inflare. it, eiulare. En 
Duͤdere, cornicen, Tüter. Hand tuber og ſchwi⸗ 
ge eiulatum fletu mifcet. Anglo-Sax. Thutan, vlu- 
are; theotend, vlulans — T leote, canalis, en Dude, 
pibe et Band-Ror i Jorden, fiuc en Rende. G.) 
Twehl (2): ein zweyſchoͤſſiger Stamm oder Zweig, ber ſich in 
| | zweene 


vw 








HAMBVRGENSE. 319 


zweene Arme theilet: ein Zwilling⸗ Schoß: ftirps bi- 
fida, ramus furcatus. 

(Ef a Dim, Diige, D’vefold, contracte 
Ditwehl. . Anglo-Sax. Twefeald, duplex; twy- 
firenge, bifidus. Sed & in Anglo - Saxonicis occurrit 
Twig, Twiga, virgultum, ramus, furculus, Vnde 
forte Twigl, Twehl, G.) 

Twesken (5) al. Dwesken: Zwillinge. | 
e: Gaͤßchen, Neben-Gaffe, enge Gaffe: angiportus. 
Davon find in Hamburg bie befannteften de Brands⸗ 
Brodlofe ober Korvemaker⸗Dree penninges 

Fiſcher⸗ Fuhlen⸗Goͤrten⸗ Haenken⸗ Hamken⸗ 
Kaaks⸗ Oder Gold⸗Kamermanns⸗ oder Glas 
mattjen⸗ Kibbel⸗Lemken⸗ oder Swyns⸗ Mat⸗ 
tens Papen⸗ Reimers⸗ Springel» Steen⸗Twyte, 
u, a, n | 





e. 

Vadder, Vadderſche: Gevatter, Gevatterin, 6 nun mol 
diefes Wort eigentlich den fponforem, oder Tauff⸗Zeu⸗ 
gen, und nicht bas Kind oder den Täuffling bedeutet, fo 
menget bod) unfer gemeine Mann beidesdurch einander, 
und nennet fo wol den Paten, als den fusceptorem, 
Vadder. Zueinem, der daftrauchelt, pflege man zu ſa⸗ 
gen: Holla! Vadder fallt nich! 

Vadderſchop: Gevatterfchaft. Sprw. Wenn’ Kind 
60b is, fo is de Vadderſchop uch : per mortem 
tollitur obligatio. Ä Ä 

Vaddern⸗Koken: Kuchen, momitbie Gevattern ihre Pa⸗ 
ten auf Weihenachten zu beſchencken pflegen. | 
3Dabbern « Penning: Daten Gabe. - | 
Vaddern⸗Breev: Gevattern-Brief, und per fynecdo- 
chen alle groffe und breit gefaltene Briefe, 
Vaddern⸗Snack: unes Gewaͤſche, desglekhen die 
.- | eiber 


—-"-- 


320 IDIOTICON 





Weiber bey Kind-Tauffen, in ben Wochen-Stuben zu 
führen pflegen. 

vaken: cft. 

van: wird in Beltimmung der Tages-Zeik gar eigen gebrau⸗ 
het: van Dage: heute; vammorgen z heute früße, 
vammiíobag: diefen Mittag; van Avend: putt 
Abend. 

Dart: 1. Faß, Tonne: cadus. | 

Vattig, ir. Vatt⸗fuul, was nach dem Faſſe fone 


cket, oder von der Tonne einen unreinen Ge⸗ 


ſchmack hat. 

Sprw. Et regnet, as wenn t mit Daten guͤtt: 
e$ iſt ein hefftiger Regen⸗Guß. 

He loͤpt as een Vate⸗Binder: weil dieſe Leute 

am das Faß herum lauffen, mann fie die Bande 

 niebectteiben, oder, weil (ie mit bem lebigen Faſſe 

fortmüflen, wann es auf bec Kante geroller wird, 

2, Schuͤſſel. Tinnen Date; 3unneene Schüffeln, 

3DabooE, für Vate⸗Dook: 9f)» Hader der 
Schüffele Wäfcherinnen. 

Sprw. He bett noch veel in't Vatt: ec hat noch 
vieles zu erfahren; es ſtehet ihm noch allerhand 
bevor. 

He bett et all ín mannig Vatt legt? er hat 
es ſchon auf mancherley Art verſuchet, oder aller⸗ 
hand Nahrung zu treiben angefangen. 
3. eine Maſſe des Getreides, bie einen halben Scheffeh, 
oder 2 Himpten hält. 
(venyniſch: gifftig, boshaftig: venenatae malitiae, M.) 
verbaſet: fiehe bafen. 
verbyftern: ſiehe byfter, 
verblüffen: dunm, ſurchtſam, beftüvét machen: obtundere, 
obftupefacere. 45e is beel verblüffer: il eft tour à 
fait étourdi. Ser Pöbel hat das unartige Sprichwort: 
Hohlt ju amt elfte Gebot, un latet ju nich ver 


bluͤffen / 





HAMBVRGENSE. 321 
blöffen, b. i. Fehret ihr euch an nichts, unb faffet euch 
Feine Furcht einjagen. 

verbóbren (se) und verböhren (0m) ſiehe böbren. 
. Coerbringern: der alles verthut und d rchbringet: prodigus, 
depenfier. M.) | 
— verbrübt: fiche brüben, 
verbobn, unb Verdohner: fiehe dohn. 
verdoͤmt: verdammt, böfe, fhlimm. Holl. verdoeme, Engl. 
| damned. De verdömde Gytz: der verfluchte Geitz. 
Et is verbómt glatt to gabn: es ift verzweifelt 
glatt zu geben, 
Verdreet: Berdruß, ic. SDerbrieg. Sich Verdreet dohn: 
durch Deben oder (mere Arbeit (id) Schaden thun. 
verfeeren: actiue: ſchrecken: terrere. Eenen verfeeren. 
reciproce: ſick verfeeren: terrore concuti. 
Dar verfesre ich my voͤr: da erſchrecke id) 
e 
unverfeert: unerſchrocken. u 
(Dan. ferfátber, terreo, perterrefacio. Uforfaͤr⸗ 
et, imperterritus, Anglo-Sax. feran, terrere. Feer, 
ftupor. G.) N 
Coetfüllen ; fic? verfüllen: eite, unterföchig werden, M. 
verfüumfeyen: fiche fumfümfeyen. — EM 
vergabn: fic? vergahn: ſiehe gabn. 
Verhacht: fiehe becbten. 
verhackſtuͤkken: ſiehe Hakke. 
verjogen: (jagen. — | 
verklamen: erfrieren, von Kälte erftarren. Wird von lebens 
digen Gliedmaſſen ge(aget. 3. E. An handen un 
Sóten verklamen. Dat Rind is verllamet: es iſt 
erfroren, fann fich fuͤr Kältenicht regen. Siehe klamm. 
verklikken: (iebe klikken. 
verleden (s): verwichen, vergangen: de tempore. S. E. 


verleden Jahr; verleden Suͤnndag; verleden 
di € ^8 Oſtern 


Buanem 





322 " IDIOTICON - 


Oſtern 1c, Dat is lange verleden: dudum ch, 
SyolL Jeden , gbeleden , verleden, it. veur-Jeden. Gi 
anderes verleden, welches ein Verbum, fiche in Lede. 

, (Dan. forleden Aar, forleden Dag. — Ett ab an- 
tiquo libet, i. c. fenfim prouehor, liver, & 
bet lider paa Dagene. Anglo-Sax. alibtan, deſilite. 
líoet ned ad bakken. Gelydan, appellere (de naui), 
item cum g praepofito, glydan & glidan, labi; quod 
& Danis vfu frequentatum: Dagen glider, dies labi- 
tur, ad occafum vergit. Sic Aarene glider, anni la- 
buntur, Island. Lidar, decliuitates. Ergo verleden 
"Jahr, annus elapfus. G.) 

Diefer gelehrten Anmerckung zufolge, ware verleden 
fo viel als vergleden, mas entglitten ober vorben ift. ' 
yerlöven: erlauben. 

Verloͤf: Urlaub, Mit Verloͤf: mit Erlaubniß. Mit 
Verloͤf to ragen : falua venia. 3:Derlóf qeoen: beur- 
[auben, wie z. E. den Kindern in der Schule, oder dem 
Geſinde im Haufe. 

yerlöfen: "entbunden werden, niederfommen. Se Pann 
nich verldfen: Sie fann nicht gebehren. Se is ver⸗ 
[öfer van eenem jungen Sohn! Sie ift mit einem — 
Sohne niedergefommen. 
Verloͤſung: Entbindung. 
yermahnen, fagtder gemeine Mann, für gemabnen. 3.€. 
.^ Dat vermabnet my even (o: anftat: bas gemahnet 
un en P. | 
vermögen (ey): an ftat verm 6: ftolß, hochtrabend, als 
nenn einer viel —S deit ſo vermoͤgen: er 
thut ſo großmaͤchtig. 
vernylen: vernichtigen, verbrauchen. Vielleicht vom Hollaͤn⸗ 
diſchen Niet, quafi vernietelen: in nihilum redigere, 
confumere. Dat Kind tann den Cog nich vers 
nylen: es Fann die Milch nicht zu $eibe Eriegen. He 
vernylet eel Huusgerath: er machet viel Geraͤche 
zu nichte. 
Vernyler: Verbringer, Verchuer. ver⸗ 








HAMBVRGENSE, 323 


^ vernimm: reiig, aufmerdfam. Dat Aind is all beel vers 


nimm: das Kind ift (on fehe vernünftig, mercket 
. foit auf alles. 


verolmet: fiebe Olm. 
verpetert: entfaͤrbet, verſchoſſen; wie etwa vom Salpeter bie 
Farbe am Zeuge gar leicht angegriffen wird. 
verrethlick: gefährlich, unſicher, quafi verraͤtheriſch. Eene 
verrethlicke ——— eine unſichere Hand⸗ 
lung. Rs is verrethlick: bem Eiſe iff nicht zu 
trauen. Een verrethlick Spill: ein mißliches Spiel. 
verſaken: ableugnen, verleugnen. Den Deefſtal verſaken: 
ben Diebſtal leugnen. He lett ſick verſaken: ec laͤſſt 
ſich verleugnen, daß er nehmlich nicht zu Hauſe ſey. 
Im Alt⸗Fraͤnckiſchen hat es auch bedeutet entſagen, 
wie aus ber uralten Formula Theotisca abrenunciatio- 
nis Diaboli erfáffet: Forfachiftu diabolae? Refp. Ec 
ferfache diabolae &c. Vid. von Staden Specim. Ot- 
- frid, p. 15. 
(Belgis pariter in vfu, & Danis fotfattey deteftari. 
Anglo-Sax. forfocen , derelictus. G.) 
verfcbalen: f. ſchalen. 
verfchälen: f. ſchaͤlen. 
werfchyren: f. ſchyr. 
verf labn: f. ſlahn. 
werfimaben : verfchmähen, verachten. Holl. verfmaeden, von 
Smaed, Schmach, contumelia, Iy warde my nich 
verſmaden: ihre merbet mit mir für lieb nehmen, 
Sprw. Man mutt nicks verfinaden, als Stöte 
un Slaͤge. 
verſmoren, verſmurten: ſ. ſmoren. 
verſnoren: f. ſnoren. 
verſoͤken: 1. verſuchen, experiri, 

2. erſuchen, rogare. Hollaͤnd. verzoeken; nad) 
welcher Mund⸗Art aud) bey uns bie Particula 
ver an (tat er veilt im Gebrauche iff. 

2 


% 9 





324 IDIOTICON 


8, €, verlichtern, erleichtern; verwarven, erw 
; vertellen,erzeblen; verwachten, erwartenx, 
verffabn: ftehend auspalten; f. ſtahn. 
Verſteck (5): ein Spiel der Kinder, da fie fid) verftecken, txt 
verftuten —— Gelencke verſtoſſen: Z. E. De 
im Gelencke ver ^ 
Zyand verftuben 


ic 
verſtuͤret: ſ. Stür. 
verzaͤrtelt, übel erzogen, Zen vertagen Rind: 
ein verwehntes, eigeumilliges Kind, 
vertoͤnen: fiehe toonen. 
vertůdern: f. tůdern. 
verwachten: ſ. wachten. 
dieſes Wort hoͤret man in unſern Bier Landen, fo 
wie ed n — vielfaͤltig, an ſtat Kar gewal⸗ 
tig, valde. J. E. Een verwegen groot Huus: ri 
—* groſſes Haus. He prekede verwegen bón: 
er prebigte fehr bón. 
verwyten: |. wyten. 
: verzagen, fuͤr Angſt von Sinnen kommen. 
Sollte eigentlich ausgeſprochen werden verſuͤffen, denn 
e$ iſt Hollaͤndiſch. Suf, delirus, fuffen & verfuffen, 
mente perturbari, ſtupeſcere. He will grants vers 
ſuͤffen un versagen, Allein etliche ſagen verſuͤfften, 
andere verfüchten, worin die Bermengung des l 
delirare, mit füchten oder füfften, gemere auge 
ſcheinlich ift. mE 
verzuͤfft: erſchrocken, beftürge. He fleit tang ver 
zuͤfft: er (tebet gang vergagt, auffet fid) felber. 
Uhle: Eule: noctua. Bon biefes Bogels Geftalt und Eigens 
{haften find bey ung comparatiue manche Benennuns 
gen und Redens⸗Arten. 3. €. 
Augelihle: ein Menſch mit verworrenen oder ungekaͤm⸗ 
meten Haaren. 





£ange 





HAMBVRGENSE. 325 


Lange Uhle, Porte Uhle, Hand⸗ Uhle: Kehr⸗Beſem 
von Schweins⸗Haaren, der entweder auf eine Stange 
geſtecket wird, oder einen Hand⸗Griff hat. 

Uhlen un Kreyen maken: ſchlecht ſchreiben, elende 
Buchſtaben machen. | . 

O5lind as eene Uhle: Guíensb(inb. Wird auch vom 
Geraͤthe gefaget, das nicht blanc? geſcheuret ift, M.) 

in F Uhlen⸗Flucht: auf groſſer Eile, in gantz kurtzer 

Zeit. 

Dar bett eene Uhle ſeten: res mali ominis fuit, in cas- 
fum cecidit. Wenn’ Plappen fcball, ſo hett r eene 
Uhle (éten: am Ende (auffet es auf nichts hinaus, 

Spottsweife nenner der Poͤbel bie Nacht⸗Waͤchter Uhlen, 

weil fie nebmfid) im finftern geben. | 

(Prima & propria fignificatio eft eadem quae in 
Danico, fcil. Ygle, vel Vle, vlula, Ceterae vero hic 
notatae, funt fecundariae, vel translatae, 6.) 

Uehlken: Schmetterling von Raupen und Seiden⸗Wuͤr⸗ 

mern, wie auch groffe Motte, u. b. gl. | 

Violen⸗Rumor: foll heiffen Philonium Romanum. Wer 
über mehr dergleichen, von unfern gemeinen und einfäls 
eigen Leuten poflirlich verhungten Nahmen der Arze⸗ 
neyen, zu lachen $uft hat, der kann das Teutſche Regifter 
—* en y dem * —* be⸗ 
ruͤhmter Apotheker in urg ſeinem Dispenſatorio 
Hamburgenfi beygefuͤget Dat, p. 177íqq. Ih gabe. 
daraus nım gar wenige Wörter hin und wieder hier mit 
einflieffen laſſen, niche, weil fie zur eigentlichen S«Rutter» 
Sprade, fondern zur Sprache der Idioten in Ham⸗ 
burg gehören, | 

lekerwendiſch: Kauderwelſch, unverftändlich; wie etwa 
den Sachſen bie Sprache der Ueker⸗Maͤrckiſchen Wen⸗ 
ben mag vorgekommen ſeyn. 41 

Uck: Unglüc, aus welchem Worte es fheinet zuſammen gezo⸗ 
gen zu fenn. Dat wäre een Uick: bae müffe nit aut 
(eon. — Maket Eeen Ulck: richtet fein Unheil an. 

| £ 3 Umbang: 











3206 | | IDIOTICON 


Umhang : verftepet fid) ins befondere von ben Borhängenei , 
nes Wochen-Bettes. Daher den Umhang ſchuͤdden, 
bedeuter ben Gebrauch begehen, ba nebmíid) verwandte 
oder befannte Manng-Perfonen, denen die Entbindung 
angefagt feyn muß, bey Abftatung ihres Beſuches in der 
Wochen⸗Stube, der Wärterin unb dem übrigen Gefinde 
ein Geſchenck (gemeinigfid) einen Sp. Rthl.) geben, als 
ob (ie an den Umhang bes Bettes gegriffen, und es da 
heraus geſchuͤttelt hätten, 

ümkamen: auskommen, hinlaͤnglich haben. Dar Pann ick 
nich mit uͤmkamen : das reichet mir nicht zu: ich fona 
damit nicht rund ſchieſſen. 

Umflag: ſiehe Slag. | 

Ümtvent: Holl. ontrent: beynahe, ungefehr: circiter. He 
is ümtrent twintig "Jahr old: - er if etwa zwanzig 
*yabre alt, Dar Ümtrent: in dafiger Gegend. yt 
is neemand uͤmtrent: bier ift niemand in der Nähe, 

un: particula priuatiua infeparabilis, wie fie von ben Ober⸗ 
ändern in compofitione mit der Praepofition Ohne 
fehr oft vermifcher wird, z. E. Dbniujt für Unluft; 
al(o (agen aud) wir: ahnweten, an (tat unweten: 

unwiſſend, grob. 

unbedragen: wird bey ung actiue gebraucht für ehrlich, aufs 
richtig, der niemand betrieget, Een unbedragen 
Minſch: ein guter unfchuldiger Menſch, der ohne 
Betrug iſt. 


unbehuͤlpiſch: ſchwer von $eibe, der (id) nicht mol regen oder 





helffen fann. 
Undoͤgt: Saugenidt, Siehe doͤgen. 
unnafcb: unrcinfid) ſaͤuiſch, unflätig. 
Cünner: unter. | 
uͤnner un baven: unten und oben. 
uͤnner un over liggen: geoffe Gemeinfchaft Haben. M.) 
Unnereerfchen: unteriedifche fente, Zwerge: Pygmaci 
fubterranei, Bon welcher Fabel derfelbe Nahıne einem 
ieden Fleinen Menſchen angehänget wird. 
Swyns⸗ 


| 








menm. | 


HAMBVRGENSE. 327 


Swyns⸗Unner⸗Braden: mufculus Pfoas in porcis. 
'. Unnerflag: ſ. flabn. 
unnofel: aus bent Sell, onnoozel. unſchuldig. Een unnofel 
Miche: ein unfchuldiges Kind. (Unnofeler Wyſe: 
unfchuldiger Weiſe: innocenter. M.) 
Unnöfel (ey) ; fubftantiue bedeutet nicht allein einen dummen 
und ungefchlifenen, fondern auch bisweilen einen liederlis 
chen verfoffenen Menſchen. Et is een rechten Unnoͤ⸗ 
fel: es ift ein rechter Tölpel. (Broͤrken Unnsfel: ei 
ner der in Voͤllerey fid) unnuͤtz machet. M.) 
unrymiſch: unf(ug, naͤrriſch, der im Haupte vermirtety unge⸗ 
reimte Dinge redet oder thut: delirus, 
Unvertred: Wegetritt: Polygonium, polygenum. 
unverweten: f. wyten. u 
unweten: f. weten. 
Volck: Gefinbe, Dienftboten. Se bett ney Volck Bre 
en: fie Dat neue Mägde gekriege. Eten voͤr't 
olck: Speife fürs. Gefinbe. 
Volck upſchryven: ein Verzeichniß von Leichen⸗Beglei⸗ 
tern machen, bie zur Folge folfen gebeten werben. Zu 
diefer Verrichtung muften ehemahle lauter anverwandte 
Frauen im Traner-Haufe erfcheinen. Jetzo geſchiehet ea 
durch) ein paar nächte Freunde, und bey Abend-Leichen 
gar nid)t, als welche meiftens ohne fete Ehre Dinge» 
ſtecket werben. 
Voͤrland/, Heiffer, was auſſerhalb des eingedeichten Sandes, am 
. . Mafler vor bem Deiche lieget. | 
Voͤrſetten, Voͤrſettung: Bollwerk am Waffer, Davon 
at in Hamburg: eine unterwärts an der Elbe belegene 
(fe ben Nahmen: tip der Voͤrſetten. 
vortoifi : fuͤrwahr, gewiß: certe. Asfeuerandi particula. 
3f; 1. Sus. Ä 
(luven , as een Pingſt⸗ Voß: lauren, wie bec 
Fuchs àm Pfingften, auf das junge Feder⸗Vieh. 
Voß⸗Bad : ein fchädlichen Nebel, der auf bem 
tande liege, M.) —— 





1 


€ ^4 2, Die 








ame — o4 c 


328, IDIOTICON 008 


2. Die Breune, oder eine higige Kranckheit ug Kalk, 
davon die Zunge, ber Gaumen und Schlumd mit e 
ner weilten Rinde überzogen wird. . 
upbébren: f. böhren. 
updohn: f. dohn. | af 
uperlegt: unvermeidlich, nothwendig: quafi a fato im 
cum. 45e is uperlegt Labet: ec iji nothwendig Poe 
Is maken: Aufbebens madyen. Kommt her von den 
u re die mit vielen — krum⸗ 
men Spruͤngen ihr Gewehr von der Erden aufheben. 
upruͤtſen: aufbringen, anreitzen. = 
upruͤttſig: auffägig, wiederfpänftig. 
upfatten: allmählig ſammeln, fich zusichen. Kamen 
Snoͤve upfakken: einen Schnuppen aufholen, 
Upfate: Aufeußr: Teditio. it. Anſchlag, Angeben. Dat 
was ſyne Upſate: das war fein Angeben. 
(upſchaten: aufgefhoffen. Een upfcbaten Vene; ein 
junger langgewachſener Menfch. M.) 
Upſchuͤrung: (. Schuur. 
upfellen: f. (ellen, — — 
Upf lag: I. Aufwand. 
| 2. Gemeinffaft, Groten Upflatt holen: groffe 
Gemeinſchaft halten. Einige fagen Zum lag, 
welches Wortes Urſprung ſchwer zu errathen. 
. Wann Polnifh oder Teutſch getanget wird, fo 
Gebet vorher der fogenannte Voͤrdantz, gravitätifch und 
in geradem Tacte. Darauf folget der Upfprung, auf 
Welſch Proportione genannt, weldyer (uftia, in ungera⸗ 
bem Tacte, nachgemiffer Proportion mit bent Bortange, 
bey veränderter Zeit⸗ Maſſe, in gleichen Gängen und 
Klängen geführet wird. M.) | 
Voͤrdantz un LUpfprung wird aud) Sprichworts · weiſe 
gebraucht von einer eingefd)ránd'ten Sache, infonderheit 
von einem artmfäligen Tractamente. Z. E. Dat was 
dar Voͤrdantz un Upſprung: das mar alles mit ein⸗ 
. ander, 











HAMBVRGENSE. 329 


ander, ba war nichts mehr zum beften. It. Dat gaf 
man eenen Porter Upfprung: das war nur tint 
. kurtze Freude. 
M : f. ns gae 
npftünó , upſtuͤnds, upperftüno: iehund. n 
ſtund: eben bie Augenblick: quafi Vers mo- 
| mento per gnomenem defignato. Conf. upftede, 

Cupftütten : aufihieben: differre. M.) 

Cupwafchen: das gebrauchte Küchen» unb Tafel» Gefchirr 
wieder reinigen, M.) 

Uthgave: f. geven. 

Uthluche: (. Lucht. 

uthmikken: ausmerden , auserfehen, auszeichnen. 

uthpahlen: ſiehe Pahle, . 

Mtbfcbott: Ausſchuß. Wird bey uns nur vom fchlimmen 
unb verworfienen gebraucht. Alfo (agen wir von einem - 
liederlichen Menſchen: Dat is een recht Uthſchott. 

Uthwyſer: (. Schoͤnroggen. | 

uthwyten: f. voyten, 

Vaullbort: Vollmacht, 

. vuliborben: bevollmächtigen. 

Une : Klroͤte. | 





Ae 


W. 


Wabbeln: bedeutet die Bewegung eines Coͤrpers, der fett 
oder weich und ſchlotterig iſt. Alſo wabbelt ein dicker 
ſeiſter Menſch, wann er gehet: item es wabbelt eine 

. gKibe Feuchtigkeit im bewegten Gefaͤſſe. 

wabbelig: weich: flaccidus. Wabbelige Boſten: 

. mammae flaccidae, en wabbelig Eten: eine 
allzu weiche Koft, | 

Wacht: 1. Wache: vigiliae, cuftodiae. llp 6e Wacht | 

 fábn: zu Walle gehen. In de Wacht 
etten: in cuftodiam militarem mittere. 
Wacht belen: dy falten, 
Pp 


2. Wage, 





330 | IDIOTICON . | 


|. 2. Wage, Gewicht: libra, pondus. Rechte Wacht: 
richtiges Gewichte. Dat bolbt de Wacht nid: 
das wieget nicht fo viel, als es fol. Wacht⸗ 
Schale: Wage: Schale. j | 
3. Woge, Welle: Audtus. De Wachten gaht 
hoch: die Wellen gehen bach. 
wachten: ı. warten: exfpe&are. Wacht een betjen: 
^. exípedta paullisper. 
verwachten: erwarten, He is fen Schipp 
verwachten: er ift feines Schiffes ge 
waͤrtig. Dat was ic? nich verwach⸗ 
ten: deflen war ich nicht vermuchen. 
unverwacht: unerwartet: inexfpectato. 
2. hüten, in Adıe nehmen. Wacht juz hüret 
euch. Wacht dyne Dinge: rem tuam cur. 
YOaboite, it. Wattke: Molden: ferum la&is, ir. da6 | 
mäfferichte in der Butter, wenn fie nid)t gnug ausge 
arbeitet worden, 
(Waden. Sprw. von einem, der bidfe Beine bat: et is em 
in de Waden fchaten. M.) 


YOagenfdbott: Eichene Bretter, ohne Knorren, mit feinen 
Adern geflammet, welche zur fauberften Tifchler-Arbeit, 
infonderheit an Getäffeln, Thüren, Schraͤncken, Särgen 
u. d. gl. pflegen ausgefischt zu werden. Der Nahme 
YOagenfcbott vüpret, glaube ich, daher, ba folche 
Bretter von dem andern Holge, das geflöffee werden 
fot, ausgefchoffen, und auf Wagen vecfüpret wer; 
den, damit fie trocken bleiben. Die Holländer nannten 
e vor diefen /Y and fcbor, weil e$ die Wände zu täffeln 
dienete. Und beym Kilian heiffet wandſchotten veſtire 
parietes tabulis. Angl. wanfchotte. 


wahnkantig heiffet ein Balcke oder Bau⸗Holtz, das ungerade 
. Eden bat, wenn nehmlich der Baum, vorau⸗ es ge⸗ 
ſchnitten worden, nicht durchgehends dick gnug geweſen, 
uͤm den Winckel allenthalben auszufuͤllen. Welche 
| Ede, 





HAMBVRGENSE. 331 


Ede, bie Gi oder ba einwaͤrts gehende Stellen hat, von 
ben Bauteuten eine Wahnkante genannt wird. 
*abnfbapen: ungeſchaffen, ungeftalt: deformis: Holl. 

mismackt. 

(Danice vanſ kabt. Nempe particula praepoſ. 
Wan Gctmanicae olim, ac praefertim Saxonicae lin- 
guae perfamiliaris, ad defectum denotandum, reman« 
it in Danico idiomate, pluribus verbis ac nominibus 

. hodienum eam pracferentibus: e. gr. vanart, vanar⸗ 
tig, vanäre, vanfór, vanbelo, vanf taber, vans 

f telít, vantrifves, vantron,vanvare, vanwillig, 
vanwittig G pluribus. Scilicet inomnibusiftis IVan 
propemodum idem notat, quod 7», (Danis t) pariter 

. praeponi folitum in aliis, Nota quoque fatis haec An- 
glo Saxonica, fimplicia & compofitionis vacua, Wana, 
eficiens; Wana fie, abfit3 Wanian, minui, minuere, 
demere; Waniend, deficiens; nec non in Euang. 
Goth, Wan, deficiens, Marc. X. 21. Compofitorum 
etiam exempla fuggerunt non tantum Anglo- Saxo- 
nica, vt dixi, fed & Francica & Theotisca monumenta, 
Otfridi, Notkeri, etc. vid. Glosſar. Schilteri, p.8 34. G.) 


Man fehe auch Eccardum in not. ad Leg Sal. p. 6. 
. von Stade in der Erläuterung der Bibl, Wörter, p.69 1. 
Woachterum in Glosſar. p. 818. Die Holländer fegen 
das Wörtlein zn fehr vielen andern Wörtern vor, be: 
ten eine Menge zu finden beym Kiliano p. 65 1 fq. Da 
es num hingegen in Teusfchland nur in fo wenigen com- 
pofitis nod) anzutreffen ift, fo erfennet man leicht, oie un⸗ 
. möglich ein Teuefcher mit der Wort-Forfchung in feiner 
Sprache fortfommen Fönne, wenn er der-Nordifchen 
Mund-Arten unfundig ift. Bon wan fonunt wäni 
oder wenig, tie folches aud) der Spate im Spra 
Schatze angemercket. Wie weit aber das Adiectiuum 
' vean, welches diefer anführet, in Teutſchland gebraͤuch⸗ 
. — li ey, kann ich nicht ſagen. Mir find zummenigften die 
nachfolgenden von ihm Lateiniſch erflärten Redens⸗Arten 
| j m Wr 





J 


332 IDIOTICON 


nirgends zu Ohrengefommen: Der Wein twn: 
vinum defit, defe&um cft, in deliquione eft,o et, 

Die Sáffex find vean: dolia deficiunt, non funt plena. 
wahren: 1. währen, damen. Sprw. fÉt wahrer nich 
, dat arme Luͤde war heft : armer 





Leute Mittel Halten nicht lange vor. — Wat If 


lange wahrer, ward god: gut Ding mil 
Meile haben. 
Wahr s Appel: Aepffel, die ben Winter her 
durch währen. 
Wahr⸗Botter : Butter bie fid) lange gut hält, 
€, warten, pflegen, hüten, in Acht nehmen, Yol 
wahrt ficP davoͤr? Wer Dütet (id) bafür? 
Ainder wahren, dat: uus wahren, fyn 
Geld wahren:ce. ( Man mutt fick odrem 
j als vót een flabno per: 


wahren man 
fat fid) für ihm ſehr in Acht zu nehmen. (Ern |» 


nem de Hannen wahren : einen auf die Fin⸗ 
ger fehen, He wahrer by de Oogen im 
Koppe: et giebt Achtung auf alle deine 
Blicke. M;) 


Wahre ⸗Frouwe: Wärterin, Pflegerin in n 


chen, | 
verrwabren: Wärterin einer Frauen ſeyn. 
nes (S amo —ã — N . 
ar ſo unverwa ;ſie 
ift fo uníduíbiger Weife daran gefom 
men. Engl, Unawares. M.) 
Wake : eine ins Eis gepauene Deffnung, zum Wafler-fchöpf- 
fen oder fifchen. 
water: heiſſet allhier niche munter, friſch, tapffex, fondern 
huͤbſch, fchön, — Eene waPtere —8 ^ ſchoͤ⸗ 
wes Maͤdgen. Sick wakker malen: ſich putzen⸗ 





waigen : miro, auſſer feinen andern Bedeutungen, aud) von 
einer Speiſe geſaget, bie itu Magen Unruhe machet, tb 


wit Ekei wieder aufftoffet, Et walget my im Kr | 


HAMBVRGENSE. 333 


. . walgicht: quod naufcam aut vomitum mouet. 

Weigen, Haver⸗Welgen, Garſten⸗Welgen: deco- 

&um ex auena, hordeo&c. Sprw. He kaket up, als 

een Welgen⸗Grapen: Er faͤhret jachzornig auf. 
Weilgen un Wehdage: ſchlechte Speiſe. 

Wall: Ufer. Iſt eiit Wort der See⸗fahrenden, inſonderheit 

der Hollaͤnder, nach deren Art zu reden es auch bey uns 

heiſſet: Dat Schipp kummt an de Wall, ligt un⸗ 

der de Wall, geit van de Wallen ec. leeger Wall: 

ſeichtes Geſtade. Siehe leeg. 

: — (Idem iudicandum, vt vidimus, de nonnullis aliis 

iam dictorum ; quippe quae non m Hamburgo pro- 

ria, quam ' ina, inque vrbem nauigatione & 

Piumerciis doresrem iam olim aliunde allra: quod 


& Lubecae, Hafniae, alibique factum efle, quis ne- 


| auerit? G.) | 

randi: geben, fi) bewegen: moueri, verfari, ire. He 
tummt woedder an’t wanchen: er kommt wieder zu 
Beinen. Ick dencke na £übed? to wand'en: ich 
bendfe mid) nad) $übed! aufzumachen. Dar wandte 
nech nicks: da ift nod) nichts zu thum. 

Mand: an (lat Gewand: Tuch, fafem: pannus. (pure 
Belgicum. G.) quod equidem non putem, quia haec 
aphaerefis, etiam in aliis vocibus, pluribus Germaniae 
gentibus frequens cft, 

Wand⸗Bereeder: Tud-Scherer, Nach) der gemeinen 
Ausfprahe Wanbreeder. Daher Wanbreeder⸗ 
Brook: die Gafle, dem Holländifchen Brook gegen 
über. 

Wand» Cnyber: Tuh- Händler, Safen» Krämer, 

Wand⸗Rahm: fiehe Rahme, 

Beyer⸗ Wand: eine Arc ftardden unb groben Gewebes 
von Garn und Wolle. 

"wanne: Interiedtio 1. admiranyis:'vab / 2. reprehenden- 
tis & male ominantis. e. gr. wanne! wanne! wo 
will dy bat bekamen! M.) TA 





nd 


354 IOIOTICON 
wanneer: mann: quando ? interrogatiuum. Iſt auch 


.  $yellánbiftb. 

wanfchapen: ſ. wabnfchapen. 

wardt wol: vielleicht; ohne Zweifel, ironice. 

Warms: Wärme. Zufammengesogen aus YYArmmis, 
We tummt uch de Warme; et kommt aus de 
Wärme. ) 

warfchauen: warnen. 

Warſchauung: Warnung. ft ing befondere bey uns 
ein gerichtliches Wort in Schulds unb Pfand⸗Sachen. 
Wenn nebmlid) der Terminus exfecutionis verſtrichen 
fo thut der Gerichts⸗Vogt durch feinen Diener, adi 
Tage vor der wirklichen Hülffe, annod) bey dein Schul 
ner die Warfchauung. 

Warvel: Wirbel, Drehe-Riegel: repagulum tortile , quo 
valuae clauduntur. 

Waſe: 1. Muhme: amita, it. matertera; Per diminut. 

Waͤſeke & Waͤſche. Fr. Tante, Engl, Aus. 

Wiewol in Hamburg bey ben Niederlaͤndiſchen 





Familien das Wort Muͤttjen gebräuchlicher ifl 


als Waſe. Holl. Moeye. 
2. Erd⸗Scholle mit dem Kraute. Weilnun vielleicht 
die Bauer⸗Maͤgde, wenn ſie was hartes auf dem 
Kopfe tragen wollen, eine weiche Waſe unterge 
legt, ſo heiſſet daher bey uns ein ausgeſtopffter 
Krantz von allerhand Tuch, den die Maͤgde, zum 
bequemeren tragen, auf den Kopff legen, eene 
Waſeke. | 
wafjen: mwachfen. 
balfwagfen: Halb erwachfen. Ken balfvoaffen Yen: 
gel: ein Junge, der noch nicht zur völligen Gröffe auf: 
geſchoſſen. 
de Waßdohm: die Empfindung junger Leute in ben Glie⸗ 
dern, wann ſie im wachſen ſind. 


Water: Waſſer. (Sprw. Den Kopp baven't Water 


holen: ſich des Unterganges erwehren. M) 


um 





HAMBVRGENSE. 335 


Baven Water: Deiffet in Hamburg das Waffer, fo die 
Elbe herunter und demjenigen entgegen fommt, das mit 
der Fluth aus der See herauf getrieben wird. 

Upwater: wird metaphorice gebraucht vom Benftande, 
oder Hülffe, damit iemanb in feinem Vorſatze geſtaͤrcket 
wird, Upwater krygen. Dem fEecenfinn mutt 
man keen Upwater qeven c. Iſt hergenommen von 
einem Fahrzeuge, dem fo viel Waffer zuflieflee, daB es 
nicht darf fißen bleiben. 

watern: waͤſſern, Wafler laſſen. So fagt man von einer 
in Wafler gefochten Speife, s. €. be A obl voatert na, 
b. i. der obl bat nod) Waſſer, das er hernach von fid) 
laͤſſt. In unfern Marfch-tändern jft es eine gar eigene 
Redens⸗Art, up eenen watern. Wenn nehmlich das 
ganße Sand etwas abſchuͤſſig ift, fo daß bas Waſſer von 
des eınen Nachbars Feldern auf bie Gelder des andern 
laufft, fo beiffet es, be veatert up em. Stelletnun ies 
mand fein Erbe zum Berfauff, fo Dat der nächfte Nach. 
bar, bar be tip watert, das Recht des näheren Kauffes, 
zufolge bem Hamb. Lands echte, Artic. 61. * 

Wetterungen, qf. Waͤterungen /Holl. W'etteringen, 
find die groͤſſeren Gräben in ben Marſch⸗Laͤndern, welche 
mit den kleineren, zu Waͤſſerung des Landes, Gemein⸗ 
ſchaft haben, und vermittelſt Schleuſen oder Siele das 
uͤberfluͤſſige Waſſer abfuͤhren, das benoͤthigte aber ins 
Land herein laſſen. Sie pflegen fiſchreich zu ſeyn, und die 

daarin gefangene Hechte werden Gras⸗Hechte genennet. 
Wedder, oder, wie es einige ausſprechen, Weder (s): 
Gewitter. 

Buller⸗Wedder: Donner⸗Wetter. 

et will nich to Wedder ſlahn: das Wetter will nicht 
beſſer werden. | 


yoebber: wieder. — Sprw. Ledder um Ledder, fleift du 
(la oy wedder. Ic. Wedderſ lag is nich 
ver a en. 





(wedder⸗ 


36 IDIOTICON 





po EN — un 
Um 


(wedderkamen beit bem Aramer Kbaben : wer wie⸗ 
derfommen soil, i(t für evt fein Käuffer. M.) 
voebbertoarig ; wiederwaͤrtig, wiederſetzlich. 
Wede (m): WeidensRuthe: vimen. 
Weden⸗Boom: Weide: falix. - 
weeden: gäten. Uthweeden: ausgäten, 
(week maken: verzehren. M.) 
western: wimmern, weinen. Vermuthlich von Wee: Wehe, 
Weeterling: ein kleines elendes Kind, bas nod) nichts 
kann, als jammern und klagen. 
by Wege lang: an der Straſſe her. Z. €. Dar Kruut 
ſteit by Wege lang: das Kraut ſtehet am Wege. 
Wehl (5): Munterkeit, Geſundheit, Muthwillen: luxuria. 
Dat deit he uch Wehl: bas thut ec aus Muchtwillen, 
He kann den Wehl nich harren: er kann die guten 
Tage nicht ertragen. De Wehl ſchall em wol ver⸗ 
gahn: der Kigel foll ihm ſchon vergehen.. 
wehlig: friſch, ſtarck, munter. Wied gebraucht 1, von 
Menfchen: De Junge is alltowehlig : der Knabe ift 
gat zu muchwillig. Ken wehligen Kerl: ein friſcher 
ftarcker Kerl, Bey ben Bauren heilfet wedder wehlig 
warden, wieder gefund werden: conualefcere. 2. 008 - 
Kräutern und Gewaͤchſen, y. €, wehlig Korn, Grae, 
Kruut ꝛc. das geil und feifd) auſſchieſſet. De Boom 
fleit wehlig: der Baum Dat $uft zu machen. 3. von 
andern Dingen, bie ſtarck und zähe find. Z. E. wehlig 
Holt, das frisch unb ſchlanck ift. Een veeblig Tau; 
ein fefter und zäher Strick, der nicht Teiche abreiffer. 
Wehl: Hügel, hoher Ort: locus e planitie editus, Wick 
leiche ift bamit verwandt Wall: vallum, agger. Ders 
gleichen Höhe vor der Stadt Stade wird dafelbft de 
bone Wehl genannt, woraus einige den hoben 25el 
machenwollen, als welcher Abgott vormahls auf felbiger 
Hoͤhe foll verehret worden feyn. Syd) glaube, der Bel zu 
Babel (ey auf derfelben Sragen-Poft nad) Stade d 
au 





HAMBVRGENSE. 337 


auf welcher der Syupitet Ammon aus $pbien nad) Ham⸗ 
burg-gefommen. Siehe meme Anmerckung in Fabricii 
Memor. Hamb. Vol. VI. p. 28. 

Wehl: an (tat Wedel: ein Flecken, drey Meilen unterhalb 
Hamburg, an ber Eibe, aufeiner —7 — allwo ein Ro⸗ 
land ſtehet. Dieſe Ausſprache des Nahmens hat Gele⸗ 
genheit zu bem Wort Spiele gegeben, daß alle Huren 
von Wehl fonumen, das ift, vom geilen Muthwillen. 

Weide: für Eingeweide, Wird aud) zufammen gezogen in 
We. Siehe oben Key un Wey. 

uthweyden: bie Gebürme herausnehmen : exenterare. 


weyen: eben, So lange be Wind weyer un de Hahn 
Preyet , das ift: zu ewigen Tagen. 
upweyen: anfachen, aufwehen. | 
Weyer: Fächer, Wedel, Luft» Weher: ventilabrum. 
Welgen: Decodtum ex hordeo vel auena. Haver⸗Wel⸗ 
gen, Garſten⸗Welgen 2c. Etwa von walgen, auf? 
ftoffen, aufwallen, wie ausden Magen gefchiehet, wenn 
man eine fo genannte walgichte Speife genoffen hat. 
Welgen werden gemeiniglid) den Krancken veroröner. 
Daher ia ae Mer s —* 
gen un Wee e zu nennen pfleget. He ſpyſet ſy⸗ 
nem Volcke Welgen un Wee⸗Dage: ec giebt ſei⸗ 
nem Geſinde ein armſaͤliges Freſſen. Von einem Jach⸗ 
zornigen heiſſet es: He kaket up, as een Welgen⸗ 
Grapen. | 
welkeen, ober, nad) der gröberen Ausſprache, wolkeen, und 
wokkeen: wer? welcher? quafi welch seiner. 
Welt. Gotts⸗Welt! po taufend! Aller Welt! viel, 
mancherlen. 3. E. Aller Welt Boͤker: eine groſſe 
Menge Buͤcher. Ja man ſagt auch vom auſſerordentli⸗ 
chen unb wunderbaren z. E. bat is een aller Welts⸗ 
unge: das ift ein ſonderbar witziger cbe? kůnnvcher 
nabe. Das vermag de Welt nich: das fann uns 
9 möge 





338 — " IDIOTICON 


.. möglich anders feyn, (negmftd, weil es bie gange Welt 
nicht vermag zu ändern.) 
Wepſe (n): Wefpe. a 
- wefen: feyn. Diefes Verbum wird bey ung gebraucht 1. in 
[nfinitiuo: 3. E. luſtig weſen; tofteben voefen x. 
2. in Imperatiuo: wefe frahm; voefet facte ıc. 3. 
in Praeterito, per aphaerefin, pro gewefen? wor fün 
jy wefen? be is byr weſt zc. 4. and) gar in Prae- 
fenti : (o weſe ich wol wat. Ic. voef E een, .. ac. 
weſſeln: wechfeln. Bedeutet ing befonbere ben Zahn⸗Wechſel 
der Kinder: Dat Rind bett noch nich weſſelt. 
weten (3): 1. wißig, Flug. Spew. Man wardt nich ehr 
weten, ebr man is half verfleten: Bar 
ftand kommt nicht vor jahren. | 
2, befcheiden, artig: een weten Minſch: ein 
höflicher Menfch. 
unweten, it. ábnyoeten : grob,unbefcheiden. 
(Wycheln: Weiden» Bänme: falices. ^. 
CORDE: unfruchtbarer Ort, wo nichts zum beflen 
iff. M 


Wicht : foll zwar von einerieden lebendigen Creatur gebraucht 
werden, wie Hr. Wachter bemeifet in Glosfar. p.1 890; 
ben ung aber, und in gang Nieder-Sachfen, nennet man 
nur die Eleinen Kinder Wichter, Wichtkens. Ken 
Eleen acm Wicht sc. fommt verzmuehlich pe von wies 
Ben, oder bewegen, und wäre alfo ein Boͤſewicht ein 

öfes Kind, oder aud) ein Menfch, der von der Wiegen 
an fid) zur Bosheit geneiget, Conf. zen Kate P. I. 
P. 506. ! 
(Wicht etiam Belgicum. vid. Kilian. Vnde een 
arm wicht, boos wicht, Wichtken, ibid. G.) 

Wicht, al. Wacht, an ftat Gewicht, von wegen: daher 
wichtig. He bett wat in de Wiche: er mwieget 
ſchwer. 

wygelwageln: wackeln, hin und her ſchwancken: irr 


LÀ 





| 


4 








HAMBVRGENSE. 339 


3.€. mit bem Kahn wygelwageln: von einer 
‚Seite zur andern wiegen. 0. 
Wilbradt : heiſſet in unfern Küchen ein in ſauer eingefochtes 
Fleiſch, nicht allein von Wildpraͤt, fondern auch von 
Ochſen, Schweinen, Schaaffen, Gänfen x. Was man 
mit Blute kochet, wird fwart Wilbradt, ohne Blut 
aber witt Wilbradt genennet. 


p 





- willen, ic. wüllen: wollen: velle. Diefes Verbum formiret 


re 


in der Hamburaifchen Sprache feine Tempora gang (ous 
derbar. 3. €. Imperfectum: ick wull, du vouft, be 
wull. Perfectum : ich bebbe wulle, Wollt ir, klin⸗ 
get bey unferem Volcke: wuͤll jy, auch wol wijjy, it. 
weyiy, und nod) Baͤuriſcher, woyjy. 

VOym: Quer-Stange, Satte oder dünner Balcke, worauf [id) 
die Huͤner fegen; imgleichen, woran man Sped‘, Fleiſch, 
tmb andere geräucherte Lebens⸗Mittel aufhaͤnget. Alfo 
fage man: De Hoͤner fleegen to YOyme, Dat 

: Slee(cb to. Wyme bringen j vam e ndp 
men ic, | ' 

Wyn⸗ groͤn. Siehe groͤn. 

CWynken⸗Brodt: in Wein eingeweichtes Brodt. M.) 
Man pflegt es in groſſen Scheiben zu roͤſten, und den 
Wein mit Zucker und Gewuͤrtz anzumachen, oder auch 
zum Ueberguß den ſo genannten Lutter⸗Dranck zu 
nehmen. In Wochen⸗Stuben ward es ehedem prae- 
ach attd) tool an Gevattern und gute Sreunde vers 

. bt. 
Winckel; 1. Krahm Bude. Daher auch im Holländifchen 
| | - een Winckelier: ein Krämer... 
2, Werckſtat, infonderheit der Tobad'- Spinner, 
Schneider, Knopffmacher, Drathzieher und 

u dergleichen Sanbmoetdfer, | 
Winckel⸗Jungens: Knaben, die auf einer ſolchen 
Werckſtat arbeiten, He lett fpnen Soͤhn upn Wins 
ckel gabn: ec thut feinen Sohn bey dergleichen Arbeis 


in bie Lehre. 
? $9) a mind 


349 u IDIOTICON 


ang: eine hölgerne Schirm Band üm den Küchen 
eb, wá den —— — de vhs 
100 auf der Dehle ge 
sio, raf bet "IBintfong, oder bie Spanifche Wand, 
LOinde Stapber cn nini, nbefländiger Menfh, 
, t ein windiger, tmbeftánbigee Menſch, der 
viel prahlet, und nirgends zu Hauſe ift: un folätre. 
winb»f (eo mas tont Winde abgefchlagen ift, nehmlich 
Sole ob oder Ob(t. Windſ lagen Cág : unreiffabgene 
pete Baum⸗Fruͤchte. | 
goingern winſeln, klaͤglich thun. it un wingert: er 
gehet a chut —*8 ne ge | 
winnen: gewinnen, 
Winn⸗Laſchen: f. Laſchen. 
ER : Gewinn, Auffommen. De Branche is in de 
inſt: er fein if in der Befferung. He Pann de Winſt 
wedder krygen: er fann nicht wieder zu Kräften 


Bopp: —— zum ſcheuren. Dr 
ber Stroh⸗Wype, S 
wippen: I, adiue: — de Dat Vatt wip 
pen: das Faß an einem Ende in bie Hoͤhe rich 
ten. Metaphorice: bom Ampte oder Brodte 
bringen. He ſoͤcht ju to wippen: ec fudit 
eud) —ã 
a. —*— ir en auf, und am andern 
niebetge anck wippet. Alſo 
wippen. De Diſch wippet up: der * 
wirfft ſich an einem Ende in die Hoͤhe. 
Wippe: 1. ein Fall⸗Brett. Up de Wippe fitten: Ge 
fahr lauffen, zu fallen, oder abgefeße zu werden, 
2. Ein Schwengel, womit man Wafler ziehet, 
dergleichen bey vielen Brau⸗Erben befinblid). 
. eine von den Italiaͤnern hergebrachte und in 
Ehur Sãchſiſchen Landen den nir Side 
| e 








HAMBVRGENSE. 341 


Dieben beftimmte Leibes⸗Straffe, ba der Verbrecher 
an einem Knie⸗Galgen, bey denen auf den Ruͤcken ge⸗ 
bundenen Händen, ein oder etliche mahl in bie Hoͤhe 
gezogen werden, und wieder herab ſchieſſen muſte. 
Sie heiſſet Italianiſch Tratto di corda, it. Strappata, 
Strappa corda, unb ift beym Teutfchen Kriegs⸗Reche 
in Abgang gekommen, wegen gar zuleichter Verlaͤh⸗ 
mung der Menfchen. 
wippern oder wuͤppern: zum Fall bewegen, zur Wippe 
bringen. Wuͤppert fo nich mit de Band: wadde 
fo nicht mit der Banck; fi&et ftille darauf. 
YDipper : Müng-Berderber, der bas vollwichtige zum eine 
ſchmeltzen ausmwippet, das geringhaltige aber unter bie 
Leute bringen, U 
wipps: geſchwinde, fchleunig. Wipps was be weg: um 
Augenbli war er davon. 
Wippſteert: ein unruhiger Meugch, der nicht lange auf 
einer Stelle bleiben kann. | 
wippſteerten: unſtet ſeyn, toie die flüchtigen Kinder. 
Wyren: Dräthe von Eiſen, Kupffer ober Mefling gezogen. 
Wyor ⸗Drath ꝛ ift daffelbe. 
Wyr⸗Moͤhle: Drath⸗ Mühle, 
Wirrwarr: Gewirre, confuſion, Zanck, ſtreitige in 
: weife. Wys warden: g werden. (Dat (dnb 
wy⸗ de Schoͤtteln wol wys en: gewöhnliche Ant⸗ 
wort, wann gefagt wird, man habe nicht viel gegeffen, 
oder c8 habe etwa nicht geſchmecket. Iy ſchoͤlt et wys 
warden: ihr follte erfahren. M.) 
| maken: bexeden, einbilben, aufhefften. £atet ju 
is wys mabken: feret euch an nichts, ſeyd nid) 
leichtgläubig. Wol bett 6p bat voys mabet: wer 
Dat bit das aufgebunben ? ; 
wyſen Mund, wyſe Neſe oder Snute, wyſen Wind, 
eoe Porde bebben!: loſe Worte geben, trotzig 
xechen. 


95. ye 





. | | r 


_—  —— die 


342 IDIOTICON: | 
Wys⸗Huͤsgen, YOyobómling: Klügling, der fid) zu 
frühe meife bündet. 
Wys⸗Neſe: Nafenmeifer. Wysneſed ir. UTefevoyo: 
nafenmweife, voyonefen: Flügeln witzigen Wind machen, 
^ énwoyo: innerlich ffug, ohne es zu äuffern. Dar Kind is 
recht inwys: ift bie Nebens- Art der fehmeichlenden 
Weiber, womit fie oft von einem faugenden Kinde, den 
eiteln Aeltern zu gefallen, fid) vernehmen faffen. 
Wyoſe: 1. Weife: mos, confuetudo. As een Wyſe is: gut, 
rechtſchaffen. en Kerel as een Wyſe is: cin 
braver Kerl. Inde Wyſe kamen: gemofnt wer» 
den. Se kummt mit em in de Wyſe: ſie lernet 
ſich in ihn ſchicken. 
2. Melodey, Sang⸗Weiſe. Na de Wyſe: im Thon. 
Metaphor. Dar geit ene hoge Wyſe up: das 
laͤſſt ſich ſo leicht nicht thun; it. das iſt ein ſtoltzes 
Anmuthen. 
Wiſch: Wieſe: pratum. (Vam Diſch nate Wiſch: wird 
geſagt von denjenigen, die ſich ſo uͤberladen, daß ſie gleich 
den Abtritt ſuchen muͤſſen. M) 
wiß: 1. gewiß, feſt. Ja wiß: freilich. Voͤrwiß: fuͤrwahr. 
Sta wif: ſtehe feſt. Holt wiß: tenés ferme. 
Jo't wiß: iſts wahr? Ummer wiſſe weg: im 
mer an eins fort: continenter. 
2. etwa, Zweifels ohne, vielleicht, ironice. Iy ſnackt 
wiß mit: ihr habe vielleicht mit zu fprechen. He 
Pann wiß Zatyn: er verftchet etwa Latein. 
woyten: davon find nur folgende compofita im Gebrauche: 
verwyten: verweilen, vorhalten, aufrüchen: réprocher. 
Verwyt: Berweis: réproche. Ick bebbe dar man 
co Verwopt van: id) muß mir es nur vermweifen laſſen. 
^. wWnverteeten; was man einem nicht vorhäle. (Gott 
unverweten, pflegt man zu (agen, wann man feiner 
eigenen Wolthaten oder Almofen erwehnet, nehmlich 
ohne es Gott aufzuräcfen. M.) af 
4 








EN 


HAMBVRGENSE. 343 





afwyten: die Schuld von fid) ab« und aufeinen andern 
wälgen — 


‚uehwpten » ausmegen, Rache ausüben, Up my will 
be oat uthwyten: mid) will ec cs entgelten laffen. 
witt; 1. weiß: metaph. freunblic). He wurde (o witt 
lachen: er fing fo freundlich an zu lachen, 
2. weife, Hug. So merben die Wahrfagerinnen de 
.  witten Wyver genannt. Und von einem, deffen 
Kranckheit für Bezauberung gehalten wird, (aget 
der gemeine Mann: De witten Wyver beftem 
under: bie Heren plagen ihn, 
wittig: wigig, verftändig. De wittigſten heiffen im als 
ten Hamb. Stadt» Rechte die Flügften Bürger, bie zus 
Rathe gezogen werden. ! 
vettoittigen : ver(tánbigen, benachrichtigen. 
wis! ift ein Wörtchen, womit wir eine Geſchwindigkeit deflen, 
was im Augenblick gefchiehet, andeuten. S. €, wir 
leep de Muus wedder in't Lock: geſchwind lieff die 
Maus wieder. zu Loche. ( Witz was em oe Bart 
weg: im huy war ihm der Bart, oder der Kopff, herun⸗ 
ter. M.). Conf. wipps. C. 

300? an (fat wie? wo duͤhr: wie heuer? 100 ffeít et: wie 
ftehets? wo nu to Raa: ift eine ormul, womit mar 
einer Heftigkeit Ginvebe ehut, quafi wie nun gu Rathe ? 
was fommt euch an? wie fo ungeftüm ? 

YOób£e: kleine Art wilder Enten, welche fonft aud) Krick⸗ 

Ahnten genennet werden. Frauz. Sarcelle, Engl. Teal. 
wog: unruhig, ſchlafflos. 
wogen: unruhig ſeyn. Dat Kind Cummt heelin't 
wogen: bas Kind will gar nicht ſchlaffen. Ick kann 
nich wedder an't wogen kamen: ich Fan nicht mie 
der auf bie Beine, oder zur Bewegung kommen. He 
mutt wanken un wagen: er Cann nich fill ſeyn. 
^ VOotterey: Unruhe, Bervegung, Geſchaͤfftigkeit. My 
.. $e nich beter, als ich ümmer in de Wo⸗ 
2) 4 de 


——— 


| 
344 IDIOTICON | 


gerey bün: bey fteter Arbeit und Bewegung befinde 
ich mich am beften. 

(Wogen, pro infomni eft Danicum. | (Scribitur 
autem plerumque per a d cuius geminatae vocalis ſo- 
nus nobis medius eft iner a & o in omnibus fere, vbi 
occurrit, vocibus) Dat Kind kummt Decl int wogen, 
nos efferimus batnet kommer gánb( te i Waagen 
bed (vel í 2(areaagenbeb). | Anglo- Sax. Wacone, | 





infomnium; Wacor , vigilans; a Wacian, vigilare, 
excitare. Euang. Goth. Yakan, vigilare , Vsvakjan: 
excitabo. G.) 


$)bgleid) bat Wort wogen aud) von ber Schlafflor 

figfeit gebraucht wird, fo mógte ich bod) diefer Grammi⸗ 

fhen Anmerdung nicht beyfallen, und das Stamm 

Wort in Wacian, voaten oder wachen ſuchen. Viel: 

mehr feuchter flat deflen dag Verbum , mouere, 

gang deutlich in bie Augen, wovon fo viele Wörter ab- 

ftanımen, bie alle etwas unruhiges bedeuten. 3. E. bes 

wegen, Wage, wägen, Wiege, wiegen, vero 

gen zc, Im Alt-Frändifchen beife VDage bas Meer, 

weil e$ felten ftille iſt, ſondern ſene Wogen ober Wellen 

Dat, womit e$ immer mallet, oder, nad) unferer Mund: 

Art, woget. Daher xAvdomiéuevos xai weg digi- 

pero, von Luthero überfeßet werden: bie fich waͤgen 

und wiegen laffen, Eph IV. 4. Inzwiſchen, da c$ 

wahr ift, daß ein wwachender gemeiniglid) woget, fo 

wie Hingegen ein fchlaffender ſtill ift, fo mag diefes, fo qut 

e$ faun, beide Ableitungen des Wortes wogen zu vers 
einigen dienen. 

100y an flat wollt. Eiche willen. 

wokern: wucheen. Item häuffig brüten fihvermehren. Dat 

wofert as Unkruut: das waͤchſet fort, wie Unfraut, 

Em wokert de A opp: fein &opff brütet Ungezieffer. 
Conf. breuen. 

wol: 1. wer? wol isdar? wer iſt da? wol fett bat wer 

fagt bas? wolkeen: an ftat welE een: wer, oder 

welch 





HAMBVRGENSE. 345 





welch einer ? wofür der gememe Mann bisweilen 
ſpricht wokkeen? | 
2. iemand. Dar kloppt vool: es Flopfferiemand. "Js 
dar wol? ift iemand ba? 


wöltern: wälgen: volutare. Se woͤltert fick im Brafe: 


fie wälßen fid) im Grafe. SBon einem, der (id) wol aud« 

efegt hat, pflegt man zufagen: He führt utb, as wenn 

utb dem pene wöltert wäre; er fichet aus, al$ 
wenn man ipn im Zeige gewaͤltzet hätte, 

(Idem verbum in Iutia, ac forte aliis Daniae regio- 
nibus vſitatiſimum. At woltern fig í Graͤßet; 
woltern fig berom , pueris in more ac ore. G.) 

Beylaͤuffig ift zu erttineem, bag man in hiefiger 


Sprache vier Verba hat, bie zwar alle voluere oder vo- 


Qv 


lutare bebeuten , nehmlich rullen, troͤndeln wöltern 
und kueln; ein iedes aber kommt eigentfid) einer befon- 


"dern Geſtalt der runden Coͤrper zu, babey e$ gebraucht 


wird. Rullen wird gefagt fo wol ton bem, was Schei⸗ 
ben» als mas Waltensförinig ift; troͤndeln bloß von ci» 
ner Kugel; woͤltern, nur von bem, toad emer Walge 


' gleicher; kueln aber hat beide letztere Bedeutungen, und 


wird fo wol von Ballenals Faͤſſern gebrauchet. Wiewol 
die Unachtſamkeit bes Volckes auf Feine formalem figni- 
ficationem zu fehen, fondern eines für das andere zu 
nehmen pfleget. | 


oolbargen: ftare Hand⸗ Arbeit treiben. M.) 


wor; 1. wo: vbi. Wor is be: wo ift er? wahr wahn 


jy: wo wohnt ihr? worneben: wo? | 

a. etwa, vielleicht: forfan. "jy meent voor? ie meinet 
vielleicht. dett be voor Feen Geld: Dat er etwa 
fcn Geld? 


wornich: nonne? 


Woͤrcde, weiches aud) YOdbrbe, Worth und Wurth ant» 


gefprochen wird, ift ein aufgehöhetes Erdreich, locus fug- 
geftus, in ben niebrigen Marfch-Ländern, worauf bie 
$5 bäude 


346 IDIOTICON 


bäude und Wohnungen gefefet, oder bas Vieh zuſam⸗ 
men getrieben wird, um bey Ueberſchwemmungen in Si⸗ 
dherheit zu feyn. Im Stifte Bremen hat Das Land - 
Woͤrden oder Wuͤhren davon ben Nahmen, wie auch 
die Woͤrde⸗Saten, Wurſati, woraus contracte Wur⸗ 
ſten, wie aus Holt⸗ Saten, Holſati, Holſten, ge 
worden. 

Woͤrmken: Wermuth. 

Wrack: was gebrochen, ſchadhaft, untauglich ift. Inſonderheit 


I, ein von Sturm oder Alter unbrauchbar gewordenes 





Schiff. 
2. Holß, das anbrüchig oder fonft mangelhaft iff. 
3. Vieh unb Bäume, ble niche recht fortwachſen wollen. 
(Danice Drag. De hac voce tam multa Legum 
noftrarum aliarumque intetpretes, item Glosfarii Du 
Cangiani noua editio, &c. &c. vt vix opus fit pluri- | 
bus. G.) 
wraken: verwerffen, ausmer&en, untauglich erklären, 
Wird auch von der Bier-Probe gebraucht, ba es in um 
ſerm Receß de A.1529. Arc. 77. Deiffet: E. SE, Rath 
will od, dat alle Provere guet Beer uthproven, 
und dat quade wraken. Wann aud) baffelbe anders- 
wo gegeben wird ſtraffen, fo bedeutet ſtraffen daſelbſt 
nicht punire, fondern reprehendere, tadeln, untuͤchtig 
erkennen. Wie (id) biefelbe Bedeutung aud) in ſtraͤff⸗ 
lich und unſtraͤff lich finde. Wann, zufolge den 
Hamb. Berichten 1743. p.390. eenen wraken, fo 
viel heiſſet, als einem fluchen, bófes wünfchen, fo führe 
ung folches vielleicht auf bas Holländifche Wrack, wrac- 
ken, Rache, rächen, wovon zen Kate P. II. p. 544.9: 
Denn das Syriſche paca, mögte hier zu weit geholet ſeyn. 
Wraker: ein Mann, der beym Holg-Handel beſtellet iff, 
auf feinen Eid bas untangliche dem Käuffer anzuzeigen, 
üm e$ nad) Befinden auszuſchieſſen: und was alfo ges 
wraket, oder. für Ausfchuß erfannt iſt, wird Wrack⸗ 
Goot genennet. | 





(Noftris 


HAMBVRGENSE. 347 


(Noftris en Vragere. Idque nominis & officiinon 
tantum iis, qui ligna & materiem, fed & qui alias mer- 
ces, pifces , butyrum, cereuifiam &c. examinant, ia 
Legibus noftris datur. G.) 

wranten: murren, Flagen. 
wrantig: verdrießlich, unzufrieden. 
Wrant⸗Hyſel, Wrant⸗Putt: Murr⸗Kopff. 

(wranten, apud nos vrante. Vndeen Vranting, 
homo querulus & difficilis: idem ac vrantig, ni 
quod hoc adiectiui, illud vero fubftantiui formam ha- 
bet. G.) 

eöreed ; toiebrig, herbe. Wird vom Geſchmacke gebrauchee. 

wrikkeln: etwas in feinem Gelenke hin und her bewegen und 
biegen, wie man tut, wann ein verftoflenes lied wieder 
ins Geſchicke gebracht werden foll, 

Wrick ⸗Salve: Vnguentum Dialtheae. 

ikkeln: verbeugen, verdrehen. De Hand vere 
wrikkeln: die Hand verftauchen, ober vergreiffen. 

(Neque inufitatuin nobis förvricPlen; (ed tamen 
crebrius vtimur fimplici at vtíe,l. vvide. Hand har 
fororeden fin $00, i.c. be bett fic! den Foot ver» 
wrikkelt. Anglo-Sax. Writhan, torquere vnde 
noftrum Vride, G.) 

vríngen: zufammen drehen. De Hande wringen: bie 
Hände ringen. | 

uchworingen: ein naffes Zeug hart zufammen drehen, das 
mit das Waſſer Derauelaujfe. 
: (Anglo- Sax. Wringan, ftringere, premere, tor- 
quere. Gewrinc, tortura. G.) 

Vriſten: die Theile der Hande unb Füffe, Dinter dem carpo, 
uͤm das Gelende, welche man an den Händen mit den 
fonenannten Muͤff tens, oder Steiff» Handfchuen, 
warn zu halten pfleget. 

(Idem nomen codem fignificatu noftrum eft, G.) 

wryven: 





348 IDIOTICON 1 


wryven: reiben, bedeutet nicht conterere in minutias, fon 

dern confricare, affricare, eins ans andere, voie man 

y E. ein Tuch reibet, daß die Flecken Ne Dans 

aber: de Plakken uthwryven; fid? ande Wand 
——— de Hande wryven, wie man thut, wann es 

kalt ift. Sprw. Man mag em waſchen edder wıp 

ven: As be is, ſo will be wol blyven: de homine 


incorrigibili. 


Wruck murriſcher Menf Een olen Wruck : en 
Gnuurr⸗Bart. 
wruckſch: verdrießlich, ſauerſichtig. 

Wrunck: war vor.diefen ein beſonderes Geſtelle von überse 
hetem Eiſen⸗Draht, auf welches die Weiber hinten am 
Kopffe ihr Haar wickelten, und ſo dann die Haube dar⸗ 
über emm welche vor bem Wrunck feft gebunden 


wu: Spinn⸗Wurken: * Rocken, eun Hoden, 
(jt. quenouille, Engl. diftaff. 

WMulcken⸗Kragen: gewöldter Kragen: collare cubularun. | 
Dergleicyen in runde me Selten gelegter Hals-Zierrarh in 
gewiſſen Ampts⸗ und Ehren-Kleidungen annoch beybe 
halten wird. 

Wulſt: etwas dick zuſammen gelegtes, gerolletes ober gebun⸗ 
benes: glomer, compages. S, G. een Wulſt Haare: 
crinium globus. Knee⸗ ; bie Rollen bec auf 

gewickelten Strümpfe. 

wůmmeln: wird von bent Gange einer fetten unb ſchweren 
Perfon gefagt, weiche im gehen von einer Seite zur aw 





dern wackelt, wie bie fetten Enten. man and) ein 
. folhes Frauen Menfih eene dikke Wuͤmmelke u 
nennen pflegt, 


wöüppen, wüppern. f. wippen. 
wuſt / an ſtet wuldeſt: wolteſ. f willen. 





— 


HAMBVRGENSE, 349 


3. 


zauſtern: plaudern, ein fautes Gewaͤſche reiben. - 

Zegen⸗Titten: eine alte Art Spigen, bie folhergeftalt aus⸗ 

"^ gtfadet find, bag ihre dencelirung die Figur von Ziegen⸗ 
Eutern vorſtellet. M.) 

zibuͤrken: ein kleines Gehäufe oder Behaͤltniß, it. eine enge 
Kammer, Zelle, Glaufe ꝛc. Der Hr. von £eibnig in Not. 
ad Glosfar. Chauc. p. 52. fhreibet es Sirbührken, und 
laͤſſet es bey einer Erflärung durch ein heimlich Bes 
füngni bemenden. Don dem wahren Urfprimge des 

otte$ aber dem Leſer fattfames Licht gu geben, überhes 

ben mich folgende zwo gelehrte Anmerckungen meiner 
beiden preismürdigften Hälfte - Männer : 

(Zibiirken , mihi videtur csfe paruum ciborium, 
Ziborie, diminur. Zibiirken. Notum enim vocabulum 
ciborii olim ad alias quoque ftru&turas & aediculas, re- 
bus alicuius pretii asferuandis aptas, transiisfe. Con- 
fuli eam in rem posfunt loca, a Ber:edictinis collecta, in 
noua editione G/orfarii Du Cangiani, T. IL col. 604. 

^ & 60$. nec non a Patribus S.L. Bollandinis, ad Alta 
SS. animaduerfa (quamuis haud pari diligentia) fcil. 
ad xiv Maii. pag. 31 1. xiv Iunii. pag. 949. xv Iulii, 
pag. 311. Nimirum fimilitudo formae faciebat, vt 
pulpita, camerae &c. primum id appellationis fortiren- 
tur, poftea cellulis & clauftris minoribus magis pro» 
miſcue applicatum. Quod vero ad formam illam atti- 
net, & ftru turam veterum ciboriorum, nugquam ea 
diligentius delcripta extat, quam in Du Cangii Con- 
flantinopoli Chrifliana , lib. IL p. 50.& fqq. Conf. 
& eiusd. Glosfar. Graec. in KıBapıov & Kıßaesor. 
Reprehendunt merito do&tisfimi Benedi&ini fcripto. 
res nonnullos, qui ciboria a ferendis cibis dicta opinati 
funt; G/osf. Du Cang. }.c. Adde Menage in Etymol. 
Franc, p. 197. &c. Leibnitiena expofitio in Nor. ^ 
Glos). 





en 


SN 
350 tDIOTICON 


Glosf. Chauc.meram fapit conie&uram, atque r illnd | 
in prima fyllaba (Sirilibrken) vitiofae ſiue vulgi pro- 
nunciationi , fiue librarii alicuius fcripturae tribuam. 
Ceterum quem Schilterus in Glosfar. Tent. p. 895.2 
Ziborien indicauit nobis locum ex Chronico Iacobi de. 
Königshoven, omnino dignum habeo, quem exíci- | 
bam. Extat is cap.V. $ CXCIX. pag. m. 361: 
„Do men zalte M. ccc, loj. jor, an fant $ucas tag, 
„umb Veſper zit, do fam ein groffer ecbiebem in Tits 
„fchen Landen. — — — der warf oif Kemin um 
„Wüpffele abe den huͤſern unb Siborien, unb Knop 
„phe abe bem Muͤnſter.“ Vbi annotatio doctisfimi 
Schilteri haec: Ciboria (inb geroiffe Bedeckungen be 
Altäre und dergleichen, nimis mihi anguſta videtur, 
ncque rem fatis explicatam dare, G.) - 

(Wenn man bas Papiftifche Ciborium , nehmlich bal 
Kaͤſtlein oder Gebäuerlein, worin dag geweihete rot 
eingefchloffen, verwahret und ümher getragen, aud) fe 
gar angebetet wird, recht betrachtet, fo ſiehet es eine 
Zelle, laufe oder Gapelfe fehr ähnlich, und fcheinet mel 
nichts gläublicher zu ſeyn, ale daß bas Wort Zibürken, 
(o fern es, nebft feiner eigentlichen Bedeutung, aud) cit 
iedes Fleines enges Behaͤltniß anzeigen foll, von ſolchem 
Ciborio feinen wahren Urſprung, folglid) mehr àffentfi 
ches, als heimliche, ai fid) habe. M.),, 

Ich ſtimme diefen grundrichtigen Anmerckungen vöb 
lig bey, und habe nur folgendes anzufügen: .. 

1, Daß demnad) die Muthmaſſungen dreyer andernge 
lehrten Freunde notbmenbig wegfallen, welche zwar 
alle drey das Birken, als ein diminuriuum von 
25uur, Bauer, cauca, herführten, der eitte aber das 

Woͤrtlein Hip davor feßte, welches etwas kleines be 

deuten foll, (o bag Zibürken fo viel wäre als Zipbuͤr⸗ 

Pen, ein kleines Bäuerlein; der andere Dielte es für 

zuſammengezogen aus Siefe umb Buͤrken, und mei⸗ 

nete, e$ hieſſe eigentlich ein Kefich eines Zeiſichen, 
ana- 








HAMBVRGENSE. 351 





analogice aber ein iedes Fleines Gehäufe; der dritte 
meinte gar, e$ hätte urfprünglid) Schryvbuͤrken ges 
geheiſſen, und ein enges Schreib-Comtoir bedeutet, nad) 
welcher legten Meinung aber die Verwandlung des 
Schryo in Zi gar zu gewaltthaͤtig ſcheinet. 
‚2. Daß man nicht einwerffen Fönne, von ciborium hätte 
. Sibérten und niche Zibuͤrken müffen gemacht werden, 
Denn felbft die mittleen Griechen und fateiner, von bes 
nen fid) diefes Wort herſchreibet, haben e$ aud) x Bau- 
gioy und ciburium ausgefprochen, wodurch (id) das di 
(ou rechtfertiget. | 
3. Daß bie Ciboria bet alten Römer gar nicht hieher gehoͤ⸗ 
ren, als welches groffe Pocale waren, vielleicht geftaltee 
wie bie hohl gefrümmten Blätter der im Nil«Strome 
wachfenden Colocafıa, welche Blätter in Aeghpten cibo- 
ria hieſſen, und zu Trinck⸗Geſchirren gebrauche wurden, 
Horatius L. II. Od. VII: 
: Obliuiofo laeuia Masfico 
Ciboria exple, — — 
Ueber welchen Ort vondiefen ciboriis ausführlich handele 
Hadr. Iunius L. L Animaduerf. cap. X. 


4. Daß Ciborium unter andern auch allerdings cin auf 
Seulen ruhendes Obdach eines Altars bedeute. Maſſen 
in Hn. Maffei Mufeo Veronenfi p.181. von dergleichen 
ciborio eine Auffhrift mitgetheilet wird, die in ſolchem 
Satein abgefaffet, bag man über die Barbaren der Longo⸗ 
bardifchen Zeiten in Sytalien erftaunen muß. 

5. Daß endlich aud) in Hamburg Ziborien anzutreffen, 
welchen Nahmen, nad) alter Weife, diejenigen Fleinen 

Luſt⸗Zimmer führen würden, bie man infonberbeit an der 
Eib-Seite, oben auf ben Häufern, theilsmit, theils ohne 
Altanen gefe&et findet. Die Römer nannten fie diaetas, 
Nachhero hieflen fie ciboria; unddiefe Benennung gab 
man auch den Trullis oben auf den Palläften, welche in 
der heutigen Bau⸗Kunſt Cuppole genennet werden. 
Und hieraus ift begreifflich, was Wuͤpfele abe den 
| Ziborien 








352 IDIOTICON 


Ziborien find, bie, nach des von Königehonen Bericht, 
durch Erdbeben herunter geworffen worden. 
Zippel: Zwiebel, Zipolle: cepe. | 
Zippel⸗ „uus: beiffet in Hamburg das Lager⸗Haus der 
Bardewycker, worin bie Weiber aus felbıgem Orte ihee 
Kräuter und Erd⸗Gewaͤchſe feil haben. 
Sippelträhnken: ein wenig weinen, einige angemagete 
Thraͤnen fallen laffen. He fleit un Zippeltraͤhnket: 
et (tebet unb weinet, als wenn er an eine Zwiebel gero: 
den hätte. Einige fprechen e$ aus ſypeltraͤhnken, vid; 
leicht von fypen, welches Wort an feinem Dre erfläret 
toorben, und beffen Bedeutung fid) nicht übel ſchicket m 
ben Augen, die num ein gezwungenes Naß durchlaſſen. 
Bife, für Accife. Daher Zife Page, Ziſe⸗Zetel 1c. 
subtein , fiche ſukkeln. 
Zwick: Zweck, Zapffen - Pflöcfgen an einer Tonne, 
zwikken: ducd) ein gebohrtestoch ein Faß anzapffen, oder 
ihm Luft geben, dvviclsS. od? : metaph. Schlupficdh, 
Zwick/Moͤhle: geboppelte Zuflucht, da man aus ce 
ner zur andern (id) pusbegeben kann. 
(zwikkern: uch un as zwikkern: gefchtoinde ans- und 
einlauffen. M.) 
irken: zwitſchern, wie unter ben Bögelndie Zaun⸗Koͤnige, 
dii unb ter den Heuſchrecken die Grillen chun, welches | 
weder ein fingen, noch ein zifchen beilfen kann. | 











. Wuftris 





HAMBVRGENSE. 353 


Illuftis GRAMMII 
Notarum Epilogus. 





Te illa funt, quae inter legendum doctisſimi Au&to- 
ris Íchediasma mihi in mentem venit in pagellas has 
gricere haud profecto vllo memet venditandi ftudio, aut 
bitum detrahendi honorem egregio illi Viro, cuius emi- 
:ntem eruditionem veneror; fed tantummodo vt Tibi, 
uftrisfime Excellentisfimegue Domine, cam, quam de hoc 
nere literarum opinionem concepifti, quantum in me 
fet, confirmarem. Neque putabo, inique vel quenquam 
ium, vel ipfum Clarisf. Ricbeyum laturum esfe, fi profitear, 
operae me fumfisfe, quo oftenderem , nonnulla heic ad 
ioticon Hamburgenfe relata (hoc eft, vt folis Hamburgen- 
‚us (*) vfitata aeftimentur ac propria) ípectare potius ad 
3 Idio- 


(*) Diefen engen Begriff von meiner Abficht Hatte ich in der Vor⸗ 
rede ausdrücklich verbeten, auch das übrige allhier angeführte 
alles felber zugeſtanden. Sch habe aber dabey geglaubet, bag 
meine Arbeit von weit geringerem Nutzen fir bie allgemeine 
Teutſche Sprach: Kunde ftii wuͤrde, wenn ich mich in bie 
King Mauren einer einzigen Stadt folchergeflalt einfchlieffen 
wollte, daß ich die darin zufammen gefloffene verwandte und 
benachbarte Mund⸗Arten, twelche, nad) erhaltenen Bürger: 
echte, einen groffen Theil unferer iegigen Sprache ausma⸗ 
chen, genau abfonberte und audmergte, mithin das Wort 
ldioticon in bec firengfien Bedeutung nähme, Zu gefchmwei- 
gen, daß es feft ſchwer, ja faft unmöglich (epn dürfte, für iebe 
anzuführende Wörter und Nebens-Arten bie Gewähr zu lei⸗ 
fin, daß fie eigenthuͤmlich Städtifch, und weder in der alten 
Stute Sprache fchon gebräuchlich getwefen, nod) ießo aud) 
anderswo üblich feind. Die Erfahrung würde diefeg einen 
ieben lehren, ber ein Idioticon einer groffen SXefibengs ober 
Handels⸗Stadt, mit genauer Ausmuſterung aller fo wol von 
Alters her angeftammten, ald aus der Nachbarfchaft anges 
nommenen Wörter, zus verfertigen, einen Verſuch thun wollte, 





| 354. IDIOTICON 


Idiotismos veteris linguae Saxonicae , quorum in noftra 
quoque Danica reliqniae fuperfunt vti plurimae, ita op- 
ido luculentae. Denique disfimulari nequit (quod & Ce- 
—* Auctori hinc inde agnitum) regnare in Ham- 
burgenſium dialecto non paucos Belgicismos, perque com- 
mercia multorum ſeculorum, cum Danis, Batauis, ac Fre- 
fonibus, permultas ad cos voces locutionesque transiuiff, 
ipfis non magis proprias, quam funt hodiernae lisux 
Anglicae admifta vocabula, cum Gallica, tum Latina. 


Ser. Hafn, a, d. XXL Aug. M. DCC. XLIII. 








Nachſchuß 





HAMBVRGENSE. 3959 


Nachſchuß 


einiger ſeithero bemerckten 


Woͤrter unb Redens⸗Arten. 
d 


g 4 ahnweten: ungeſchickt, unbefcheiden, fÉen ahnwe⸗ 
ven Kerel: ein grober Kerl. B 

c. Cambóftig: engbrüftig. M.) 

6. 2(peneeroPen. So nennet der Poͤbel bie Mifpeln, 

9. Bake: ift ein Zeichen, das ben fchiffenden zur Nachricht 
gefeget wird, entweder am Lande, bie Anfuhre und 
Einfahrt in ben Hafen angubeuten, oder im Strome, 
für untieffe Derter zu warnen, Die erfte Arc pfleget 
ein beftändiges Bau⸗Werck zu feyn: bie andere aber 
find Stangen, mit aufgebeffteten Büfchen oder 
Stroh⸗Wiſchen, welche, nachdem fid) bie Tieffe vete 
ändert, auf die flachen Stellen gefted'et werden, 
Baken-Toll, Baken⸗Geld: eine Abgife von 

Schiffen und Gütern zu Unterhaltung der Baken. 
uthbaken, beiffet einen Slug mit gefteckeen Zeichen 
verfehen, um die Sabre ficher zu machen, 

9. Banchefert fpelen: ſchmauſen. M.) 

(Barchenmeyer: ein grofles bänrifches Trinck⸗ Ge: 
ſchirr von Bircken⸗Holtze. M.) | 

(barfoot und barbeent: mit bloffen Fuͤſſen und bloffen 
Deinen; von bem Worte bat, Engl. bare, nadfenb, 
bloß. Dahet baat Delo, ready money, das neh 
fid) unverhalten, bloß und offen bargegeblet wird. M.) 

10. Barg: ift bey unfern Marſch⸗Leuten eine Art Iuftiger 
Schober oder Scheuren, ohne Wände, beftehend aue 
bloffen geraden eichenen Pfählen, so big 6o Fuß 
Dod), bie ſie Roden nennen, und deren bey ung ges 
meiniglich (eds in uu gleich weit von cina 





356 IDIOTICON | 


der, in die Erde geſetzet werden. Im Dithmarſchen 
fegen fie nur vier, und daher hat dieß Geſtelle bey if 
nen den Nahmen Veer Roden⸗Barg. — Jn ban 
Pfaͤhlen wird, etroa 7 oder 8 Fuß von der Erde, in 
wendig ein Boden befeftiget, unter welchem das Fuhr⸗ 
und Feld⸗Bau Geraͤthe rocken ftehen kann. uf (cl 
bigen Boden aber wird das Korn, mif einmärte ges 
kehrten Aehren, aufeinander gelegr, fo daß von aufm 
der Regen nichts als das Stroh berühren Fann. Gi 
nige legen auch ihr Heu hinauf, wenn Dazu in bet 
Häufern fein Raum iſt. Oben darüber iff ein rundes, 
in der Mitte (lad) zugefpißtes Stroh⸗Dach, welches 
iede Rode mit einem doppelten Sparren befaſſet, 
unb durch ein Hebe: Zeug höher oder niedriger anf 
durchgefteckte Bolsen geftellet werden fann. Der 
Pas, worauf ein fold)er Schober fleet, wird der 
Barg⸗Hof genennet: und id) glaube, baB in Ham- 
burg die beiden Gaffen in S. Iacobi Kirchfpiele den 
Stapmen des grofjen und Bleinen — 
behalten haben. Denn bag man Barck⸗Hof ſchrei⸗ 
ben muͤſſe, als waͤren daſelbſt in alten Zeiten Hoͤfe von 
Bircken⸗Baͤumen geweſen, ſolches will mir, wegen 
der ungewoͤhnlichen Benennung eines Hofes von 
wilden Baͤumen, nicht ſo wahrſcheinlich vorkommen. 
So bin ich auch nicht der Meinung, daß ein Barg⸗ 
Hof ſeinen Nahmen habe von der Geſtalt eines 
Berges, in welcher das Getreide aufgehaͤuffet wird; 
ſondern vielmehr vom bergen, weil darauf, nicht nur 
für ben Regen, ſondern auch fuͤr Ueberſchwoͤnmmun⸗ 
gen, das Korn, zuſammt bem Vieh, geborgen mer 
den kann. Wie denn gemeiniglich in der Marſch die 
Berg⸗Hoͤſe zu dem Ende angehoͤhet ſind. Eben dieſe 
Gedancken hat auch der gelahrte Verfaſſer der Unter⸗ 
ſuchungen vorn Meere p. 104. allwo er beſchrei⸗ 
bet, wie in ſeinem Vaterlande die Oeſterreichiſchen 
Wenden ihr Getreide faſt auf gleiche Art verwahren. 
p. ro. baſch. (Sprw. Ken baſch Wort bolt den Kerl 
van 








HAMBVRGENSE. 357 


van beriDóbr : mit pochen fann man iemand vom 
feibe halten. M.) | 
baten. (Sprw. vom gleichguͤltigen: batetet nich, ſo 
fehadr et nich, Bon baten fommt baͤter: beffer. 
ı1.beeden (ce): bieten, Sprw. im Scherge zu einem, der 
Feine Luſt zu effen Dat: 2Seebet et dem Munde, un 
wenn be't nich mag, (o etet er (ülweft up. 
Bade: Anbietung. To Bade ffabn: geboten 
werden. Dat fteit my to Bade: das kann ich 
haben nad) Belieben. 





12. behebt. (Wird auch vom Eleinen, artigen und behen ⸗ 


den geſagt. M.) 

15. binnen. Binnen⸗Dyk: ein Seid) innerhalb des 
Marſch⸗Landes, zu Bedeckung gewiſſer Theile deſſel⸗ 
ben, damit, wenn etwa der aͤuſſere Haupt⸗Deich durch⸗ 
gehet, nicht zugleich alles unter Waſſer geſetzet werde. 
Binnen⸗Water: Waſſer, bas fid) in der Marſch 

vom Regen und Schnee, oder von der Geeſt her⸗ 
ab, innerhalb der Deiche ſammlet, und durch 
Schleuſen oder Syle abgefuͤhret werden muß. 

16. Blaffert. Zu mehrer Erlaͤuterung dieſes Wortes die⸗ 
net, was Kilian in Etymol. p. $6 ſetzet. Blaf: 
planus, aequus & amplus, füperficie plana, non 
rotunda. Blaf Aenficht : facies plana & ampla. 
„Blaf van Voorhooft: fronto. 2Slaffaert: 


„facie planus & luridus, pallidus, fuppallidus, fub- . 


»coeruleus , Gall. bafard. Blaffaert: nummus 
„{uperficie planay nummus nulla fignatus nota: & 
,nummus argenteus, idem fere, qui Blancke.“ 


Und nad) den Wehrte diefer afatten Münge find bie 
fo genannten Bla 
Blaffert⸗Naͤgel gefd)uicbet. 

17. Bloch, (Sprw. eenen Bloch an't Been bebben; 

‚eine vau haben, nicht mehr ledig fepn, M.) 


3 3 p.25. 





2 


fert⸗Kringel gebadten, und die. - 


258 IDIOTICON | | 


Ad | 

p. 23. Brack⸗Water: gebrochenes oder gemifchres Waſſr; 
warn nehmlich ein füffee Fluß mit falgigem Wien 
Waſſer vermenget ift. Ben hefftigen SrurmRin | 
ben aus ber See, hat man Erempel, daß die Gibe über 
1 8 Meilen herauf Brack⸗Waſſer geführee. Wann 
feld)es ein $anb uͤberſchwemmet, verdirbee es alle 
ero Früchte, das Mehl aus fold)em Korne wird | 
fauer,, und der Haber verurfachee den Pferden das 
Lauter⸗ſtallen. Ziegel-Steine aus Brack⸗Waſſer ge 
ftrichen, taugen zu feinen Wohn⸗Gebaͤuden, weil fi 
nicht aufhören, Feuchtigkeiten an (id) zu ziehen, und 

-  Galpeter auszuftoffen, welches fledfichte ande umd 
ungefunde Dünfte giebet. Daher man bey Ziegel. 
Hürten, bie einer Mifchung des See⸗Waſſers unter 
worffen find, fid) roof in Ache zu nehmen hat, 

p. 24. Brandung heiffer bey den See- fahrenden eine hohe 
Melle, die braufend babet raufcher, und bisweilen 
über das gange Schiff hinſchlaͤgt. Das Volck pfleget 
ſolche fehänmende Wogen de witten Kunde zu 
nennen, Holländifch de Baaren. 


p.25. Brook⸗Vagt: oberfter Gerichte-Diener. Hat feinen 
Nahmen zweifels ohne vom Brooke, d. i. vom 
Gras⸗Brooke, auf welchem vorzeiten, an dem 
Orte, roo iego die alten Schiffe zerleget werden, ein 
Gericht geftanben, allo bie Miflerhäter, infonder 
heit Se Räuber, abgethan worden; voie man bent 
folchen Plaß in alten Zeichnungen und Grund-KRiffen 
der Stadt Hamburg nod) voraeftellet finder. Nm 
bat ber Brook⸗Vogt noch biefe Stunde bey Ausfüh- 
rung und Hinrichtung der Verbrecher auf ber Richt: 
Staͤte ba€ Commando, mie er e8 dabey vormablé 
auf dem Brooke gehabt. Seine Wohnung ift aud) 
von langen Jahren her an dem alten, nachbero ver: 

legten, Brook⸗Thore gewefen, nehmlich bas legte 
Haus ben der Muͤren, an der Be 
| we 








4 


HAMBVRGENSE, | 359 





welches erft vor weniger Zeit von ber Cammer an an⸗ 
dere verfaufft, unb von Grund auf neu gebauet wor⸗ 


den. Ehemahls Dates ein Thurm geheiflen, unb iff 


nad) Welten, (o wie der Winfer-Thurm nach Often, 
der äuflerfte an der Stadt - Mauer auf der Süber- 
Cite gewefen. Wie denn aud) dag alte Haus dem 


. heutigen Winfer-Baume, oder Gefangen: Haufe, 


nit unaͤhnlich fape. Andere find der Meinung, 
Brook⸗Vogt fen fo viel als Bruch⸗Vogt, meil ec 
ben den Gerichts-Herren bie Bruͤche oder Straf: 
Gelder. einzutreiben.hät. Allein, umfere Sprache 
ſcheinet folchesnicht zu leiden, weil wir aus Bruͤche 
nicht Brook, fondern Broͤke (oy) machen, und es 
alo nicht Brook⸗ Vagt, fondern Broͤke⸗Vagt 
wuͤrde heiſſen muͤſſen. J 


30. buten. Adde: buten giſſen: unvermuthet, anders 


als man gedacht haͤtte. Dat geit buten giſſen: 
das gehet nicht, wie man vermeinet hatte. 
buͤterſt: aͤuſſerſt. De buͤterſte Syde: bie aͤuſ⸗ 
ſerſte Seite. 
Buten⸗Land: ſiehe Voͤr⸗Land. 


. 32. buxen, wegbugen: wegnehmen, rauben: rapere, fur- 


ripere. Man hoͤret dieſes Wort ſonderlich von Kna⸗ 
ben, bey ihren Spielen. 


Büren. (Sprw. eenem de Büren upbinden: ei⸗ 


«33.0 


nem Fuͤſſe machen. So fagen bie Franzoſen: tirer 
Ícs gregues oder chausfes, davon lauffen, bie Flucht 
nehmen. M.) 


anníg: weil e$ aus ſothanig verfürger ift, bedeutet 


allerley Befchaffenbeit, und wir brauchen esnicht al. 
fein vom ftatcfen, fondern aud) vom ſchwachen. 3. €. 
Dorch dat $eber is be (6 dannig worden: das 


. Sieber bat ifm dermaſſen entfräffter. Ick voill y 
| —* bannig maten: ic) will bic) m mürbe obe 
zahm machen. 


34 235. 


360 IDIOTICON. . 


Ad 
P. 35. Dyk⸗Greve: Aufſeher über Deiche und Damme: rei 
Ä aggerariae praefectus, 
Dyk⸗Schauung : vifitatio aggerum. 
Dyk-Swaren: Deich⸗Geſchworne: curatores ag- 
gerum iurati. 
p. 36. dohn. ( Een bobn, ic. een bobnt: einerley, gleidy 
. viel. M.) 
p.41. drillen: 1. trillen, vexiren. He wardt nooq brillet: 
et wird gnug vexiret. 

8, in Waffen üben; welches toit actiue unb 
neutraliter brauchen. 3. €. De Compagnie brillet; 
und be Capitaine drillet (ytte Compagnie. 

Drill Huus: Ubungs⸗Haus, worin ein geraumes 
Parterre zum priuat exercirett, 
Drill⸗Meſter: Kriegs · Exercitien⸗Meiſter, der die 
junge Buͤrgerſchaft in Waffen unterrichtet. 
p, 48. 6 e, & neutrum bütt: bi N] diefe, dieſes. Duͤſſe 
n, duͤſſe Frue, duͤtt Ding, | 
o0: dermaffen, folchergeftalt. 
P. 49. GDüttjen : Münge von 3 Schillingen Luͤbiſch. Dub⸗ 
—— von 6 B oder cin halb Ort. M.) 
p.45. Duumkrafft: Hand⸗Winde: pancratium. Iſt eit 
bekanntes Hebe⸗Zeug, vermittelſt einer Schraube 
ohne Ende. Man nennet es aud) eine Wagen⸗Win⸗ 
de, weil es beym ſchweren Fuhr⸗Wercke unentbehr⸗ 
lich, uͤm damit den Wagen wieder zu heben, wenn er 
etwa zu tieff eingeſuncken, oder gar uͤmgeſchlagen. 





p. 50. Eekerken: Eichhoͤrnlein. (Sprw. He hett et im 


| 





Wunde, as dat Eekerken im Schwange: 
groffe Worte und weiter nichts. M.) 


p. $4. enked. Als ich bie wahre Bedeutung diefes Worts nie: 


derfchrieb, waren mir bie Braunfchmeigifchen Anzei⸗ 
gen noch nicht zu Gefichte gekommen. Nachhero 
habe aus bem sten Stüdfe des Jahres 1748. p. 88. 


erfeben, 





HAMBVRGENSE. 36I 


erſehen, daß ein gelehrter Nieder⸗Sachſe, Hr. H. €. 
mie mir einerley Meinung ift. Wiewol ichs Demfel- 
ben zur Höflichkeit deute, wann Er die beiden Ablei- 
tungen des belobten Hn. Prof. Caſſels zugleich nut an⸗ 
nimmt, welches fonft ein ivenig gezwungen zu ſeyn 
(deinen will, 


5. Eventuͤr: Abentheier, ungewiffer Gluͤcks⸗Fall, Wag⸗ 
 €tüd. Up Eventuͤr: auf ein Gerathe⸗wol. Dat 
will een Eventuͤr wefen: das wird aufs gute 

Stück anfommen. Die Hoch» Teutichen brauchen 

bas Abencheuer und abentheuerlich aud) von 

demjenigen, was ungewöhnlich, ungeheuer, unge: 

ftalt, oder poſſirlich iſt. In unferer Sprache aber hat 

das Eventuͤr diefe Bedeutung gar nicht. 

eventüten: wagen: hazarder. Ick mag dat 
nich eventüren: id) mag das nicht drauf an⸗ 
fommen laffen. 

Mich deucht, bie flare tmb deutliche Uebereinfunft 
diefes bey ben Hollaͤndern auch fehr gebräuchlichen 
Wortes tnit dem Sateinifchen euentura, euentus, 
giebt, wie das Sranzöfifche auanture , feinen Ur⸗ 
fprung fo handgreifflich zu erfennen, daß man (id) 
wundern muß über bie feltfame Mühe derjenigen, 
bie e$ durchaus zu einem urfprünglich Teuefchen 
Worte machen wollen. Kilian zertheilet es in 
zwey Miederländifche Wörter, unb fchreiber 
Avent-ure, b. i. Abend-Stunde, mitbiefem Bey: 
fügen: dicitur autem avend-ure dictione mere 
Teutonica, q. d. hora vefpertina, aufpicium ve- 

fpertinum. Die Meinung des Hu, Kilians muß 
diefe feyn, daß, wer am Abend erft ein Ding anfüns 
get, der lauffe Gefahr, damit fertig zu werden, 
oder mag gutes zu machen. Hr. Stiler läffet in 
feinem Sprach Schage bas Nieder-Sächfi- 
fche fÉventüt gar aus der Acht, und will in 
Abentheuer lieber ry Apen oder Affen hin⸗ 
| $ ein⸗ 





362 IDIOTICON 
—, OCC 


Dineinbringen, als zugeben, daß e$ ein fremdes Wert 
fey. „ER, fpricht er, a Saxonico deren, feu antiquo 
,tbüren, & varie fcribitur, Aventhuͤren, qua 
„Apentbören, audere id, quod fimia auder, & Afs 
,tertbüren , finiftre, ſtulte & audacule agere, vt 
illi agunt, qui hoc vocabulum omnino Germani- 
„cum, a Gallorum avanture, fiue adventure detor- 
„quere audent.“ Die legten Worte find hart. In⸗ 
zwiſchen mürbe mie, wenn ja die Ableitung mit 6e 
walt vom Teutſchen ſeyn fol, eine Aven⸗ ober Öfens 
Thuͤr eben ſo gut, als des Hn. Stilers Ape oder 
Affe, gefallen, weil e$ bisweilen abentheuerlich iff, 
den Kopf ins Ofen⸗Loch zus ſtecken. Nugae! Hr. Dr. 
Steinbach ift der Meinung, Aben fen zu⸗ 
fammengefegt von Abend und Heuer oder Gr 
beuer, welches was eire und grofles bedeuten fell. 
Daher Ungeheuer. à beiffee ipm Aben⸗ 
tbeuet cafus fertuitus, qui fit. noctu vel veſpera. 
ibfid) fotmnet Hr. vade, und verwirfft dieſes 
alles; nur daß er mit Stilern das duͤren, doͤren 
oder tbüren behält, welches fo viel ift, als kuͤhn ſeyn, 
wagen, fid) verdreiften: an flat des Abends aber 
unb des Affen, et er das Gothiſche Wort aba, 
welches einen Mann bedeutet. Dem zufolge erklärt 
er Abentheuer aufum virile, molimen audax, t.i. 
ein männliches Wag⸗Stuͤck, ein kuͤhnes Unterfangen. 
Nun fomme einer, und fage, daß es in der Wort For 
hung feine Abentheuer gebe! 
p. 55. fämen: fädemen. tene UTatel infämen: eineN«- 
. bel einfädenen. ) 
; «6, Sinbung; Boͤrger⸗FHFindung: ift ein Urtheil unb 
p56. S Spruch des bürgerlichen «i Miedern edt 
inden heiffee urtheilen, einen Rechts⸗Spruch aut: 
ndig machen. In de Sindung gabn ift, want 
die DingsKeute, b. i. bie Gerichts⸗Buͤrger in die 
Relations - Stube zufammentreten, uͤm ein Urtheil 
aus⸗ 








HAMBVRGENSE. 363 


auszufinden. Der Pöbel fpricht e$ aus Finnung, 
auch wol 25ótereve Finnen. Nicht viel andere; ai 
wie im Holländifchen ein Urtheil Deiffe Vonnis, an. 
flat Vondnisfe, von vinden. | | 
p. 6o. Voͤrflether: Borläuffer, ift ein Eleines Fahrzeug, fo 
von ben groflen, bie Elbe herabfommenden Schiffge 
Gefäflen voran gefchicket wird, bie Tieffe zu erforfchen, 
unb auffeichten Stellen, bie fid) oft verändern, Bafen 
oder Warnungg-Zeichen zu ſtecken; welche von ei 
, nem (ogenannten LTaflecher pflegen wieder aufge 
| zogen zu werben. 
p. 61. infleyen: wird aud) vom effet gebraucht. He bett 
7.8968 infleyet: er Dat eine gute Mahlzeit gethan. 
p. 64. flüge: flüchtig, munter, " 
- p. 65. fluftern: fliftern, leifereden. In't Obr fluftern: in 
| aurem infufurrare. ' ) 
ohr und Fohder, it. Sóbr (m) und Foͤhrder: Zu - 
3 ad Een Föhr Haͤu (al. Hau) ein Fuder Seu. 
. ^»  folen: falten, plicare. ] 
Sole: Falte. (Sprw. De Rock is ehr utb den. 
Folen: fie ift nicht Jungfer mehr. M.) 
p. 66. Foͤrſchoot: fiebe Plate. 
67. Fyrk: de oble Fyrk: ift bey vielen deuten ein Nahme 
P s —8 er aber von fyren herkomme, weil 
der Teufel eine Feier verlanget; oder was er ſonſt für 
einen Urfprung habe, ift. mir bishero zu erforfchen 
nicht möglich geroefen, | 
fuͤlen: einen heimlichen Wind laſſen. | 
CSitlichPeit: Unrath, Schmuß. M ) Holländ. Vuy- 
igheid. | | 
SülEen: ein Feiner Flecken. — Bon einem. veinlichen - 
Menschen Deiffet es: be lide Feen Fuͤlken up ſyn 
Rleed: er bulbet auf feinem Kleide niche ben geringe 
fen Schmutz. 
p. 71. Cup der Barve berüm gahn: fib allenthalben felbft 
zu Gaſte bitten, ſchmarotzen. M.) ^——— v 





A 


364 IDIOTICON 





Ad | | 
p. 73. (fic? beggeven: in den Ehe⸗Stand treten. M.) 
p.74. Byn: ein Strick, mit einer Block⸗ Rolle, womit in 

Schiffen etwas aufgebofet wird. 


"2.75. Blind: Gelender, Plande, Stader, Verſchlag von 
Brettern, Latten oder Pfaͤhlen. | 


P. 87. handgryplick: brauchen mit auch von Dingen, bie fid) 

| mie bet AY ant leicht greiffen, folglich aud) ftehlen faf: 
fen. So heiſſet 4. €. in Krahm⸗ Laͤden Handgeyps 
lícPe Waare, worin ein Dieb leichelih einen Gif 
tbun kann. 

p.88. Harden: bedeuten im Schleswigiſhen gewiſſe Land⸗ 
Stuͤcke oder Kirchſpiele, in welche die in ſelbigem Her⸗ 
zogthume befindliche 13 Aempter wieder getheilet 
find, 
hardess Vggt, ober dpabeDag iff bet Vogt eis 

e, der untec dem — ſtehet. 

Die Dänen fagen für Harden, Haͤrreten. 
p. 9o. Hau: Heu. Aaufpringer für Heufpringer. (By 
Hau un byStroh : beyKleinigkeiten,flichweife.M.) 

"m^ ober hetſch (n) bigig, it. efftig, ftrenge. Ee— 
nen hetſchen Drund? oobn: hitzig trincken. 
Eene betfcbe Rülde: eine ftrenne Kälte. 

p.96. Hoͤge: baBbavon bas Wort Hogtyd, Hochzeit, gleich 
(am afe Hoͤge⸗Tyd/, ober Sram «Tag, herfomme, 
ift bie gründliche Meinung des n. von Stade in 
der Erläuterung der Teutſchen Wörter in Lucheri 
Bibel. p.313. 


p.97. Hoͤner. Sprw. Dat düret van der Defper, bet de 
Hoͤner upfleeget: bas bat nicht lange Beſtand. 


P. 98. 19 boope: zufammen. Alltohoop: alle tnit ein- 
. enbet. 


Hoͤren. He krupt in de Hoͤren: er c kricchet zu 
Windel, 





p. Ior. 


HAMBVRGENSE. 365 





\d 
101. Huus. 259 Huuſe⸗lang: von einem Haufe zum 
| * andern, wie die Bettler ER Feilträger gehen. Ee⸗ 
nen by Aufeslang dregen: einen in der gangen 
Nachbarſchaft verplaudern und verleumbden. 
103. Nereen: iedermann. NdereeniyEunrechtdohn: 
fuum cuique tribuere. — E 
104. (Cfnfpringeb Delo: was bie Kinder in den Schulen 
zum Anteitt geben: minerual. M.) 
108. Kamm: derooberfte Theil oder Rüden eines Deiches, 
Kamm⸗Broͤk (oy): Kamm-Bruch, mann nehm⸗ 
lid) das hohe Waller den Kamm bes Deiches 
herunter ſpuͤhlet; welche Ueberftürgung zwar 
. bae Land mit Waſſer uͤbergieſſet, aber nicht fo 
ſchwer und Foftbar wieder zu Delffen if, als eim 
Grund» Bruch, mann das Waffer den Fuß 
des Deichesdurchdringet, und denfelben, biswel⸗ 
(en viele Ruthen lang, ausdem Grunde wegreiſ⸗ 
fet, und zum Sande hinein wirffe: vooburd) ge- 
meiniglich, an der Stelle des Durchbruchs, eine 
Tieffe wird, die nicht wieder auszufüllen möglich 
und man daher gezwungen mirb, Um bas f 
aus⸗ oder inmenbig heruͤm zu deichen. 
r 14. kyken: fehen, guden. Kyken un Fapen: vorwigig 
gaffe , Maul-Affen feil haben. 

Kyker: der Gas. £Éenen im Kyker bebben: 
fein Augmerd auf einen haben, 
Sinnen-Kyfer: ber die Schweine auf dem 

Marckte, beym Kauffe, befieher, ob fie Zungen« 
rein find, oder Finnen haben, 
Fleth⸗Kyker, Koͤſten⸗Kyker: ſiehe in S. unb K. 
Kyker⸗Appeln: ein Art ſaͤuerlicher Aepfel. 


16. Kindel⸗Beer: Mahlzeit bey der Kind⸗Tauffe. Se 
gevet Koͤſt un Kindel⸗Beer toglyk: Sie ha⸗ 
ben zu fruͤhe beygelegen, ſo daß ſie zugleich Hochzeit 
machen und tauffen laſſen. 9.5 


366 IDIOTICON 


Ad 
P. 121. Bleyen. Adde aftleyen: abfragen, nehmlich von e» 
net oder von bem Borhaben eines an 
dern: Daher e$ fo viel Deiffet, als hindern, hinter- 
treiben. Dar wüll voy afkleyen: das wollen wir 
sicht gefcheben Laflen, u 
p. 124. Aloot: Klooß. (Rlooten: Soden: tefticuli. M.) 
Droͤhm⸗RKloot: Träumer, Zauderer, der träge 
und fchläfferig it. 
p. 126. Kalver⸗Kluͤnkens: Kalbs Caldaunen. Man be 
fpottet mit biefem Stabmen bie Écaufen Spigen oder 
Steiemel, womit bie Ober⸗Hemde an der Oeffnung 
' vot der Bruſt befeßet werden, 
. 137. (Eenen in de Kluve Priegen? einen in die Klopffe 
! prae kriegen, einem bie Kolbe laufen. M.) 
p134- Koje: Schlaf-Stelle in Gefángniffen, worin bie Mif 
fechäter des Nachts verfbloffen werden. Item ein 
abgefonberter Ort im Schiffe. 
Boog: it it Holftein ein Stuͤck neubedeichten fan» - 
des, das auflerhalb des Haupt-Deiches gegen dem 
| Waſſer lieget. In Holland heiſſet es een Polder. 
p.138. kraueln. Heruͤm kraueln: heruͤm kriechen, (id) be. 
wegen, ſo viel man kann. Von einem unvermoͤgen⸗ 
ben Menſchen füge man: He krauelt noch fo 
wat heruͤm. 
krempen. dahlkrempen: den Auſſchlag am Hute 
oder Aermel niederlaſſen. 
p. 139. krygen. Upkrygen: 1. auff Land oder auf ben Bo⸗ 
ben bringen laffen, 3. G. Waaren, Holtz, Heu xc. 
2. verzehren, aufeffen, fo wol von Speifen, als Guͤ⸗ 
teen: He ſchall't wol upkrygen: erwirdesfhon . 
dünne machen. 3. metaphorice: z. €, ick kann 
dat nich upkrygen: ich kann mich darin nicht 
finden, oder mich. nicht gmig daruͤber vermundern. 
Item: Dat Fann be nich upbeygen: das pr e 
| nicht 


LA 





HAMBVRGENSE. 367 


nicht verdäuen oder vergeſſen, das will ihm nicht 
aus dem Kopffe. | 

p. 140. Érómen, (45e bett wat in de Melck totrómen: 

| Er bat gute Mittel. Sprw. Kroͤmkens find 
HE Brod: Man muß auch das fleine zu rathe 
halten. M.) 
p.141. (kurwaken: für Sorgen niche fehlaffen koͤnnen. M.) 
p. 144. Kumbeers: Hange-Matte, darin bie Matroſen auf 
Ä den Schiffen fchlaffen. 

Funterbunt: vielfärbig, quafi contre-bunt, das ift 
von Farben, die wieder einander unfchicklic) gegat⸗ 
tet find. Daher e$ aud) von einer Unordnung ge» 
brauchet wird, als wenn man (aget: Dar geit es 
Eunterbunt ber: da gehet es Fraus und bunt ume 
tereinander. He maket my bat to kunterbunt: 
er machet mirs 3u fraus; ich kann nicht heraus 





p. 150. lehren bedeutet bey uns Ichren unb lernen. Alfo ee» 
nem voat aflehren Deiffet einem etwas abgeweh⸗ 
nen, und aud) von einem etwas lernen. Daher (pres 
chen unfere Idioten gar oft Hoch-Teuefch: ich vill 
bít bas ablernen, wann fie fagen wollen: ich 
will dich das ablebren, 

p.158. Lutter⸗Myge: : fo nennen unfere Supe feute den Lau⸗ 
ter Calf, welches eine Kranckheit der Pferde ift, da 
fie das Waſſer fo lauter wieder wegharnen, wie fie es 
getrunken haben. Man häle foldyes für ein Zeichen 
einer fhlechten Däuung, welche zum Öftern von ei» 
nem Futter herrühret, das auf einem mit Salg- oder 
Bra» Wafler uͤberſchwemmt gewelenen ‘Boden 
gerade. | 

p.161. Maar⸗Reddick (denn fo iff es auszufprechen, an 

| flat bee einfältigen Maar⸗Etick): Meer-Rettich, 
Das Nieder-Sächfifche kommt Dierin bem wahren 
Mrfprimge näher, weildiefer Reteich nicht im Meere, 
fondern im Maar« oder Moor⸗Lande waͤchſet. 

| YA 


368 .IDIOTICON 


mannigeen: mancher. 

Marſch: vulgo Maſch: ein niebriges, ebenes und 
fertes $anb, welches an gcoffen Waſſern fieget, unb 
fi) von der hohen und magerern Geeſt unterfchei- 
det. Terra depresfa, irrigua, paludofa, Das 
Wort wird fubftantiue gebeaucht, Dat aber fo wenig 
mit dem fabeffaften Könige Marlo, als mit den alten 
Marfis aus Italien, bie geringfte Verwandtſchaft. 
Vielmehr (lammen das Lateiniſche Mare, das Hol 
ländifche Maer, und die Teutſchen Wörter Meer, 
marifch, contradte marfch, Moor und Moraſt, 
alle mit einander in der Bedeutung des waͤſſerichten 

zuſammen. 

Mate. Dat wyſet em de Mate wol: bas erlau⸗ 
bet ihm ſein Vermoͤgen nicht; das muß er wol blei⸗ 
ben laſſen. | 

p. 162. Mauen. Daher Hand⸗Mauen, Voͤrmauen: 
Voraͤrmel. Nich wyder as eene. Hemds⸗ 
Maue, ſagt man von dem, mae engei(t, inſonder⸗ 
heit von Kleidern. | 

p. 164. mifcbyn: der Theuronifta .(oteibet e8 mag fchyen, 
und daraus (iebet man, daß diefes an der Nieder: 
Elbe gebräuchliche Wort eines Holländifchen Urs ⸗ 
fprunges fey, und fo viel fagen wolle, als es mag 
oder Fann vielleicht — 

Moͤdder. Lehr⸗Moͤdderſche: Schul⸗Frau, 
Schulhalterin. | 

p.165. Molge, oder, wie e8 hier ausgefprochen wird, | 
Moͤllje: Mulde: eine hölgerne Wanne, | 

Moͤhm. Daher Bade⸗Moͤhm: Wehemutter. 
(Sprw. Se bett et ſo bilt, as Manns 
mam: fie ift fo gefchäfftig, als Mannes⸗Mur⸗ 

ter. M. 
p. 167. Whigge: Müde, Heft Muͤggen ook Rüggen? 
. So pfleat man die Kinder zu fragen, wann fie ſich 

, mit ins Geſpraͤch mengen, von Sachen, bie nur für 

alte $eute gehören, | p. 169. 











HAMBVRGENSE. 369 


Ad | 

p.169. Muus. Sprw. Kleene Muͤſe beft ook Ohren: 
in Gegenwart der Kinder muß man nichts reden, 
was y» nicbt bienet zu hören. He fall my Eeene 
Moͤſe maten: er foll mid) nicht betriegen, ober 
mir Händel machen. 

p. 175- neien: nähen. fEcnem Dat Wambs neien: einen 

| brav abprügeln, 7 

p. 175. nuͤhl: vorwärtsnieder. He fill nuͤhl upt Beficht: 

—— ^ ind aa 

p. 176. Ogeln: ſchmeicheln, , fiebáugeln. 
fick anógeln: fid) anfhmeicheln. 
"Degeler: Schmeichler. Oogen⸗Deener: idem. 

od) wird das erffe vom ieunblidjen, das ans 
dere vom falfchen gebraucher. 

p- 177. (Ohr⸗Worm. Sprw. He is (o fruͤndlick as een 
Ohr⸗Worm. M.) 

P. 180. to pall fetten, to pall ffabn: feft fegen, feft gegen 
ftehen, tm niche zu gleiten oder auszumweichen, Wir 
fagen fonft aud) to ſtreve fetten , pali aut ftipicis 
aduerfi inftar obniti. Bon Dingen, die man nie 
derfeget, Deiffet es: Dat ſteit noch nich to pall, 

di es wackelt noch, mie auf unebenen Grunde. 

p. 181. Dey, Holfl.Py: ein grobes Tuch, dicker Boy. Daher 
Pey⸗Rock, ein Ober-Rod für Regen und Kälte: 
un furtout: paludamentum. u | 

(Perduc‘-Steen: ein Kinder-Spiel mit 9 platten 
und runden Steinen. M.) 
p.185. piltzig ic. puͤltzig: ſchwammicht. Bon Pilze: ein 
Erd Schwammm. - 
(Pingfien un Pafchen wyfen: ſich binten unb forne 
entblöffen. M.) 
Pype. Sprw. De Pypen intrekken: gelindere 
| Saiten aufziehen. | 
p.187. Plyte: foll, nad) Anmerckung des Hn. Berfaflers der 
Samb. Berichte 1743. p. 390. aud) ſo viel heiß 
fen, als Plampe, eingeoffes Meſſer, oder ein groffer 
a SS. 





* 


370 IDIOTICON 


gefäßelicher Degen. Diefe Bedeutung mógte bent 
Some. can: boͤſen jotyre. einen. füheinberen 


Pi #90. prenten: per bm, inſonderheit groffe Bud; 
— Raben. * tert im Ongliſchen —— 
und der Urſprung iſt ohne Zweifel vom Lateiniſchen 
premiene: Wie: Holländer. Gaben daſſelbe Wort 


prenten, toie auch prinoen, tmb Princ Beiffer bey if» 
nen den berud-eines Kupſer⸗Stichs, uneeltumpe 
Daher cen Bock met Printjes, Cugti() a book 
with cuts:. eis Buch mie Kupfern. 
Prents Jedder: eine Feder zur Fraetur⸗Schrift. 
pr 33, pruddelrr: zu kochen anfangen, auftvellen; wann 
nehmlich bus fod)enbe beginnet, miteinem gelinden 
fuoi DBlüsgen aufgiverffert und bie $uft aut: 


5 
(2f É ere, it, Heel⸗Eers: S ott 
—— die aͤuſſerlich fi enge io da 


piii: i (agen Pook: ein altes unb fchlechtes 


P. 194. M p pufet all up de Naht: er patfein Gelb 
mehr, er Bauer es on aus ben Nähten ber Taſche. 

p.197. Quaad⸗Pogge: Kroͤte. 

p. 209. (reken pus richtig abgezehlet. Eenem wat leh⸗ 
nen up ſyn reken Angeſicht: einem leihen auf 
Plein Anſehen, ine Pfand und Verfchreis 


p.216. Aöfeken planten Dei(fet. Spuichwortsweife rothe 
Wangen friegen, So ſagt man von einem Frauen: 
zimmer, dem eine Nöthe: aufge(tiegen: Se bett 

‚plantet; 
Roth⸗Geeter, ic. Gehl⸗Geeter: der aus Kupfer 
oder: Meſſing gegoflene: Acbeit macht. 

p. 518. Bummel⸗ Haven: ein bepfählten Raum auf dem 
Creme, auſſahalb· des geſchloſſenen Havens, nahe 


unter 









HAMBVRGENSE.: 371 


unter der Feſtung, wohin fid) allerhand Schiffe les 
gen,die nicht nótbig Haben, hinein geholet zu werden. 

p.220. ruugen. Afruugen, fonft aud) afhaaren, wann von 

hieren oder Peltzereyen die Haare ablaſſen. Z. E. 

De Hund ruuget af: der Hund wirft Haar ab. 

Auum. To Auume Erygen: hervor langen, aus 

der Verwahrung zu Gefichte oder zum Gebrauch 
bringen. 

p.225. Saten: Saffen, Sandes-Eingefeffene. Daher Uns 
der⸗Saten, die unter der Serrfchaft gefeffen find, 
Saten, oder Saffen ift der wahre urfprünglich 
Teutſche Stabme der alten Siegen Landes⸗ Einwoh⸗ 
ner, die ihre Sate oder Sade, & i. Sitze (ſiehe 
p. 225.) an beiden Seiten der Nieder⸗Elbe gehabt, 
worunter ſich die Angels Saten, Holt⸗Saten 
unb Wurt⸗Saten, durch die natürliche Beſchaf⸗ 
fenheit ihrer bin i d unterſchieden. Das Hoch⸗ 
Teutſche Sachſen iſt bloß durch den Gaumen der 
Ober⸗Laͤnder in der Ausſprache des Wortes Saſſen 
geworden, wie ſolches von mehren Woͤrtern, als 
wachſen, Ochſen 1c. in ber folgenden Dialecto- 
logia bewieſen. Es ſind demnach uͤberſtuͤſſige Gril⸗ 
len; wann ber eine bie Sachſen von ben alten Sacis, 
einem Seythiſchen Volcke, aus Aſien herholet; der 
andere ihren Nahmen ven ben kurtzen Plampen ab⸗ 
leiten will, bie (ie gefuͤhret und Sache oder Sahs 
genennet haben: ſollen; ber dritte auf das Wort 

Schach derfaͤllt, welches einen Straffen Raub bes 
deutet, quod Saxones latrocinio infames ab omni 
acuó füetint; der vierte endlich das Verbum ſaͤgen 
zu Marckte bringet, welches aud) fcheiden, abfens 
bern, trennen bedeute, mithin Sachfen nichts an» 
ders heiffe, als ein befonderes, von andern abgefchtes 
denes Bold. Da tun gebohrne Teutfche ben Nah⸗ 
men ihrer eigenen Landes⸗Leute fo mannichfaltig Det» 
ümführen, wie fann man es Sytaliánetm verdenden, 
wann fie, als unſerer Sprache unkundig, zu dem 

Aa 2 00 88g 





372 IDIOTICON . 


Nahmen der Sachſen nichts ähnlichers finden, als 
das Lateiniſche Jaxum, und daher meinen, ber (tee 
nichte Boden habe zu Benennung der Einwohner . 
Gelegenheit gegeben. Es könnte ihnen in diefem 
Wahne vielleicht das Holſtein vortrefflich zu ſta⸗ 
ten kommen, welches fie auf feine Holt⸗Saten 
( contracte Holſten) fondern auf hole Steine 
führen würde, in welchen diefes Saͤchſiſche Bold 
mü(te gewohnet haben, 

ſchaͤlen. vat Pann my nich ſchaͤlen: das gilt 
mir gleich. 

p.239. Schiller⸗Gaſt: ein gemeiner Soldat, der von be 
Schild⸗ Wache noch nicht gefreiet iſt. Schiller⸗ 
Deerens heiſſen bie Maͤgdchen, bie in ben Gattote 
m rsirepen geroiffe Farben mit bem Pinfel auf 





p.231. ſchyc un ebl: ſagt man fportsweife von einer ſchlech⸗ 
ten Schönheit ; fo wie auch fonft. bey uns ein adt 
ges Geficht befchrieben wird, Daß es aus(cbe a6 
Seid un Keenroock, an flat; wie Milch und 

Int. 

p.239- Schoͤt (on): Schuß. Eenen Schdt togeeten: 
noch etwas zugieffen. Een Schöt Weges: fo 
weit man nehmlich fchieflen kann. 

P 240. ſchoven: das Kraut, fo im Waſſer am Grunde waͤch⸗ 
ſet, ausgaͤten. 

Gicbover: einer der in Gräben ober kleinen Fluͤſ⸗ 
fen, 3. €. in der doven Elbe, bas Grund⸗Kraut 
mit einem zackichten Werckzeuge ausreiſſet. 

p. 245. ſchumnmeln: ſchlecht und ſchlotterig hergehen. Da⸗ 
her im Holſteiniſchen eene Schummelke: une 
mal propre. 

p. 249. Seed⸗Hering: ausgefrifchter Hering, der gefottett 
wird. 

| Seeken⸗Huus Siechen ⸗Haus: noſocomium. 

p.253. ſyd uͤnner Boͤhn: niedrig von Stockwerck: da man 
leicht an Di Dece reichet. 2 
p.262. 


 HAMBVRGENSE. — 373 





Ad 

p. 262. flicht: 1. ſchlecht. Slichte Luͤde: fchlechte Leute. 

2, glatt, eben. Slicht leggen: eben legen, 
ohne Falten. Afflichten, y. E. ein Brett, 
mie dem Schlihe-Hobel. 

3. dumm, einfältig. Daher das Wort Slich⸗ 
tigEeit, Holländ, Slechtigheyd: Einfalt, 
Unwiſſenheit. 

Slichten bedeuten eigentlich diejenigen Re⸗ 
chen⸗Pfenninge, die glatt und ohne Gepraͤge 
ſind, dergleichen man ehemahls gebrauchet, 

| unb ihren Nahmen beybehalten. 

p.271. Snapp⸗Roͤtt: Fleiner nafenweifer Rog-töffel, von 
beiberley Gefchlechte. 

p.275. fnübbeln , Soft. ftraucheln, ſtolpern. 

p.279. Sood; &ootebrennen: Hiße des Magens, bren⸗ 
nendes Aufftoffen: ebullitio flauac bilis citca orifi- 
cium ventriculi. Angl. Sax. feada. 

. &oom: Saum. Mettje fuul óm^n oom: Si 
tel eines ſchmutzigen Weibsbildes, 
ſdor: duͤrre. Ken ſoorenWind: der alles ausdorret. 

p.280. Sott: Ruß: fuligo. 

p. 284. (ſpunzeln: afſpunzeln: etwas mit Kohlen⸗Staub 
durch ein loͤcherichtes Papier abzeichnen. St. pon- 
cer. M. 

p.285. (ſtaͤtiſch: werden die Pferde genannt, die nicht von 
der Stelle zu bringen find. Sr. retif, Engl, reftive 
oder refty. M.) 

p.293. ftótten: flürgen. | 
| Stoͤrte⸗Beker: ein Becher miteiner Stürge oder - 
Deckel. Man zeiget einen folchen Becher in bee 
biefigen Schiffer⸗Geſellſchaft, und will, daß der- 
felbe ehemahls dem berühmten Gee Räuber, 
Claus Staͤrtebeker, zugehöret habe, bet vor 
viertehalb hundert Jahren von den Hamburgern 
. aufgebracht, und zur Straffe gezogen worden. 
Wie leicht aber die Gleichheit des Nahmens aus 
Xa 5 NS 


374 IDIOTICON HAMBVRGENSE. 


felbigem Becher eine Reliquie machen Eönnen, 
will ich hier eben nicht darthun. Man pflegt aud) 
einen ftürmerifchen Menſchen eenen Störtebes 
Per, wie audy eene Stoͤrm⸗Klokke, zu heilen. 
Citórt« att: bölgerner Durchfihlag oder Seige⸗ 
Schuͤſſel, worin man bie gefochten Speifen auf 
ftürget,ium das Waſſer davon ablauffen zu laffen. 
Stoͤrt⸗ Foͤhr wird ein ſolches uber Kohlen ges 
nannt, das nicht in Saͤcken zu kauffe gebracht, 
fondern ümgeftürget, und ſodann gemeffen wird. 

p.298. Stälper. (Sprw. Dar is Eeen putt fo ſcheev, 

et finot fid? een Stülper darto: gleich fucht 
ich, leid) finde (id). M.) 

p. 300. fülter, fülke, ſuͤlkes: folcher, folche, ſolches. Suͤlk 
een: solch einer. Der Pöbel (agt auch ſuͤck, 
ſuͤcks: (oi), ſoches. 

P. 301. engen: ſchweigen. Dat (voigt wol: das ift nicht 
zu fagen. 

p. 302. Swyns⸗Koͤtel: genegtes Schieß-Pulver, in Geftalt 
einer Fíeinen Pyramide die angezündet wird. 

p. 306. Tehn: Zahn. Den Tehn wuͤll wy utbf'labn: be 
zu wollen wir ung ben Appetit vergeben lajien. 

p.317 tüllÉen: fiehe nüllEen, welches einerley. 

P. 93 3. fiel? verflabbefeeren : im reden (id) vergehen, fi 
verreden, verſprechen. 

P. 336. wegen. Dat wigt Öwer: dos ift zu viel; dag gehet 
zu weil. 

p.339. Wym. Sprw. Mit den Hoͤnern to Wyme flv 

en: fruͤhe zu Bette gehen. 

p. 342. Wiſchewaſche: leeres Geſchwaͤtze; Gewaͤſche; Wind. 

p.343. witt: weiſe. Davon ift ohne Zweifel der Nahme 

Wittekind, welcher ein kluges Kind bedeutet, aber 
in der Ausſprache vielfaͤltige Veraͤnderung gelitten 
hat, ſo daß bey uns nicht nur Wetken, ſondern gar 
Wedding daraus geworden, wie in Holſtein der 
Dre Weddingftede ;fanumWirtekindi,bezeuget, 

(Ht «Ht | 
| Vier⸗ 








Vierfacher 


Anhaug, 


né 


Berſuch 


einer 


DIALECTOLOGIAE 
HAMBVRGENSIS. 


I. 
£n. Past. 9. S. Zieglrs — 
Sammlung 
Ditmarſiſcher mi unb RedensArten. 


Nachricht 


von dem feltenen TueUTonIsta 
GERHARDI oe SCHVEREN. 


.. IV. 

Don dem CATHoLıco 
IOANNIS px IANVA, 
und befjen 
unterſchiedlichen Ausgaben. 





Be Re RE N FE He 


L | 
JIALECTOLOGIA 
HAMBVRGENSIS, 


oder 


Verſuch 


einer regelfoͤrmigen Bemerckung 
des eigenen, | 


durch fid unfere Mund:Art von andern, 
infonderheit von der Ober⸗Saͤchſiſchen, | 
unterfcheidee. R 





Das erfte G'apittef : 


von 


VocaLiBvs, ode Selbſt⸗Lautern. 


9f. EE 07 

"8 giebt in unſerm Niederfächfifchen ein & obfgurum (a) - 
das dennoch, wann ein t darauf folget, producto fono 

"^ ausgefprochen wird. 3. E. in ben Wörtern bargen, 

|. — 34a 5 blatz 

) Sid) alte ed nitbt einerley, warn man Vocales Zongas & órewes, 
b.i. lange unb furge, und wann man caras & obſcuras, b, i. 

belle und buncfele oon einander unterſcheidet. Jenes geſchie⸗ 
bet in Abficht auf den tonum prosodicum, rad) welchem fid) 
Die &ánge ober der Syllben im Verſe richtet : dieſes aber 

ifft bett fonum ecphoneticum, oder bit eigentliche Aus⸗ 

. fprache, in welcher ein Selbfl-Rauter entweder völlig und flat, 

oder nur halb und unflar gehöret wird. 3. €. dag a in danes 

. ben, Matrofe, Dorratb, Untbat, ift in der —— 
belle, aber im Syllben⸗Maſſe kurtz, weil es ben Accent nid) 

bat. Hingegen in verfaſſen, zerplatzen ꝛe. iſt das a ecpho- 
BIER 





378 DIALECTOLOGIA 


blarren, harveſt, marken, ſtarven, verdarven 1c, werde 
e$ nicht den (onum clarum hat, den wir in balen, laven, mah⸗ 
fien, u. b. gl. ausfprechen. Das Gehör merdfet biefen Unter 
ſchied leichter und deutlicher, als mau in ſchriftlich vorſtellen 
kann. Ein Hamburger wird 4. E. folgende, einauder gleich ge 
fehrichene Wörter, Buch; bie biafje Aursfpruihe effert in der, 
Bedeutung unterfcheiden, indem in den erften ein a obfcurum, 
in den andern ein a clarum, fyllabe xtrobique longa, ausge 
fprochen wird. | | 
arken, recher ¶ ſHarken, Haͤrloin. 
are, Kerbe Kare, Karre. 
marken, mercken und / Marken, Marderchen. 
Sarken, Saͤrge Sarben, Sarq, oder Cano. 


waren, werden waren, hüten. 


Bey unfern Bauren wird Hisser dem hellen und offenen | 
& noch ein u hergefchleppet, und Dóret man fie (precben: Aul 
baut, baulen, jan, Elaus.zc, für Ahl, dar, balen, i4 
Elar 1c. 
E. 


Wi haben, wie affe andere Teutſchen, gleich denen Griechen, 
ein zwiefaches e, Das eine wird wie ein e ausgefprochen, 
z. E. in feb mehr, Seele u.d.gl. Das andere Inte 


io entem 


nice obfcurum, tib bod) presodice longum. In Mesabl if : 
ba$ bundle a lang, umd bag klare furg. Ein heller Gelbfb 
Fri andipcedyca tpisb tei q €. ba$ ein eben, Haßrbu 
rein a wiod/ Wie s. E. e p / 
lohnen sc. ein dunckeler aber, befien Pant gleichſam serbiffeuj 
unb von dem folgenden, infonberbrit beppriten Mät»Bauter |! 
verſchlucket wird, mie bad o in voll, poltern,Roßzc. A Ih 
ift ein offenes pber helles a itt fabl, rafen, Setabl, ater y 
— ein dunckeles oder halh verfchlucktes in all, rat 
ſeln, Stall, Gevatter 2c. Und dieſes eingige a iſt es, unti 
allen vocalibus obſcuris, welches in unferer Munb⸗Art bib 
teilen gezogen ober gedehnet wird. Die Ober⸗Sachſenhaber 
ſolches gar nicht, eb fie gleich das a, o und u, ſelbſt vereint. 
conſonante geminata, gar oft als vocales claras quoſprechen. | 














nn 


3. €. dermaſſen, ftoflen, Muſſe, Buffe se. 


HAMBVRGENSIS. 


$79 





in ben Wörtern geben, wehren, Daneben 1c, Diefer 
te Unterfchied fe&et in unferer Mund- Art viele Wörter 
() aus einander, die fonft im ſchreiben einerley find. Ich 
even eine mäflige Anzahl beyfügen : 


per e: 

^, bieten. 
? Bier. 
?, ein Weiber «Siapme, 
N, theilen. 
^, kriegen. 
eigen, 
lI, honorare, 

eichen. 
*, fcapha, 
7 Maul. 
n zancken. 
lieben. 
1, neigen. 
j, mit der Stange fot 
' triclinium. (ſchen. 
n, Zeilen, 
reichen. 
n geſchehen. 
"reti, forfices. 
j fieden. 
fly animae, 
/ wieder. 

ziehen. 


pet : 
beden, beten. 
Beer, Birne, unb Beewe. 


Beke, Bach. 


Dehlen, Bretter, Diehlen. 
dregen, tragen. 

en occare. 

ten, ihren. 
efen, eitern. 
Ever, aper. 

/ K opf⸗SEchmuck. 
A / Oflinb. C tof. 
Krefte, Krebſe. 
Kreten, Ritzen, fisfurae. 
netten, nene, 
en, lange an einer Stelle 


Pefel, penis pecudis. (figen. 


Seden, Sitten. 


Seelen, Seile. 


T en, Zehend. 


Zahn. 
Yoeden, dicite ſalices. 


Hiebey fallen mir folgende vier Anmerckungen in die 


Daß wir Nieder · Sachſen fo wol bas /als das e mit bem o 
in einen Doppel ⸗ Lautertzuſammen bringen, bet fib hin der 
| W 


380 DIALECTOLOGIA 


Ausſprache unterfcheidet, wovon im zweyten Capittelen 
mebres foll gefaget werden. | 
2, Daß biejenigen nicht wol thun, bie bas » in Teustfchen 
term durch ben Diphthongum ae ausdrücken, unb 
neuerlich fchreiben Bebät, Befaͤl, láben,tT Tác 
Denn, wenn man, nad) Art ber Franzofen, die veraͤnder 
liche Ausſprache mehr, als die geundrichtige Wortsäee 
fhung, zur Rihe-Schnur der Orthographie make 
will, fo wird, bey fo mancherley Mund-Arten, eine bit 
ſcheckichte Schreib-Arc herauskommen, i 


4. Daß bie alten Teurfchen (denen mof fein vernünftige 
Menſch Schrift und Buchſtaben abfprechen wird) pos 
fels ohne ihr zwiefaches e unterfchiedlid) und auf zweyer 
ley Art gefchrieben: nachdem aber, mit dem Chrife 
thum, aud) die Lateinifchen Littern von ben Geiftlideng 
ihnen gebracht worden, ift- zwar daher ein e ing Teutſh 
Alphabet gefommen, welches mit dem Sateinifchene t 
Griechiſchen & im Druck und in der Fractur uͤberen 

' fommt; im gemeinen Schreiben aber mit der Feder m 
doen wir noch diefe Stunde eine Figur, bie mit bem Ori 
chiſchen » viele Aehnlichkeit hat. Ä 

- 4. Daß die Herren Iotaciften, wenn fie ihre Ausſprache b 
Griechiſchen y für die alte und wahre ausgeben, die Seat 
zu beantworten Friegen, woher es bod) fomme, daß) 
Seutíd)en, welche unfiveitig fehr alte mb nahe €yprat 
Verwandten der Griechen find, ift y niemals als tit 

' ausgefprochen : oder womit man beweifen wolle, bab 
ihnen 3. E. eben gelautet habe iben, leben liben, zehl 
sihlen,u.f.f. Und ob hieraus nicht wenigſtens eine klei 
Vermuthung entftehe, bag im Griechifchen der Iorac 
mus fo uralt eben nicht feyn müffe. | 


Ein dundeles e wird vor bem e zu einem buncfefen, iet 
fang ausgefprochener a. S. &. erben arven, Erbfen Arfte 
ectoctben erwwarven, ferben farven, Fercken Darken, ferb 
Barven, Seen Karn, merden marken, fterben ſtarven, v 
derben verdarven 2, ^ 





4 


^ 





HAMBVRGENSIS. 381 


J. 


ym ein i belle oder lang ausgefprochen werden foll, fo 
ſchreiben wir nicht, wie bie Hoch⸗Teutſchen, ib, viel weni 
fe, fondern ein doppelte i, davon das legte gemeiniglic) pfle= 
unterwwärts verlängert ober geſchwaͤntzet zu werden, z. E. 
‚mybyr, Tyd 1c. Da nun diefe Figur ij dem Lateinifchen y 
wid) ift, fo haben unverftändige tefe-Meifter von ie her bas 
»pelte i den Kindern unter dem Nahmen “pfilon beyge⸗ 
«ft: da bod) in feinem einzigen Seutfd)en Worte dag y als 
wahres, ben Griechen allein eigenes v ii A0v, dag ift als ein ů 
Sgefprochen wird. Der vortreffliche Here Gottſched bat 
bon in Gnuͤge gehandelt in feiner neueften Cprad» febre 
34. u. f. 
Von dem ie, welches wir niemahls, die Hoch⸗Teutſchen 
r öfters, an fat eines klaren i gebrauchen, bin id) der Mei⸗ 
rag, daß es bloß aus bet Hochlaͤndiſchen Mund-Art feinen Ur⸗ 
ung habe, und bas € nach bem i beſonders gehoͤret, nicht aber 
>em i verſchlungen werde: fo wie bie Oberlaͤnder aud) fo gar 
a hinter offenen Vocalibus herſchleppen, wann z. E. die 
hweitzer nach ihrer Weiſe ſprechen Puach fuͤr Buch, und 
Oeſterreicher Muetter fuͤr Mutter. Zum wenigſten iſt 
aicht leicht zu begreiffen, wie ein e, ſeiner Natur nach, hinter 
em andern Vocali den Laut deſſelben verklaͤren oder verlaͤn⸗ 
"t koͤnne. Noch viel weniger kann ich denjenigen beypflich⸗ 
|, die das ie mit unter die Diphtongos ſetzen. Cyn einem Dop⸗ 
Lauter mu ja weder ein ieder Vocalis beſonders, noch aud) 
u beiden nur einer gehoͤret werden; fondern e$ muß ein aus 
den gemiſchter aut zugleich heraus kommen. So wenig nun 
und ua Diphthongi ſeyn koͤnnen, weil fie nicht einſyllbig 
tzzuſprechen moͤglich find; ſo wenig kann auch ie ein Doppel⸗ 
uter en, weil z. E. in biet, viel, Ziel unb dergleichen Woͤr⸗ 
n, in einſyllbiger Ausſprache, von bem e gar nichts, fondern 
Bein flares i zu Gehör koͤmmt. Ein anders iſt es mit bem b, 
em daſſelbe keinen eigenen ſonum vocalem hat, und man ge⸗ 
hut iſt, auch alle andere Selbſt Lauter bamit zu verlängern, 
| ! DIR 


/ 


382 DIALECTOLOGIA 


Das í obícurum, wenn ein r mit nod) einem andern 
Confonante darauf folget, verändert (id) (mie oben von beu 
€ bemercfet worden) inein à oblcurelongum 3. €, Birden, 
Barken; erwirbeft, erwarvefl; Kirche, Aare; (tiro, 
ſtarvet; verdicbet, verbarvet; wircken, warken ic. 

Bor andern doppelten Mit⸗Lautern wird bas dunckele i 
in vielen Wörtern em e, 3.8. ute, Bede; beritten, bo 
reden; geglitten, gleden; gelitten, leben; Himmel, Hem⸗ C 
mel; Sclirten, Sieden; Stimme, Stemme; Tettt 
Trede rc. Hungegen beibet e8 unverändert in bidden, mid ]k 
den, gewinnen, finnen, nimm; Erppen u.a. m. Dar |k 
feiner. Beränderung vor einem ſſ im Gapittel von Endungen |t 
ein mehres, ſt 

Das gemeine Volck in unb uͤm Hamburg ſpricht a [E 
vielen Wörtern das í mie ein aus. 3. E. ich buͤn, FM 
ſůnd, du buͤſt, voy wuͤllt, vor duͤſſem, wuͤppen, br 
(übt "^ b. gl. kf 

An flat des Hoch- Teurfchen After» Diphthongi ie (b |9 
tet man in unferee Sprache, auffer dem y, welches nucis A 
wenig. Wörtern an beffen Stelle tritt, z. E. bier, bye; frie | 
gre, Peygen ; 

bisweilen ein e (m): Diehle, Dehle; Stiel, Steh; b 
viel, vehl; zielen (generare) teblen 1c. infonderheit IV. 
in Praeteritis Verborum : geblieben, bleven; geriv | 
ben, reven ; gefchrieben,. ſchreven; getrieben ha 
dreven ıc. n: 

oſters ein uͤr dieſe, duͤſſe; gefchieher, geſchuͤtt; fiif 
ſchuͤtt; flieſſt, fuͤtt; fiebe, fb; verdrieft vv]. 
druͤtt; ziehe, tib. Tieffe, Duͤpe. Schlieſſer, Si e 
tet 20. | | 

am oͤfterſten ein ee; bieten, beeberr; Dieb, Deef; fie 

fen, fleeden; gieffen, geeten; ec hieß, be heetede, 
fie feiegten, fe kreegen; liegen, leeggen; mieten, 
meeden ; nieten, needen; Pfriem, Preem; Suet 
Reem; Spieß, Speer; Thier, Deert; wiege, 
weegen; ziehen, teehn ac, So werden pur alt 











HAMBVRGENSIS. 383 


Infinitiui $ateinifches oder Sranpöfifcher € Wörter, die 
im Hoch⸗ Teutſchen auf —ãe—— bey 

uns in eeren geenbiget, z. €. purgee⸗ 
ren, ſtudeeren, balbeeren, probeeren ic 


O. 


sin helles o iſt gemeiniglich in unſerer Mund» Art ein helles a. 
3ZE. Gohre, Gahre; oben, Klaven; Kofen, Ka⸗ 
n; Ofen, Aven; Sporne, Spaven ; Vogel, Hagel; oben, 
ven; bohren bahren; holen, halen; (oben, laven; to⸗ 
t daven; gehoben, haven; gekohren, kahren; geſchoben, 
»aven; geſchoren, ſcharen; ſchraven; se 
woren, fraaren; geſtohlen, ſtahlen; verlohren, verlah⸗ 
y; verſtoben, nx, 

Die Bauren in unſern Gegenden machen es mit E 
[en o, wie mit bent dy unb ſprechen es aus wie at, 3. E. 
[atit A A) Mauder 1c, an (fat Bloot, 4000, 
obl, 10, Jf aud) auld, Bauld, für old, Polo, 
wie bie Engelländer ihr old und cold ausfprechen. 

Das dundele o bleibet entweder unverändert (b), wie in 
ott, Spott, Offen, Froſt etc. ober egwird ein u, z. E. voll, 
ill; coll, bull; Sonne, Suͤnne c, oder aud) ein helles a, 
t boffen,Yapen; offen, apen.; Torte, atte 1€, zumahlen in 
aeteritis: getroffen, drapen; nefchoflen, ſchaten; gefchlof 
„flaten; verdroffen, verotaten ; entfproffen, entfpraten; 
floffen, verflaten :«. 





M. 


») Wenn id) fagty daß fid)y in Abficht auf bad Dber-Sächfifche 

> bep. uns ein Buchftab- verändere, fo. meine ich. nur, bafi ba 
Wort in unferer Mund-Art andere faute, nicht aber, bafi eine 
Veraͤnderung be8 Dber-Sächfifchen geſchehen. Das recht: 
májfige Vorurtheil der unveränderten Stamm Sprache ift 
aufiımferer Seiten,.die wir hiefiger Orten im lle Giige der alten 
Sachſen wohnen. :Dabingegen bas Hoch⸗Teutſche, welches in 
Meiffen am beſten geredet wird, bekanntlich eine neuere Spra⸗ 
che iſt, worin das twahre Sächffche, burd) Zuſammenſchmel⸗ 
ung mit dem Oberlaͤndiſchen oder. Scánd'ift)en, manchen 

ut bec Wörter fat muͤſſen verändern gen. 





584. DIALECTOLOGIA . 


Uu. 007 

9g die Hoch⸗Teutſchen ein u clarum.ausfprechen, da f 

wir ein DefleS o, Z.E. Bube, Bove; Buch, Bo 
Stud), Flook; Zuge, Foge; Zuß, Foot; Glut, Glo 
gnug, noog; gut, good; Hure, Hore; huſten, hooſt 
klug, klook; Pflug, Ploog; Pfuhl, Pohl; rufen, top 
ſchlug, ſloog; Schnur, Snoor; Schule, Schole; St 
Stohl; thun, dohn; trug, droog; Tuch, Dook; zu, to 

Das u obſcurum hingegen iſt in vielem Platt-Teurf 
Wörtern daflelbe; als in brummen, bunt, dumm, Fluc 
Sunb, Bedult, Brund, unb, Aunft, Aug, Miu 
mutt, Puff, Schuld, ſtumm, Tucht, Tunder, verb 
den, verfivunden 1c. 2c, etliche wenige ausgenommen, bie 
für ein o ober ein d haben. S. &. Bruft, Borſt; But 
Botter: Durft, Dorf; Guj, &óte; Nuß,LYste; d 
i Woriei 1c. gang auſſerordentlich ift für Befchluß, 2 





uut, it. Geneet, Derdreet; wiewol biefes nicht für d 
nuß, Verdruß, fondern für Genieg, Verdrieß gefaget 
werden fcheinet, 


Das zweite Capittel 
von 


DiPHTHOnNgGiIs, oder Doppel-Lautern. 
An. | 


0 die Ober⸗Teutſchen ein au brauchen, ba ift in unfe 
Ausſprache | 
gemeiniglich ein klares oder boppeíteti, Z.E. aus, ut 
Bauch, Buuk; Bauer, Buur; brauchen, bi 
Een; braun, bruun; Braut, Bruut; Daum 
Duum; Fauſt, Fuuſt; Haube, tuve; Ha 
fen, Hupen; Bauffen, buten; faum, Euums; I 
ren, luuren; Maul, Muul; plaudern, plude 
Raum, Auum; fauer, ſuur; Taube, Due; t 
ftauchen, verffuten; Zaun, Cuun 1c, 
| "a 


HAMBVRGENSIS. 385 


niche felten aber auch ein Helles o. Z. E. aud), ook; 
Auge, Ote; Glaube, ove; Kauff, Koop; 
laufen, loopen; rauben, roven; Rauch, Rook; 
Saum, &oom; ſchmauchen, fimooten ; taub, — 
doof; Saum, Toom ꝛc. | . 

Cyn dem Worte blau machen bie Bauren aus dem au 
ein a, und fprechen Blagels für ‘Blauels, den bla⸗ 
gen Hemmel, an ftat: den blauen Himmel, 

Den Hoch⸗Teutſchen Triphthongum Au haben wie gar 
dot, fondern brauchen dafür entweder ein d, wie: Bäume, 
zoͤme; betäuben, bedöven; Haͤupter, —* Laͤuffer, 
Sper 1c, oder ein ů. Z. E. haͤuslich, hůslick; Mänfe, 
Nuͤſe; Kraͤuter, Kruͤder; haͤuren, huͤren; ſaͤumen, für 
ien; Taͤucher, Duͤker tc, - | 


Ci. E 
Bleibt zwar auch in vielen hieſigen Woͤrtern, inſonderheit in 
den Endungen beit unb keit. Wann wir es aber veraͤn⸗ 
tnt, fo wird | 
entweder ein hellesoderdoppeltesi, 3. E. bey, by ; dein, 
dyn; eitel, ydel; Fleiß, Flyt; greinen, geynen ; 
Kreide, Aryte; Leib, Lyf; mein, myn ; Neid, 
Nyd; Preis, Prys; reiten, ryden; feyn, (yn ; freie 
. ben, dryven; Weib, Wyf; Zeit, Tyd 1c. 
oder wir fprechen auch ei ee (s) aus. S. G breit. 
breet; brep, dree; ein, een; Fleiſch, Sleefcb ; 
Gift, Geeſt; heiß, beet; klein, Eleen; meinen, 
meenen; Neige, Uieege; Neibe, Reege; Stein, 
Steen; Theil, Deel; weinen, weenen; scien, 
teegen 1€, _ | 
Sonderbar ift diefes, ba mit nicht das Hoch⸗Teutſche, ſon⸗ 
ttt unſer eigenes ei in etlichen Wörtern in ein ee verwandeln; 
6 warn toit fprechen Bree, für Brey; neet, fürnen; eee 
:'abt, für Rei⸗Draht. Dahingegen heiffee Schnee bey uns 
iney. In unferer Nachbarſchaft höret man es Sny, und 
yeny wie ovy, fey, fien, on ftat Dren, ftev, Reim 





? 


386 — | DIALECTOLOCIA 


i; Degen (») für deien oder gebeien, Tegen für Teinde 
(Zehende, decimae), wie negen für neun, find bey uns ge 
‚ beäuchliche Wörter. Hinwiederuͤm aber fagen wir ſeilen an 
ftat fegeln, Teils Geld an (lat Cegels Geld, b. i, Ziegel⸗Feld. 
In eien seien unfere Verbaaus, bie bey ben Sod» eub 

ſchen auf.eben , aͤhen unb den ausgehen. 3. €. dreyen 
feyen, meyen, neyenpfüx drehen, wehen, ſaͤen, mähen, 





[4 


weyen, 
naͤhen c, alſo tein für zehen. 


Eu. 
RU im Nieder-Sächfichen ein d, 3. €. Beute, 25üte; der 
ten, duͤden; Feuer, Für; heute, büte; Keule, Kaͤle; 
feute, Luͤde; Reuter, Rüter; fleuren, flören; theue, 
duͤhr; Teutſch, DIOfH; zeugen, tügen 1c, - 
Das Wort euch peiffet it Hamburg ju oder jo; yo 
, $ande jau, und im Braunſchweigiſchen jUE ober juͤkke. 
lautet bier juyoe; und bie Euter nennen wir de Jidder. 
25eule, Eule und heulen find faft die einzigen Hoch⸗ 
Teutſchen Wörter, in denen wir für eu ein langes u ausfpee 
hen: Buhle, Uble und bulen, , 


£x. 


Gier Diphthongus ift in Nieder-Sachfen zweierley. Der 

Grund davon iſt das zwiefache e der Teutſchen, wovon 
oben, unter den Vocalibus, gehandelt worden. Das eine ó 
' feet fid) aus einem o unb e (s) zuſammen, fautet wie in den 
Wörtern hören, bófe, ſchoͤn 1c. unb wirdfo wol im Hoch⸗ als 
Platt⸗ Teutſchen ausgefprochen. Dasandere bat feinen Doppeb 
faut aus 9 und e (y); und iff bloß ben Nieder⸗Sachſen eigen, 
Ein gutes Gehör wird beide gar leicht unterfcheiden, Sitantaff 
nur z. E. die Wörter Kroͤte und moͤgen ausfprechen, ſo wirb 


4 


der Ober⸗Sachſe fein os, der Nieder-Sachfe aber fein om dendich : 


gnug vernehmen laffen. Es fheinet zwar dieſes letztere nr 
ale ein & zu klingen; wer aber aufunfere Mund- Are genau 
tung giebt, wird mercken, ba bas oy nicht fo offen, wie das 
ausgefproshen fondern das o vom. a gnugfam unserfchieben 
wet. 


BEER 


* ZUR eme — 


NDS asnNvıro oo A ^" g 





A2 zz ar ma Cw 2 A AVO 


HAMBVRGENSIS. . - 387 


e. Daher man fehr irren, unb feine UnmiffenDeit in dem 
fachen e der Teutſchen verrarhen würde, wenn man z. E. 
t Eönen, mögen, (cbólen 1c. fhreiben wollte Einen, 
sen, fcbálen zc. weil in Feiner einzigen Teutſchen Mund» 
das & mit diefen Wörtern das geringfte zu fchaffen hat. 

Wie id) num droben bey bent e angemercket, bag Wörter 
gang ungleicher Bedeutung (id) durd) ben bloffen $aut-bes 
b s unterfcheiden; alfo will id) auch hier einige Erempel 
h gefchriebener Wörter herfegen, in denen die bloffe Aus⸗ 
he des oͤ den Unterfchied der Bedeutung macher: 








per ot. | . per os. | 

ven, gebühren. - böhren, heben, fragen. 

t, unfíug, Doͤhr, Thür. — 

en , erhöhen. . bégen, ergegen. 

Fe, Tafche. A te, Küche. 

‚en, im Sauffe aufhalten. — móten, müffen. ' 

*et , Ufer. éver, über. 

en, bewegen, regen, Roͤgen, Fiſch⸗Leich. 

hoͤrte, Schuͤrtze. Schoͤrte, Scharte. 

en, ſaͤugen. Soͤgen, Mutter⸗Schweine. 

zver, Spuͤr Hund. — Citóver, Bader. | 
ut. j 


heil (id), dem klaren Gehoͤre nach, biefet Diphthongus niche 
aus u und e, fondern aus u und i zufammen giebet, ſo 
? gu wuͤnſchen, daß unfere Schrife- Gieffer unb Drucker, 
jeder unter ihren Verfalien aud) ein diphthongirtes U has 
oder dem U ein i anfügen; nicht aber mißbräuchlich z. (E, 
el, Uebrig 1. b. gf. fegen mögten. Es kann zwar ein e, 
t e$ vor bem ti ftehet, ineinen Doppel-faut eu zuſammen⸗ 
men, wie 3. C, in dem Worte ſcheu. Man fchreibe aber 
Schue, ſo wird u umb e, in folcher Stellung nimmermehr 
t Diphthongum abgeben, fo wenig es und eo Depre rta 
nb, obgleich uͤmgekehrt ae unb oe durch 4 unb 9 fid) ein» 
gausiprechenkafen. . : $862 Uns 


88 DIALECTOLOGIÁ . 


Unſer Platt⸗Teutſches uͤ flebet gemeiniglich ba, ve 
Hoch⸗Teutſchen ein eu haben, s. &. Düvel für Teufel: 
folches vorhin; bey diefem Doppel⸗Lauter, (bon mit meh 
Exempeln gezeiget worden. U 

Hingegen verwandelt fid) bas Hoch⸗Teutſche uͤ bet 
gewoͤhnlich in ein oͤ. Z. E. buͤſſen, boͤten; dürfen, bd 
oder droͤven; führen, föhren; glüen, alójen; Düten, I 
den; fion, koͤhn; fügen, Loͤgen; müflen, móten; Ni 
Noͤte; pflügen, plögen; Ruͤbe, ve; fpüren, fpóte 
Thür, Doͤhr; üben, Sven; mürgen, woͤrgen; Zu 
Toͤge 1C, mE ' 

In der gröberen Sprache des gemeinen Mannes 
Syamburg höret man vielfältig ein uͤ an (at i oder fe, 9. 
icf buͤn, du buͤſt, fe fünd, fv wüllt, nuͤmmer, alljuͤmm 
füb, düffe, duͤtt 2c. welche Ausfprache aber durch den € 
brauch des Hoch⸗ Teutſchen fid) allmählig verlieret. 


Das dritte Capittel 
von 


CONSONANTIBVS oder Mit: Lautern. 


lieben: unterfcheidee fih unfere Hamburgiſche, ja feft 
gefammte Nieder⸗Saͤchſiſche Mund-Are, von der Hot 
Zeuefchen darin, bag mir die weichen Mit⸗Lauter, fo voie fieme 
rentheils in der Angel-Sächfifchen und andern Urſprachen b 
finblid) find‘, ungeandert laffen. Dahingegen die Sod) tet 
ſchen diefeg, als ein weſentliches Kennzeichen ihres Idiorisn 
baben, daß bey ihnen die weichen Buchftaben b, d unbv, 9 
meiniglich in p, t unb f ober b, imgleichen die gelinden gurtur: 
les in fchärffere fic) verwandeln, mie foldhes bey einem iede 
Mit⸗Lauter infonderheit wird geroiefen werden. Die vermünft 
gen Herren Ober-Sachfen befcheiden (ic) gern, bag ihre fanl 
Sprache in der Härte gar zu weit gehe, und in ein reines Hod 
Teutſch, bem (ie fonft amnäheften kommen, (ic) nicht einflechte 
müffe. Denn in ihrem Munde lautet Bruder Prudder, Bi 
cher Picher, gütig kittich, bebüten pebitten, giebt nn 
g 





HAMBVRGENSIS. 389 


großginftig kroßkinſtig, geborfantec Diener korſcham⸗ 
mer Tinner ac, | 
| 25. 


De erſte Probe unſerer weicheren Ausſprache giebt ſchon der 
erſte Mit-Lauter b, an deſſen ftat nicht nt in gang Nieder 
Sachſen, ſondern auch in allen Nieder⸗Landen, vornehmlich in 
ben Endungs⸗Syllben be, bel, ben, ber, bet, big, biſch 1c. 
ein v gebraucht wird. — 3, E. abergläubifch, avergloͤviſch; 
bleiben, blyoen ; Diebe, Deeve; arbe, Satve ; Geber, Bes 
wer; Hobel, Hoͤvel; Flebrig, klevrig; Iober, lavet 1c.1c. 

Durch eine, auch bey den Holländern gewöhnliche pros- 
thefin, wird von uns vor den Wörtern oben, innen und auß 
fen ein b gefeger: baven, binnen, buten, bäxerfi, bins 
nerſt, důterſt. u‘ 

C. ch. £4 


Ei" bloſſes c, one b oder P, iff überall, weber in unſerer nod) 
in einiger iet üblichen Mund⸗ Art, ein Teutſcher Buchſtab, 
fonbern eg find nur ausländifche Wörter unb Nahmen, die ba» 
mit gefchrieben und auggefprochen werden. Man ehut aud), 
meines crachteng, beffer, ba man fefbige làffet, wie fie find, als 
daß man (ic burd) Andringung der Teutſchen Buchflaben k unb 
$verun(ta(tet, Esift natuͤrlich: Accord, Cämerey, Cicero, 
Clericaliſch, Concubine Scene, Curtius 1c, hingegen 
ſiehet es grillenmäffig aus, wenn einige (reciben : Akkord, 
A ámniecey Zizero, klerikaliſch, Konkubine, Szene, 
Kurzʒius 1c. | 
Ch finder fid) zwar auch igeinigen Hamburgifchen Wör« 

tern unverändert, 3. &, lachen, fechten „ fycbeln , doch, 
noch, bucbeln, mucblicb 1c. es hat fid) aber unfer Gaumen 
nicht fo ſtarck daran gewehnet, als der Ober⸗Saͤchſiſche. Denn 
an (tat ſolcher adfpiratae brauchen wir meiftens ein k. Z. E. 
machen, maken; Sache, Sake; Hechel, Hekel; ſtechen, 
e Kirche, Karke; nichts, nicks; weichen, wyEen; 





Zeichen, Teeken ; Eochen, kaken; rauchen, roofen ; fluchen, 


ken; Brüche, Broͤke 1c. 
Em | 25 5$ 5 UL 


390 , DIALECTOLOGIA 


Aufein ck enbigen fid) bey uns nicht wenig Wörter, 1G. — 
ſtarck N) Ward / Dreck N Melck dick, Stock Block, 
Pluck, Drunck 1c. unb diejenigen, die dafür ein bloſſes k ge 
ſchrieben haben wollen, führen keinen gnugſamen Beweis. 

Syn der Mitten, wann ein Vocalis folget, wird fein d. 
fondern entweder ein boppefte E gebrauchet, 4. €. bakken, 
dekken, ſtikken, Klokken, ſnukken 1c, oder —— 
wie in Dodge Roggen, Snigge, Bruͤgge, Mu 
Ruͤggen 1c. Golger aber in der nächften Syllbe ein Confo- 
nans, oder ein b, fo bleibet das ck. 9. E. Aranckheit, 

Bon ben Endurgen auf cb und ch, dieungeigen, nd 
von ben Hoch⸗Teutſchen unterfchieden find, wird im folgenden 
Eapietel vorfommen. Vom ſch aber fell unten beym Bud 
ftaben S gefprochen werden, 


D. 


ie allen Mit⸗Lautern ift biefec wol der hauptfächlichfte, 
butd) be(jen Berhärtung oder Verwandlung in ein t bit 
Dber-Sächfifche Mund-Art vonder Nieder-Sächfifchen fd am 
meiften entfernet. Die Wörter find unzehlig, darin fid) diefer 
Unterfchied pervortput. S. E. wann wir fagen: Dag, deep, | 
Difch, Doock, dull; fo fprechen jene: Tag, tí — — | 
Tuch, toll :c, — Ob nun wol unleugbar ift, bag die Herren 
Ober⸗Sachſen, nad) ihrer befondern Landes-Art, in gemeiner 
Rede von bem Hoch-Teutfchen t bisweilen auf ein weiches d 
zurüd fallen, fo daß man bey ihnen vielfältig hoͤret: Dahler, 
Deufel,druchnen, duͤchtig, dühn, u. b. gl. wie denn Luthe- 
rus ſeibſt, an ftat thoͤnen und Trompeten, nach gemeiner Aus⸗ 
ſprache geſetzet hat doͤhnen und Drometen ; fo bleibe benned) 
allerdings die Frage, ob man, in Beſtimmung einer richtigen 
Hoch⸗Teutſchen Orthographie, den ſonderbaren Ruͤck⸗Fall ei 
ner gewiſſen Land⸗Sprache, oder ben ſonſt durchgaͤngigen cha- 
racterem diſtinctiuum dialecti communis, zur Grund⸗Regel 
machen, mithin unden oder unten, dragen oder tragen, 
Deutſch oder Teutſch ſchreiben muͤſſe. Ich uͤberlaſſe die. 
| Gate 





tibi. 


ae um tm 


T 


£N 





AUI 


HAMBVRGENSIS, | 301 


Entfcheidung allen von feiner eigenen SDtunbzXMet eigenommo 
nen Spracdyliebenden Diänner, halte mich auch, als cin Nieder⸗ 
Cafe, eben fo wenig befugt, ben Herren Ober-Sachfen, ohne 
rund, zu (agen, wieman fehreiben müffe, als hinwiederuͤm bie 
Herren Ober-Sachfen (id) befugt halten werben, ihre provincial 
Ausfprache zur Riht-Schnur der Recht -Schreibung des allge 
meinen und geläuterten Hoch-Teutfchen zu machen. 

Wann in der Mitte eines Wortes ein doppeltes d vore 
font, wird folches in Hamburg vielfältig als ein doppeltes t 
—— 3. €. arre Darren, cL i 
Herren, fpatteln , an (fat gnaddern, baboen , Feddeln, 
mibben, hebben, (pabbelrt zc. l 

Geber mitten im Worte ein [ oder n vor bem d ber, fo 
verwandelt fich das b in dag vorhergehende, und wird daffelbe 
verdoppelt. Alfo fprechen wir bullern, Schullern, Kuͤlle, 
fcbellen, ſchillern, fuͤr bulbern, Schulden, Aloe, 
ſchelden, fcbilbern ; imgleidjen Hannen, wennen, finnen, 
Schinner, uͤnner, Wunner, für Handen, wenden, fin» 
den, Scinde, under, Wunder 1c, 

Unſere Bauren machen aus dem 6, wenn es auf ein 18 
folget, ein j, und fprechen für gebunden bunjen, Kinder Kin⸗ 
jet, gerounben vounjen, vom Sande vam Lanje, Gottes Kauff 
Bojes Aoop, bas ift, wolfeil. - 

In etlichen Wörtern (prit ber Bauer das d gar nicht 
aus. Z.E. Fahm für Fadem (Klafter) de Natel infämen, 
für infädemen. Alfe: Vaer, Moer, Broer, Fohr, 
orden 1c, an ftat Bader, 9 tete, Broder, Fohder (Subet), 

" x. | 
Bor den Endungen € unb en it die Auswerffung des 6 
bey uns nicht felten. 2. €. beren für berben (geberden), be 
beetet man (o : erftelletfih nur fo; Ere für Erde; Stee(y) 
für Stede; upſtee (y) ietzo; waren für warden; ole fürolbe; 
bolen für Holden; Eole für folbe xc, 





uch diefen, fo mol einfachen, als doppelten Confonantem 
"* brauchen wir in unferer andes Sprache nicht ſo bauffg als | 
4 | 


392 DIALECTOLOGIA 


bie Hoch-Teutfchen, fondern es findet (ib, (tat deſſen ein v oder 
ein py iebod) mit geroiffem Unterfchiede, fo ba man zur Nach 
eine orthographifche Regel dataus machen Fönnte, zum 
derjenigen, bie nicht wiffen, ob fie Brief ober Brieff, Bei 
oder Beiffen, fehlafen oder (cblaffen zc. fhreiben müffen. 
Nehmlich ann der Nieder-Sachfe ein v brauchet, fo feßet der 
Hody-Teutfchenur eineinfachesf. Z. &. by dave, bey feft; 
Breve, Briefe; Eyven,feifen; Diwel, Teufel c. ift aber in 
unſerer Mund-Are ein p, fo Fomme im Hoch⸗Teutſchen ein ff. 
23. €, apen, offen; flapen, (affe; Deep, tieff; drepen, 
treffen; belpen, helffen; pypen, pfeiffen; ryp/ veiff; Dorp⸗ 
Dorff; lopen, lauffen; Hs Hauffen x. Die Wörter, 
worin der Nieder-Sachfe felbft ein f Dat, oder wo fein v in ein 
Hoch⸗Teutſches b verändert wird, gehören nicht hieher. 


65. 
neerfchiedliche Wörter, bie von gl unb gn anfangen, pflegen 
u das gg abzumerfien. 3. E. I, lyk, loͤven,l 
noog, für Glid, glyk, gloͤven, gluͤkken, gnoog 1c. Wie 
wol hiebey in Betrachtung gezogen werden kann, was von der 
Aphaereſi ſyllabae praeformatiuae ge im 5ten Capittel vor⸗ 
kommen wird. | 
Qn unb En werden in Hamburg am Anfange gerifftt 
Wörter ohne Unterfchied gebrauchet. Alfo fprechen wir gnab⸗ 
bein und Enabbeln, gnarren und Enarren, gnetern unb 
Enetern, gnukken und knukken, gnuppern umb knup⸗ 
pern, gnurren und Enurren 1c, 
© verändert fid) in i, mann wir für wegern fagen 
weiern, fuͤr Cegel⸗Feld Teiel⸗Feld, für gegen jegenzc. 
S 


gem Gebrauche und Veränderungen dieſes Buchſtaben, ir 


(onbetbeit in den Endungen, wird im nächftfolgenden Car 
pittef geſaget werden. 








L. | 
(yn ſich in Wörtern, bie mit EL anfangen, bas I zuweilen inn 
verwandele, fiebet man aus Enappen, Enenlic, Kne⸗ 
pil 





| HAMBVRGENSIS. .393 


; AAnevelappen, Anüppel 1c. conf. Wachter. Glosfar. 
legom. Sect. III. Ob die Nachehmung eines Zungen⸗Feh⸗ 
| biefe Ausfprache gemein gemacht, wie Hr. Gramm bey 
t Worte Enenlich angemerdet, laſſe ich dahin geftellet feyn. 


Pi wf. ph. 

Fift, auffer der Hoch⸗Teutſchen, niche leicht ineiner einzigen 
Europäifhen Sprache. Wir haben e$ gar nicht, fondern 
uchen dafür, fo wol beym Anfange, als in ber Miete und ant 
be eines Wortes, entweder ein einzelnes, oder ein doppel⸗ 
p. Alſo fagen wir für Pfand, Pferd, Pfingften, Pforte, 
mb, Pand, pero, EU porte, Duno ꝛc. für fta» 
t, flopfen, Kupfer, ffappen, Eisppen, Supper ıc, für 
mpl Schimpf, Kopf, Rumpf, Damp, Schimp, epp, 

mp c. | | 
Dom pb willen wir eben fo wenig, weil ſolches gar Fein. 
tefcher, ſondern bloß ein Griechifcher Buchftab iſt. Wir faf 
aber fremd, mag fremd ift, und fehreiben Griechifche Nahmen 
Wörter, wie fie mü(fen gefehrieben werden, 4. E. Philip, 
vficue, Philoſophie 1c. fodarf manure mit Silip, Sifiz 
» unb Silofpfie nicht auslachen. u 
Die Hoch⸗Teutſche Verwandlung unfers p in f iff oben 
m f beruͤhret. | 
eo 


us bem Nieder⸗Laͤndiſchen Dat (id in$ Hamburgifche ein qur 
für ein E eingefchlichen, voiemol nur bey dem einzigen Im- 
fecto beg Verbi Eamen, ba es nehmlich bey einigen Deifjet 
quam, fe quemen, an ftat be Fam, (e kemen. 


98. 


jan auf das t eins folget, und ber Vocalis dunckel ift, (ptes 
chen ee unfere $eute nicht aug, fondern Gerſten beiffet bey 
Gaſten, berften baffen, harſch bafcb, Marſch Maſch, 
hfpiel Kaſpel, durſtig doͤſtig, Moͤrſer Moͤſer, Buͤrſte 
Sfte, Wurſt Wuſt c, Nach einem hellen Laut⸗Buchſta⸗ 
‚aber bleibet bag v in bet Ausſprache. Z. E. Bars, Eers. 
Bb 5 STIL 








| m 
394. DIALECT OLOGIA (| 


Wir haben oben. bemercket, daß ein boppeltes d vi 
mahls in ein boppeítes x verwandelt werde. Bisweilen fehret 
ſichs dm, tmb mic (agen Eaddeln, baes heiſſen follte Earrein, 
b. i, zerferben; maddeln an ſtat marreln, d. i. marteln / Dow — 
ter anthun. | | 

try foe tod rur f fr Mc 
Ne | te ( bet Teutſchen iE in hieſiger Mund⸗ 
D ein einfachest, vot welchem folglich ein heller Selbftstan 
tec ausgeſprochen wird. S. E. fallen, faten; „meten; 
wiſſen, weten; ſtoſſen, ſtoͤten; muͤſſen, moͤten ac. Alſo and. 
am Ende der Wörter, ba es in etlichen ein einfaches, in andern 
eindoppeltest iſt. Z. E. Haß, Hat; Bergeß, Verger; Si | 
Bet; blog, blot; Fuß. Foot; naß, natt; (tip, fritt; 
Schloß, Slott; muf, mutt ıc. Es nehmen (id) aber einige 
Wörter hievon aus; bie in beiden Dialectis ein boppeítes 6 M | 
ben. 3. €. ünderdeffen, blaß, gewiß, gifjen, m 
—— und wenige andere, imgleichen bie Endung auf a 





Ofnif, Begraͤfniß, Bedächtniß, Kenntniß x. 

Es ift faft feine Sprache, in welcher bas f nicht ſollte 
auf zweierley Art, nehmlich entweder hart und ſcharff, oder weich 
und gelinde ausgefprochen werden. Die Hebräer haben gat 
Breierlen f; worunter das T fibillum mollisfimum, fo wie das V 
acutisfimum haben foll, Die Spanier, Franzofen und Hollaͤn⸗ 
. der pflegen ihr weiches [durch die Figur z auszudrücken, wie in 
Azores, Cruzados, douzaine, bizarre, zoo, dezelve &c. wels 
ches von unmiffenden, aud) wol unter den gelahrten, für eit $ 
angefehen, und z. E. &pínosa, Mendoza 1c. ausgefprochen 
wird, Die Teurfchen laffen givar durchgehendg ihr ſebenfalls 
auf zweierley Weiſe durch bie Zähne zifchen ; aber dieſes haben 
unter ihnen die einzigen Nieder⸗Sachſen als mag befonbetef, 
daß fie nicht nur das feharffe, fondern aud) bas weiche ſverdep⸗ 
peín, wiewol nur in Wörtern, bie ihnen eigen (inb; 3. E. bif 
fen, fiffeln, beduͤſſen, nöffeln, muffeln, u.a. m. worin tas f 
gar nit (o, voie in waffen, miffen u. b. gl. fondern mit einem 
fibilo molli & obtufo lautbar wird. Ein einziges Wort haben, 
meines wiſſens, aud) die Ober-Sachfen, nebmlic) Foffeim an 

on at 





HAMBVRGENSIS. 395 


ftat fafeln, tändeln, worin fie nichtein ſcharffes ff, wie in faffen 
(capere) fondern ein weiches zu Gehöre bringen. 
Zu dem ſch haben wir uns in Hamburg, bloß durch 
Nachahmung des Hoch⸗Teutſchen, ſtaͤrcker gewehnet, als es bie 
angebohrne Mund-Art mit fid) bringet. Unfere Borfahren has 
ben an deffen ftat vieles durch ſk ausgefprochen, und im gangen 
Norden, wie auch im Englifchen,find davon guugfame Spuren. 
Zwar höret man nod) zumeilen in Hamburg bask, Tasten, 
aisb, ober, Stelm, Diet, Sieb Miinsben, Croeceben, 
Düdske, u.d.gl. Allein, es ift mebrentbeiló die Sprache der 
Leute, die vom Lande herein fommen; bafingegen bas Städti« 
ſche fub immer mehr umb mehe von feiner urfprünglichen Ge⸗ 
flalt entfernet. Der Sr. Wachter iftaufdas eingeführte ſch 
ſehr übel zu ſprechen. Praeftaret, ſagt er, elementum tam foe- 
dnm, & Etymologiae infeftum, vel draconibus reliquisfe 
omnino , vel parcius vfurpasfe, nec nifi in verbis externis. 
Glofl. Prolegom. p. £3. Ä | 

Wann Wörter oder Syllben von fi, fin, ſn und ſw ans 
fangen, fegen wir ein ch dazwiſchen, wie bie Ober-Sachfen 
hun, fonbern wir fchreiben und ſprechen ſlahn, ſmekken, ſny⸗ 
"ben, (voeren 1c, an (fat fchlagen, ſchmecken, ſchueiden, ſchweren. 
Hingegen geben bie Ober⸗achſen mit ihrer Gaumen⸗Sprache 
fo weit, daß fie nicht allein bent am Ende der Wörter ein ch ate 
ficken, 3. &. Arfch, Barfch, Verſch / Purſch 1c. fondern fo 
gar im fp umb ff ein eingeſchobenes ch hören laflen, ob fie es 
gleich niche fehreiben: 3. E. (potten Elinget in ihrem Munde ” 
wie (Cbpotten, Stein wie Schtein, durftig mie PW o 
Daher aud) bas Huͤbneriſche Stegifter Fuͤrſten unb zerknir 
ten, ale Reim- Wörter unter einander feßet, weil nehmlich in. 
Leipzig das erfte (o ausgefprochen wird, miebas legte. In unſe⸗ 
rex Mund⸗Art geſchiehet folches garnicht. And darin fommen 
‚wir mit den Griechen, als unfern alten Spracdy Berivandten, 
überein, welche ihr 2 niemahls einem andern Mit» Lauter 
vorfügen. | 

Ehen diefer ſtarcke Gebrauch des Gaumen, wermöge 
weſſen die Herren Ober-Sachfen, wie im kateinifchen michi, . 


ENS SN MN 





396 DIALECTOLOGIA 


nichil, magores, alfo im Teutſchen jaͤch, nácbet, hoͤcher, ge⸗ 
ſchach, ec (ado 1c. auszuſprechen gewohnt find, unterſchendet 
ihre Mund⸗Ars vonder unſeren aud) darin, daß fie in ſehr vielen 

rtern unfer (T in ein cbe verwandeln, 5. E. Flaß, Flachs; 
soaffen, wachfen; YOeffel, Bede; Offe, Dye; Voß, 
Fuchs; Buͤſſe, Buͤchſe ec. ꝛc. Und id) halte, wenn für Saſſen 
nicht waͤre Sachſen geſchrieben und geſprochen worden, moͤgte 
vielleicht niemand auf die wunderlichen Ableitungen von faxis, 
Sacis u. b. gl, gekommen, unb des Nahmens wahrer Urſprung 


naͤher gefunden ſeyn. 


ie und wo fid) diefer Buchftab verliere, wird im fünften 
Capittel gefagt werden. | ^ 
Gin überflüffiges € wird in Hamburg gemeiniglich beu 
Endingen en und er angepánget, 9. €. Dat Schryvent, 
BasSchreiben; Weſent maEen, Weſen machen; een dohnt, 
einerley ; Drömert, Träumer; Dummert, Dummer; Ver⸗ 
dohnert, Großthuer. Hieher gehöret auch Deert, Thier. 


. r O5. | 
SH unfer gemeiner Mit⸗Lauter vor den Endungen, wo die 
^ HochTeutichen ein b brauchen. Siehe oben unter lit. B. 


: 3. | 
GE: ift merckwuͤrdig, daß unfere Platt⸗Teutſche Sprache fall 
gar feine eigene bep ung zu Haufe gehörige Wörter hat, die . 
fid) mit einem anfangen, oder enbigen, Denn z. E. zart, Zeche, 
Ziel, Plag, Reis, Schertz und mehr dergleichen, find feine ur- 
fprünglich Nieder-Sächfiiche Wörter. Wir brauchen dafür 
am Anfange entwebereint, z. E. Zahn Tehn, Zelt Celt, Zinn 
Tinn, Zorn Corn, ju to, Zunder Cunberxc, 
oder ein o, infonderheit mann ein vo folget, 3. C. 
Zwerg Dwark, zwingendwingen, Zwillich 

Dwelck :c. | 
iti bet Mitte eindoppele t, Z.E. Katzen atten, fegenferten, 
Zitzen Titten, nügen nütten, ftügen ftütten ic, 
am 





HAMBVRGENSIS. 397 


am Ende mebrentbeils ein einfaches, bisweilen aud) ein doppel⸗ 
- test. Z. E. Schatz Schatt, Hers Hart, Mil 
Mile, Holg Holt, nüg nütt, fur& Fort 2c, 

Hiebey gebe id) erfahrnen Sprach - Lehrern zu reifferer 
Alnterfuchunganbeim, ob, zu einiger richtigen Beftimmung des 
3 unb tz im Hoch⸗Teutſchen, die Abfiche auf den Gebraud) der 
Nieder⸗Sachſen etwas entfcheidendes beyfragen, und man fol« 
genbes etian, als eine Regel, zu Hülffe nehmen fónne: daß, 
100 man im Platt⸗Teutſchen ein tt findet, da werde im Hoch⸗ 
Teutfchen, fo wolinder Mitte, alsam Ende, allemahlein t3 ges 
fchrieben: 3. (E. wetten, wegen; bitten, hitzen; Fetteln, 
kitzeln; Roͤtten, Ratzen; Lett, Netz; Geſett, Geſetz xc. 
wo aber der Nieder⸗Sachſe ein einfaches t hat, da komme zwar 
am Ende qud) ein 8, z.E. Holt, Holtz; olt, Maltz Solt, 
Saltz 1c, in der Mitte aber, wenn unmittelbar ein Mit⸗Lauter 
vorhergehet, werde nur ein blofles 3 gefeget, 3. E. bolten, 
hoͤlzern; föftig, funfjg; (molten, ſchmelzen; Woͤrtel, 
Wurzel; münten, müngen ;. füften, feufjen c. Was im 
übrigen die Wörter anfanget, in welchen wir felber ein 3 ober tz 
haben, imgleichen diejenigen, bie gar nicht Nieder-Sächfifch, 
fondern aus bem Hoch⸗Teutſchen übernommen find, als Klotz, 
Ar, Muͤtze, ftusen, putzen, ic Kanzel, Rrüg,Sweig, 
Prinzen ıc, die werden aud) von uns nad) regelmäffiger Art 
des Hoch⸗Teutſchen gefchrieben, | 
In Hamburg wird manches 3, wann einn vorher geher, 

wie ein 6 ausgefprochen. 3.E. gans, Arans, Swans, 
danffen, Panffen ꝛc. an ftat ganz, Krantz, Swans, 
danzen, Panzen ꝛc. ' | | : 


Das vierte Gapittef | 


von 


| Endungen der Woͤrter. 

| Gy meiften Wörter, die im Hoc) Teutſchen auf ein ch 
ausgehen, enbigen fid) bey uns auf ch, S. €, Dad; 

Dach; Zach, Fack; Blech, lich; Pech, Pi; ich, ids 











XN 1 


398 — — "DIALECTOLOGIA 


brich, bric ; Koch, Kock; $ed, Loch; Buch, Boock; 
Tuch, Doock; aud, oock; gleich, glyck x. 
Drehen hr, Daeslich angefprachen tir. 3. C deg 
* er, da es i a wird, etii 
argerlick; bürgerlich, boͤrgerlick; ˖groͤblich, Mera 
ſterblich, ick ꝛc. | 
| Bon unferer Endung auf (E, ai (fat ſch, iſt im worigen 
Gapittel beym € Erwehnung geſchehen. Gleichwieaber diek 
durch bie allgemeine Annahme der Hoch⸗ Teutſchen Munbd ⸗Art 
allmählig aufs $anb verwiefen wird, unb man in der Stade mdi 
mehrfoviel aif Pe Minſ ken, als aiſche Minſchen ſprechen 
hoͤret, fo duͤrfte ſich and) das ietzterwehnte lick mit ber Zeit be 
quemen, einem Hoch⸗Teutſchen lich Platz su machen, und man 
wird lieber treulich, als truwelick vom Munde geben. 
In ber Endung ig find wir bon ben Hoch⸗ Teutſchen nicht 
unterfchieden. Denn es Deiffet aud) bey uns fleiffig flytig; 
fáumig ſuͤmig; geiig gytzig; tüchtig duͤchtig 2c. | 
Unfere Diminutiua formiren fid) fehr ſelten nad) dem | 
Hoch⸗Teutſchen lein. Man findet zwar Kindelyn für Kind® | 
fein, Roͤſelyn für Röfelein, und wenige dergleichen. Am gemei⸗ 
neften aber machen wir bie Verkleinerung durch Fe und Een, 
wie bie Hoch Teutfchen durch chen. 3. €. Ahlke, aan | 
hen; Trynke, Trienchen; Broͤerken, Bruͤderchen; Huͤſten, 
Häuschen; Koͤppken, Koͤpffchen; Muͤndken, Mündchen; 
Maͤnnken, Maͤnnchen ꝛc. Weil aber die Hollaͤndiſche Mund 
Art mit bee Hamburgiſchen fid) ſehr vermiſchet, unb die Rieder⸗ 
Laͤnder an ftat des E ein) in Verkleinerungen brauchen, ſo ſpre⸗ 
chen viele Hamburger für Hertzchen, Hartſjen; bißchen, bet 
jen; Kindcyen, Rindjen; Kieidchen, Aleedjenzc. Endiget 
fic) bas Wort felbft auf ein nn oder v, fo tritt ein t dazwiſchen. 
3.€. Maͤnnchen, Manntjen; Hühnchen, Hoͤhntjen; 3$ 
terchen, Dochtertjen; Suſannchen, Sanntje; Steinden, 
Steentjen 1c, | 
Wir» eim Hoch⸗Teutſchen auf eff unb effén, auch iß 
und iffen ausgehende Wörter, nad) unferee Mund-Art geſpro⸗ 
chen werben, ift beym [Tim dristen Gapittel erinnere worden. 
Die 








HAMBVRGENSIS, - 399 


Die Endung ſogt lautet in Harburg fos. 3. €. 
Mannſchop/ Fruͤndſcho py Broͤderſchop⸗ A oopmann 
fdoop, Landsmannſchop £n 
Die weiblichen Befdtlechte unb Ampts⸗ oder Zuflandss 
Paper enbigen fid) bey ung, an ftat in, auf ſche. Z.€. menn 
Mann heiffet Brand, CTeumann, Huber ic. fo heiffer die 
Stau de Brandfche, Lieumannfche, Auberfche ıc. alfo 
- für Schufterin, Wahrfagerin, Bettlerinzc- de Schoſterſche, 
Wahrſeggerſche/ Bedlerſche x. 
Vom t paragogico, das an den Endungen uͤberfluͤſſig 
ausgeſprochen wird, ſiehe pag. 396. 
| Den Infinitiuis pflegten unfere Borfahren eine Schlepp⸗ 
libe de anzuhängen, 4. C. to wefende, to ſeggende 1€, fo 
«bet ie$o niche mehr gehoͤret nist. 
| / 


Das fünfte Capittel 


von 


| Verkurtzung der Woꝛrter. 
4 Jie geſchiehet bey ums 





L 
| Per Aphaerefin: am Anfange: 
Ne bet Particula pronominali et (e$) wied, nad) Art der 
Holländer, das e weggelaffen, und dafür im fchreiben ein 
 Apöftrophusgefeget. Z. E. in't Huus: ins Haus; wenn’t 
wahr is: wenn es wahr iſt; "t geit qoot: e$ gehet gutac, 
Die Syllaba praeformatiua tfe wird we 
"2. von allen Praeteritis Verborum: 3.€, dacht für ges 
dacht; lefén fürgelefen; bud fi gefryet; brodbt für 
gebrocht; Funden für gefun 
4. auch von vielen andern Bieten: Fi E. Wand für Ge 
wand; Sellſchop für Sefellfchop ; Richt Sich für 
Gericht Fiſche; noog für genoog; Sund⸗Born für 
Geſund⸗Born ꝛc. Conf.die Anmerckung Dco Dn Granic 
mii bey bem Worte ringe, | 3» 


DIALECTOLOCIA 


Die Braunſchweiger behalten das. ey und toerffenum . 
dasızab, 9. C. efettt fürgefege; egeven fürgegeun; 
enoog für genoog , wie bee Engellänber enough. _ 

Im HochrTenefchen find e$ nur wenige Verba, die in 
Praeteritis.diefe Aphaercfin leideg müffen, 3. €. geſſen 
und gangen: weichesich daher zu kommen glaube, weil 
bieft Verba ohnedem von einem g anfangen, ivorin (i$ 
bat Praeformatiuum gar leicht verſchlucken laͤſſt. Web ' 
wegen denn aud) geben an (tat gegeben in den Unten — 
fchriften ziemlich gemein ift. Wann aber in einigen Cue — 
zelfeyen auch ſchrieben an ftat geſchrieben eingefüfet 
ift, dürfte ſolches ſchwerlich für gut erfanne, unb allge | 
mein gemacht werden. t | 

Das Pronomen perfonale icP, warm e$ hinter bel. : 

Verbo zu ftehen kommet, verlieret in der Ausfprache eines ge | 

meinen Hamburgers. fein í, und wird das blofle cf* bem Verbo - 

angehefftet. Z.E. ſo dohck: fo thue ich; hyr ſtahck: pie 
bs s ; dat will; das will ih ; wat ſchullck: wes 

Eine fonberbare Aphaerefin des w in dem Verbo ick 

will, 6órct man bey eifrigen Verwegerungen, ba man ohne w 

basE verboppelt,umd (pridyt: ickkill nich,an (tat ich willnich, 


| IL 
Per Syncopen, in der Mitte, 
ben Enbdungen lic! und iſch, fómmt das í ſelten zu Ge⸗ 
, & hör, und werden alfo die Wörter gleichfan um eine Syllha 
Fürger gemacht. 2. €, drepelck, moͤgelck, degelck, fürdee 
pelick, moͤgelick, begefif sc. dwalſch, bátfcb, ſchulſch, 
wortichfch, für irofif, dutiſch, huñſch mrudifd x. — 
So aud) in der Endung nifi einiger Subftantiuorum, 
muß (id) Daß i verſchlucken laſſen. J. E. Warms für Warm. | 
niß; ZAenne für Kenniß oder Kennmiß. Myn ole Kennst | 
mein alter ‘Bekannter, Ä 
- Das wird ausgeftoffenausdem Wörtlein als, wie auch 
aus der 2 Perf. Imperfectorum wullſt und ſchullſt. Der 
| | gemeine | 














HAMBVRGENSIS. — ^ 4or 


meine Mann (prit : as Du; as een Suͤlver x. . it. ou 
uff, du ſchuſt — \ | 

Das t verlieret fid) aus den Wörtern 25006rfiantj, 
t Bootsmann; Maſcopey für Maarfchoppen; left für 
(t (quafi fateft) ober letzt. MEE 


IL . 
Per Apocopen, am Ende: 

yn der prima tmb fecunda períona plurali Verborum, 

wann damit gefcaget wird, oder wann fonft das Prono- 
n hinter bem Verbo zu (teen kommt, fälle der Mitlauter 
t Ende des Verbi allezeit weg. Z. E. aus voy gabt, iy 
Xt, jy liggt, voy oobt, jy wullen, jy füno ıc. wird 
der (Stage, und bey SBerfe&ung des Pronominis: gab 1oy? . 
t ſeh jy; ligg jy? fobob voy; voull jy? worfünjy? xc. 

Der Buchſtab 0, von deflen anderweitiger Veränderung 
ip. II. gefagt worden, bleibt infonderheit nad) uri am Ende 
ausgefprochen. Alſo lautet die Copulariua unb gemei« 
Kid nrw un. 9. €, my un 6y; groot un Eleen x. 
fo aud) die Imperfecta Verborum, bie auf und ausgehen, 
! bund, fund, Fund, wund x. faffen ihr d fallen. 
C. ic bun em: id band ihn; be fun war: er fand 
8; fe ſtun un ſnakkede: fie flanb und plaubette ; be 
un up: er wund auf ꝛc. 

Die Syllbe de feheiner fid) zu verlieren in der Endung 
iger Imperfe&orum , 4. €. íc kunn, für ick Eunnde; 
votill, für be wullde; fe brocb, für ſe brochde ꝛc. im- 
ichen be Futuri ick war, für ick warde. Nicht weniger 
unterfchieblichen andern Wörtern, 3. E. (o bra, fin ſo 
ade; Burſta, für Burſtade; allree, für allreede xc. 
lan muß aber metdfen, daß in vielen dergleichen nicht fo wol - 
'ganfe Syllbe de perapocopen abgefchnitten, als vielmehr, 
d) Ausmwerffung des bloffen Buchftaben b, bas übrige per 
iſin zuſammen gezogen wird. Z. E. Wyn⸗Rue, fuͤr Wyn⸗ 
nde; ich fee (n) für ick (cbe; to lee dohn, für to lede xc. 


€ «c Sas 





/ 


hoͤret. 3. C, nich een; nid'e nich; wornich? nid 


E $y zwar fehr viele Zeit⸗Woͤrter, in ihrer Diefigen Abwand | 


barften Tempora herſetzen. 


Indicatiuus. | Coniuné&tiuus. 
Praef. S. Ick buͤn, (Hold ick fün)| Praef. Sing. Ick fy, 
| bu buͤſt, bu ſyſt, 
Bri, _ | be fp... 
—  P.top, jp, fefünb, (bünd).| . — Plur. Wy fon, 
Impeif.Sing. Ick toas, jo fob, 
bu wereſt, fe ſyn. | 
he mas. Imperf. S. Ick were (woͤre) 
- Plur. 109, jy, fe weren. bu wereſt, 
Perf. Sing. Sjdf6üntoeft,(toefen)| — he were. 
- 1€. 1€, | Pl.iwy,in,fe weren(twöceh) 
Fur. S, Ick war | B 27 
bu warſt⸗ fon,Ctvefen) Infinitiuus, 
be fab] — , |Praef. weſen, (fpn). 
Pl. wy) | Perf. weft fpn (toefett ſyn.) | 
jy rtearen(ioacbt) wefen Far. weſen Waren (fon waren) 
t 


402 __ DIAEECTOLOQCIA 


Das t in bem Worte nicht bleibt gemeiniglid) unge | 





wahr? x. Go fprechen auch einige: Dat Dach ich wol | 
für [dv ; fucheln, an ftat fuchteln. 


Das fed)éte Eapittel 
von 
fonderbarer Coniugation 
T NE u 
VERBORVM AVXILIARIVM, 


nad) | 
Hamburgifcher Mund⸗Art. 


lung, vom Hoch⸗Teutſchen (id) mercklich entfernen, fo : 
würde e8 bod) zu weitläufftig fallen, diefelben allhier benjw . 
bringen, Wir wollen es demnach bey den bloffen Hulffe 
Wörtern bewenden faflen, aud) von felbigen nur bie ſonder⸗ 





Ich Bin: 








VB. Von der Ausfprache des waren für warden, twie auch im fol 
genden Verbo des barren für hadden, ſiehe Cap. L lit. » 


4 


* -. 
ui - 


HAMBVRGENSIS, 





403 


II. 


Ich habe: 


raeſ. S. Ick hebbe (hevve, bref), 
du bett 


Pl, oki 


fe Den (heft). 
ap. S. Ick Dabbe.( harr) 





Perf. Ick ebbe hatt. 


Fut. Ick tvarbe (ware) hebben . 
iC. 3C. 
Imperat. hebbe. 
ü hebbet Uy 
Infinit, Pracf. hebben festen) 


bu haddeft (harrſt, baaft) .. Perf. hatt hebben, 
be babbe Chart) | Fut. hebben warden (mars 
Pl. tot) hadden ) ten) 
jn abben | (harren.) 
ſe hadden 
III, | 
Ich will: 


aeſ. Sing. Ick will, 
du ult, 


be will. 
Plur. 1 np mtn (rodiit)| 
^ wuͤllen (mühe) 


nperf. Sing, Ick toull, 
| du touft, 


paf. Syd hebbe ult (willen) 


Infin. Pracf. vollen. 
Perf. wullt hebben. 
Fut. wuͤllen warden. 





he wull. 
Plur. wy, jp, ft nie 


a 
T fpricht in Hamburg ich 


HR 
fall unb ict (cballj ſolen und 


ſchoͤlen: Daß aber das letzte eigentlich in unſerer Spra⸗ 
€ das reote (ty, iff itm Idiotico p. 234 gewieſen worden. 


raeſ. Sing, Se (hal, 
du fchaft; 


Plur.. B (l6 


4 en (fito. 


nperf. Sing. 2d ſchull 
bu fdufty 
e ſchull. 


Perf, 5d hebbe futt (fchölen) 
Fut. Ick warde zolen. 


Infin. Praef. ſchoͤlen. 
Perf. ſchullt hebben. 
Fut. ſchoͤlen warden. 





he 
Plur. wy / ih/ ſe ſchullen. 


OM 


' €«a 





404 DIALECTOLOGIA HAMBVRGENSIS, | 
B : V. i t 


Ich darf: 


P gl ol 68 [8 dröven 6 t bi, 
T Turind te 


Pracf. Sing. Ick t — | Imperf. Je bröoche (bräfte) - 


Perf, be bed | 
Plur. Pd * (roͤvet) * * i ic. " | 
Infinit. droͤven. 


Defondere Abwandelungen ben auch die Verba: MM 
saß, bu geift, hegeit zc, Imperf. is gung, bu gungft, fe | 
gung 2. Ick fegge, Imperf. if febe oder fee (m) Sd 
- Íeope, Imperf. if leep ꝛc. Yd! fate, if leet 2c, Ick füpr, 

ick koͤffde x, mehr dergleichen, die ich aber demjenigen 
überlaffe, der aus diefem bloffen Grumd-Riffe eine vollftän 
digere Diale&ologiam, oder gar eine ordentliche Nieder — 
€ idit Spradrsehee qus arbeiten Luſt hat. 





II. 





8 e Nh — 5145 
11. | 
S. T. Herrn 


‚Hinrich Stiederich Zieglers, 

aupt Prediger in Det Heyde, in Norder⸗Ditmarſchen, 
Sa mmlung | 
einiger Wörter unb Redens⸗Arten, 


die groͤſſtentheils 
mar allein in Ditmarſchen 
gebraͤuchlich ſind. 








«. 
rt: bebeutet unttr andern iel als Fl 
fs mn ttt 


—* allzuſammen, gang unb gar, 

ſcher: ein Naſch, Schachtel: capíula lignes. In Stor⸗ 
marn verftebet man. durch Afcher einen Spaden ober 
Spathen : inftrumentum fosíorum. 
(Idier. Hamb. Puff. voc. Sehr) | 


$88, 
alken : boͤlcken, boare. De Koh ballt: Vacca mugit. 
Man ſagt auch von einem ungeſchliffenen Menſchen: 
He balkt as een Os: er ſchreyet uͤberlaut. 
all: Kluͤ —— Kloͤſſe. Mehl⸗Ball, Fleeſch⸗Ball: 
Mehl⸗Kloͤſſe, Fleiſch⸗Kloͤſſe. Supp un Ball: : eine 
Suppe mit Kiöffen. 
Diefe Redens-Art gab einem gemoiffen Ditmarſcher 
Gelegenheit (id) zu verwundern, als er in den Zeitungen 
(afe, daß ein groſſer König feinen Gäften, an einem 
Bree tage, ein Souper c einen Bal’gegeben Bier. 
3 


406°" IDIOTICON 


Er meinte, (olde Mahlzeit wäre gar zu ſchlecht, für 
einen König: weil der Bauer mit feinen Haus⸗Genoſſen 
‚öfters, niche allein an Feiertagen, fondern aud) an 
Werckeltagen, dergleichen Mahlzeit Dielte, . : 
(Idiot, Hamb. p.8. voc. Ballfen.) 3 | 
25ebe (s): eine Brand⸗Gilde. He is in Peene Bede, 
| oet: bebett keene Bede: er hat (id) in feine Brand⸗ 
Gilde einfchreiben faffen, daraus er fid) feines Schadens 
erholen kann, werm fein Haus im Feuer aufgehet. 
(Hieraus fichet mar, daß Bebe nicht allein de tributo 
imperato , oder dc Collecta precaria, wie im Idiot, Hamb, 
p. ı. fonbert auch de Contributione fpontanca per fym- 
bolas zu verftehen.. conf. Wachter. Glosfar. p. 135.19.) 
bedrabbeln : befhlaffern : von ber Speife, bie man zum 
— bringet, etwas auf die Kleider herab troͤpfeln 
la em. : 

Seien: Beere: baccae. Kasbeien: Kirfhen; Johanns⸗ 
beien:; Johannsbeere; Stichbeien: Stachelbeere. 

beiern: mit der Glocke ein Zeichen geben, daß der Gottes 
Dienft angehen foll, folcher geftalt, daß mit bem Ano, 
pel oder Klöppel nue an bie eine Seite der Glocke geſchla⸗ 
gen wird, iebod) viel geſchwinder hinter einander ber, 
als warın bie BetGlocke gezogen wird, 

(1diot. Hamb. p. 15. voc. bingeln.) 

befchuppen: befchneugen : emungere aliquem. argento, 
vel aliis rebus. E 
betügen : wird von Leuten gefagt, die in Ausrichtung ww 

.. mü$et Händel gefhäfftig find. He betüger oat, 
alias be drifft war uch; er hat allerhand lofe Hr 
del vor. u 

blied : freundlich, aufgeräumt, munter. | 

(Der Holländer fagt bly, blyd: frélid) ; fick verblyden: 
fíd) erfreuen; verblyd zyn: erfrenet ſeyn.) 

Bloch: ein fonft befanntes Wort, iff gu merd'en wegen ber - 
Redens- Art: Block fitten. ^ Wann ein Frauenzim 
mer auf einer Hod)zeit von niemand zum Langen gen 
thiget wird, fo (agt man: fe bett Bloch feten. 


' 25006! 





r 


t, 





DITMARSICVM. . 407 


25006: wird der abgefonderte Theil des Haufes genannt, 
wo das Vieh flebet, und wird in Peer⸗Boos und 
Aob225096, b. i, in den PferdesStallum Aubs 
Stall, abgetheilee. 

— Dort: ift zu merken wegen der Nedens- Are: an Hort 

'  flabn. Wann nehmlich die feute fid) zu einem Leich⸗ 

Begaͤngniß verfammeln (offen, wird mit ber Glocke ein 

Zeichen gegeben, faft.auf die Art, als wann man die 

Bet⸗-Glocke ſchlaͤgt; und bann faget man: et fleie 

ant Sort. u | m 

Breef: eine gerichtliche Citation. Ick will eenen Breef 

nehmen : id) will iemand citiren laſſen. | 
Freede⸗Breef: ein gerichtlicher Befehl, daß der Gegner 
ſich aller Thaͤtlichkeit enthalten (off. 

Brie: Grüge. Bookweten⸗Brie, Barftens Brie : 

Buchweitzen⸗Gruͤtze, Gerften- Grüße, wann fie ges 
kocht it. 

25rummer : Schmeiß⸗Fliege. al. Aas⸗Flege. 

. (it Hamb. Brumm:Slege.) : 
buffen: floflen. item fein Wort zurück ziehen, nicht Bal 

' fen, roa man ber(prod)en, — Wann ein Vater iemanb 
feine Tochter verfpeochen Dat, unb nimmt fein Wort 
zuruͤck; oder, mann ein Schuldner feine Glaͤubiger 
nicht befriediget, fondern bonis cediret, fo fagt man? 
be bufft, Wann auch iemand eiblid) verneinet, etwas 
ſchuldig zu feyn, der in bem Verdachte ift, daß er falfch 
| ſchwere, fo fage man: be bett wegbufft. 

Buͤls: Schläge Du ſchaſt Büls bebben: du ſollſt 
Schläge haben. " bütffén, dorchbuͤlſſen: abprügeln. 

(an forte a pulfu, et pulfare?) 

Buͤlt: die Windeln, in welche man die feinen Kinder wickelt: 
Dat Rind is noch im Buͤlt: Gs ift nod) ein Windel- 
Kind, To Buͤlt un to Buͤr, fagt man zu ben Kin 
dern, mann fie zu ‘Bette geben ſollen. 

(conf, Idiot, Hamb. p.28. 29. voc. Bült ec uno.) ı 


€ca4 . 25üe 





408 IDIOTICON 


25ürfcbop : Bouerſchaft. 
^— Cm Hollaͤndiſchen ift Buur ober Buurman ein Nachbar, 
. unb Buurt ober Buurfchop die Nachbarfchaft ober 
' (haft derer, bie bey einander toobnen. ) 
Buͤſt: im Holfteinifchen Beeſt, oder Beeſt⸗Melck, it 
die ere Milch oon ben Kuͤhen, wann fie gefalbet haben, 
(Id. Hanb, p. 11.) — u 
D 


ae: vortrefflih. Iſt auch Hamburgiſch. 

mt oder 3Debimat : ift eine Land⸗Maſſe in den neum 

eingedeichten Marfih Ländern. In der alten Marſch 
ift bae anb in Morgen abgetheilet. Es gehen ungefähr 
drey Dehmt, oder ein wenig mehr, anf einen Morgen, 

delfchen : leſchen, ausleſchen. Dat Sür delſchen: das 
Feuer auslefchen, j 

dennig, auch Dannig : müde, ſchwach. Ick bin fo dan 
nig : if bin fo müde. He is wat danniger ae fin 
Drober : et ift etwas gröffer und männlicher, als fein 

tiber. 

Rt boppelte Gebraud), (5 wol vom ſchwachen ald 


ard'en, befräfftiget den Urfprung von fotbanig, wovon 
im Idiot. Hamb. p.33.) . 


denfch Iopen : wird von flüchtigen Pferden gefage, wann 

Ä fie durchgehen. 

ibobel : wann die gemeinen feute gern fluchen wollen, und 
fi) doch fchämen, den Teufel zu nennen, fo fagen fie 
Dodel. werbobelt : verteufelt. 

Doden⸗Kopp: ift nur wegen der Nedens-Art zu mercken: 
ben Doden⸗Kopp up ben Dilch fetten. In ber 
Sprache der Rechts⸗Gelehrten ift biefe Redens⸗Art fonft 
befannt, indem bisweilen, bey feierlicher Gibed-eiftung, 
ein Zobten « Kopf zum Schrecken auf den Tiſch gefeger 
wird. Siehe Friede. Gortl. Struven Sammlung und 
rechtliche Erklärung unterfchiedener Teutſcher Wörter, 
u.ff. S.174. Allein in ber Sprache der Ditmars 
ſcher bedeutet fie etwas anders. Wann ein Witwer 

| | wieder 





w-—— 


'DITMARSICVM. 409 


wieder geheirathet hat, umd feiner neuen Frauen von 
Fo oW rs MAD Le alle Dane Ht 

ebe hält, fo fagt man: ettet er e den 
DodensKopp up den Diſch. 

Döfebarteld (om): einer, der fo heruͤmgehet, und entiveder 
aus Dummheit, oder mweil er halb befoffen ift, niche - 
weiß, was er thut. | 

"  (Idior. Hamb. p. 38. voc. döfig.) 

3bótje (en) Doͤtjemoͤdder, ole Doͤtje, find Schimpf- Woͤr⸗ 
ter gemeinet $eute, mit welchen fie einer Frauens Perſon 
ihre Einfalt vorruͤcken. | | 

Draygen: ein Eifen mit dreyen Zacken, welches man brauche, 
einen in den Brummen gefallenen Eimer mieder heraus 
zu filchen : harpago. (I. H. p.39.) . 

Drove: im Holſteiniſchen een See, oder Sey: colum: 
ein hölgern oder kupfern Gefäß, mit Söchern, oder mit 
$einwand unten verbunden, durch welches man die Milch 
. leuffen läffee, üm diefelbe vom Unrath zu reinigen. 
Oroven, doͤrchdroven: durchfeigen: percolare. 
(conf. Id. Hamb, p.241. voc. CeysDatt.) 

Druͤſſel: bie Unter-Schwelle der Thür. — Devern Druͤſſel 
táppen: wird gefage von ben ‘Brauern, die nicht nur 
bey Tonnen, fondern aud) bey Kannen, das Bier 
verfauffen. 


| c, 
Ebenliet: eine Zeit von 24 Stunden, 
fÉibe: Gage: occa. — c^ | 
eiden: eggen: occare.- Dn 
eien : ſtraken: ſtreicheln. Ei em, fagt man zu den klei⸗ 
nen Kindern, bas ift: flveichle ihn, liebkoſe ihm. 
elck: alle, elc een: iedermann, 
(Id. Hamb, p. $3. fin.) EE 
enchen Tieden : zu gewiſſen Zeiten, bisweilen, 
(Auch biefec Ditmarfifche Gebrauch beftátiget ben Ber 
des gewiffen, welchen ich bem Worte enked beygelegt, 
P. $4- 
f£ntet, Knters Saal: ein peeritórig Fuͤllen. 
| Sc5 








- rn 07 Ed u — 
410 IDIOTICON | 


$. 7 
Senne, oder Pfenne: ein mit einem Graben uͤmzogenes 
Stuͤck Landes: wiewol dieß Wort mehr in Eiderftedr, 
als in Ditmarfchen, gebraͤuchlich iſt. 
fitríg: was einen übeln Geruch), wie ein Bock, hat. Mt 
ruͤckt firrig: hircum olet, Man fage aud: «t 
ſuneckt firrig; es ſchmeckt wie Bocks⸗Fleiſch. 
Fitjen⸗ oder Fuͤtſen⸗Teller: der alles wieder nachfaget, | 
toas er gehöret hat. 
Flarre: Sappe. Flirren un flarren; allerley Lumpen. 
flarren: weit abſtehen, flattern. Wird von Kleidern 
gebraucht, bie nicht anſchlieſſen. Daher 
flarrig: flatterig. Et fitt ſo flarrig: es ſtehet zumeit 
ab: es liege nicht gut am Leibe an, 
leuer: Wetter⸗Hahn, Fluͤgel auf Haͤuſern oder Thuͤrmen. 
en: das Maul ziehen, als wenn man weinen will. 
Flir: ein P^ dünnes Cf. Dar is fo dünn «s 
een $lir. 
Floͤrloͤrken: Sommer: Vogel, Zwieẽfalter: papilio. al, 
Foͤrfro (on): Wehemutter, Heb-Amme : obfterrix. | 
Freren: das falte Fieber. He bett dat Freren: ec hat 
das falte Fieber. E 





Em. nd 


©. . 


(Dale: was als eine Rinne ausgehoͤlet if. Wenn 4, €. 
einer mit bem Arme Dart auf der Ecke eines Tifches lie 
get, und der Arm eine hole Stelle bem Tifche eindruͤcket, 

, fo Beiflee biefelbe eine ale, 

gylen: fhlagen. it. bas Defle Korn aus den Yehren for - 
cher aeftalt ausfchlagen, daß man bie Garbe unten mit ' 
beiden Händen anfaffet, umd die Achten auf einen lod 
‚oder groffen Stein fhläge. Dat Peerd gylt achte 
uch : das Pferd [läge Hinten aus, 

gyſeln: tiefen. | 

glinfen: glängen, (deinen. E 

Glipp: 


> 


DITMARSICYM; ^ — 4. 


Blipp: ein Netz, womit man Fiſche (ánget, welches in einen 
22 VASA Rahmen eingefoffct i$, unb einen langen 
tiel bat. 207 





glirrig: ſchluͤpferig. | | Ä 

SGloͤd: alüende offen. Dar is noch keen Glaͤd: ber 

Ä Torf, oder das Holtz ift nod) nicht durchgebrannt. 

gniggern: bedeutet das Gelaut der Pferde, welches fie 
von (id) geben, mann fie hungerig ober durflig find, 
und iemanb in den Stall komme, Ä 

goſt, goͤſt: duͤrre. De Koh is goſt: bie Sub giebt 

keine Milch, 2 

soft maken: eine Kuh, welche fett gemachet werden foll 

durch gewi(fe Mittel in den Stand fegen, daß fie auf 

hoͤret, Milch zu geben. W 

upgoften: im Holſteiniſchen upproͤgen: wird von den 
hen geſagt, wann ſich gegen die Zeit, da ſie kalben 
ſollen, die Milch bey ihnen verlieret. 

(conf. Idiot. Hamb. voc. drög, geeſt, und gůſt.) 
Gott: ifl nur, wegen der Verſicherungs⸗Formel: ſum 
OOtt, das iſt: wahrlich, zu mercken. s. 

(Wie gemein diefed Wort, auch weiter Din ge n Sant Ä 

ift, fo hart ift bec Schwur (um Gott, b,i. (o my (Bott: 

fo wahr mir GDtt helffe.) 2 
Gräft- Beer : heiſſet das Gaft- Mahl, welches nad) der . 

Beerdigung eines Todten -pfleget gehalten zu werden. 
groͤn: jung, Eindifch, unverftändig. Eene gröne Deern: 
ein kindiſch Mädgen. 

(Idiot, Hamb. p. 81.) 


/ 


H. 


Hagen: ein lebendiger 3a 
harken: horchen. u 
Harkers heiffen die müfligen Leute, bie bes Abende heruͤm⸗ 
fihlentern, unb unter ben Senflern lauren, dm etwas ' 

, neues zu hoͤren. | 
da: Heu: foenum. 
E eye 


412 . IDIÓTICON 


Hau⸗Barg : eigentlid) ein Ort, mo man das Shen 
oder verwahret. Hernach heiſſet ein iedes E 
groffen Hausmannes in der Marſch een Hau⸗Barg. 
Web: fadt 
becbttételn ( oy) ? üten : tau * 
ed : im Solfteinifchen : een Schütt : ein Thor vor cine 
Weide oder Koppel. 
(Idiot. Hamb. p. 91.) 
Seers: im Holfteinifchen : vors , ft ein dreyblaͤtterichtes 
Unfraut, welches (id) nicht (eit ausgäten läffer, 





 Yeilter: hen iff nur wegen des Sprichworts zu mercken: 


Eyer eten: er faun nicht ſchweigen. 
(Ein anderes Sprw. in amb. p. 93.) 


bem: ihm m ihn: Dar. und Accul Mit bem: mit 
ihm. bem: burd) ihn. 

hennig: flein, ini sbatís manes bennig Minſch: 
bas ift nur eine Fleine Perfon, 
(vieleicht von behende.) 

Heſſen, it. Huͤſſen: Struͤmpfe. 

Heſter: ein junger Baum. Wird ſonderlich von Eich⸗Baͤu⸗ 
men gebraucht. 


(baher auch bey und Seſter⸗Zolt: einftámmige Balcken 
ober Pfähle, von jungen Eich⸗Baͤumen.) 


- Zeit, oder nei: im Holfteinifhen Waddick oder Waje: 


A 


ferum ladis. 

bóbel : blöde, 

böchlig: hochmuͤthig, ſtoltz. 

Zoͤrkelken: eine junge Ziege, 

(conf. oͤke, p.96.) 

$m, oder Horn: ein Windel in dem Saale, gegen der 
Thuͤre über. — Cyn diefem Windel ſtehet ein hoher vier 
eter, mit Bildhauer⸗Arbeit gezierter Schranck, welcher 

ein Hoͤrn⸗ oder Horn⸗ Schapp genennet wird. Zu- 

naͤchſt an diefem Schrande, gegen der Thür über, fißet 
die Braut an ihrem —8— » age, Und das Deifft : 


De Bruut fitt in de Hoͤrn. 
(Idiot. Hamb. p. 99. a.) boll: 





] DITMARSICVM.. 413 


holl: verſchwiegen. He is fo boll: er offenbaret nichts, 
böchet: laulicht. Dat Beer is bücbelevoatm: das Bier 
ift laulicht. Komme one Zweifel von bücbeln, heu⸗ 
. chen. Wie denn ein Heuchler weder Falt nod) warm it, 
huͤlk: Fein. | 
Zumjuͤkkel: eine Are gang Peiner Fiſche, bie nur einen hal⸗ 
-ben Finger lang find, und auf dem Rüden ein paar 
Stachel Haben. Zum effen taugen fie nicht. Syn Hol 
ftein nenner man fie Stekelgrindken. 
büftben: Din und her bewegen, auf einem Seile hin und 
fahren. Ein folches Seit Deiffet ein Huͤſch⸗ Cau. 
ifl mit beiden Enden am Boden 4 bis 5 Fuß von einan⸗ 
der feft gemacht, und formitet unten, eine Elle von der 
- .. Exde, einen Bogen, worauf man fid) fe&et, und nit 
. beiden Händen an bem Seile feft haͤlt. In Holftein 
nennet man ein fold)es Seil een Schock⸗Keep, und 
das Din» und Derfabren mit dem Seile ſchoͤcken. 
— v nad) Han Mi zi i S nun 
, oder na mburgi usſprache en, 
eine ſolche ſchaukelnde —*2 bebeutet, fo ſiehet matt 
deſto klaͤrer, was es heiſſe, ein Kind huͤſchen, ober inhuͤ⸗ 
y wann nehmlich bie Bauren bie Wiege an Stricke 
| Coen; unb durch blofies anftoffen damit ſchauckeln, uͤm 
durch ice Bewegung bie Kinder in den Schlaf zu bringen, 
Daß alfo büfdben nicht eigentlich bad funfen.oder fäufeln 
mit der Stimme, fondern daß ſchwingende bewegen mit ber 
Wiege, oder auf ben Armen, bebeutet. ) | 


Jit: eine Ziege, Een alvern Jit: ein albern Menfch, 
Jit⸗Buck: ein Ziegen-Bod. 

" (Sin Hamburg fagt man an flatt een alvern "Jítt, een 

. dumme Jürte. Juͤtte aber bedeutet feine Ziege, fondern _ 
4 ein Freſiſcher Weiber⸗Nahme, ber fonft Iohanna heiſſet. 
Daher Paus Futse, Iohanna Papisfa.) — | 
sjaͤkel: Eis- Sapfe. | 
jüden ; im KHolfteinifchen : weden : ausgaͤten. 








T7 v ! —— 
414 ^ .IDIOTICON "E 


Juͤck: Joch: iugum. it. eine Stange, mit welcher zug 
-. Schafe, Ochfen, ober Kühe, zuſammen gefuppelt we» 
den, daß V nicht über bie Gräben fpringen follen. 
juͤrken: auf iegtgedachte Art pnm fuppeín. Se 
gaat ae een Paar jüchte Beeſten, (agt man von 
denen, bie fid) immer zufammen halten, als menn fie 
qu einander gebunden wären. ^ 
jm : wird aud) gebraucht, wann die Holfteiner jy fagen, 
Mil jům bald kamen: wollt ihr bald kommen? 
iem wann fie ju brauchen : dat is voͤr juͤm, an (lat 
bat is vor ju: das ift für euch. 
füfen: mager, was nod) niche gemáftet iſt. Een jüfen 
Swyn : ein mager Schwein. He ſuͤht uth, ode 
be ie ſo mager, as een juſen Swyn: infimae 
plebis floscũlus. | 
S 


Kaje⸗Dyk: ein Eleiner Deich, der aus Noth gemacht wird, 
. satu ein Loch in dem groffen Deiche wieder zugemacht 
. werden foll, bamit die Arbeiter durch die Fluch nidt 
gehindert werden, ihre Arbeit fortzufesen, 
(Eine folche Art aggeris fecundarii fat aud) Horzeiten in 
Hamburg die alte Neu⸗Stadt, oder das Kirchfpiel S. Ni- 
colai. an ber Elbe, von dem Hafen tom Schere an, bis 





zum BroofsThore, gedecket , welche Gegend noch biefe 


Stunde up der, Rajen, und die vom Hopfen Mardie 
’ dahin führende Gaffe de DyP-Strate genennet wird.) 
Falken: im SHolfteinifchen uchwoitten ; die Wände aufs 
neue mit Sal überziehen. ' 
kalkte Väte ; weiffe fteinerne Schuͤſſeln. | 
Kante: Ecke: iff nur wegen der Redens⸗Art zu merden: 


be fetter fich in de Kant: er fteäuber (ib, er feget 


fib zur Wehre. 
- Bantig: wehlig: munter umd ſtarck. 
“ (Idiot. Hamb. P. 108.) 
Bass Avend: Chrift-Abend, oder Weihnache - Abend. 
Siehe Schlesw. Holt. Anzeigen, 1753. 8tes Stud, 
(conf. fup. p. IT f. fq.) v 


katſteilig: wiederſpaͤnſtig. "o Aes 





| 


| 





,"  DITMARSICVM. e 41$ 


Zees⸗Foot: Eine Zufammenkunft der Weiber zum effe 
c qub teincfen, wann eine ſchwangere Frau entbunden iff, 
Kees⸗Foot Deiffet fie mol deswegen, tveil nichts, ale 
Käfe, Brodt und Butter aufgefege wird,  , 
Meiner wenigen Meinung nad), giebt ber Kaͤſe biefem 
inge nicht den Nahmen, fondern. Kees⸗Foot ifl fo ol 
alà Keyes⸗Foot, b. i, Kindes⸗Fuß. Denn in ber Freſi⸗ 
(den. und Holländifchen Land» Sprache fagt man Keyeren 
für Rinder. Zudem heiſſet daffelbe Gelag anderswo in 
Holftein ausdrücdlich Kindes- foot: unb man weiß bie 
Gewohnheit, ba man, infonderheit ben Kindern, einbildes, 
dag Zucker- Werk, oder womit fie fonft bey bec Kind⸗Tauffe 
erfreuet werden, habe bad neugebohrne Kind, ettoan am 
fie, mit zur Welt gebracht. Welcher Scherg denn auch 
ey dem Fauff: Mahle von den Weibern beybehalten 
worden. ) | | n 
Keller: 1. ein ausgemauertes Grab. 
2, dife Milch, 
kellern nen Gal im Worte 
ielleicht die Gallerte mit dieſem Worte mehr Ve 
Coambtfd af als mit dem Franzoͤſiſchen gelte.) d Den 
teefen : weblen, D 
verkeeſen: verwerffen. 
(Id. Hamb. p. 112. fq.) | 
"lamp: ein Steg über einen Graben. 
- Bley: ift wegen der Redens-Art gu meten: be bett Kley 
ünner de Foͤt: er hat viel Sand. te 
klingen: ein Zeichen zum Gogtesdienfte mit einer Fleinen 
' *. QGlode neben. Mit diefer wird ordentlich geláutet, wann 
Ä mie der geoffen Glocke gebeiert ift, conf. beiern. 
kloͤtern (en): Flappern. He is (o mager, dat he kloͤtert; 
et ift. fo mager wie ein Todten-Öerippe, ' 
wegkloͤtern: mit Ungeſtuͤm wegjagen. 
Klood: ein Hauffen: aceruus. Ken Klood Torf’; 
een Riood Hau 1C, | u 
..* Elóbten, Torff kloͤdten: den Torfi, wann et einwenig, 
trocken geworben ift, in gröffere Hauffen ſetzen, daß er 
völlig trocfen werde, 





CESAR 


416 IDIOTICON 


‚Rluntje : ein ſchwerfaͤlliges, langfames, plumpes und unge 
ſchicktes Menſch. 

kluttig: (imer, langſam, traͤge. J 

Kluver, oder Rluver⸗Staken: eine lange Stange, der 
man ſich bedienet, uͤber die Graͤben zu ſpringen. 

(Idiot. Hamb. p. 127.) | 

Knaͤve: Staͤrcke. 

knaͤvig: ſtarck. 
JAobboot : ift ein Kraut, welches im Holſteiniſchen Duub 
oder Duvub genennet wird. Die Ditmarſcher haben 
es ohne Zweifel Roh⸗Doot geheiſſen, weil es den Ki⸗ 
ſchaͤdlich iſ. Wenn fie viel davon freſſen, werden 
te immer magerer, bie Milch verlieret fid), und endlich 
ſterben ſie. 

Roy: Kühe Wird ausgeſprochen wie KReu. 

(Um Hamburg braucht man bie Redens⸗Art: De ſchall 
my myne Roy wol laten: er foll mir nichts anhaben; 
er fol mic) wol feyn laffen, der ich bin. ) 

Roog: ein eingedeichtes Stück Landes, welches die See 
durch ihren zurück gelaffenen Schlamm erhoͤhet, und 
zum guten Acer tüchtig gemachet Dat. 

Röppken : ein hölßernes fánglidt rundes Gefäß, mit mer — 
djem titan die Butter, bie zu Marckte gebracht werden 
fol, in geroiffe gleiche Theile abmiſſet. Gin Koͤppken 
Butter foll. 13 15 halten, | 

Börfch (on) von koͤren: wehlen. De Deern is koͤrſch: 
Fein Freier iſt ihr gerecht ; fie weiß nicht, wen fie 
Haben will. ' 


(conf. kruͤdauiſch pag. 141: Am Hoch-Teutfchen wird 
schwerlich ein einzelnes Wort ſeyn ” bag diefen Begriff 
ausdrücel. Wehleriſch wird oom Spaten gang am 
ders, nehmlich de re. ele&titia, aur arbitraria. erklaͤret, 


im Sprach⸗Schatze - p. 2468.) | 
Brajen, oder Fragen: nötigen zum effet oder trinken, | 
(Idiot. Hamb. p. 137.) 
Atout : Bein bie Fleinen Krebsförmigen Thiere, bie it 
Hamburg Arabben, und inEiderftedt Purren genet» | 


net werden. 
krellen: 





v 


DITMARSICVM; .. 417 


krellen: drehen. Den ZA opp Erellen, wird von hoffärtigen 
Leuten gefagt, die für Thorheit nicht miffen, mie fie den 
Kopff Halten wollen, . 
verPrellen: verbreben. ' 

Aroog: ein mit einem Zaun, Wall oder Graben ümgebenes 
tif Landes, das geweidet oder befäet wird. 
kroͤſchen (es) : ein fteubiges Gelaut von (id) geben, wie bie 

fleinen Kinder, bie noch nicht fprechen koͤnnen. 

(In Hamburg heiffet es kryſchen.) | 

kruͤckhakken: zanden, ſtreien. 

Kruup un Quick: Allerley Vieh, welches ein Hausmann 
auf feiner Hof⸗Staͤte hat. Es werden dieſe Wörter 
bisweilen mit einander verwechſelt, und als fynonyma 
gebraucht. Siehe Ditmarfifches Land⸗Recht, Ar 
tic. 87. p. 83: 84. Doc) fheinet es, wenn man am 
dere Nachrichten zu Rathe ziehet, daß Aruup bag 
gröffere Vieh, als Pferde und Kühe, Quick aber das 
kleinere, als Schafe u. f. f. bedeute. ZEE 
(Quid wird vom Viehe überhaupt, als bad junge vom 

alten unterfchieden in Statut. Hamb, P. II. Tic. Ill. Art. 2. 
conf. Statut. Vet. lit. L. $9. In alten Hamb. Walls 
Ordnungen wird Quick auf den Wällen der Stadt vers 
boten: unb dieſes bet ih Receß de A. 1603. Art. 66. 
alle lebendige Habe. 

Kunkelpypen: eine Art Wücfte, in welche trockene Gruͤtze, 
oder Mehl und Fett geftopfet wird, die nur ein wenig 
geforten, und ſodann aufgebünget werden, bis man fie 
brauchen will, da fie denn allererft veche gefochet werden, 
Anderswo Deiffen fie Umſtekelwuͤrſte, und in Ham⸗ 
burg Kalunen oder Klunen. EE | 


: L. m 
Zamm : ein Fiſch Netz, welches in einem dreyeckichten Ip 
. ten befaflet, und tnit einer langen Stange verſehen ijt. 


$e: Senke. | 
(Idiot. Hamb. p. 150.) 


luchter; finde, Luchter Hand: 
2E . & | um 





-—"— 0. 


418 IDIOTICON 


$.ubberla(cb : dünnes unb haͤutichtes Sleifi) : im Sjet(ici 
nifchen Huderlaſch. E ' 
lunſchen: forſchen. 





HM. “ 7 
Mach: nicht unbändig. Ken mad? peerb : ein got, 
das ſich leichte regieren läffer. | 
(macklick fagt man in Hamburg, für gemacklick: aemády 
"i Deque, fanft: macklick gabn: nid)t zu geſchwinde 
ge ett, . . 


Mark⸗Breef : eine Art eines Ehezarters, eine Verſchrei⸗ 


Murmer: ein Schnellkeulchen von Marmor. 


bung, welche ein Braͤutigam ſeiner Braut giebt, womit 
ſie beweiſen kann, was er ihr verſprochen, oder zum we⸗ 
nigſten, wie groß ihr Braut⸗Schatz geweſen ſey, den ſie 
ihm zugebracht hat. | | 
en ift die gemeine Weide, die der Bauerſchaſt 
gehoͤret. | 
meenmarken, oder meenwarken: gemeine Wege unb 
. Stege mit gefanmter Hand ausbeflern. 
Meent: eine Gerechtigfeie, fid) der gemeinen. Weide qu 
gebrauchen, 
Mehl⸗Buͤdel: ein aus Mehl zubereiteter Ball, fo groß mie 
eines Menfchen Kopf, welcher in einen leinen Beutel 
gethan, und in demfelben gefochee wird, Sonft riemiet 
man ihn aud) einen Budden. 
(bey uns Pudding. Engl, a bag -Pudding.) 
Middehaak: die Thür zwifchendem Haufe und der Boos, 


oder dem Vieh⸗Stalle. 

Moͤcht, Moet : heiffet auch fo viel als Schuld. He bett 
veel Möcht: er har viele Schulden. 

münig: wird von der Grüße und vom Mehle gefagty wann 
es anfängt zus verderben, und einen übeln Gefchmad 
anzunehmen. An andern Orten fagt man muchlich, 

hummig oder drummig. 
Murck: dus Marck: medulla, 


US rs ' 


, DITMARSICYM. ^ ^ 419 


mdi 





— Ty - 


"Tab: Linderung. Bann die Schmergen Dep ber Krancken 


nachlaſſen, ſagt man: he hett Naad kregen. 


\ 


- . $ylft. ich voill dy de Doͤhr nich duͤſtern. 
Natel⸗Penn: Elate- Süß: Nadel-Häusgen. 

— (in Hamh. Natel⸗Poſe, weil man auch eine fele Geber 
— bag brauchen fann.) 


nenken: bisweilen. | 


. Viefttut: das legte Küchlein, dag aus bem Gy fómmt, und 


aus bem Neſte beroorfudft. Das guleGt gebobrne Kind 
heiſſet auch Neſtkuk; unb wer des Morgens am fpä- 
teſten aufitehet, wird ebenfalls Neſtkuk geuannt. 


CUT EORR find bey ung bie Eleinen Kuͤchlein, die noch 


en der Henne unterfried)en, — Merapborice iſt ein Vlefts 
en ein 3ártling , der noch nicht hinterm Dfen hervor 


naben : nahe kommen. Ick will dy nich naken, fagen . 
die feute im Eifer, b. i. ich will die niche kommen. | 


geweſen, unb fid) nod) feinen (aure Wind üm die Ohren - 


wehen lafien. ) 
Ketten: Piffe, Seiche: lotium. In Ketten das feiner» 


Zeug wafchen iff eine Arbeit der geringen oder geißigen : 
teute , welche bie Seiffe entweder nicht fónnen, ‚oder 


wicht wollen bezahlen. _ 


nielck, contra&e nólÉ: fonderlich, wunderlich. Dat ie 


eene nielEe Svu ; das ift eine fonderliche oder wunder⸗ 


fije Stan. - | 


nieclf, quafi nenerlicy, oder lüftern, 3. E. Mir fagen: 
Be is fo nielick in'r tren: er ift fó luͤſtern im effen, er 


(Wir brauchen auch in Hamburg ba$ Wort neylf oder —- 


will immer was anders haben; und weiß felber nicht, was 


er effen will.) 

noͤttlig: ftöffig: De Df is nóttlíg: der Odfe iff ſtoͤſſig. 
Nott, aud) Nuͤtt: Nugen. De A ob bett gode Frote: 
(7 bie Sue giebt viel fette Milch, u 


Oekelſch: ein Stuͤck Leinen, das oben an den Unter⸗Rock 


Qux 


. einer Sranens-Perfon see air, damit er länger werde. 


up 


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— - FETTE 
“ " . 3. 
4 


420 IDIOTICON - 


Skern: haͤuslich, fleiffig. Iſt ohne Zweifel dag Wort aixs- 

, éc , welches Paulus mit unter bie Pflichten der jungen 
Ehe Weiber feger. Tic. IL 5. | 

fen : einen Brunnen reinigen. | 
' 


A 
. N 





Pannen: öffnen: pandere. 
topannen: zumachen, verfperren, 
üppannen? aufmachen. 
Penn: Doͤhr⸗Penn: ein hoͤltzerner Riegel. 
eel: der Haupp Schmuck einer Braut, an ihrem Hochzeit⸗ 
. Sage, welcher aus vergüldetem Leder, und vergülbete 
Pfenningen beflepet : iff noch am etlichen Orten im 
Gebrauche, | 
. geben (y)? Eleben. He bliot bepeken; er kann, wann er 
1n eine Gefeflfchafe koͤmmt, niche wicher wegfinden; er 
vergiſſet das weggehen. | . 
pet ru ein Menfch, der ießfgedachte Unart an - 
. fid) bat. P 
ſi lh Hamb. voc. Dic. p. 185.) | 
Defel (s): ein Zimmer, welches insgemein das hinterſte im 
Haufe ift, und die gange Breite des Haufe einnimmt, 
Weil Fein Ofen darin ift, fo fan es nicht wol anders, 
als im Sommer, gebraucht werden. — In diefem 3im 
mer werden die Hochzeiten gehalten, aud) bie Todten 
‚eingefleidet, und bis zur Beerdigung aufbehalten, 
pu : Junge Enten und Gänfe. Aant⸗Pielken; Gooſe⸗ 
jelfen. — | | 
planc; ein Halb Oeſſel oder Nöffel, 
Prikkel: eine Kröte. 100004 
- puttel: eine Are eines Fifch-Neges; ein Steufen, — 4 
Pult- ineft: ein Schimpf- Wort, bedeutend fb viel al 
: — einen nadte oder armfäligen Kerl. 
putt: Topf, Sad) bem Idiotico Hamburgenfi. heiſſet: 
up'n Dutt gahn verlohren geben , bier aber: zu 
Stuhle gehen: aluum deücere. ] 
€ auch dieſes heiffet e8 in Hamb. proprie, ba8 andere abtr* 
y per allufionem quf dag Wort cepor.). à 


—* 
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Ml: * 7 L - > 


'DITMARSICVM. — 421 
£. 





flm 


Quiddel: ein am feibe aufgelauffener Eleiner Hügel 


(in Hamb. Quaddel ober Quarrel,) . 


quielen: feevern: ben Speichel aus bem Munde lauffen faf 


fen, wie die Fleinen Kinder, 
Quiet: fiche Kruup. 


'. Q&uitsbeeren : bie voten Beeren, mit welchen bie Kramts⸗ 


— ? 


- 
2; 


ur 


vögel gefangen werden, bie man auch fonft Vogel⸗Bee⸗ 

ven nennet. | | 
Quitſch: in Holftein Quek (y), Engliſch quich graſs: 
eine Art Grafes, deſſen Wurgeln fid) weit ausbreiten, 
unb welches nicht leicht auszugäsen ift, 


9. | 


- «Rabbeln : fif bemühen forezufommen. Wenn 3. € ein 


N 


Pferd auf einem Forhigeen Wege tieff hineinfälle, und 
fid). heraushefffen. wit, fo rabbelt Dat Peerd. 
Reggel (7) heiſſet bie Stelle, wo der Kuh⸗Hirte des Mittags 

. bie Kühe zufammen treiber, mann fie_follen gemolden 
| werden. 
repeln (y): von dem aufgezogenen lachte bie Knoten abreif 

fett, indem es durch eiferne Zacken, ‚die auf einem Brete 

befeftiget find, durchgezogen wird. . Ä 
ruelk, aud) vul: fehlecht, elend. He is recht ruelk: er iſt 

veche elend. - 
suffeln : nachfpüren. . 


tofamen ruffeln: zufammen bringen, entweder allerfen,. 


was man gepóret hat, oder aud) Zeug und Geraͤthe. 


upruffeln: aufforfchen. He bett dat all. upruffelt: 
et bat bas. for. aufgefnürer, 


| el⸗Wyver: alte Weiber, die, was fid) zuträgt, aus | 


.— fplten, und denen, die gern etwas neues hören, zutra⸗ 


gen, auch das Gefinde verführen, daß es ihnen bald 
dieſes bald jenes, bec Herrſchaft geböriges, zuſtecket. 


QUT: ein Spathen : inftzumenrum fosfosum. 


Wóficben: Binſen: iunc — -. BEEN 
Roſſche M | $903. — —— , Www 


x . 
E: 207 
n Y 


"ea 






IDIÓTICON . 
gunfcben , afrunſchen: was ſchmutzig gemorben iſt, vri 
machen, fonberlid) wenn e$ in der Geſchwindigkeit go 
ſchehen muß. mE 
| | S. 
Scheren (e): Kuͤh⸗ und Pferde⸗Miſt. | 
Scheren flabn: die in ber Weide liegende Fladen im 
Fruͤhling von einander fchlagen, bamit bas darunter 
befindliche Gras hervorfommen koͤnne. 
feberen : miften : exonerare aluum... Dat Peerd Kann 
nich ſcheren: equus obftrudtione alui laborat. 
cheren (y): abfteffen. Een Peerd ſchert ſcharper ns 
j eene Roh: ein Pferd madyet bie abe able alf 1 
eine Kuh. 
befeberen : Vieh darein jagen. Ick mutt bat Land 
u befcheren : id) muß das Sand mit Viche betreiben. 
upfcheren ? idem. 45e bett to ſtarck upſcharen: « 
bat zuviel Vieh in bie Weide gejaget, B 
Muulſcher: bebentet eigentlich, was dag Vieh mit dem 
Maule abfrifft. Hernach bedeutet es auch bie Gerech⸗ 
tigfeit, bie eine Dorffichaft hat, bie in ihrer Feld⸗Marck 
— fiegenbe unbezäunte Sánberepen, nach der Erridte, 9p 
meinfchaftlich mit Vieh zu betreiben unb abzumeiden. 
ſchotfoͤhren: wird von dem Bau⸗ oder Haupt Knecht ge 
ſagt, welcher in der Erndte vor den andern Arbeitern 
| hergehet, unb mit feinem Grempel fie zur Arbeit anfuͤhret. 
ſchralen: faut fhreien. B 
Schral⸗Hals: bie Gurgel aus einem Gaͤnſe⸗Halſe. it 
ein Schreier, J Ä 
Schrap: Tafıhe. Holt. Erep(n) it. Koͤke (ee). - 
Schrick: ein längfichter Klog mit brepen Beinen. Man 
braucht dergleichen Klöger, wenn man, in Ermange 
fung der Stuͤle, in einer weitläufftigen Gefellfchaft, 
Bände Iq muß, de man ein Brett auf zweene 
oder, drey folcher Kloͤtze legt. nn 
MS NN | Schroͤ⸗ 





x 





DITMARSICVM. . 423 
Schröfel (on): ein $106 mit einem gebogenen Holge,. wie 
ein Fuß⸗Eiſen, welches man den Pferden dm einen Vor⸗ 
ber. Buß feget, um ihnen das lauffen unb fpringen 
zu vermehren, B | 
( Jn Vind —Aã, y Wort von einem eletto 
unbrauchbaren Menſchen. Et í8 een redbte 
, fel: es ift ein jámmerlidyer vertwachfener Evi nene 
Schüffel: Schauffel. ic. Abfchlägige Antwort. — Eenem 
de Schüffel geven: Ginem den Korb geben. 
ſchuͤffeln, afjchüffeln : einem SZreier- abfhlägige Ant⸗ 
- wort geben, - | ZEE 
ſchummeln: ſcheuren, vein machen : mundare, | 
Sekel (5): ein krummes zacichtes Meffer, mit weichem im 
der Marſch das Korn abgefchnitten wird: fecula. 
Selmaand, Silmaand : der September. Siehe Anton 
JDietbene Beichreibung des Landes Ditmarfchen. p. 99. 
Sonſt heiffen überhaupt Selmaandten, wann bas, 
was man im Syerb(te eingefchlachtee und eingeſammelt 
Dat, verzehret, und-die Küche leer iſt. 
(conf. Idiot. Hamb. fellen, upfellen. p.252.) 


Glappfleng: Schteuder: funda — - | 
Sleeten: (inb junge Bäume, bie mehrentheilg‘gefpalten find, 
welche man, an (tat der Bretter, in den Ställen auf die 
Balcken legt, und hernach Heu oder Korn daranf wirfft. 
Tiefen :- lecken : lambere. u 
Slickſleef: ein Herümtreiber. | 
flippen: den Heuken über ben Kopff bangen. Gefchiehee 
noch ieße bey Leich⸗Begaͤngniſſen. 
to flippen bidden: bitten, daß die Frauen mit den Heu⸗ 
fen bey der Seiche erfcheinen mögen. | 
flippte Fruwens: Frauen, die der Leiche mit dem Heu⸗ 
fen folgen. | 
Glucbter: ein Haufen. Een (voten. Sluchter: ein 
groſſer Haufen. | | 
| c $54. elu, | 








np — — — — T? .. u 





424 — IDIOTICON 
eff: alte abgenutzte Schuhe und Pantoffeln. Soll 


rioffen. : dergleichen alte Schuhe oder Pantoffeln mit den 
Fuͤſſen an bet Erde fortſchleppen. 
ffen: in der Geſchwindigkeit ein Stuͤck Zeuges 
uͤber den Leib werffen. 
upſluffen: der Kleider nicht ſchonen, ſie bald verderben, 
( Hams upflóren.) . 
Slukup: im Holfl. Snufup : fingultus. 
Snup: ei furge Zei. "jun Snup: ; in der Geſchwin⸗ 
dig ei, 
ſnuͤplik: plöglich, - 
Snurten : nichtswuͤrd Be Dinge, ige Reben: 
ſnurren: murren, brummen, betteln. eit uth 
to nurren: er gehet heruͤm zu al an fage 
aud) von einer "Sau, warn fie in ber Brunſt it: 
A De Spge ſnurret. 
urrig: kurtzweilig, was ein ſchlechtes Anſchen hat. 
Da (übt man ſnurrig uch, 
Spoͤn (cy): die Zapffen am Kub-Euter. ! 
Spoon⸗Kalv: ein Kalb, das nod) (augen würde, mem 
man es nicht vonder tub genommen Dátte. Gin Kalb, 
| bas noch nicht ein Jahr alt ift. 
Sprallbuus : das Gehänfe in den Aepfeln unb Birnen. . 
“ Sprich: Sprade. He bett Keen Sp: e ſpyricht 
| nicht ein Wort. 
Stack: ein Gehege im ben Garten, es mag aus Bret 
oder Zaun⸗Stecken beſtehen. 
Stakkel: ein elender ſchlechter Menſch. 
| ſtampig ſtarck, — He is ſtaͤmmig: ec ift ſtarck. 
| He geit ſo ſtaͤmmig: ex tritt gerade mit aufgerichte: 
fem E nupte einer. | 
(Hamb. ſtaͤvig, p. 284. und. fframm, p. 293. Mir 


fprechen von einem folchen M 
as wenn pce eenen —— infiaen pa. 


EN P" . . Staps « 





* «4 ! 


DITMARSICVM. |. . 42$ . 
tappen z bie hoͤltzernen Gefäffe, in welche bie Mich, wann 
fie von den Kühen fómmt, gegoflen wird, Holſt. 
Settjens. a 
ppen: treten, gehen. | 
fortftappen: fortgehen. 
StappsSteene: (inb Steine, bie an Forhigten Oertern 
gelegt werden, um der Fußgänger willen. - 
( Das Wort flappen ift bey den Hollaͤndern ſehr gebräuche 
lid), und vermuthlich daher zu ung gefommen. Alfo.fpres 
chen fies Hy ftappt daar na toe: er gefef dahin. Daar - 
‚zullen wy over heen ftappen: dag wollen wir uͤbergehen, 
ober ba wollen wir ung nichts draus machen c 
tohl: Stuhl. Synecdochice der Predig⸗Stuhl, oder die 
Ganzel. Hievon find diefe fonderbare Nedeng-Arten : 
Et fleit up'n Stohl: die Klocke fchläge, da der Pre⸗ 
biger zur Gange Sehe. Et fleit van'm Stohl: die 
Klocke fchläge, da der Prediger von der Canzel geht 
Und weil an einigen Orten noch befonders burd) ein Ges 
làute angezeigee wird, wann der Prediger zur Canzel 
gebt, fo fagt man: Et Elinge up'n Stohl, oder . 
er lider pn Sch. |... -. 
toͤrt⸗Rare: ein Karren mit zweyen Rädern, welcher ge« 
‚brauche wird fonderlich, wann Deiche füllen gemachet 
werden. E 
tremmels: bie Ruthe (penis) von nüchternen Kälbern, 
welche getrocknet, und gebraucht wird, die Milch die 
. oder geronnen zu machen. | Ä 
trend? ein Strid. it. die Nabel-Schnur. Dat Kind 
is ſtrengt: das Kind ift in der Nabel- Schnur vers 
wickelt. EE 2 
troh: ifi wegen der Redens⸗Art zumerden: up't Stroh 
‚den: mit bem Gelaͤute der Klocken anzeigen, daß 
ber Todte eben iet. eingekleidet werde. t. 
trukhoͤvet: ift ein im Waſſer verfertigter geboppeftet. . 
Sun, einige Fuß weit von einander, welcher mit Erde - 
| | $05 E 


* ] 27 M 
Ä , ) n 








426 "IDIOTICON ' 
-  euSgefülfet wird, üm baburd) zu verhuͤten, daß der 
Deich von bem Waſſer niche meggefpület werde, 
Serunken :' Strümpfe, von welchen bie Fuͤſſe abgeſchuit⸗ 
ten ſind. | 
Stuuk: wird vont Buchweigen gebraucht, welcher, wann 
er gemápet iſt, geſtuukt, b, i, in kleine Hauffen get 
wird, üm trocken zu werden. Hernach wird and) von 
einem Eleinen Kinde, oder von einem Eleinen Menfchen 
. . gefage: bat is een lüttjen Stuuk. 
ſuͤlck: (oes. Wo ſuͤlck? ift eine Stage, wann man 
: etwas niche recht verftdnben hat. Wie denn ? 
SuufsSand: ein Sand in Gewaͤſſern, der die Fahr-Zeuge, - 
der was fonft darauf zu (iden kommt, feft anhaͤlt, unb 
. gleichfam immer tiefer einfauget. Mag vielleicht eigents 
Tid) Suug-Sand, b. i; Sauge-Sand, beiffen: 
| Zopff. Eene Haͤne mit eenem Capp : eine Senn 
nid u Feder⸗Buſch auf bent Kopffe br Dot Duet 
bett eenen Capp tip; das Pferd bat einen Zopff auf 
dem Kopffe. 
; (In Hamburg Heiffet e8 Topp. it. Doll, fite p 190.) 
raueln: langfam feyn, nichts fortbringen. 
(Hamb. daueln. f. p. 34.) , 
Cempt: ein Hauffen junge Hüner, fo viel eine Henne aus⸗ 
gebrütet bat. | 
tene: jenfeit, gegen über, am Cube eines langen Tifches, 
"eyben: fid) Rechnung machen, baf etwas zu einer geiviffen 
Zeit gefchehen foll. ann ic my wol barto tyden? 
: $ann id) mid) wol dazu verlaffen ? | 
it: mutbig. | | 
cyrig (conf. teerig p. 304.) 
toͤſen (ex): wegtoͤſen: wegſchleppen. 








war, 


MEME DITMARSICVM, 427 





cowar, twar: zwar, wahrlich. Ja towar: das (ep fem; 
| dazu fol e$ nicht fommen ; ey, waruͤm nicht? Ironice. 
trennen: Deiffet die Arbeit der Weber, wann fie fo viel Fa⸗ 
den, als fie aufziehen wollen, zufammen nehmen, und 
».  felde nad) einer geroi(fen Maffe ausmeffen , die Geri» 
Maſſe Deraué zu bringen, die das Stü feinen has 
— benfot — . u | 
teen, füm truen: wahrlich. 
— fünteln : in einander ſchlingen, $ißen machen. 


Tuͤntel⸗Stoͤkke: die hölgernen Kiöppel, weiche zum 


Litzen⸗ machen gebraucht werden. 
vertuͤntelt: verfchlenget, verwickelt. He is im € 
ane vertüntelt: er fann nicht munter werden. k^ 
bet fic? mit der Deern vertüntelt : ec Dat (id) mit 
fen Mädgen zur Heirath eingelaffen, von welcher ec 
sicht wieder log kommen Fann. 
(Eben dieſes Wort wird aud) in Hamburg alfo gebrauchet, 
|  wnbbrbienet bey p. 317. angemerkt zu werden.) 
tulen: weinen. Aulen un tulen: heulen 115 (reper. 


Tuug: Kroͤte. Dat is een bófé Tuutz: das ift ein bos» 


baftig Menſch. 
 <9amb, Uitze.) 


| 000. —— 
Vattig: ſchmutzig. Se geit fo vattig :- fie gebet (o 
- . fhmusig einber, | 


ver Boden⸗Barg: find vier Pfähle, zroifchen welchen 
ein Verdeck von Stroh fo befejtiget ift, daß «8 in die 


Höhe gefchoben, unb niebergelaffen werden kann; darum- 


ter man Heu oder Korn leget, wenn man in ber Scheuer 
feinen Raum hat, damit es vom Regen nicht verdor⸗ 
ben werde. a | 

( Conf. Idiot, Hamb. p.355 fq.) 


uide: 





m. en Te — '""- 
, H ^ 








428 IDIOTICON : 
Vic: uid, Page: He bett veel uid: et aj s vd 
ausſtehen. | 


(con£, p. 325. ) 
Unnermeel holen: Nachmittags⸗Ruhe alten. Wird ins 
27 erben. von denen gefagt, bie bee € ommeté im Felde 
n. 
uthweidig: wann das Vieh aus ben Weiden laͤufft, und 
nicht darin bleiben will. 
wytweidig: wird von ſolchen feuten geſagt, die weillunſt 
tig werden. 


W. 
Yale? eine Strieme. | 


wandelloͤwiſch: mißtrauiſch. 
wandſchichten: ungefähr. Dan wandfebichten: von 
ungefähr; von hörfagen. 
(Sin Hamburg faget man van wanſchichten, und ich bin 
ber Meinung, daß dieſes bem Urſprunge näher komme. 
Siehe, was von der Particula wan ausfuͤhrlich ange⸗ 
mercket worden bey dem Worte wanſchapen in ldiot 
Hamb. p. 33 1.) 
vede fog: wird von einem Pferde gefagt, wann es nicht 
(ett, aber bod) im Stande ift, daß ein Hausmann e$ 
Ä zur Feld⸗Arbeit gebrauchen kann. 
Weel: ein tieffes Loch, welches bas durch den Deich grito: 
chene. Wafler gemacht har. 
(Bey ung heiſſet es een Drac.) 
Weel⸗Buͤtte: nennet man die Bükte i, bie in ſolchen % 
chern gefangen werden. 
Well: Made. He krigt de wal— er bekommt die 
Oberhand. | 
wellig : ſtarck. 
(Hamb. wehlig. p. 336.) 
qe: Tet muftcla 


DITMARSICVM. .- 429 


pen: ein Ziegel-Dach, an flat des Kaldes, mit Stroß 
dicht machen, wovon man kleine Bündlein zwifchen die 
Ziegel ſteckt. 0a 

(Conf. Idiot. Hamb. p. 340 on 

. wraben: fluchen, böfes wuͤnſchen. 

Wriddel: ein von feinen oder Wollen gemachter auegeſtopff 
ter Krantz, welchen die Weiber auf den Kopff legen, 
wann ſie etwas ſchweres tragen wollen. 

|. (amb. Waͤſeke. p. 334-) 

wroͤkeln (o5) : immer von neuen von einer Suse zu reden 
anfangen, Haͤndel ſuchen. 

Wruck: ein unfreundlicher murriſcher Menſch. 
(conf. p. 348.) 

YOrungele: heiſſet diejenige bidfe Milch, die durch Strem⸗ 
mels oder Libbe dick gemacht wird, wann in der Ge⸗ 
ſchwindigkeit dicke Milch da ſeyn ſoll. 


wupen: "meinen, tie bie kleinen Kinder, 
Wurt : ein erhoͤheter Ort, ba er vom Waſſer nicht üben 
ſchwemmet werden koͤnne. it. ein mit einem Soune oder 


Graben beftiebigtee Pag. it. ein Platz, worauf ein 
Haus geftanden, der aber ic6o zum Adler gebrauchte wird, 
(Conf, Idiot, Hamb, voc. Wörde, p. 345.14.) - 





Wo. di 

$r is een Stück van, unfen Snack: ig d bey mn 

. Deel gefegetz  -- 
Verlicht nich nug / veticot to wéel, Wer maatt et 
| ydem recht? 
Verlicht is dit ook dat nich recht na mynes Nabers 

inn. 

Ick buͤn een Minſch, de feilen kann. wer fübe e 

alles ín? 


ovo. 








439 IDIOT. DITMARS. 


Verlicht fpricht Caro oot een Wort; Wat fcball di 
Binder⸗Spill? 
Zebbt ele Luͤd ſůnſt nicks to dohn? Swyge, tan, 
ſwygt doch ſtill. 
"jc? raad ju, ſtekt ju Pyp in’n Sack, un dudelt nich 
mehr her. 


*jy krygt et mit en Mann to dohn, de ſtaakt ju 
van der Doͤhr. 2l 


ff ohl Precepter geit vörhen: ich kruup man ads 
ter a. 


Buͤn id' ſwack, ſo is Richey doch een karſch un 
defftig Mann. 

un wat He febrifft, wat andre ſchryvt, un Ze fd 
good erkennt, 

Dat is keen döfig Kinder-Spill, bacmít man Cyó 
verfwendt, 

So loop denn Ben, loop ben, myn Book, un lat by 
man ins fehn. 

Góbftou alleen man fpuddig utb; de Sellfebop malt 


by ſchoͤn. 
2.8.3 

















«99  & S6 mr 
— mr | 


MNachricht 
von einem alten und raren 
Nieder⸗Rheiniſchen, | 
Teutſch⸗Lateiniſchen und Eateinifh- Teutſchen 
. Wörter: Buche; 
‚fomme einer daraus. gezogenen 


Anzahl merdwürbiger Wörter. 





S iefes überaus feltene, und faft von allen Hiftoricis Lexi- 
corum übergangene Werck, ift zu Coͤlln durch bew 
Buchdrucker Arnold ter Hornen, im jahre 1475 
gefangen, unb 1477 vollendet worden. Das Format ijf 
folio, bey nahe quadrat. der Druck, auf gefpaltenen Eos 
nnen, mit damahls gebräuchlichen teut(cben, unferer heuti⸗ 
n Mittel-Schwabacher faft ähnlichen fittern, worin eine ges 
iltige Menge Berfürgungen oder Abbreuiaruren vorfonts 
m. Die beym Anfange neuer Haupt⸗Stuͤcke oder Abfäge 
agefaffene Verfalien, voie ſolches ın den allerälteften Druckes 
ven zu gefchehen pflegte (a), find, nebft andern Signaturen, 

t rother arbe hinein gefthrieben. | 

| Mur 


a) Ein gelehrter Sreund wollte ehemahls behaupten, ed fep ex 
foecidli —* Caeſareo, auf —* 8 ms ge 
fchehen, daß bie Buchbrucker zu ben groſſen Anfangs-Huchs 
ſtaben [ebigen Platz laffen muͤſſen, damit fo viele taufenb 
Menfchen in den Klöftern, die mit fchreiben Gelb berbienet, ^ 
nicht auf einmahl nahrlos gemacht wuͤrden, fondern wenig⸗ 

ſtens nod) etwas an den gedruckten Büchern zu thun haͤtten. 
Allein ich weiß nicht, wo ein folches Kaiferliche® Priailegium 
zu finden fep) welches bod) die Möndje befannt gnug zu mus 
chen, unb der belefene Hr. Pat. Leſſer in feiner 1 ypwgraphia^ 
iubilante p. 127. beyzubringen, nicht würden uns 








— ? — 


432 VOCABVLARIVS 


Nur zwey Excmplaria davon habe ich bie Seit meines 
Lebens zu (eben das Glück gehabt, Das eine wird zu Ric, 
in der Academifchen Bibliothek, unter denjenigen Büchern 
verwahret, die aus dem ehemahligen Kloftee und Gymnafio 
zu Bordeeholm, aug welchem die Kielifche Univerfität errichs 
tet worden, dahin gefommen, ‘Das andere war in dem Bi- 
cher⸗Vorrathe unfers weiland grundgelahreen, und dm bof 
Hamburgifche Archiv vorlängft unfterblich verdienten Dürr 
germeifters, Herrn Nicola? Stampeel, I. V. D. welches 
itt nachheriger Auction a. 1750. für 60 33 4%, wie man 
(eat, für unfere Öffentlihe Stadt⸗Bibliothek, angekaufft 
worden. Dem Kielifchen fehleten in der Miete, und bem 
Stampeelifhen am Ende einige Blätter. Don einem Erem⸗ 
plar, das in der Freyherrl. Hammerſteiniſchen Bibliothek 
befindlich (ey (of( , erwehnet Keuffelinus in feinen Com- 
mentat. Hamburgenf. 1750. p.200. Auſſer diefen hat - 
. etd) der fehr verdiente Altdorffifche Profesfor, Hr, Chriftian : 
Gottlieb Schwarz, das Gluͤck gehabt, eines zu bea, 

. . qué 








— —— 


haben. Ich kann auch die Sache nicht recht wol auf die 
Unwiſſenheit ber Form⸗Schneider ſchieben. Glaube olfor 
daß es vornehmen und reichen Liebhabern zu Gefallen geſche⸗ 
ben, welche gewohnt waren, in ihren Büchern bie gro 
Verfalien mit Golde unb koſtbaren Farben hinein m 
gu laffen: dahingegen andere Leute, bie bamit feinen Stat 
machen wollten, nach Beljeben, bie ermehnten Buchflaben | 
fehlechthin mit Rubrique entweder ſelbſt hinzufegen, oder 
auch folche Ubdrucke zu Fauffe friegen funnten, denen fie ſchon 
aufs wolfeilſte beygefüger waren. Wie hoch indeffen bie 
Sunft in dergleichen Buͤcher⸗Zierrathen geftiegen getvefen, | 
nid)t nuc. in dauerhafter Auftragung des Goldes und ber 
atben , fondern auch in der Feinigfeit und Lebhaftigkeit 
et Mahlereyen, welche mehrmahls den gangen Rand ber 
Gite mit bem fchönften Laub⸗ und Rancken⸗Wercke anfüb | 
Ieten : davon können Menfchen-Augen fchtwerlich audbünbi : 
Proben gefehen haben, als (id) in ber ehemahlige 
rencroniſchen Bibliothef befanden, worunter infonbe 
.tity/Codex Horarum (iuter MSS, in 4. num. 12), ber be - 
Wabelle, Erbin von Caftilieg und Leon, Ferdinandi Catho» 


lici Gemahlin, Zand Euch atom, ectannens wurdig war. 


nn 











|| . THEVTHONISTA. 433 | 
. aus welchen der Hr. "Johann Contab Cpoetl, hochver« 


- Dientee Prediger an S. Aegidii in Nürnberg, das Wapen- 
.. Zeichen des Coͤllniſchen Buchdruckers Arnoldi ter Hornen 
‚ angeführer, unb den Fehler Orlandi, der ihn Terbornem 
— ———— hat, in ſeiner netten Introductione in noti- 
tiam Infignium Typographicorum. p.48. Sonſt ich 
, An ben beruͤhmteſten Buͤcher⸗Verzeichniſſen feines beris, 
= aufler in der Bibliocheca Bentefiana; bie a. 1702 in Amſter⸗ 
dam verfauffet. worden. | 
>... Der Berfafler GERHARDVS or SCHVEREN mird 
3t dar betitelt Cancellarius Iluflrisfmi Ducis Cliuenfi; wer 
' aber bie mancherley Bedienungen aus älteren Zeiten fennet, 
"bie diefen Titel gefuͤhret, der wird ibn nicht fo fort aum 
Herzogl. Elevifchen Ganzler machen. Denn mit diefem Nah⸗ 
men verbindet ſich heute zu tage der Begriff eines hoben und 
. wichtigen Ehren-Ampres, bey welchem die mühfame Verfer⸗ 
tigung eines Wörters Buches ſchwerlich (tat. findet, Ich 
- glaube vielmehr, daß der Cancellarius hier nichts mehr als 
einen Canzelley⸗Bedienten fagen wolle, der, als ein guter 
Kloſter⸗Bruder, ben dem damahls regierenden berühmten 
= Joanne I. Bellicofo, zweyten Herzoge zu Cleve, etian Schrei« 
ber auf der Canzelley geweſen, mithin fehr wol gethan, daß 
. € fid) mit einer nöchigen Sprach Runde befaſſet. Denn 
wie ſchickte fid) aud) für einen Kanzler, ber notbmenbig ein 
Gelehrter feyn, und in hohen Collegüs die Stelle des Herrn 
vertreten muß, das niedrige Befenneniß mie hohen Worten: 
- Inter mihi fimiles non grandiusculi dogmatis ftragularos’ 
videlicet clericos pudibunda interrepit ignorantia etc. im- 
‚gleichen die Anrede an feine ungeleprten Miebrüder, vor bem 
gioenten Theile: Audire nunc et-me, confortes michi fra- 
tres mei rudifte, Und beym Schluffe der erften Vorrede 
ſcheeibet er, für einen Canzler, au ehrerbietig an einen ſoge⸗ 
nannten Prepofirum ipfius dni ducis a commentariis ,. wel- 
eher, 100 ich nicht irre, ob er gleid) in dem andern Prologo 
. ein venerabilis doctusque prelatus genennet wird, aufs hoͤchſte 
einen Regiflratorem mag bedeutet haben, der von unferm 


ieſe Arbeis verlanger Dat, 
Sefafre th man ge - 








434 VOCABVLARIVS 
Er theilet fein Werd in zweene Theile Der erſte id 
ein Lexicon Germanico-Latinum, dem giebt er den 
Theuthonifta, tag ift, wie er es verdolmetſchet, Der Duytſch⸗ 
lender. Und diefes ift vielleiche das allererfte Teutſch⸗Latei⸗ 
nifche Wörter-Buch in der Welt, wie drunten mit meam 
erhaͤllen wird. Zum mwenigften muß id) es fo lange dafür ha | 
ten, bis mir iemand ein älteres zum Vorſchein bringen ti 
Er hat darin das Vocabularium Hugwitionis in feine fae 
des⸗Sprache überfeger , und fobann bas Teutſche in. Alpha 
betifcher Ordnung voran geftellet. Der andere Theil ift ein 
Lexicon Latino- Germanicum, da das Latein voran ſtehet. 
Und in diefem liege das befannte Catholicon Ioannis Ianuen- . 
fis zum Grunde, aus welchem er aber vieles, was ihn über 
flüffig gedaucht, ausgemerget, und dagegen, was er für nb 
thiger gehalten, hinein gefihoben Dat. MEE 
Das Teutfche, beffen ec (id) bebienet, und welches er bald 
Theuthonicum, bald Theutonicale, bald Alamanicum ner 
net, ift feine Efevifche Mutter- Sprache. Diefes giebt er felbfl, 
in der Vorrede bes erften Theils, mit.nachfolgenden ausbuͤn⸗ 
digen Worten zu verftchen : Ego quoque fub celtici duca- 
tus cliuenfis, colonienfis dyocefis , emifperio orbicularis 
lucis fumpfı exordia. Ideo natiuam dignificans humum, 
linguagio materno, primo locg alamanice, dcinde latinice, 
id quod occurrit, expresfi. So hod) hatten fid) zwar bir 
Herren nicht verftiegen, daß fie Celtas, Teutones und Ale- 
mannos zu unterfcheiden wuſten; inzwiſchen Dat feine Neder⸗ 
Rheiniſche Mund-Art von allen diefen wircklich etwas, und 
ift ein Gemifche vom Teutſchen und Slämifchen. Eben daruͤm 
aber verdienen die darin befindliche feltene Wörter von Teub 
ſchen Sprach⸗Forſchern eine befto fleiffigeré Bemerckung (b). 
Was er im $ateinifchen und Sriechifchen für ein Held 
geweſen, davon geben ziwar die bald folgenden Vorreden der 
maflen Zeugniß, daß man über bie jämmerliche Da | 
! felbiger 


> (b) Der Auszug, ben ich unten liefern twerde, fann baton Beweib 
geben; -und ich bin felber, in meiner Idiotiſchen Arbeit, vor 
der Nothwendigkeit ber Einficht in dergleichen Mund⸗ Arten 
. sur Gnuͤge uͤberzeuget worden. ^ . 





A MN 


^ 








THEVTHONISTA. 435. 
t Zeiten erffaunen mug ; infonderheit menn. man vom 
n Holtze auf das duͤrre, id) will fagen, von ber Schreib⸗ 
nes Cancellarii, der noch dazu ein Sprach⸗Lehrer ſeyn 
auf den gemeinen Hauffen det dummen Mönche einen 
8 machet. "Denen zu gefallen ,* bie noch eben Feine — 
enten aus ber bieyernen Zeit gelefen, will ich zur Probe 
nfeem Theutonifta ein paar Dugend Vocabula auszeich- 
bie ihnen vielleicht die Stiene aus den Falten rien 
N | 


lare, Ackerbau treiben. | intitulatio, Benennung. 
"ium, Hinter⸗Theil. | labitina, Todten-Bapre. 
ilis, bet bellen fann. linguagium maternum, Mutter 
jilitss, ba$ Vermögen zul Sprache. 

ett. logisma, ein Wort, 
exionalis, zur LeibedsBes| lux orbicularis, dag Licht der - 
ffenheit gebórig. _ Welt. | 

nplamentum, Befrachfung. | machinofitas, Verſchlagenheit. 
itas, guter Anftand. prefentialis, gegentodrtig, 








la, Woͤrtchen. riga, eine Zeile. 

ſodann. ., feanuries, einSchranck, Schatoll. 
(litas, Zerbrechlichkeit. | fenfuofitas, Scharfffinnigfeit. 
; natiua, Vaterland. fuppodiare, unterflügen. 
daſelbſt. | erutannifare , lügen, mentiri. 


eitas , Ducchleuchtigfeit. 


Noch efenber werden bey ipm bie Wörter gehandhabet, 
16 Unglück haben, Giriedbif zu ſeyn. 3. S. 
oneitas, Durchſichtigkeit. | katherifticus, charaBerificus, 


erium, ber Horizont, philaxare, verwahren. 
ifta, ein Briefſteller. | phifonomia, Phpfognomis, 


utileſco, ich nüße, 


‚tbomator) tramifericus, Dalbzfeibett, 
ithoneus | ydcoma, Mund⸗Art. Es 


Auf folche Arc fületen bie damahligen Schul⸗Gelahrten 
Schriften mit Mißgeburten der Sprache an, und da 
n wiederum Bücher nótbig , worin das .neugebacfene 
‚fifche Zeug, an welchen ihnen mehr als am guten Latein 
en war, erfläret würde. Daher fehen die Lateiniſchen 
ter⸗Buͤcher des 15ten Jahr- Hunderte; miekin uch Sex. 
mE Gea —— ONSWM 


phlebotomus. 


* 


..436 |. VOCABVLARIVS 


zweyte Theil unſers vorliegenden, mehr einens Gloflario er- 

minorum fcholafticorum, als einem Lexico latinae lingua 
tid), weil darin das wenige reine fatein von einem Wahl 

barbarifcher Wörter uͤberſchwemmet ift. | 


Das Werck ſelber fánget (i) auf der erſten Cole 
des erſten Theiles mit diefen Worten an: i 
Incipit Vocabularius, qui intitulatur Ceutbonifü, 
. vulgariter dicendo der 3Duytfcblenbet , ea ratione quod 
vermini in capite rigarum a thceuthonico funt inci, 
Edicioque huiusmodi operis completa eft (€) de anno 
domini micccclprv. de menfe Marcij. 


Daranf folget biefe SBorvebe, worin er bie 

bigfeit (eines Unternehmens aus der geoffen Unwiſſenheit feine 
Mirbrüder battQut, als welche von vorkommenden Dingen, 
wie et faget, goat fat vulgarem, aber minime Zatinicalm 

interpretationem. zu geben wüften : IEEE 
Licet eruditi viri prammarice regularis minime fin 
- ignari, tamen imter ipfos ni fallor quidam inueniuntur 
gramma- 








P 


(x) Completa eft de anno 1475 bedeutet hier nicht iff in dem 
^. - Zahre vollendet, fondern ift verfertiget, von dem Fahre 
an zu rechnen , da man nehmlich den Anfang gemacht. 
Denn man muß bie Schluß- Worte am Ende bed. gangen 
Werckes dabey halten, da e8 Deifftt: finita eft fub annis 
1477. Daber ein hochberuͤhmter Mann, ber vielleicht den 
Ctampetlifdyen Codicem in Händen gehabt, unb dag daran 
fehlende Ende mit bem Anfange nicht zufammen halten koͤn⸗ 
nen, durch daß completa ef fid) bewegen laſſen zu gläuben, - 
daß dieſes Wörter Buch zweymahl, nehmlich ohne Rahızen 
des Verfaffers im Jahre 1475 , mit bem wahren Rahmen 
des Urhebers aber im Jahre 1477 zu Coͤlln | 
men. ©. bie freyen Urtheile und Nachrichten. 1746. 
p.224. Wollte iemand meinen, de anno hieſſe bod) ſo viel 
ale in anno, und completa eff verftünde (id) von bem erſten 
Theile, da ˖ der andere zwey Jahre fpäter fertig geworden; 
fo ſehe ich nicht, wie ber Drucker auf ben all en 
fo gar ben Mertz⸗Monat ſchon hat ſetzen koͤnnen, barin kin 
vollendeter erſter Theil dir oe werlaifen Viste. | 








hd 


THEVTHONISTA: ^ ^ 437 


—A——————— 





rammatice poſitiue (d) id eſt terminorum ſignificantie, 
recipue rarorum et inuſitatorum aliquatenus imperiti, 
ly igitur fi quid de Latinicis ignorauerint terminis, 
1 huguicionem , ad papiam (e), 'ad briromem , ad 


Ge 3 braxi- 


—mí 





d) Grammaticam reguldrem unb bofriuam zu unterſcheiden, 


, 
u 


c) 
Gnuͤge befannt ifl, fo muß ich bod) eine befonbere Nachricht 


und darunter formam und materiam einer Sprache zu ver⸗ 
fichen, ift nad) dem Gefchmack der bamabligen Wort Weide - 
heit. Grammatica pofitiua heiffet mit einem Worte ein Lexi- 
con. Wann aber der gute Herr vorgiebt, die Gelehrten 
feiner Zeit wären Grammaticae regularis minime ignari, 
und es fehlete Fan muc an einigen feltenen und ſchweren 
Vocabeln; ; fo fat er recht, baf er fid) von den Gelehrten 


-augfchlieffee, und unter bie fratres rudifas zehlet. Denn’ 


wer mic, als ein gelehrter, fchreibet complexui füt com- 
plexus fum , iniciatus ſum für incepi, ambigueritis für 


“ dubitaueritis, tt, b. gl, bem fehlet es wahrhaftig ander 


Grammatica regulari, 


Db gfeich bieftr Papias aus anbettocitigen Scribenten zur 


von ibm aus einen; Buche anführen, welches fo leicht nies 
mand feinentwegen toitb nachgefchlagen haben. Es ift fels 
biges ein ebenfalls febr altes unb nicht gemeines Lateiniſch⸗ 

Teutſches Wörter Buch, welches zu Nuͤrnberg burd) Pe- 
trum Currificem A. 1483. in 4. gedruckt worden. Darin 
ſtehet (ub lit. P: Papias eft cognomen viri Salemonis, qui 


- ftduit in ciuitate fcilicet Papia, natione aucem Sueuus, 


‚ fecit vocabularium ex poetria. et a loco vbi ftudüit nomi- 


natur vocabularius, Das legte flingt verkehrt, und till 
fagen, bag der Vocabularius von bem Orte, wo der Mann 
flubiret, Papias heiffe, Vir Salemonis bedeutet nicht einen 
Mann, der Salomons Weisheit hat, fondern einen, bec 
vieles ausgefchrieben aud bem Dictionario, welches Salo- 
mon, ein Abt zu S. Gallen, und hernach Bifchof zu Coſtnitz, 
Bunbert Jahre vor Papia terfesfiget, wovon du Fresne in 
Pracf. Glosíar. Lat. $ 42 handelt. Diefes aber iff in ber 


- Pachricht mercfioürbig, und finde ich e$ fonft bey Feinem, - 


bafi Papias von Geburt ein Schwabe geweſen. Alle machen 
ihn zu einem Lombarden, und beziehen fid) auf Touiym, der 
ihn Lombardum nendet, worunter bod) der Wohn⸗Ort 
verfianden werden kann. Daß im übrigen nicht Papiac 


^ Glosfarium felber, fondern nur aus demſelben ausgezogene 


LAST Te 


-*« 


43 





8 ^ — VOCABVLARIVS 





"Bt Wörter: Buch von ein Sere in 
C bea " —— — rares She m einer 
E Nadrich baton ju dienen. Es feblet ue ai ye bad 
Titel⸗Blat; man fehet aber gar leicht, 


ſich die lebte Vorrebe: Demum autoritas inducat Bier | 


" - unb führe bi 


. Explicatipnes: Notarum veterum: vom Putíchio , me 





erf fig, welches in b ! 
librorum, qui faeculo Norimbergae impresfi fur, 

27. betitelt wird: Jodeci Eychmanni de Calma Vocio- 
arius Praedicantium. Denn am Ende bed B ſtehen 


Behtere an | 
eben, ait flat des gewöhnlichen Pfaffens fatein$ , ben 
iod einen ——S——— Pi Denn fo 


1 





annos Haydelberge predicando. quoslibet accuratisfime | 
docuit, | 


cit aber und voͤllige Ausfertigung 
von einem andern herruͤhre. Und biefer et fic aus⸗ 


diuerfimode acceptum — varie theutumfando — exprimens. 


"FPHEVTHONISTA.  . 439 





‚raxilogum-(f) ac demum . ad mare magnum , videlicet 
atholicon remittuntur informandi. " Ipfis velim hoc ne fit 


B €e24- Ä dede- 


ln 





. Pracdicatoribus confolabile. enauiginm , compilatus per 


i T 


venerabilem magiftrum Iobamnem Melber de Gerolczhofen, 
ex Íermonibus auditis et per eundem confcriptis fub vene- 
rando viro Magiftro Todoco Eychmann de Kalw, eximio 
Do&or« ac famofisfimo Verbi Dei Praedicatore in Heidel- 
berga. Sfr eben derfelben Bibliothee wird, laut des vors 
frefflichen Caralogi T. I. Vol. UI. p. 1820. nod) eine ans 


' dere, und zwar Strafburgifche Auflage dieſes ſelbigen Woͤr⸗ 


ter- Buches verwahret, die den. Titel führet: Vocabularius 


Lj 


. Praedicantium , ab, ohne SSepfügung des Jahrs, mit dies 


ſo iſt — ein gebohrner Schwabe, aus der Wuͤrtem 
giſchen 


s 


&m Difticho fid) endet: m 
Hunc nuper librum Knoblouchus rite premebat, 
. Cuius apud Tribotes calchographia viget. | 
Was im übrigen den feeffliden Redner Eychmann anfangef 
er» 
abt Kalwe getocfen, nnb fat uͤms jahr 1480 
gelebet. Trithemius und Gesnerus nennen ihn bloß Iudo- 
cum de Calwe: Dieftg fhun zwar auch Simlerus und Fri- 


fius in Epit. Gesner. bringen aber bod) befonderg einen a 


delberger Todocum Eychmannum zu Marckte, beffen Sch 


ler Io. Melberus au jenes Vocabulario Praedicantium nur 


titt Compendium fol gemacht haben, welches aber aud bem 


. vor Augen liegenden nicht ecfinblid), Dieſer Vocabularius 


findet nunmehro ſchwerlich nod) Prediger, benen ec ein co»- 
Jolabile enauigium ſeyn fónne, Vielmehr dienet er iego bloß 


"gu einem Zeugen bec furß vor der Reformation in Teutſch⸗ 


land noch toaltenbett geoffen Barbaren, wie aud) ber damahe 
ligen Schwäbifchen unb Srändifchen Mund⸗Art, in welcher 
einem Sprach⸗Forſcher mancherlen feltfame Wörter aufftofz 
fen, wovon ein curieufer Auszug zu machen waͤre, wenn có 


der Raum verſtattete. 


£) 


Soll heiffen &rachbyloguzo, fonft genannt breuiloquum. Man 
(abt das Sriechifche x. für ein x an. Der ebem iet erwehnte 
Gólinifd)e Vocabularius von 1483, will deswegen ben vers 
ffirgten Nahmen Xos, ben er unfer lit. x anfuͤhret, nicht 
für richtig halten, fondern man müffe ſchreiben Criflus , 
weil bad x der Griechen im Pateinifchen ein c bedeute. Wie 
£t denn deswegen aud) ſchreibet Catbecimus und catbecu- 

- uenics . 


- * 4 


ao * VOCAMLARÉÉS 3s 


dedecus, -cum, vt —— Bes nemo moctalium [TS 
; qui fingularum tatum terminorum in 

—ãA gerat f ye Rurſum c e: 

mihi fimiles non 'vide- 


licet clericos ——— —— — cum pe 
rumque rerum alis noftris contrapofitarum stique ſat 
vulgarem, fed minime latinicalefn nominum. nouotimus 
interpretacionem, de verbis «quoque id. nobis occum! 
fimile. lorum igitur er meae fübuenire cu 0. 
. dini hec prefens profectó opus compilare 

Nam ficuri prelibat vocabuliflae fimilesque ferme onis | 

fuas co, modo céntexuere paginas, vt fingulos | ab ipís cr | 
“ dinatos pasfim terminos ydeomate Latino a capite fmt. 
iniciati, deinde mox adi dnrerpreracionem corundem oftho- . 














00d c 
. diadinad" 





—ãA fat — 5 Ea rade d | 
gt er, folle man nicht dencken, bafi x i 
ge 6p, Die anni uf son dae 


ausbänbig 
M nicht Me — t aed Bjoctef d —— Dyadıme 
(et, dieitur a 6, 1. e. duo, ct demens, i. e. tol | 
lens: quia duo, fcilicet principium et finem, demenr | 
, - «yn kunglich Rren, ein Dyademe, ein Brone der ip - 
Feit , quae eft ipfemet Deus, carens principio et fine 
Mol getroffen! Wenn aber alled, toas tocher- aod 4 | 
Ende Pat ein diadema ift, (o wird man ja wol dit ° 
Bud, ba$ vorne und hinten efedt ifi, ei ein diadema nennen 
koͤnnen. Noch viele andere dergleichen laͤppiſche Erymolo-* 1 
zien beinget bey biefem Worte zu Macdite der áp Straßburg 
145 in 4. gedruckte Vocabularius breuiloquus, wobey 
bem Leſer wehe und übel werben moͤgte. 


€ ) Aus diefen Worten ift flar zu fchlieffen, bag matt bamahld 
s bn: bie Menge von Mar i Latino-Germanicis, abet nod) 
Germanico-Latinum gehabt, unb alſo dieſer Gerhard 

Ha me der erſte geweſen, brc ein —— 

- tftr/ Bud) zufanimen getragen. Er fagt ed chen fo 

! ich in der Vorrede des andern nem Sheiis : tot commehda- 
biles me preteriere dictionarii, quorum tamea nullus mee 

. , huiuscemodi fantafie confulens fuos indulgere voluerit co- 


natus. etc: Wie ich bentt aud) ned i nisqenbé cie 
Anzeige eines dines — duin. | 





4 


m 


- 


THEVTHONISTA "441 


graphiam continuando conuertant. taque ego tantillus 
a contrario conceptu fequens opus fuis femper in terminis 
a theuthonicali logisma exorfus fum cara&terizare. Nam 
huguicionem (h) veruftisfimum et amplisfimum termi- - 
Óiftam huic operi pene totum interferui, aliosque ctiam 
notos immifcui. Ego quoque fub celtici ducatus cliuenfis, 
colonienfis dyocefis emifperie orbicularis lucis fumpfi 
exordia, Ideo natiuam dignificans humum, linguagio . 
materno, primo loco alamanice, deinde latinice id quod . 
occurrit, expresf. Et vos, mi domine prepofitc ipfius 
dni ducis a commentariis prefencialiter cernitis, per me 
vobis deditisfimum. veftrum votum hac in re fore ad- 
impletum. j 





Der Prologus vor dem andern, nehmlich Lateiniſch⸗ 
Teutſchen Theile, lautet, in ebenmäfliger ſchwuͤlſtigen Arm⸗ 
füligfeit, wie folge: — - | 2E 

Poftquam ob cuiusdam venerabilis doctique prelati 
inftanciam hoc precedens opus, quod CTheuthoniſta, vul- 
“ gariter der Duytfchlender, nuncupatusseuque intitulatur, _ 
co qued inibi conícripti finguli termini in vulgati alama- 
mico primo locentur ordine, compleueram ; mee dehinc 
vifum fucrat ymaginacioni, non minoris fore vtilitatis, 
iftud eciam iam fequens componere opificium, in quo 

" emnes michi occurrentes terminos latinicales e regione 
. primo ordine a rigarum capite iniciarer, fuis vtique vule 
garibus incontinenti fubfequentibus expoficionibus. Qua 
ex re ne culpandus autenticum practerirem didascalum, 

ca propter egregium magiftrum Iohannem Ianuenfem, 
ME | | Ce; com- 


(h) Iſt Papias ein gebohrner Schtwabe geweſen, bett doch ieber? 

- man Lombardum nennet, fo mógfe man dencken, Haguitio 

waͤre auch vielleicht ein Zeutfd)er Saugwitz, bec in Sjtalien 

zu hohen Dingen gekommen, und Bifchof zu Ferrara ges. 

fvorben. Allein bec Nahme diefes Pifanerd Hugo, aus wel⸗ 

chem die Italiaͤner Muccio, Vgutio gemacht, fcheinet wol 
be) den Seuffd)en in Huguitio verooooxdoe qx NS 





44. ' | VOCABVLARIVE  -— 


communi vocabako Catholicon: vocitatum ©, wich T" | 
lucidius in exemplare propofui fpecalum, Quem in. 
fequenti opere a capite in do,ad finem vsque inclufiue 
in fnis (altem terminorum fignificacionibus, re * 
flus, omnimode (um perfecutus. | Fateor tamen | 
| ac propriorum nominum, ' ari dicha inexyli- 
edes. Audiofe me praetermilisfe. —* nichilo minus - 
 «umplurimos alios, per Catholicon intatos, interferuisfe 
“seines. — Ceterum cum quoràndam mouere poterit ani- 
$096, Cür.tantis fruftra, forlan infudauerim laboribus, ex. 
| quo :tot cominendabiles ine preteriere (k) didionarü, . 
E tamen. 5 mee hujuscemodi fancafi e.gonfulens _ 
UOS indulgere uerit conatus. Quibus humiliter refpon- 
deo, et.primo.loco viris edo@is: O vos Jatinitatis the- - 
ee (1), alamanica lumina, nonne notus in voce, igno- 
tus altem quàntum ad theuthonicalem intellectum, p 
rarus aliquando terminus veftro occurrit ftudio ? quanta 
tunc fimpliciorés circa huiusmodi oberrare conicitis cali- 
gine? Vnde.quatenus heccine opaca ab intellectu tollatur 
mubecula , hoc:prefenciale idcirco elaboratum theuthoni- 
eale in medium produco fupplementum, vt dum de ali- 
cuius latinici termini hic comprehenfi theuthonicali ambi- _ 
: tis indagine, qu > * extunc queſito eiusdem termini 
Ein loco Mixta alo habeti ordinem vocabulo, eiusdem 
— termini mox (ab(equentem haurire cheuthonicalem posfitis 
interpretacionem. Audite nunc et me confortes michi | 
Ä fraties 





— * _ : - 
uu -— up 


"Go Er glaubet i im Ernſte, ber Mann habe Catholicon geheiſen. 
Denn am Ende fagt er noch einmabl: ipfe Catholicon. 


[o Son bedeuten praeiuere. 


mU c Wie teeff lid) es aus biefen Lat initats⸗ Buͤchſen tu der 20 
| in Teutſchland gerochen, davon find febr equi e Beweis⸗ 
thümer vorhanden. Schade, baf fülshe alamanıca lufnina 
gröffeften Theils bm Stoff zu den. “ee pburoram vie 
rorum hergeben v muͤſſen. n 





THEVTHONISTA. . — 443 


ftatres mei rudifte (m), . quo ex animo vobis ct. etiam, 
| précedentis operis fuas primo rigarum in ordine theuthe- 
. nicali ydeomate complexuerim. di&iolas. : Nonne ct vos. 
: plerumque latinos legentes codices difficilis crebro. quis- 
piam.cerminus hefrtabundum veftrum fufpendit intellectumꝰ 
. Impericia veftrá defuper negatiuam refpondere fcio recuſat. 
*. Ergo quantopere complexus is vtilefcat, aufcultate, Nam’ 
. vulgaria dum pauca feu plurima recitaueritis, aut recitari 
- audieritis vocabula, illorumque latinicalia ignoräueritis 
'interpretamina, extunc ad hoc precedens opus vos recur- 
— fiue conufrtere nón, dedignemini, vifitetisque theuthoni- 
. calis termini per vos optati fuo in ordine primam ſillabi- 
- cam, ac illibi tunc defiderato theuthonicalr comperto ter- 
5 mino. ocius itidem fui coníequenter vobis latinicalem exe 
planabit dictionem (n). Et fic condlufiue ex fupra didis 
pronuncio, hec vtraque prefencialia opera fui: conceptus" 
aliquantulum  concathenacionis modulum reprefentandia 
nullatenus fore diffeparanda, atquc hoc vnico vocabulo 
fcilicet.. theurhonifta alamanica quoque intetpretácione 
; der- Duytíchlender mincupanda, Nemö quidem . arbitre. . 
tur, quod in hoc vttoque opere, feu ipforum altero, omnes 
quoscumque optauerit, inuenire prefumar terminos, cw» 
a feculo terminiftarum nullus inueniatur, ymmo et t . 
ipfe Catholicon, qui omnibus amplior fuisfe fertur, fingus 
' los necesfarios fuis in codicibus terminos collegisfe, "Ke 
| | J ; latu P" 


illiua — 
— 


: (m) Sind bie Laiens Brüder, oder Fratres ignorantiae, GG, 

E fcheinen die damahligen Schuls Gelahrten in bie Endung“ 

auf iffe fonderlich verliebt geweſen zu ſeyn. Denn, ohne . 

zu wiffen , daß fid) felbige nur zu Griechischen Wörtern 

ſchicket, machten fie auch im Lateinifchen getroſt weg 

. agtiftas, iuriftas,. latiniſtas, legiftas, rabuliftas; rudiftas, 
fummiftas, terminiltas, vocabulifjas. etc. | 


| (2) Im Original ſtehet diſzeionem; woraus fif aber nad 
Erforderung der Umſtaͤnde, ſchwerlich teas andere Buachen 
. Witt, als dickionen - COIT 003 8 8 


f 





\ 





— 


*. 


4n VOCABVLARIVS - 


lau vero didici, quendam ftudiofum (o) fuper ipfum 
Catholicon fpeciale edidisfe (applementum. .Cuius tamen 
fupplementi exemplar ad me vsque nondum peruenit. — 


€ (afe e$ mit ber damahligen Kunſt Latein zu feti 
ben aus. Weil uns aber daran nicht fo viel, als an der 
Mutter-Spraghe unfers Duytichlenders gelegen, fo will ih, 
meiner Haupt⸗Abſicht zu folge, eine Fleine Probe eines Ak 
Cleviſchen oder Flaͤmiſchen Idiotici daraus ziehen, und etwan 
ein hundert fonderbare Wörter nur bloß mit einer Teutſchen 
Erklaͤrung begleiten, in Hoffnung, bafi verflánbige Forſcher 
unferer fo mol Hoch⸗ als Nieder s Teutkchen Sprache unfehl⸗ 
Bar ihren Nutzen damit zu ſchaffen mifjen werden. Wie ich 
denn meines Ortes gern geftebe, bag mie bey manchem 
Samburgifchen Worte dieſer Theuchonilta, in Entdedfung 
des Urſprunges und der Bedeutung, gute Dienfte getan. 





Abe: huͤbſch, fein, it.toifig, | Arnen: zwey fartge ſchmale, aus 

* "^ ug. bem Bauche eines Cite 

Abelheyt: Artigkeit. it. feiner | nes gefchnittene Stud 

' Witz. baer: helle, klar. 

acktentig: adtyig. baermachen: helle, durchſich⸗ 

Adel: ein Sumpf, Pfuhl. ic.| tig machen. 

. eine Schwelle an Händen | baffen: bellen. | 

. oder Fuͤſſen. | bargen : (id) verborgen halten, 
Idiot, Hamb. p. 54. lauren. 

ader: oder. Bargſtede: Schlupfwinckel. 
Id. Hamb. p. £O. Blyd, Blide:Kriegeriſch Werff⸗ 

Adesſe, Eeghdesíe: Eidere. Zeug: balliſta. , 

callen: 


aluwer: einfältig, albern. 





| 





(o) Wer diefer ftudiofus feyn follte, beffett Supplementum Cr 


tholici zum wenigſten fchon A. 1476 müfte heraus grfouv 
—. met fep, bätteich, zum Behuf meiner vom Ioanne Tanuenfi 
hiernaͤchſt folgenden Nachricht, gern toiffen mögen. — Nah⸗ 


mentli 


ift fonft nur der einzige Petrus Aegidius bekannt 


geworden, deſſen Additiones ad Catholicon aber erſt A. 1506 
das Licht geſehen. Jeboch btt Herr de Schueren fat es 


auch nur von hoͤrſagen. 


* 





TMPYTHONISTA. O45 
zm ede. sl mme: Sube, aps 
ꝛ: faul, anbruͤchig. ir. gemma. 

:n: ſeufzen, tecbflagen, | Goere: Maulwurff. 
lick: klaͤglich. i Hantbaich: Arm⸗Band. , 
k: Gebrechen, Fehler. Hardmaynt: bec Jenner: Ian - 
: Gefelle: ſocius. auarius. 
ren: jauchzen, ſchreyen. hyliken: Beate, — 
er. Ä * idel: —8 * 
LH. p.139.fin. — ſignoten: je Lu 
elynck : Kringel: Cra-|ind: und, Sor 
elin. jufta: o UNT 
e: Gau: porca. | gi: Snc 
lelick: verdrießlich. 1 BTR 2005 0 
hr: Gruft: crypta, — | kebbich:-geid): p 
e: Serden. | : ein dünner Oberst 
m oed ftn, tauſchen. Kittel, . ^ 
H. p.29.fin. Kemenadé: Kammer. Fa 
: Hode: tefticulus, Kene: Spalte, od 
ck; Arsbaden. Kerle: Tabbart. 
en: Thiere. kerftenen: taufſn. 
couw'en : wiederfänen. 1 noch ongekerítent ? ? eve 
ren: Keſſel. chumenus, .- - » 
: Schärfe, Schweibe: * nck: T ” 
ies. | en: 20. 314 B 
I. H. p. 52. 2 zh hen: d = 
erft: Antichrifk ' Kıyken: —— 
— Ertz. nele: Zir | 
en: n | kryten: he. - n 
dyen: Venedig. Parier a m 2 
anne: Brat-⸗Pfanne. | Lack: Gebrechen, Mangel; - 
n: Häuslein, Kate. Laide: Cptoffe, | | 
hs ungeftüm. LH. p. 146. | 
ſellſchaft. lantzem: faul, träge, fangfai, 
ı: Gefaut, Latt: Ziegel: tegula. 
n: ſchreyen wie die Di Lebbe: Unter⸗efʒe. 
I: ergeitare. - inn : neni, — 


» QD. 





B 


- LNOCABVLANtYS 








diernaͤchſt habe ich noch dieſes nicht unangemercht laß 
(x fónnen; daß unfer Duytíchlender üt feiner Schreib-Art 
bie Selbft-tauter a und 0, mann fie offen und ba 


forochen werden, mit einem beygefügten i bezeichn | 
Advocait, Advocat; Bair, Bahre; clair, Klar; tat | 


bar; Hair, Haar ıc. alfo aud) Boick, Book; doir, door; 


Brot, groot ; eid flood; hoich⸗ body; Boy, Sw : | 


. A 
22 " 
4 —_- Pr. asm 


| 


4, 
— 3 


* 
Manca: leugnen. ent | 
Lickyp: wynkorpi, Set Merye: t —S - 
- $euff, di. Sand » Geld: Paley: Winde: rrochles: 
amba - polen: taufchen. ” 
Lycklawe: Narbe, , Bar Kreis: circulus: : 
lyen: wandern, Pryfuyn: Mrd : prin. | 
Lobbén: groffe Stocfiche rympen: kuntze mE 
Lorre: Sade, — fynien: 
Los:índe; — — — — |Sybbe: @efchledie,Cipofhaik 
Loenftaff: Aerder-Zuß : ‚po. j tamper: , . 
dium. Tamperheit: sat 
twyt: Bleyweiß. monia. 
kier : verſchneiden: cafirare. Tempfe: Sieb. 
huggich: träge, (angfam, — |tracken: marte, . 
. Luncke: Sieden, Shmutz. | Trys: Binde.. 
luncken: beſudeln. ‚[urysfen: winden. 
luníchen:. ſchmeicheln. ^. Yd. Hamb. p. 4I: 
lupen: lauren. tutteln: tituliren. | 
— Laurer. wael: wol. 
luttick: wenig, | waelgeboreris mo cbohren 
I. H. p. 158. | wederachten : ern 
magina vielleicht. verwerffen. 
164.368. wrympen; ‚das Mauf rümp- 
‚Mäichtael : Sefhlecht, Met |. fen, entweder ſpottsweiſe, 
malck: ein icder, | oder für was 
militie anfl äkig, wuwen: bellen. 





: THEVTHONISTA. a": 


iet Die rade finde, im bas : 
—— Diebe meiden 3. vid 
auszufprechen, 








Beytraͤge p. 40. bas í in biefem Worte wicht wuͤrde ſchlech⸗ 
terdings fir unnuͤtz amd eingefchoben ju erklären haben, 
Mas kann unterdefien näher übereinfommen mit bem Tota - 
der Griechen, weiches in ihrer alten Schrift ein adícripum 
geweſen, in der neueren aber. ein ſubſcriptum g ? 
„Und. wer wird die Beweischümer feugnen, bie. fid) von der 
Echweſterſchaft der Griechiſchen und Teutſchen Sprache 
mehr und mehr aufgeben? >» 0 re, 
Schließlich mänfche ich mit den berühmten $950. Ver⸗ 
faſſern des Schreibens im Hamb. Brief⸗Wechſel der Bes 
'leheten A. 1750. pag. 393. daß der von Maittaire anges 
führte Vocabularius, dictiones Teutonicas Latinis 
nens, . welcher: in Straßburg A. r515. 4. bey Huphuf ges 
druckt worden , von iemand .mögte gegen unfeen Theuto-- 
niftam gehaften werden, üm zu erfahren, ob jener von Dies 
sem. eine neue und vermehrte Auflage fen; woran id) meines 
Ortes zröeifle, weil feit A. 1477 fon eot andere Teutſch⸗ 
fatriniffe Wörter-Bücher ind Mittel gekommen. Ben bite 
fee Gelegenheit werden mir -wolerwehnte HHn. Verfaſſere 
bie Freyheit nicht verübeln, geziemend 38 erinnern, daß Die 
im angeführten Schreiben auf der folgenden Seite einige: 
floffene Nachricht von Georgii Henifchii Thefauro línguae 
et fapientiae Germanicae durchgehende uneichtig fey. Denn 
- 1.) ift diefes ziemlich var gewiordene Buch nicht su Wien, 
fondern zu Augspurg, (mofelbft Henifchius, ein gebohrner 
Ungar, Medicinae Doctor, und am Gymnafio Logiees er 
Mathematices Profesfor war) durch David France gedeude 
worden. 2.) ift es. nicht nur ein Ceutftcb -Kateinifches: 
Woͤrter⸗Buch, dergleichen fonft in Schulen gebräuchlich, : 
ſondern es gehet Hauptfächlich auf bie. Seutfd)e Sprache,“ - 
deren Stamm» Wörter nicht allein pon. ihren fynonyris, -. 
deriuatis, phrafibus, compofitis, epithetis, anticheris un& 
| ” | P | SXSARI-. 





J I 
A 


Á, 


e EE E 


48 : THEVTHONISTA: 
| prouerbiis begleitet, fondern-auch, nebſt der: Sateinifi 
aif, Suis Coe pur | 








. Theil. . | 
Schius, wegen feines 4. (6H ign To 
— 3 














o 8.9 449 

IV. 0 0o 

Ron . _ 
IOANNIS IANVENSIS. 


- A.  CATHOLICO, 


und deflen 


. unterfdiebliden Ausgaben. 


oannes Ianuenfis, ein Staliänifcher Geiftfier, des Domi- 
nicaner= oder Prediger⸗Ordens, lebte im XIII Saeculo, 
ungefähr bis ins Jahr 1298. Er (oll ein greffce Ber 
mögen gehabt, vor angetretenem Mönche-Stande aber alles 
ben Armen gegeben haben. „ Sein eigentlicher Geſchlechts 
Nahme war Ioannes Balbus, oder de Balbis (a); weil: er 
" aber in Genua zu Hauſe gehörete, fo ift ihm daher (b) der 
Zunahme Ianuenfis, oder aud) de Ianua, am gemöhnlichften 

- - gewor⸗ 


“ (a) Daß er in der Bibliotheca Gesneri Simlero-Frifiana Balder _ 

an (tat Balbus gefchrieben, auch überdem daſelbſt, unter vier 

' . Mahmen, von ihm, al8 von vieren, gehandelt worden, fof» . 

bat, nebft mehren, von’andern an ibm begangenen Srt» 

ümern, ſchon angemerdet Hr. D. Diecmann, loc. citand. 

an fónnte dafelbft nod) Querfedium de Patriis illuftr. 

viror. p. 307. und ben ehrlichen Cornelium 4 Beughem 

| bepfügen, ber ihn in feinert incunabulis Typographiae p.24. 

Z2 pos richtig benenmet , Dernad) aber p. 77 mif dem Iacobo 

anuen(i, fonft genannt de Voragine, sufammen fchmelßet, : 

feat ibm aud) die Legendam Sanctorum zueignet. Piel 

eicht ift er durch Cafimsum Oddinum verführee worden, 

welcher in feinem Supplem. de Scriptt. Ecclef. p. $6.1. der 

Meinung ift, bag, weil in MSS. fid) nur L. Ianuenfis ges 

fehrieben befunden, fo fen aus bem bloffen Anfangs: Bucdys 

ftaben bald Iacobus, bald Ioannes, unb alfo aus einem 

Manne zweene gemacht worden. Welcher Irrthum aber 

zur Gnüge mwiederleget worden von Baylc im Dictionaire 

voc. B;lbus Not. (A). | 
^. (b) Genua foll, wie einige meinen, vom Iano, bem uralten Koͤ⸗ 

nige in Italien, ben Nahmen $C" Unfer Ioannes aber 








« 


2 4 


450 . IOANNIS IANVENSIS : 


geworden. Es ift deren eine ziemliche Menge, bie von ihn 
und feinen Schriften Nachricht gegeben. Das meifte un 
noͤthigſte aber findet man beyfammen im Dictionaire de Bayk, 
voc. Balbus, in bet P. P. Iac. Quetif und Iac. Bchard Scri 
ribus Ordinis Praedicatorum T. I. p. 462. und in unſeres 
unfterblichen Io. Alb. Fabricii Biblioth, Lat, med. et infimae 
aetatis, Vol. I. p. 457. mE W 
Sein Woͤrter⸗Buch, wovon wir einzig und allein allhier 
zu handeln haben, ift von ipm betitelt worden Catholicon, 
bas ift, ein Allgemeines, oder Vniuerfal Lexicon, weil bari, 
wie e$ der P. Quetif erfláret, Oxthographia, Prosodia, Gram- 
matica, Rhetorica und Etymologia, als fünf Theile, gufat 
men begriffen find. Der fünfte iff das Vocabularium fefbet, 





und fünfmahl gröffer, als alle übrigen. Allein es ift darin. 


zugleich aud) (old) ein Wuft barbarifcher Wörter, ungeſchid⸗ 
ter Auslegungen, und albernen Ableitungen begriffen, tof 
man über die grobe Unwiſſenheit der bamabfigen Humaniften 
ecftaunen muß. Zwar mag der ehrliche Mann An denen Zei 
ten wol ein groffes Licht unter dem finfteren Hauffen geroefet 
fon: mie ihn denn der Verfaſſer des vorher befehriebenen 
"I beutoniflae feinen autenticum didafcalum et egregium 
magiftrum nennet, in welchen er, zur Nachahmung, als in 
einen hellen und erempfarifchen Spiegel, hinein gefehen: 
aud) mag man feinen Fleiß loben, da er, nad) eigenem Ge 
ftändnifle, ex multis et diuerfis doctorum texturis, per 
multa annorum curricula daran gearbeitet, bis es enblid) 
Nonis Martii, anno Domini MCCLXXXVI. fertig ge 
worden. Daher id) aud) dem Glimpfe des Sm, D. Fabricii 
. | ‚gern 
ibt unter bem Worte Ianua eine andere Urfache an, waruͤm 
enua Ianua, und er babet Ianuenſis heiſſe: A Ianua, port, 





fpricht er, dicta e Ianua quaedam ciuitas potens, nobilis, | 


. pulchra et diues, iuxta mare fita, et eft quafi introitus et 


1 


E 


1 


| 


4 


: 


4 


^ 





porta Lombardiae Tufciae prouinciae, Huius Ciuitatis | 


oriundus fuit compilator prefentis libelli, qui dicitur Proso- 

dia fiue Catbolicon. Und eben daher fommt der lächerlich 

Irrthum des Hrn. de Cafencuve,. der in feinen Origines 
| Frangoifes ben Nahmen Lobannes de Ianua zum Öftern übers 
" (tet. Jean de la Porte, ^ J 


.CATHOLICON. . 4,1 


'geen beypflichte, welcher e$ Lexicon pro illa aetate minime 
contemnendum mennet, Wann aber Mr. Bayle (aget: 
il íauoit le Grec, chofe rare en ce tems la; und 
das Leipzigſche BelehrtensLexicon, wie imgleichen lo. Ad. 
Weber in der Einleit. in die Hiftorie der fat. Spr. p. 352. 
von ihm rühmen, daß er im GBriechifchen und Lateini⸗ 
feben wolerfahren gemwefen, fo gefchiehet ipm gewiß zu viel 
Ehre. — Sym Griechiſchen befennet er felber feine Schwäche, 
«ap. 1 : Hoc difficile eft fcire, et maxime mihi, non bene 
feienti linguam Graecam: und wenn er biefes aud) niche 
feiber fagte, fo erfcheihet es zur Gnuͤge aus ben häuffigen 
Proben, deren id) etliche in der vorhergehenden Abhandlung, 
Not. (f) angeführet, als welche der Vocabularius Praedi- 
cantium aus dem Catholico .gefchöpfet.. Io. Rainoldus in 
Cenſura Apocrypbor. T.1. p. 399. führet, zum Beweiſe 
feiner Unwiſſenheit im Griechifchen, bae Wort Apocrypha an, 
welches er Derleitet von aars und «pics, tanquam de fe- 
cretis, vel, ut alii, procul a iudicio, quod non posfet com- 
mode de his iudicari (c). Querif entfchuldiget zwar feinen 
Drdens- Bruder aufs befte, daß er nebmíid) vom Latein 
nicht allein ba$ gute, fondern voces omnes primae, mediae 
et infimae Latinitatis, in fein Lexicon zufammen fragen 
. wollen; die Griechiſchen Wort⸗Forſchungen aber, kaͤmen nicht 
aus feinem Köcher, fondern er hätte fie theils ausdem Ifidoro, - 
SEM | f2 theils — 








. Cc) Wer an mehren aud dem Catholico felbft aepflüdften Bluͤm⸗ 
lein fic) zuergegen Luft hat, bec fani fie finden in Io. Cunr. 
| A Dieterici Graccia exulante, lo. Zwingert Oratione de Bar- 
barie fuperiorum aliquot feculorum, orta exfupina linguae 
.. Graecae ignoratione, ünd aus diefen in Ad. Rechenbergii" 
Exercitat. de Ineptiis Clericor. Rom. literariis. . Daber 
Det Dietericus und Zwingerus recht mit der Sprache 
beraué: jener fagt yon bem Catholico, «8 fep liber vix 
dignus, qui alicui femidocto, ludimagiftro, femiruftico' 
“ atquc indigno adícribatur; quem fi hodie venum "Nappius: 
exponeret, nemo fit vcl puerorum, quí obolo fibi addici 
velit: und biefer nennet den Verfaffer homincm ctiam 
. quouis Arabe barbaro barbariorem , cuius fterquilinia tum 
. X euoluebantur, canccllabantur, glasfabauın. 


* 
, Y 





‚ Rechnung jn fdyreiben habe ; Die Erflärungeir aber: gehöre 


un 


453 IOANNIS IANVENSIS 


REP RAI 
et. gern 
—— — die er im Gebrauch⸗ vorgefunden, nicht auf feme 


am. 





fo vor’ 












— MR Dat atein mehrencheils fo elend, daß e$. 

* einen Sprach⸗Lehrer nicht ſchlechter ſeyn fatis. * 
fat Frater Ioannes das Gluͤck gehabt, bag fein Carboé. 

icon f fange Zeit fee vor vorzüglich gemacht, indem es nicht 
t oft abgefchrieben , fondern bey erfunbene 
Date eoe alor Wörter-Büchern nenne 
"rerften, wenigftens ſechs und zwanzig mahl, ster die vef 
geleget worden. Man -hat es bald vermehret, bald win, 
Fürget, tmb faft alle andere Vocabularii, Variloqui, Brachy- 
logi, cem — und rites pd J. 
cherten ſich mit Schaͤtzen: ſo daß man 
"tit Recht ben Groß · Vater alle Schul-Tröfter nenuen kann 
bis an ben Eintritt des ſechszehenden Jahr» Hunderts, bd: 


endlich mit Perotto, Calepino und andern eine Beffete Lexico« 


graphia durchgebrochen, und jenes abgefchmackte d intet 


, bas alte Eifen geratpen, 


Nunmehro Debet man das Catholicon bloß als eine 


| Seltenheit in Bibliotheken auf: Yoie es denn wirffich, ber 


vielen Abftheiften umb Auflagen ungeachtet, fee wenig vor 
kommt. Der groffe Criticus Chr. Daumius- hat e$ nimmer 


koͤnnen zu ſehen Friegen, mie er felbft geftehet in Epifl. ad. 


Reinefium pag. 254. Eben fo wenig mag e$ Olaus Bor- 


. richius recht gekannt haben, ba er erſt vom Catholico ur- 


pa 
unis geworden Fun, wenn er ge e fpäter gelebet 


. theilet, und gleich daranf aget, daß et Ioannem de Ianua 


übergehen wolle, in Append. ad Analecta de Lexicis Lat. 
et Gr. p.42. "Mich, Maittaire hat tutt drey editiones davon - 


engefübret, in feinen Annalibus Typogr. T.I. Dem cu- 
 rieufen Italianer Angelico Aprofio find mue amo bekaunt 


geworden, unb er Dat demjenigen Dand miffen wollen, bet. 
ihm mebre anzeigen Fönnte, in Biblioth. Aprof. edit. Wolf. 
g. 217. Diefen Dand.aber würde er mehr aß einem 


Kae, 


bo] 


CATHOLICON 453 


- Bätte. Denn e$ haben nachhero , auſſer den Quetif. unb 
. Fabricio, zweene groſſe Bücher-Kenner in unferer Nachbar: 
ſchaft von dem Garholico befonbete eine ſchoͤne und ziemlich 
vollſtaͤndige Nachricht gegeben, nehmlich der weiland Hoch⸗ 
würdige Hr. D. Io. Diecmannus, inSpecimine Glosfarii MS. 
‚Rabani Mauri, p. 3 fq. und der üm die gelehree fo wol als 
vaterlaͤndiſche Gefchichte rühmlichft verdienende Hr. P.-Io. 
- Vogtius, in Catalogo hift. cric. libror. rar. ed.1738.p.179 ſq. 
' Diecmanni Nachricht bat der Säl. Fabricius von Wort zu 
Wort wiederholet in Vol. III. Biblioth. Lat. pag. 670 íeq. 
— t*yebennod) weil nod) immer einigen Gelehrten ein mehrer 
Beytrag, entweder zur genaueren Kenntniß der erften ge« 
druckten ‘Bücher, oder zur Hiftoria Lexicorum , nicht unge 
legen fälle, (o boffe id) feinem Undanck zu verdienen, wenn 
id) alle Ausgaben eines nunmehro fo feltenen Werckes, die 
mir nicht aus fchlechten Caralogis, fondern zuverläffig bes 
aunt geworben, in ein richtiges und ordentliches Verzeichniß 
2e bec 4 unb einer ieden zur Bewaͤhrung benfüge, wo id) fie. 


- Daß (fon im Jahre 1456 zu Venedig das Catholicon 
heraus gekommen ſeyn folle, wie Borrichius am angeführten 
Orte vorgiebe, ſolches iff unerfinblid) : weil damahls die 

- Schrift» Gieſſerey aufferhalb Mains noch gar nicht befannt 
geroefen, auch überbem Fein einziges vor A. 1461. in Venedig 
gedrucktes Buch in der Welt aufzumweifen iſt. tit weniger 
irret Borrichius offenbarlich, und vermenget den Papiam 
mit bert Ioanne de Ianua, indem er jenem, der im eilften 
Saeculo gelebet, das Catholicon zueignet, und dennoch (aget, 

et fen A. 1286 damit fertig geworden. Walchius wieder⸗ 
Dolet biefe$, ohne etwas dabey zu erinnern , Ungeachtet er 
felbft. den Papiam ins “jahr 1063 Jetzet, in Hiftoria Crit. 
linguae Lat. Cap. V. $ 4. mofelbft aud) die Ausgaben des 

* NVocabularii Papiae mit denen des Catholici Ianuenfis merck- 
fid) durch einander geworffen werden. 





$635 —— de 


454 , | IQANNIS IANVENSIS 





I. 


Der allererſte Druck des Catholici, wozis Johann Gut⸗ 


tenberg in Maintz, kurtz vor dem Jahre 1450, bie fre 
ſtalt gemacht, ift zugleich einer der allererſten Verſuche 
geweſen, bie man mit der Buchdruckerey in Teutſchland (d) 
gethan. Niemand hat davon mit gröfferem Fleiſſe und 
mehren. Berweisthümern gehandelt, als der fehr gelbte 


St. Profper Marchand in feiner imvergleichlichen Hiftoire | 


de l’Origine et des premiers progrés de l'Imprimcerie, 
und der hochberühmte Lehrer zu Göttingen, Hr. Jo. Dav. 
: A ler, | 


dia 


(4) Ich fage mit Fleiß in Teutſchland. Denn waruͤm ted | 
. man Teutfcher feitd , toieber fo viele und flare usi 
und wieder bie in Bibliothefen, infonberbeit zu Wolfend 

tel, vörhandene Proben, über dasjenige hinſehen, was ber 
. ehrliche Lorentz Rofter in Harlem gethan ? ^ Und waruͤm 
füchen im Gegentheil bie Holländer zu erhärten, baf biefem 
ihren Landsmanne bie funft von einem Teutfchen abatftoly 
[tt worden ? Cinmabl war ja fo wol Rofters ald (Dutz 
tenberge erſter Verſuch nuc eine Formichneiberen, und 
feine rechte Buchdruckerey, als welche erft Durch baé erfuns 
bene gieffen-tinzelnee Buchftaben bie Geftalt einer before 
Kunf gewonnen. Und von dieſer Erfindung bleibt ja die 
Ehre unftreitig den Maingern, tworan bie Harlemmer ot 
geblid) Anſpruch machen. pesa auch, ba Guttenber 
von Rofters Arbeit etwas erfahren ; mie leicht Dat er fols 
ches in Maing nachmachen, und durch weiteres nachdenden 
verbeffern fónnen ?. Was braucht e$ zu mutfmaffen, oder 
at zu erdichten, daß "Johann Fuft felber fid) nach ar 
emt begeben, bafelbft bey Roftern gearbeitet, unb bun gu 
ten Manne fein Werckzeug entwendet habe? Kunnten nicht 
beide, icder an feinem Orte, natürlicher weife auf bit Ge 
dancken fommen, daß fid) fo wol Buchftaben unb Zeilen, 
ald andere Figuren, auf Bretter ſchneiden, und davon ab’ 
drucken liefen ? infonderheit wenn ihnen beiberfeitß von det 
Ehinefifchen Art, mit Formen zu drucken, etwas zu Gehör 
oder zu Gefichte gekommen. Moͤgten wir nur bie eigenk 
liche Zeit toiffett , wann, nicht fo wol die Oſt⸗Indiſchen 
Zeuge, al8 bie funft. fie zu drucken, in hiefigen Ländern 
befannt geworden. Diet Erfahrung ift bie Mutter btt 
Buchdruckeren geweſen. | mM 








pu 





' CATHOLICON. 455 





. ZAóblet, in der Ehren- Rettung Johann Guttenbergs. 
Ihr vornehmfter Zeuge ift. Joanner Trithemins , der e$ 
- von Peter Schoiffern, Guttenbergs Gehülffen, felbft 
gehöret, wie nebmlid) der erſte Verſuch des Druckens 
mit Brettern gefchehen, auf welche. man die Buchitaben _ 
erhaben gefd)nitten, — Trithemii. Worte, aus feinem 
Chronico Hirfaugienfi, fo weit (ie unfer Catholicon be: 
. .&effen, find biefe: Imprimis igitur charadteribus. litte- 
‚karum in. tabulis ligneis per ordinem fcriptis, formis- 
que compofitis, Vocabularium, Catholicos. nuncupa- 
tum, impresferunt : íed cum iisdem formis nihil aliud 
' potuefunt imprimere, eo quod characteres non fuerunt 
' amovibiles de tabulis, (ed infculpti, ficüt diximus. 
Nun fcheinet zwar aus den unbedingt: Worten Triche- 
mii zu folgen, daß das gane Catholicon völlig aus der 
Preſſe gehoben, unb Abdrucke davon zum Vorſchein ge: 

kommen ſeyn müffen. Hr. Koͤhler bat fid) auch darüber 
feinen Zweifel beyfommen laflen, und Hr. Marchand 
nimmt es pag. 15. not. (gg) dem Orlandini ausbrüdlid) 
übel, daß er in feiner Origine della Stampa nur von etli⸗ 
chen Blättern redet, bie vom Catholice follen gedruckt 
worden feyn. Allein, bevor id) mid) vor bem geriffen 
. and völligen Dafeyn dieſer erſten Ausgabe überzeugen 
kann, mógte id) mir germ folgende drer Fragen beant 
worten (afe: . | UU 


* I. Wie e$ bod) möglich geweſen, ein fo groffes Buch, 
als das Catholicon ift, auf eine fo mühfame umb Foftbare 
Art, ſchon vor A. 1450. nebit andern ffeinecen Werden 
'eusyufertigen , da bod) nadjbero in derfelben Officin, 
ungeachtet der Erleichterung durch gegoffene Sittern, über 
ben erften Bibel⸗Druck gange zwölf jahre hingegangen? 

2. Ob Guttenberg, als erfter Patron der Handlung, 
aus bem Catholico nicht fo viel würde gelófet haben, daß 
er üm 8oo Gfl. niche noͤthig gehabt hätte, mit feinem 
Compagnon Johann Suffen zu brechen, und feine - 
gange Werckſtat in diefes feines Gläubigers Händen - 

270  8f4 ^ in to 





456 IOANNIS IANVENSIS 


zu laſſen? Wenn aber foldyes gleich gefchehen, wie e$ 

denn zugebe, daß in allen Documenten dirfes Rechts 

- Handels, die Hr. Ashler fleiſſig beygebracht, von dem, | 
was aus dem Verlage des Catholici der einen oder andern 

Partey zur Rechnung gekommen, nicht ein Wort zu (in 

den? Hat etwa Burtenberg vorher feine Exemplaria 

abgedruckt ? oder hat Suft, nachdem der Schrift: Buß 

. vor ihrer Teennung fchon erfunden, die hölgerhe formes. | 

ungebraudye liegen laffen? Wie fann denn Trithemius | 
ſagen: impresferunt ? MEME 





3. Woher es komme, daß bis biefe Stunde von ſo | 
vielen Bücher-Forfchern Fein einziges Stück biefes in Holß 
ge(dnittenen Woͤrter⸗Buches irgendwo angetroffen, und 
Durch deutliche Kennzeichen unterfchieden worden ? Ein 
ieder begiebet fi) auf Trithemium., niemand .aber auf | 
feine eigene Augen. Nun gebe id) zwar gern zu, daß 

- ein Buch, wovon etwa nur wenige Abdrucke gemacht, 
umd welches übecbent durch beflere Auflagen, oder nügli ' 
chere Werde in feiner. Are, bald ausgeftochen worden, 
nicht allein durch Ungfücks-Fälle, fondern auch durch bloſſe 
Abmwürdighng und Vernachläffigung, babe Fönnen ans 
der Welt kommen. Ja es kann gar ſeyn, bag nod) ein 
Öurttenbergi;ches Catholicon hie oder da, roo man eó 
weder kennet noch achtet, im Winckel fleet, Daß aber 
iemanb wircklid) eines gehabt oder gefehen , davan ifi 
mir, fo wenig in den Geſchichten der Buchdruckerey, als 
in Berzeichniffen berühmter Bibliothefen, das geringfte 
vorgefommen. Denn, mit gütigfter Erlaubniß des 
grundgelehrten Herrn Prof. Koͤhlers, muß ich faga, 

: daß bie von Ihm zu dem Ende p. 36 und 37 angeführte 
Scribenten, Quetif, Chevillier unb Marchand, feint& 
weges von einem, nad) Trithemii Beſchreibung, irgends 
nod) vorhandenen Catholico reden, fondern was fic, old 
pod) in "Bücher-Shlen befindlich, benbringen , ift alle 
von denen, bie zu erit mit gefeßten Schriften zum Vor⸗ 
(Dein gekommen. Eine reiffere Einfiht in das, m 

. inſon⸗ 





CATHOLICON. 457 


infondetheit der aufmerckſame Marchand P. 23 unb 27 
angezeichnet, wird es beutlid) ergeben. — 


Dem (e num wie ihm wolle: ber ehrliche Buttens 
berg mag einen bloſſen Verſuch mit diefem Buche getan, 
‚oder einen völligen Abdruck geliefert haben. — Ich will, 
mit fovielen braven Männern, feine Edition, auf Trithe-; 
mii Glauben, für die allererfte anfe&em , und der Zeit 
anheim ftellen, ob nod) iemanb ein wircklich vothandenes 

, ganges ober halbes Exemplar irgendwo entbecfen moͤgte. 
Bann aber nun folgende zu beftimmen vorkommt, welche 
‚denn, nächft diefer, bie zweyte, ober mit gegoffenen fit» 
tern (c) die erfte Ausgabe unferes Catholici nemefen, fo. 
fann man darin gleichfalls einem oder andern Zeugniffe - 
feinen Bepfall zu frühe geben. Die Sache ift (o ausges - 
mache nicht, und mancher berühmte Scribente, der davon 

- febt entſcheidend gefprochen,, hat kaum eine oder zwo 
Editionen vor fid) gehabt, bie übrigen aber nicht dagegen 
gehalten. Selbſt unfer groffer Fabricius übereilet (i, 
wann er, in Biblioth. med. et inf. Lat. T. I. pag. 437% 
bie te Älteften vom P. Quetif erwehnten Ausgal 
eine einzige hält. Mr. Marchand wiederfpriche ihm hiecht 
billig. Wann er aber felber meiner, es-Fönne fein Exem- 
plar, das weder Zeit nod) Dre anbeitet, mit bem Maintzi⸗ 
ſchen von 7460 wol anie ton y fo befenner-er dieſes 

o7 p 5 dabey: 


(c) Möglich iff t$, daß Guttenberg ſelbſt, wie Hr. Boͤhler 
p.19 ibm zu Ehren behaupten will, nachbem e$ mit Bret⸗ 
tern und yr feine Act haben wollen, auf bleyerne unb 

metallene Schriften verfallen, aud) mit biefem von ifnt . 
erfünftelten Zeuge wirckliche Verſuche getban, Wiewol 
der Beweis bacon fehle. Dahingegen Trithemius bie Er⸗ 
Frdung der eigentlichen wahren und erleichkerten Schrifts 

ieſſerey lediglich dem Deter Schoiffer, oder A chäffer, 
beyleget, bem auch Fuft deswegen feine Tochter gegeben: 
Petrus autem memoratus Op//jo, tunc famulus, poftea ge* 
ner, ficut diximus, inuentoris primi Joannis Fuß, h&mo 
ingeniofus et prudens, faciliorem modum fundendi cha- 
tacteres excoßitauit , et artem , vt nunc eft, cósey exi. 


Und dieſes fatte er aud Schoiffers doge, SOSA 





t. 


* 





- 


458 IOANNIS IANVENSIS 


babeo: Mais c’eft ce qu'on ne fauroit vérifier, que par. 
un examen ferieux et attentif. de l'arrangement des ca- 
racéres, et méme de la marque du Papier de ces deux 
editions: et, malheurefement, les occafions de. ces 
fortes d’examens ne font nullement communes. S 
meines Ortes würde mit Beſtimmung des Alters be 
nahmloſen Auflagen mic) nicht abgeben fönıren, da niit 
in dem gangen groflen Hamburg nur ein einziges, unb 
zwar jüngeres, folglich zu dieſer Entſcheidung unnäßes 
Exemplar, aufzufpüren möglich geweſen; wenn nicht 
das benachbarte Luͤbeck fünf unterfchiedene Ausgaben in 
feinen Bücer-Schägen aufzumeifen, und mein dafiger . 
grundgelehrter und aufrichtiger Gönner, der unſterblich 
verdiente Rector, Hr. Lic. "Joh. Henr. von Seelen, 
durch ertheilte fleiffige und ausbündige Nachrichten tuid) 
in den Stand gefeget hätte, etwas zuverläffiges davon 
fügen zu koͤnnen. Fuͤr welche | Willfährtigfeie biefem 
waderen Manne ich Diemit Öffentlichen Danck abffate, 


2 


Solchen reifflichen Einſichten und Beobachtungen zu folge, 
getrane ich mir zu behaupten, daß feine von denen, ohne 
Meldung des Jahres und Ortes, mit gegoffenen Littern 
berausgefommenen, fondern die mit der Stade Maing 
und dem Jahre 1460 bezeichnete Edition ünftreitig die 
ältefte (eg. Die Gründe, womit ich biefe Meinung vor 
andern beftäucfet achte, werde ich zur Gnuͤge benbringen, 
"wann ic) zuvor bie bezeichnete erfte Ausgabe, (ammt bet 
unbezeichneten, deren mir drey befannt geworden, unb 
bie ich in der Ordnung, wie ich fie aft zu ſeyn muthmaſſe, 
zufammen nehmen muß, werde befchrieben haben. 


Die Maingifche demnach), bie von allen, nad) erfun⸗ 
benec Schrift-Giefleren, in der bafigen Werckſtat gedrud: 
ten Büchern bas britte ifi, beftehet in einem Folianten 
son anfehnlihem Formate, der von einigen Befigern in 
4 Bände getheilet worden, Jedwede Seite ift in zwo 

| | Colum⸗ 








CATHOLICON. — — 459. 


Columnen gefpalten, bie weder Uiberfcheiften nod) Cu- 
ftodes haben, Der Gert ift vollee Abbreuiaruren, unb 
die fitteem find eine Teutſche Fractur, oder fo genannte: 
Moͤnchs⸗Schrift, worin allbier überall Fein v, ſondern 
durchgehende ein 11, aud) Feine andere Unterfheidungse 
Zeichen, als bloß Puncta, gebrauchet: worden. Die Or- 
thographie ift ziemlich fehlerhaft, fo wie es bie bamablige 
ſchlechte Sprach⸗Kunde mie (i) brachte. Das gange 
Merck Debet (i). mit diefen Worten an, bie aber noch 
mit roter Farbe dazu gefchrieben (inb : Incipit fümma, 
quae vocatur catholicon, edita a fratre iohanne de ia- 
nua ordinis fratrum predicatorum. Der Schluß, wel⸗ 
cher gedruckt ift, aber. feine Uiberfchrift bat, lautet, mit 
genauer Beybehaltung der Orthographie , alfo: Immene 
fas ompipotenti deo patri & filio et fpiritui ſancto 
gratiarum referimus acciones. qui noftrum catholi- 
con ex multis et diuerfis doctorum texturis elaboratum 
atque contextum, licet per multa annorum cutricula 
in MCCLXXXVI anno domini nonis marcii ad finem 
usque perduxit. Pro quo höc folum mihi admodum - 
necesfarium a uobis humiliter depofco fratres et domini 
. mci, quatenus pro me peccatore philocalo (f) ad deum 
preces porrigere velitis, ut ueftrarum precum inter- 
uentu omnium meorum a deo percepta peccatorum. 
.' venia. ad terram apoftolicam ad terram elilam. i, ex^ 
tra lefionem pofitam, ad paradifi uidelicet gaudia una . 
) uobis- 


(f) C$ ift ja aud der Juhr⸗Zahl 1286, unb aus bem gantzen 
Zufammenhange ber Rebe, offenbar, baf Ioannes Ianuenfis 
mit diefen Worten hs felber meine. Daber fehe ich nicht, 
toie man im Uffenbachifchen Catalogo au dem Philécalo 
einen Mann habe machen können , von dem dieſes Wörters 
Buch vermehret worden. Waruͤm aber Hr. loannes (id) 
peccatorem philocelum nenne, ob er bamit auf fein ftudium 
Philocaliae Grammaticae ziehe, oder ob.er GOtt bie Sünde 
abgebeten haben wolle , bie er etwan in Philocalia virae 
durch eitelen Aufpuß begangen ; davon kann man nichts 

. .fegtn ,. ohne zu wiſſen, was feine Griechifche Gelehrte 

für einen Begriff mit dieſem Worte SS SS 








460 IOANNIS IANVENSIS 





| —-— 


WENDEN 


uobiscum ualeam peruenire. ubi regnat examusím 
dominus nofter ihefus chriftus dei filius benedi&us. 
ia cuius nemine fle&etur omne genu celeftium terre- 
firium et infernorum cui eft honor et gloria et magni- 
cudo et magnificentia uirtus et poteftas, regnum et 
imperium in fecula feculorum. Amen. * Auf diefe Worte 
bee Verfaflers folget mod) ein anderer Schluß bes Berle 
gers,. worin Jahr unb Dre des Druckes angezeiget wird: 
Altisfimi prefidio cuius nutu infantium lingue funt di- 
ferte Qui q5 niio fepe (g) paruulis reuelat quod fapien- 
tibus celat. Hic liber egregius. catholicon. dnice ' 
incarnacionis annis mcccc Ie Alma in urbe magun- | 
tina nacionis imclite germarice. Quam dei clemencis 


. . tam alto ingenii lumine. donoq; gratuito. ceteris ter- 
. tarum factionibus prefere. illuftrareq5 dignatus eſt 


Non calami. ftili. aut penne fuffragio. f3 mira patro- . 
nar. formar. qs concordià proporcione et modulo - 


 impresfus arg; confe&us eft, Hinc tibi fan&e pater - 


nato cu flamine facro. Laus et honor dno trino tri- 
buatur et uno Ecclefie laude libro hoc catholige plaude 
Qui laudare piam femper non linque mariam DEO . 
GRACIAS. Hiernaͤchſt ift eine tabula rubricarum huius ^ 


. voluminis angefüget, und damit das gange Werck de 
. féofoffen. In Srand'reícb findet fid) biefe Edition, 


wie Mentelius und Quetif berichten, zu Paris bey den 
Patribus Ordinis Fulienfis ad S. Honorati (desFeüillans), . 
voie aud) bey ben Minimis zu Nigeons in der Nähe von 


Paris: von welchen Bücher-Schägen der fonft fleiffige 
Hr. Maichelius feine Nachricht eingezogen. Auch Bat fie 


men fà, Sohn in der Bibliothek des berühmten Herrn 


de Boze 





(B) Queti£ lieſet Diefeß:_mimio faepe. Dabey laͤſet e$ aud 


archand. Ich móafe aber lieber leſen: Quique numero 
Saepe, und glaube, bag man nur an bem befannten /zep 
numero bud) Verſetzung gefünftele babe. Im übrigen fft 
alit hier viel accuraxer nachgefchrichen;, als man ed bey 
iegtertoehnten und andern ait. Ä | 


- . 
. - 


^a 


. CATHOLICON. . 461 


.. de Boze-git Paris angetroffen. Syn Engelland ift fie 
in bee Königlichen Bibliothek, imgleichen ‚unter den Buͤ⸗ 
- ern des Sn, Io. Mori, meilanb Bifchofs zu Norwich. 
Der Catalogus Manufcriptorum Angliae et Hiberniae 
T. II. P.I. p. 379. ittet toieber allen Augenfchein, wann 
unſer Ioannes bafelb(t Iacobus de Ianua heiſſet. Cy 
NHolland Dat fie in einigen ausbündigen Haagifchen 
Buͤcher ⸗Saͤlen nicht gefehlee. Man. fehe Catalogum 
- Biblioth. Dalmannianae pag. 1535. und Hulfianae T.J. 
n.4732. In Teutſchland aber hat tool. bae praͤch⸗ 
' figftej in geöflefter Sorm aur Pergamen gedruckte Exem- 
plar der wolfälige Herr van Uffenbad) befeflen, welches 
. im Verzeichniſſe feines ımvergletchlichen Vorrathes, T. II. 
. Append. II. n. XI. befchrieben, und zu einem Preife von 
- zoo Rthl. angefeget wird. Eines andern, wiewol .auf. 
Papier, das in der Hochfürftl. Wolfenbüttelifchen Biblio⸗ 
tef verwahret wird, erwehnet I G. Burckhard in Epift. 
ad amicum de C.H. Erndlii Itinere Angl. et'Bat. p.74, 


Cn Altenburg findet fid) eines in der dafigen Schul 
Bibliochef ; und berichtete Hr. Chr. Frid. Wilifch, in 
— Indice p.25. daß in felbigem Exemplar folgende Worte 
(woraus man den bamabligen Preis eines Buches aus 
der erſten Druckeren abzunehmen hat) vorne hineinge⸗ 
ſchrieben ſtehen: Liber praefens per venerabilem Virum 
Dominum Ottonem Gei/s, tunc temporis epifcopum, 
in vtilitatem monafterii B. Mariae virginis in Alden- 
 burgk, confratrumque ibidem exiftentium emptus eft 
de bonis Monafterii fcil. XLI antiquis fexagenis anno 
Domini M CCCC LXV. circa feftum eiusdem. Lubeck 
Dat zwey dergleichen. Das eine: (iubet fid) unter. dem 
Vorrathe von alten Büchern, bie dafelbft im Waiſen⸗ 
Haufe aufbehalten werden. Das andere befiget ruhm⸗ 
erwehnter Hrrr Lic. von Seelen, welches nicht alleine 
auswendig mit meflingen Claufuren und Bouclen ſtarck 
beſchlagen, fondern aud) inwendig durchgehende dermaſ⸗ 
fen wol conferuiret ift, daß die mit dickem Golde belegte 


Capital⸗Buchſtaben, famme andern gemahlten N | 
20. > : OW 





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Pd 





sh J— . JOANNIS JANVENSIS. u! 





(6 folu als nes, ing Mgr" Fallen „Dep 
p — — 
wis Tagen | 












un ] 










: . 1 . . ⸗ ſo A 
^ eis an ben Seiten umb in bec Mitte, auffecocbendid be 
C Hl. Der Inhalt fommt mitder vorigen in alfem 
« auch find der Abbreuiaruren eine groffe Menge. | 
- - Ate. Anfang : Incipie fumma etc, ift allbier- wicht wir 
roth tags geſchrieben, fondern ſchwartz gedruckt, mb yt. 
mit derſelben Schrift, die jum Terte genommen 4t 
Uibe den legten Worten: Immenfas omnipotenti etc, 
ſtehet: Conclufio libri; ‚weiter aber ift dabey Peine andere 
Schluß- Schrift des Druckers, auch Fein Regiſter be 
e Rubriques » —*8* b on € —* dire Noe 
auch ziemlich mit , infonderheit ehrungen 
des ti und n angefuͤlleten Edition ift eines in Franckrech 
in der Bibliotheque de Ste Genevieve zu Paris. "Que 
“gif unb Echard fagen p. 462. fie fey absque numeris, 
ſignaturis, reclamationibus, anno, loco, nomine typó- 
eherae, absque litteris etiam initialibus, quac omne 
manu additae ‚et pictae: quam Moguntiae prodisk 
"  coniiciunt. 3n Zolland fa bat auffer ern f». Hulfo 
"im Haag, ad Iac : Perizonius in $eiden ein Exemplar 
. gehabt, welchen ber Catalogus feiner A. 1715 verfanfe 
Ä em Bilder, P. IL' p. gt. n; 9o4. diefe Worte ber 
-* Liber adinodum antiquus ct rarus, in cuius 


reperitur fequens iicrigde s t Ex | kgeriene —* Aber 


| CATHOLICON. ^ 463 
legatus eft per Magiftrum Gerardum. Brunonis,. Cano- 
nicum Dauentrienfem, ad  Librariam Clericorum: in 

.. Embrica. Derſelbe codex muß pernad) dem Hn. Mar- 
chand zugefommen feyn, Das erhaͤllet aus feiner Hift, - 
de l'Imprimerie; allwo et p. 23 ſaget: J'ai moi méme 

une edition tout à fait femblable à celle; que decriuent 

- Quetif et Echard. — — Cet exemplaire a autrefois 
appartenu à la Communauté des Clercs d’Emeric, à la 

. quelle il auoit été legué par Gerard de Bruno, Chanoine 

de Deuenter. Er ruͤhmet ferner, daß darin. nicht allein 

. effe Anfangs Buchftaben mit ben fehönften Farben gezie⸗ 

- tet, fondern and) alle Seiten und Zeilen mit retfen Linien 
eingefafer find. Dabey glaubet er, mit bem P. Quetif, 
daß diefe (tinc Edition unter allen mit gegoffenee Schrife 
gemachten die erfte (ey. Wann er aber p. 37 fid) niche 
getrauet fihlechterdings zu leugnen, bag fie. mit der von 
x 460 wol tnögte einerley feyn, indem Sut unb Schoif⸗ 

fer, nad) Buttenbergs Austritt, an ihre übernommene 

. Exemplaria vielleicht nur einen neuen Schluß hinten ane - 

gedrucket; fo würde er auf folhe Muchmaflung nicht 
gerathen feyn, menn er beide hätte zufammen halten 

— Eönnen. Diefes Dat der Hr. von Seelen getban , und 

‚ Wit augenfcheinlich gewiefen, daß nicht allein beide Editio- 
nes gang ungleid) geftaltet, fondern auch die von Mar- 

- €hand aus der feinen ausgezeichnete Druck⸗Fehler in der 
Maintziſchen feinesroeges anzutreffen. Denn es finder fid) 

von der befagten zweifelhaften Ausgabe auf der Lübecfifchen 
öffentlichen Bibliothef ein zwar wolbefchlagenes, doch ziem⸗ 

^ fid) genugtes Exemplar, worinn die Anfange-Buchftaben 
roth oder blau gemahlet, aber nicht verguldet find. Das 
Format iſt ungemein groß, indem es in bie $ánge 20, 

. in die Breite 14, und in die Dicke 7 Zoll haͤlt. Eine 
unbefannte Hand hat vorne hinein gefchrieben: MCCCG - 

- LVII vel XLVIII forte; alg wäre eg vielleicht ut einem 

. von diefen Jahren nedruckt ; welches aber unmöglich, 

weil man es uͤm felbige Zeit mit der Schrift: Giefferey 

- Wed) fo meit nicht gebracht hatte, — $Bielsoe og N Ve 

| SNOSRW 





a 


464 foannıs IANVENSIS 


den Schrift des Bandes; Catholicon . Tobannis: 

de Ianua c Grammaticam et Lexicon Anno 1286, 

"er eie De a ba wd 
oe I" verſtehen. Ob auffer Lübeck | 
Set in Teurfeb anb fen, der fich.des Beſitzes di 

tenheit ruͤhmen fóune, "es nomin. Lr 

no uiae neci carni 








— 


4 | 
I bé dc ident; prn Bit, a Or 
.  bt$ Druckers, wird im derfelben 
; —— aufgehoben. * —* 










ches ich-doch nur muthmaſſe. Jede gefpaltene S 
mit Columnen-Titeln verfehen, bie in allen 
Das Incipit erc. wie aud) alle Anfangs-Zeilen einer meuen 
Abhandelung, find mit gröfferen ſchwartzen Buchftaben 
gedruckt, unb die Verlalien prangen mit Farben unb 
‚Golde. Uibrigens ift (o wol das Werd felber, als die 
ſo betitefte Conclufio libri, der nächft vorher bemeldten - 
Ausgabe, dem Inhalte nad), gänglich- gleich. Auf der 
allerle&ten Seite flebet in dem Lübedfifchen Codice mit 
Mönden-Schrift : Reynoldus Korner me .poslidet ; 
und es Fanı wol möglich ſeyn, daß diefer ehemahlige 
Beſitzer ein Stamm Berwandter des bafigen berühmten 
Chroniciften Hermanni Korneri geweſen. 


5. | 

Eadlich viget f fich- unter denen MS des Catholici, | 
davon der Drucker fo wenig feinen Nahmen, als Zeil . 
and Dre bekannt gemachet Dat, nod) cine febr anſehnliche, 
die durch ausnehmende Kennzeichen von allen vorbeſchrie⸗ 
benen " ſattſam unterſcheidet. Das — e 





 CATHOLICON. ^ 465 





bas Papier -bif umd ſtarck, wie ein $eber , bie Schrift 
beutlid) nnd augenfállig. Anfang unb Ende, wie dud) 
bie Uiberſchrift der Golummen , fommt mit der vorher 
' gebenben überein.. Allein der verfürgeen Wörter find 
viel werigere, unb in der Schluß- Schrift hat man bie 
Regeln der Sateint&tben Rechtſchreibung beffer, als in der 
von 1460. in Acht genommen, (o daß an ihrem jüngeren‘ 
Alter nicht zu zweifeln. Es Dat von diefer Edition der 
Wohlſaͤl. Hr. D. Ioannes Diecmann in Stade ein niti- 
disfimum exemplar ; mie es im Berzeichnifle feiner A. 172.1 
verkaufften Bücher genemet wird) befeflen. Selbiges 
ift, nad) beffen Ableben, in die würdigen Hände meines 


nie gnug gepriefenen Freundes, bes Hn. L. von Seelen, 


gerathen, ber mir von der Schönheit dieſes feines Codi- 
cis, nàd)ft dem, mas ich (don erwehnet, noch folgende 
Nachricht gegeben: “ Das gange Werck, beffen Anfangs⸗ 
^ * und aud) andere Buchſtaben, theils mit Golbe, theils 
«: tuit mancherley Sarben, die noch ießo belle und fauber, 
* ausgezieret find, dergleichen anbere gemablte Zierrathen 
. * fid) aud) auf bem breiten Rande Din und’ wieder finden, 
« ift nod) durch unb bird) fauber und rein, fo daß ich faft 
« mafeln ſollte, ob ein fchöneres Exemplar "anzutreffen 
x (ey, e$ möchte denn das Ulfenbadhifche ſeyn x.” Wie 
aber das Uffenbadhifche eine gang andere Edition ift, und 
ich mol befennen muß, daß (id) mir bis diefe Stunde 
Fein einziges irgendwo aufgethan, daran fid) bie Merck⸗ 
mahle des iegtbefchriebenen befunden hätten; fo Fann 
diefes nicht weniger, als das nächftvorhergehende, mit 
allem Jtedote unter bie hauptraren Bücher gegeplet werden. 


Mehr als diefe brey hier erwehnte, In. et confule 
gemachte Ausfereigungen unfers Catholici find mir nicht 
zur Runde gefommen. Vielleicht find feine mehr in bec 
- Melt. Wenigftens glaube ich, daß diejenigen, die fid) 
in den Verzeichniſſen Hollaͤndiſcher und Franzöfiicher 
Bibliorhefen aufgeben, gemeinig ich eine von biefen dreyen 
(b: obgleich bit Gewißheit davon, ohne Einſicht und 
| ^. $93 OO Se 


Gegenhaltung, unmöglich ift, Die Befißer ſelbſt haben 
dag Alter ihrer Exemplarien entweder gar nicht, oder um 
muthmaßlich, bisweilen auch irrig, angegeben. Ich mil 
nur etliche wenige nahmhaft madyen. Hr. Samuel Hul- 
fius, weiland Bürgermeifter im Haag’, bat in feinem 
vortrefflichen. Bücher - Schage , laut Catalogi Tom. 
n. 4722-4725. vier Catholica gehabt, davon die beis 
den mittelften weder Zeit nod) Ort ihres Druckes anye 
en, und bod) ausdruͤcklich unterfd)ieben werden. In der 
oftbaren Bibliotheca Dalmanniana, die gleichfalls im 
Haag A. 1723 vetfauffet worden, ſtehet p. 154 Canal, 
n. 1274 ein prächtiges Catholicon, mit diefem Beyfuͤgen: 
Editio perantiqua, circa annum 1468, folio magno. 
Sn der eben dafelbft A. 1715 veräufferten Bibliotheca 
. Sarraziana (zu welcher ein rechtfchaffener Buͤcher⸗Kenner 
bie Borrede gemachte) finder fid) unter den Solianten 
n, 1841 : Summa, quae vocatur Catholicon, edita 
a Iohanne de lanua, fine loco et tempore editionis, 
attamen verfus 1482. Hr. D. Diecmann fat biefe Werte 
in fein vorhin erwehntes Exemplar gefchrieben , unb dazu 
geſetzet: Non dubito, illam editionem cum hac mea 
eandem esfe. Wer aber fann hievon bie Gewaͤhre leiften, 
ohne beide gefehen zu haben ? Inzwiſchen bemerkt id) 
bod) zum wenigſten diefes, daß von den angeregten erfahr- 
nen Männern feiner feinem ‘Buche ein gar zu hohes Alter 
angerechnet, ober eg bis in die erfte Guttembergiſche Fa- 
brique hinauf, und alfo dem jahre 1460 vorfreten laſſen. 





466 IOANNIS IANVENSIS  .. | 


pu 





Nun ift nod) übrig, verfprochener maffen, bie Urfachen 
beyzubringen, bie mud) bewegen, fein älteres, mit gegof 
fenen Schriften gedrucktes Catholicon, als dag fubnum.2 . 
befchriebene, zu erfennen; anbey aber dasjenige zu 6e 
leuchten, womit die HHn. Quetif, Marchand, und an⸗ 
dere, bemeifen wollen, daß die fub n. 3 angeführte Aus. 
gabe, in derfelben Fuſtiſchen Werckftat (bon vorher, ja 
gar (fon vor der Entzweyung mit Guttenberg, fertig 
geworden. Meine Gründe find diſe: 

] | 1) Da 


à ^ CATHOLICON. ^"  . 46? 


.. 1) Sa man erft wenig Jahre vor 1450 auf die Erfin- 
dung eines Schrift-Gufles gefommen, und der Anfang 
‚damit fo ſchwer gemefen, bag der in befagtem Jahre un⸗ 
teenommene, aber eut A. 1462 zu Ende gebrachte fateis 

niſche Bibel⸗Druck, bey dem zwölften Bogen (jon mehr 

als 4000 51. gefofter, fo feheinet eS ja wol unglaublich, 
Daß ein fo groffes und ſtarckes Buch, als das Catholicon 

" ift, A. 1460 in berfelben Officin fchon zum zweyten maple 

ſollte ausgefertiget ſeyn; infonderheit da mittlerweile bie 
Sperren der Druckerey mit einander fehr Dinberfid) zerfal- 

fen, man (id) auch inzwifchen mit mehren anderen Wercken 
befaſſet, indem, befannter maflen, der Codex Pfalmorum 
im Jahre 1457, Durandi Rationale 1459, in fol. ang : - 
. fidt geftellet, aud) bie Conftitutiones Clementinae ſchon 
— A. 1460 aus berfelben ‘Prefle gehoben worden. | 


2) Iac. Mentelius erfennet ebenfalls Feine ältere, als 
die von 1460, in Paraenefi ad Mallinkrot. pag. 6o. 
Wann er aber Gluttenberg noch mie Antheil daran neh⸗ 
men läffet, unb diefes als eine Urfache angiebt, warum 
Zuft, bey der. Ausgabe, zwar den Ort gemelbef, bie Nah⸗ 
‚men aber verfchtwiegen, fo irret er vielleicht fo ſehr nicht, _ 
als Marchand vermeinet. Denn wie Fann man wiſſen, 
ob nicht fo wol das Catholicon, als die Bibel, fchen 

- unter die Preffe genommen worden, ehe fid), Guttenberg 
von Suften gefchieden ? Und wer verfichere ung, daß der 
Anfang des Druckes erft nad) 1455 gemadyet ſey, ob 
gleich bey der Vollendung Guttenberg (bon. 5 Jahre 
verdrurigen geweſen? i 

3) Wenn die Verſchweigung des Ortes und der Zeit 
an (id) ein. Kennzeichen einer älteren Ausgabe wäre, fo 
müfte man, mit gleichem Rechte, bie fub n. 4 und 5 bes 
meldete, vor 1460 Dinan rücken ; welches aber ihre ans 
dere augenfcheinliche Umftánbe nid)t erlauben. 

4) Eben fo wenig Fann at) aus der bey n. 3 nicht 
befindfichen Tabula rubricarum 1008 geünbliches gefchlof- 
fen werden, Denn. derjenige Drucker , der bas gantze 

| 2E $32 Yo 





468 IOANNIS IANVENSIS 


$e c 





"x 


Final von 1460 in diefer Auflage megaula(fen gut gef 


den, hat aud) die daran folgende Tabulam 
"wei wollen, ungeachtet felbige bey dieſer Edition 


weg! 
niche fo überflüffig geweſen wäre, als bey ben folgenden 
n. 4 und 5. allwo fie durch die Rubriciriimg der Columat 
entbebrlid) gemachet worden. | Ä 

$) Einige wollen bie Borenthaltung der Anzeige des 
Jahres und Ortes, als ein Mittel dee Bewahrung des 
Geheimniſſes der Kunſt, anfehen, und folglich die beregte 
Ausgabe n. 3. älter ſchaͤtzen als diejenige , bey melde 


‚die Anzeige (fon zu finden, Allein ich begreiffe nick; 


was das Geheimniß ber Kunft mit dem Jahre unb Ort 
zu tum habe. Es mar ja ohnedem, bey nothwendiger 
Vertreibung der Exemplarien, unmöglich zu gedenden, 
bag niemand hätte erfahren (offen, wann. fie gemadyt 
wären, und woher fie Famen : wodurch aber noch fo we 
nig bie Kunſt zu gieflen, als zu (een. und zu drucken, 
verraten. war, 

. 6) Daß in n. 3 mehr Druck» Fehler, als in n. 2 
"angutveffen, bemeifet niche, daß jene Alter als diefe fe. 
Denn fürs erfte glaube id) noch nicht, daß beyde aus be 
Suftifchen Druckeren herausgefommen. Wenn aber fol: 
ches gleid) wäre, fo Fann fürs andere aus den Fehlern 
fo leicht eine fpätere, als eine frühere Edition gemuth⸗ 
maſſet werden. Fuſt und Schoiffer haben zweifels ohne 
bey der erften Ausfertigung A. 1 460 nod) felber ihre Haͤnde 
und Augen gebrauchet, bald darauf aber, bey Ermeiterung 
ihrer Werckftat, und Arbeit, vieles auf Lehrlinge und 
ungeuͤbte Gehuͤlffen müflen anfommen. laffen. Daher 
eine neuere Auflage zwar eine beſſere Schrift, aber gar 
leicht einen fehlechteren Seßer Dat haben fönnen, 


7) An Abbreuiaturen mangele es fo wenig in n. 2, | 
als 3. und können (id) beide zwar, an biefent Merckmahle 


des Alters, denen fub n. 4 et 5, keinesweges aber untit 
fi) felbft eine der andern vorziehen, 


U 








' ^ CATHOLICON. " 469 - 





8) . Was wären denn mum endlicy den dreyen unbes 
kannten Ausgaben für eigentliche Jahre zu beftimmen ? 
Meines Erachtens ift nichts weiter möglich, als daß man 
bie zwey Zeit-Räume bemercket, in welchen fein Catho- 
' licon gedruckt worden: nehmlich zwifchen A. 1460 und 
3472; und wiederum zwifchen A. 1472. und 1483. 
Denn ba in folgenden, bis 15 14, niemahls 6 Jahre Din» 
gegangen, darin von biefem Buche vidt zum wenigften 
eine, 10 nicht mehre, Auflagen gemacht worden; fo iff 
am glaublichften, daß bie fub n. 3 tmb 4 in die erften 
ledigen 12 Jahre vor 1472 gehören, bie le&te aber (ub 
n. $, vermöge der darin ſchon (efr verminderten Abbre- 
uiaturen, und richeigeren Orthographie, in einem von den 
^ x1 Jahren vor 1483 das Licht muffe gefehen haben. 


9) Wo aber, und in welcher Drucker, ift icbe vom, 
den Dreyen gefertiget worden ?_ Hierauf wirb niemand 
fib getrauen entfcheidend zu antworten, fo lange man 
nicht eigentlich weiß, wohin (id) diejenigen gewendet, bie 
zu erft aus ber Maingifchen Officin die Kunft weiter. ger 
tragen (h); und fo lange man feiner Bamahligen Drucke 
te) ein fo gar eigenes Kennzeichen ihrer Sitteem und ihres 
SDapieres beylegen faim, daß nicht eben dergleichen ander« 
weitig hätten nachgegoffen und angelchaffet werden koͤnnen. 
Was bemngr) infonderheit die Edition n. 3 anbelanget 

| 693 (denn 





(b) Dieſes fol, nach "Jobann Schoiffers Bericht, erſt Im® — 
Jahr 1462 8 n feyn. Denn fo lauten feine Worte, 
in ber Schluß⸗Schrift bey dem von ihm A. 1516 gebruchten 
Breniario Hifloriarum Tritbemii : Retinuerunt autem hi duo 
iam pracnomioati (Joannes Fuſt et Petrus Scorffer) hanc 
artem in fecreto, omnibus ininiftris et familiaribus eorum, 
ne illam quoque modo manifeftarent, iurciurando aftri&is: 

uoad tandem anne Domini MCCCCLXII. per cosdem 
Amiliares in diuerfas tertaram prouincias diuulgata haad 
paruum fampfit incrementum. Iſt dieſes richtig, fo folgct 
jum wenigften, bag vor A. 1460 fein grofied Catholicoa, 
aufferhalb der Fuſtiſchen Werckſtat, fchon anberétoo gedruckt 
feyn könne, fo toic e$ innerhalb derfelben, betwiefener malen 
au wieberholten mahlen gu gefchrhen umaadalih osx S 


m 


470 IOANNIS IANVENSIS | | 





(denn mit den andern wäre noch eher zu rathen), fo fans 
man zwar mit feinen Gebanden auf Johann Mentel in 
Straßburg, auf Franckfurt am Mayn, ja gar auf Luͤbec 
verfallen, wenn nur, von legrbemelbten Orte, bie ziemliche 
Mibereinfunft der Littern des Catholici, mie bem daſelbſt 
A. 1474 gebrud'ten Rudimento nouitiorum ‚einen ſattſa- 
men Grund abgeben wollte. Wie aber? wenn man auf 
Guttenberg felber mutpmaffete, ob etwa bieftt, nad) fer 
ner Trennung von Fuſten, ee fep in Maintz, oder anderswo, 
eine eigene Druckerey gehabt, woraus die unbenahmte Edi- 
tion wäre heruprgefommen. Denn daß derfelbige ausde 
. Suftifchen Gemeinfchaft nicht gang mit lediger Hand davon. 
gegangen, und fid) alles Druckens völlig begeben habe; taf 
ihm vielmehr ein Doctor in Maing, Nahmens Conrad 
Humery, zu neuer Einrichtung wieder Gelb vorgeſtrecket, 
der dafür, nad) Guttenbergs Tode, bie Druckerey behalten, 
und dem Chur Fürften A. 1468 fid) verfd)rieben, felbige 
entweder felbft in Maing zu brauchen, oder fie an niemand 
anders, ald an einen Maingifchen Bürger, zu veräuffern; 
folches berichtet unb beweifer Hr. Koͤhler, in der Ehren 
Rettung p.39 und 101. Hat nun Guttenberg burd) ein 
neues Anlehn fid) wieder in den Stand gefeßt, etwas aut - 
fertigen zu Eönnen, fo ift nicht unmöglich, daß er ein Ca- 
 tholicon vorgenommen. Jedoch wird ſolches ſchwerlich 
vor A. 1460 gefchehen feyn. Denn fo fange die Schrift: 
Gieſſerey. noch allein in Fuſten und Schoiffers Händen war, 
ift nicht zu glauben, daß ihm diefe feine Gegner und Verfol⸗ 
ger werden Werckzeug haben zukommen laflen, womit et 
in ihr Gehege geben koͤnnte Summa : es fómmt alles 
auf Murhmaflungen an; wobey man e8 auch wird müffen 
bewenten loffen, bis (i) in der Gefchichte von den unbe 
zeichneten Ausgaben unſers Woͤrter⸗Buchs fo viel näheres 
entberfet, daß eine gute Critica typographica, wann man 
fie alle gegen einander hält, einer ieden ihren Werckmeifter 
zuverläflig beftimmen kann. Bis dahin muß man einem 
ieden Befiger gönnen, menn er gern (iebet, daß die feine 
für die ältefte und rareſte angefehen werde, 
mE | Bey 





 CATHOLICON. 471 
Bey ben folgenden Editionen giebt e$. in biefem Puncte 
weniger zu fagen, weil fie alle ihr Alter unb ihren 
- Drucker felber melden. — Syd) werde aljo nur dahin 
‚zu (eben haben, daß t.» denen, fo mir befanne 
.geroorben, in richtiger Drum, Feine vorbey gelaſ⸗ 
ſen werde. 





6. 

1472. Moguntiae, in fol. per Petrum Scoeffer. 
Diefe Ausgabe, bie id) fonft nirgends finde, ſcheinet 
Maittaire T.I. Annal. Typogr. p. 100. aus Men- 
telii Paracnefi pag. 90. 91. genommen zu haben. 
Der khmülftige unb (ret zu verftehende Mentelius 
redet daſelbſt von id) weiß nicht was fie Codicibus 
seternae Japientiae, bie in Main A. 1472 gedruckt, 
unb von ihn in ber Mazarinifchen Bibliothek gefe- 
ben worden, Maittaire rechnet. dag Catholicon mit 
darunter, und eignet ihm deswegen auch diefe von 
Mentelio beygebrachte Schluß-Schrife zu: Praefgns 
hoc opus praeclarisfimum alma inurbeMoguntina 
inclytae nationis Germanicae, quam DeiClementia - 
tam alto ingenii lumine donoque gratuito caeteris 
terrarum nationibus praeferre illuftrareque dignata 
eft, artificiofa quadam adinventione imprimendi 
feu characterizandi, absque ulla calami exaratione 
fic effigiarum, et ad Eufebiam Dei eft induftrie 
confummatum, per Petrum Scoeffer de Gernsheim, 
‚Anno Dominicae Incarnationis MCCCC LXXII. 
in vigo. Matthiae Apoftoli, ' 


7. 

147 6. Lib qui | dicitur Supplementum. Venetiis, , 
in fol: Editio prima. ac rarisfima. So ſtehet im 
Catalogo der (djónen bibliothecae Kryfianac, bic 
À. 1727 im Haag verfan(fet worden, P-L p. 99. 

2.1029. Ich zweifle gar nicht, daß diefes ein Sup- 
Plemennum Cachalich "or zwar dasjenige ſey, en 
94 


1 »u 


73 


IQANNIS IANVENSIS |. 








o2 eon igen, was droben p. 444 in.Ungenße ] 


& 
Ar. a 3. Venetils, in fol, per Hermanıgan Lichtem 


u ——* haben, fo ſehe ich aus beffen Buͤcher⸗ 


n 3 Noribergae, inf. Fabricius inBiblioch.Lat. ' 


"er vom Scoweren, — vum ee 


wur 


Em ; P. r17. Biblioth. Bentefiana, P. III 


Ortes an, mat. p. 245. | 
5 —— 









t i ic ione DR "Be di 
beit ada worden, zur | dienen. 


m, Colonienſem. 10.Sauberti Hiftor. Biblioth. 
Non, p.147. Ant. Reiferi Index MSS. Bibliorh. 


5 iIncunab.Typogr. p24et77. 
len Em. Lesfckerus — die 


—— bie ec ſelbſt beſeſſen, 
Stro 








Vorfahren, bet (al. D. Cph. Schrader, 


Catalogo P. IL. 1. 312, daß darin bag Sy 4 
tur von iemanb mit cother Dinte dazu g 
Te gedeucke geweſen. 





Vol. IH; p. 739. Catal. Biblioth. Io. Henr. Egge- 
lingii, p. 23. n, 398. Io. Cph. Mylius in Memora- _ 
bilibus Biblioch. Academ. Ientenfis, P9 n. 367. 


. YO, 


A.1486. Noribergae, per Antonium Kobunger. Ju. 


Em 


groß folio, auf breit tinb ſtarck Papier gedruckt, ohne 


. €itel und Paginatur. Am Ende chen bise Worte: 


Clarfimus is codex, a plerisque Prosedia ceteris 


. vero Catholicon nuncüpatus a fratre. loanne Ia- 


nuenfi (an&i Dominici profesfionis e multorum 


z Bde dignorum autoribus non minus c£ (uo fido 


200 7€ 


22 CATHOLICÓN. - m ü 


infinul läboriofe colle&us et dominici gregis cu- 
ram gerentibus non modo vrilis verum ctiam. pere 
neces{arius multarum · nanque theologicarum phi- 

loſo icatumqʒ (condonatis etiam ptincipaliori- 

bus queftionum nodos foluit ftudiofe admodum ' 








c5 baut immerito vifüs. Impenfis Anthonii Kobur- - 
j | ger Nutenberge eft Be: Anno Chri- ,. 
E ane faluris Milleimo. quadringentefimo octua- 


Báo fexto duodecimo kalendas Septembris, . 
iefer noch hie und da vorfommenben Ausgabe 
haat unſere öffentliche Bibliochef das Gluͤck ein Exem- -, 
or p aufzuweiſen, welches Sr. Io. Iac. Vol ? 
1. V. C. neulich dahin verehret. Sonft iſt es au 
u Paris erm Calloge Mazarin, p» zu Nürnberg in bee 
——— ‚amd zu Luͤbeck in bem Vorrathe 
alter Bücher, Die eye Dehm aufbefalten orbe, . 
IL ; 
À1487. Venetiis, in fol, per Hernannum Liechten- | 
j flein. Echard in Append. T. II p. 818. Mairtaire 
T. L Annal. ‘Bibliocheca Bigotiana, P.L p. 39. 
"m. 16r3:^ du Fresne hat dieſe Edition. gu feinetà 
Gebrauche in Händen gehabt, wie er t. bezeuget 
in Pracf. ad Glosfar, Lat. $ 47. p. 33. Aus Che- 
viler Hiftoire dcl Imprimerie p. 39 efieid bag 
der allgier genannte Hermann Licchtenftein to 
— À. 1477. ja Vicenza getéudtt, und fi Hertmangum. 
de Leiulapide geſchrieben habe. 


12. E 
A-1485 gini in fol. per loannem. de Prato: 


Bibllother der Drebiger-Münche von S. Ho- 
m appare. Ari, Tel patas MEME 


13. 


4.1490, Pieri in fol. Catal. BibliochecaeEhtenero: 
m  nisnae edit. Flag: Com. p. 167. 4.1953. 


BIEN Me 


" ^a . .. ^ x 
i. vro oCa.c . (5.34 


474 IOANNIS IANVENSIS . 





14. 

A.1491. Venetiis, in fol. In der Dominicaner Bibliothek 
- be» S. Iacobi zu Paris, wie Quetif berichtet 1. c. 
Weil aber faum zu glauben, daß bas Werck an einem 
Orte abr auf Jahr foffte gedrucke ſeyn; fo muß 
entweder in einer von beiden Nachrichten ein Drud- 
Fehler befindlich, ober auch bie Kunſt der Verleger 
ſchon fehr alt ſeyn, durch Borfegung eines jüngeren 

Jahres, ein Buch bey der Neuigkeit zu erhalten, 

A - 


| 15. 
À.1493. Lugduni , in fol. Catal. Biblioch, Nic. Heinfii, 
| P. 1I. p. 3. Chr. Gotthold Wilffchü Arcana Biblio- 
thecae Annaebergenfis, p. 312. ^ 
E j 16. | u 
A.1495. Venetiis, in fol. per Ocfauiamun Scorum. 
Ant. Pofleuinus in Apparatu facro, T. L p. 881. 
Quetif 1. c. | 


. 17.' n 
A.1496. Auguflae Vindelicorum, in fol Beughem 
in Incunab. Typogr. p.24. | 


18. j Ä 
A.1496, —— in fol. In der Koͤniglichen Bibliothek 
zu Dresden. Siehe Io. Chr. Goͤtzens Merckwuͤr⸗ 
" bigfeiten berfelben, II. Band, P-49: 


2 I9. . 
A.1497. Venetiis, in fol. fumtu Perri Lietbrenflein, 
' typis loannis Hertzog. Dietericus in. Graecia 
exulante , Pag E 3. Oldoinus in Athen. Liguft. 
| p.284. Bibliotheca Barberiniana T. J. p. 559. 
^ Biblioth. Aprofiana pag. 216. allwo diefe Schluß« 
€ drift daraus bepgebrad)t wird: Didtionarius, 
feu Vocabularius Fratris Ioannis Ianuenfis, Ord, 
| Fratrum 


, A 


ne... " SEE TR EE 


T | "^" CATHOLICON. * 0 4M 
Fratrum Praedicat. S. Dominici, vulgo Catholicon: 
nuncupatus; ad omnes ferme literales ícientias 
accommodatisfimus, Iusía et impenſis praeftantis 

. viri, Domini Petri Liechtenftein Colonien. Arte ' 
, item et ingenio IoannisHertzog, Venetiarum Im- 
presfotis famatisfirhi, vigilanti ftudio reuifus emen- 
darusque : felicibus aílris explicitus eft, annb 

Chriftianifmae Natiuitatis poft millefimum qu£- 

“ terque centefimum nonagefimo ſeptimo. Pridie 

Kalendas Martias, fol. | 





| 20. . 
4.1499. E otbomagi. Bon diefem Sabre toitb ein veux 
| Catbolicon angeführet. in Gabr, Naudé Addition 
à l'Hiftoire de Louis XL chap.7. welches Gapittef 
Hr. Marchand gang in feine. Hiftoire del'Impri- - 
merie eingetragen, allwo infonderheit p.79 nachzus 
(cen, Es tout fid) aber von Biefer Ausgabe ſonſt 
nirgends etwas auf. Daher zweifle id) faft, ob bas: 
felbſt vom gangen Catholico Ioannis Ianucenfis, 
unb nidbt vielmehr von einem Compendio deffelben 
bie Rede (ey, welches unter dem Titel : Catholicon 
.. . albreuiatum , wiewoi nitht zu Roan, fondern u 
Paris 1499. in 4. gedruckt, und in der Academi⸗ 
ſchen Bibliothek zu Jena befindlich iſt; allwo ſichs 
zeigen wuͤrde, ob die von Naudco angeführte Latei⸗ 
niſche Verſe sum $obe der Druckerey darin zu leſen 
(nb. Sonſt fónnte nod) gar. ein anderes. Wörter 
Buch gemeinet worden ſeyn, welches ebenfalls Catbo- . 
. Jicom heiffet, und in eben demfelben Jahre gedrudt - 
iſt. Ich finde folches in der berühmten Bibllothek 
des Freyherrn von Bobendori , P.I. Catal p.237. 
unter diefem Titel: LeCatholicon, le quel contient 
. trois langages, ícavoir Breton, Francois, et Latin, 
. conftruit et compilé par Maitre Auffree Quoata 
»queveran ; à Antxeguier 1499. fol. 


2X. | 


T 2 


476 IOANNIS IANVENSIS 


— 





— 


2Y. ' 


A.ısoo, Lugduni, in fol. In der vorberegten Biblio- | 
checa Hulfıana im Saag, T.I. m. 4725. 


22. | 
A.1506. Lugduni, in fol. mai. chartis 16%. cum Al- 
dirionibus M. Petri Aegidii (). Impresjun 
expenfis Stepbani Gueynardi , arte et indu- 
firia Francifci Fradin. Diefe Edition, dern 
Gesnerus in Biblioth. und Posfevinus in Appar. 
erwehnet, befindet (i) in der Univerſitaͤts⸗Bibliothel 
zu Franckfurt an der Oder, laut Becmanni Catil. 
.156. Arsch ift fie in dem vortrefflid)en Buͤcher⸗ 
Bsectarge unfers groflen Fabricii geweſen, und daraus 
dem Hin, d’Orville in Amſterdam kaͤuff lich zu Theile 
geworden, m 
| 23. 
A. 1506. Parifüs, in fol, per lodocum Badiun : 
| ebenfalls mit Acgidii Zufägen. Oldoinus in Ache- 
naco Liguíl. p.284. . Quetif, Lc. p.462. 


24. 


- (3) Daß diefer Petrus Aegidius ber weiland beruͤhmte ICtus und 
Syndicus zu Antwerpen folle getvefen feyn, mit welchem Eras- 
mus und Th. Morus fo groſſe Freundſchaft gehalten, ſolches 
will mie nicht glaublich ſcheinen, o5 gleich Sweertius, und 
aus ihm ba GelehrtensLexicon, die Vermehrung be Catho- 
lici bemfelben zueignen. Denn diefer wackere Mann tvar 
A. 1486 gebohren, und unter Erasmi Hand ergogen worden: 
müfte alfo faum 20 Jahre alt geweſen fenn, als er dag groffe 
Mer fchon ausgefertiget. Wiberdem war ein folcher (do: 
laſtiſcher Troͤſter (o wenig nad) dem Geſchmack Erasmi , daß 
er feinen fo zärklich geliebten und fchtwächlichen Acgidium 
gewiß nicht wird an Augfehrung eines ſolchen ftabuli Augiac 

ewaget haben, Wie denn auch in fo vielen Briefen, bit 
:rasmus an ihn abgelaffen,, feine Spur qu finden, bie dahin 
einfchlägt. 








CATHOLICÓN. |. — a7 


24. | 
15 11, Korbomagi, in fol. Th. Hyde in Car. Biblioth, 
-  Bedleianae, P.L p. 354 — 





on: 25. | - 
1514. Lugduni , in fol. per loannem de Platea, 
cum nouis augmentis lod. Badii Afcenfü. 
Du Fresne in Praef. ad Glosf. Lat. $ 47. Biblioth. 
Ehrencron. p.169. n. 1984. Ohne Zweifel iſt 
biefe Ausgabe gemeinet in dem Indiculo hiftorico- 
chronologico Auctorum linguae Latinae, der dem 
Thefauro Fabri, edit. Lipf. 17 19. vorgefüget more 
ben, obgleich dafelbft, vielleicht ducch einen Drucke 
Sebler, 1614 ſtehet. Denn in diefem Jahre Dat 
man ſchwerlich nod) an eine neue Auflage des veral⸗ 
teten Catholici gedacht. — Inzwiſchen fee id) bie» 
felbe Jahr⸗Zahl 1614 auch angefege in bes Herrn 
Io. Ad. Webers Einleitung in die Hiftorie der Latei⸗ 
niſchen Sprache, p. 252 LO 
1320, Lugduni , in fol. typis Antonii Dury. 
Von diefer beyeuget Mich. luftinianus in Scriptr. - 
Ligur. pag. 303. daß et fie in der Bibliochef beg 
vom Alexandro VII. zu Rom geftiffteten Collegii . 
Sapientiae gefehen. Zu Paris Dat man ein Exem- 

- plar in der Bibliocheque du College Mazarin. Sie 
fehlieffet fid mit biefen Worten : Hic manus appo- 

' fita eft Catholicon F. Ioannis Ianuenfis, Ord. 
Praedicat. diligenter caftigatum per praeftantem 
doctrina virum eximium Magiftrum Petrum Egi- 
dium, qui non duxit indignum fuis laboribus, 

. "fingulos quoque codices, imo vero fingulas pagel- 
las diligenter recognofcere, et additiones acutas, 
ex fua ingenii officina .profectas, aduertere. In- 
feruitque additiones fuae fingulis ia locis, prout 

| (OGQESIXNTA, 


Yol. YA-t 78 


n ", 


| ut ar 
478 . | IOANNIS TANVENSIS’ .. 





(d 


con esfe iudicauit. Nec non allegationes - 


Biblize (per quas vocabula faepe probantur) qui- ; 
u ps? quas probantur) .qui- 


bus in locis capitulorum habentur: per 
^. diuifa capitula appofuit, imo ét quaedam notabilis 
. in margine pofita. memoratu digna. © Pro 
'' multo bore 4 fe cognofcat iuuenss —— qi 
; iuxta Grammaticam cernat glosíemata connexa. 
Impresfum Lugduni arte et induftria Antonii 
du Ry, anno a Virginis partu millefimo, quingen- 
tefimo, vigefimo. Die 26 menfis Ianuar. Siehe 
Biblioth. Aprofian. edit. Wolf. p. 216. allwo bit 
untergelegte Anmerckung mol nicht dahin gemeinet 
^ ftn kann, bafi Petrus Aegidius allererſt A. 1520 
das Catholicon verimehret unb verbeſſert habe. 


IN 


4 


Denn ein anders beweiſet bie oben erwehnte yon⸗ 


niſche Ausgabe von 1506, die ich felb(t in Handen 


gehabt. | 
27. on 


L1 ao. R otbomagi ‚In fol. Komme vor im Catalogo 
bet A.1698 verfaufften Bibliochef FrancifciBernard, 
Medici in $onden, P. II. p.1.n.7. Ob dieſe Edition 


mit der vorhergehenden eintrfep, und etmoa der Bere. 


leget nuc unterfchiedene Titel gemacht, weil er an 
beiden Orten eine Niederlage gehabt, folches gebe ich 


demjenigen anheim, der fie beide feben, und gegen ^ 


einander halten Fann. 


E 28. 7 - 
.1629. Daß ein in dieſem Jahre gedrucktes Catholicon 
in Paris bly ben Dominicanern de la rue S, Honoré 
befindlich fey, fagt uns der Hr. Pontier in feinem 
Cabinet ou Bibliotheque desGrands, T.I. p.275. 
“Da aber weder Quetif, nod) fonft iemanb, deffen 
gebeucet, fo Fann vielleicht burd) eirien fehr moͤg⸗ 
lichen Druck⸗Fehler ein 9 für ein o, unb al(o 1529 
für 1520 geſetzt (eon. m 
2o. 29. 


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tn 


ver 


v. CÍ'CATHOLICON. 49° 


© m 29. | 





1669, Momae. Der einzige Oldoinus ift es, bet diefe 
‚. diuégibe, mit Aegidii Zufägen, geſehen gu haben, 
bbejzeuget, in Athenaeo Liguflico, p.284. Sonſt 
‚finde ich fie nirgends: wuͤſte auch nicht, was in dem 
aufgeflärten Zeiten ein neuer Druck eines ſolchen 
- Buches fürNusen haben fönnen. Zum wenigften 
. . würde es nid)t ohne groffe Veränderung ausgefer⸗ 
tiget, aud) bem fleiffigen Aprofio nicht unbekaunt 
geblieben ſeyn; der aber J. c. p: 217. ausdrücklich 
geftebet, daß er niemand wiffe, der nad) Petro Acgi- 

dio an Berbefferung .diefes Werckes die Hand gele« 
get hätte, nn un 


€» viele Ausgaben find es, baton id) Nachricht habe 
freiben Fönnen. Sollten ihrer noch mehre feyn, wie gar 
I möglich, fo ift diefes üm defto fonderbarer und merck⸗ 
tbiger, daß ein groſſer Foliante, der innerhalb Go Jahren 
n wenigften gewiſſe 25 mahle gedruckt worden, fid) bens 
f) dermaffen aus der Welt verloren hat, daß man ihm 
nimehro ducchgehends in den Verzeichniſſen varer Bücher - 
e vorzügliche Stelle anmoeifen müffen. So mag man aud) 
3 diefem Exempel eines einzigen Buches erkennen, wie 
ipfam und weitläufftig bie Arbeic eines Mannes fep, der - 
| mit Verfertigung vollſtaͤndiger Jahr⸗Buͤcher der Buche.“ 
ickerey befafler. MM on 


Bon gefehriebenen Catholicis, bie, auffer den gedruck⸗ 
, nod) bie und da in Bibliothefen anzutreffen ,- ifl- ießo 
ines Vorhabens nicht, ein befonderes Berzeichniß "zu mae 
v, Wem daran gelegen , dem werden die oftberegfen 
minicanet Quetif tmb Echard ; in ihren Scriptoribus 
d. Praedicat. T. I. p. 462. mit einer ziemlichen Anzeige 
rififcher, Römifcher und Englifcher Codicum an die Hand . 
en. — Syd) will nur aus Teutfchland eines einzigen Exem- 
re$ erwehnen, das (ib in Francken zu Geubid) i in der | 
EE ; MEE | ne. 


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E 480 i IANVENS CATHOLICOK. 3 

ioch des Grafen ven -3 
"Feder Can AERE 
* burg, befindet, - Diejenigen Selehrten r 





und befchreiben es —e— 
Membranaceum Maius , 
tomple&ens, compofitum et 

'' &belicon. feu Summa, Anno MCCLXXXVL' — 

" Deferi 


E in 8. geliefert, haben es jm 


ptum vero us Happelonis Kazman ‚: Ecclef 
Frizlarienfis SS. Apo Petri et Panli Decani, et a